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Erstes Blatt

Athen, 8. Okt. Von heute an wird der Ministerrat meh­rere Sitzungen der genauen Prüfung des türkischen Eegenentwurss widmen und sodann den ottomanischen Bevollmächtigten die ge- sahten endgiltigen Beschlüsse wissen lasten, die zur Grundlage der Verhandlungen dienen sollen. Die Prüfung ist nötig, da der otto- manische Eegenentwurf in mehreren Punkten, die man für ge­regelt hielt, einschneidende Aenderungen bringt, die sich sogar auf die Vakuffrage erstrecken, ja, wie die Blätter melden, an dem Souveränitätsrechte Griechenlands rühren. Der ehemalige Ge­sandte in Konstantinopel Eryparis nimmt wahrscheinlich an den Verhandlungen teil, die sich langwierig gestalten werden, da di« Vollmachten der ottomanischen Delegierten begrenzt sind.

A t h e n , 8. Okt. Der König reist voraussichtlich morgen mit einem Teil seines Stabes nach Saloniki ab. Die Reise dauert, falls nicht unvorhergesehene Umstände eintreten, etwa 12 Tage. Der Minister des Innern reist heute nach Saloniki ab, um die durch die Demission Dragumis freigewordene Stelle eines Eeneral- gouverneurs von Mazedonien provisorisch zu übernehmen.

Spanien und Frankreich.

Die Trinksprüch« in Madrid.

. Während des Ealadiners wechselten der König Alfons und der Präsident Poincarö Trinksprüche. In dem Trinkspruch des Königs heißt es nach der üblichen Bewillkommnung: In der Stunde, wo Frankreich und Spanien sich zur Erfüllung der gemein­samen Aufgabe der Zivilisation jenseits der Meerenge anschicken, finden sie, daß eine Uebereinstimmung der Geister und Herzen be­reits geschaffen ist, und die edlen Anstrengungen, die Kräfte bei­der Völker in Einklang bringen zu wollen, find ebenso der Begeiste­rung der Herzen zu danken, wie sie die Wirkung einer unweiger- . pichen Forderung der Logik sind, die dazu führt, die Einmütigkeit ! jener Interessen in fruchtbarer Zusammenarbeit zu sichern." In

dem Besuch erblickt er ein kostbares Unterpfand für eine Zukunft der Intimität auch der guten und immer herzlicher werdenden Entente zwischen Spanien und Frankreich. Präsident Poincarö ist tief gerührt über den herzlichen Empfang und erinnert an den Besuch König Alfons in Paris. Das französische Volk beeile sich nachdem durch den jüngsten Vertrag alle Gründe zu einem Mißver­ständnis entfernt seien, die große Bewunderung für das tapfere ruhmreiche Spanien zu beweisen und seinen sehr nachdrücklichen Willen kundzugeben, zwischen Spanien und Frankreich die Bande der traditionellen Freundschaft enger zu knüpfen. Die Kundge­bungen der Spanier zeigten, daß sie von dem gleichen Zuge des Herzens und von der beherrschenden Macht der gemeinsamen Jnter- esten fortgeristen wird. Der klare Blick der öffentlichen Meinung hat die Ausgabe der Regierungen leicht gemacht. Alles gestattet uns jetzt, einer Zukunft der guten Entente und Intimität ent­gegenzusehen, von der Eure Majestät sprach. Unsere ererbte Ver­wandtschaft, die Gleichheit unserer Zivilisation und Kultur, wie sie in unseren schönen Sprachen des lateinischen Stammes zutage tritt, die Solidarität unserer afrikanischen Unternehmungen, die Notwendigkeit, unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu entwickeln und die gleiche Neigung für den allgemeinen Frieden."

