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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

und den Beilagen: ..Nach Feierabend",Fürs Haus" und .Landwirtichaftliche Beilage".

M 247

DieOberhrjsifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post 2.25 M lohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. - Verlag von Dr. C. Hitzeroth. - Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. L. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marburg

Dienstag, 21. Oktober

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 »5, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 «J. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

Wenn er ein Jahr lang gar nicht über internationale Flottendinge redete, dann würden die deutsch-englischen Beziehungen eine beispiel­lose Intimität erreichen. Und das dürste wohl richtig sein.

18. Jahrg

1913.

Grftes Matt.

RmiMau.

Kronprinz und Weisensrage.

£ yuf das von uns erwähnte Schreiben des Reichskanzlers an den -Kronprinz«» in Sachen der braunschiveigischen Thronfolge hat, wie die ^Norddeutsche Allgemeine Zeitung" erfährt, der Kronprinz in einem Miss aus Hopsreben vom 17. d. Mts. sein lebhaftes Bedauern dar­über ausgesprochen, daß sein Privatbries an den Reichskanzler öffentlich erwähnt worden ist. Völlig faIIch sei die Aus­legung eines Teils der Presse, als stelle er sich in O p p o s i t i o n zum Kaiser. In der Sache selbst hat der Kronprinz dem Reichskanzler erwidert, daß dessen Schreiben für ihn zur Klärung der Angelegenheit wesentlich beigetragen habe. Es entfallen also alle die Vorwürse, die man in Verkennung der Sachlage gegen den Thronfolger erhoben hat, weil er sich öffentlich in Widerspruch zu Kaiser und Kanzler gesetzt und tn eine schwebende Staatsangelegenheit offiziell eingegriffen habe.

Ein Berliner Blatt hat auch die Nichtteilnahme des Kronprinzen <m der Feier in Leipzig auf die bei ihm wegen der braunschweigischen Angelegenheit herrschendeVerstimmung" zurückgesührt. Wie aus unterrichteten Kreisen verlautet, beruht diese Ansicht auf einer durch­aus irrigen Annahme. Eine Teilnahme des Kronprinzen an den Fest­lichkeiten gelegentlich der Einweihung des Völkerschlachidenkmals war ebensowenig wie die Teilnahme von Prinzen aus anderen deutschen Fürstenhäusern zu irgend einem Zeitpunkte ins Auge gefaßt worden.

Die Ehrung der Toten vomL. 2".

Ein langer, stiller Trauerzug bewegte sich gestern abend gegen 7 Uhr unter großer Anteilnahme der Berliner Bevölkerung vom Earmfon- lazarett 2 in Tempelhof nach der neuen evangelischen Earursonkirche am Kaiser Friedrichplatz. 23 Wagen trugen die Opfer der furchtbaren Luftschijfkatastrophe in Johannistal. Voran marschierten Mannschaften der ersten Eisenbahnbrigade und Seesoldaten. Jeden Wagen begleiteten ein Unteroffizier und 8 Mann des 1. Eisenbahnregiments. Den Schluß bildeten 40 Mann der Marinelustschisfabteilung. Eine große Zahl Kränze vam Kaiserpaar, von den Anverwandten der Toten, dem Reichs» marineamt, den Führern und Besatzungen mehrerer Luftschiffe, von ver­schiedenen Fliegerstationen und Fliegersportvereinen waren als letzter Gruß gesandt worden. Im Krankensaal des Lazaretts stellten Marine­luftschiffer die Ehrenwache; sie hielten auch die Totenwache in der xita)«. Die ehemaligen drei Angehörigen der Zeppelinwerst, die bei der Luft- schiffkatastrophe ebenfalls ihr Leben verloren hatten, treten heute ihre letzte Fahrt nach Friedrichshafen an. Prinz Adalbert von Preußen machte bereits am Sonnabend den Toten einen stillen Besuch- Heute mittag wird in der Garnisonkirche in Anwesenheit des Kaisers eine große Trauerfeier veranstaltet.

Die Leich« des verunglückten Kapitäns Eluud wurde mittags, be­gleitet von einem Kommando des Eardetrainbataillons nach dem Lehr­ter Bahnhof gebracht und von da nach Bremen übergeführt. Die Leiche des Freiherrn v. Bleuel ist vom Anhalter Bahnhof nach Würzburg über­geführt worden. Das Regiment Augusta erwies dem Verunglückten am Bahnhof die militärischen Ehren.

