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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaWiche Beilage".

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JS 242

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich bui* die Post 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. Verlag von Dr. T. Hitzeroth. Druck der Uni».» Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. T. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marburg

Mittwoch, 15 Oktober

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespalten« Zeil, oder deren Raum 15 , bet amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile SO Bet Wiederholungen entsprechender Rabatt. Zeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamt«» Frankfurt a. M.

48. Jahrg.

1913.

Erstes Blatt.

Der Kaiser in Trier.

Wie bereits gemeldet, traf der Kaiser gestern vormittag in Trier ein. Er trug die Uniform der Posener Kaiserjäger zu Pferde. Um 9% Uhr hielten die kaiserlichen Automobile an der neuen Moselbrücke. Der Kaiser wandte sich sogleich mit freund­lichen Worten an den Oberbürgermeister v. Bruchhausen. Dieser hielt hierauf eine Ansprache, in der er den Willkommengruß der Bürgerschaft zum Ausdruck brachte. Unter dem machtvollen Schutz des geeinigten deutschen Baterlandes habe sich auch Trier ent­wickelt. So habe auch die zweite Moselbrücke verändert werden können und solle heute an dem großen Ehrentag der Stadt dem Verkehr sich öffnen unter dem Namen Kaiser Wilhelmbrücke als Erinnerung an das Jubeljahr und des Kaisers 25jähriger fegens- reicher Regierung. Der Kaiser dankte, indem er seine Genugtuung über das gelungene Werk der schönen neuen Brücke aussprach. Er habe sich gefreut, besonders so viele fröhliche Kindergestchter ge­sehen zu haben. Der Kaiser ging dann die ganze 315 Meter lange Brücke ab. Die Rudervereine, die in ihren Booten auf dem Strom in Parade lagen, huldigten ihm mit einem dreifachen Hipp, Hipp, Hurrah! während die Glocken der Stadtkirchen läuteten. Von der wunderbaren Aussicht nach beiden Seiten hin in das Moseltal war der Kaiser entzückt und äußerte sich wiederholt in diesem Sinne. Darauf begann die Besichtigung der Stadt und ihrer Sehenswürdigkeiten. Auf dem Wege nach dem kaiserlichen Schloß sah der Kaiser die große von den Turnern gestellte Pyramide und durchfuhr später die Porta Nigra. In den Fensteröffnungen des obersten Geschosses waren Fanfarenbläser in altrömischer Tracht aufgestellt, die dem Kaiser einen Willkommensgruß entgegen« schmetterten. Beim Vorbeifahren sah der Kaiser auch das alt- romantische Haus zu den Heiligen drei Königen und am Haupt­markt das Rote Haus oder Steipe und das alte Marktkreuz. Die Besichtigung des Kaiserpalastes und der neuen Ausgrabungen währte iy2 Stunde. Das Ergebnis der neuen Forschungen ist, daß die Gebäude früher Thermen gewesen sind, die erst später zu einem Kaiserpalast erweitert wurden. Vom Kaiserpalast begab sich der Kaiser mit seiner Begleitung zu Fuß an dem alten erz- bischöflichen Palais vorbei nach der Basilika, der jetzigen Kirche der evangelischen Zivil- und Militärgemeinde. Er mochte noch einen kurzen Besuch im Offizierkasino des Infanterie-Regiments Nr. 69, das sich in dem alten kurfürstlichen Palais befindet und bewunderte dort die große Prachttreppe und die vielen alten wertvollen Gemälde und Stuckdecken. Unter allgemeinem Jubel erschien der Kaiser nach dem Frühstück auf dem Balkon des Re­gierungsgebäudes. Er ging dann zu Fuß nach dem Dom hinüber und besichtigte diesen unter Führung des Bischofs Korum. Vom Dome betrat der Kaiser in Begleitung des Bischofs den Kreuz- gang und von da aus die mit ihm zusammenhängende Liebfrauen­kirche. Dieses älteste gotische Bauwerk auf deutschem Boden in sein« einzigen Schönheit wurde ebenfalls vom Kaiser mit großem Jnteresie eingehend gesehen. Zum Schluß fuhr der Kaiser nach dem Amphitheater. Hier führten Gymnasiasten und Jugendvereine Freiübungen vor. Gegen 4 Uhr verließ der Kaiser das Amphitheater und fuhr nochmals durch die Stadt, wiederum überall bejubelt. Die Fahrt ging zuletzt an den neuen Kasernen­bauten vorüber nach Lieser, wo der Kaiser im Schloß des Frei­herrn v. Cchorlenrer Wohnung nahm.

