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DieOberhcssijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durä- die Post 2.25 M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M. frei ins Haus. Verlag von Dr. T. Hitzeroth. Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. E. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

ESI

Marhurg

Dienstag, 18. November

Der Anzeigenpreis beträgt für die Tgefpaltene Zeile oder deren Raum 15 L, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 L, für Reklamen die Zeile 60 5>. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Nr. 5015 de» Postscheckamtes Frankfurt a. M.

18. Jahrg.

1913.

Erstes Blatt.

Tie Lage in Mexiko

- tft gespannt. Die Gattin des französischen Gesandten begab sich nach Veracruz. Der Leiter Cowdrays der Oil Company ist ange­wiesen worden, alle Frauen und Kinder und auch Männer, die es verlangen, nach Veracruz zu senden.

. Ein Versuch zur Wiedereröffnung der Verhandlungen.

Washington, 17. Noo. Der amerikanische Geschäftsträger O'Shcmghnessy sandte einen neuen Vorschlag des mexikanischen Kabinetts nach Washington. Der Vorschlag soll die Grundlage für die Wiedereröffnung der Verhandlungen abgeben. Sein In­halt ist nicht bekannt gegeben, doch wird erklärt, daß er nicht be- ' stimmt genug sei, um den von der Regierung in Washington ge­stellten Forderungen zu genügen. Bryan und Wilson hatten gestern abend eine Unterredung. Obwohl die Regierung der Meinung ist, daß Huerta nachgeben muß, will sie doch einige Tage die Wirkung des Drucks des Auslandes auf Huerta ab warten; erst dann werden endgültige Maßnahmen getroffen werden.

Ein bedenkliches Zeichen.

Mexiko, 17. Noo. Der Minister des Aeußern Aldape ist zurückgetreten. Aldape ist der letzte der Minister, die aufgrund des Uebereinkommens ernannt wurden, das zwischen Huerta und Diaz nach zehntägigen Kämpfen im Februar in der amerikanischen Botschaft unterzeichnet worden war. Der Rücktritt des Ministers des Aeußern wurde in der Kabinettssitzung am Sontag verlangt. Huerta wiederholte in dieser Sitzung den Ministern gegenüber die Erklärung, daß er nicht zurücktrete, daß es sich für ihn um ' Tod und Leben handele und daß er das Spiel zu Ende spiele. Der zurückgetretene Minister Aldape begab sich nach Veracruz, von 200 Soldaten begleitet. Es wird erklärt, er gehe nach Frankreich und werde wahrscheinlich anstelle de la Barras Gesandter in Paris. Er war der Führer einer Gruppe von Ministern. die überzeugt ist, daß es besser wäre, wenn Huerta wenigstens einen Teil der amerikanischen Forderungen, die seine völlige Ausschaltung von der Macht enthielten, zugestünde. Aldape war der einzige, der den Mut hatte, über die internationale Lage offen mit Huerta zu sprechen.

Erfolge der Aufständischen.

Mexiko, 17. Roo. Rach der Eroberung von Zuarez wur­den die Offiziere der Bundesarmee, die von den Konstttutio- nalisten gefangen genommen wurden, erschossen. Dor der Hinrichtung wurden die Offiziere gezwungen, ihre eigenen Gräber zu graben.

R e w y o r k, 17. Rov. Wie aus Mexiko gemeldet wird, sam­melt sich ein Teil der Aufständischen um Orizaba. Durch die Ein­nahme dieser Stadt würde der Bahnverkehr nach der Küste unter­brochen werden.

London, 17. Rov. Die Times" meldet durch ihren Ver­treter in Veracruz: Auf der Strecke von San Louis nach Saltillo ist ein Militärzug von den mexikanischen Aufständischen i n d i e Luft gesprengt worden unter Zuhilfenahme von Dynamit. Bei der Explosion ließen gegen fünfzig Soldaten das Leben, während etwa dreißig verletzt wurden. Es ist bereits das dritte derartige Verbrechen, das sich innerhalb der letzten Wochen in diesem Distrikt ereignet.

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Deutsches Reich.

Vom Kaiser. Kiel, 17. Rov. Der Kaiser weilte heute vor­mittag von 10 Uhr ab auf der Germaniawerft, wo er eine Reihe technischer Einrichtungen besichtigte.

