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JK 259 dir Post 2.25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 <Ä * frei ins Haus. Verlag von Dr. C. Hitzeroth. Druck der Univ.«

1913.

Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. E. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Gutes Blatt

Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

Marburg

Dienstag, 4 November

die Unsicherheit über die endgültige Gestaltung der Straße nicht bestehen bleiben. Auch für den Prozeß selbst ist es erwünscht, daß klar zusammen- gefaßt wird, was man seit langem mit der Frankfurterstraße beabsich­tigte und daß man in der Beziehung nichts unklar der historischen Ent. Wicklung überläßt. Selbst im Falle eines Unterliegens in den Pro- zesien müßte doch die Straße nach einem Programm schließlich hergestellt eerden. Neuanbauende einschließlich des Militär-Fiskus wollen aber wißen, mit welchem Betrage für den laufenden Meter sie zu rechnen haben. Wird im Prozeß entschieden, daß die Stadt nichts zu fordern hat, so ist das ein besonderer Elücksfall der Anlieger, der aber der Ar­beit, das Programm für den nötigen Ausbau aufzustellen nicht überhebt. Eine Veränderung wäre nur erwünscht in der Vorlage zu Gunsten der neuen Kasernen, daß der vor ihnen liegende Bürgersteig befestigt wird. Das ergibt für den laufenden Meter ein plus von 0,60 M, so daß der Abfindungsbetrag auf 108,50 <M festzusetzen wäre. Der Baufluchtlinien­plan bedarf einer ausdrücklichen Genehmigung. Zn der Aussprache wurde u. a. seitens der Stadtv. Pros. Bredt darauf hingewiesen, daß die Summe sich durch das Anwachsen der Zinsen für die Kanalisation usw. so hoch stelle. Nach der Städteordnung durften nämlich Zinsen von der Stadt in Rechnung gestellt werden, wenn die Stadt selbst welche be­zahlt habe, d. h. zu dem Zwecke der Straßenkosten Geld ausgenommen habe. Um die Zinsen zu retten habe Geh. Rat Schüler daher stets das Verfahren eingeschlagen, di« Straßenkosten durch Eeldaufnahme zu decken, daher sind die Zinsen für die Franksurterstraße z. B. sehr hoch auf­gelaufen. Wie festgestellt wird, handelt es sich um bedeutende Beträge, zusammen etwa 12 000 JL Di« Stadtv. Storck und Geßner waren in ihren Ausführungen der Ansicht, zuzustimmen und genauere Details ab­zuwarten. Stadtv. Schäfer hielt die Berechnung der ganzen Zinsen für eine Härte. Ein Antrag, die Sache der Finanzkommission zu überwersen, um die Frag« der Zinsen erst zu klären, fand Annahme.

