mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und ..Landwirtschaftliche Beilage".
JIS 241 die Post 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M ~' frei ins Haus. — Verlag von Dr. E. Hitzeroth. — Druck der Unto.«
1913
Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Erstes Blatt
ziemlich komisch anmutende Art
Newyork, 13. Okt. Der früher angehörende Ingenieur Buna«
zwar echt französische, aber immerhin der Rücktrittsankündigung.
** Eine Kritik am Panamakanal. der französischen Panama-Gesellschaft
Zeder Rabatt gilt al» Barrabatt. — Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
Die „Oberhrsfische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis b-trägt vierteljährlich durch
Hand behalte. Dazu sei erforderlich, daß der Staat bezw. di« Patronatsbehörden die Haftpflicht für die Lehrer übernehmen.
— Die badischen Kammerwahlen. Karlsruhe, 13. Okt. Wie zuverlässig verlautet, findet die Stichwahl zur Zweiten Kammer am 30. Oktober statt. Die Hauptwahlen sind bekanntlich auf den 21. d. M. festgesetzt.
— Rheinschiffahrt und Rheinregulierung. Straßburg, 13. Okt. Als letzter Programmpunkt der 9. ordentlichen Haupttagung des Vereins zur Wahrung der Rheinschiffahrtsinteresien folgte gestern vormittag bei günstigem Wetter eine Dampferfahrt auf der tegulieiten Rheinstromstrecke bis Lauterburg, die sich in An, ordnung und Verlauf reizvoll und höchst lehrreich gestaltete. Gegen 90 Herren nahmen an der Fahrt teil, Jnteresientenvertreter vom Mittel- und Niederrhein bis nach Holland hinunter. Die technische Führung an der Hand von graphischen Darstellungen lag in der Hand des kaiserlichen Wasserbau-Inspektors, desien verdienstvolles Werk die Durchführung der Stromregulierung ist. Bei dem hernach an Bord gegebenen Frühstück hieß Bürgermeister Dr. Schwander und Geheimer Kommerzienrat Eißen namens der Stadt Straßburg und namens der Handelskammer die Gäste willkommen. Nach der Landung in Lauterburg wurden unter Führung der Herren Dr. jur. Huber und Kramer die ausgedehnten Kohlenvorbereitungsanlagen der Firma Raab, Karcher u. Co^ Straßburg-Duisburg, besichtigt.
— ReichslSndischrs. Straßburg, 13. Okt. Die Intendanz der Straßburger Stadttheaters hat das fünfaktige Volksstück aus den Befreiungskriegen „Das Eiserne Kreuz" von Artur Dinier ab, gelehnt mit der unglaublichen Begründung, daß man in Straßburg mit Rücksicht auf die Bevölkerung kein Stück aufführen könne, das an die Zeit der Befreiungskriege erinnere. Der Verfasier, ein geborener Elsässer, hat sich über diese Begründung der Ablehnung beim kaiserlichen Statthalter beschwert. — Die reichsländische Regierung hat wegen ihres oft allzu großen Entgegenkommens gegen das Franzosentum schon manches Kopfschütteln erregt. Diese neuste Leistung ist aber derart, daß man nicht ohne weiteres an die Richtigkeit der Meldung glauben kann.
— Ausschlußverfahren gegen Borchardt. Berlin, 13. Okt. Gegen den ehemaligen sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Julian Borchardt, der nicht wieder als Kandidat ausgestellt wurde, weil er seine Wahlpflicht bei der Ersatzwahl versäumt hatte, ist das beantragte Ausschlußverfahren tatsächlich eröffnet worden: Borchardt dürft« sich bereits im Laufe dieser Woche vor dem Parteigerichte zu verantworten haben.
— Bebel» Reichtum. Berlin, 11. Okt. Der „Vorwärts" hatte kürzlich gemeint, di« Hinterlassenschaft Bebel» betrage etwa 400 000 Francs, genau« Aufstellungen seien aber noch nicht erfolgt. Der „Pom- merschen Tagespost" wird nun aber aus Berlin geschrieben, daß Bebel zu Lebzeiten neben einem Jahreseinkommen von über 20 000 «M ein Vermögen von 670 000 Mark verüeuert habe, wozu noch Vermögenswerte in der Schweiz kämen. Dazu schreibt die „D. Tgsztg.": Der „Vorwärts" wird sich zu dielet" Angabe wohl äußern müßen. Im übrigen dürste e» bei den Genossen selber einiges Befremden erregen, daß Bebel der Partei nur «inen recht winzigen Bruchteil seines Vermögens vermacht hat.