Ordenserlaß des Kaisers. Berlin, 17. Rov. Der Kaiser ermächtigte die Eeneralordenskommisfion, die vor dem Feinde er- rvoxbenen Orden und Ehrenzeichen in geeigneten Fällen den Hin- tetbirtbenen auf Antrag zur Aufbewahrung als Andenken zu be­lassen.

Kokowzow in Berlin. Berlin, 17. Rov. Der Berliner Be­such des russischen Ministerpräsidenten Kokowzow wird in Ber­liner diplomatischen Kreisen mit wachsender Aufmerksamkeit be­trachtet, da, wie verlautet, nicht nur die allgemeine internatio­nale Politik, sondern auch ein ganzer Komplex von Spezial- f r a g e n, die Deutschland und Rußland berühren, Gegenstand der Verhandlungen zwischen Kokowzow und dem deutschen Reichs­kanzler sowie dem als Vertreter des Staatssekretärs von Jagow fungierenden Unterstaatssekretär Dr. Zimmermann sein wird. Dabei spielen auch die wirtschaftlichen Fragen in Kleinasien eine Rolle. Der russische Ministerpräsident hatte bereits mit dem Kanzler eine fünfviertelstündige Unterredung.

Tod eines Landtagsabgeordneten. Höxter, 17. Rov. Der Landtagsabgeordnete Albers für Warburg-Höxter (Zentrum) Ist in Godelheim im Alter von 70 Jahren gestorben.

Die unermüdlichen Welfen. Hannover, 17. Rov. Trotz der kürzlich ausgegebenen welfischen Erklärung, daß man für die Zu­kunft die Taktik des politischen Kampfes ändern werde, wurde am Sonnabend in Linden zur Feier des Geburtstages des Herzogs von Braunschweig eine Versammlung abgehalten, in der Redatteur Langwost unter großem Beifall den Nationalliberalen Kampfbis aufsMesser ansagte. Der Herzog von Braun­schweig scheide aus der Bewegung aus. In der üblichen Weise sandte man dann ein Telegramm an den Herzog von Cumberland, in dem es heißt:Frohbewegten Herzens blicken wir nach der Stadt Heinrichs de« Löwen und harren in felsenfester Treue der

Stunde, da das Recht auch in Hannover seinen Sie- I geslauf h ä l t." An den Herzog Ernst August wurde ebenfalls | ein Glückwunschtelegramm gesandt. i

Bekämpfung des Mädchenhandels auf der Eisenbahn. Ber- I lin, 17. Rov. Wie verlautet, ist auf allen deutschen Eisenbahnen eine einheitliche Bekämpfung des Mädchenhandels durchgeführt worden, da sich hier leicht die Möglichkeit bietet, die aus dem Aus­land anreisenden oder nach dem Ausland fortreisenden Mädchen­händler zu kontrollieren. Die Eisenbahnbehörden sind angewie­sen worden, auf verdächtige Pasiagiere zu achten, die sich in Be­gleitung junger Mädchen befinden und vorkommendenfalls sofort Anzeige zu erstatten. Das größte Augenmerk wird dabei auf die nach deutschen Häfen oder in das Ausland führenden Eisenbahn­linien gerichtet .

Wieder Leutnant v. Forstner. Straßburg (Elsaß), 17. Rov. Von dem Generalkommando des 15. Armeekorps wird folgendes mitgeteilt: Die von hiesigen Zeitungen gebrachte Nachricht, Leut­nant Freiherr von Forstner habe in einer Jnstruktionsstunde bei Besprechung der französischen Fremdenlegion eine beleidigende Aeußerung über die französische Fahne getan, ist unwahr. Die Aeußerung lautet vielmehr nach Aussage der vernommenen 22 Zeugen, darunter 13 Elsässer:Auf den Dienst in der französischen Fremdenlegion könnt Ihr . . . .!" Gegen die Verbreiter der un­wahren Behauptungen wird Strafantrag gestellt werden. Nö­tig war auch diese Aeußerung nicht. Erfreulich ist, daß, wie die Kölnische Zeitung" aus guter Straßburger Quelle erfährt, die Anwendung des WortesWackes" beim Militär im Elsaß streng verpönt werden wird.