Zum Antrag mehrerer Stadtverordneter auf Einführung von Abonnements für die Str.aßenbahn nahmen eine ganze Anzahl Stadtver­ordnete das Wort. Stadtv. Eckhardt wies in der Begründung des An­trags auf die Berechtigung desselben hin. Schon vor Jahresfrist sei die Angelegenheit einmal erörtert worden. Man möge jetzt endlich die Abonnements einführen. Stadtverordnetenvorsteher Iustizra Rohde bemerkt, die Frage beschäftige den Magistrat und die Kommission und zwar sei das Elektrizitätswerk zu einem Bericht ausgefordert, der in Kürze eingehen solle. Die Stadtverordnetenversammlung könne übrigens nicht beschließen, daß Abonnements eingeführt werden sollten, da die Ver­waltung der Bahn in den HändeU des Magistrats liege. Stadtv. Storck meinte, man solle doch erst einmal abwarten, bis ein Jahresabschluß der Dahn vorliege, was bis jetzt noch nicht der Fall sei. Stadtv. Schäfer I trat warm für den Antrag ein; es werde vielen, besonders auch Schul­kindern, aber auch Gewerbetreibenden und, Arbeitern die öfter« Benutz­ung der Bahn erleichtert. Stadtv. Pörsch meint, man könne doch nicht Grundlagen dafür haben, wie sich die Abonnements finanziell für die Stadt gestalteten. Stadtv. Dr. Hitzeroth ist der Ansicht, daß ein« ftucht- bare Debatte für jetzt noch nicht möglich sei, man müsse doch z. B. erst wissen, ob durch die Einführung von Abonnements nicht die Anstellung von Schaffnern nötig, auch welche finanzielle Folgen die Einführung für das Elektrizitätswerk habe, für das eben erst 15 000 M außerordentliche Ausgaben bewilligt seien. Im übrigen sei wohl keiner ein Gegner der Einführung. Stadtv. Stumpf bemerkte, daß es an der Hand von Stati­stiken seitens der Wagenführer z. B. sehr leicht möglich sei, Grundlagen, für die eventuellen Folgen der Einführung zu schaffen. Ins Blaue hinein könne man nicht beschließen. Beigeordneter Müller mahnte zu einer sorgfältigen Prüfung der Angelegenheit, gerade die technische Frage, wie es zu machen sei, sei schwierig. Viele Städte hätten aus diesem Grunde auch die Abonnements wieder abgeschafft. Der Antrag, den Magistrat um Einführung von Abonnements zu ersuchen, wurde abge­lehnt. Der Antrag, den Magistrat um Beschleunigung der Angelegen­heit zu bitten, angenommen.

Auch der Antrag mehrerer Stadtverordneter auf Abschaffung des Bürgerrechtsgeldes gab Veranlasiung zu reger Aussprache. Stadtv. Pörsch begründete zunächst in längeren Ausführungen die Vorlage. Er bezeichnete di« Erhebung des Bürgergeldes als unzeitgemäß und unge-' recht, da z. B. die Beamten kein Bürgergeld zu bezahlen brauchen. Be­sonders die geringeren Leute würden hart getroffen. Unser kommunales Wahlrecht benachteilige sie schon und da könnten hundert« Wähler nicht wählen, weil sie kein Bürgergeld bezahlt hätten. Stadtv. Prof Dr. Maurmann erinnerte daran, daß schon vor 2% Jahren der Magistrat ersucht worden sei, eine dahingehende Vorlage zu machen. Stadtv. Storck war für Beibehaltung des Bürgergelds, es mache im Jahre ungefähr 1200 M aus. Stadtv. Eckhardt sprach sich für Aufhebung aus. Der Stadtverordnetenvorsteher stellt einige Zahlen des Stadtv. Pörsch rich­tig; in diesem Jahre seien es 53, die in der 3. Klasie nicht wählen durf­ten, weil sie das Bürgerrechtsgeld nicht bezahlt hatten. Stadv. Bork führte aus, in Hessen sei es immer so gewesen, daß das Geld bezahlt wurde. Wo Rechte seien, seien auch Pflichten. Es komme gerade vor, daß Leute aus den unteren Klaßen sich in wenig angenehmer Weife bei den Wahlen hervortäten, die sollten auch die Pflicht auf sich nehmen zu bezahlen. Stadtv. Stroinsky: Die Beamten können sich ihren Wohnsitz nicht auswählen, daher sei es auch berechtigt, wenn sie kein Bürgerrechts­geld bezahlten. Stadtv. Pörsch weiß nicht, wen Stadtv. Bork bei seinen Aeußerungen gemeint habe, di« dritte Klaße habe doch dasselbe Recht bei Wahlen, wie die anderen. Die Privatbeamten ständen auch nicht anders da wie die Staatsbeamten. Stadtv. Bork meinte, er sei jeden­falls mißverstanden worden. Er habe nichts gegen die 3. Klaße, er meinte sozialistisch angehauchte Elemente, die bei den Wahlen oft in den Vordergrund träten. Die möchten auch ihr Bürgerrechtsgeld bezahlen. Stadtv. Stumpf: Zwischen Beamten und Geschäftsleuten bestände ein großer Unterschied. Die ersteren müßten dabin. wohin sie versetzt wür­den, den anderen Leuten stärrde es eher frei, r b einen beliebigen Wohn­ort zu wählen. Die Bestimmungen, die wir hier in Heßen hätten, seien richtig. Wer Rechte haben wolle, müße auch Pflichten übernehmen. Jeder Arbeiter verdiene heute soviel, daß er die 5 Bürgergeld be­zahlen könne. Wir wollen in Heßen mit gutem Beispiel vorangehen. Stadtv. Pörsch wandte sich gegen Stadtv. Bork. Die Lage der Arbeiter fei nicht so glänzend, wie man sie schildere. Als er persönliche Bemer­kungen macht, wurde er vom Vorsitzenden unterbrochen mit dem Hin­weise, daß es in der Stadtverordnetensitzung nicht üblich sei, persön- lich zu werden. Stadtv. Schäfer pflichtet« dem Sadtv. Stumpf bei; die Arbeiter ständen nicht so schlecht, sie hätten wöchentlich viel Geld °ür Parteibeiträge übrig, sie könnten auch das einmalige Bürgergeld be­zahlen, das sei eine schöne Pflicht. Der Antrag fiel gegen die 8 Stim­men der Antragsteller.

