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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham ,

und den Beilagen: ..Nach Feierabend",Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".

M 267

DieOberhejfische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durck. die Post 255 M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 <M frei ins Haus. Verlag von Dr. E. Hitzeroth. Druck der Univ.- Buchdruckerei Z. A. Koch (Inh. Dr. E. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marburg

Dmnerstag, 13 November

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 <$, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4. für Reklamen die Zeile 60 4- Bei Wiederholungen entsprechender Raoatt. Feder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

18. Jahrg. 1913

Erstes Blatt.

Thronbesteigung König Ludwigs III. von Bayern.

Die Feier der Thronbesteigung König Ludwigs III. von Bayern begann gestern früh mit einem Gottesdienst in der Metro­politan-Kirche zu Unserer Lieben Frau, an dem der König und die Königin sowie die Prinzen und Prinzesfinnen des Königlichen Hauses teilnahmen. In der Kirche hatten sich mit einer großen Zahl anderer Geladenen auch die Mitglieder der beiden Kammern des Landtages eingefunden. Der König und die Königin fuhren in einem achtspännigen Galawagen zur Kirche. Je eine halbe Eskadron des 1. Schweren Reiterregiments eröffnete und schloß den Zug. Die Abfahrt vom Schloß wurde durch Eeschützsalut ver­kündet. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge begrüßte die Herrschaften auf dem Wge zur Kirche mit begeisterten Huldi­gungen. Der Erzbischof von München-Freising zelebrierte das feierliche Hochamt. Rach Beendigung der gottesdienstlichen Feier fuhren der König und die Königin unter Eeschützsalut und unter dem Jubel der Volksmenge zur Königlichen Residenz. Auch in allen übrigen Kirchen fanden Festgottesdienste statt.

Auf dem Marienplatz huldigten dem Königspaar die städti­schen Kollegien, wobei, wie gemeldet, Oberbürgermeister Dr. von Borscht eine Ansprache hielt und für die großmütige Spende zu­gunsten der Armen dankte.

Nachmittags fand im Großen Thronsaale des Festbaues der Königlichen Residenz eine

Landeshuldigung

statt. Dazu hatten sich die Prinzen und Prinzessinnen des König­lichen Hauses, die Mitglieder des diplomatischen Korps, der Kam­mer der Reichsräte und der Kammer der Abgeordneten, Vertreter der Hof- und Staatsbeamten, der Armee, der Geistlichkeit, der Kreise, der Gemeindebehörden, der Kunst und Wissenschaft, des Handels, der Industrie und des Gewerbes, der Landwirtschaft, Vertreter von Korporationen und der Arbeiterschaft aus dem ganzen Lande versammelt. Um 2y2 Uhr betraten der König und die Königin unter Vorantritt des Königlichen Großen Dienstes den Thronsaal und begaben sich an den Thron. Nachdem der König und die Königin am Throne Platz genommen hatten, brachte Graf Fugger von Elött, der Präsident der Kammer der Reichsräte, die Huldigung des Landes dar. Er betonte darin, daß es wenig Gebiete gäbe, auf denen sich der König nicht schon in her­vorragendster Weise betätigt habe, und daß es wenig Gegenden und wohl keinen Stand gäbe, mit denen er nicht schon in freund­liche persönliche Beziehungen getreten sei. Landwirtschaft, In­dustrie, Gewerbe und Handel, Kunst und Wisienschaft, alle Zweige produktiver Volksarbeit spürten wohltätig das aufrichtig fördernde Interesse des Königs. Auf die Ansprache des Grafen Fugger-Elött

erwiderte König Ludwig:

Allen, di« hier Zeugnis abgelegt haben von dem Gefühl treuer Anhänglichkeit, das Meine Bauern für Mich, für die Königin und Mein ganzes Haus beseelt, sag« Ich Meinen aufrichtigen Dank. Die herz­lichen Kundgebungen, die Mir in diesen Tagen aus allen Kreisen zu­gegangen find, zeigen Mir, daß das Land, ohne des Dankes zu vergessen, den es dem gesegneten Wirken Meines in Gott ruhenden Vaters Luitpold schuldet, in der verfassungsmäßig vollzogenen Beendigung der

Neijedilder aus dem Größeren Griechenland.

Janina (Epirus), im Oktober 1913.

