mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
1913
Erstes Blatt
Zeder Rabatt gilt al« Barrabatt. — Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
Die „Oberhejsische Zeitung- erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich bur* die Post 2.25 (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 <M frei ins Haus. — Verlag von Dr. T. Hitzerolh. — Druck der Univ.» Buchdruckerei I. A. Koch (Znh. Dr. T. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
sich um ein Gesetz, das mit den neuen Bestimmungen über di« Krankenversicherung in Zusammenhang steht, wonach die Landes« regierung den auf Lebenszeit oder nach Landesrecht unwiderruf« lich oder mit Anrecht auf Ruhegehalt angestellten Krankenkassen« beamten die Rechte und Pflichten der staatlichen oder Gemeinde« beamten übertragen kann. Die preußische Regierung scheint voq dieser Befugnis Gebrauch machen zu wollen. Die Folge bavost würde dann auch eine besondere Regelung der Disziplinarverhält- niste dieser Beamten sein, die auf Grund eines Gesetzes zu erfolgeis hätte, das am 1. Januar 1914, dem Tage des Inkrafttretens bei Reichsverstcherungsordnung fertig sein müßte.
— Der Bertreter de« Zaren zur Weihe des Bölkerschlachtdenb mal». Leipzig, 15. Okt. Großfürst Kyrill von Rußland, der Ver« treter des Zaren bei der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals, ist heute abend von Dresden kommend, auf dem hiesigen Haupt« bahnhof eingetroffen. — Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, bestätigt sich die Meldung von der gestern im Zusammen« Hang mit der Anwesenheit des Großfürsten Kyrill von Rußland in Dresden erfolgten Verhaftung eines Studenten. Ueber den Grund der Verhaftung hüllen sich die maßgebenden Behörden noch in Schweigen, da die polizeilichen Ermittelungen hierüber noch nicht abgeschlosten sind.
— Deutscher Protestantentag. Berlin, 15. Okt. Die Haupt« Versammlung des 26. Deutschen Protestantentages wurde im Fest- saale des „Rheingold" von dem Vorsitzenden Rechtsanwalt Kränke» mit einer Begrüßungsrede eröffnet. Er gedachte der verstorbenen Mitglieder, wie des Reichstagsabgeordneten Schrader, des Pfar« rers Jatho-Köln und des Pfarrers Otto Friese-Berlin. Alsdann sprach Prof. Schmidt-Basel über „Das freie Christentum, sein kirchliches Recht und seine religiöse Aufgabe". Nach längerer Aussprache wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der es heißt: „Der Protestantentag spricht die Erwartung aus, daß die evangelischen Landeskirchen zum Schutze des Gewissens die für den Pfarrer und die Eemeindemitglieder notwendigen agen- darischen Freiheiten schaffen. Bekenntniste, die nur mit geistigem Vorbehalt zu leisten sind, können nur die Quellen des Mißtrauens und der Schwäche sein und streiten wider die Ehre des protestantischen Kirchenwesens." Die erste Hauptversammlung wurde da« rauf geschloffen
— „Brutale Parteijustiz-. Berlin, 15. Okt. Die Behandlung des Falles Radek durch den Jenaer Parteitag veranlaßt den Sozialdei? tten Ernst Heilmann, in den „Sozialistischen Monatsheften" seinen Parteigenosten brutale Parteijustiz vorzuwerfen. Radek wurde bekanntlich ausgeschloffen auf Grund eines neuen, erst auf dem Parteitage gefaßten Beschluffes, dem sofort rückwirkende Kraft gegeben wurde. Heilmann schreibt u. a.: „Ich spare mir jedes Scheltwort darüber, weil das einfachste Rechtsempfinden genügen mutz, um sich dagegen mit aller Leidenschaft aufzulehnen. Radek ist als Opfer einer wüsten Stimmungsmache gefallen. Bisher hat sich die Parteimehrheit damit getröstet, es sei kein Unglück, wenn einem einzelnen Eenosten einmal Unrecht geschehe, es handle sich meist doch um anrüchige Elemente. Man hat Beschlüffe gefaßt, die ungerechte Urteile geradezu provozierten. Man denke an das Schicksal der Erfurter Reservisten und man wird begreifen, warum in Jena beim Ausschluß Radeks der Zwischenruf erscholl: „Lieber vor dem Erfurter Kriegsgericht, als vor Euch Angeklagter zu sein!"
