Einzelbild herunterladen
 

JS270

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post 2.25 .« (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. Verlag von Dr. E. Hitzeroth. Druck der Univ.» Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. T. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: ..Nach Feierabend",Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".

Marburg

Montag, 17. November

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 L, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 60 .Z. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

18. Jahrg.

1913.

Erstes Blatt

Rundschau.

- £- Die erste Sitzung der Rüstungskommisfion.

In der Kommission zur Prüfung der Rüstungslieferungen be­richtete zu Beginn der Sonnabendsitzung der Vertreter des Reichs­amts des Innern über die Entwicklung des Rüstungslieferungs- wesens im Zusammenhangs mit der Entwicklung unserer volks­wirtschaftlichen Organisation. Daran schloffen sich Vorträge über die Entwicklung und den gegenwärtigen Stand des Lieferungs­wesens im Bereich der Poft- und Telegraphen-Verwaltung und des Arbeitsministeriums an. In Anknüpfung an die Vorträge wurden eine Reihe Fragen aus der Mitte der Kommssion gestellt, u. a. über die Preise für Rüstungslieferungen, insbesondere über das Verhältnis zwischen Zn- und Auslandspreisen. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, daß die Erörterungen sich auch auf die Beschaffung des Sanitätsmaterials und die Unterkunft für Mann­schaften und Pferde und auf die Geräte, sowie auf die Beschaffung von Kohlen und Oele bei der Marine erstrecke, ferner, daß auch die Beschaffung des für die Zwecke der Heeres- und Marine-Ver­waltung erforderlichen Grundbesitzes und des Remontenbedarfs in den Kreis der Erörterungen einbezogen werden möchte. Seitens der beteiligten Refforts wurde die Prüfung und Beantwortung der Fragen, soweit dies irgend nröglich, zugesagt. Rach den aus der Mitte der Kommission gegebenen Anregungen soll eine große Anzahl Heeres- und Marine-Lieferanten sowie Vertreter kon­kurrierender Firmen und verwandter Branchen als Sachverständige zum Wort gelangen. Da es für einen großen Teil der Kommis­sionsmitglieder unmöglich sein mürbe, während der Verhand­lungen des Reichstags an den Sitzungen der Kommission teilzu- nehmcn und um Zeit für die von der Kommission gewünschten Erhebungen und Feststellungen zu gewinnen, soll die nächste Sitzung erst während der parlamentarischen Weihnachtsferien stattfinden.

Worte eines Besiegten."

Der Eeneralinspekteur der türkischen Kavallerie und ehe­malige Kommandant des 3. thrakischen Armeekorps, General Izzet Fuad Pascha, hat, wenn man einer Depesche desMatin" aus Konstantinopel Glauben schenken darf, ein Buch veröffentlicht, das sich mit dem letzten Kriege beschäftigt undWorte eines Besiegten" betitelt ist. Fuad greift in diesem Buche die verantwortlichen Per­sönlichkeiten der türkischen Heeresverwaltung heftig an und er­klärt es für einen schweren Fehler, daß man gerade in dem Augenblick eine deutsche Militärmission mit er­weiterten Machtbefugniffen nach Konstantinopel berufen hat, als es sich zeigte, daß die deutschen militärischen Methoden in der Türkei Bankerott gemacht haben. Er vergleicht die Leistungen der französischen Geschütze mit denen der deutschen und schreibt: Die französischen Geschütze, die uns gegenüberstanden, waren den ünsrigen überlegen" und erklärt weiter:Meiner Ueberzeugung nach vertragen sich' der türkische Volkscharakter und die deutsche Steifheit nicht miteinander, dagegen paffen die türkische Art und Weise zu denken und französische Beweglichkeit sehr gut zusammen. Es wäre für uns besser gewesen, wenn wir uns deffen früher be­wußt gewesen wären und uns die Vorteile, die uns von fran­zösischer Seite geboten waren, hätten zunutze machen können."

Daß es in der Türkei auch Deutschland llnfreundlichgesinnte gibt ist bekannt. Jedenfalls steht aber die Auffaffung des Gene­rals' Izzet Fuad Pascha in völligem Widerspruch zu der der lei­tenden Kreise in Konstantinopel. Das angebliche Versagen der deutschen Methode und Geschütze ist schon so gründlich und so oft von berufensten Seiten widerlegt worden, daß es sich erübrigt, ttit.---i*m _m

(Nachdruck verboten:)

Bou Londons kistorischen tüVen

Eine Reisestimmung von Alexander o. Eleichen-Ruhwurm.

