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Marburg
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M257
1913
Cassel, 31. Okt. Der Stratzenbahnerkonflikt hat eine Verschärfung erfahren, da die Direktion der Großen Casseler Straßenbahn die Zurücknahme der Kündigung der seinerzeil wegen Agitation entlassenen Angestellten verweigerte.
Darmstadt, 31. Okt. Heute nachmittag wurde in Gegenwart des Eroßherzogspaares und der Spitzen der staatlichen und städtischen Be- Hörden das aus freiwilligen Beiträgen von Privatpersonen und der gesamten chemischen Industrie auf dem Luisenplatz hier errichtete Denkmal für Justus v. Liebig enthüllt.
Unpolitische Tagesnachrichien.
Unwetterschäden in Marokko. Casablanca, 30. Okt. Ein« Sturmflut und ein Unwetter herrschten in Rabat und in Casablanca. Im letztgenannten Hafen sind drei Schiffe zugrunde gegangen. Di« Besatzungen wurden gerettet mit Ausnahme von acht Mann, die mit einem griechischen Schiffe untergingen. Der Materialschaden ist bedeutend.
Ein Drama im Kunstatelier. Paris, 31. Okt. Rach einer Meldung aus Rom wurde ein junger französischer Bildhauer, der vor drei Jahren den Rompreis davon getragen hatte und Stiftung der in der Villa Medici untergebrachten französischen Kunstschüler ist, plötzlich tobsüchtig und versetzte im Atelier der Villa der jungen Bildhauerin Fräulein Heuselmann, die gleichfalls Trägerin eines Rompreises ist, einen solchen Faustschlag, daß sie bewußtlos zusammenbrach. Rur mit Mühe konnte der Bildhauer, der angeblich aus unglücklicher Liebe zu Fräulein Heuselmann wahnsinnig geworden ist, überwältigt und in eine Irrenanstalt gebracht werden.
Schisssunglück. Hamburg, 31. Okt. Nach einem Radiotelegramm von Bord nahm der von Mexiko kommende Dampfer „Kronprin^ssin Geeilt«“ der Hamburg-Amerika-Linie am Donnerstag um 3 Uhr morgens 43 Grad 50 Minuten nördlicher Breite und 20 Grad 50 Minute« westlicher Länge 22 Mann der Besatzung der durch einen Sturm ver». sthlagenen französische» Bark »Patrie“ etw Fecamp auf, di« vow Fische
Die „Oberhesfische Zeitung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post 2.25 M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. — Verlag von Dr. C. Hitzeroth. — Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Wochenschau.
Hinter uns liegt eine Woche, die reich an wichtigen politischen Ereignissen war. Zunächst brachte sie die endgültige und tatsäch- pche Regelung der braunschweigischen Frage, d. h. der Frage der Zulassung des Prinzen Ernst August zum braunschweigischen Herzogsthron. Am Montag hat der Bundesrat einstimmig dem von der braunschweigischen Staatsregierung angeregten und von Preußen formell gestellten Antrag auf Aufhebung der Bundesratsbeschlüsse von 1885 und 1907 zugestimmt. Ueber diesen Ausgang der Angelegenheit konnte nach Lage der Sache ein Zweifel nicht mehr bestehen. Ungewißheit herrschte nur darüber, wie der preußische Antrag begründet war. Aus dem Wortlaut des Antrags ergab sich, d.aß dieser sich lediglich aus die bereits bekannten Tatsachen stützt, die von der preußischen Regierung als ausreichend für eine veränderte Stellungnahme des Bundesrats erachtet wurden. Bezeichnend ist, daß der dritte Vundesratsbeschluß in der braunschweigischen Frage gemäß dem preußischen Antrag nur auf den Wortlaut des ersten Beschlusses von 1885 Bezug nimmt, nicht aber auch auf den von 1907, der den Verzicht aller Mitglieder des Welfenhaufes auf die Ansprüche auf Hannover als unerläßliche Bedingung für die Zulassung eines Mitgliedes dieses Hauses auf den Thron von Braunschweig erklärte. Diese gänzliche Außerachtlassung des unter dem Fürsten Bülow gefaßten Bundes- ratsbeschlusses ist allerdings leicht erklärlich. Der Widerspruch zwischen dem von 1907 und dem neusten ist so eklatant, daß man stillschweigend darüber hinweggegangen ist. Die böse Presse zeigt jedoch heftig und deutlich mit dem Finger darauf und setzt hier den Hebel der — leider berechtigten — Kritik an. Hieß es erst offiziös, der Prinz werde bei seiner Thronbesteigung ein« alle gegen diese gerichteten Bedenken beseitigende feierliche Erklärung ab» geben, so scheint es jetzt, als würde ein« solche nicht erfolgen; denn der Staatsminister Hartwig hat in der braunschweigischen Landesversammlung auf Grund seines Empfanges bei dem Prinzen betont, daß eine weitere Erklärung des Prinzen nicht zu erwarten fei. Die Welfen haben andererseits keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie ihren alten Kampf fortsetzen würden. Wenn man auch erwarten muß, daß die aus der Zulassung des Prinzen Ernst August zum braunschweigischen Thron für den Herzog von Cumberland und seine Getreuen sich ergebenden moralischen Verpflichtungen von ihnen anerkannt werden, so wird doch niemand bestreiten können, daß solchen moralischen Verpflichtungen bindende Erklärungen vorzuziehen gewesen wären.