Deutsches Reich.
Früher« Einberufung des Landtags. Frankfurt a. M., 15. Okt. Nach einer Meldung der „Franks. Ztg." soll der Preußische Landtag noch vor Weihnachten einberufen werden. Es handelt
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Marburg
Donnerstag, 16. Oktober
Politische Umschau.
Krankenkaffe und Aerzte.
Der Verband zur Wahrung der Jnteresten der deutschen Be« triebskrankenkasten gibt folgendes bekannt:
„Viele Zeitungen verbreiten folgende Nachricht des Aerzte» verbandes: Die vereinigten Krankenkassenverbände hätten den vom Aerztevereinsbund und Leipziger Aerzteverband gemachten Friedensvorschlag rundweg abgelehnt. Die Kasten wollten nicht mit den Aerzteorganisationen verhandeln, sie zeigten in Hinsicht auf freie Arztwahl und Bemeffung des Honorars kein Entgegenkommen. Diese Angaben sind unrichtig. Tatsache ist folgendes:
Am 10. September hat eine siebenstündige Verhandlung zwischen BertrÄern der bezeichneten zentralen Aerzteorganisationen und kks Betriebskrankenkaffenverbandes und am 5. Oktober eine mehrstündige Unterredung zwischen den Vorsitzenden der Aerzteorganisationen und einem Vertreter unseres Verbandes stattgesunden. Dem Aerzteverbande ist bekannt, daß der Betriebskrankenkaffenverband dabet im Einvernehmen mit den anderen Krankenkaffen-Hauptverbänden gehandelt hat.
Die Aerzteorganisationen haben von vornherein rundweg die Vorschläge der Krankenkaffen abgelehnt, obwohl diese weitestgehendes Entgegenkommen enthielten und sich die Krankenkaffen darin zugunsten eines allgemeinen Friedens mit den Aerzten außerordentlichen Beschränkungen in ihren wichtigsten gesetzlichen Rechten unterwerfen wollten. Die Vorschläge der Kaffen sicherten einer möglichst großen Zahl von Aerzten eine Tätigkeit bei Krankenkaffen und begünstigten auch die freie Arztwahl.
Die Krankenkaffenverbände haben nur solche Forderungen abgelehnt, welche die Auslieferung von Krankenkaffen und Kaffenärzten an die Aerzteorganisationen bedeuten.
In der Aufforderung der zentralen Aerzteorganisationen an die Aerztevereine usw., keine Verträge mit Krankenkaffen abzuschließen, bis ein außerordentlicher Aerztetag die nunmehrige Stellung der Aerzteorganisationen bestimmt hat, muß nach den Drohungen in den Zeitschriften der Aerzteorganisationen in letzter Zeit die allgemeine Kriegserklärung an die Krankenkasten erblickt werden!"
Gleichzeitig erläßt der „Verband der Aerzte Deutschlands" eine Erklärung, in der es u. a. heißt:
„Die Aerzteorganisationen hatten der Gegenpartei Vorschläge unterbreitet, die vom ärzlichen Standpunkt aus im Vergleich zu den bisherigen ärztlichen Forderungen ein weitgehendes Entgegenkommen darstellten: als die Kaffenorganisationen auch an diesen neuen Grundlagen einiges auszusetzen hatten, sagten die Aerzteorganisationen ein weiteres Entgegenkommen zu. Trotzdem haben die vereinigten Kaffenverbände den ärztlichen Friedensvorschlag schließlich rundweg abgelehnt: sie wollen weder mit den Organisationen der Aerzte verhandeln, noch zeigen sie hinsichtlich der freien Arztwahl und der Bemeffung des Honorars irgendwelches Entgegenkommen sie zwingen dadurch der Aerztepartei den Kampf auf. Den Aerzten bleibt daher einstweilen nichts anderes übrig, als den Abschluß neuer Verträge für Beginn der Reichsoersicherungs- Ordnung zum 1. Januar 1914 allgemein abzulehnen."
Demnach beschuldigen sich beide Parteien gegenseitig, die Friedensvorschläge „rundweg abgeleynt" zu haben. Was ist nun Wahrheit?
Das Unglück in b?r Universalgrube.