In Londons City herrscht der Welthandel, seit Venedig und Genua Erinnerungsstätten geworden sind. Doch er gebietet nicht über jene sichere Heiterkeit, die den handelnden Nobile einst aus dem Geschäfts­zimmer sorglos zum Fest entsandte, er kämpft um seine Große und gibt seinen Untertanen etwas fieberhaft Hastendes. Aufbietung höchster Energie, äußerste Kraftentfaltung bedingt jede Leistung,, ja die einfache Lebensmöglichkeit im geschäftlichen Treiben der Stadt, die ein Politiker das Herz der Erde nannte, wenn Geld ihr Blut sei.

Doch wir treten nur durch einen Torbogen aus einer der belebtesten Straßen, der Fleetstreet, in einen Hof, und aller Lärm verstummt. Stille Gärten, entlegene Plätzchen schließen sich aneinander mit epheu- umsponnenen Kapellen und altertümlichen Häusern. Es sind die Her­bergen der Juristen, dieInns of court". Die Gebäude enthalten Kanzleien und Klubs der Rechtsbefliffenen, zu denen jeder gehören muß, der in die Advokatur eintritt, Auf langen, hölzernen Bänken sitzen Mitglieder und Gäste in den großen Sälen, die zur täglichen Mahl­zeit und zum prunkvollen Feste dienen. Der interesianteste dieser Ge­bäude-Komplexe ist derTemple", das einstige Ordenshaus der Tempel­ritter, das nach Aufhebung des Ordens an btg Krone fiel. Später ging es in die Hand der Johanniter über, von denen es im Jahre 1546 den Rechtsgelehrten überlassen wurde. Stimmungsvoll in seiner Abge- schloffenheit ist Hof und Saal. Eine Sonnenuhr im verschwiegenen Gar­ten scheint die Stunden nur zögernd o.nzuzeigen, so fern glaubt man die Hast des eigenen Jahrhunderts. Shakespeares Könige mit ihren derben, kriegsgewohnten Recken leben auf, scheinen die alte Rundkirche zu be­völkern und aus dem frühgotischen Pförtchen zu treten. Sie gehen in den Garten, an die blühenden Sträucher und brechen die weiße, wie die rote Rose, die Blumen, die im langen, blutigen Krieg Abzeichen der Häuser Port und Lancaster waren.

Auf des Dichters Spuren wandern wir weiter In die Halle des Mittleren Tempels, der noch heute zum Speisesaal dient, war einst

hierüber noch ein Wort zu verlieren. Es ist natürlich angenehm, wenn man seine Niederlage anderen in die Schuhe schieben kann, wie es dieser besiegte Pascha tut. Angesichts solcher Tatsachen ge­winnen die mehrfach und vielerorts geäußerten Bedenken gegen die Zweckmäßigkeit der Entsendung deutscher Instrukteure ins Ausland erneute Bedeutung.

Zuspitzung der Lage in Mexiko.

Die Hoffnung auf Wiederaufahme der Verhandlungen zwi­schen den Vereinigten Staaten und Mexiko hat sich als falsch er­wiesen. Es ist nicht nur keine Befferung, sondern eine Verschlech­terung der Lage eingetreten infolge der nachstehenden Erklärung Huertas:

Angesichts der Tatsache, daß Carranza jede Form einer Ver-- mittlung oder einer Alliance mit den Vereinigten Staaten zurück­gewiesen hat, kann ich nicht mehr tun, als mich diesem Ausdruck patriotischer Gesinnung anzuschließen und meine würdevolle Hal­tung der Regierung in Washington gegenüber beizubehalten. Ich werde von meinem Po st en nicht weichen, sondern wie bisher fortfahren, mein Bestes zu tun, um die Ruhe des Landes sicherzustellen und mein Versprechen zu erfüllen, das ich bei dessen Uebernahme gegeben habe." Huerta gab zu, die Ver­hältnisse könnten sich derart entwickeln, daß die Ausländer inunmittelbareEefahr kämen, und er fügte hinzu, daß er in diesem Falle alles tun werde, um sie zu schützen. Es sei wahr, daß der Pöbel sich erheben könnte, aber er werde nicht zögern, die strengste Maßnahmen anzuwenden, um die Ordnung wiederherzu­stellen und die Schuldigen zu bestrafen. Anter allen Umständen sei er entschlossen, sein Pazifizierungsprogramm d u r ch z u f L h r e n.