Die sächsischen Bahnhofswirte gegen dasBerliner Tage, blatt". Dresden, 17. Rov. Der Vorstand desVerbandes Sächsi­scher Bahnhofswirte" hat im Hinblick auf die bekannten schweren Entgleisungen desB. T." eine Entschließung gefaßt, in der es heißt:Die sächsischen Bahnhofswirte als nationale und königs- treue Staatsbürger fordern alle Mitglieder und Kollegen auf, das Berliner Tageblatt" nicht mehr zu halten und von jetzt ab nicht mehr in den Warteräumen der Bahnhofswirtschaften auszulegen. Es gilt, einmütig zu handeln im Interesse königstreuer Gesinnung und echten deutschen Volkstums."

Sozialdemokratischer Wahlterrorismus. Hanau, 17. Nov. Wahlterrorismus schlimmster Art versuchte die Sozialdemokratie bei den hiesigen Stadtverordnetenwahlen zu üben. Sie sandte an die Geschäftsleute ein Schreiben, in dem es heißt:Es ist uns die Mitteilung geworden, daß die bürgerlichen Parteien den Versuch machen, die Geschäftsleute aus der Reserve, in der sich die meisten Geschäftsleute am gestrigen Wahltag bewegten, herau^udrängen. Wir fühlen uns deswegen veranlaßt, im Interesse der Ge­schäftsleute selbst, Ihnen den Rat zu geben, daß Sie, wenn Sie nicht für unsere Partei öffentlich stimmen können, sich von der Wahl f e r n z u h a l t e n . . . Bei der Wahl zum Stadt­parlament ist die öffentliche Stimmenabgabe vorhanden und kön­nen deshalb abhängige Wähler oft schweren Scha­den leiden, ganz gleich, für welche Partei sie ihre Stimme ab­geben. Aus dieser Erkenntnis heraus ersuchen wir Sie, der Wahl fernzubleiben, wenn der Friede zwischen der Arbeiterschaft und er Geschäftswelt erhalten bleiben soll." Es ist ja nun erfreulich, daß die Sozialdemokratie wie an so vielen ande­ren Orten, so auch in Hanau selbst, mit diesen Mitteln keinen Erfolg gehabt hat, aber man wird sich dieses Dokument doch merken müssen, wenn die Sozialdemokratie einmal wieder das Be­dürfnis hat, über Terrorismus zu klagen. Andererseits zeigt auch dieses Beispiel wieder, daß es an der Zeit ist, sich einmal ernstlich in den Parlamenten darüber zu unterhalten, was zu tun ist, um dem verwerflichen politischen Wahlterrorismus jeder Art zu steuern. *

Stadtverordneten-Sitzung

vom 17. November.

Nach langer Zeit lag der heutigen Sitzung einmal eine kleine Tages­ordnung vor. Sie umfaßte nämlich anfangs nur 8 Punkte. Bei den Mitteilungen znr Kenntnisnahme wünscht Stadtv. Prof. Maurmann, daß der Etat der Sparkasie, weil er anders wie die übrigen Etats verlaufe, baldigst beraten würde. Ferner glaube er im Namen der Ge­werbetreibenden zu sprechen, wenn auch bald an die Beratung der Sub­missionsordnung gedacht würde, insbesondere müsse auch das frei­händige Ausschreiben der Arbeiten Berücksichtigung finden, weil es hier besonders im Argen liege. Der Oberbürgermeister meinte, daß der Etat der Sparkasse ja immer erst nachträglich genehmigt worden sei, denn hier arbeite man ja mit Schätzungen. Der Entwurf der Submissionsordnung würde augenblicklich vervielfältigt, daher die Verzögerung. In der nächsten Sitzung komme die Vorlage. Stadtv. Prof. Maurmann wünscht, daß außer den Magisttatsmitgliedern auch den Stadtverordneten die Entwürfe zugehen möchten.

Der folgende Punkt betraf die Festsetzung der neuen Fluchtlinien für den Wehrbaerweg, sowie Genehmigung des Ausbauprogramms und des Abfindungsbetrags der Straßenkosten. Wie aus den Mitteilungen zu entnehmen ist, soll auf der rechten Seite anfangs der Bürgersteig 1,75 Meter und später 1,50 Meter breit und zwar bis zur Gemarkungs­grenze gemacht werden. Auf der linken Seite haben sich die Verhand­lungen wegen einem längeren Bürgersteig zerschlagen. Die Straßenbei­träge sollen pro l. m 60 M betragen. Auf Anfrage wurde mitgeteilt, daß der Lotz'sche Stall beseitigt werden soll. Stadtv. Erdenberger hielt eine Ortsbefichtigung für am Platze. Stadtv. Schäfer fand den Preis von 60 M zu hoch, die vielen kleinen Anlieger würden hart betroffen, 50 M sei auch genug. Nach längerer Aussprache, in der es sich besonders um die Beseitigung des Lotz'schen Stalles und der Kostendeckung hierfür handelte, wurde die Magistratsvorlage angenommen.

