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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
Die „Obrrhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich bunt» di« Post 2.25 M föhne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Univ.» Buchdruckerei I. A. Koch lZnh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 2L Tel. 55.
Marburg
Donnerstag, 30 Oktober
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18. Jahrg«
1913.
Elftes Blatt.
Vor der Thronbesteigung des Prinzen Er nst August.
In der gestrigen Sitzung der braunschweigischen Larü>es- »ersammlung legte Staatsminister Hartwig in längerer Rede zunächst die Regelung der Thronfolgefrage durch den Bundesrat und seine Ausschüffe dar, sprach dann der Reichsleitung und den verbündeten Regierungen den Dank der braunschweigischen Regierung aus für die getroffenen Beschlüsse und fuhr fort:
„Die Regierung des Herzogtums beobachtet dem Reich und Preußen gegenüber stets die loyal« Haltung, und die hohen Verbündeten dürfen fest überzeugt sein, daß in dieser Haltung auch zukünftig niemals ein« Aenderung etntreten und die Regierung des Herzogtums vielmehr ständig im Sinn« der Förderung des Friedens und der Sicherheit des Reiches geführt wird. Diese Erklärung habe ich gestern auch Sr. Kgl. Hoheit vorgelegt und kann erklären, daß st« die volle Billigung Sr. Kgl. Hoheit gefunden hat. Ich habe es stets als die erste und wichtigste Aufgabe erachtet, Erwägungen anzustellen, ob und wann die Thronfolgefrage in Angriff zenommen und zu gutem End« geführt werden könne. Ungeachtet der segensreichen Regierung unserer beiden vorigen Regenten, Sr. Kgl. Hoheit des Prinzen Albrecht von Preußen und Sr. Hoheit des Herzogs Johann Albrecht, in dem das Land wiederum einen Regen-' tei erhielt, der länger als sechs Jahre mit unvergleichlicher pflichttreue di« Geschicke des Landes leitete, ist es doch die Pfllcht eines jeden Staatsmtnisters, Schritte zu tun im Interest« der Zukrnft des Landes, wo und so oft sich Gelegenheit bietet. Auch der Lantrg gab wiederholt dieser Auffassung Ausdruck."
Der Minister erklärte weiter, daß di« Preßkampagne und die mißlichen Uebertreibungen der hannoverschen Welfen gewisse Schwierigkeiten hervorgerufen hätten,, deren Beseitgiung die Ergreifung von Maßregeln für di« Zukunft nötig machte. Es hätten Zweifel darüber bestanden, ob der formelle Antrag von Seiten der Regierung des Herzogtums Braunschweig oder der Preußens auszugehen habe. Der Reichskanzler und das preußische Staatsministerium hätten schließlich anerkannt, daß Braunschweig die Anregung geben müsse; der Reichskanzler erwartete darüber ein Schreiben der braunschweigischen Regierung, das am 4. Okt. erfolgt sei. Das Schreiben werde in den nächsten Tagen in der „Rordd. Allg. Ztg." in vollem Umfange veröffentlicht. Es schließe Mit dem Ersuchen an den Reichskanzler, er wolle zur Beseitigung der Hindernisse, die der Thronbesteigung des Herzogs Ernst August entgegenständen, die nötigen Schritte tun. Die offizielle Anregung fei von Braunschweig ausgegangen. Das preußische Staats- Ministerium richtete dann einen formellen Antrag an den pundesrat. Der Staatsminister verlas hierauf die
Berzichturkund« des Herzogs von Eumberland.
-Darin heißt es:
„Rach dem am 18. Oktober 1884 erfolgten Ableben unseres Oheims und Vetters, des Herzogs Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg usw. ist uns als nächstem Thronfolgeberechtigten das Recht auf den Thron des Herzogtums Braunschweig kraft der in unserem fürstlichen Eesamthause Braunschweig und Lüneburg bestehenden Rechte überkommen. Die Regierung im Herzogtum Braunschweig Konnte von uns nicht ausgeübt werden, da vom Bundesrat unsere Behinderung zur Ausführung der Regierung ausgesprochen wurde. In der Voraussicht, daß der Bundesrat gegen den Regierungsantritt unseres vielgeliebten Sohnes Ernst August Herzog zu Braunschweig und Lüneburg von Reichswegen Bedenken nicht mehr erheben werde, verzichten wir hiermit feierlichst auf die uns überkommenen Rechte auf den braunschweigischen Thron und übertragen diese in vollem Umfange auf unseren vielgeliebten Sohn Ernst August Herzog zu Braunschweig und Lüneburg usw."