Die im Nationalpalast abgegebene Erklärung Huertas läßt nach Ansicht wohlunterichteter Stellen die Erneuerung der Ver­handlungen zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten äußerst zweifelhaft erscheinen, da kaum Hoffnungen für eine gütliche Bei­legung der bestehenden Meinungsverschiedenheiten vorhanden zu sein scheinen. Der englische Gesandte Garden teilte allen Englän­dern durch die Konsulate ein Rundschreiben mit, das der amerika­nische Sondergesandte Lind an Huerta gerichtet hatte und forderte sie auf, sich bereitzuhalten, auf die erste Mitteilung hin sich an bester gesicherte Orte zu begehen. Diejenigen, die weiter entfernt seien, sollen sich in großen Zentren sammeln, von wo aus sie sich leichter zu retten vermöchten. Garden versicherte den amerikani­schen Geschäftsträger der englischen Unterstützung bei der Haltung des Präsidenten Wilson gegenüber Mexiko.

Erfolg« der Aufständischen.

Ve r a c r u z, 14. Nov. Der Kommandeur des amerikanischen SchlachtschifesLouisiana" meldet, daß eine starke Truppenabtei­lung von Aufständischen sich zwischen Tuxpam und Tampico befin­det und eine vollständige Arbeitseinstellung im Gebiet der Oel- felder erzwungen hat.

E l P a s o, 15. Nov. Die Aufständischen nahmen den mexi­kanischen Erenzort Iuarez ein. Dabei wurden drei Ameri­ka n e r g e t ö t e t. Der Angriff auf Iuarez begann beim Mor­gengrauen. Die Einwohner wurden durch den Donner der Ge­schütze aus dem Schlafe aufgeschreckt. Die Eeschoffe gingen hagel­dicht nieder. Unter den mexikanischen Konstitutionalisten herrscht großer Jubel über die Einahme von Iuarez, das als Zugangstor betrachtet wird, durch das Waffen aus den Vereinigten Staaten eingeführt werden können. Wie sich jetzt herausstellt, unternahm der Insurgentengeneral Villa letzthin nur einen Scheinan­griff auf Chihuahua, um die Bundestruppen von Iuarez fortzu­ziehen. Seine Hauptmacht führte Villa gegen Iuarez, das er bei Anbruch der Nacht erreichte und umzingelte. Die zurückgelastene Königin Elisabeth zu Tisch geladen. Unter demselben offenen Dachstuhl von altem Eichenholz saß die Königin und klatschte in Gegenwart des Dichters Beifall, als das LustspielWas ihr wollt" zum erstenmal auf einfacher Estrade in Szene ging. Poetisch- und historische Erinnerungen begleiten in den benachbarten JuristenklubErays Inn", die Rcchts- fchule seit dem 14. Jahrhundert. Bäume, von Francis Bacon gepflanzt, beschatten den Garten, der zu Elisabeths Zeiten die vornehme Welt ver­sammelte, jetzt aber in tiefem Frieden vereinsamt.