Poincarä scheint aber trotz der Toaste mit ihrer blumen­reichen Sprache in Spanien nicht das gefunden zu haben, was man hoffte. Die Pariser WochenschriftOpinion" verrät nämlich, weshalb die Franzosen Spanien zur Zeit so umschmeicheln. Frankreich will Spanien in Marokko Ruhe verschaffen und wie allen seinennäheren Bekannten" Gelder bewilligen. Spanien dagegen soll aus Grund einer Militärkonvention eventuell 100 000 Mann in Afrika freimachen, natürlich gegen Deutschland. Die spa­nischen Häfen sollen der französischen Flotte gegen die Flotte des Dreibundes dienen. Natürlich sollen die Spanier das Geld, das ihnen Frankreich gibt, auch dort ausgeben, die Pyrenäenbahn aus­bauen ufw. Unsern Verständigungsschwärmern können diese Ansich­ten ein wertvolles Objekt ihrer Betätigung werden. Zn Spanien ist man klüger, der Ministerpräsident Romanones hat dem Ver­treter derLiberte" seine Auffastung kundgetan, die keineswegs so überschwenglich ist, vielleicht eher als kalter Wasserstrahl wirken könnte. Er erklärte,daß von unserer Rastenverwandtschaft und unsren gegenseitigen Sympathien schon genug gesprochen worden ist. Für Marokko haben wir nie und werden auch niemals die französische Freundschaft verlangen! Weder in materieller noch in militärischer Beziehung! Was wir wünschen, ist nur ein Ueber- einkommen, die Eingeborenenpolitik betreffend. Zeder von uns hat seine Zone in Marokko, aber wir haben das eine Ziel, uns über eine gemeinsame Methode in der Behandlung der Eingeborenen­frage zu einigen." Den Eintritt Spaniens in die allgemeine Politik der Tripleentente betreffend, erklärte er, diese Formel dürfe nicht überschritten werden. Es ist offenbar, daß Spanien in den letzten Tagen gegenüber den Liebeswerben der Franzosen stark abgekühlt ist. Man wird wohl nicht fehl gehen, wenn man darin den Einfluß Englands sieht, daß eine allzugroße Abhängigkeit Spaniens von Frankreich nicht dulden kann. Die spanische Preste, sowohl wie das Volk, läßt demnach von dem Enthusiasmus, der erwartet wurde, gar nichts merken, wie alle Meldungen aus Spanien bezeugen.

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Marburg

Donnerstag, 9 Oktober

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Vorn Balkan

liegen folgende Meldungen vor:

Paris, 8. Okt. Der Konstantinopeler Berichterstatter des Echo de Paris" meldet, eine bulgarische Persönlichkeit habe ihm erklärt, daß Bulgarien im Falle eines türkisch-griechischen Krieges neutral bleiben werde. Sollte jedoch Serbien den Griechen zu Hilfe kommen, so würde Bulgarien seine Neutralität aufgeben und SerbiM angreifen. Rumänien, das sehr gute Beziehungen zur Türkei unterhalte, werde sich nicht in den Krieg mischen. Dem­selben Blatte wird aus Janina berichtet ,daß die Kaufleute von Santa Quaranta angesichts der Haltung Italiens in der Epirus- frage beschlosten haben, alle Handelsbeziehungen zu den italieni­schen Kaufleuten abzubrechen und sich auch nicht mehr der italieni- schenn Schiffe für die Verllürung ihrer Waren zu bedienen.

Konstantinopel, 8. Okt. Der Erlaß betreffend die Demobilisierung in Adrianopel ist heute veröffentlicht worden. Mit der Ausführung wurde sofort begonnen. Der König der Bul­garen richtete an den Sultan ein Telegramm, in dem er ihn zu dem beide Teile befriedigenden Friedensschlüsse beglückwünscht.

L o n d o n, 8. Okt. DieTimes" meldet aus Konstantinopel, daß die Pforte zu dem Entschluß gekommen ist, durch eine deutsche Militärkommisfion das osmanische Heer reorganisieren zu lasten. Die Verhandlungen seien bereits angeknüpft.

Konstantinopel,8. Okt. Die Pforte beschloß, zur Her­stellung der größten modernen Kriegsschiffe eine geeignete große Werft bauen zu lasten.

K a s ch a u, 8. Okt. Der König der Vulgaren ist heute mor­gen hier eingetrofsen und nach seiner Besitzung in der Tatra weitergereist.