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Görlitz, 20. Okt. Bei der Mutter des Korvettenkapitäns Beh- nifch ist folgendes TelegrammderKaiserin eingegangen:Auch ich möchte Ihnen, tief erschüttert, mein von Herzen kommendes Beileid aussprechen beim Tode Ihres Sohnes, der mitten aus dem Leben gerissen wurde tn der Erfüllung seiner Pflicht. Gott tröste Sie in Ihrem namenlosen Schmerz." Staatssekretär v. Tirpitz telegraphierte:Die Marine betrauert den so tragischen Tod ihres Sohnes aufs tiefste. Ich bitte Sie, den Ausdruck meiner wärmsten Anteilnahme entgegennehmen zu wollen."

Herrn Churchills Angebot.

Die Riistungsfeiertagsrede des -rsten Lords der britischen Admirali­tät scheint doch mehr von sehr selbstliebenden und realen als von selbst­losen und ideal-friedlichen Gesichtspunkten diktiert zu sein. Der Erfolg feines Vorschlags läuft darauf hinaus, daß Deutschland 12 Monate lang ""feine Schlachtschiffe auf Stapel legt, während England mindestens drei e (bie lanndischen), wahrscheinlich aber eine ganze Reihe anderer z. B. für das Mittelmeer zum Ausgleich für die Flottenbauten unserer Ver­bündeten bauen würde; denn Herr Churchill hat wohlweislich die Einschaltung gemachtabgesehen von allem, was durch die neue Ent­wicklung erforderlich werden könnte". Er hat also die Möglichkeit des Weiterbaus von Schlachtschiffen zugegeben. Es liegt auf der Hand, daß ein solches Vorgehen den englischen Werften sehr gelegen käme, die andauernd mehr Bauaufträge besitzen, als sie aussühren kön­nen, während in Deutschland infolge des Feierjahres viele Hunderte von Arbeitern brotlos würden; und ebenso würde es die Lösung der Mann­schaftsfrage, die in England auf immer wachsende Schwierigkeiten stößt, erleichtern.

Die Presse seines Landes hat übrigens einen viel schärferen Blick für die Schwierigkeiten der praktischen Durchführung des Vorschlages vorausgesetzt, daß Churchill es tatsächlich ehrlich meint. So schreiben die Times":Die Lage läßt darauf schließen, daß Schwierigkeiten für Churchill mehr bei seiner eigenen Partei entstehen, als bei seinen poli­tischen Gegnern. Der Vorschlag ist außerdem, wie wir fürchten, nicht durchführbar. Die Seemacht kann nicht allein nach Schlachtschiffen berechnet werden. Wenn Deutschland den Vorschlag annähme, so wür­den wir es nicht verhindern können, sein erspartes Geld für kleine Kriegsschiffe, Unterseeboote, zu verwenden."Daily News" schreibt: Es wird nicht leicht sein, die Mitwirkung Deutschlands zu erhalten, das durch sein Flottengesetz gebunden ist, und es wird noch schwerer fein, die Zustimmung aller übrigen Regierungen zu gewinnen" Daily Telegraph" hält den Vorschlag des Ministers für undurchführ­bar, weil Deutschlands Flottenausbau durch Gesetz geregelt sei und weil das Flottengesetz aufgehoben werden müßte, wenn Deutschland sich mit England in dieser Politik vereinigen sollte.Daily Eraphic" hält es der Würde britischer Staatsmänner nicht angemesien, beständig Deutschland mit Vorschlägen einer Beschränkung der Flottenrüstungen zu belästigen. Das Blatt nimmt besonders Anstoß an der Form, diesen Vorschlag in einer Wahlrede an die deutsche Regierung zu richten.

DieDeutsche Tageszeitung" gibt Churchill den trefflichen Rat, statt eines Rüstungsfeierjahres einmal ein Redefeierjahr einzuführn.

Oesterreich-Ungarn und Serbien.