Unvermittelt tritt man wieder aus dem geheimnisvoll stillen Vier­tel in das Treiben der Weltstadt, wie es die Uferstraßen der Themse er­füllt. Wenn wir dem Laufe des Fluffes folgen, verschwinden bald bte Kais, die Straßen werden enger, Lastwagen drängt sich an Lastwagen. Wir nähern uns dem gewaltigen Verkehr des Londoner Hafens. Doch ehe man diese Stätte modernsten Handels erreicht, türmen sich die Stein- maffen des Tower auf. Die Vergangenheit ragt gleichsam mit ge­waltiger Faust in den sonnigen, von hastigem Treiben erfüllten Tag. Es ist unmöglich, ohne Beklommenheit dies Heim vielschweren Schick­sals, die Riesenmasse der unheimlichen Zwingburg emporsteigen zu sehen. Von Römern ist sie gegründet, den Kern der Veste,the Keep", hat Wilhelm der Eroberer gebaut. Der Turm breitet seinen Schatten über Englands ganze Geschichte. Es ist schauerlich, wenn Nebelfetzen ihn gespensterhaft umflattern, schauerlich, wenn der Wind ihn umseufzt, als seien die so lang erstickten Seufzer endlich frei geworden. Tief traurig, sogar im Sonnenschein und im Sommer, wenn die neugepflanz­ten Anlagen des Vordergrundes im Dlätterschmuck prangen, lieber die Wälle ragen schwer und eckig die Zinnen der festen Häuser, deren jedes berühmten Gefangenen zum Kerker diente. Der Turm, zu besten Füßen der Richtplatz war, heißtBloody Tower".Lions Gate" wird das große Einganastor benannt, denn Löwen hielt man im alten Graben, auch für königliche Gefangene. Schrecklich mag ihr Gebrüll jene begrüßt haben, die hier eingeführt wurden. AberTraitersgate" heißt die Tür, die zu Master von der Themse erreicht wurde, an der man nächtlicher Weile die Staatsgefangenen ausschiffte. Königsschloß, Ge­fängnis und Arsenal war der Tower im Lauf der Zeit. Er sah die furchtbarsten Szenen jener Königstragödie, die durch Shakespeare den Anteil der gesamten gebildeten Wett gewonnen hat, Mr finden kein«

Garnison, die völlig überrascht wurde, entfloh in der Dunkel heit.

Mexiko, 16. Nov. Die neue Deputiertenkammer ist heult zusammengetreten und hat sich konstitutiert. Die Konstituierung des Senats kam nicht zustande infolge ungenügender Beteiligung der Senatoren. Es fehlten die Senatoren der katholischen Parteft

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des llrhebergesetze« nut mit der deutlichen QuellenangabeOberhest. Ztg." gestattet.j

Marburg, 17. November.

* Ein verregneter Sonntag. Wenn auch ab und zu ein Soni en- strahl über die Dächer huschte, so hat es gestern eigentlich nur Ein­mal geregnet. Gegen 6 Uhr morgens und auch einige Stunlen später zogen sogar schwere Gewitter mit orkanartigem Sturm u td strichweise Hagel durch das Lahntal. Der Sturmwind war so an, daß in vielen Ortschaften Dächer abgedeckt und sonstiger Schad« ' angerichtet wurde. Vielfach rauben auch Bäume entwurzelt. Az Kaffraeg stürzte eine Pappel um unb zertrümmerte bte eleftr '$ Leitung. Am Sandweg sind burch bas Nachgeben bes Erbt:< Telephonstangen in eine bedenkliche Stellung gekommen. A ch am Marbacherweg sinb Böschungen eingerutscht. Der Regen. M immer noch anhält, hat auch Hochwaffer zur Folge. Süblich v--t nörblich bei Stabt sinb bie Wiesen überflutet. Auch bie Seiten täler ber Lahn stehen unter Wasser.

e. 1. Bolksunterhaltungsabend. Der große Stadtsaal war vollstänbig besetzt, aber nicht überfüllt. Das hatte seinen Grund barin, baß auf bem Programm roeber ein Vortrag, noch ein Theaterstück stanb. Die Erschienenen waren für bie ihnen vorge­setzten Gaben desto bantbarer. Der GesangvereinLieberkranz", ber über ein sehr gut ausgeglichenes Stimmmaterial verfügt, leistete unter feinem erprobten Dirigenten, Herrn Kraus, wiebel Hervorragenbes unb mußte sich trotz längeren Sträubens zu einet Zugabe verstehen, bie einen neuen Beifallssturm entfesselte. Fast noch größeren Beifall fanben bie Violinvorträge bes Herrn Wök lenstein, ben Herr Engelharbt auf dem Klavier in ansprechenbstet Weise begleitete. Dem musikalischen Verstänbnis, Eebächtnis und Takt bes jungen Künstlers, besonbers ober seinem sicheren Strich würbe viel Anerkennung gezollt. Herr Fasterbing fanb während seiner ersten Rezitationen nicht gleich bas Ohr bes Hauses; im zweiten Teil legte er aber besonbers in bem großartigen Seelen- gemälbeDer Rabe" von Poe Zeugnis von seiner ausgezeichneten Deklamationsgabe ab. Eine leichte Unruhe bes Publikums be­seitigt man am besten burch eigene Ruhe, nicht aber burch Zwie­gespräche mit biefem. Herr Ströbel, ben Herr Eenschel musterhaft begleitete, hatte einen recht guten Tag; sein weiches Organ hat vielen genußreiche Augenblicke bereitet. So ist bie Reihe ber bies- jährigen Volksunterhaltungsabenbe in roiirbiger Weise eröffnet worben. Wir hegen aber ben Wunsch, baß uns bas nächste Mal mieber etwas Lustiges geboten wirb, über bas man sich einmal totlachen" kann, unb baß man nicht in willkürlicher Weise von bem Programm abweicht.