Weiter beschäftigte man sich mit der Genehmigung des Pachtver­trages für die Verkaufshäuschen auf der Bahnhofsbrücke. Die Stabt« verordneten-Versammlung hat, wie erwähnt wurde, durch Beschluß vom 80, Oktober d, Js. der Ermäßigung des Pachtgelds« für. die beiden

Verkaufshäuschen auf der VahnhofsbrLcke zugestimmt, die Genehmigung des Pachtvertrages sich ober vorbehalten. Mit dem Pächter Miglioranzi ist ein neuer Pachtvertrag abgeschlossen worden, welcher von dem frühe­ren Pachtvertrag insofern abweicht, als die Verpachtung statt auf 1 auf 6 Jahre erfolgt, und der Zusatz gemacht ist, daß die Stadt zur ganzen ober teilweisen Aufhebung des Pachtverhältnisses mit vierteljähriger Kündi­gungsfrist berechtigt ist, falls sie eins der Häuschen zu städtischen Zwecken braucht. Auch diese Vorlage fand Zustimmung.

Wegen der vorschußwetsen Ausgabe von Mitteln für Zerkleinern von Basaltsteinen für das Jahr 1914 hieß in den Gründen: Wie io früheren Jahren sollen auch in diesem Winter die anderweit nicht be­schäftigten städtischen Arbeiter und sonst sich meldende Arbeitslose inft Zerkleinern der für das Jahr 1914 zur Straßenunterhaltung notroen« digen Basaltsteine beschäftigt werden. Zu diesem Zweck ist die vor­schußweise Bewilligung von ungefähr 4000 M nötig, die später im Etat verrechnet werden. Die Arbeiten werden nach Kubikmeter bezahlt. Es erfolgte Zustimmung.

Eine weitere Vorlage betraf die Erhebung des Reichsanteils a« der Zuwachssteuer zu Gunsten der Stadt und Beschlußfassung über dessen Verwendung. Nach dem Gesetz vom 3. Juli 1913 ist die Erhebung de» Reichsanteils an der Zuwachssteuer (50 Prozent) mit dem 1. Juli d. Js. fortgefallen. In den entschädigungsberechtigten Gemeinden wird bis zum 1. April 1915 der auf das Reich entfallende Anteil zugunsten der Gemeinde weiter erhoben. Durch Landesgesetz oder in Gemäßheit des Landesrechts durch ortsstatutartsche Vorschrift kann eine andere Rege­lung der Besteuerung des Wertzuwachses getroffen werden. Von dieser Ermächtigung dürfte vorläufig noch kein Gebrauch zu machen fein, da der Finanzmintster angeordnet hat, daß keiner Steuerorbnung vor entgiil- tiger Regelung ber einschlägigen Verhältnisse, insbesondere des Ver­hältnisses zwischen Staat, Gemeinde und Kreis, die Genehmigung oder Zustimmung erteilt werden soll. Es empfiehlt sich deshalb einen Be­schluß der städtischen Körperschaften herbeizuführen, daß der Reichsanteil an der Zuwachssteuer (50 Prozent) zugunsten der Stabt Marburg vom 1. Juli 1913 ab erhoben wirb. Beantragt ist ferner, bie 50 Prozent zu­gunsten des Ruhegehaltsfonds für städtische Beamte zu verwenden. Stadtv. Prof. Maurmann wies in längeren Ausführungen auf die be­kannte Tatsache hin, daß durch die Reichswertzuwachssteuer eine Schädi­gung des Jmmobilienmarktes herbeigeführt wurde, und daß besonders der Erwerb von eigenen Heimen hier sehr erschwert werde. Die städtische* Wertzuwachssteuer wäre sicher nicht eingesührt worden, wenn man vor-, her von der Reichswertzuwachssteuer etwas gewußt hätte. Jedenfalls müsse ehre Herabsetzung der Umsatzsteuer auf 1 Prozent ins Auge ge­faßt werden. Den Schlußantrag betreffs der Verwendung bitte et- späteren Beschlüssen vorzubehalten. Man war damit einverstanden.

