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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und Landwirtschaftliche Beilage".
M 266
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint ISglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durck die Post 2.25 dl (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. — Verlag von Dr. C. Hitzeroth. — Druck der Univ.- Buchdruckerei Z. A. Koch (Znh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Marburg
Mittwoch, 12. November
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeil« oder deren Raum 15 A, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 A, für Reklamen die Zeile 60 L. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Nr. 5915 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
18. Jahrg.
1913.
Erstes Blatt.
Rundschau.
Der Vorfall in Zabern
stellt sich, dem amtlichen Bericht zufolge, als erheblich harmloser dar, als er von einem Teil der Presie verbreitet worden ist. Nach dem Bericht des Regiments hat Leutnant v. Forstner einen wegen Roheitsvergehen vorbestraften Rekruten vor Schlägereien gewarnt, weil in Zabern wiederholt Streitigkeiten zwischen Militär und Zivil vorgekommen waren. Der Offizier hat deshalb die Rekruten zur Zurückhaltung ermahnt und sie gleichzeitig belehrt, daß es andererseits für den Soldaten geboten fei, sich gegen Angriffe seiner Haut zu wehren und in der Notwehr von der Waffe Gebrauch zu machen. Wenn er sich richtig benehme, erhalte er von Leutnant v. Forstner 10 dl. Hierbei sind streitsüchtige Elemente der Zivilbevölkerung mit dem im Elsaß geläufigen Ausdruck Wackes belegt worden, der soviel bedeuten sollte, wie andernorts Nowdies oder ähnliche Bezeichnungen. Die elsässische Landesbevölkerung als solche war in ihrer Gesamtheit nicht gemeint. Die gerichtliche Feststellung ist im Gange.
An einem Hinweis für die Rekruten, in der Notwehr Ihren Mann zu stehen, ist nichts Unkorrektes zu finden, lleber- flüssig und unbedachtsam war es aber, daß der Offizier noch eine Belohnung aus seiner Tasche versprach. Ein deutscher Soldat tut seine Schuldigkeit auch ohne Extrabelohnung. Eine solche kann zudem leicht einen verderblichen llebereifer bei den Soldaten erwecken. Die Bezeichnung „Wackes" war ferner ebenfalls nicht am Platze. Der Offizier mutzte bedenken, dah dieses Wort für die Elsässer die gleiche verächtliche Nebenbedeutung hat wie das Wort „Schwob" für die Altdeutschen. Zu dem an Aufruhr grenzenden Perhalten der Bevölkerung war jedoch kein Grund vorhanden.
Gegen die Fremdwörtersucht.
Der preutzische Handelsminister hat eine Verfügung an die Handelsvertretungen erlasien, in der es u. a. heißt:
„Es ist nicht zu verkennen, daß der Gebrauch von Fremdwörtern im geschäftlichen Verkehr über das notwendige Matz h in ausgeht. Man kann oft die Beobachtung machen, daß deutsche Gewerbetreibende für geschäftliche Zwecke freindsprackliche Firmennamen wählen, ihr Geschäftshaus mit fremdsprachlicher Aufschrift versehen oder deutsche Erzeugnisie unter fremdsprachlichen Bezeichnungen anpreisen. Hiermit soll der in einzelnen Kreisen herrschenden Vorliebe für fremdländisches Wesen und für ausländische Waren Rechnung getragen werden. Bei der anerkannten Leistungsfähigkeit unserer Jndusttie entbehrt dieser Vorteil der tatsächlichen Grundlage. Ueberdies kann das Ansehen, welches sich unsere Ausfuhrindustrie auf dem Weltmartt erworben hat, dadurch nur beeinträchtigt werden, daß deutsche Gewerbetreibende veraltete und verkehrte Anschauungen heimischer Abnehmerkreise über die angeblichen Vorzüge ausländischer Waren in der vorbezeichneten Weise fördern. Es liegt daher im eigensten Interesse unserer Geschäftswelt, durch entsprechende Belehrung der inländischen Abnehmer unberechtigte Vorurteile gegen deutsche Erzeugnisie zu bekämpfen und zu dem Zwecke die Bestrebungen zu unterstützen, die darauf hinzielen, fremdländische Firmennamen, Eeschästsaufschristen und Warenbezeichnungen durch deutsche zu ersetzen. Mit Recht ist kürzlich in der Presie darauf hingewiesen worden, dah der Fabrikant, der seine deutsche Waren den Abnehmern mit fremden Ausdrücken empfiehlt, hierdurch das Vorurteil für ausländische Erzeugnisie nicht bekämpft, sondern fördert, indem er auf diese Vorliebe allzu willfährig Rücksicht nimmt. Ich gebe der Erwartung Ausdruck, dah die amtlichen Handlungsvertretungen sowie die gewerblichen Fachverbände und Jnteresienvereinigungen der Bekämpfung der Fremdwörtersucht im geschäftlichen Verkehr ihre Aufmerksamkeit zuwenden werden."