Staatsminister Hartwig fuhr darauf fort:
„Wir hatten in Rathenow gestern Gelegenheit, dem Prinzen Ernst Agust über eine ganze Reihe von Angelegenheiten Vortrag zu halten. Wir gewannen von Sr. Kgl. Hoheit die Ueberzeugung der absoluten Zuverlässigkeit, daß jedes Wort, was er gesagt, von ihm getreulich gehalten wird. Weitere Erklärungen von tzr. Kgl. Hoheit zu erwarten ist nicht tunlich. Wir haben die Sicherheit, daß Se. Kgl. Hoheit völlig loyal seinen Verpflichtungen nachkommen wird und nicht die geringsten Zweifel bestehen, daß er den Wünschen und Hoffnungen der Landesoersammlung entsprechen werde. Unter völliger Wahrung der Interessen Preußens und des Reiches dürfen wir einer gesegneten glücklichen Zukunft entgegensehen und brauchen keinen Zweifel an der Bündnistreue Sr. Hoheit zu hegen. Er wird alles tun, um das Herzogtum zu fördern. Worte helfen dabei nichts, Taten müssen es beweisen."
Die Landesverfammlung hielt dann eine geheime Sitzung ab, In der folgende öffentlich verlesen« x
Erklärung
beschlossen wurde:
„Die Landesversammlung hat mit lebhafter Befriedigung von den Ausführungen des Herrn Staatsministers Kenntnis genommen. Sie begrüßt mit Freuden den Vundesratsbe- f ch l u ß vom 27. Oktober, welcher die Wiederübernahme der Regie- rungsgewält im Herzogtum durch das angestammte, in vielhundertjähriger Geschichte mit dem Lande verbundene welsisch« Herrscherhaus gewährleistet. Die Landesversammlung spricht die zuversichtliche Erwartung aus, daß der im ganzen Lande mit Jubel begrüßte bevorstehende Regierungsantritt des Prinzen Ernst August, Herzogs zu Braunschweig unter Gottes Schutz nicht nur dem Herzogtum zum Segen gereiche, sondern auch dem Deutschen Reiche, daß in der Bevölkerung des Herzogtums Bestrebungen keinen Boden gewinnen werden, welche das gute Verhältnis mit dem Bundesstaate Preußen trüben könnten." Diese Erklärung wurde ciuftimmig gutaehcihcu. Abg. Glaser berichtete sodann namens der Finanzkommission über die Regierungsvorlage betr. die landesfürstliche Rente. Tiefe Rente wurde
in der angeforderten Höhe von 1125 322% M. einstimmig und ohne Erörterung bewilligt.
Eine Aeußerung der Welfen.
Die welfifche „Deutsche Volkszeitung" schreibt zu der Lösung der braunschweigischen Thronfolgefrage: „Mancher Hannoveraner wird vielleicht die Kette von Ereignissen, die zu der jetzigen hochbedeutsamen Wendung geführt haben, nicht in ungetrübter Freude begrüßen und manches andere gewünscht haben. Immerhin aber ist der Wechsel gegenüber der Situation von 1907, wo man nicht nur vom Prinzen Ernst August, sondern von sämllichen Mitgliedern des Welfenhauses einen Verzicht auf ihre hannoverschen Rechtsansprüche verlangt, derart fundamental und augenfällig, daß es unrecht wäre, heute derartigen Gedanken Raum zu geben. So wollen wir uns der Anerkennung, die der Rechts« gsdanke und das monarchische Prinzip durch den gestrigen Bundesratsbeschluß in Braunschweig gefunden haben, von ganzem Herzen freuen." Das Blatt erklärt bann weiter, der Kundgebung des Herzogs von Cumberland vom Dez. 1906 eingedenk sein zu wollen, in der er der Zuversicht Ausdruck gibt, daß bei einer Thronbesteigung seines jüngsten Sohnes in Braunschweig die Hannoveraner alles Unterlasten würden, was geeignet wäre, die Stellung seines Sohnes in Braunschweig zu erschweren. Hierzu schreibt weiter die „Deutsche Volkszeitung": „Diese feste Zuversicht wird das treugesinnte hannoversche Volk gewiß nicht enttäuschen. Aus deutscher und sittlicher Pflicht wird es auch ferner auf der Wacht stehen für deutsches Recht und deutsch« für das monarchische Prinzip und den wahren Rechtsgedanken. Der braunschweigische Landesherr aber wird, das ist auch unser fester Wille, außerhalb der politischen Kämpfe des Tages bleiben." Also soll der Kampf doch fortgesetzt werden! Wer sich aber jetzt schon zu einem Teile wenigstens als Sieger betrachtet, geht aus der „Herzensfreude" der Welfen doch unzweifelhaft hervor.