Ein erfreuliches Gegenstück zu der braunschweigischen An« gelegenheit bildet die Beseitigung der Regentschaft in Bayern. In würdiger Weise ist die betreffende Vorlage von der Abgeordnetenkammer in München — natürlich gegen Sozialdemokraten und Demokraten — angenommen worden, und es besteht nun kein verfassungsmäßiges Hindernis mehr dafür, daß sich Prinzregent Ludwig aus eigenem Recht die Königskrone aufs Haupt fetzt. Die Versuche von demokratischer Seite, den Vorgang so auszulegen, als habe der Landtag bei der „Absetzung" eines rechtmäßigen Königs mitgewirkt, sind eine Verzerrung des staatsrechtlichen Aktes, um den es sich dabei handelt. Mit dem bayrischen Volk freut sich das ganze übrige Deutschland, daß an der Spitze des zweitgrößten Bundesstaates wieder ein zur Ausübung der Regie- ! rung fähiger König steht, der sich überdies allenthalten durch feine Schlichtheit, fein für Landwirtschaft und Industrie des öfteren praktisch bewiesenes Interesse und seine mehrfach und stark betonte Reichstreue und Reichsfreudigkeit die größten Sympathien erworben hat.
Weiter sind als hochwichtiges Ereignis der verflossenen Woche die Landtagswahlen in Bade» zu verzeichnen, deren Ergebnis die Beseitigung der Eroßblockmehrheit im „liberalen Musterländle" bedeutet. Bisher wurde es fast allgemein so dar- gestellt, als bestehe in der 2. badischen Kammer noch immer eine geringe Eroßblockmehrheit, da das Verhältnis der Mandate 37 zu. 36 sei. Da aber unter den 37 Vertretern der Linken noch zwei nationalliberale Eroßblockgegner find, so besteht die 2. badische Kammer in Wahrheit aus 35 Eroßblockanhängern und 38 Eroß- ilockgegnern. Den badischen Wählern, die fich jetzt in richtiger Erkenntnis der von ihnen unter dem Eindruck der Reichsfinanzreform von 1909 begangenen Verirrung von der Demokratie und Sozialdemokratie abgewendet haben, muß das Verdienst zuerkannt werden, daß sie die gemeinsame Front des staatserhaltenden Bürgertums der Verwirklichung bedeutend näher gebracht haben.
Auf dem Balkan zeigen di« Dinge augenblicklich ein friedliches Gesicht. Serbien hat die Räumung Albaniens von seinen Truppen vollzogen, und zwischen Griechenland und der Türkei stehen dir Verhandlungen nahe vor dem Abschluß. Unerledigt und nicht alle Gefahren ausschließeiü» ist die Frage der Abgrenzung Albaniens nach Süden. Wie verlautet, haben sich Oesterreich-Ungarn und Italien zu einem energischen Vorgehen gegen Griechenland in dieser Angelegenheit entschlossen. Eine Brüskierung dieses aufstrebenden Staates durch den Dreibund ist aber aus wirtschaftlichen und politischen Gründen nicht geboten.
Wie die Verhältnisse in Mexiko liegen, ob gültige Wahlen zustande gekommen sind oder nicht, ist mangels zuverlässiger Nach- ikichten noch nicht festzustellen. Sicher ist nur, daß Huerta nach wie vor die Herrschaft in den Händen hat unter dem Namen eines provisorischen" Präsidenten. Er würde sicher nichts dabei finden, Dieses Provisorium zu einem dauernden zu machen. Der Erlaß Huertas, durch den der Bestand des Heeres nahezu verdoppelt &iib, dürfte sich ebenso sehr gegen die Aufständischen wie gegen ein ^Mögliches militärisches Einschreiten der Union richten. Die Mächte haben erklärt, nichts zu unternehmen, ehe sowohl über die Absichten Huerta» als auch über die beabsichtigt« Politik der Per« Knigten Staaten Klarheit herrscht«
Marburg und Umgegend.