Diese Verfügung ist mit Freuden zu begrüßen, da neuerdings wieder mehr die Auffasiung an Boden gewinnt, als wenn eine Ware, die das Gepräge des Ausländischen trägt, an Wert zunehme. Freilich werden nicht nur in Kreisen von Handel, Gewerbe und Industrie völlig entbehrliche Fremdwörter angewandt, sondern leider auch immer noch im Wortlaüt von Gesetzen, Verfügungen und Verordnungen. Hier sollte die Regierung in erster Linie auf Anwendung einer fremdwortfreien Sprache dringen.
Koloniales.
□ Der Flächeninhalt von Kamerun. Bisher fehlten genaue Angaben darüber, welche Fläche nach dem Zuwachs vom Zahre 1911 unser Schutzgebiet Kamerun bedeckt. Die alte Kolonie war bekanntlich 495 600 qkm groß, das ist gleich dem Deutschen Reich ohne die Provinz Schlesien. Jetzt hat das geodätische Büro des Reichs-Kolonialamtes auf der Karte 1:2 Millionen eine vorläufige Mesiung ausgeführt, die einen abgerundeten Wert von 790000 qkm ergab. Dabei ist das Areal der Eewäffer, insbesondere unser Anteil am Tschad-See, einbegriffen, desgleichen die Kamerun-Bucht und die in sie einmündenden Krieks. Da Deutsch- Eüdwestafrika 835 100 qkm groß ist, so bleibt Kamerun nicht wesentlich hinter diesem zweitgrößte« deutschen Schutzgebiet zurück.
Ausland.
** Ei« sozialdemokratisches Panama in Oesterreich. Lemberg, 11. Nov. Hier erregt ein großer Skandal in dem sozialdemokratischen Lager riesiges Aufsehen. Der Kassierer der hiesigen Krankenkasse, Racher, sozialdemokratischer Patteisekretär und Vorsitzender verschiedener sozialdemokratischer Vereine, hat. seit geraumer Zeit einen beträcht- lichen Teil der Einkünfte dieser Krankenkasie unterschlagen. Di« ganze Angelegenheit war der sozialdemokratischen Parteioberleitung bereits feit drei Wochen bekannt, sie suchte aber den Skandal nicht in die Oefftntlichkeit gelangen zu lasse» und trat an dio Häupter
der Lemberger Sozialdemokratie mit dem Ansinnen heran, aus ihren Privatmitteln die fehlende Summe zu decken,, wovon aber diese nichts wisien wollten, obschon sie alle mehr oder minder vermögend find. So blieb denn nichts anderes übrig, als bei der Polizei die Anzeige zu erstatten. In Arbeiterkreisen, wo groß« Erregung darüber herrscht, behauptet man, daß Karl Racher einen Teil der von ihm unterschlagenen Summe an verschiedene sozialdemokratische Parteigrötzen verliehen habe.
** Krupp in Belgien. Brüsiel, 11. Nov. Auf die Anfrage eines liberalen Abgeordneten in der Kammer erklätte der Kriegsminister, daß tatsächlich in der Wohnung des Zeugen v. Metzen während der Verhandlungen des Krupp-Prozesies Briefe bett. Belgien beschlagnahmt worden seien. Dies sei nicht auffallend, ba v. Metzen die Firma Krupp mehrere Jahre in Belgien vertreten habe. Ueber den Inhalt dieser Dokumente könne er nichts erfahren, dc^ fie fich in den Händen des Gerichts befänden.
** Die mißlichen Offiziersverhältnisie in Frankreich. Paris, 11. Nov. In dem namens des Budgetausschusies von dem Abg. Benazet erstatteten Bericht über die Erhöhung des Soldes der Offiziere und Unteroffiziere wird hervorgehoben, daß die Rekrutierung der Offiziere infolge ihrer schlechten materiellen Stellung schwierig geworden sei. Bisher hätten die Offiziere dagegen nur durch ihren Austritt aus der Armee Einspruch erhoben. Es sei Sache der Kammer, zu verhindern, daß die die Armee bedrohende Gefahr unbeilbar werde, weil nicht nur die Zahl sondern auch der Wert der Offiziere abgenommen habe. So sei die überwiegende Mehrheit der Offiziere im Jahre 1912 aus den Unteroffizieren hervorgegangen.