Wenn früher hinten weit in der Türkei die Völker aufeinander schlugen, so konnte, wie der Bürger in Goethes Lauft" ganz richtig sagt, der unbeteiligte Bürger im übrigen Europa ruhig sein Leben weiterführen, denn er wußte, daß für die allgemein menschliche Kultur so gut wie nichts dabei herauskam. Die beiden letzten Balkankriege haben uns anderes gelehrt: diesmal hat es wirklich gelohnt zu kämpfen; denn diesmal wird etwas dabei herausgekommen fein, was sich weit über die Grenzen des Balkans hinaus, bis in die be­scheidenen Heime solcher Völker, die nur eine dunkle Vorstellung von den Verhältnissen auf dem Balkan haben, sehr bald deutlich fühlbar machen wird. Ich greife ein Beispiel heraus, das für jeden Leser ver- -ständlich ist: den neuen großen Verkehrsweg aus Nord- und Mittel­europa nach dem nahen und dem ferneren Morgenlande, die große Eisen­bahnstraße Berlin-WienBudapestBelgradNisch-LarisiaAthen und Piräus ud von hier weiter nach Alexandrien, Suez und Indien. Man werfe einen Blick auf die Eisenbahnkarte, und man sieht, daß die griechischen Eisenbahnen ihre Schuldigkeit schon längst getan haben: «s gibt ein« durchgehende Linie von Athen über Theben, Pharsalus, Larissa genau bis an die frühere türkische Grenz«. Von hier nach Beria, dem nächsten Anschlußpunkt der Querbahn von Monastir nach Saloniki, klafft eine Lücke von etwa 60 Kilometern, di« trotz aller Bemühungen Grie­chenlands nicht ausgefüllt werden konnte. Hier sehen wir eine gerecht­waltend« Nemesis: aus stumpfsinniger Eehäsiigkeit hatte di« türkische Regierung seit mehr als zehn Jahren verabsäumt, das Stückchen zwischen Veria und griechischer Landesgrenze bauen zu lasten, hatte sich selbst da­durch wirtschaftlich schwer geschädigt, ja selbst strategisch eine gewaltige Dummheit begangen. Jetzt braucht Griechenland niemand mehr um Erlaubnis zur Vollendung seiner durchgehenden Eisenbahnverbindung nach Serbien zu bitten, sondern kann di« ganz« Lück« auf eigenem Grund und Boden für den Weltverkehr ausfüllen. In einem Jahr wird man vielleicht sogar in einem durchgehenden Wagen, in zweieinhalb Tagen von Berlin nach Athen fahren, und das südliche Griechenland wird mit seinen neueroberten nördlichen Provinzen in unmittelbare Eisenbahn­verbindung gebracht werden. Man wird in höchstens 12 Stunden von Athen nach Saloniki fahren und hier den sofortigen Anschluß über Serres und Drama nach Adttanopel und Konstantinopel finden. Die wirtschaftlichen Votteile für Nord- und Südgriechenland liegen auf der Hand; die strategischen bestehen darin, daß in Zukunft di« Mobil­machung und der Aufmarsch des griechischen Heeres gegen Bulgarien und gegen die Türket gleichzeitig auf dem Land- und dem Seewege sich voll- liebe« faxn. --------------

Regentschaft eine Gewähr für die gedeihliche Weiterentwicklung Bayerns erblickt.

Eines Sinnes mit Meinem Volk«

zu sein, wird in Zukunft Mein ernstes Streben bleiben. Das König­tum, von Gott gesetzt, kann seine Kräfte nur da zu voller Entfaltung bringen, wo es in der Siebe und im Vertrauen des Volkes wurzelt. Von jeher darauf bedacht, durch enge Fühlungnahme mit allen Ständen und Kreisen Mich mit den Bedürfnissen des Volkes oertraut zu machen, habe Ich viele Erfahrungen gesammelt; möge cs Mir beschicken fein, sie dem Wohle des Landes nutzbar zu machen. Gottes starke und gütige Hand hat immer über Bayern gewaltet. Sie hat es gefügt, daß der bayrische Name, aller Stürme der Jahrhunderte ungeachtet, sich mit Ehren im Gewirre der Völkerschicksale behauptet hat. In dankbarer Erkenntnis des Segens, der ihm aus der Zugehörigkeit zu einem ge­meinsamen deutschen Vaterlande ersließt, fühlt Bayern sich heute freudig als angesehenes Glied des Deutschen Reiches, besten Gründung die bayrische Armee ruhmreich miterftritten hat.

In unerschütterlicher Bundestreue / steht es zu Kaiser und Reich und nimmt opferwilligen Anteil an den großen Ausgaben, die das Reich zu lösen hat.

Rastlos pflegt Bayern Kunst und Wissenschaft; mit Entschiedenheit fördert cs jeden Fortschritt auf wirtschaftlichem, kulturellem und sozia­lem Gebiete. Gottesglaube und fromme Sitte stehen im Lande noch in Ehren; der Freiheit der Gewissen, wie der Bekenntniste ist Schutz und Achtung gesichert.