Athen, 8. Okt. Die türkischen Unterhändler haben die Friedensbedingungen der Pforte dem griechischen Kabinett unter­breitet. Trotzdem es nicht möglich war, Genaueres darüber zu er­fahren, steht doch fest, daß die einzelnen Punkte in schroffem Gegen­satz zu vielen Punkten des Londoner Vertrages stehen. Benizelos hat erklärt, daß Griechenland die Verhandlungen in versöhnlichem Sinne zu führen gedenkt, daß es aber seine nationalen Zeteresten schützen müste. Repulis, der Minister des Innern, hat Drrgumis, den Eeneralgouverneur von Mazedonien abgelöst und ist zum Gouverneur ernannt worden. Er wird sofort nach Sas /Ski ab- reisen, um den neuen Posten zu übernehmen.

Eine neue Erklärung in der Welsenfrage.

Durch die Ausführungen wölfischer Führer waren die Erklä­rungen des Prinzen Ernst August in seinem bekannten Briefe an den Reichskanzler in eine sehr zweifelhafte Erörterung geraten. Man erklärte im welfischen Lager jedem, der es hören wollte, Prinz Ernst August habe durchaus nicht auf Hannover verzichtet, sein Fahneneid, daß er nichts unternehmen wolle, was Preußen angreife, gelte nur so lange als er Soldat sei. llnd man berief sich für diese Auffastung aus den Emundener Welfenhof selbst. Jetzt wird nun endlich dem ganzen Gerede die Spitze abgebrochen und zwar in solgender offiziöser Erklärung, die wir gestern durch Extrablatt verbreiteten.

Berlin, 8. Okt. Die von veffchiedenen Seiten unternom­menen Versuche, die unter Berufung auf den F a h n e n e i d abge­gebenen Erklärungen in dem Briefe Sr. kgl. Hoheit des Prinzen Ernst August, Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg an den Reichskanzler zu mißdeuten, stehen, wie aus Gmunden von zu­ständiger Seite mitgeteilt wird, im scharfen Gegensatz zu der Auf­fastung des Prinzen selbst. Der Prinz ist der Meinung, daß seine in diesem Briefe enthaltenen Aeußerungen über das in dem Fahneneid gegebene Versprechen so klar und bestimmt seien, daß niemand das Recht habe, an seinen Worten zu d e u t e l n uvd zu rütteln. Es fei für ihn u n v e r st ä n d l i ch, wie jemand daran zweifeln könne, daß dieses Versprechen auchinEeltung bleibe, sobald er deutscher Bundesfürst gewor­den sei und daß er sich daher an sein Versprechen für immer gebunden fühle. Die Mitteilungen der Frankfurter Nachrichten" über die Verhandlungen vor der Hoch­zeit, sind, wie wir aus Gmunden und Berlin erfahren, unrichtig. Die Besprechungen des Reichskanzlers in Hom- burgmitSeinerKgl. HoheitdemHerzogvonCum- b^rland And dem Prinzen erzielten ganz klar E-s Ergebnis, das in dem Briefe des Prinzen an kenMeich^Skanzler n iedergelegt ist. Die Zeitungs­meldung über einen Auftritt mit dem Prinzen August Wilhelm gehört in das Reich der Fabel.

Diese Erklärung läßt freilich an Deutlichkeit nichts zu wün­schen übrig und man wird sich darüber freuen können. Was die Welfenpartei, die in letzter Zeit ziemlich ungeschickt operiert hat, dazu sagen wird und kann, wird interestant sein.

Von der gesamten Preste wird hervorgehoben, daß auch dieser Brief keinen staatsrechtlich gütigen Verzicht darstelle. Das ist richtig. Dazu schreibt eine Berliner Meldung derKöln. Ztg.": Zu einem weitergehenden Eingeständnis war Prinz Ernst August Nicht bereit. Hierzu wäre festzustellen, daß von vornherein von dem Prinzen keine anderen Erklärungen verlangt wurden als in seinem Brief an den Reichskanzler festgelegt sind, und die Bedeu­tung dieser Erklärung, deren Ursprung richtig als eine Verein­barung zwischen Gmunden und Berlin erkannt ist, liegt in der Ab- schüttelung derer, die seinen Worten eine andere Auslegung ge­gebne haben. Es ist vollkommen falsch, zu behaup­ten, daß ein weiteres Eingeständnis verlangt worden wäre. Durch die Veröffentlichung der Erklärung ist der klare' Sachverhalt wieder ans Licht gestellt worden, der seit Veröffentlichung des Briefes des Prinzen an den Reichskanzler vorhanden war."

