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deren Raum 15 4, bet amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 -J, für, xSUylfle;

1913

Erstes Blatt

eine hochentwickelte Haden. Ist doch der zweitbeste Oesterreich Staaten, Belgien, während die großen

Kultur und eine weit vorgeschrittene Industrie beste Kund« der deutschen Industrie England, der und sind ferner Frankreich sowie die Vereinigten Niederlande sehr aufnahmefähige Absatzmärkte, weniger kultivierten Gebiete in den andern Erd-

Ma d r i d, 10. Okt. Gegenüber der von einem Teil der öffentliche« Meinung ausgesprochenen Besorgnis, daß Spanien durch eine Entente mit Frankreich gezwungen fein könnte, seine Rüstungen zu vermehren, führt beiLiberal" aus, daß Ententen und selbst Bündnisse keineswegs notwendigerweise ein offensives oder defensives Vorgehen nach sich ziehen müßten. Dafür biete die Neutralität Frankreichs im russisch* japanischen Krieg ein Beispiel.

teilen auch für die deutsche Industrie eine bei weitem geringere Rolle spielen. Damit sind die Befürchtungen zerstreut, die gelegentlich dahin geäußert worden sind, als ob mit der steigenden Industrialisierung der Auslandsstaaten die deutsche Industrie ihr« Absatzmärkte verliefen würde. Die bisherige Erfahrung hat diese Befürchtungen widerlegt, und es dürfte auch für die Zukunft an der Tatsache nichts geändert wer­den, daß für die wachsende Industrie Deutschlands auch wachsende Ab­satzmärkte sich ausbreiten werden, wenn die deutsche Industrie es ver­steht, durch Qualitätsarbeit, durch Anpassung an die industrielle Diffe­renzierung der Welt und durch kommerziell« und technische Ueberlegen- heit ihren Rang gegenüber den mitbewerbenden Staaten zu behaupten und wenn die deutsche Handelspolitik stets auch bemüht ist, bei Vertragsabschlüssen die deutschen Industrie-Interessen zu wahren.

Vom Balkan.

Sie Serben ie Albanien.1

Belgrad, 10. Okt. Die serbischen Truppen haben alle wich« tigen Stellungen an der Wasserscheide zwischen dem Drinfluß und dem Adriatischen Meer besetzt und sofort befestigt. Aus einem von Pasitsch im Klub der Radikalen gehaltenen ExposS will man er- seehn, daß Serbien im Einvernehmen mit den Großmächten die besetzten Punkte in Albanien behalten wird.

V e l g r a d, 10. Okt. Die umzingelten Albaner beabsichtigen,' sich den Serben zu ergeben und um Gnade zu bitten.

Saloniki, 10. Okt. Nach Berichten aus Monastir ziehen sich die Arnauten zwar auf der ganzen Linie zurück, doch dürfte die Unterdrückung des ganzen albanischen Aufstandes gegen Serbien noch etwa eine Woche beanspruchen.

Belgrad, 10. Okt. Wie aus bester Quelle mitgeteilt wird, hat der Ministerpräsident Pasitsch in der gestrigen Skvpschtina- sitzung bestimmt erklärt, daß Serbien unter allen Umständen auf einer Erenzberichtigung gegenüber Albanien bestehen werde. Die Regierung hat angeordnet, daß die Truppen nicht weiter nach Al­banien vordringen sollen. Der Vormarsch ist eingestellt.

Belgrad, 10. Okt. Zn politischen Kreisen verlautet, die Regierung werde bestimmt von der internationalen Abgrenzungs- Kommission für Nord-Albanien eine Berichtigung der auf der Londoner Botschafter-Konferenz festgelegten Grenze verlangen.. Serbien beansprucht eine Anzahl wichtiger strategischer Punkte. Es heißt, die serbische Regierung werde unbedingt auf einer Erenz­berichtigung bestehen. Der russische Gesandte Hartwig, der von seiner Reise nach Wien heute zurückgekehrt ist, hatte eine längere Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Pasitsch.

Belgrad, 10. Okt. Zn Beantwortung einer Interpellation in der Skupfchtina erklärte der Minister des Aeußern, daß die Re­gierung ihre ganze Aufmerksamkeit der Frage der Organisation des Postwesens, besonders in den neuerworbenen Gebieten, zu« wende und deshalb an die deutsche Regierung das Ersuchen gerich­tet habe, einen höheren Postbeamten nach Serbien zu senden, der das serbische Postwesen eingehend zu studieren und der serbische« Regierung geeignete Vorschläge zu unterbreiten hätte.