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Politische Umschatt
Der Bersasiungskonslikt in Mecklenburg.
Dem mecklenburgischen Landtag wurde gestern ein großherzoglicher Erlaß übergeben, in dem die Entgegennahme der Antwort des Landtags, der Verfastungsvorlage die Zustimmung zu versagen, vom Eroßherzog abgelehnt wird. Seit mehr als fünf Jahren sei es das eifrigste Bemühen des Landesherrn, unter Zurückstellung der landesherrlichen Interesten, die gegensätzlichen Anschauungen zwischen Ritter- und Landschaft auszugleichen, um die als notwendig erkannte Verfassungsreform durchzusetzen. Das sei nicht gelungen. Auf dem Wege weiterer Verhandlungen eine andere Stellungnahme der Stände zu erreichen, erscheine ausge- schlosten. Trotzdem wolle der Großherzog an dem seinerzeit gefaßten Entschluß, aus eigener Entschließung die Verfastung in Kraft zu setzen, n i ch t f e st h a l t e n. Bei erneuter Prüfung sei er zu der Erkenntnis gelangt, daß die augenblicklichen Verhältnisse des Landes diesen äußersten Schritt noch nicht als gebieterische und unabweisbare Notwendigkeit rechtfertigen, der in seinen Folgen so unübersehbar sei und, wie der Eroßherzog sich überzeugt habe, die Möglichkeit nicht ausschließe, daß letzten Endes, was er nicht wünsche, die gesetzgebenden Faktoren des Reiches darüber bestimmen könnten, welche Verfastung Mecklenburg erhalten könne. Zuletzt wird die Ueberzeugung ausgesprochen, daß der Landesherr in der Ueberzeugung von der Notwendigkeit der Verfastung nicht schwankend geworden sei und das gesteckte Ziel weiter verfolge. Dann wurde ein Strelitzer Erlaß verlesen. Nach Verlesung der beiden Landtagsabschiede wurde der Landtag ge - sch l o s s e n.
Infolge der Ablehnung der Verfastungsvorlage hat das meck- lenburg-schwerinfche Ministerium v. Bastewitz den Eroßherzog um seine Entlassung gebeten.
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Deichches Reich-
— Die Abgrenzung von Fabrik und Handwerk. Berlin, 29. Okt. Der Reichskanzler hat soeben an den Zentralverband Deutscher Industrieller, an den Bund Deutscher Industrieller und an den Deutschen Handelstag Einladungen zur Teilnahme an einer am 17. November im Reichsamt des Innern stattfindenden Besprechung über die Frage der Abgrenzung von Fabrik und Handwerk ergehen lasten. Den Gegenstand der Beratungen wird im wesentlichen die Denkschrift des Deutschen Handwerks- und Ee- werbekammertages betreffend die Abänderung des Handwerkergesetzes bilden.
— Ablehnung von Ordensauszeichnungen. Leipzig, 29. Okt. Der Leipziger Oberbürgermeister Dittrich und der Geheime Hofrat Klemens Thieme haben die preußischen Orden, die ihnen aus An- laß der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals verliehen wurden, als ihrer Stellung nicht entsprechend zurückgesandt.
— Kegen das „Berliner Tageblatt". Dresden, 29. Okt. Laut „Freiberger Anzeiger" weiden die konservativen Fraktionen in den beiden Ständekammern beantragen, das „Berliner Tageblatt" wegen der bekannten Verunglimpfung von Mitgliedern des sächsischen Königshauses vom Verkauf auf den Bahnhöfen auszu- schließen.