Ausland.
• • Die Heerescermehrung in Oesterreich-Ungar«. Budapest, 13. Okt. Der „Pester Lloyd" meldet: Ueber die ziffernmäßige Höhe des neuen Rekrutenkontingents und die Verteilung der finanziellen Lasten der neuen Wehrreform auf einen längeren Zeitraum ist zwischen der österreichischen und ungarischen Regierung eine Uebereinstimmung erzielt worden. Ministerpräsident Graf Tisza berichtete heute in einer Audienz dem Monarchen über die betreffenden Beschlüsse des ungarische« Ministerrats.
— Bevorstehender Rücktritt des franzöfische« Kriegsminifters. Paris, 13. Okt. Auf einem zu Ehren des Kriegsminifters Etienne t« Longwy veranstalteten Festmahl gab der Bürgermeister dem Wunsche der Bevölkerung Ausdruck, daß die aus dem 17. Jahrhundert stammenden Festungswerke, welche die Entwickelung der Stadt hemmten, aus- gelasien werden möchten. In seiner Antwortrede deutet« Etienne an, daß er vielleicht nicht mehr lange an der Spitze der Kriegsverwaltung bleiben werde, indem er sagte: „Nach einer durchaus der Republik gewidmeten Laufbahn ist jetzt die Stund« für mich gekommen, wo ich anderen die Fortsetzung des Werkes überlassen soll, dem ich niemals untreu geworden bin. Morgen werde ich vielleicht nicht mehr an der Spitze der Armee stehen. Ich werde diesen Posten verlassen mit der stolzen Ueberzeugung, meine Pflicht erfüllt zu haben." — Das ist ein«
Varilla erklärte, der Panamakanal werde sich in 20 bis 30 Jahren als ungenügend erweisen, und eine Vertiefung des Kanals bis zum Meeresboden werde notwendig sein. Der Bau des Kanals als Niveaukanal sei unrichtig.
* * Deutsch« Sympathie« in Spanien? Paris, 13. Ost. Die Begeisterung des spanischen Volkes über das spanisch-französische Bündnis scheint nicht so allgemein gewesen zu sein, wie sie in der französischen Presse geschildert wurde, im Gegenteil, in Barzelona sollen sich am, vergangenen Donnerstag Unruhen ereignet haben, die einen ausgesprochen ontifranzösischen Eharakter trugen. Die Unruhen trugen weder einen nationalistischen noch revolutionären Eharakter, sondern waren einzig und allein politischer Natur. Si« fanden ohne irgend welche Vorbereitungen vor dem französischen Konsulat statt. Es wurden Ruse laut: „Nieder mit Frankreich", „Nieder mit Poincare", .Hoch Deutschland!" Einen ganz besonders starken Widerhall fand das Hoch auf den Deutschen Kaiser. Es wurden spanische und deutsche Fahnen geschwungen, auf denen mit Riesenlettern stand: „$ßir wollen kein Bündnis mit Frankreich, wir wollen «in spanisch-deutsches Bündnis. Di« Kundgebungen nahmen «inen so ernsten Eharakter an, daß die gesamte Garnison mobilisiert werden mußt« und 24 Stunde» lang der Kriegszustand über di« Stobt verhängt werden mutzte.
* * Der mexikanische Staatsstreich. Newyork, 13. Okt. Nach einem Telegramm au» Mexiko erklärte der Minister Aldape, daß die verhaf-
Deutsches Reich.
— Der 70. Geburtstag des Grafen Lerchenfeld. Berlin, 13. Okt. Aus Anlaß des 70. Geburtstages des bayrischen Gesandten in Berlin, Grafen Lerchenfeld, ist auf der bayrischen Gesandtschaft eine sehr große Menge Glückwünsche eingelaufen, darunter Telegramme des Kaisers und des Reichskanzlers, der namens der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung seine Glückwünsche aussprach, des Königs von Sachsen, zahlreicher bayrischer Prinzen und einer Reihe anderer Fürstlichkeiten, der Senate der Freien Städte, des Bundesrats, sämtlicl-er Staatssekretäre und aller preußischen und bayrischen Staatsminister.
— Der neue Präsident der Ansiedlungskommission. Posen, 13. Okt. Nach authentischer Mitteilung ist der Oberregierungsrat Ganse in Berlin zum Präsidenten der Anfiedlungskommission ernannt worden. Er ist der Nachfolger des Dr. Gramsch.