Wie gemeldet, hat Oesterreich-Ungarn Serbien in Form eines Ultimatums aufgefordert, die serbischen Truppen aus Albanien zurückzuziehen. PieSüdslawische Korrespondenz" meldete darauf, Serbien könne wegen seiner staatlichen Sicherheit den auch von Deutschland und Italien unterstützten Forderungen nicht nach­geben. Demgegenüber teilt das serbische Preßbüro jedoch mit, daß das Gegenteil richtig sei, was auch aus folgenden Nachrichten her­vorgeht:

Belgrad, 20. Okt. Der Generalsekretär des hiesigen aus­wärtigen Amtes Stefanowitsch erklärte dem österreichisch-ungari­schen Geschäftsträger v. Stork, dah der Befehl zur Räumung der von serbischen Truppen besetzten Gebiete Albaniens beschlosien und heute früh ausgegeben wurde. Die Räumung werde inner- halb der festgesetzten Frist von acht Tagen durchgeführt sein.

Pa r i s, 20. Okt. Einer Blättermeldung zufolge soll sich der hiesige serbische Gesandte heute zum Minister Pichon begeben haben, um diesem eine Rote zu überreichen, in der die serbische Regierung erklärt, dah sie getreu ihrer bisherigen Haltung und ihren Verpflichtungen, es Europa überlasse, dafür zu sorgen, dah die Grenzen Albaniens tatsächlich und an Ort und Stelle genau festgesetzt werden. Die serbische Regierung schlieht an diese Mitteilung, die ihrer Ansicht nach den durch den öster­reichischen Schritt hervorgerufenen Zwischenfall erledigt, eine An­zahl Reklamationen betreffs des unbestimmten und unlogischen Charakters, der von der Londoner Konferenz vorgesehenen theo­retischen Abgrenzungen Albaniens an. Die serbische Rgierung erneut die Behauptung, dah sie gewiss« vorübergehende Mah­nahmen lediglich deshalb ergreift, um die Sicherheit ihres Landes zu schützen und sie ersucht die Großmächte unter Hinweis auf deren Versprechungen und die Londoner Beschlüße, ihr in wirksamer Weise diese Sicherheit zu verbürgen.

Aus Athen wird freilich berichtet, dah nach Nachrichten aus Eoritza die serbischen Truppen auf albanischem Gebiet über El- baffan weiter vorrücken. Sollte das wirklich der Fall sein, so würden sich die Serben dem geschloffenen Mächtekreis gegenüber sehen, dem sie doch schließlich nachgeben mühten. In den Berliner diplomatischen Kreisen herrscht die Auffaffung, dah der neue Schritt Oesterreich-Ungarns bei der serbisäfen Regierung trotz der anscheinenden Aufregung, die er in einem Teile der Presse des Dreiverbandes hervorgerufen hat, die Billigung der, offiziellen Kreise sämtlicher Mächte finden wird, und dah man mit Rücksicht darauf sich in Belgrad nicht weigern wird, der Aufforderung Oesterreich-Ungarns in beschleunigter Weise nachzukommen.

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Wien, 20. Okt. DieAlbanische Korrespondenz" meldet aus Skutari: Nachdem infolge des Zusammentritts der internatio­nalen Kontrollkommission das Mandat des Admiralrates ab­gelaufen ist, reiste der deutsche Delegierte, Fregattenkapitän von K l i tz i n g, bereits ab. In letzter Zeit bemühen sich in Skutari Agitatoren eifrig für die Thronkandidatur des Prinzen Fuad Achmed und bekämpfen die Wahl des Prinzen zu Wied. Die Be­völkerung verhält sich aber gegen Fuad Achmed ablehnend.

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Deutsches Reich-

Jubiläumsausstellung der Kgl. Porzellanmanufaktur. Ber­lin, 20. Okt. Heute mittag wurde die Jubiläumsausstellung der Königlichen Porzellanmanufaktur im Kunstgewerbemuseum an­läßlich des 150jährigen Bestehens der Manufaktur eröffnet. Im Lichthof ist die Ausstellung aufgebaut. Hier versammelten sich die Ehrengäste, u. a. die Minister Dr. Delbrück und Dr. Lentze, Ober­bürgermeister Wermuth und Polizeipräsident v. Jagow. Bald nach 12 Uhr erschien der Kaiser in Dragoneruniform und die Kai­serin mit Gefolge. Staatssekretär Dr. Sydow betonte das ein­dringende Interesse des Kaisers für die Arbeiten der Manufaktur und die Förderung der Ausstellung durch die Hergabe kostbarer Stücke aus den königlichen Schlössern und endete mit dem Ausdruck des Eelöbniffes unverbrüchlicher Treue der Angehörigen des Be­triebes für den Urenkel des Begründers. Geh. Oberregierungsrat Dönhoff gab einen Rückblick auf die Entwicklung der Manufaktur. Der Kaiser erklärte daraus die Ausstellung für eröffnet.