Marburg, 1. November.
* Das Reformationsfest wird morgen in alle» eoangelsichen Kirchen festlich begangen werden. Am 31. Oktober des Jahres 1517 war es, daß Martin Luther an die Schloßkirche zu Wittenberg seine Thesen anschlug, die zur Begründung der Reformation führten. Dieser Tag gilt daher mit Recht als der Geburtstag der evangelischen Kirche.
• Di« Einahmen unserer Straßenbahn betrugen im Oktober 8526,60 Mark gegen 6340 Mark im gleichen Monat des Vorjahres. Die durchschnittliche Tageseinnahme betrug 275,05 M gegen 224,58 <M. im Oktober 1912.
* An die Steuerzahler. Mit heutigem Tage haben die Erhebungstermin« für direkte Staats- und Gemeinde-Steuern, Schulgeld ufw. begonnen. Die Stadthauptkasse ist werktäglich von 9—12% Uhr vormittags geöffnet. Dieser Termin« endigen laut Steuerzettel mit dem 15. dieses Monats.
* Zur Frankfurter Univerfitätsfrage. Der Bezirksfynod« Frankfurt liegt ein Antrag auf Errichtung einer theologischen Fakultät an der künftigen Universität Frankfurt vor.
* Preußische Klassenlotterie. Die Erneuerung der Lose zur 5. Klasse der 229. Lotterte muß mit Vorlegung der Los« 4. Klasse spätestens bis zum 3. November, abends 6 Uhr, geschehen sein.
* Strafkammer. Unter der Anklage, einen Einwohner aus Allmuthshausen im Kreise Homberg gelegentlich der Vermittlung einer Hypothek bewuchert zu haben, stand gestern ein Kaufmann aus Spangenberg. Der Beklagte, der dem Mann eine Hypothek von 2000 Jt beschafft hatte, bestritt di« ihm zur Last gelegte Straftat und gab an, daß er bei der Sache nicht ein Geschäft, sondern kaufmännisch gerechnet, einen Verlust erlitten habe. Das Gericht schloß sich nach längerer Verhandlung dieser Ansicht an und erkannt« auf Freisprechung.
* Für Studierende. Die Quästur befindet sich vom 8. bis 14. November im, sog Kugelhause in der Kugelgasse. Sprechstunden von 9—10 Uhr, Sonnabends geschlossen.
* Konzertverein. Mit einem Orchesterabend eröffnete gestern der Konzertverein sein Wintersemester. Herr Universitäts-Musikdirektor Prof. Dr. Zenner hatte an den Anfang des Abends eine eigene Komposition gestellt, eine Serenade (A-dur) für Orchester. Sie wurde von den erfreulich zahlreichen Zuhörern mit dem freundlichen Beifall ausgenommen, der ihr zukam und entsprach. Denn als ein freundliches Werk darf sie begrüßt werden: Die Freiheit, die die im Laufe der Zeit fast bis zur Unkenntlichkeit gesprengte Serenadenform nun einmal gewährt, ausnützend, im einzelnen klar, durchsichtig, doch ohne deutlichere eigene Note, in einiger Mimikry an Klänge von Vorfahren, durchaus melodiös, in den Variationen und im letzten Satz auch den aufgewandten nicht geringen orchestralen Apparat zu gesteigerter Wirkung heranziehend, geschickt und wohlgefällig instrumentiert — dahin zielen etwa die Gedanken nach dem einmaligen Anhören. Von vornherein orchestral gedacht erscheint die Serenade, die an die stets fesselnde, ungleich eigenartigeren Serenaden Hofmanns nicht ankommt, nicht durchweg; Spuren sekundärer Umschmelzung in die orchestrale Fassung treten deutlich hervor — im Gegensatz zu unfern eigentlichen Symphonikern, in deren Klaviermusik die orchestrale Konzeption unverkennbar ist. Am Klavier, zu vier Händen gesetzt, mag die Jennersche Serenade weiteren Eingang finden. Die Aufführung verriet deutlich den Anteil, den das Orchester an dem Werke nahm. — Die glücklichste Leistung des Abends war Brahms' Violinkonzert. Gleich vorweg gesagt: hier bewies das Orchester, was es im Dienste seines Dirigenten, der Dirigent wiederum, was er im