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WLB H Hl J W WWW/ WWW WWWW■/ f <> O/ ,W B W W WWW V/UlUllllllUll ytlllUll mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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1913.
Erstes Blatt
Marburg
Freitag. 31. Oktober
Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt o. M.
Di« „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Conn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertelsährlich bürd' die Post 2.25 M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zritungsstellen 2 M frei ins Haus. - Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
samt« Wehrmacht und Landwehr zusammen für das Jahr 1914 7792 Mann, für das Jahr 1915 4474, für das Jahr 1916 4233, füi das Jahr 1917 3383 und für das Jahr 1918 3480 Mann.
* • Der chronisch« Parlamentskonflikt in Ungarn. Budapest, 30. Okt. Die heutige Sitzung des Abgeordnetenhauses war fehl bewegt. Der erste Redner der Oppositionellen Karolyi erklärte, die Oppositionellen hielten sich den Sitzungen fern, weil sie sich nicht dazu hergeben wollten, eine bloße Statistenrolle zrl spielen. Offenbar sei, daß die Oppositionellen, als sie eine schär, feie Tonart angeschlagen hätten, sogleich von der Parlamentswacht hinausgeführt worden feien. Ministerpräsident Tisza erwiderte, die Opposition habe keine Ursache, einen Gewaltakt zu befürchten. Er verurteile parlamentarische Gewalttätigkeiten schärfstens, deshalb habe er sich entschlosien, der häßlichsten aller Gewalttätigkeiten, der Gewalttätigkeit der Minorität, durch energische Maßregeln ein Ende zu setzen. (Lebhafter Beifall rechts.) Ministerpräsident Tisza fand es sonderbar, daß Karolyi jeden, der seine Auffassung nicht teile, als korrupt und sittlich verkommen bezeichne. Das sei merkwürdig. Das Recht Karolyis, über die Wahl« lassen den Stab zu brechen, könnte nur anerkannt werden, wenn Karolyi ehrenwörtlich..versichere, daß seine Wahl nichts gekostet habe. (Zwischenrufe.) Der Unterschied sei, ob die Wahlkosten aus der eigenen Tasche oder durch Regierungsgelder gedeckt würden. Der Ministerpräsident appellierte dringend an die Opposition, den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit nicht in die Enthüllung von Korruptionsaffären zu verlegen, sondern an der Beratung der vorliegenden hochwichtigen Angelegenheiten teilzunehmen. Am Schluß bei Sitzung wurde die Vorlage betreffend die Erhöhung der Rekruten- kontingenten und die Jndemnitätsvorlage eingebracht.
* * Russische Spionage in Schweden. Stockholm, 30. Okt. Dal heute publizierte Protokoll über den Spionageprozeß bestätigt, daß der russische Militärattache Asianowitsch in die Angelegenheit verwickelt ist. Er wird Stockholm in Kürze verlasien.
* * Serbien droht mit neuem Borgehen in Albanien. Belgrad, 30. Okt. Das Regierungsblatt „Samoupraoa" weist darauf hin, daß im nordöstlichen Albanien sich neuerlich bewaffnete Albaner sammeln. Es liege die Vermutung nahe, daß sie einen neuen Einfall in serbisches Gebiet planen. Sollten die Protektoren der Albaner auch diesmal nicht imstande sein, sie dazu zu bringen, sich ruhig zu verhalten, so werde Serbien zur Notwehr ge- z w u n gen sein.
• * Eine richtige Beurteilung der deutschen Marinepolitik. Ottawa, 30. Okt. Sir Wilfried Laurier sprach heute in dem Wahlkreise South Bruce (Ontario), wo morgen eine Ersatzwahl stattfindet. Ein Drittel der Wähler ist deutscher Herkunft. Sir Laurier kritisierte die Flottenpolitik der Regierung. Der Beitrag für die Reichsflotte, den die Regierung vorschlage, sei auf einer Notlage begründet, die tatsächlich nicht existiert. Er bestritt das Vorhandensein einer deutschen Gefahr. Es sei nicht richtig, daß Deutschland eine große Flotte baue, in der Absicht, England anzugreifen. Zwischen beiedn Ländern habe nie Streit bestanden. Die deutsche Flotte werde vermehrt, um den großen Seehandel zu schützen, ebenso muffe Kanada zum Schutze seiner Seemacht eine eigene Flotte bauen.