** Di« Disziplinaruntersuchung gegen den General Faurie. Paris, 11. Nov. Ueber die gestrige Verhandlung des Disziplinarrates, der mit vier gegen eine Stimme die Versetzung des Generals Faurie in den nichtaktiven Stand beantragte, wird gemlbet: In bet von General Duparge erstatteten Anklage würbe gegen Faurie insbesondere der Vorwurf erhoben, daß er sich in einem offenen Schreiben an den Kriegsminister die Unterstellung erlaubt habe, die Zielscheibe persönlicher Rachegelüste und einer Verschwörung gewesen zu fein, daß er seine eigene Verantwortlichkeit auf seinen Generalstabschef geschoben habe, indem er vorgab, daß man ihm diesen trotz desien Unfähigkeit wider seinen Willen aufgedrängt habe und schließlich, daß er durch die Erklärung, daß er nicht mehr nach Montpellier, dem Sitz des von ihm befehligten 16. Armeekorps zurückkehren werde, eine durchaus unzulässige Insubordination begangen habe. Die endgültige Entscheidung wird auf Antrag des Kriegsministers bet Ministerrat treffen.
* * Mulay Hasid von Beduine« entführt? Paris, 11. Nov. Wie aus Tanger gemeldet wird, ist dort das aus Kairo stammende Gerücht verbreitet, daß der Exsultan von Marokko, der eine Pilgerfahrt nach Mekka unternommen hatte und seit dem 13. Oktober kein Lebenszeichen von sich gegeben hat, zwischen Medina und Mekka von Beduinen entführt worden fei.
* * Die Zerstörungswut de« Frauenrechtlerinnen. London, 11 .Nov. Im Alexandrapatk wurde das Manchester-Kaktushaus durch eine Bombe zerstött. Man schreibt das Verbrechen SBertreterinnen des Frauenstimmrechts zu. Die Sammlung hatte einen Wert von ungefähr 30 000 Pfund Sterling. — In Frenchay bei Bristol brannte nachts ein unbewohntes Landhaus nieder: aus gefundenen Schriftstücken schließt man, daß es sich auch hier um einen Zerstörungsatt bet Frauenrechtlerinnen hanbelt.
* * Ausbau der portugiesischen Landesverteidigung. Lisiabon, 11. Nov. Der Ministerpräsident Costa teilte in einer in Porto gehaltenen Rede mit, datz der Ueberschutz des Etatsjahres 1913/14 sich aus 4000 Kontos Reis belaufen würde. Angesichts der günstigen Lage halte er den Zeitpunkt für gekommen, den Ausbau der Landesverteidigung anzugreifen und gab die Erundzüge eines Gesetzentwurfes an, der dem Parlament demnächst für die Reorganisation vorzulegen sei. Die aktiv« Armee solle 150 000 Mann zählen. In der Marine sollen neu gebaut werden ein Schlachtgeschwader von drei großen Linienschiffen, drei Kreuzer und drei Unterseeboote.
* * Die Bereinigten Staaten und Mexiko. Washington, 11. Nov. Staatssekretär Bryan hatte mit dem mexikanischen Eeschäfsträger eine Unterredung, in der er ihm erklärt haben soll, die Vereinigten Staaten sähen die Wahl eines mexikanischen Kongresses für ebenso ungültig an, wie die Wahl eines Präsidenten oder Vizepräsidenten. Auch mit europäischen Diplomaten hatte Bryan eine Unterredung: er teilte ihnen die Maßnahmen mit, welche die Vereinigten Staaten in Mexiko ergriffen haben. — Aus Veracruz wird gemeldet: Der amerikanische ungeschützte Kreuzer „Wheeling" ging von dort plötzlich nach Tuxpan ab, da die Aufständischen im Begriff sind, die Stadt anzugreifen. Die Anwesenheit der Kriegsschiffe zum Schutze der Fremden ist notwendig.