Einweihung des ersten Flugstützpunktes. Schneidemühl, 20. Okt. Der erste Flugstützpunkt des Ostens wie überhaupt Preu­ßens ist heute in Anwesenheit des Präsidenten des Deutschen Flug­verbandes, Herzog Ernst Günther zu Schleswig-Holstein, in Gegen­wart der Spitzen der Behörden und zahlreicher Ehrengäste eröffnet worden. Auf die Begrühungsanfprache des Oberbürgermeisters Dr. Krause-Schneidemühl erwiderte Herzog Ernst Günther. Rach dem Rundgang, der sich der Feier angeschloffen hatte,' folgte das Festmahl, das die Stadt zu Ehren des Herzogs und der anwesenden Ehrengäste gab.

Deutschfeindliche Sttmmung in Lausanne? Berlin, 20. Okt. Der deutsche Konsul in Lausanne, Filsingen, hatte anläßlich der Feier der Völkerschlacht von Leipzig die Flagge gehißt und auch während der Nacht nicht eingezogen. Am Sonntag morgen wurde festgestellt, daß die Fahne, die leicht von der Straße zu erreichen war, zerrissen worden war und daß ein Stück vom Tuch fehlte. Die gerichtliche Untersuchung wurde sofort eingeleitet. Ein Mitglied des Regierungsrats des Kantons Waadt begab sich zu Konsul Filsingen, um offiziell sein lebhaftes Bedauern über den Vorfall auszusprechen. - -

Ausland-

** Kreuzfahrt eine» französischen Geschwaders in der Levante. Paris, 20. Ott. Wie aus Toulon gemeldet wird, ist heute morgen ein aus den Panzerschiffen des ersten GeschwadersVoltaire",Diderot", Mirabeau",Danton",Condorcet" undVergniaud", einem Panzer­kreuzer und einer Torpedobootflottille bestehendes Geschwader unter dem Befehl des Admirals Baue de Lapeyröre für eine sechswöchentliche Kreuzfahrt nach der Levante abgegangen. Das Geschwader begibt sich zunächst nach Alexandrien.

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Sladtverordneten-Sitzung

vom 20. Oktober.

Unter Mitteilungen zur Kenntnisnahme wurde ein Bericht über den Geschäftsverkehr der städtischen Gasanstalt bekannt ge­geben, wonach der Easverkauf an die Bahn und an die Universität etwas abgenommen, derjenige an Private jedoch zugenommen habe. Stadtv. Haas wünschte unter Bezugnahme auf die in der vorigen Sitzung erwähnte Eingabe des Kaufmännischen Vereins wegen der Elektrizitätsfrage, daß von solchen Eingaben im Protokoll Ver­merk genommen werden möchte. Ihm wurde seitens des Stadtver- ordneten-Vorstehers Justizrat Rohde entgegnet, daß dies auch immer gesckfehe. Die fragliche Eingabe sei jedenfalls bei einem diese Sache betreffenden Punkte der Tagesordnung untergebracht worden. Der folgende Punkt betraf eine Anfrage wegen Inkraft­tretens des Nachtrags zur Ordnung betreffend das Feuerlöich» wesen. Der Vertreter des Magistrats, Beigeordneter Müller, teilte mit, dah die Sache in aller Kürze ihreErledigung finden werde. Die Pflichtfeuerwehr werde wohl weiterbestehen, es fän­den aber keine Uebungen statt, damit fielen auch die Ablösungsgelder.