487 Gerettete.
6 a r b l f f, 15. Ott. Die Feu « r « brunst in den Schächten ist gelöscht. Man rüstet jetzt Rettungsmannschaften aus, um das Bergwerk zu durchsuchen. Bi» heute früh 10 Uhr find 26 Leichen geborgen worden. Die Gesamtzahl der Geretteten beträgt 487. Das Schicksal von 393 Man« ist noch unbekannt.
Cardiff, 15. Okt. Obwohl das Feuer in der llniversalgrube erloschen ist, wird es doch noch längere Zeit dauern, bis das ganz« Bergwerk durchsucht werden kann, da einzelne Grubenteile über zwei Meilen vom Schachteingang entfernt liegen und die Gänge durch Trümmer versperrt sind. An mehreren Stellen wurden Leichen aufgefunden, die fast bi» zur Unkenutlichkeit verstümmelt sind, andere hielten sich umschlungen. Weiterhin stieß die Rettungsmannschaft auf ein noch angeschirrtes lebendes unversehrtes Pferd. Die noch lebend Aufgefundenen waren fast bewußtlos und mußten unter großen Schwierigkeiten aus dem Schacht geschafft werden. Die ganze Gegend feiert. Die Bergleute sind in Sonntagskleidung und geleiten die Leichen zu den Wohnungen, wo sie von den Frauen erwartet werden. Es find mindestens 1000 Frauen und Kinder ohne Hilfsmittel. Die Gewalt der Explosion war so heftig, daß einem am Schachteingang stehenden Arbeiter der Kopf glatt abgeristen wurde. Die Lage ist trostlos. Tausende von Angehörigen umstehen den Eingang zum Erubenvorplatz. Bei Einbruch der Dunkelheit wurden große Scheinwerfer aufgestellt, die den Eingang zur Schachtanlage erhellen. Die Rettungsmannschaften müsten sich in sehr geraumen Zeitabschnitten ablösen, da die Hitze im Bergwerk infolge des noch wütenden Brandes unerträglich ist.
Verschiedene der geretteten Bergleute wollten mit aller Gewalt sofort in den Schacht zurüÄehren, um bei den Rettungsarbeiten Hilfe zu leisten. Der Rettungsmannschaft bot sich in der Mitte des Stollens ein schreckliches Bild. Gegen dreitzig Menschen, tot oder sterbend, lagen aufeinander. Alle wiesen furchtbare Verletzungen auf. Mehrere abgeristene Köpfe lagen umher. Rur mit Mühe vermochten die Retter hier ihrem Werke nachzugehen. Au» dem Menschenhaufen wurden insgesamt 16 noch lebende Knappen geborgen. Al» man sie bi, zum Schachtjortz j
Einweihung der Erlöserkirche in Gerolstein.
Der Kaiser nahm vorgestern abend auf Schloß Lieser in Trier tin Rauchsalon den Tee ein. worauf er bis 8 Uhr arbeitete. Um das Esten zu 29 Gedecken. Gestern früh 9.20 Uhr erfolgte die Abreise im Automobil über Daun nach Gerolstein. Das Wetter war kühl und regnerisch. Trotzdem bot das auf hügeligem Boden sich hinziehende Städtchen Gerolstein mit seiner malerischen romantischen Umgebung einen festlichen Anblick. Die neue evangelische Kirche auf dem königlichen Krongut Villa Sarabonis ragt weithin in das Tal der Kyll. Der mächtige Bau des Profestors Schweckten zeigt streng romanische Formen. Auf dem Festplatz vor der Kirche standen 500 Knaben und Mädchen der Gemeinde Gerolstein, ferner die Lehrer des Kreises Daun, die sich zu einem Gesangverein zusammengeschlosten hatten und eine Ehrenkompagnie vom Infanterie-Regiment Nr. 29 mit Fahne und Musik. In der nicht sehr großen evangelischen Gemeinde von Gerolstein waren etwa 300 Plätze ausgegeben worden, ebenso eine erhebliche Anzahl von Plätzen an die katholische Gemeinde Gerolstein. Als der Kaiser von Daun her am Osteingang von Gerolstein eingetroffen war, begann das herrliche Geläute der neuen Kirche zu ertönen. Unter dem Jubel der Bevölkerung durchfuhr der Kaiser den Ort und traf bald nach 11 Uhr vor der Kirche ein. Er wurde von Generalleutnant v. Schubert mit folgender Ansprache begrüßt'