Deutsches Reich.

Auffindung der Leiche eines Offiziers vom8. 1. Geeste­münde, 14. Okt. Die Leiche des beim Untergang des Marineluft- schifses ertrunkenen Oberleutnants Frhrn. v. Maltzahn ist durch den FischdampferJuno" aus Geestemünde gelandet worden.

Russischer Besuch in Dresden. Dresden, 14. Okt. Großfürst Kyrill Wladimirowitsch, der in Vertretung des Zaren an der Ein­weihung des Völkerschlachtdenkmals sowie der russischen Ee- dächtniskirche in Leipzig teilnimmt, ist heute nachmittag zum Be­such des Königs von Sachsen auf dem Hauptbahnhof eingetroffen. Zur Begrüßung war König Friedrich August in der Uniform des 4. Koporfchen Infanterie-Regiments Graf Konownitzin auf dem Haupibahnhof erschienen. Die Fürstlichkeiten begaben sich nach Wiener Platz, wo eine Ehrenkompagnie vom Infanterie-Regiment Nr. 177 Aufstellung genommen hatte. Die Musik spielte die rus­sische Nationalhymne. Der König und der Großfürst schritten die Front der Ehrenkompagnie ab. Nach dem Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie bestiegen der König und Großfürst Kyrill den L la Daumont bespannten Wagen und fuhren, geleitet von einer Schwadron Eardereiter, nach dem Residenzschloß, vom Publikum lebhaft begrüßt. Abends fand Ealatafel zu 66 Gedecken statt.

SÜjähriges Jubiläum des deutschen Protestantenvereins. Berlin, 14. Okt. Das 50jährige Bestehen des Deutschen Pro­testantenvereins und zugleich der morgen beginnende Deutsche Protestantentag wurden heute abend mit einem Festgottesdienst in der Neuen Kirche eingeleitet. Nach einem Chor- und Ee- meindegesang hielt Pfarrer D. Kirmß die Festpredigt. Es folgte die Festrüre des Hauptpastors D. Stage-Hamburg. Der Redner warf einen geschichtlichen Rückblick auf das 50jährige Bestehen des Deutschen Protestantenveveins. Die Begründung fei eine drin­gende Notwendigkeit genjsfra, da nirgends eine so große Zer­klüftung herrsche als im Kirchenleben. Es galt der religiösen Duldsamkeit eine Stätte zu bereiten und an Stelle der im Verfall begriffenen Pastorenkirche eine Volkskirche zu errichten. Den Bemühungen des Deutschen Protestantenvereins sei die Schaffung

des Zivilstandsgesetzes und einer Kirchenverfasiung zu danken, wonach die kirchlichen Angelegenheiten von den Gemeinden ver­waltet werden. Der Deutsche Protestantenverein habe noch immer große Kämpfe zu bestehen. Er habe sich aber trotz aller An­feindungen zu behaupten gewußt und werde den Kampf für reli­giöse Duldung und Freiheit mutig fortsetzen und nach wie vor bemüht sein, Glaube und Wiffenschast zu reinigen. Die Feier schloß mit Gebet und Segen. *