* * Gärung unter ben indischen Arbeitern in Natal. Kapstadt, 10. Nov. Die Erregung der kürzlich in ben Ausstand getretenen 4000 Inder von den Kohlengruben und Plantagen in Natal bauert an. 3000 von ihnen überschritten bie Grenze von Transväal und langten in Stanberton an. Das Ziel ihrer Wanderung ist Johannesburg. — 2000 Inder wurden auf dem Wege nach Transvaal in Balfour angehalten, wo drei Sonderzüge beicitftanben, um sie nach Natal zurück- zubefördern.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des llrhebergesetzes nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhefi. Ztg." 'gestattet.)
Marburg, 12. November.
* Adreßbuch. Bei gewünschten Berichtigungen zum Adreßbuch empfiehlt es sich, die betreffende Seite des alten Adreßbuchs mit anzugeben. Wenn durch geschäftliche Zusätze mehr wie zwei Zeilen nötig werden, sind für jede folgende Zeile 50 Pfg. zu zahlen. Inserate kosten die ganze Seite 10 dl, die halbe Seite 6 und die drittel Seite 4 dl.
* Vom Zägerbataillon. Die Vereidigung der Rekruten findet erst am nächsten Freitag statt.
* Ordensverleihung. Dem Ganisonsverwaltungsdirektor a. D. Herrn Rechnungsrat Eleichmann — bisher in Oldenburg, jetzt hier wohnhaft — wurde der Rote Adlerorden 4. Klaffe verliehen.
• Allgemeine Ortskrankenkasse für den Kreis Marburg. Die Vorstandswahl findet Dienstag, den 23. Dezember, vormittags 10 Uhr, im Rest. Geisler statt. Die vorgeschlagenen Ausschußmitglie« der gelten ate gewählt, da Einwendungen nicht erhoben find.
* Unterhaltungsnachweis fit den einjährig-freiwillige« Dienst. Nach einem gemeinsamen Erlaß des Kriegsministers und des Ministers des Innern ist nichts dagegen einzvwenden, wen» beim Nachsuchen der Berechtigung zum einjährig-freiwillige» Dienst vor vollendetem 17. Lebensjahr der nach § 89,4b der Wehrordnung zu erbringende Unterhaltsnachweis durch die Vorlage eines Militärdienstversicherungsschein» nebst Quittung über die zuletzt fällig gewesene Prämie geführt wird. Der Versiche- rungsbetrag muß beim Eintritt des Versicherten in das wehrpflichtige Alter zur Auszahlung fällig sein. Datz diese erfolgt ist, muß der Prüfungskommission vor Aushändigung des Berechtigungsscheins (§ 89,1 Wehrordnung) glaubhaft nachgewiesen werden. Für den Dienst bei unberittene« Truppen wird eine Versicherung in der Höhe von 1800 «M für ausreichend erachtet.
• Zweites Abonnements-Konzert des Marburger Touzert- »ereins. Ein Liederabend, wie er sein soll: achtzehn Lieder von vier Komponisten, die, selbst reich an individuellem Künstlertum, jedem ihrer Lieder eine eigene Seele schenkten. Die Sängerin ist allein schon für den Aufbau ihres Liederabends zu danken. Beim Vortrag trat zu Tage, wie sehr die gewählte Liederfolge Hertha Dehmlows Organ und ihrer künstlerischen Dispofitton angepaßt war. Ihre nicht gleichmäßig reichen, in der Höhe die Grenze der Klangschärfe streifenden, dafür in der Mittellage und besonders in der Tiefe außerordentlich wohlklingenden Stimmittel entfalten ihren vollen Wert int ernsten Lied und in der Inbrunst de» Liebesliedes. Schuberts „Tod und das Mädchen", Franz' „Frühlingsliebe", Debuffys „La Ehevelure" und Brahms' „Die Schnur", alle vier ausgezeichnet gesungen, bewiesen das; schade deshalb, daß Franz' „Stille Sicherheit" infolge verschleppten Zeitmaßes an Dust und Heimlichkeit einbüßte. Dem Wehen stürmischer Leidenschaft in Franz' „Genesung" und auch in Brahms' unvergleichlichem „Von ewiger Liebe" zeigte fich ihre aufs Sangbare gerichtete Stimme nicht in dem gleichen Maße gewachsen. Hier indeffen wie beim herben Scherz der von Brahms vertonten Kellerschen „Aprillaunen" und „Salome" trat ein außerordentlich fein und scharf charakterisierender Vorttag in die Bresche, die die Natur des Organs ließ. — Völlig neu für den