„Eure Kaiserliche und Königliche Majestät begrüße ich ehrfurchtsvoll im Namen des evangelischen Kirchenbauveieins in Berlin an dieser altehrwürdigen Stätte, wo die Fundamente und Mauern der Villa Sarabonis und zahlreiche Funde die Blüte der römischen Herrschaft und Kultur vor fast 2000 Jahren verkünden. Nahezu 1200 Jahre sind vergangen, seitdem die deutschen Könige und Kaiser als Herren undEtgen- tümer dieser Stätte die alte Villa Sarabonis zur Wahrung der Macht »nd des Ansehens der christlichen Kirche dem Venediktinerklofter in Prüm zum Geschenk machten
Heute am Geburtstage des frommen König Friedrich Wilhelms IV., des Begründers der Gemeinden Gerolstein und Saun, dürfen wir Euer Majestät als Herrn und Eigentümer der Villa Sarabonis willkommen heißen. Wie die ersten deutschen Könige und Kaiser, so wollen Euer Majestät diesen durch den Bau der Erlöserklrche geweihten Orte wiederum zum Dienste der Kirche auf dem einigen Grund, Jesus Christus, feierlich übergeben. Alleruntertänigsten und tiefsten Dank sprechen Euer Majestät wir dafür aus, daß allerhöchst dieselbe in dem glorreichen Erinnerungsjahre 1913 diese Stätte mit unserer Kirche und ihren Gebäuden als Iubelgabe des evangelischen Kirchenbauvereins in Gnaden angenommen haben. Gott segne und schirme bis in fernste Zeiten das Hohenzollernhaus, diesen Ort und diese Gebäude, die sich dankerfüllt und freudig unter den besonderen Schutz des königlichen Hauses gestellt haben.
Der Kaiser dankte dem Redner. Der Erbauer der Kirche, Geheimer Baurat Schwechten, überreichte dem Kaiser den Kirchen- schlüffel und der Kaiser übergab diesen dem Eeneralsuperinten- benten Klingemann, biescr dem Pfarrer Best, der die Kirchentür unter Segenssprüchen aufschloß und öffnete. Es folgte der Einzug des Kaisers und der Ehrengäste in die Kirche.
Die Weiherede
hielt Generalsuperintendent Klingemann über 1. Kor. 3: „Einen andern Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus." Es folgte das Weihegebet und der Weiheakt, die der Eene- " nerintendent vollzog unter Assistenz des militärischen Oberpjc.—s des 8. Armeekorps, Oberkonsisto- rialrat D. Richter. Hierauf folgte Schriftverlesung und Glaubensbekenntnis und darauf der a capella-Eefang des Trjer-Chores „Harre meine Seele, harre des Herrn". Die Predigt hielt der Gemeindepfarrer Best über Jes. 43, 1: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei meinem Namen gerufen, du bist mein."
Aus Anlaß der Feier hat der ■' :"'r eine Reihe von Ordens- • auszeichnung verliehen.
— Nach der kirklichen Feier begab sich der Kaiser, begleitet von dem Ehrengesolge, in das durch einen Säulengang mit der Kirche verbundene Museum, das Funde aus dem Boden, auf dem die Erlöserkirche gebaut ist, aufbewahrt. Hiernach besichtigte der Kaiser das ihm schon von seinem Besuche vor 3 Jahren her bekannte Gelände, auf dem die Reste der alten Mauern bei JßiUci Sarabodis bis weit über bie Grundmauern hin aufgeführt sind, so daß ein guter Ueberblick über den Grundriß der Villa eines reichen Römers gegeben ist. Zum Schluß nahm der Kaiser den Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie entgegen. Der Kaiser stieg dann über eine Freitreppe zum Gerolsteiner Bahnhof empor, wo im Sonderzuge das Frühstück eingenommen wurde. Nach der Tafel besichtigte der Kaiser nochmals allein die Erlöserkirche, um die Wirkungen der architektonischen Schönheiten noch einmal zu j genießen. Der Kaiser begab sich dann im Automobil nach Bonn, wo er in der Villa Schaumburg Wohnung nahm.