Friedliche Klänge.

B u k a r e st, 10. Okt. Das offiziöse BlattPolitika" schreibt: Zn der ausländischen Presse sind fantastische Nachrichten über die Haltung Rumäniens gegenüber den neuen Ereignissen auf d'er Valkanhalbinsel veröffentlicht worden. Die rumänische Regierung welche ihre Ruhe bewahrt, glaubt an keine neuen Konflagra­tionen. Diese Versicherung ist vom Ministerpräsidenten Majorescu gegeben worden und auch der König hat sich in dem in Sinaia ab­gehaltenen Kronrat im gleichen Sinne ausgesprochen. (

Saloniki, 10. Okt. Die griechisch-bulgarische Militärkon­vention zur Absteckung der bulgarisch-griechischen Demarkations­linie hat ihre Arbeiten ohne Zwischenfall beendet und ist hierher zurückgekehrt. Alle Streitfragen hinsichtlich der Abgrenzung wur­den in beiderseitigem Einvernehmen gelöst.

Konstantinopel, 10. Okt. Die Demobilisierung soll am 13. Oktober beginnen. Die Hafenbehörde ist beauftragt worden, am 13. Oktober alle Transportschiffe zur Verfügung des Oberkom­mandos bereitzuhalten. Die Zeitungsmeldung von der Aus­fahrt der türkischen Flotte nach den Dardanellen ist unrichtig. Die Flotte, welche seit Beginn des Krieges in den Dardanellen lag, ist / hier eingelaufen und befindet sich gegenwärtig zur Reparatur und Instandsetzung im Goldenen Horn. Die Besetzung Westthraziens durch bulgarische Truppen ist um 10 Tage verschoben worden.

Reklamen die Zeile 60 4. Bet Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 de» Postscheckamtes Frankfurt a. M.

DieLberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post 2.25 M lohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 <M fiel ins Haus. - Verlag von Di. E. Hitzeroth. Druck der Univ.- Buchdruckerei 3. A. Koch (Inh. Dr. E. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Deutsches Reich.

Born Kaiser. Wie zuverlässigerseits mitgeteitt wird, trifft her deutsche Kaiser am 26. Oktober zum Besuch des Kaisers Fran- Joses in Schönbrunn ein und bleibt bis zum Abend des 26. Oktbr. Der Besuch trägt teilt intimen Charakter. Ein offizieller Empfang ßbchM»1cht tzlÄ. - : - .....-. . i

sichts der Haltung der Welfenpartei.Welfische Hinterhältigkeit" sagt diePost". Die anscheinenden Widersprüche zwischen den welfischen Auffassungen und der Erklärung des Prinzen lösen viele mit der Annahme, daß beide darauf hofften, Preußen werde einst aus dem Gefühl für das Unrecht, das es 1866 begangen habe, dem Welfenhause Hannover zurückgeben.

Viele nationale Blätter erinnern an die Rede, die Fürst Bülow am 1. Mai 1907 gehalten hat und führen dazu folgende Stelle an:Zn der Sache selbst ist davon auszugehen, daß das Reich eine Agitation nicht dulden kann, die gegen seine zu Recht bestehende politische Struktur gerichtet ist. (Lebhafte Zustimmung rechts und links.) Daß mit dem Einzug des Hauses Cumberland in Braunschweig die welfische Agitation in Hannover einen festen Stützpunkt erlangen würde, wenn dagegen nicht rückhaltlose Zu­sicherungen und ausreichende Bürgschaften geboten werden, ist ohne weiteres klar. Und wenn das irgend jemandem nicht klar gewesen wäre, so würden wohl in dieser Richtung die Ausführun­gen, die wir soben gehört haben (die Rede des welfischen Führers Olenhusen ist gemeint) (Große Heiterkeit), den letzten Zweifel zer­streut haben. Es ist keine ausreichende Bürgschaft, wenn Seine Königliche Hoheit der Herzog von Cumberland erklärt, daß er sich auf den Boden der Reichsverfassung stelle und daß er eine gewalt­same Aenderung derselben nicht begünstigen würde. Ein solches passives Verhalten reicht nicht aus. Der Herzog müßte positiv auf» treten, et müßte für sich und sein ganzes Haus rückhaltlos und für alle Zeiten auf Hannover verzichten (lebhafte Zustimmung rechts und links), und die Führer der welfischen Agitation müßten ver­anlaßt werden, sich einer solchen Erklärung ihrerseits ebenso rück­haltlos anzuschließen. Es handelt sich in dieser Frage nicht um ein spezifisch preußisches Interesse, oder um ein Interesse des Hauses Hohenzollern, sondern es handelt sich um ein Lebensinteresse der gesamten Nation."

