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' Wochemll'au.

Das Königreich Bayern hat seit dem 5. November in Lud­wig III. nach 27 Zähren wieder einen die Regierung tatsächlich ausübenden König und nimmt nun auch nach außen hin diejenige Stellung ein, die ihm als dem nächst Preußen größten Bundes­staat zukommt. Das Ministerium Hertling hat den int Dezember vorigen Zahres mißlungenen Versuch, der Regentschaft ein Ende zu machen, jetzt mit besserem Erfolg wiederholt. Der Weg, den es dabei eingeschlagen hat, bedeutet eine glückliche Lösung der vor­handenen und durch jenen ersten Versuch noch erhöhten Schwierig­keiten, die der Beseitigung der Regentschaft entgegenstanden. Da dazu eine Aenderung der Verfassung notwendig war, konnte leicht in weiten Kreisen die von demokratischer und sozialdemokratischer Seite propagierte Ansicht Verbreitung finden, daß der Landtag und das durch ihn vertretene Volk einen König ab- und einen neuen eingesetzt habe. Die Uebertragung der Krone erfolgt aber denn nicht durch das Parlament, das nur die einer Königs­proklamierung entgegenstehenden Verfassungsbestimmungen zu beseitigen hatte. Der entscheidende Entschluß ist dagegen dem freien Ermessen des Prinzen Ludwig überlassen geblieben, der sich aus eigener Machtvollkommenheit zum König proklamiert hat. Damit ist dem monarchischen EÄmiilrll wie dem konstitutionellen Empfinden Rechnung getragen. Hoffen wir, tufj KLlltg Lud­wig III. noch lange Zahre die Geschicke Bayerns zum Segen für Land und Reich lenken möge. Er wird nicht nur im Kreise der deutschen Fürsten kraft seiner Würde und dank seiner vielfach be­tonten und bewiesenen Reichstreue und Reichsfreudigkeil eine geachtete Stellung einnehmen, sondern sich wie als Prinz, so auch tls König sowohl in der bayrischen als auch übrigen deutschen Bevölkerung infolge seiner Schlichtheit und seines regen Inter­esses für alle erwerbenden Stande großer Sympathien erfreuen.

Der nun nahezu zwei Wochen dauernde Prozeß gegen Brandt »nd Eccius wird heute allem Anschein nach endlich sein Ende er­reichen. Wie auch das Urteil ausfallen mag, so viel steht fest, daß die Größe der Vergehen und der Wert des in Frage stehenden Gegenstandes in gar keinem Verhältnis stehen zu dem in Szene gesetzten Riesenapparat. Ein militärischer Sachverständiger hat eidlich erklärt, daß in den Kornwalzern auch nicht ein einziger Punkt enthalten sei, durch dessen frühzeitige Bekanntgabe die Sicherheit des Reiches gefährdet werden konnte. Das wird man begrüßen. Wohl aber ist das Ansehen Deutschlands und seiner blühenden Waffenindustrie in Gefahr. Dafür hat Herr Liebknecht und die sozialdemokratische Presse ausgiebig gesorgt. Ist es bisher in der Presse allgemein üblich gewesen, erst den Ausgang eines gerichtlichen Verfahrens abzuwarten, ehe die Kritik einsetzte, so hat derVorwärts" mit dieser zweckmäßigen Gewohnheit ge­brochen, indem er täglich die in den Verhandlungen berührten Vorgänge für seine parteipolitischen Zwecke ausbeutete. Mit leidenschaftlichem Eifer hat er Deutschlands größte Waffenfirma, die sich um die Wehrhaftigkeit des Reiches große Verdienste er­worben hat, bloßzustellen und mit Schmutz zu bewerfen gesucht und dadurch bewirkt, daß das Ausland den Krupp-Prozeß zu einer planmäßigen Hetze gegen Krupp benutzt. Und zu Herrn Liebknecht und der sozialdemokratischen Presse gesellt sich als Dritter der Hauptbelastungszeuge und freiwillige Ankläger v. Metzen, dessen Beschuldigungen in nichts zusammengefallen find und der sich in dem Maße, in dem er gegen Krupp vorgehen zu können glaubte, selbst geschadet hat. Zwar spricht die Güte der deutschen Waffen­fabrikate für sich selbst, aber die Möglichkeit ist doch nicht von der Hand zu weisen, daß der Feldzug der belgischen und französischen Waffenindustrie und ihrer Preßorgane einen für unsere großen deutschen Firmen nachteiligen Erfolg hat. In Belgien ist es des­wegen schon zu einer Parlamentsaktion gegen Krupp gekommen, und in Frankreich wird sich der Vorgang sicher in Kürze wieder­holen. Der Nutzen gewisser Aufklärungen im Krupp-Prozeß ver­schwindet gänzlich hinter der Gefahr, daß unsere Waffenindustrie im Auslande ernste Schädigungen zugefügt werden, von denen naturgemäß auch die deutsche Arbeiterschaft nicht unberührt bleibt. Hierin liegt die Tragikomik der Liebknechtschen Anschuldigungs­versuche. Zn einem blinden Haß gegen Staat, Gesellschaft, Unter­nehmertum hat er völlig übersehen, daß er letzten Endes den­jenigen, deren Interessen er als Sozialdemokrat zu vertreten be­hauptet, mit seinenEnthüllungen" und Anklagen einen alles andere als guten Dienst erweisen würde. Aber darauf kam es ihm ja auch gar nicht an.