An die Kaiserin wurde ein Telegramm gerichtet, das folgenden Wortlaut hat: „Am heutigen Tage bei Einweihung bet untei , Euer Majestät allerhöchstem Piotektorat in Eeiolstein eiiichteten herrlichen Erlöserkirche, bei bei bie zahlieich veisammelten Mit- gliebei des evangelischen Kiichenbau-Veieins bie hohe Ehrenaus- szeichnung hatten. Seine Majestät in ihrei Mitte ehrfuichtsvoll pegrüßen zu können, widmen wii Euer Majestät unsere Hulbi- jfiung und erlauben uns, unseren von Herzen kommenden Dank für bte Förderung des Kirchenbaues zu Ew. Majestät Füßen legen zu Mrfen. v. Schubert, Generalleutnant z. D., Vorsitzender." f&L._ . ....... ....*———
1 Albanien. I
W' Cettnje, 15, Okt. Nach einer amtlichen Mitteilung bauern bie I Mlgxiff« fc<r Albaner gegen bte montenegrinischen Vorposten |
und den Verlagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
an. Die Nebel hindern die Montenegriner, die bisher acht Verwundete hatten, sich zu konzentrieren und alle wichttgen Stellungen rasch }U besetzen.
Essad Pascha — Herr von Mittelalbanlen.
Balo na, 15. Okt. Vor einigen Tagen erschien ein Vertrauensmann Effad Paschas, um die Versöhnung Essads mit der Regierung her- beizuführen. Nachdem die Regierung die Forderungen Effads kurzweg zurückgewiesen hatte, erhielt sie heute ein Telegramm Essads, in dem dieser seinen Austritt aus dem Kabinett mitteilt und gleichzeitig die Negierung davon verständigt, daß er in Durazzo eine neue Regierung gebildet habe, deren Wirkungskreis sich auf Zentral-Albanien zwischen den Flüffen Mali unb Schkumbi erstrecken solle. Die neue Regierung besteht aus einem Senat, dessen Mitglieder aus den Städten Durazzo, Kawaja, Tirana und Schiak und je zwei aus jeder Stadt gewählt war- den seien. Präsident des Senats sei er selbst.
In Regierungskreisen bemerkt man zu dem Vorgehen Effad Paschas, daß die Senatsmitglieder durchaus nicht angesehenen albanischen Fa- mtlien angehören und daß Effad andererseits den wichtigsten Distrikt Zentralalbanien. Elbaffan, völlig vergeßen habe, in dem er noch nicht anerkannt sei. — Effad Pascha hat seinen Schritt der Internationalen Kontrollkommission mttgeteilt.
Der Dreibund gegen die serbische Besetzung Albaniens.
Belgrad, 15. Ott. Der deutsche Gesandte ist angewiesen worden, der serbischen Regierung in freundschaftlicher Weise die Achtung der Londoner Beschlüffe über die Abgrenzung Albaniens anzuraten.
Wien, 15. Oki. Der österreichische Geschäftsträger in Belgrad ist angewiesen worden, bei der serbischen Regierung auf die Notwendigkeit der Achtung der in London bestimmten Grenzen Albaniens sowie auf schleunige Räumung jener Stellungen zu bringen, Bte, obwohl zum autonomen Albanien gehörig, von den serbischen Truppen besetzt gehalten werden.
Rom, 15. Okt. Die „Agenzia Stefani“ meldet aus Belgrad: In politischen Kreisen wird mitgeteilt, die italienische Regierung habe bei der serbischen Regierung freundschaftliche Schrttte getan, um sie auf die Notwendigkeit aufmerksam zu machen, die von der Votschafterkon- ferenz in London festgesetzten Grenzen Albaniens zu beachten und auch im Jntereffe Serbiens Akte von Grausamkeiten gegen die Albaner zu verhindern. Die italienische Regierung sprach in sehr freundschaftlicher Weise die Hoffnung aus, die serbische Regierung werde die italienische, die von den herzlichsten Smpfinbungen. Serbien, gegenüber beseelt sei, vor bet Notwendigkeit e n e r g tl chere n unb offizielleren Schritten zu bewahren, ba es klar sei, daß Italien und Oesterreich-Ungarn nicht gestatten könnten, daß die Londoner Festsetzungen überschritten unb di« Albaner unmenschlich behandelt würden.