Ein weiterer Antrag mehrerer Stadtverordneter betraf die Aende» rung der Geschäftsordnung für die Stadtverordneteu-versammlwlA

DieOberhejfische Zeitung- erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich bur*

Regierungsantritt zu schaffen, unter dem Namen Herzog Ernst August-Stiftung" zu gemeinnützigen Zwecken eine milde Stiftung und überwies der Stiftung als Grundstock des Vermögens aus der herzoglichen Schatulle 50 000 Die Zwecke und Bestimmung der Stiftung werden demnächst bestimmt.

Berlobungsger Uchte.

Berlin, 4. Nov. Wie in Hofkreisen erzählt wird, sollen schon längere Zeit Verhandlungen zwischen Gmunden und Strelitz schweben, die wahrscheinlich zur Verlobung der jüngsten Tochter des Herzogs von Cumberland, der 1884 geborenen Prinzessin Olga, mit dem 31jährigen Erohherzog Adolf Friedrich von Mecklen- burg-Strelitz führen werden. Die ältere Schwester der Prinzessin Olga ist die Gemahlin des Schweriner Eroßherzogs.

Politische Umschau.

vismarck-Feiern eineVersündigung gegen den Geist Bismarcks."

In Gotha findet seit einigen Jahren die Feier des Geburts­tages Bismarcks statt, die von verschiedenen Vereinen, so vom Konservativen Landesverein Bismarck, dem Bunde der Landwirte, vom Kricgsveteranenverbande, vom Turnverein Jahn, vom Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbande usw. veranstaltet wird. Zu dieser Feier find die Hofbeamten, die Staatsbeamten, die Militärbehörden und die städtischen Behörden regelmäßig ein­geladen worden. Der Einladung haben auch Vertreter der Behör­den, beispielsweise der Minister, der Hofkammerpräsident, der her­zogliche Hausmarschall usw. entsprochen. Dagegen hat der Land- tagspräsi'dent und Oberbürgermeister Liebetrau die an ihn in höf­lichster Form gerichtete Einladung abgelehnt und die ihm übermit­telten Einladungen für die Mitglieder des Magistrats und die Beamten der Stadt nicht weitergegeben. Der Oberbürgermeister erklärte, derDeutschen Tagesztg." zufolge, daß er der Einladung nicht gefolgt sei, weil die Festredner, die früher gesprochen hätten, für die Verhältnisse Gothas vollständig ungeeignet gewesen seien. Diese Festredner waren u. a. die Abgeordneten Liebermann von Sonneberg, Exzellenz von Liebert und Dr. Oertel. Der Bis- marck-Verein stelle, so führte Herr Liebetrau weiter aus, eine eng­herzige kleine Parteirichtung dar, die im Herzogtums Gotha über­aus schwach vertreten sei. Als Oberbürgermeister von Gotha habe er unpolitisch zu sein und dürfe nicht als Parteimann auf den Plan treten. Schließlich verstieg sich der Oberbürgermeister zu der Aeuße- rung, daß die einseitige festliche Veranstaltung eine Versün­digung gegen den Gei st Bismarcks sei.