Auf dem Balkan sind Anzeichen für neue Verwickelungen vor­handen. Einmal drohen die auf einem endgültigen Friedens­schluß zwischen Griechenland und der Türkei abzielenden Verhand­lungen wieder zu scheitern, so daß bereits hier und da mit der Möglichkeit eines neuen Krieges gerechnet wird. Die nachdrück­lichen Vorstellungen Rußlands und Frankreichs in Konstantinopel wird die Pforte jedoch kaum außer Acht lassen, da sie nicht nur «In energisches Halt dieser Mächte gewärtigen muß, sondern auch die so notwendige finanziell« Unterstützung nicht enibebren kann. In Athen haben Oesterreich-Ungarn und Italien ernstliche Schritte unternommen, damit Griechenland der Festsetzung der von den Großmächten in London beschlossenen südalbanischen Grenze in Zukunst keine Schwierigkeiten mehr entgegensetzt. Wenn auch die Antwort der griechischen Regierung auf die von Deutschland unterstützte österreichisch-italienische Not« nicht sehr befriedigend lautet, so ist doch anzunehmen, daß sich schließlich Griechenland dem Willen und Beschluß Europas fügen wird. Gin« gütliche Beilegung dieser Angelegenheit ist besonder» der-

DieLberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn-

1913.

Marvrrrg

Sonnabend, 8. November

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Erstes

Blatt.

halb zu wünschen, weil es im Interesse des Dreibundes liegt, mit der jetzt.recht beachtenswerten Mittelmeermacht Griechenland gute Beziehungen zu unterhalten.

Die mexikanische gtoge geht ihrer baldigen Erledigung ent­gegen. Auf welche Weise das geschehen wird, ob Huerta sich den Forderungen der Vereinigten Staaten fügen oder ob es zu einem militärischen Einschreiten kommen wird, steht noch dahin. Die von Wilson den europäischen Mächten versprochene Bekanntgabe über die zu ergreifenden Maßnahmen ist noch nicht erfolgt, so daß man über die Absichten und Pläne Amerikas noch im Unklaren ist. Es hat fast den Anschein, als ob der Führer der mexikanischen Aufständischen, General Carranza, von Washington aus mit Geld und Munition unterstützt wird und so die inneren Unruhen zu keinem Ende kommen, bis schließlich Onkel Sam die willkommene Gelegenheit findet,zum Schutze der Amerikaner und Europäer" einzugreifen. Deutschland kann es gleichgültig sein, wer in Mexiko am Ruder ist. Es hat nur ein Interesse daran, daß mög­lichst bald Ruhe und Ordnung in das reiche Land wieder einziehen als Vorbedingung für die regen Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Mexiko und für die Sicherheit des Lebens und der Existenz der dortigen deutschen Staatsangehörigen.

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Deutsches Reich»

Vom Kaiser. Köuigswusterhausen, 7. Nov. Der Kaiser traf mit kleinem Gefolge kurz nach 4V*> Uhr im Automobil hier ein und fuhr sogleich nach dem hiesigen Blindenheim, wo er über eine Stunde verweilte. Um 6 Uhr begab sich der Kaiser nach dem Iaadschls». Um 7 Uhr fand Abendtafel statt.