Die Frage, ob diese Erklärung genügt zu einer Entscheidung des Bundesrates, ist eine sehr schwerwiegende; wird aber bald ent­schieden werden.

Die ganze Welfenfrage soll ja nach derB. Z. am Mit­tag" vor der Entscheidung stehen. Das Blatt schreibt:Prinz Ernst August ist heute vormittag von einem mehrtägigen Besuche bei seinem Vater in Gmunden in Berlin eingetrofsen und hat sich sofort nach dem Neuen Palais in Potsdam begeben, wo die Prin- zefsin Viktoria Luise seit einigen Wochen zum Besuche ihrer Mut­ter weilt. In Gmunden hat in den letzten Tagen der Schwager des Deutschen Kaisers, Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe, einen Besuch abgestattet. Diesen werde wiederum der Kaiser in Kürze besuchen. Man nimmt an, daß der Prinz als Vermittler zwischen den beiden Höfen nach Gmunden gegangen ist und glaubt, daß die an den Besuch geknüpften Gerüchte über eine Verlobung der Prin­zessin Olga von Cumberland, der Tochter des alten Herzogtzpaares, mit dem regierenden Fürsten Adolf zu Schaumburg-Lippe sich nicht bestätigen werden. Man sei auf beiden Seiten, in Potsdam so­wohl wie in Berlin aufs eifrigste bestrebt, die brennende Frage der Verzichtleistung in einer Weise zu lösen, die niemanden verletze und fein Recht, gleichviel welcher Art, auch nur annähernd verletze. Hoffen wir. daß eine solche Lösung möglich ist.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

und den Beilaaen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder .Q .Le­deren Raum 15 1$, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für 48.

Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich-

Landtagsersatzwahl. Köln, 8. Okt. In der Landtagsersahwahl für den verstorbenen Abg. Dr. Hinhmann (natl.) im Wahlbezirk 2 Düsseldorf (Elberfeld, Barmen) wurde der nationalliberale Kandidat Vacmeister mit 403 Stimmen gewählt. Der Kandidat der Vereinigten Rechten de Weerth erhielt 322 Stimmen.

Herr v. Metzen, der aus den Erörterungen über die Krupp­affäre (Brandt und Genossen) her bekannt ist, veröffentlicht weiter in demokratischen Blättern lange Erklärungen, die seine Tätigkeit bei der Sache rechtfertigen sollen. Man wirdt am besten tun, abzuwarten was der 23. Oktober, der Verhandlungstag, bringt. Inzwischen ist aber von Jntereste, daß er behauptete, die Kornwalzer nicht geliefert zu haben. Er schreibt:Ich bin an der Lieferung der Kornwalzer an den Abge­ordneten Liebknecht nicht beteiligt. Die Anzeige dieser Sache war für mich im Gegenteil ein schwerer Schlag. Ueber die Tätigkeit Brandts ' war ich unterrichtet. Darum hielt ich es für meine Pflicht, die Firma Krupp mündlich und schriftlich auf die meinem Gefühl nach unmöglichen Zustände, die in dem Militärprozeß zum Teil ausgedeckt worden sind, 1 aufmerksam zu machen. Dies tat ich schonend und bescheiden. Trotzdem wurden meine Mahnungen falsch ausgelegt, und man benutzte die An­gelegenheit mit Wingen, um sich meiner zu entledigen.

Die Winzer. Eine Versammlung von Vertretern westdeutscher und südwestdeutscher Bauernvereine in Coblenz hat sich kürzlich ebenss mit der Winzernot beschäftigt und vorgeschlagen, daß die Winzer, um wirtschaftlicher Not zu steuern, wieder mehr Gewicht legen mußten auf Ackerbau und Viehzucht, damit sie nicht wieder alles auf eine Karte

Ein gerichtliches Nachspiel. Straßburg, 8. Okt. Wie verlautet, hat der Staatsanwalt gegen dieFreie Preste" und dasJournal d'Alsace" wegen Verbreitung der unwahren Nachricht über angebliche; Schulden eines Mitgliedes des Kaiserhauses Anklage erhoben.