In einem im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit stehen­den Beleidigungsprozeß hat, wie bereits gemeldet, der Staatsan­walt erklärt, daß Bismarckfeiern, die nicht von Organisationen aller politischen Parteien veranstaltet werden, nicht natio- n a l seien. Welche Begriffsverwirrung muß in manchen Kreisen des Herzogtums Sachsen-Cobnrg-Eotha eingetreten sein!

Stadtverordneten-Litzung

vom 3. November.

Unter Mitteilungen zur Kenntnisnahme lag ein Gesuch der Plakat- schriften-Fabrik vor, ihr für ein weiteres Jahr den Strompreis zu er­mäßigtem Preise zu überlaßen. v ,

Der folgende Punkt betraf Feststellung der Rechnungen und Ent­lastung der Rechnungsführer a) der Volksschulkaße für das Jahr 1912, b) über Erbauung der Straßenbahnstrecke Hauptbahnhof bis Wilhelms- platz. Stadtv. Storck erstattete die Rechnung: Die Einnahmen betrugen zu a 51295,31 M und 202 889,96 M. Ausgaben, städtischer Zuschuß 151594,65 M; zu b betragen die Ausgaben 197 742,29 <M, die Einnahmen 1^)7 783,85 M, Bestand 41.56 M.

In die in letzter Sitzung beantragte Berkehrskommisfion wurden die Stadtv. Stumpf,'Dr. Hitzeroth, Pörsch, sowie aus der Bürgerschaft Hof­buchhändler Braun gewählt.

Der Verlegung der elektrischen Leitung nach dem Ortenberg wurde zugestimmt. In der Begründung heißt es u. a.: Das Deutschordensgut hat einen Antrag auf Anschluß an das Elektrizitätswerk gestellt. Um dem Wunsche Folge geben zu können, ist es notwendig, daß das Leitungs­netz über die Bahn hinaus verlängert wird. Da nun im kommenden Frühjahr, nach Mitteilung des Königlichen Hochbauamts I hier, auch di« neue psychiatrische Klinik an das Leitungsnetz angeschloßen werden soll, so ist es richtig, daß der Ausbau gleich so vorgenommen wird, daß auch den Ansprüchen der Klinik genügt werden kann. Der von dem Elektrizitätswerk aufgestellte Kostenanschlag schließt mit 3600 M ab. Im^ E. O. 1913 sind 3000 für Erweiterung des Leitungsnetzes vorgesehen, welche vorerst zur Deckung der Kosten in Anspruch genommen werden sollen. Die dann noch fehlenden 600 M sollen aus dem Erneuerungs­fonds des Werks bestritten werden.

Der Festsetzung des auf das Grundstück Sandweg 1 entfallenden Ab- findungsb» .oges zu den Kosten des Ausbaues des Sandwegs wurde ebenfalls zugestimmt. Sie betragen insgesamt 2134 M, d. h. 76 -4t für den laufenden Meter. Die 76 M ergeben sich aus den Gesamtkosten des Ausbaues des Sandwegs zwischen Luther- und Calvinstraße nach dem Kostenanschlag des Stadtbauamts vom 2. Februar 1913 dividiert durch die Summe der beiderseitigen Erundstückslängen. Das Ausbaupro­gramm ist aber noch nicht endgültig festgestellt.