Zur bayrischen Königsproklamierung. München, 7. Nov. Die Kammer der Reichsräte hat einstimmig die Vorlage der Re­gierung daß der Landtag anerkennen wolle, daß am 4. November b. Z. die verfassungsmäßigen Voraussetzungen für die Beendigung der Regentschaft bestanden haben, angenommen. Damit ist ein übereinstimmender Beschluß beider Kammern des Landtages her­beigeführt. e A

__ Spionageprozeß. Leipzig, 7. Nov. Vor dem Vereinigten 2. und 3. Strafsenat des^Reichsgerirbts begann heute der Spio­nageprozeß gegen den Kaufmann Merkowski von Thorn, den Kaufmann Wroblewski und den Handlungsgehilfen Wollmann aus Warschau. Die Angeklagten sind beschuldigt, im Februar d. I. versucht zu haben, sich in den Besitz eines Gewehrschlosses des neuesten Modells zu setzen, um es an eine fremde Regierung zu verkaufen. Die Oeffentlichkeit ist ausgeschlossen.

Revision im Souvenir-Prozeß. Metz, 7. Nov. Nach dem Mefsin" wollen Jean und sein Verteidiger gegen das Urteil der Strafkammer im Souvenir-Prozeß Revision beim Ober-Landes­gericht in Kolmar einlegen.

Die Sozialdemokratie als Geldgeberin für Gemeinden. Dresden, 7. Nov. Der Eemeinderat zu Eröba bei Riesa hat zu Beschleusungszwecken eine Anleihe von 300 000 <M. bei der sozial­demokratischen Groß-Einkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine ausgenommen. Die Anleihe wird mit 4,5 v. H. verzinst.

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Koloniales

Der Kronprinz und die Landesausstellung in Daressalam. Wie verlautet, steht nunmehr fest, daß der Kronprinz das Protektorat Uber die im August ächsten Jahres tn Daressalam stattsindend« Deutsch-Ost­afrikanische Landesausstellung übernimmt. Zn kolonialen Kreisen nimmt man aus diesem Grunde an, daß der Kronprinz die Ausstellung persönlich eröffnen und im Anschluß daran einen Teil unseres afri­kanischen Kolonialbesitzes besuchen wird. Den Ehrenvorsitz über die Ausstellung übernimmt der Gouverneur von Deutsch-Ostafrika. Die Ausstellung wird bekanntlich veranstaltet zur Eröffnung der Mittel­landbahn und des 25jährigen Jubiläums der kaiserlichen Schutztruppe. An der Spitze eines Ehrenausschusses in Deutschland steht Herzog Johann. Anrecht zu Mecklenburg.

Ausland.

.* e^ztuiisn des Oberstleutnants v. Wintrrfcldt. Erisolles, 7. Nov. Heute vormittag 10 Uhr wurde der bei dem Oberstleutnant v' Winierfsldt nötig gewordene operative Eingriff unter dreiviertel­stündiger Narkose vorgenommen. Er hat die Operation gut überstanden. Das Befinden ist weiter zufriedenstellend.

** Studentenkundgebungen in Prag. Prag, 7. Nov. Zweitausend Hörer der tschechischen technischen Hochschule beschlossen bis Mittwoch den Vorlesungen fernzubleiben und verlangten telegraphisch von der Regie- rung, daß den baulichen Mißständen der Hochschule, in der kürzlich dte Decke eines Hörsaales eingestürzt war, abgeholfen werde. Nach der Ver­sammlung zogen die Teilnehmer zur Hochschule, wo sie lärmende Kund­gebungen veranstalteten. Aus den Hörsälen wurden klein« Gegenstände aus die Wache geworfen, durch zwei Wachleute verletzt wurden. Ein Student erlitt beim Gedränge innere Verletzungen. Die Polizei trieb die Demonstranten auseinander. Sckließlich wurden drei Studenten verhaftet, später aber wieder freigelassen.

» Die Kämpfe der Franzosen am Tschadsee. Paris, 7. Nov. Nach Privatnachrichten soll Oberst Largeau, der Befehlshaber bee französischen Kolonialbezirkes am Tschadsee gegen die Senussi, die sich unter Führung einiger türkischer Agitatoren der wichtigsten Puntte des durch den ftan- zöfisch-englischen Vertrag von 1899'Frankreich zuerkannten Gebietes von Borku bemächtigt haben, vorgerückt sein und zunächst Ain Ealak einge­nommen haben.