Marburger Konzertsaal waren Claude Debuffy's Lieder. Hertha Dehmlow fang sie — einzig richtig — in französischer Sprache. Die Gesänge dieses Hauptführers des musikalischen Impressionismus, deren Musst aufs feinste den tonalen Werten der Vokale nachspürt und so ganz romanisches Gepräge besitzt, würden, in Uebersetzungen vorgetragen, mehr als die Hälfte ihrer Eigenart verlieren. Es war angesichts dieses ersten Males nur natürlich, daß die Zuhörerschaft dem Franzosen auf seinem Wege zu durchaus neuer Tonkunst, die trotz allen neuen Mitteln doch Musik und Kunst bleibt, nur sehr zögernd folgte; es bleibt ein Beweis für die hohe Vortragskunst der Sängerin, daß alles Befremdstsein doch nicht den Beifall zurückhalten konnte, der überwiegend ihrer Kunst galt. Auf dem gewohnteren Boden der Brahmsfchen Kunst fand das Publikum feine Beifallsfreudigkeit wieder und eroberte sich eine Zugabe. — Nicht geringen Anteil am künstlerischen Werte des Abends hatte Herr Univerfitätsmustkdirektor Prof. Dr. Zenner, der die Sängerin am Flügel fast durchweg geschmackvoll begleitete. Daß sich hin und wieder der Weg seiner Auffassung von dem der Sängerin etwas entfernen wollte, kann nicht eben viel besagen, wenn man weiß, daß vor dem Konzert zwischen Sänger und Begleiter in der Regel nur eine knappe Verständigung möglich ist.
* Fremdenbesuch. Ueber einen Ausflug des Vogelsberger Höhenklubs durch einen Teil unseres Kreises mit dem Endziele Marburg lesen wir im „Gieß. Anz.": Ein prächtiger Herbsttag führte am Sonntag über 50 Mitglieder des Vogelsberger Höhenklubs, Zweigverein Gießen, zu einer genußreichen Wanderfahrt zusammen. Von Fronhausen ging der Weg an Oberwalgern vorbei über einen bewaldeten Höhenrücken in das obere Salzbödetal, das den Teilnehmern reizvolle Landschaftsbilder bot. Durch verschiedene Ortschaften wanderte man der Salzböde entlang bis zu dem anmutig in einem Talkessel gelegenen Städtchen Gladenbach, wo eine ausgiebige Rast am Platze war. Der Weitermarsch erfolgte über den hohen Kirchberg von deffen Holzturm man einen entzückenden Rundblick auf die Hinterländer Berge und Dörfer und namentlich die herbstlich geschmückten Wälder genoß. Auf meist recht schlüpfrigen Wegen wurden wiederum einige Ortschaften in schöner Landschaft durchwandert, um auf der, lieblich in einem Tälchen gelegenen Dammühle kurze Rast zu machen und hierauf nach dem Endziele Marburg zu marslbieren, das mit Einbruch der Dunkelheit erreicht wurde. Zm Restaurant Seebode wurden bei guter Verpflegung und trefflicher Stimmung einig« Stunden der Erholung gewidmet.
♦ Die Dächer zu prüfen, ist jetzt von Wichtigkeit. Nur eine kleine Oeffnung oder Spalte läßt Regen oder Schnee in reichlichem Maße eindringen und befördert die Näffe und Fäulnis in den Räumen. Eine rechtzeitige Ausbesserung erspart einen größeren Schaden, da die Fäulnis immer weiter frißt. Auch die Gesimse sind einer Untersuchung zu unterziehen, da sich kleine Riffe durch den Frost vergrößern und ganze Stücke herabfallen
* Der nasse Hut. Am Sonntag nachmittag versuchte ein an» scheinend angetrunkener Mann von der Deutschhausbrücke aus in» Waffer zu springen. Paffanten, die ihn festhielten, konnten jedoch nicht verhindern, daß der Hut des Betrunkenen ins Waffer fiel. Als dies der letztere sah, verlor er alle Selbstmordgedanken; er patschte ins Waffer, stülpte sich den nassen Hut auf den Kopf und ging, von unten und oben tüchtig erfrischt, seines Weges.
• Di« Abnahme b«r Tageslänge ist in keinem Monat so auffallend, wie gerade im November. Die Sonne ging am ersten Tage des Monat» 6 Uhr 53 Minuten auf, am letzten Tag« kommt sie erst 7 Uhr 41 Minuten über ben Horizont und scheidet schon wieder um 3 Uhr 56 Minute«, während sie am ersten Tage 4 Uhr 34 Minuten unterging, $i« weift