* Die Hessen-Nassauisch« landwirtschaftliche Berussgenoffen- schäft hält am Sonnabenb, ben 6. Dezember 1913, vormittags 10 Uhr, im Sitzungssaal bes Stänbehauses in Caffel eine Sitzung ab.

* Müllabfuhr. Wegen des Buß- unb Bettages erfolgt die Müllabfuhr in den Straßen, wo es sonst Mittwochs geschieht, erst am Donnerstag. v

* Freifahrt der Beamten und Arbeiter. Kürzlich tauchte in den Zeitungen das Gerücht auf, daß den preußischen Eisenbahnbeamten und -Arbeitern die Berechtigung zur freien Fahrt, die ihnen unter bestimm­ten Voraussetzungen gewährt wird, entzogen oder weiter eingeschränkt

Spuren eigener Vergangenheit, wie in Frankreich oder Italien, aber wir sehen Könige ihres Amtes walten, Gefangene im Kerker schmachten, die uns der Dichter, vertraut gemacht hat, wie die griechischen Tragiker das Haus der Atriden.

Von hier ging Richard II. in das Parlament, die Krone mederzi^ legen. Wir denken des Armen, wie er den Spiegel begehrte, um noch einmal das Antlitz eines Königs zu schauen. Wenn unser Führer, ein alter Soldat in historischem Kostüm, mit dem Stock auf bte Treppe deutet, unter der man die Gebeine der von Richard III. ermordeten Prinzen fand, glauben wir die Worte des königlichen Verbrechers zu hören. Trotz der grünen Baumkrone und der Blumen, die sich beinahe schüchtern an die ernsten Mauern schmiegen, umfängt uns beängstigend ber Geist des Mittelalters. Hätten wir Shakespeare nicht, auch das Reich der vielgepriesenen Königin Elisabeth würde uns ein Stück jener grausamen Zeiten dünken. Denn unser Führer öffnet Saal auf Saal des Arsenals, bis er eine Zelle erreicht, eingekeilt in dicke Mauern, in der zwölf Jahre lang Sir Walter Raleigh saß und seine Geschichte der ersten Weltumsegelung schrieb.

Noch Luft und Leben sehnen wir uns im dumpfen Kerker und heften wie gebannt ben Blick auf das kleine Fenster, von dem aus man bie mächtige Eisenkonstruktion der TowerbrLcke sieht. Die gotischen Turme, die als Pfeiler dienen, werden zu Sinnbildern des Unterschieds macht­voller Zeiten. Die steinerne Veste, angetan jedem Akut ein Bollwerk entgegenzusetzen, war ein Meisterwerk früherer Baukunst. Der Architekt, der unter Königin Viktorias Regierung dem Tower die Brückentürm« zur Seite stellte, erschloß dem Verkehr einen neuen Weg, hoch oben übet bem Wasser, gebietend wie ein Thron, von dem aus man die Stadt übersieht. Damals hat die nachahmende Gotik des 19. Jahrhunderts eine Blute erlebt, die London ein eigenes Gepräge verlieh. Mit zarten und doch strengen Formen verkleidet dieser Spitzbogenstil, was sich an neuen Konstruktionen allzustörend in das geheiligte, historische Bild eingebrängt hätte. Nebel unb Wind haben ihre Schuldigkeit so rasch getan, daß man bei manchen Gebäuden über die Zeit ihrer Entstehung zweifeln möchte, wie bei den Pfeilern ber Towerbridge.

Eingestimmt in bie Architektur bet Vergangenheit sind auch bi« monumentalen «erntet unb Ministerien, bU ben Königspalast Whrteha»