* Deutsch-schwedisch« Bereinigung. Stockholm, 7. Nov. Di« schwe­dische Abteilung der Deutsch-schwedischen Vereinigung hatte gestern Abend eine festliche Zusammenkunft. Der Vorsitzende Reichsanttquarins Monteltus erinnerte daran, daß die Ziele der Vereinigung nicht politi­scher Att, sondern idealer Natur seien und darauf hinausgingen, dte beiden Völker im gegenseitgen Verständnis einander näher zu bringen. Der deutsche Gesandte von Reichenau als Ehrenmitglied der schwedische« Abteilung erfäien mit dem gesamten Gesandtschafspersonak, Profess«

Hjaern« aus Upsala hielt einen Vortrag über di« Vasa und die Hohen- zollern.

Die mexikanischen Wirre«. Havanna, 7. Nov. Felix Diaz ist unter der Beschuldigung, den Mexikaner Guerrero, der auf ihn eine« Anschlag verübte, verwundet zu haben, verhaftet worden. Lind und der mexikanische Militärattache Burnstde find gestern abend plötzlich nach der Hauptstadt Mexiko abgereist. Sie verweigerten jede Angabe über den Zweck ihrer Reise und gedenken, tn wenigen Tagen nach Veracruz zurückzukehren.

Der zweite große Krupp-Prozeß.

B e r l i n, 7. Nov. Nach eintägiger Pause wurde heute in der Be­weisaufnahme im Krupp-Prozeß fortgefahren. Zunächst wurde der General z. D. von Bücking von der Feldzeugmeisterei darüber vernom­men, ob Direktor Dräger der Firma Krupp tm vorigen Jahre fich bet ihm dafür verwendet habe, daß der im ersten Kupp-Pozeß zu 43 Tagen Festung verurteilte Zeugleutnant Hoge bei der Artillerieprüfungskom- mission angestellt werd«. Der Zeuge erklätt, es habe weder Direktor Dräger noch sonst irgend jemand mit ihm über diese Angelegenheit ge­sprochen. Dräger sei auch nicht in irgendeiner anderen Angelegenheit an ihn herangetreten. Hierauf folgt« die Vernehmung des Majors von Wangemann, den der Abgeordnete Liebknecht in einem Briefe an den Kriegsminister beschuldigt hatte, noch während seiner aktiven Dienstzeit tm Dienste Krupps gestanden, von dieser Firma ein festes Gehalt be­zogen und einen eigenen Klub begründet zu haben, um die Offiziere der Artillerieprüfungskommission aushorchen zu können. Di« Versitzung Hoges zur Artillerieprüfugskommission sei aus rein dienstlichen Er­wägungen erfolgt. Er hat allerdings der Firma Krupp Aenderungen im Personalstand der Artillerieprüfungskommission mitgeteilt, ohne aber dies« Nachrichten auf illegalem Wege früher erfahren zu haben. Der Angeklagte Eccius bestreitet ebenfalls, von dem Zeugen Nachrichten er­halten zu haben, die auf illegalem Wege erholt waren. Er bestätigt sritsr, daß bet Zeuge erst nach siiner Verabschiedung mit Metzen in Verbindung getreten sei, und zwar auf Grund seiner Tätigkeit a5 Milt- tärschriftsteller; von dem erwähnten Klub ist dem Angeklagten Eccius nichts bekannt. Zeuge v. Metzen erklärt sodann, nichts davon zu wissen, daß Major v. Wangemann während seiner aktiven Dienstzeit irgend­welche Nachrichten geliefert habe, an eine Bestechung glaube er nicht, er sei aber der Ansicht, daß die Berichte Wangemanns zur Ergänzung der Mitteilungen Brandts dienten. Der hierauf vernommene Zeuge Major Wangemann erklärt, er habe während seiner Dienstzeit sich aus Lieb­haberei mit schriftstellerischer Tätigkeit befaßt und auch ein Werk Über moderne Feldgeschütze g«,chrieben, wozu er Material von der Firma Krupp benutzt habe. Nach siiner Verabschiedung trat «r in engere Be­ziehungen zu der Firma, die aber nach seiner Angabekrystallklar" ge­wesen seien. Die Beweisaufnahme war damit geschlossen, und es folgte das Plädoyer des Oberstaatsanwalts.