Bezüglich des Feldwegs Blatt 13 Nr. 117 in der Nähe des Süd- bahnhofs wurde beantragt, dem Beschluß des Magistrats vom 17. Oktbr. 1913 zuzustimmen, wonach nur bis zu 500 M zur Instandsetzung des Feldwegs Kartenblatt 13 Parzelle 117 längs der Eisenbahn bewilligt werden und zwar sollen diese aus dem Dispositionsfonds der Stadtver- ordneten-Bersammlung pro 1913 entnommen werden. Nach kurzer Be­ratung wurde zugestimmt mit dem Hinzufügen, die Arbeit erst im Früh-. jahr ausführen zu lassen.

Ferner beschäftigte man sich wieder mit der Genehmigung des Aus­bauprogramms der Frankfurterstratze und Festsetzung des Abfindungs­betrags zu den Straßenkasten. Die Eesamtkasten betragen 189 000 <M. Die Vorlage ist, wie es in der Begründung heißt, am 19. Mai abgesetzt wegen bet laufenden Prozeße für einen Teil der Straßenanlagekosten. Dieselben werde« aber voraussichtlich 2 Jahre dauern, so lange darf aber *- f

Der Einzug des Herzogepaaies in Braunschweig.

Mit einem Empfang des jungen Herzogspaares in dem Städt­chen Velpke, an dem sich die Landesgrenze zwischen Braunschweig und Preußen hinzieht, begannen gestern in den frühen Vor­mittagstunden die Einzugsfeierlichkeiten. Hier wurde der von Rathenow kommende Herzog offiziell von den Mitgliedern des Staatsministeriums und erstmals von feinen Landeskindern be­grüßt. Wenige Minuten nach y2l Uhr traf der Zug in der fest­lich geschmückten Hauptstadt Braunschweig ein. Die blau-gelben Landesfarben herrschten vor, doch kamen auch schwarz-weiß-rot uni) sogar die preußischen Farben schwarz-weiß zu ihrem Recht. Die gelb-weißen welfischen Farben sah man hauptsächlich am Bank­platz, wo gelbe und weiße Rosen den Hauptschmuck bildeten. Un­mittelbar vor dem Hauptbahnhofe der Stadt fand der offizielle Empfang statt. Hier hatten sich die städtischen Behörden, die Stadtgeistlichkeit und eine große Schar Ehrenjungfrauen ein­gefunden. Unter Elockengeläute und Musik der Militärkapellen schritt Herzog Ernst August die vom Jnf.-Regt. Nr. 92 gestellte Ehrenkompagnie ab und bestieg dann mit der Herzogin Viktoria Luise den von sechs Schimmeln gezogenen Prunkwagen, dem eine halbe Eskadron Braunschweiger Husaren mit Lanzenfähnchen in blau-gelben Landesfahnen voranritt. Auch der Herzog trug die Uniform dieses Regiments, das ihm in den letzten Tagen ver­liehen worden ist, während die junge Herzogin in weißer Spitzen­toilette mit blauem, pelzverbrämtem Mantel und weißem Hut mit gelbem Reiher erschien. Vor dem von der Stadt errichteten Prunkzelt gab Oberbürgermeister Retemeyer seiner Freude darüber Ausdruck, daß ein Mitglied des angestammten Herrscherhauses wieder in Braunschweig einziehe und zwar an der Seite einer Fürstin aus dem Hohenzollernhaus. Die Herzen aller Braun­schweiger schlügen dem Herzogspaar entgegen. Der junge Herzog Ernst August dankte mit bewegten Worten, worauf der Herzogin durch die Tochter des zweiten Bürgermeisters ein Rosenstrauß überreicht wurde. Nun bewegte sich der Ealawagen, dem eine halbe Schwadron Husaren und ein Hofwagen mit den Mitgliedern des Herzoglichen Staatsministeriums und dem Gefolge sich an­schloßen, zum Rathause. Hier erfolgte eine zweite Huldigung durch 2500 Schulkinder, worauf sich der Festzug zum Schloß begab, dessen Vorplatz Ehrenkompagnien umsäumten. Im Schlosse selbst folgte die Vorstellung der Hofstaaten und die