Dienste seines Meisters zu leisten vermochte; die Begleitung verdient volle Anerkennung, und dem Eifer und Schwung, mit dem das Orchester spielte, soll es zugute gehalten werden, daß es zuweilen dem Solisten nicht ganz das Wort gönnte, das ihm zukam. Herr Josef Szigeti spielte das Konzert hinreißend schön, im tiefsten Grunde musikalisch, d. h. unter willkommener Verdeckung des großen technischen Aufwandes zu Gunsten der ausschließlichen Aufdeckung der Wunderwelt Brahms'scher Träume und Brahms'scher Glut. Er kann Brahms spielen: das fei ihm größeres Lob als alle Vergleiche mit Sarasate und wem sonst. Damit war der Höhepunft des Abends überschritten. Beethovens Fünfte kam nicht zu voller Gestaltung. Das Andante con moto suchte seine Seele und fand sie nicht. In diesem übertrieben bewegten Zeitmaß, das sich einigemal wie von selbst mäßigte, konnte sich die wundervolle Melodie nicht entfalten. Immerhin erhob fich die Wiedergabe der Symphonie wieder zu der Höhe, daß man ausgesöhnt das Konzert verlassen konnte. — Zwei dringende Bitten noch jetzt am Anfang der Konzertreihe: Küchendünste vom Konzertsaal absperren und mäßiger Heizen! Vernichtet das eine die Andacht, so schädigt das andere den Klang. Und Klang und Andacht ist in der Musik alles!
* Schwurgericht. Zu der am nächsten Montag beginnenden Schurgerichtsperiode liegen folgende Fälle vor: 1. I. Götte, Bahnhofsaufseher aus Ullendorf (Amtsverbrechen), Jos. Velica, Arbeiter aus Bischhausen (Raub), Frau Schneider aus Marburg (Meineid), Fritz Engelbrecht, Arbeiter aus Usseln (Sittlichkeitsverbrechen), Ludwig Hilbsrger, Knecht aus Wetter (Sittlichkeitsverbrechen, Dienstmag H. Kurt, Stud. H. Schröder, Heilkundiger F. Kropp, sämtlich wohnhaft hier (Vergehen gegen §§ 218—220).
• Lysol. Eine seit einiger Zeit hier wohnende junge Malerin trank gestern Lysol und starb bald darauf. Sie handelte, wie mitgeteilt wird, in einem Anfall von Geistesstörung.
Versammlungen, Konzerte, Theater, vergnügungsnachrichten ns«.
♦ Parolemufik findet bei günstiger Witterung von %12 bis %1 Uhr vor Pfeiffersgarten statt. Programm: 1. Armeemarsch 217, Marsch des Jnf.-Reg. Prinz Ferdinand; 2. Ouvertüre z. Op. „Das Glöckchen des Eremiten“ v. Maillard; 3. Fantasie a. d. Op. „Cavalleria Rusticana“ v. Mascagni; 4. a) „Di« dunkeln Linden“, Lied v. Eumbett, b) „Der Zigeunerbub« im Norden“ Lied v. Reißeger; 5. Nordlichter-Walzer 9. Ntxner; 6, „Durch Nacht |um Licht", Marsch » Laukien,
• Künstler-Konzert findet morgen, Sonntag abend, im Cafe Detter statt. Näheres siehe Inserat.
* Das bekannte Variete Berghaus (4 Damen und 3 Herren) tritt morgen und am Montag im großen Saale des Cafe Quentin auf.
* Turngemeinde. Auf das morgen abend im Schloßgarten stattfindende Stiftungsfest der Frauenabteilung der Turngemeinde, fei hiermit auf Wunsch noch besonders hingewiesen.
* Kirchweihfeste finden, wie aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, morgen in Marbach, Heskem, Beltershausen und Erksdorf statt.
* Som Gießener Konzert-Verein wird uns geschrieben: Dr. Ludwig Wüllner, der sich am Sonntag, den 2. November in Gießen hören läßt, ist für das Konzertpublikum kein Fremder. Als Schubert- und Brahms-Interpret ist Wüllner fast unübertroffen und als Rezi- tatet hat er vornehmlich mit dem berühmten Vortrag des „Hexenliedes“ von Wildenbruch mit begleitender Musik von Max Schillings allenthalben di« größten Triumphe gefeiert. Die Konzertbesucher werden Gelegenheit haben, ihn am Sonntag sowohl als Liedersänger als auch als Rezitator zu hören.