Möge Mein Volk, in besten Liebe und Anhänglichkeit Ich Mein festes Vertrauen setze, Mich erfolgreich in der Sorge für das teure Vaterland unterftüücn. Möge es sich immer der Segnungen des Frie­dens und der Früchte seiner stillen Kulturarbeit erfreuen. Möge Gott allzeit seine schirmend« Hand übet Bayern ausbreiten. Dies ist bet innige Wunsch Meines lanbesväterlichen Het.-fCns"

Der König zog Ministerpräsident Freiherrn v. Hertling sowie die Präsidenten bet Kammer der Abgeordneten und der Kammer der Reichsräte ins Gespräch. Bald darauf verließen das Königs­paar unter Fanfarenklängen den Thronsaal. Abends fand im Festsaalbau der Königlichen Residenz feierlicher Empfang der Teilnehmer der Landeshuldigung statt.

-HÄM'---

Di« neue Regelung der Sonntagsruhe. Berlin, 12. Nov. Dem Reichstage ging der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe zu. Der grundlegende Para­graph 1 lautet: Im Handelsgewerbe dürfen Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter, vorbehaltlich besonderer Vorschriften, am ersten Weihnachts-, Oster- und Pfingsttag überhaupt nicht, im übrigen an Sonn- und Festtagen nur wie folgt beschäftigt werden. Im Betriebe mit offenen Verkaufsstellen ist die Beschäftigung bis drei Stunden zulässig. Die höhere Verwaltungsbehörde kann für die Orte, in denen die Bevölkerung aus der Umgegend an Sonn- und Festtagen die offenen Verkaufsstellen aufsucht, eine Beschäftigung bis vier Stunden zulasien. Die Gemeinde oder ein weiterer Kom­munalverband kann durch statutarische Bestimmung die dreistün­dige Beschäftigung für alle oder einzelne Gewerbezweige auf kür­zere Zeit einschränken oder ganz untersagen. Die Polizeibehörde kann für jährlich sechs, mit Genehmigung der höheren Verwal­tungsbehörde für weitere vier Sonn- und Festtage, an denen be­sondere Verhältnisie den weiteren Geschäftsverkehr erforderlich machen, die Beschäftigung bis zehn Stunden zulasien. Im übrigen

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Für den zukünftigen Fremdenverkehr nach Ericchcnlanb wirb bi« Vollendung ber serbisch.griechischen Eisenbahnlinie von den segens­reichsten Folgen begleitet sein. Bisher war Griechenland nur auf zwei ober brei Hauptfeewcgen zu erreichen: über Brindisi nach Korfu und dann abermals zur See nach Patras; ferner über Triest und allenfalls über Saloniki. Es gibt aber zahllose Reisende, die sich vor jeder See­fahrt fürchten und sich lieber zwei und mehr Tage im Eisenbahnwagen durchrütteln lasten, und für diese Gattung von Reisenden wird dem­nächst auch gesorgt sein. Was aber ein lebhafter Fremdenverkehr für ein so herrliches Land wie Hellas bedeutet, das lehrt uns Italien mit seinen auf mehr als 300 Millionen Franken geschätzten Einnahmen allein aus dem Fremdenverkehr. Ganz sicher wäre bas frühere Eolb- aufgelb, bas jebem älteren Reifenden noch in angenehmer Erinnerung ist, für Italien nicht verschwunden ohne den regelmäßigen Goldzufluß aus dem Auslände durch die Hände der Jtalienpilger. In Griechen­land fließt diese für die Kultur der Gegenwart immer wichtiger wer­dend« Geldquelle erst seit kaum einem Menschenalter und nur in einem gar dünnen Aederchcn.