— Entsendung eines deutschen Kriegsschiffes nach Mexiko. Köln, 13. Okt. Ein Berliner Telegramm der „Köln. Ztg." meldet: Rücksichtlich der Lage in Mexiko steht die Entsendung eines deutschen Kriegsschiffes nach Mexiko bevor. — Nach Heimbeorderung des Kreuzers „Bremen" ist gegenwärtig die amerikanische Station gänzlich unbesetzt. Daß das, zumal bei der gegenwärtigen Lage in Mexiko, ein unhaltbarer Zustand ist, liegt auf der Hand.
— Krankenkasien und Aerzte. Leipzig, 12. Okt. Der Aerzte- verband meldet: Die vereinigten Kassenverbände haben den vom Aerzteverband und Leipziger Aerzreverband gemeinsam gemachten Friedensvorschlag rundweg abgelehnt: sie wollten weder mit den Organisationen der Aerzte verhandeln, noch zeigen sie hinsichtlich der freien Arztwahl und der Bemessung des Honorars irgendwelches Entgegenkommen. Die den beiden Aerzteverbänden angeschloffenen Unterorganisationen müffen hiernach den Abschluß von Verträgen mit Krankenkaffen ablehnen, bis ein sofort einberufener Aerztetag endgültig Stellung genommen hat.
'— Vertretertag der Nationalliberalen Jugend. Leipzig, 12. Okt. Der Vertretertag der Nationalliberalen Jugend fand gestern in Leipzig statt. In einer öffentlichen Versammlung sprach Pfarrer D. Förster (Frankfurt) über die Trennung von Staat und Kirche. Der Redner erklärte, die deutschen Verhältnis seien andere als in Frankreich. Er sprach sich gegen eine Trennung aus und verlangte in einer Entschließung eine Gesetzgebung, die den liberalen Forderungen nach Gerechtigkeit, Gewiffensfrei- heit und Erziehung zum friedlichen Zusammenleben der verschiedenen Glaubensbekenntnisse im nationalen Staate gerecht wird. Entschieden sprach er sich aus gegen eine Simultanschule, die lediglich ein Schlagwort bedeute, mit dem man Uebergriffe des Kleri- kalismu» abwehren wolle. Die großen nationalen Werte, die der Religion zu verdanken seien, dürfe man nie vergeffen. Den Jahresbericht erstattete Rechtsanwalt Dr. Kaufmann. Den Konservativen machte er den Vorwurf, sie hätten eigensinnig und eigensüchtig die Mitarbeit an der großen nationalen Aufgabe der Wehrvorlage abgelehnt. Die ganze Arbeit sei von einer Verbin- düng von Liberalen und Zentrum unter der glänzenden Leitung von Baffermann und Schiffer auf nationaler Seite geleistet worden. Jena ist für die Jungliberalen ein Beweis, daß man mit der Sozialdemokratie zusammenarbeiten könne. Der Redner erklärte sich gegen „Ausnahmegesetze" und meinte, der altnationalliberalen Organisation werde es nicht gelingen, die freiheitlichen Grundsätze der Partei zu „erschüttern". Der diplomatische Dienst wurde besonders kritisiert. Der Redner schloß, indem er sagte, daß in Deutschland di« Bürokratte und Aristokratie herrsche, gegen die man Einspruch erheben müffe. Im Sinn« der Ausführungen de, Kämet, wurde ein« große Entschließung an- genommen.
— Philologeukonferen^ Berlin, 13. Okt. Die alljährliche Vertreter-Konferenz der preußischen Philologenvereine, denen fast alle Direktoren und Oberlehrer angehören, fand am 4. und 5. Ott. in Berlin statt. Besonders eingehend wurde die wünschenswert erscheinende Aenderung der Prüfungsordnung für das höher» Lehramt sowie die Mittelschullehrerfrage beraten. Es wurde ferner erttärt, daß es sich empfehle, bei der Aufstellung des Haushalts für die höheren Lehranstalten auf die Einsetzung eines Postens für ein«, Schularzt Bäracht zu nehmen. Sodann wurde es als dringend wünschenswert bezeichnet, t ß die Schule di« Förderung der körperlichen Ausbildung ihrer Schüler in der
daß, wenn es zu einer Vorlage an den Landtag käme, das Gutachten die Grundlage der Vorlage — deren Entwurf übrigens im Justiz. Ministerium bereits ausgearbeitet wurde — bilden würde."