* * Huertas Winkelzüge. Newyork, 30. Okt. Nach einer Meldung der „Times" wird Huerta die Wahlen für verfassungsmäßig erklären und Blanquet als Präsidenten einsetzen, selbst aber Oberkommandeur der Armee bleiben.
* * Ausstandstumulte in Neuseeland. Wellington, 30. Okt. Infolge des Hafenarbeiterausstandes kam es heute zu Ausschreitungen. Bei den Zusammenstößen zwischen Polizei und Ausständigen wurden zwei Polizeibeamte und mehrere Personen verletzt. Hunderte von Bürgern sind als außerordentliche Polizeibeamte vereidigt. Die Arbeit auf den Kais und der Schiffsverkehr ruhen noch immer. Die Hafenarbeiter in Lyttleton traten in einen Sympathieausstand ein.
Ausland.
* * Dr. Solf in London. Southampton, 30. Okt. Staatssekretär Dr. Solf, von Deutsch- und Britischwestafrika zurückkehrend, traf gestern hier ein und begab sich zwecks Besprechung der Diamantenfrage auf einige Tage nach London.
* * Di« österreichische Wehrvorlage. Wien, 30. Okt. Die Re- gierung brachte im Abgeordnetenhause eine neue Wehrvorlage ein, die die bereits angekündigte Erhöhung der Rekrutenkontingente enthält, die auf die nächsten fünf Jahre verteilt werden. Die Steigerung de» Rekrutenkontingents le Oesterreich beträgt für die ge
Deutsches 'Reich.
— Erzherzog Franz Ferdinand als Jagdgast des Kaisers. Wildpark bei Potsdam, 30. Okt. Erzherzog Franz Ferdinand traf heute früh in Wildpark ein und begab sich im Automobil in das Neue Palais. Um 8*4 Uhr begab sich der Kaiser mit den Prinzen und dem Erzherzog Franz Ferdinand zur Hofjagd nach der Göhrde.
— Vom Bundesrat. Berlin, 30. Okt. Der Bundesrat beschloß über die Besetzung einer Reichsgerichtsratsstelle und stimmte dem Entwurf der Ausführungsbestimmungen über die Gewährung von Beihilfen an Kriegsteilnehmer zu.
— Der mecklenburgische Berfassungskonflitt. Neustrelitz, 30. Okt. Wie von zuständiger Seite verlautet, suchte der Strelitzer Staatsminister Bossart nach den beendeten Verhandlungen über die Verfassungsfrage seine Entlassung nach.
— Schlußsitzung der Fleischenquetekommisfion. Berlin, 30. Okt. Die Fleischenquetekommission beschloß in ihrer gestrigen Schlußsitzung auf Antrag des Staatssekretärs Dr. Delbrück, ihr ganzes Material der Oeffentlichkeit zu übergeben. Dr. Delbrück erinnerte in seinem Schlußworte an den vor Jahresfrist erhobenen Vorwurf, der Zweck der Kommission sei die Vertuschung, und an die übertriebenen Erwartungen von anderer Seite, man könne binnen weniger Monate billige Fleischpreise schaffen. Gerade über die der Kommission gestellten Fragen nach den Einflüssen, die bei der Bildung der Fleischpreise unterwegs von den Produzenten bis zu den Konsumenten sich geltend machen, herrsche in weiten Kreisen Unklarheit. Selbst Sachverständige gewännen schwer ein klares Urteil über die unübersichtlichen Verhältnisse. Deshalb erschien die Prüfung dieser Fragen in gemeinschaftlicher Beratung der sonst meist getrennt tagenden Interessenten unter Loslösung von politischen Gesichtspunkten, von denen auch Fachorganisationen nicht immer unbeeinflußt seien, so wünschenswert. Von diesem Gesichtspunkte aus ist festzustellen, daß die Erörterungen der Kommission in vielen Fragen, die den Mitgliedern vor Jahresfrist mindestens unklar waren, eine wesentliche Klärung herbeiführten.
— Die Leipziger Ordensverleihung. Leipzig, 30. Okt. Der sächsische Landesdienst ist von zuständiger Seite zu der Erklärung ermächtigt, daß die Blättermeldung, Oberbürgermeister Dietrich- Leipzig, habe den Kronenorden zweiter Klasse zurückgewiesen, den Tatsachen widerspricht. — Also hat Geheimrat Thieme allein diesen Schritt unternommen.