Der Vertreter der Anklage wies zunächst darauf hin, daß die auch im Kriegsministerium angestellte Untersuchung ergeben habe, daß eine An­zahl von Kanzleidienern des Kriegsministeriums sowohl von Herrn von Schütz wie von Herrn von Metzen Weihnachtsgeschenke von 5 bis 20 M erhalten hätten, ebenso «in Portier bei der Artillerieprüfungskommission, nicht aber bet der Feldzeugmeisterei oder in Spandau. Er betonte so­dann, daß schon reichlich zwei Monat« früher als die Oeffentlichkett sich die Polizei und die Staatsanwaltschaft mit der Angelegenheit befaßt hätten. Es sei aber schon damals von der die Untersuchung führenden Stelle erkannt worden, daß von einem Verrat militärischer Dinge nur in untergeordneter Weise gesprochen werden könne. Der Staatsanwalt stellte sodann den Antrag, Brandt von der Anklage des Verrats militärischer Geheimnisse fretzusprechen und nur wegen Bestechung zu fünf Monaten Gefängnis zu verurteilen; dieselbe Strafe beantrage er gegen Eccius. Der Oberstaatsanwalt geht zunächst in längeren Ausführungen auf die recht­lichen Gesichtspunkte ein, und erklärt im Anschluß daran, man habe ihn in den Zeitungen als denMann vorn, grünen Tisch" bezeichnet. Er wisse aber aus seiner 25jährigen Praxis ganz genau, wie die Dinge lie­gen. Die Beamten hätten eine unbedingte Schweigepflicht und wer diese seine Auffassung bekämpfe und da meine, die mittleren Beamten nehmen cs nicht so sehr genau mit der Schweigepflicht, trete die Ehre des mittleren Beamtenstandes mit Füßen. Brandt hat die Militärbeamten nun nicht bei günstiger Gelegenheit ausgehorcht, sondern ist zielbewußt vorgegangen und hat sie durch unerlaubte Gewährung von Geschenken und anderen Vorteilen zu ihren pflichtwidrigen Handlungen bestimmt. Daß in der Gewährung von Geschenken und Vorteilen an die Beamteck eine Bestechung zu erblicken ist, hat Brandt ganz genau gewußt. Der Angeklagte Eccius hat dem Brandt bei der Bestechung Beihilfe geleistet, da er genau gewußt hat, daß die Tätigkeit Brandts in Berlin nicht ein­wandfrei fei. Er hat auch gewußt, daß Brandt mit reichlichen Mitteln ausgestattet worden ist, um die Militärpersonen gewinnen zu können. Bei beiden Angeklagten liege eine Schuld vor und darum habe er di« gleiche Strafe für beide Angeklagte beantragt. Der Verteidiger Brandts R.-A. Löwenstein beantragt zunächst Freisprechung, im Falle der Verur­teilung bittet er um mildernde Umstände und eventuell eine Geldstrafe. Er fühtte aus, daß überhaupt keine Bestechung vorliege. Jene sieben vor­trefflichen preußischen Beamten, die vor den Schranken des Militärge­richts gestanden haben, haben sich nicht wegen der paar Glas Bier oder Wein oder wegen der kleinen Darlehen zu Pflichtwidrigkeiten verleiten lassen. Der jetzige Prozeß habe nichts wesentlich Neues ergeben, das Zeugnis Metzens sei das einzige Neue. Dieses Zeugnis hat aber nicht die geringste Beweiskraft. Durch feine Handlungsweise hat fich v. Metzen vollständig unglaubwürdig gemacht. Wenn Brandt seinen Kameraden Gefälligkeiten «rwtesin hat, so sei das lediglich aus Kameradschaftlichkeit geschehen.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urhebergesetzes nut mit bet deutlichen QuellenangabeOberhess. Ztg." gestattet.)

Marburg, 8. November.

* Universität. Der Vorstand des König!. Hochbauamt» I hier, Herr Regierungsbaumeister Schindowski, ist nach Münster i. W. versetzt zur Projektierung und Ausführung bei medizinischen In- stitute und Kliniken der dortigen Universität. Die hiesigen Um» verfitätsprofessoren geben dem von hier scheidenden allseitig be­liebte« Vaubeamten heute abend tm Hotel Pfeiffer em Abschieds-