Obenan unter den Ergebnissen bet zwei letzten Bal­kan k r i e g e für die an .Eriechenlanb gefallenen Türkenländer steht das, was wir einer der befreiten Bauern in Nordepirus mit den Worten bezeichnet«:Früher mußten wir unser Recht vom Pascha ober Bey tpit schwerem (Selbe erkaufen und waren des Rechtes nicht sich«, wenn unser Gegner dem Pascha oder Bey mehr zahlte; jetzt bekommen wir unser Recht von unfern eigenen Richtern ohne andere Eeldopser als di« gesetzlichen." Abstrakt ausgedrückt: seit der Besitzergreifung von Süd­albanien, Mazedonien und Thrazien, nicht zu vergesten die Inseln, ist mit einem Schlage die vollkommene Sicherheit alles öffentlichen Lebens eingetreten. Was für Zustände unter den Türken, mehr noch unter den mit den Türken im Bunde stehenden Albanern geherrscht haben, dafür ein paar Beispiel« aus den von mir schon erwähnten Bezirken von Santi Quaranta und bet Ehimarta. Mit Sonnenuntergang hörte ftüher feber Verkehr auf Straßen und Wegen einfach auf; niemand wagte sich vor bie Türe seines Hauses, niemand konnte ein Stück Vieh während der Nacht auf der Weide lasten. Jeder Pfetdebefitzet z. B., der sein Tier nicht mit Sicherheit am Hellen läge ober gar zur Nacht­zeit geraubt sehen wollte, zahlte an einen ber von ben Türken geschützten albanischen Vanbenführer jährlich für jebes Pferd einen Eoldmedschidie. Die Unsicherheit war so groß, daß selbst der eiserne Geldschrank nicht den geringsten Schutz bot; mit hat der bedeutendste Großhändler in Santi Quaranta, bet schon bamalige und jetzige Bürgermeister, berichtet, daß mindestens einmal im Jahr albanische Bandenführet ht sein Haus «indtangen, gleichviel $u welcher Tageszeit, und mit dem Dolch oder dem Revolver tu der Hand die Herausgabe des SchranLLlüssel» er-

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zwangen. Von den bei ihm aufgestapelten Waren wurde nichts geraubt, denn die skegschaffung war unbequem und der Wert des Raubes gering. Die albanischen Mitbürger gingen aufs Ganze, raubten nur Geld oder Banknoten und gaben sich nicht mit Kleinigkeiten ab. Selbst bet, natür­lich mit schwerem Gelb erkaufte Schutz bes türkischen Beys wirkte in solchen Fällen garnicht. Die Agenturen bes österreichischen Lloyds und ber italienischen Dampfergesellschaften nahmen Wertsenbungen erst kurz vor dem Eintreffen ihrer Dampfer an, weigerten sich, sie schon am Tage zuvor anzunehmen, weil auch in ihren eisernen Schränken Geld und Geldeswert über Nacht nicht sicher war. Man hat niemals gewagt, in Santi Quaranta eine Unterstelle irgend einet Bank, auch nicht der Ottomanischen.zu errichten, und selbst in Janina, am Sitz eines Pro­vinzpaschas und eines Korpskommandanten, hat die Zweigstelle der Ottomanischen Bank, die jetzt unter griechischem Schutz unbehelligt wei­ter arbeitet, fast nur zur vorübergehenden Aufbewahrung der Gelder für die Beamten und Soldaten gedient.

Alles dies hat sich wie durch einen Zauberstab vom Tage des Ein­marsches der griechischen Truppen vollkommen geändert. Unbedingt« Sicherheit für Gut und Leben, zuvetlästiger Schutz gegen jede Gewalt­tat das ist die große Eroberung, die durch die letzten Kriege in dies« von jeher rechtlosen Länder eingezogen ist. Mehr als vierhundert Jahr« haben die Türken in Albanien und Mazedonien geherrscht; sie sind oertrieben worden, und mit Grausen sieht der Besucher dieser von der Natur so reich begnadeten Länder, was jene zur wahren Staaten­bildung nahezu gleich den Zigeunern unfähige Hordegeschaffen" hat. So gut wie nichts ober höchstens bas zur Behauptung ihrer Herrschaft Unerläßlichste. In Janina, einer ansehnlichen Mittelstadt mit 40 000 Einwohnern, gibt es nicht ein einziges Kulturgebäube. bas von ben Türken errichtet wurde. Das Gymnasium, bas Krankenhaus, bie Bür- germeifterei, das Gerichtsgebäude lauter Schöpfungen der griechischen Bevölkerung. Selbst die Festungswerke und die Kasernen bieten da, jedem Kenner der Türkei bekannte Bild greulicher Vcrloderung.

In ganz Albanien gab es bis zum siegreichen Einzüge der Griechen nur ein paar rein strategische Landstraßen, z. B- die von Santi Qua­ranta und von Prewesa nach Janina; aber alle in einem Zustande, daß von irgend' welchem Schnellverkehr keine Rede war. Sogleich nach der Besitzergreifung hat die griechische Regierung die Hauptlandstraßen in einen so ausgezeichneten Zustand versetzen lasten, daß man jetzt überall mit starken, schnellen Kraftwagen verkehren kann. Trotz des Hochge- birgscharatters Albaniens, der bie Wagenführer zur größten Vorsicht zwingt, bin ich in wenig mehr als 4 Stunden nach Janina gelangt. Ich bin nach Sonnenuntergang aufgebrochen und habe die ganze Sttecke im nächtlichen Dunkel zurückgelegt. Was diese Dinge für eine einstmalig, Kvvin, der Türkei bedeuten, da» begreift vollständig nur der Lande»!