Die Frage der deutschen Beteiligung an der Weltausstel­lung in San Franzisko. Berlin, 13. Okt. Aus den von dem Vize­präsidenten Landrat Rötger geleiteten Verhandlungen der heu­tigen Plenarvorstandsfitzung der Ständigen Ausstellungskommis­sion für die deutsche Industrie sei ein von Generaldirektor Ballin eingegangenes Schreiben hervorgehoben, dem ein Besuch des ge­nannten Herrn bei dem bisherigen Präsidenten der Kommission, Geh. Kommerzienrat Goldberger, vorangegangen war. Auf besten Anregung wurde seitens des Vorstandes der Kommission da» Schreiben zustimmend wie folgt beantwortet:Nach rote vor hal­ten wir unseren bisherigen Standpunkt fest, daß die in unserer Erklärung vom 6. Dezember dargelegten Gründe für uns un­verändert Geltung haben. Wenn aber wie wir in dieser Er­klärung ausdrücklich ausgesprochen haben trotzdem einzelne Spezialindustrien oder einzelne Firmen sich von einer Beschickung der Ausstellung in San Franzisko geschäftliche Vorteile ver­sprechen, so wird das niemand bekämpfen. Aus diesem Grunde sind wir gern bereit, Ihrem Wunsche um Mitteilung etwa an uns gelangender Anfragen zu entsprechen. Hierbei nehmen wir im Interesse des deutschen Eewerbefleißes gern davon Kenntnis, daß sie beabsichtigen, die Beteiligung auf einige bestimmte Spezial­gebiete zu beschränken."

Aus der sächsischen Kammer. Dresden, 15.Okt. Um eine Wiederwahl des sozialdemokratischen Vizepräsidenten Fräßdorf zu verhindern, hat die konservattve Fraktion der 2. Sächsischen Kammer beschlosten, auf den Posten eines ersten Präsidenten, den sie bisher besaß, zu verzichten und sich mit dem Posten des ersten Vizepräsidenteen und eines Schriftführers zu begnügen. Hier­durch dürfte sich eine Einigung mit den Nattonalliberalen Her­stellen lasten und dxr Sozialdemokrat aus dem Präsidium heraus­gedrängt werden.

Reform der bayrischen Staatsbauverwaltung. München, 14. Okt. Dem Landtag ist eine Denkschrift der Regierung über die leistungsfähigere Ausgestaltung der Staatsbauverwaltung zu­gegangen. Die Denkschrift weist darauf hin, daß die gegenwär­tige Organisation des Staatsbaudienstes nach mancher Richtung hin veraltet sei unb nach einer Modernisierung verlange. Die Vorschläge, die im einzelnen gemacht werden, bezwecken eine Ver­einfachung und Verbilligung der verschiedenen Verwaltungs- zweige. Besondere Rücksicht soll auch auf eine geeignetere Aus­bildung des mittleren und unteren ^rfonals genommen werden.

Ein Nachspiel zum Krupp-Prvzeß. Berlin, 14. Okt. Der Zeugfeldwebel Linde, der beschuldigt wird, dem Vertreter Krupps Berichte über geheime militärische Angelegenheiten geliefert zu haben, wurde wegen fortgesetzten erschwerten Ungehorsams, ver­bunden mit der Preisgabe militärischer Eeheimniste, zu 4 Wochen gelinden Arrests verurteilt.

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Koloniales

Dr. Sols in Togo. Lome, 13. Okt. Staatssekretär Dr. Solf bereiste ab 4. Oktober unter Führung des Gouverneurs Her­zogs Adolf Friedrich von Mecklenburg das Schutzgebiet Togo. Am 5. Oktober kam der Staatssekretär in Anecho an und fuhr int Auto durch den Bezirk bis Tokpli. Am 6. Oktober war er in Nuatjae, am 7. Oktober in Atakpame, wo et die bei Kamine gelegene großartige Funken st ation besuchte. Anschließend folgte eine Autofahrt durch den Bezirk Sokode. Der Staatssekretär ge­wann von dem dortigen Gebiet die günstigsten Eindrücke und die Ueberzeugung von der Notwendigkeit der Erbauung einer Nordbahn. Am 9. Oktober erfolgte die Rückfahrt nach Lome. Am 11. Oktober fuhr Dr. Solf über Ho durch den Bezirk Misahöhe bis zum Volta, wo er die vielversprechenden Kakao­kulturen der Eingeborenen besichtigte. Am 12. Oktober nach Lome zurückgekehrt, hielt der Staatssekretär an die dortigen Eingebo­renen eine Ansprache. Er hatte sodann eine Konferenz mit der Kaufmannschaft, bjt am Abend ein Fest gab. Am 13. Oktober trat der Staatssekretär auf dem DampferLucie Wörmann" die Heimreise an.