Hier ist allerdings die Notwendigkeit des staatsrechtlichen Verzichtes scharf darglegt, den heute die preußische Regierung als überflüssig betrachtet. Zedensalls erscheint die Angelegenheit auch heute noch verwickelter als je. Die Welfen ihrerseits treten nach ihrem Vorstoß wieder etwas zurück und wie es scheint, hat man in Gmunden das Gefühl, daß die Dinge mit etwas mehr Vorsicht be­handelt werden müssen. Das zeigen folgende Dementis:

B e r l i n , 9. Okt. Auf telegraphische Anfrage an der zustän­digen Stelle in Gmunden ist dieNeue Gesellschaftliche Korrespon­denz" ermächtigt, die Behauptung, zwischen dem Kaiser und dem Herzog von Cumberland bestehe eine Verstimmung, als unwahr zu dementieren und gleichzeitig zu erklären, daß der Herzog seit drei Monaten niemand von der Welfenpartei empfangen hat.

DieKöln. Ztg." aber schreibt:

Berlin, 10. Okt. In Erörterungen über die Emundner Erklärungen wird darauf angespielt, daß der Herzog von Cumber­land das Deutsche Volksblatt, das hannoversche Organ der Welfen­partei, bis zum heutigen Tage mit jährlich 20- bis 25 000 «M unter­stütze. Diese Behauptung kann nach Erkundigungen als durchaus irrig bezeichnet werden. Tatsächlich hat der Herzog von Cumber­land seit den neunziger Zähren, seit der Auszahlung der Zinsen des Welfenfonds, der welfischen Presse keinerlei materielle Unter­stützungen mehr zugewandt.

Poincare in Spanien.

Earthagena, 10. Ott. Der König und Präsident PoincarL sind heute vormittag hier eingetrossen.

Eaithagena, 10. Okt. Bei der Ankunft des Königs und des Präsidenten PoincarL feuerten die französischen und di« spanischen Pan­zerschiff« und der englische PanzerkreuzerInvincible" Salut. König Alfons begab sich auf das PanzerschiffEspana", Präsident PoincarL auf das französische PanzerschiffDiderod". Um 11 Uhr machte Poin- care dem König einen Besuch an Bord derEspana". Der König und der Präsident besuchten sodann den englischen SchlachtkreuzerJnvin- cible" und begaben sich zusammen auf denDiderod", wo der Präsident dem König ein Frühstück gab. Der König und der Präsident richteten ein gemeinsames Telegramm mit ihrer Unterschrift an den König von England, welches lautet: Wir vereinigen uns, um Eurer Majestät dafür zu danken, daß Sie denInvincible" in die Gewässer von Earthagena entsandt haben. Wir freuen uns, dieses schön« Panz«rschiff miteinanbet besuchen zu können. Wir bitten Eure Majestät, von neuem di« Ver­sicherung unserer herzlichsten Freundschaft entgegenzunehmen. Der König hat den französischen Admiralen Bus be apeyrers, la Eaz« und Nicol das Eroßkreuz des Ordens des Verdienstes zur See verliehen.

Earthagena, 10. Ott. Nach dem Besuche des Präsidenten PoincarL beim König von Spanien vereinbatten der spanische Minister­präsident, der spanische Minister des Aeußeren und der ftanzösische Minister des Aeußeren folgendes ComrnuniquL übereinstimmend: Die Unterhaltungen zwischen Romanones, Munoz und Pichon erstreckten sich auf alle politischen, wirtschaftlichen und Handelsfragen, welche Frank­reich und Spanien interessieren. Sie erlaubten sich die Feststellung voll­kommener Uebereinstimmung in den Anschauungen der Vertreter der beiden Länder. Ihr« Polittk in Afrika und Europa entwickelt sich ge­mäß den Grundsätzen, wie sie in den Uebereinkommen von 1904, 1907 und 1912 niedergelegt sind, und läßt sich immer mehr leiten von den Gefühlen der Entente und herzlicher Freundschaft, welche sowohl die Interessen wie auch den Bestrebungen und Bedürfnissen der beiden Völker entsprechen. Diese Grundsätze werden eine ganz natürliche An­wendung finden, sowohl in der allgemeinen Polittk der Regierungen von Pari» und Madrid, wie in besonderen Fragen, die sich an das Werk anknüpfen, das sie in Marokko vollenden.