Zu dem Antrag mehrerer Stadtverordneter auf Einsetzung einer Kommission zur Erörterung der Maßnahmen für die wirt, schaftliche Hebung der Stadt, führte Stadtv. Pörsch in längerer Rede manches aus, was bei den Debatten bezüglich Schaffung von Industrie in Marburg tn verschiedenen Stadtverordnetensitzungen der letzten Jahre schon mehrfach erschöpfend behandelt wurde. So wies er darauf hin, daß die wirtschaftliche Entwicklung in Mar­burg nicht auf der Höhe sei. Auch aus den in der Schrift des Stadt- kämmerers Dr. Kämmer enthaltenen Steuerstatistiken gehe dies hervor. An der Hand eines statistischen Materials wies er darauf hin, daß das Einkommen der unteren Volksschichten viel zu wün­schen übrig laffe. Wir ständen in Bezug auf die Steuererträge gegen andere Städte zurück. In anderen Städten nehme der Be­sitz zu, hier sei das Gegenteil der Fall. Es sei deshalb auch ver­ständlich, daß Marburg so viele Schulden habe. Deshalb möge die Stadtverwaltung prüfen, ob sich nicht Abhilfe schaffen laffe. Jetzt sei Marburgs Hauptquelle die Universität, die man in jeder Be­ziehung fördern müffe. Es frage sich aber, ob die Stadt nicht di« Verpflichtung habe, sich nach anderen Erwerbsquellen umzusehen. Man habe keine Garantie, ob die Einnahmen durch die Universität so blieben, denn die großstädtischen Universitäten, jedenfalls auch Frankfurt, machten Konkurrenz. Aus allen diesen Gründen sei die Heranziehung von Industrie berechtigt. Auf die Einwände, welche gegen die Industrie sprächen, wolle er weiter nicht eingehen. Auch der Hebung des Fremdenverkehrs müffe mehr Beachtung ge­schehen. Dieser Antrag bezwecke, daß die Möglichkeiten zur Hebung des Fremdenverkehrs tn der Kommission erwogen und Vorschläge gemacht würden. Stadtv. Dr. Maurmann wies daraus hin, daß diese Frage schon den ganzen Sommer die Stadtverord- ncten beschäftige. Man habe eine Verkehrskommission bilden wollen, damit aber gewartet, bis der neue Beigeordnete da sei. Man habe überhaupt schon Manches unternommen, um den Ver­kehr hier zu heben, z. B. vor 2 Jahren sei die Philologenversamm­lung eingeladen worden, in Marburg zu tagen. Dies sei nun auch geschehen und nun habe ein Versammlungsteilnehmer aus Köln in derKöln. Ztg." zum Dank einen Artikel veröffentlicht, in dem es nicht an Seitenhieben auf Marburg fehle. Der Redner brachte dabei einige Stellen aus dem erwähnten Artikel zur Ver­lesung. Es heißt da u. a., daß Marburg ein weltabgeschiedenes Städtchen sei, die Hotels ließen zu wünschen übrig usw. Wenn eine Verkehrskommission vorhanden gewesen sei, hätte dieser Ar­tikel schon eine Beantwortung finden müssen. Seine Ansicht sei die, daß der betr. Artikelschreiber gern nach Marburg ziehen würde, wenn er vielleicht einen Ruf hierher, allerdings unter höherem Gehalte, erhielte. Es könne aber nichts schaden, wenn der Artikel eine nachträgliche Beantwortung fänbe. Stadtv. Prof. Bredt er­innerte an die früheren Verhandlungen betreffs Heranziehung von Industrie und erwähnte die Hanauer Diamantschleifer, die sich hier niederlaffen wollten. Alles fei in schönster Ordnung gewesen, aber man habe nichts wieder davon gehört. Der Redner berührt« dann die Frage, inwieweit die Universität Frankfurt Marburg schädigen könne und wies darauf hin, daß die Jndustriefrage in Marburg eine Frage des Baufluchtlinienplans bedeute. Für die Industrie käme hier nut ein Gelände in Betracht, das den Charak­ter des Stadtbildes nicht beeinttächttge. Es sei sicher anzuneh­men, daß Marburg durch Franffutt Studenten einbüße. Er ging dabei die einzelnen Fakultäten durch; am meisten werde die ju­ristische leiden. Jetzt seien oft zwei, auch drei Kandidaten im Referendarexamen aus der Frankfurter Gegend. Stadtv. Dr. Hitze­roth legte dem Artikel derKöln. Ztg." keine große Wichtigkeit bei; er handele im wesentlichen von Ausstellungen, die an den Einrichtungen der Tagungen im allgemeinen zu machen seien, da­bei bekomme Marburg auch etwas ab, weil es keine Großstadt wie Köln fei. Es müffe demgegenüber festgestellt werden, daß es den Teilnehmer« der Philologentagung hier sehr gut gefallen habe, das fd ja auch in den Schlußreden deutlich zum Ausdruck gebracht worden, Er glaube, daß dl« Tagung für Marburg von Vorteil