* Stadttheater. Nochmals sei auf den ersten „Kammerspielabend“ am nächsten Montag hingewiesen, der in einer durchaus abgerundeten Darstellung Lothar Schmidts interessante neue Komödie „D a • Buch einer Frau“ bringt. In Hauptrollen sind beschäftigt di« Damen Sonntag-Blume, Lindeck und Frenzel sowie die Herren Rotteck und Volck. Publikum wie Presse in Gießen haben die Aufführung der Neuheit durch unser Ensemble als eine ganz vorzügliche und jeder Eroß- stadtbühne zur Ehre gereichend« bezeichnet. Das Werk hat übrigens im Deutschen Theater in Berlin bereits eine ganze Serie erfolgreicher Aufführungen hinter sich. Hoffentlich ermöglicht ein guter Besuch di« Fortsetzung dieser „Kammerspielabend«“, die durch die Einstudierung für eine einmalige Aufführung besonder« Mühe verursachen. Für einen zweiten Kammerspielabend sind vorgesehen: „Der Kammersänger" von Wedekind, „Die Bäuerin" von Klara Viebig und „Die Geschwister“ (Paul und Paula) von Herbert Eulenberg.
V Kirchhain, 1. Nov. Heute morgen wurde die 10. Wanderausstellung des Verbandes der Geflügelzucht-Vereine im Regierungsbezirk Cassel in der städtischen Festhalle eröffnet, nachdem die Preisrichter, die Herren Rübsam-Gießen und Södler-Niedergemünden gestern schon die Prämiierung vorgenommen hatten. Unter dem ausgesucht schönen Zuchtmaterial sind besonders die Peking und Orpington Enten, die rebhuhnfarbigen Italiener sowie die verschiedenen Farbenschläg« der Minorkas hervorzuheben. Eine Schwanenfamilie von 6 Stück ist in der Klasse des Ziergeflügels vertreten. Die 10. Wander-Versammlung der Delegierten der Verbands-Verein« findet heute nachmittag im Bahnhofshotel statt.
-r- Erksdorf, 30. Ott. Eine tolle Fuchsjagd fand dieser Tage ht unserem friedlichen Dörfchen statt. Meister „Reinecke" war auf bet Suche nach einem „Gänsebraten" in das Dorf geraten, wobei ihn di« Schuljugend erwischte und Jagd auf ihn veranstaltete. In seiner Angst flüchtet« der Fuchs in einen Garten und blieb hier zwischen den Latten des Holzzaunes hängen. Seine Verfolger banden ihn mit Stricken an den Füßen fest und holten den Hüter des Waldes, der durch einen wohlgezielten Schutz den „(Befangenen“ erlöste. Hätte der Fuchs den Rat befolgt wie es in dem Siebe heitzt: „Nimm, du brauchst kein Gänsebraten mit bei Maus verlieb", so wäre er von biesem Schicksal gewiß Nicht ereilt worben.
t Neustadt, 31. Okt. Gestern morgen gegen 11% Uhr überflog ein Doppeldecker unsere Stadt in bet Richtung Cassel-Marburg. Das Flugzeug konnte wegen bet geringen Höhe sehr gut beobachtet werden.
Biedenkopf, 31. Okt. Im Juli b. Js. hatte Baron Kurt von Biedenfelb zu Berlin W. bet bem Herrn Landwirtschaftsminister den Antrag gestellt, ihm das hiesige Schloß zu verkaufen. Der Herr Minister hat, laut „Hinter!. Anz", aber diesen Antrag abgelehnt, weil kein Anlaß vorliege, das gut erhaltene und würdig benutzte Schloß dem Staatsbesitze zu entziehen. Dieser abweisende Bescheid wirb in ben weitesten Kreisen unserer Bevölkerung mit lebhafter Freub« begrüßt werden.
Friedrichshütte, 31. Okt. Anläßlich seines llebertritts in ben wohlverdienten Ruhestand wurde Herrn Hüttendirektor Herbst der Kronen- otben 4. Klasse verliehen.
Feudingen, 31. Okt. Alle Wanderfreunde werden es als eine Wohltat begrüßen, daß der Weg durch das schöne Jlsetal von hier bis zur nahe bei Linnefeld errichteten Schutzhütte chausseemäßig ausgebaut! wirb.
Sonnabend, 1. November 51,5
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
unb den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Vellage“.