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Marburg und Umgegend-

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urhebergesetzes nur mit der deutlichen QuellenangabeOberhest. Ztg." gestattet.)

Marburg, 9. Oktober.

* Die Feier des 18. Oktober. Betreffs Feier des 18. Oktober fand gestern abend im Rathaus wieder eine Sitzung statt. Das enbgiftige Programm wird in den nächsten Tagen veröffentlicht.

* Schwer verletzt aufgefunden wurde vergangene Nacht in der Nähe des Turnergartens ein Herr. Er Haie eine tiefe Stichwunde und mußte sofort per Auto in die Klinik gebracht werden. Ob er sich um einen Unfall oder einen Ueberfall handelt, war der Polizei heute mittag noch nicht bekannt.

' Unsere Rekruten. Jetzt gehts ans Abschiednehmen. Die Einbe­rufung der Rekruten ist im Gang«. Einer nach dem andern erhält seinen Gestellungsbefehl, empfängt bei der Ortsbehörde Fahrschein und Zehr­pfennig und dampft nach dem Orte seiner Bestimmung ab. Mehr als ein Elternherz wird wehmütig und weich gestimmt in diesen Tagen, die plötzliche Entfernung eines Kindes, von dem man sich bisher höchstens auf Tage trennen mochte, und die jetzt jahrelang dauern soll, wird, mancher Mutter scknoer aufs Herz fallen. Aber was Hilsts, wenn der Staat ruft, so tritt Wunsch und Wille des einzelnen zurück. Einer muß sich mit dem andern trösten. Infolge der Heercsvermehrung muß von jetzt ab gar mancher junge Mann den bunten Rock anziehen, der sonst zu Hause geblieben wäre. Aber es schadet nichts. Die Militärjahre geben der Heranbildung der Persönlichkeit die letzte Reise, man lernt da gar mancherlei, was man sonst nie gelernt hätte. Und wenn manche Frau zu ihrem Mann, der nicht gedient hat und sich bei häuslichen Arbeiten unbeholfen anstellt, sagt:Man sieht, daß du kein Soldat ge­wesen bist!", so hat sie nicht ganz unrecht.

Prüfungs-Ergebnisse der Seminare. Die diesjährigen Abgangs­prüfungen an den Lehrerseminaren unseres Regierungsbezirks sind nun­mehr beendet. Es bestanden am Lehrerseminar zu Homberg von 40 nur 35, zu Rinteln von 27 nur 25, zu Fulda (Nebenkursus) von 29 nur 27, zu Fulda (Hauptkursus) von 28 alle, zu Cassel von 3 alle, zu Franken­berg von 31 nut 28 und zu Schlüchtern von 37 nur 35. Die Abgangs­prüfung am Lehterinnen-Seminar zu Rotenburg bestanden von 33 Semi­naristinnen alle, von den 195 Prüflingen der Lehrerseminare dagegen von 195 nur 181 = 92,8 Prozent. Die Gesamtzahl der in diesem Jahr hinzu gekommenen Schulamtsbewerber und Bewerberinnenn beträgt 181 bezw. 33 (gegen 161 bezw. 27 im Jahre 1912). Der Lehrermangel dürfte nun wohl im Regierungsbezirk Cassel beseitigt sein.

Sicherung der Bauforderungen. In Ergänzung der Vorschriften über die Abgrenzung der Bestignisie der königlichen und der staatlichen^ Polizeiverwaltungen ist bestimmt worden, daß in Königsberg, Stettin, Breslau, Posen, Magdeburg, Kasiel, Wiesbaden und Aachen die der Ortspolizeibehörde aufgrund der Vorschriften über die Sicherung der Bauforderungen vom 1. Juni 1909 abliegenden Geschäfte von der staatlichen Polizeiverwaltung wahrzunehmen sind.

* Eine Borlage auf Ausprägung von 10 Pfennigstücken im Werte von 5 Millionen Mark liegt gegenwärtig dem Bundesrat vor. Dte^ Vorlage ist dadurch veranlaßt, daß sich bei der Reichsbank ein Mange» an 10 Pfennigstücken fühlbar macht.