Madrid, 10. Ott. Die Besprechungen zwischen den Vertretern der ftanzöfischen und spanischen Geschäftskreise über die Möglichkeit eines Handelsabkommen» haben heute begonnen. Der Sonderberichter- statter bei .Libertt" meldet aas Earthagena, er habe an den spanische« Marineminister die Frage gerietet, welche Bedeutung bei Flottenkund­gebung innewohne. Der Minister habe auf bie an den Masten wehen­den Flaggen Spaniens anb Frankreich» gezeigt «d erwidert: Antwort flattert da pben.

" sjschland auf den Märkten der Welt«

lieber die Verflechtung Deutschlands in die Weltmarktsinteressen gibt das soeben erschienene statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich sehr irfftruttiv? Mitteilungen. Der deutsche Außenhandel hat im Jahre 1912, soweit der Epezialhandel in Frage kommt, die Gesamtsumme von 19 648,2 Millionen Mark erreicht, also nahezu 20 Milliarden, wovon 10 691,4 Millionen auf die Einfuhr und 8956,8 auf die Ausfuhr ent­fallen. Sowohl in der Einfuhr als auch in der Ausfuhr spielt, wie wir derDeutschen Industtie-Korrespondenz" entnehmen, der europäische Kontinent die Hauptrolle. Die Einfuhr aus europäischen Ländern nach Deutschland ' Milliarden Mark.?:ib die Ausfuhr aus

Deutschland i,.. ...päischen Ländern 6,74 Milliarden beträgt. Bei weitem der grüß e Teil der deutschen Ausfuhr bleibt also in Europa, soweit wenigstens die statistischen Ziffern über den Weg, den die deut­schen Erzeugnisse nehmen, Auskunft geben. Innerhalb der europäischen Länder nimmt England den größten Teil der deutschen Ausfuhr auf, nämlich für 1161 Millionen Mark. Es folgen dann Oesterreich-Unga-n mit 1035,3 Millionen, dahinter Frankreich mit 689,4 Millionen, Ruß­land mit 679,8 Millionen Mark. In weiterem Abstande folgen dann die Schweiz, welche für 520,5 Millionen, Belgien, das 493,3 Millionen, Italien, das 401,2 Millionen und Dänemark, das 254,2 Millionen Mark der deutschen Einfuhr aufnimmt. Die Balkanstaaten sind mit verhält­nismäßig kleinen Ziffern vertreten. Am stärksten ist noch Rumänien mit 131,7 Millionen an der Aufnahme der deutschen Ausfuhr beteiligt. Auf Bulgarien entfallen nut 28,6 Millionen, auf Serbien 18,5 Millionen, auf Griechenland 18,9 Millionen der deutschen Ausfuhr, dagegen hat die Türkei im Jahre 1912 112,8 Millionen der deutschen Ausfuhr aufge­nommen.

Die nach Afrika ausgesührten Waren repräsentieren einen Wert von 185,3 Millionen Mark. Der Hauptteil der Ausfuhr geht nach Brittsch- SLdafrika, an zweiter Stelle steht Aegypten, hinter dem dann in großem Abstande Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Britisch-Westafrika and Kamerun folgen. Sehr gering sind die Ziffern unsrer Ausfuhr nach Abessinien, nach Tunis, den portugiesischen Kolonien in Afrika, dem Belgischen Kongo und Marokko. Hier ist noch viel zu tun und mit der Entwickelung der afrikanischen Kolonien dürfte auch dieser Markt der deutschen Industtie für di« Zukunft Absatzmöglichkeiten bieten. Be­deutend größer als nach Afrika ist die deutsche Ausfuhr nach Asien, di« mit 420,2 Millionen Mark zu Buch steht. An der Spitze steht hier Japan, dem dann Britisch-Indien, China, Niederländisch-Indien folgen. Persien hat nur 3,6 Millionen, die Philippinen nur 9,3 Millionen, Siam 6,4 Millionen der deutschen Ausfuhr aufzuweisen. Doch zeigen die Ziffern hier ein, wenn auch langsames, so doch stetes Aufsteigen. Ame­rika hat im Jahre 1912 1496,4 Millionen der deutschen Ausfuhr aufge­nommen. An der Spitze stehen die Vereinigten Staaten mit 697,6 Mil­lionen Mark: es folgt dann Argenttnien mit 239,4 Millionen, Brasilien mit 192,8 Millionen, Chile mit 122 Millionen, in weitem Abstande dann Canada mit 54,3 Millionen, Mexiko mit 45,3 Millionen, Uruguay mit 38,5 Millionen, Euba mit 28,7 Millionen Mark an Werten deutscher Ausfuhr. Endlich haben Australasien und Polynesien 99,9 Millionen der deutschen Ausfuhr konsumiert. An der Spitze steht der Australische Bund, dem dann Neuseeland und Neuguinea folgen.