Verlesung der Thronrede, h

die folgenden Wortlaut hatte:

Meine Herren Abgeordneten! Mit Dank gegen (Sott, der aus tiefstem Herzen kommt, begrüße ich zugleich namens der Her-, zogin, meiner Gemahlin, Sie, meine Herren, heute hier in meinem Residenzschloß. Die mich beseelenden Gefühle habe ich bereits in dem Patent, mittels deßen ich die Regierung an- getreten habe, ausgesprochen. Den Jubel der Bevölkerung bei unserem Einzug in das Land und in die Residenz betrachten wir als ein sichtbares Zeichen der Liebe und des Vertrauens, welches uns die gesamte Einwohnerschaft des Landes entgegen­bringt. Es wird mein ständiges Bestreben sein, die Regierung so zu führen, daß jeder ohne Unterschied der Person die Ueber- zeugung gewinnen wird, tatkräftige Fürsorge für das Gedeihen des Landes und das Glück der Braunschweiger sei der Leitstern alles meines Handelns und Tuns. Dazu, meine Herren, be­darf ich insbesondere Ihres vollen Vertrauens und Ihrer treuen Mitarbeit, wie Sie solche auch meinen Vorgängern an der Re­gierung alle Zeit erwiesen haben und um die ich Sie damit herz­lich bitte. Nur dann kann es mir gelingen, meinen ernsten Willen, die Wohlfahrt des Landes auf allen Gebieten zu pfle­gen, in die Tat umsetzen. Der Herzogin, meiner Gemahlin, wird es eine große Freude und eine ihr zur lebhaften Befriedi­gung gereichende Ausgabe sein, alle auf dem Gebiete der Frau und Fürstin liegenden Bestrebungen zu fördern und zu unter­stützen. Nachdem ich den Thron meiner Vorfahren bestiegen » habe, entbiete ich allen meinen Braunschweigern, mich selbst in jeder Beziehung als Braunschweiger fühlend, meinen landes­fürstlichen Gruß und spreche die zuversichtliche Hoffnung aus, daß das Band zwischen Fürst und Volk ein immer festeres und innigeres werden wird. Dazu wolle Gott der Allmächtige seinen reichen Segen geben."

Darauf antwortete der Präsident der Landesversammlung. Kreisdirektor Krüger, und drückte seine und des Landes Freude aus, daß ein Sproß des Welfenhauses nun in die Stadt Heinrichs des Löwen einziehe, die zum ersten Male seit über hundert Jahren eine Herzogin von Braunschweig in ihren Mauern begrüßen dürfe.

Nachmittags 5 Uhr fand im Weißen Saale des Schloßes E a l a t a f e l statt. Am Abend war Braunschweig durch eine Illumination der ganzen Stadt in ein Flammenmeer getaucht, während im Hoftheater der 3. Akt aus denMeistersingern" in Gegenwart des jungen Herzogspaares in Szene ging. Nach der Vorstellung machte das Herzogspaar eine Rundfahrt durch die Stadt zur Besichtigung der Illumination. Die nationalen Ver­eine, die studentischen Korporationen usw. veranstalteten einen Fackelzug, deßen Aufmarsch im großen Schloßpark nahezu eine Stunde beanspruchte. Unter Leitung des Hofmusikdirektors Glarus trug die Sängerschaft Braunschweigs die Chöre vor:Mein Herz tu dich auf" und den Weihegesang von Abt. Hierauf hielt ^Bürgermeister v. Frankenberg eine Ansprache an das Herzogspaar.

Eine Herzog Ernst Angnst-Stiftnng.

Die amtlichenBraunschweigischen Anzeigen" melden: Her- -og Ernst August errichtete, um «in bleibende, Andenken an seinen

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend-,Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeil« oder Q c%Ahvft deren Raum 15 4. bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für 40. x$Ul)I|b