Bom Balkan.
Gleichzeitig mit der Auswechselung der Ratifikationen des türkisch-bulgarischen Friedensvertrages hat der türkische Ministerrat die Prüfung des türkisch-französischen Finanzabkommens beendet und beschloffen, Dschavid Bey zur Unterzeichnung zu ermächtigen.
Die serbische Regierung befahl, daß die serbischen Truppen an der serbisch-japanischen Grenze den Vormarsch auf der ganzen Linie einstellen.
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Marburg
Dienstag, 14 Oktober
Rundschau.
Eine Erklärung de» Grafen Zeppelin.
Am Anfang dieses Monats ging die Nachricht durch die Preffe, daß ein Herr Unger ein Stahlluftschiff konstruiert habe, das gegenüber den Zeppelinluftschiffen den Vorteil größerer Festigkeit haben und also ein im ganzen vor allem für Heeres- und Marinezwecke brauchbareres Fahrzeug sein soll. Die „Deutsche Tageszeitung" hatte in einem Aufsatz das deutsche Volk aufgefordert, die Mittel zum Bau Ungcrscher Stahlluftschifse aufzubringen, da diese sonst in England gebaut würden, wodurch Deutschland die Vorherrschaft in der Lustschiffahrt verloren ginge. Graf Zeppelin hat daraus eine Erklärung veröffentlicht, in der •s u. a. heißt:
„Eine ungerechtfertigte Sorg« darf man unsrem Volke nicht aufdrängen und unnötige Opfer von ihm nicht fordern. Beides geschieht in diesem Falle, weil man an die große Ueberlegenheit der Ungerschiffe über die Zeppelinschifse glaubt. Zu diesem Irrtum soll ich selbst dadurch beigetragen haben, daß ich Herrn Unger gegenüber die Vorzüglichkeit seiner Schisse rückhaltlos anerkannt hätte. Das Gegenteil ist der Fall. Selbstrefftäudlich würde ich mich, wie jeder gute Deutsche, freuen, wenn wir viel tüchtigere Luftschiffe bekämen, als di« meinen zurzeit sind und wozu si« sich entwickeln werden. Wo ich Besseres entstehen sehe, werde ich stets bereit sein, zur Verwirklichung beizutragen, unb jedenfalls dieser nicht im Wege stehen. In solcher Gesinnung habe ich mir das Ungersche Modell angesehen. Wohl habe ich den außerordentlich festen Bau des Schiffes und einige ander« vorzügliche Einrichtungen durchaus anerkannt, aber es nicht minder offen ausgesprochen, daß dies« Bauweise, weil zur Anwendung der wagerecht liegenden, langgestreckten Gaszellen nötigend, immer zu schweren Schiffen führen müsse. Einen von Unger für sein Luftschiff erhofften freien Nutzauftrieb von ungefähr 5000 Kilogramm bezeichnete ich als gänzlich ungenügend: er müßt« für den Gebrauch um das mehrfache höher sein. Eine Neuheit ist der Gedanke von Leerzellen zur Aufnahme des aus den vollen verdrängten EMs nicht. Das erst« Schütte-Lanz-Schiff besaß jene in Gestalt von Ringen. Sie mußten aber entfernt werden, weil sie — rote voraus- »usehen war — das Schiff zu schwer machten. Ich muß leider gestehen, »aß auch meine erste Patentanmeldung für ein Luftschiff solche Leerheiten auswies. Ich habe aber meinen Mißgriff erkannt, lang« bevor ich zur Bauausführung schritt."
Unseres Erachtens hat die „Deutsche Tagesztg." mit ihrer Erwiderung recht, in der sie schreibt: „Die dem deutschen Volke zugemutete Leistungen: durch ein paar Hunderttausend Mark Bauausführung und Versuche mit einem Ungerschen Luftschiffe zu ermöglichen, sind doch nicht so enorm, daß man darin „ungerechtfertigte Opfer" erblicken könne, vor denen das deutsche Volk zu warnen wäre." Höchst erfreulich wäre es jedenfalls, wenn sich durch Verwendung der Vorzüge beider Modelle ein Luftschiff bauen ließe, daß allen Anforderungen an völlige Kriegsbrauchbarkeit entspräche. Hoffentlich entschließt sich Graf Zeppelin noch |tt einem ersprießlichen Zusammenarbeiten mit Herrn Unger.
Di« bayrische Regierung zur Königsfrage.