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Ausland.

* Der optimistische französische Krirgsminlster. Paris, 14. Okt. Kriegsminister Etienne, der heute Nacht von der Ostgrenze zurückgekehrt ist, erklärte einem Berichterstatter, daß er von seiner Besichtigungsreise durchaus befriedigt sei. Wenn auch noch nicht alles vollendet sei, so sei man doch so weit, um dem augenblicklich Notwendigen genüge zu tun. Vor drei Monaten sei noch nicht» dagewesen, jetzt seien in den neuen Kasernenbauten, die bte alten Kasernen an Bequemlichkeit und Komfort übertreffen, ganze Bataillon« so gut untergebracht und er­nährt wie in irgend einer Garnison. In drei Wochen oder einem Monat, sofort nach dem Eintreffen der Klass« der Zwanzigjährigen werde die Rekrutenausbildung beginnen können, und zu Beginn des nächsten Jahres würde Frankreich eine großartige Armee und die festeste Deckung haben, die es jemals besessen habe. Da» Land könne Vertrauen haben.

* Ein Deutsch« an der Spitze ein« Kundschastergesellschaft? Petersburg, 13. Oki. Wie aus Warschau gemeldet wird, ist die Polizei an der russischen Grenze einer Gesellschaft auf die Spur gekommen, die unter dem Verdacht steht, Spionagedienste für ein« ftemde Macht ge­leistet zu haben. Aus der ganzen Angelegenheit scheint hervorzugehen, daß man die Verhafteten der Spionage zugunsten Deutschland»

verdächtigt. Die Gesellschaft bestand zum Teile aus Russen, zum Teil aber au» Deutschen, und nach Behauptung der russischen Behörden so» an bet Spitze der Gesellschaft ein preußischer Staatsangehöriger ge­standen haben, der Behm heißt.

* Beginn der türkischen Demobilisierung. Konstantinopel, 14. Okt. Die 30. und 32. Nizain-Division, die zum 9. Korps gehören und sich in Demottka befinden, sind nach Gallipoli beordert worden. Die hier auf Urlaub weilenden Offiziere dieser Truppenkörper wurden aufgefordert, dirett nach Gallipoli sich zu begeben. Diese Truppenbewegung wird al» bet Beginn der Demobilisierung bettachtet, die auch über Rodofto und Erekli erfolgen soll. Der Kronprinz Boris von Bulgarien empfing in Sofia den Verteidiger von Adrianopel Schüktt Pascha sowie den General Dschaw« Pascha in Audienz.

_ Huerta. Mexiko, 14. Okt. Huerta hat dem amerikanischen Ge. schäststräger die Versicherung gegeben, daß den verhafteten Abgeord­neten kein Leid geschehen werde. Die Mehrzahl von ihnen werde aller- ding» vor Gericht gestellt.

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DaS Grubenunglück in Eniland.

831 Bergleute verschüttet 511 bis jetzt gerettet.

Wie wir gestern nachmittag bereits durch Sonderausgaben mitteiien konnten, hat sich auf dem Kohlenbergwerk Universal bei Cardiff zwischen 8 und 7 Uhr morgens eine Explosion er­eignet, durch die gegen 1000 Bergleute verschüttet wurden. Bis jetzt Ist darüber gemeldet worden:

Cardiff, 14. Ott. Nach den neuesten Feststellungen be­fanden sich zur Zeit der Explosion 931 Bergleute in den Schächten. Bis nachmittag» find 511 gerettet morden. Die letzten Nachrichten besagen, daß so gut rote alle Hoffnung aufgegeben ist, die »och eingeschlosienen 418 Bergleute zu retten. Die Rettungs- arbeiten mußten eingestellt roerde« bis das Feuer gelöscht ist oder bis es von selbst erlischt.