— Aufklärung erwünscht. Leipzig, 30. Okt. In vielen Lichtspieltheatern steht man jetzt Films von den Einweihungsfeierlichkeiten in Leipzig, sieht aber mit Staunen auf den Films die Fabrikmarke einer französischen Firma. Dieses Staunen wächst noch, wenn man erfährt, daß sich viele deutsche Filmfabriken um'das Aufnahmerecht bei der Jahrhundertfeier beworben haben, aber sämtlich abgewiesen wurden und das alleinige Aufnahmerecht eine französische Filmfabrik erhielt, die einen hohen Preis dafür bezahlte. Wie eine deutsche Filmfabrik weiter mitteilt, steht dieser Fall nicht vereinzelt da. Die Aufnahme des deutschen Riesendampfers „Imperator", der Kaisermanöver und anderer militärischer Hebungen ist ebenfalls einer französischen Firma übertragen worden, während eine deutsche Firma wiederholt abgewiesen wurde. Diese Angelegenheit ist, falls sie sich als wahr erweist, so auffällig und befremdend, daß selbst die „Franks. Ztg." Bedenken äußert.
— Schließung der Baufachausstellung. Leipzig, 30. Okt. Heute mittag fand im Repräsentationsraume der Internationalen Baufachausstellung die offizielle Schlußfeier statt. Der Vorsitzende des Direktoriums Oberbaurat Falian warf einen Rückblick auf die Ausstellung und dankte allen Beteiligten, insbesondere dem hohen Protektor König Friedrich August, der sächsischen Staatsregierung, dem Deutschen Reiche, den anderen Bundesstaaten, den freien Städten, den ausländischen Regierungen und allen anderen, die zu dem schönen Werke beigetragen haben.
— Ende des Ausstands in Geestemünde. Geestemünde, 30. Okt. Die Nieter der Werft Tecklenborg haben die Arbeit wieder ausgenommen. Der Streik ist beendet.
— Von den Reichssinanzen. Berlin, 29. Ott. liehet die Reichseinnahmen an Zöllen, Steuern und Gebühren liegt nunmehr das Ergebnis der ersten Hälfte des laufenden Rechnungsjahres vor. Die Zölle haben 341 Millionen Mark ergeben; sie bleiben damit hinter dem Etatsvoranschlag um 19,6 Millionen zurück. Bei den Steuern und Gebühren haben Mindereinnahmen ergeben die Tabaksteuer, die Salzsteuer, die Essigsäureverbrauchsabgabe, die Schaumweinsteller, die Leucht- mittelsteuer, die Stempelabgaben von Eesellschastsverträgen, Wertpapieren und Eewinnanteilschein- und Zinsbogen, die Abgaben von Kaufund sonstigen Anschaffungsgeschäften, von Staatslotterielosen, von Frachturkunden, von Schecks, von Erundstücksüberttagungen, endlich di« Erbschaftssteuer. Mehreinnahmen gegenüber dem Etat weisen auf di« Zigarettensteuer, die Zuckersteuer, die Branntweinverbrauchsabgabe, die Zündwarensteuer, die Brausteuer, der Spielkartenstempel, der Wechselstempel, der Stempel von Privatlotterielosen, der Fahrkartenstempel, der Autostempel, der Tantiemestempel, die Zuwachssteuer und die Statistische Gebühr. Bei den Steuern und Gebühren überwiegen die Mehreinnahmen. Sie drücken den Ausfall bei den Zöllen von 19,6 Millionen auf 7,3 Millionen herab.
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Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des llrhebergesetzes nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhesi. Ztg." gestattet.)
Marburg, 31. Oktober.
* Allerheiligen. Der 1. November ist in der katholischen Christenheit ein dem Andenken aller Heiligen geweihter Festtag. Er schreibt sich aus dem Jahre 610 her und wurde anfangs in der griechischen Kirche am Trinitatisfest, also am Sonntag nach Pfingsten gefeiert. Mehrere Jahrhunderte hindurch hät jedoch kein kirchliches Fest zu Ehren aller Heilt- gen stattgefunden; es bestand früher nur ein Fest der heiligen Apostel und Märtyrer, welches in die Osterzeit fiel. Das jetzig« Allerheiligen- fest ist späteren Ursprungs.