Die „Bayrische Staatsztg." veröffentlicht in ihrer gestrigen Nummer nachstehende Erklärung zu dem in der Preffe besprochenen Gutachten in der Königsfrage, die zugleich deffen Wortlaut bekannt gibt:
In mehreren Zeitungen wurden in den jüngsten Tagen Auszüge aus dem Gutachten über die Beendigung der Regentschaft veröffentlicht. Die Staatsregierung sieht sich mit Rücksicht hierauf veranlaßt, das Gutachten hiermit zur öffentlichen Kenntnis zu bringen. Schon zu Lebzeiten des Prinzregenten Luitpold war, insbesondere in der Kammer der Abgeordneten angeregt worden, daß di« Regentschaft endigen und Prinzregent -Luitpold König werden solle. Die Frage wurde zwar dadurch erledigt, daß der damalige Vorsitzende des Ministerrates Int Landtage als allerhöchste Willensmeinung Sr. Kgl. Hoheit des Prinzregenten Litüpsld dessen Wunsch kundgab, es möge an den bestehenden Verhält- nifmt nichts geändert werden. Allein der Gedanke, daß Bayern wieder «inen regierungsfähigen König erhalte, blieb in weiten Kreisen der Bevölkerung wach uitb war auch später wiederholt Gegenstand der Erörterung. Ueber die Art und Weise, wie dies geschehen könne, wurden verschiedene Ansichten geäußert. Von einer Seite wurden insbesondere vorgeschlagen, die Vormünder König Otto» sollten auf die Krone ver- zichten. Von andrer Seite wurde die Meinung vertreten, nach bayrischem Recht« sei die Regierungsfähigkeit Voraussetzung der Thron- folgefähigkeit. Der Regent könne also bei einer lange dauernden Regentschaft den König für dauernd regierungsunfähig erklären und sich selbst ohne Mitwirkung des Landtages zum Könige proklamieren. Als nach menschlicher Voraussicht mit dem nahen Tode des Prinzregenten Luitpold gerechnet werden mußte, erachtete es die Staatsregierung als ihre Aufgabe zu prüfen, ob nicht gelegentlich des Wechsels in der Regentschaft die Frage der Beendigung der Regentschaft und der Herstellung des normalen Zustandes gelöst werden solle. Der Ministerrat ersuchte daher den Justizminister über bi« Frage ein Gutachten auszuarbeiten. Der Justizminister legte sodann das Gutachten dem Ministerrat vor. Da von den in der Literatur besprochenen Wegen der der Proklamation eine nicht unerhebliche Zahl von Anhängern hatte, so befaßte sich das Gutachten zunächst mit diesem Wege. Es rotes nach, baß dieser Weg aus rechtlichen und politischen Gründen ungangbar Set In seinem zweiten Teile schlug das Gutachten dann den Weg vor, >er nach der Ansicht des Justizministeriums rechtlich zulässig war. Dieses Gutachten war, wie bemerkt, nur für den Ministerrat bestimmt und fand Zuch die Billigung des Ministerrates. Rach dem Tod« des Prinz- tegenten Luitpold suchte die Staatsregierung, mit dem Landtag« über >te Königsfrage Fühlung zu nehmen. Zu diesem Zwecke gab si« einigen Mitgliedern der Kammer der Reichsräte von dem Gutachten dtzs 8ustizminist«rlums Kenntnis. Auch teilte st« einigen Mitgliedern der Kammer der Abgeordneten — und zwar selbstverständlich den Mit- tliedern aller Parteien — das Gutachten zur Information mit. Bei von Besprechungen in den Fraktionen wurde dabei zum Ausdruck gebracht, daß das Gutachten an sich nur für den Ministerrat bestimmt gewesen sei, jedoch die Billigung des Ministerrats gefunden hab« und
Albanien.
London, 13. Ott. Prinz Wilhelm von Wied hat feine Anwesenheit in Sinaia zu längeren Konferenzen mit König Karol von Rumänien, feinem Oheim, benützt. Nach eitler Meldung des „Daily Telegraph" soll der Prinz fest entschloffen fein, die Krone Albaniens anzunehmen.
V a l o n a, 13. Okt. Die provisorische Regierung wurde von Effad Pascha aufgefordert, daß sie, falls sie sich nicht entschließen könne, nach Durazzo überzusiedeln, wenigstens eine andere Stadt als Sitz wählen möge; damit ist offenbar Elbaffan gemeint.
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