Dies« Ziffern beweisen die oft schon hervorgehobene Tatsack)«, daß bie besten Kunden eines Industriestaates solche Länder sind, die selbst

Politische Umschau

Ein neuer Spionageprozeß.

Leipzig, 10. Okt. Vor dem Reichsgericht begann unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Dr. v. Pelargus die Verhand- , lung gegen den Schankwirt Bernhard Kreutner und den Schlosser j Reinhard Dringenberg, sowie den Schlosser August Schäfers, samt» ; lich aus Essen und den Sprachlehrer Victor Silvestre de Sacy, * einen französischen Staatsangehörigen, zuletzt in Rodenkirchen 1 wohnhaft. Kreutner und Dringenberg werden beschuldigt, sich zu Spionagezwecken Zeichnungen der hydraulischen Pumpe und der schweren Eeschützturmkonstruktion 1908/12 sowie eines mechani-, schen Eeschoßansetzers verschafft zu haben. Dringenberg und Schä­fers sollen allein oder gemeinschaftlich eine Zeichnung der Pumpe der Akt.-Gesellschaft Krupp in Essen gestohlen haben. Kreutner j wird Hehlerei zur Last gelegt, Silvestre de Sacy dagegen soll mit Kreutner ein Spionageverbrechen im Sinne des 8 1 des Gesetzes verabredet haben, dessen Ausführung aber garnicht versucht ist. Es find 10 Zeugen und Sachverständige geladen. Die Verhand-, lung findet unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. I

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findet fortgesetzt gewaltiges Interesse. DieKöln. Ztg." führt aus, daß das Verlangen eines förmlichen Verzichtes eine unnötige Härte gegen den Herzog von Cumberland darstelle. Daß der Prinz in schroffer Form gegen die Welfenpartei Stellung nehme, könne man nicht verlangen. Dazu schreibt diePost": Es sei doch bekannt, daß im Jahre 1906 derselbe Herzog von Cumberland, dem man heute einesolche Demütigung nicht zumuten" darf, fie selbst angeboten hat, und daß derselbe Prinz Ernst August, der sie heute schroff ablehnt und lieber auf seine Ehe mit der Hohenzollernprin- zessin verzichtet hätte, damals öffentlich und amtlich diesen Ver­zicht auf sich zu nehmen bereit war. Worin heute dasselbe de­mütigend sein soll, was damals freiwillig angeboten wurde, ist uns nicht verständlich? Wenn man nicht folgende Betrachtung gelten läßt: Damals wollte Prinz Ernst August die Demütigung auf sich nehmen, weil die Ansprüche seines Hauses damit in keiner Weise berührt wurden. Prinz Ernst August verzichtete auf Braun­schweig, während sein älterer Bruder die Ansprüche auf Hannover aufrecht erhielt. Wenn dann in Braunschweig derarchimedische Punkt", wie Bismarck sich einmal ausgedrückt hat, gefunden war, dann konnte von dort aus der Hebel zur Verkleinerung Preußens angesetzt werden. Wenn diese Betrachtung nicht richtig ist, banif sehen wir nicht ein, warum der Prinz Ernst August nicht heute das erklären will, was er 1906 freiwillig zu erklären bereit war." Die Erörterungen sind im wesentlichen auf den Ton gestimmt, |tfle persönlichen Erklärungen könnten den notwendigen staats- jttchtlichen formellen Verzicht nicht ersetzen, namentlich nicht ange»

Marburg

Sonnabend, 11. Oktober

mit dem Kreisblati für die Kreise Marburg und Kirchham

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und .Landwittichaftliche Beilage".