• Der Monat November. Der Monat November, au» dem lateinischen „novem", d. i. neun, abgeleitet, bildete den neunten Monat des altrömischen Kalenders. Im Deutschen finden wir dafür di« Bezeichnungen Nebelung, Wintermonat, Martensmand und Allerheiligenmonat. Der November setzt fort, was der Oktober begonnen, und mit seinem eisigen Ostwind fegt er die Menschen aus den Straßen in die wohldurchwärmten Häuser. Im Walde zeigt er sich als ein grimmiger Feind des Journalismus, denn unbarmherzig, gleich einem erzürnten Kritiker, „reißt er alle Blätter herunter". Kein Blümlein kommt unter seiner Herrschaft auf, höchstens läßt er starre Eisblumen an den Fenstern erstehen oder macht der Erde „etwas weiß", indem et sich mit Frau Holle in Verbindung setzt und diese ersucht, einmal ihre Betten auszuschütteln. Die Witterung im November soll nach den Mondvierteln sein: Erste» Viertel (5. November) trübe. — Vollmond (14.) rauh und kalt. — letztes Viertel (21.) deutet auf Schnee und Frost. — Neumond (28.) gelinde. . , .
* Rektoren- und Mittelschullehrerprüsung. Das Provinzial- Schulkollegium für Hessen-Naffau hat den Termin der nächst« jährigen Prüfung für Rektoren auf den 7. Mai 1914 und folgende Tage in Eaffel angesetzt. Zur Abhaltung der Prüfung für Lehr« en Mittelschulen ist Termin auf de, 1. Mai 1914 auderuuLt.
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für die Monat« November und Dezember
auf die „Oberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen «erden von unserer Expedition (Markt 21), unseren sämtlichen Ausgabestellen sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern entgegengenommen.
und den Beilagen: „Nach Feierabend", «Fürs Haus" und ..Landwirtschaftlich« Beilage"
Rundschau.
Der Abschied des Herzogregenten von Braunschweig.
Der Herzogregent von Braunschweig hatte gestern im Thron« [aale des Residenzschloffes die Mitglieder der Landesversammlung sowie der Spitzen der Behörden eingeladen, um sich von den Vertretern des Landes zu verabschieden. Der Herzogregent hielt eine Ansprache, in der er u. a. sagte:
„Bewegten Herzens heiße ich Sie hier zum letzten Male willkommen. Es ist mein Wunsch, Ihnen, den berufenen Vertretern des Landes, als Regent des Herzogtums feierlich Lebewohl zu sagen. Ich sah es im vollen Einklang mit meinen persönlichen Gefühlen als eine meiner vornehmsten Pflichten an, die Beziehungen des Herzogtums zu dem angestammten Fürstenhause, soweit es mit dem Rechtsbestand der Regentschaft und der unverbrüchlichen Treue gegen das Reich und seine Glieder vereinbar war, zu pflegen, zu fördern und zu vertiefen. Wenn nunmehr durch Gottesgnädige Führung die Hindernisse beseitigt wurden, die der Heber» nähme der Regierung seitens des berechtigten Erben der Krone bisher entgegenstanden, so gereicht diese bedeutungsvolle Wendung der Dinge auch mir zur Genugtuung und hohen Freude. Ich fühle mich mit dem Braunschweiger Lande und dem Braunschweiger Volke eng verwachsen. Herbes Leid, aber auch hohe Freude erfuhr ich im Laufe meiner Regierung; das schöne und so wechselreiche Land wurde mir in allen Teilen lieb und wert. Ich darf wohl in dieser Stunde versichern, daß ich von dem Tage an; als ich dieses urdeutsche Land betrat, mich ganz als Braunschweiger fühlend, unablässig bestrebt war, die mir auferlegten hohen Pflichten nach besten Kräften zu erfüllen. So wird es mir und der Herzogin, meiner Gemahlin, die meine Gefühle in allen Richtungen teilt, sehr schwer, aus dem uns ans Herz gewachsenen Lande zu scheiden. Möge das Herzogtum Braunschweig unter seinem erlauchten Herrscherhause mit diesem alle Zeit blühen und gedeihen, möge di« braunschweigische Landesversammlung in guten und bösen Tagen treu zu ihrem Fürstenhause stehen und auf dieser Grundlage die Wohlfahrt des Landes fördern! Empfangen Sie für das mir erwiesene Vertrauen und für die während meiner Regierung dem Herzogtum geleisteten erfolgreichen Dienste meinen aus Herzen kommenden fürstlichen Dank!"