London, 14. Okt. Das Unglück in dem Kohlenbergwerk Uni­versal in Senghenith ist das schrecklichste, da» sich je in Südwales ereignet hat. Gegen 8 Uhr morgens wurde in einem Umkreis von mehreren Meilen eine dumpfe Detonation gehört. Männer, Frauen und Kinder eilten zu den Schachteingängen, wo sie er­fuhren, daß die Explosion, die den Schacht in Brand setzte, kurz nach-dem Einfahren der Tägesschicht erfolgte. Nach allen Landes­teilen wurde sofort um Hilfe telephoniert. Um 9 Uhr stiegen die ersten Rettungsmannschaften in den Schacht. Eine Stund, blieb man ohne Nachricht. Gegen 11 Uhr wurde bekannt, daß etwa 300 Bergleute gerettet seien. Sechs Leichen wurden zutage gefördert. Den ganzen Nachmittag über standen Tausende von Leute an dem Sck-acht, die Nachricht von ihren Verwandten erwarteten. Es spielten sich

erschütternde Szenen

in dem Augenblick ab, als Leichen vorübergetragen wurden. Eine Frau tief, als sie einen Blick auf die Bahre geworfen hatte:Das ist mein Vater!" und fiel in Ohnmacht. Vom König ist eine De­pesche eingetroffen, worin er seine und der Königin aufrichtige Teilnahme ausspricht. Abends erklärte der Chefinspektor der Bergwerke von Südwales, auf der östlichen Seite des Bergwerkes feien alle gerettet, 420 feien noch in den westlichen Schächten jen­seits des Brandherdes, der sich in einem Durchgang befindet, wo­durch Luft in die Schächte geführt wird. Man tut alles Mögliche, um die Luftzufuhr aufrechtzuerhalten. Wir halten bis zum letzten Augenblick an der Hoffnung fest. Alle Aerzte in der Nachbarschaft wurden herbeigerufen, und 120 Mann Sonderpolizei wurde aus allen Teilen von Glamorgan zusammengezogen. Mittlerweile bildete man Rettungskorps, für die sich zahlreiche Freiwillige mel­deten. Der Direttor erklärte nach feiner Rückkehr, daß die Retter heldenmütig gearbeitet hätten. Einzelne Verletzungen find grauenhafter Art, und mehrere der Unglücklichen erlagen ihren Qualen, ehe sie ins Hospital gelangten. Dutzende von Ein­geschlosienen lauerten im Schacht an den Stellen, wo die Luft nicht so verdorben war. Sie wurden dicht am Boden des Schachtes ent­lang geführt und dann so schnell wie Möglich ans Tageslicht be­fördert.

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Marburg und Umgegend-

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urheberge^tze- nur mit der deutlichen QuellenangabeObcrhesi. Ztg." gestattet.)

Marburg, 15. Oktober.

* Durchreise des Kaisers. In vorvergangener Nacht gegen 3 Uhr passierte der Kaiser mittels Hofzugs auf der Reise nach Trier die hiesige Station.

Militärisches. Der Oberleutnant z. See der Reserve Rick im Landwehrbezirk Marburg ist zum Kapitänleutnant der Re­serve befördert worden.

* Turnerisches. Am nächsten Sonntag findet in der Gemar­kung Wehrshausen, Elnhausen, Marbach ein Geländespiel zwischen den Turnvereinen Turngemeinde Marburg und Turnverein Mar­bach statt. Auch die Marburger Sanitätskolonne wird eine Uebung damit verbinden. Mittags gegen 1 Uhr kocht die Turn- gemeinbe in der Nähe des Sellhofes ab und kurz danach nimmt das Spiel seinen Anfang. Später vereinigen sich die Teilnehmer auf Einladung des Turnvereins Marbach im Kurhaus, um hier eine Gedenkfeier an den 18. Oktober abzuhalten.

Zum 18. Oktober. Der Erlaß des Kultusministers, wonach am 18. Oktober der Schulunterricht ausfallen soll, ist unterm 10. Oktober ergangen und inzwischen den Schulleitern üuermittelt worden. An Stelle des Unterrichts sind Schulfeiern zu veran­stalten, in denen die Bedeutung des Tages hervorgehoben wird.

* Stenographentag. Zu unserer vorgestrigen Notiz wird uns mitgeteilt, daß Herr Jakob Becker vom hiesigen Stenographen» verein nicht einen zweiten, sondern einen ersten Preis erzielte.