— Aus der bayrischen Abgeordnetenkammer. München, 29. Okt. Im Verlauf der Interpellation über die „Bayrische Staats« zeitung" bezeichnete Abg. Süßheim (Soz.) die Gründung der „Staatszeitung" als einen parteipolitischen Akt der Regierung, wobei man den Landtag bewußt ausgeschaltet habe Abg. Kohl (lib.) bestritt nicht das Bedürfnis nach einer Staatszeitung, aber die Regierung habe sich mit dem jetzigen Organ nur ein Schutz- organ für ihre Politik im Fahrwasser des Zentrum» geschaffen.
Abg. Muller (Soz.) verlangte Auskunft Über die finanzielle Seite des Unternehmens, das nach seiner Kenntnis mit einem Defizit arbeite. Ministerpräsident Dr. Frhr. v. Hertling erklärte, daß der Vertrag mit der Firma Oldenburg jederzeit eingesehen werden könnte. Beweise dafür, daß die „Staatszeitung" ein Parteiblatt sei, seien nicht erbracht worden. Rechtliche Bedenken, die „Staats- zeitung" ohne Befragung des Landtages mit privaten Firmen zu gründen, hätten nicht bestanden. — Morgen wird die 1. und 2. Lesung des Gesetzentwurfes über die Aufhebung der Regentschaft vorgenommen.
— Vollendung des Helgoländer Hafenausbaues. Berlin, 29. Okt. Der Mariuehcmshaltsvoranschlag für 1914 fordert die Schlußrate für den Ausbau des Kriegshafens Helgoland nach dem bisherigen Entwurf von 80 Millionen Mark mit rund 4)4 Millionen Mark an. Der Bau der Eesamtanlag«, der 1908 begonnen wurde, soll im nächsten Jahr« zum Abschluß gebracht werden.
Die Misfionskonserenz für den Konsistorial- Bezirk Cassel.
„Einer ist'» an dem wir hangen", so klang es mächtig durch den vollbesetzten Saal des neuerbauten Philippshauses, so klang es einmütig durch die Verhandlungen der diesjährigen Mistionskonferenz. an der nicht nur viele Geistliche, sondern auch viele Lehrer unseres Hessen- landes sich beteiligten. Die Baseler, Barmer, Hermannsburger und Leipziger Mistionsgesellschaft hatte zu dieser bedeutungsvollen Konferenz ihr« Vertreter gesandt. Herr Studiendirektor Merzyn-Hofgeismar hielt bet dem Beginn der Versammlung eine markige, geistliche Ansprache. Er warnte vor einer oberflächlichen Begeisterung für dis Mistion und wies die Versammelten auf die Quellen der Kraft hin, welche die Mistionsarbeit und Mistionsliebe erzeuge, und im Hinblick auf die großen sittlichen Nöte der Heidenwelt und auf den Entscheidungskampf des Ehristentums gegen den Mohammedanismus forderte er die Mistionsfreunde zu unermüdlicher Arbeit in den Gemeinden auf. Der ist ein schlechter Soldat, der nicht den Befehl seines Herrn befolgt. Mit großer Freude und mit warmen Worten begrüßte Herr Konsistorial- rat Prof. D. Bornhäuser die stattliche Versammlung und hieß insbesondere die Lehrer, die zum ersten Mal an dieser Konferenz teilnahmen, wie auch die Geistlichen Waldecks, di« sich ebenfalls der Konferenz ange» Mosten hatten, herzlich willkommen. Er sprach im Hinblick auf bi« Er^gniste bes vergangenen Jahres seine hohe Freube über den Ertrag der Jubiläumsspende aus, aber noch höher als das Geld bewertete er die Tatsache, daß der Mistionsgedanke auch in der deutschen Studentenschaft feste Wurzeln geschlagen habe. Je größer die Aufgaben für di« Mission in der Heidenwelt werden, um so mehr bedarf sie der akademischen Jugend.
Herr Superintendent Grimmel, Oberkaufungen erstattete den Rechenschaftsbericht.