Darauf erwiderte Staatsminister Hartwig u. a. folgendes:
„Niemand vermag es so als die Mitglieder des Staatsministeriums Du bezeugen, mit welcher hingehenden Fürsorge Eure Hoheit die Geschicke des Landes geleitet hat. Ich will in dieser erhebenden Stunde vor den Vertretern des Landes und der Beamtenschaft feierlichst bekunden, daß Eure Hoheit mit Pflichttreue für die Wohlfahrt des Landes und seiner Bevölkerung Sorge getragen haben, die ohnegleichen dasteht. So sehr roir uns freuen, daß Dank Eurer Hoheit tatkräftiger Mitwirkung das angestammte Herrscherhaus nun wieder den Thron des Herzogtums besteigt, so tief schmerzt uns doch der Abschied von Eurer Hoheit."
Darauf folgte eine Ansprache des Präsidenten der Landesversammlung, worauf der Herzogregent unter großem Vortritt den Thronsaal verließ.
Di« Aufhebung der Regentschaft in Bayern.
Die Annahme des Gesetzentwurfes über die Aufhebung der Regentschaft in Bayern durch die Abgeordnetenkammer haben wir gestern bereits mitgeteilt. Ministerpräsident Frhr. v. Hertling leitete die Sitzung mit einer Rede ein, in der er u. a. ausführte:
„Im monarchischen Staat ist di« Regentschaft wegen dauernder Re- Dierungsunfähigkeit des Monarchen stets ein anormaler Zustand. Sie wird zum Unglück, wenn diese Einrichtung eine dauernde zu werden droht. Daß dieser Zustand in Bayern beendet werden möge, ein Zustand, der auf lange Jahre zurückgeht, dieser Wunsch ist längst gehegt und zum Ausdruck gebracht worden. Damals hat sich aber die Staatsregierung dem Wunsche der Allerhöchsten Willensmeinung Seiner Königlichen Hoheit des Prinzregenten Luitpold gebeugt. Seitdem sind 16 Jahre verflossen. Prinzregent Luitpold ist heimgegangen, und es ist ein Regentschaftswechsel eingetreten. Der alte Wunsch besteht aber fort, und er ist In letzter Zeit sogar mit besonderer Lebhaftigkeit hervorgetreten. Der monarchische Gedanke, di« Empfindungen weiter Volkskreise, die Stellung Bayerns nach außen, sie alle verlangen, daß an der Spitze des Königreichs ein regierungsfähiger König stehen möge. Die Staatsregierung würde sich eine Pflichtversäumnis zuschulden kommen lassen, wenn pe diesen Verhältnissen nicht Rechnung tragen wollte. Daß eine Aende- tung des Zustandes nur auf dem Weg« der Verfassungsänderung möglich sei, das ist di« einstimmige Ueberzeugung des Ministeriums. Nach der Vorlage kann der Regent die Regentschaft für beendet «rklären, er kann es, weil er während der Regentschaft der stellvertre- tenbe Inhaber der vollen Königsgewalt ist. Er kann, aber er muß Nicht. Es ist seinem Ermessen anheimgestellt, ob er den Zeitpunkt für geeignet hält, und wenn er ihn für geeignet hält, die Regentschaft für be- endet zu erklären, so ist der Landtag unverzüglich einzuberufen. Run .(iegb es an Ihrem wohlbekannten, ernsten Pflichtempfinden und Ihrer (raktischen Hingabe, den schweren und verantwortungsvollen Schritt, den te Regierung unternommen hat, zu einem guten Ende zu führen.
(Bravo! im Zentrum.)
Nachdem alsdann im Namen ihrer Parteien die Abgeordneten Lerno (Zentrum), Dr. Eaffelmann (Liberal), Beckh (Kons.) und Lutz (Bauernbund) kurze zustimmende Erklärungen abgegeben fcatten, ergriff der Ministerpräsident nochmals das Mort, um der Genugtuung darüber Ausdruck zu geben, daß sich dte Erwartung, J hi« er in seinen .Einführungsworten ausgesprochen habe, gerecht- I fertigt hätte. ....... . |