Handelsgewerbe kann die höhere Verwaltungsbehörde sowie durch statutarische Bestimmung die Gemeinde oder ein weiterer Kom-r munalverband die Beschäftigung bis zwei Stunden zulasten.

Eine Berkennung der Zuständigkeit de» Reichstages. Ber­lin, 12. Nov. Daß der Prozeß gegen Eccius und Brandt benutzt werden würde, um auf et*e Ausdehnung der Zuständigkeit und Machtstellung bes Reichstags hinzuarbeiten, hat sich wohl kaum je- manb träumen lasten. D efen Einfall hat das Organ der Berliner Demokratie gehabt und der Oeffentlichkeit übergeben. Eine be­sondere Kommission des Reichstags, mit dem Rechte der Zeugen­vernehmung ausgestattet,im übrigen unter Beobachtung aller gebotenen Vorsichtsmaßregeln", hätte die Angelegenheit unter»' suchen und aufklären sollen. Eine solche Forderung aufstellen, heißt gegen die Rechtspflege und die für sie verantwortlichen Per­sönlichkeiten den Vorwurf erheben, daß sie ihrer Aufgabe nicht ge­wachsen wären. Der Reichstag ist eine gesetzgebende aber kein» rechtsprechend es Körperschaft. In der Verhandlung gegen die Krupp-Angestellten Eccius und Brandt war zu untersuchen und zu entscheiden, ob gegen die bestehenden Gesetze gefehlt worden sei. Das ift Sache des Gerichts. Das Ergebnis, das eine parla­mentarische Untersuchungskommission zutage gefördert hätte, wäre mehr oder weniger von parteipolitischen Momenten beeinflußt ge­wesen und hätte niemals auf die unbedingte und unantastbare Lauterkeit eines gerichtlichen Urteils Anspruch erheben können.

Rationaler Aufruf. Berlin, 12. Nov. In einem von zahl­reichen namhaften Vertretern der Politik und Literatur, von Uni­versität, Schule und Behörden unterzeichneten Aufruf an da» Deutsche Volk bittet ein Ausschuß um Geldspenden zur Ermöglich­ung 'der Aufführung des nationalen Jahrhundertschauspiel«j Vaterland" von Maximilian Böttcher. Obwohl die deutschen Bühnen die hohen dichterischen und dramatischen Werte de» Wer­kes anerkennen, lehnen sie durchweg ab es aufzuführen mit der Be­gründung, es gäbe in Deutschland kein Publikum mehr, das Lust hätte, vaterländische Stücke zu sehen. Der Aufruf bezweifelt cs, daß unter den 65 Millionen Einwohnern Deutschlands nicht mehr ein paar hunderttausend Zahlungsfähige sein sollen, die geneigt seien, während dreier Stunden die Schwingen der großen Vergangenheit ihres Volke» über sich rauschen zu hören! Es sollen für die breiten Schichten de» Volkes und für die Schulen Freivorstellungen veranstaltet werden, wozu jedoch die bis jetzt vorhandenen 12 000 Mark nicht reichen. Geldspenden nimmt die Deutsche Bank, Depositenkaste A, Berlin, Mauerstraße 2627 für das KontoVaterland" entgegen.

Das neue Präsidium der sächsischen 2. Kammer. Dresden, 12. Nov. Die 2. Kammer der Ständeversammlung wählte den Abg. Vogel (natlib.) mit 62 von 89 Stimmen wieder zum Präsi­denten, zum Ersten Vizepräsidenten mit demselben Stimmen- Verhältnis Opitz (kons.). Bei der Wahl des Zweiten Vizepräsi­denten erhielt Bär (fortsch. Vp.) 61, Fräsdorf (Soz.), der in der ersten Vorsession Vizepräsident war, 26 sozialdemokratische Stirn» men. Vogel, Opitz und Bär nahmen die Wahl an. Es fitzt also kein Sozialdemokrat mehr im Präsidium, weshalb sich die Kon­servativen wieder an der Besetzung eines Präsidentenpostens be» teiligt haben.

Ankunft des KreuzersNürnberg" in Mexiko. Berlin, 12. Nov. Der KreuzerNürnberg", der vom Kreuzergeschwader zum Schuhe der deutschen Interessen an der Westküste von Mexiko de«