Hierauf ergriff der Sohn des verstorbenen ersten deutschen Mistions- profestors Dr. Gustav Warneck, Herr D. Johannes Warneck, der bereits am Dienstag einen Vortrag vor der Studentenschaft über „Selbständig« Kirchen als Ziel der Mistion" gehalten hatte, das Wort zu seinem Vortrag: „Jesus und der Heidenchrist". Der nicht nur in den Mistions. kreisen, sondern auch in der gelehrten Welt hochgeschätzte Redner führt« auf Grund reicher Erfahrungen während seiner mistionarischen Tätigkeit und auf Grund tiefgehender Studien folgendes aus: Die Erfahrungen der Heidenmistion lehren, daß Jesus überall in der Heidenwelt unter Kultur- und Naturvölkern nicht nur Eindruck macht, sondern daß er zu demjenigen Punkt der christlichen Verkündigung wird, an dem die Menschen sich für oder wider den Christengott zu entscheiden haben. Die Buddhisten und Hinduisten Japans, Chinas und Indiens sehen mit der größten Hochachtung zu Jesus empor. Dem Heidenchristen ist Christus zunächst der Erlöser, der ihn aus den Banden des Geister-. dienstes und der Dämonenfurcht befreit, lleberall fällt die Furcht von dem Heiden ab, der sich Christo zuwendet. Die Besessenheit übt keine Macht mehr über die, welche Jesu folgen. Ferner wird Jesus der Befreier von der Sünde, ihrer Macht und ihrer Schuld. Di« schwer« Last, di« der Heide in sittlicher Beziehung mttbringt, wird ihm abgenommen, er empfängt die Kraft, die früher ihn knechtenden Laster abzulegen und wird ein neuer Mensch, soweit er Jesus hat. Damit wird er herausgeristen aus den Verderbens- und Versuchungszu- sammenhängen seines Volkes, mit denen der kollektivistisch lebende Heid« unrettbar verkettet ist. Durch die Erlösungstat Jesu erwacht in ihm das Bewußtsein als eigene Person mit eigenem Willen und eigner Verantwortung Gott gegenüber gestellt zu sein. Sodann wird Jesus als Offenbarung der Darstellung Gottes dem Heiden der Weg zu Gott. Nickt durch Sündenerkenntnis und Gesetzesschulung findet der Heid« den Weg zu dem unbekannten Gott, sondern durch Jesus, in dem Gott der Menschheit anschaulich und vorstellbar wird, so daß ein inniges Verhältnis der Gemeinschaft und Liebe zu ihm gewonnen wird. Durch Jesus, die menfchgewordene Liebe Gottes, lernt der junge Christ auch seine Sünde als dasjenige, was ihn von Gott trennt, erkennen und verabscheuen. Am Kreuz offenbart sich ihm ebenso Gottes Liebe wie seine Heiligkeit. So wird ihm Jesus, dem er Freiheit und neues Leben verdankt, zum Herren, der sein Leben regiert und regelt. Erst durch ihn lernt er mit Sicherheit scheiden zwischen gut und böse. Was Christus der Welt vorlebte, beginnt der an ihn Glaubende, nachzuleben. Durch alles das sieht der dankbare Heidenchrist in Jesu Gott, den er anbetet. — Es ist nun höchst lehrreich der Frage nachzugehen, wie Jesus für die jungen Christen auch bas Problem des Denkens wird. Bald sieht er in ihm den Befreier von Satan und seinen Ueberwinder, bald bett’ Herrn, dem man als getreuen Gefolgsmann sein Leben hingibt, bald die Gott dargebrachte Sühne oder den Mittler oder was kolletivistisch denkende Nationen gut begreifen, den Anfänger und das Haupt der neuen Menschheit. Zu eigenartigen, christologischen Auseinandersetzungen wird es bald in Japan kommen, wo der Kaiserkult eigenartige Schwierigkeiten macht, zu ganz anderen wieder in Indien, wo bas geschichtliche an dem Christentum viel z» schaffen macht. So führt die aus der Missionierung der Völker wachsende Berührung Jesu mtt den verschiedenen Gliedern des Menschheilsorganismus zum Erweis seiner Allgenügsamkeit und Göttlichkeit. Di« Kraft die von ihm ausgeht, heilt und rettet alle. Mit der größten Aufmerksamkeit und Spannung folgten di« Zuhörer dem Redner. Profestor D. Bornhäuser dankte dem Vortragenden für seinen tiefgrün« >tgen Vortrag und bann sprach Herr ffi«5eraljuj>wint«nbent Dettmering tzas Schlußgebet