Zugestimmt wurde ferner der Vergütung an einen Bürogehilsen für Stellvertretung.

Den folgenden Antrag, der auf Verstärkung ber Baukommission lautete, begründete Stadtv. Prof. Maurmann. Er wies darauf hin, daß bei manchen Sitzungen Mitglieder der Kommission verhindert seien;-, deshalb empfehle sich die Verstärkung der Kommission. In anderen Städten beständen sogar erweiterte Baukommisstonen. Der Oberbürger­meister stand dem Antrag sympathisch gegenüber, er wünschte jedoch Vertagung bis zur Erledigung der Submissionsordnung, die auch einen Vorschlag enthalte, daß städtische Arbeiten nicht mehr oft' Mitglieder der städtischen Körperschaften vergebe^ würden. Stadtv. Stroinsky bemerkt, daß dieser Vorschlag wohl kaum. Gegenliebe finden dürfe, während Stadtv. Storck auf die Schwierigkeit; hinwies, passende Leute für diese Kommission zu finden. Diese Kala-, mttät würde dann jedenfalls noch schlimmer werden. Der Antrag, bip Baukommission zu verstärken, fanb bann Annahme. ;I

Es folgten noch einige Dringlichkeitssachen. So genehmigte man zy^ nächst bie Anstellung eines Bureaugehilfen auf bem Rathause. Ferne;, hat Herr Euter bie Wahl als Beisitzer bei ber Stabtoerorbnetenftidjq wähl in der zweiten Klasse abgelehnt, weil sein Schwiegervater zur, Wahl stehe. An seine Stelle wurde Stadtv. Schäfer I gewählt. Weiter wurde mitgeteilt, daß Herr Volland wegen zu vieler sonstiger Aemter. die Wahl als Mitglied des Eewerbeausschusses ablehnt. Man trat dann in die vertrauliche Sitzung ein.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urhebergesehes nur mit der deutlichen QuellenangabeOberhess. Ztg." gestattet.)

» Marburg, 18. Nov.!

Bußtag. 1

Die Gedanken dieses Tages find nicht populär; dafür sogren die Strömungen im geistigen Leben unserer Zeit. Alle Kreise/ die einem naturalistischen Leben hingegeben sind, wissen mit dem Gedanken der Buße nichts anzufangen. Denn, wo alles natürlich ist und alles Natürliche gut geheißen wird, stellt sich der Mensch selbst in das Triebleben hinein und leugnet die Sünde und die persönliche Schuld. Man glaubt der Buße nicht zu bedürfen. Daneben gibt es das Herrenmenschentum, dem alles erlaubt scheint, was es mit seinen Kräften und ihrer rücksichtslosen Anwendung durchsetzen kann. In seiner ungehemmten Machtentfaltung will es den Sieg des Notwendigen und allein Brauchbaren erblicken« Auch in seinem Innern ist für Einsicht in persönliche Fehler und ihre Schuld kein Raum. Es erscheint ihnen als Schwäche. Unb endlich die große Strömung, die vom gesetzmäßigen Zuge unserer Zeit geblendet ist und auch in der Sünde etwas Unabwendbare» sieht, ja vielleicht den Schöpfer selbst dafür verantwortlich macht, weil er die Möglichkeit der Sünde und des Unrechts in dem geisti­gen und sittlichen Zustande der Menschen zulietz. Auch bei diesen Menschen verdunkelt sich das Bewußtsein der persönlichen Ver­antwortung. So findet sich viel innerer Widerstand und viel Verständnislosigkeit in der Gegenwart gegen die Forderung de, Bußtags. Und doch meldet sich immer aufs neue die mahnende Stimme des Gewissens, als des unertrüglichen und unbestechlichen Richters unseres Innenlebens; sie weist über die Natur hinaus, straft innerlich die Selbstsucht, und legt den Finger immer wieder mahnend auf das persönliche Verschulden. Wenn nun die Sünde und ihre Schuld doch Wahrheit find, so kann uns der Bußtag zn größerer Wahrheit führen. Es würde sicher weniger Wide^taml gegen ihn geben, wollt» man ihn richtig verstehen« Kr will m