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J16 23(5 die Post 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. Verlag von Dr. C. Hiheroth. Druck der llniv.-

1913

Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Erstes Blatt

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den neun Bedingungen angepatzt hat. Deutschland hat für die Suprematie gekämpft, Frankreich für das Gleichgewicht (!). Der Konflikt hat eine rein diplomatische Form angenommen und be­halten. Der Wille zum Frieden ist also an stch stark genug, daß auch Frankreich den Gedanken an einen Revanchekrieg fallen gelassen hat, während auch Deutschland den Ge­danken an einen Erhaltungskrieg nicht ausübt. Beide Länder haben Opfer gebracht! Frankreich ist immer noch verstümmelt, aber Deutschland nicht mehr Herr in Europa. Wenn wir aus die­sem Grund keinen Krieg geführt haben, so haben weder wir noch Deutschland das Recht, Europa durch nebensächliche Konflikte zu beunruhigen. Da alle diese großen Fragen keines der beiden Völ- ker haben bestimmen können, zu den Waffen zu greifen, wäre es kindisch und verbrecherisch, nebensächliche Schwierigkeiten, die so­zusagen das Kleingeld des internationalen Lebe *.s sind, nicht in aller Freundschaft zu regeln."

Freundlich, sehr freundlich in Worten, die Taten sehen bekanntlich anders aus. Sehr richtig schreibt Graf Reventlow in derD. Tgsztg.": Für Deutschland gilt es, nüchtern und fest seine Znteresien wahrzunehmen, wo es auch sei und sich nicht in ihrer Wahrnehmung durch Liebenswürdigkeiten und das Luftgebilde eines freundschaftlichen Verhältnisses mit Frankreich irremachen zu lassen.

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Marburg I

Mittwoch, 8. Oktober

Präsident Poincare in Spanien.

Madrid, 7. Okt. Präsident Poincare ist um 10.30 Uhr auf dem Nordbahnhof angekommen und vom König, den Prinzen und Prinzessin- nen des Königlichen Hauses, den Mitgliedern der Regierung und der französischen Botschaft und verschiedenen Abordnungen begrüßt worden. Der Präsident und der König begaben sich nach dem königlichen Schlosie. Sämtliche Zeitungen begrüßen den Präsidenten Poincarö in herz- kichen Willkommensartikeln. Bei dem Empfange am Bahnhof trugen der König und der Jnfant Ferdinand das Eroßkreuz der Ehrenlegion. Bei der Ankunft des Zuges spielte die Musik die Marseillaise und die Königshymne. Poincare überreichte dem zu seinem persönlichen Dienst kommandierten spanischen Offizieren das Eroßkreuz der Ehren­legion. König Alfons wird dem Präsidenten Poincare zur Erinnerung an seine spanische Reise einen Toledanerdegen, die genau« Kopie des Degens Philipps II. sowie ein Jagdgewehr zum Geschenk machen.

Paris, 7. Okt. Der spanische Ministerpräsident Graf Romanones erklärte einem Berichterstatter, die wirtschaftlichen Besprechungen zwischen der spanischen und der französischen Regierung seien zwar im Gange, hätten sich aber bisher nur in allgemeinen Linien bewegt. Wir werden, fuhr Romanones fort, zur selben Zeit mit dem Präsidenten der Republik auch die Vertreter der französischen Handelskreise empfan­gen. Dies« Besuche haben meiner Ansicht nach eine wichtige Bedeutung. Die Znteresien müsien in Einklang gebracht werden, wenn die An­näherung zwischen den Nationen fest und dauerhaft sein soll. Die Kauf­leute sind die Vorläufer solcher erfolgreicher Verständigungen.

Paris, 7. Okt. Aus Madrid wird gemeldet: Der französische Eeneralrefident von Marokko, General Liautey, beobachtet vollstes Still­schweigen über die zweistündige Audienz, die er gestern abend bei dem König hatte, da er über dieselbe vor allem dem Präsidenten Poincare und dem Ministerpräsidenten Bericht erstatten wolle. Immerhin könne man sagen, daß der Gedankenaustausch des König Alfons mit dem General Liautey die Unterredungen erleichtern werde, die seine Minister in den nächsten Tagen mit Poincare und Pichon haben werden.

Aus dem Militärleben der Schweiz.

Bern, 7. Ott. Im Laufe der letzten Eebirgsmanöver im Kanton Graubünden protefttetten zwei bündlerische Bataillone, als sie bei einem Schneegestöber auf dem Flueleapaß (250 Meter) nach Abbruch der Manöver, während die Offiziere bei der Krittk waren, länger« Zeit auf den Abmarschbefehl warten mußten, gegen diese Verzögerung und betrugen sich disziplinwidrig. Oberst Wille, der Kommandant des dritten Armeekorps, veröffentlichte in derNeuen Züricher Zeitung" einen heftigen Arttkel gegen die Jndisziplin der Truppen, und warf ihnen Kriegsunbrauchbarkeit vor. Der Artikel, der in der Schweizer Presie und in der des Auslandes viel kommenttett wurde, war im Nationalrate vor überfüllten Tribünen Gegenstand zweier Jnterpellatto- nen. Vital-Graubünden versuchte die Haltung der Truppen mit Rück­sicht auf die furchtbaren Witterungsverhältnisie zu entschuldigen. Der zweite Interpellant kritisierte die Truppen scharf. Bundesrat Hoff­mann, Chef des Militärdepartements rügte scharf die Jndisziplin der Truppen. Die amtliche Darstellung der Vorgänge stimm« keineswegs mit derjenigen des Obersten Wille überein, der in seinem Arttkel von einer Revolte rede. Die Mannschaft marschierte nicht ohne Befehl, son­dern auf Befehl in die Kantonements. Der Redner betonte, daß die Instruktion der neu in der Schweiz geschaffenen Eebirgstruppen be­sondere Sorgfalt verlang«. Bevor die Einzelausbildung beendigt sei, dürften den Truppen keine außergewöhnlichen Sttapazen zugemutet werden. Den Artikel Willes bedauere der Bundesrat. Zwar war seine Absicht, auf die Mängel in der Ausbildung hinzuweisen, eine gute, doch beging er in der Form Taktlosigkeiten. Eine Maßregelung der Offiziere lehne der Bundesrat aber ab, ebenso das Verbot an die Offiziere, künf­tig öffentlich militärische Dinge in den Zeitungen zu besprechen, da Vie öffentliche Erörterung über die Manneszucht und Kriegstüchtigkeit der schweizerischen Armee ersprießlich sein könne. Die Interpellanten er­klärten sich damit befriedigt.

DieOberhryische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch

unseres Kaisers verlegt. Die Prinzessin Ernst August stehe auf feiten ihres Mannes Die Kaiserin halte zu ihr, der Kaiser grolle und wolle nicht zum Geburtstage der Kaiserin erscheinen, weit Prinz Ernst August kommen wolle. Das Kind, das die Prinzessin erwarte, solle in Braunschweig zur Welt kommen, deshalb müsse die Entscheidung beschleunigt werden u. a. m. Es handelt sich bei allen diesen Erzählungen doch nur um Phanasiegebilde.

Die internationale Verständigung. In Nürnberg sind zur Zeit eine Reihe von Männern versammelt, um über die inter­nationale Verständigung zu sprechen. Dies ist ein an sich harm­loses Vergnügen, das, wenn es Erfolg haben könnte, sehr zu be­grüßen wäre, Prof. Rippold-Oberursel ist dabei in einer program­matischen Rede doch etwas von den Abrüstungsfreunden abgerückt, ohne auf besonderen Widerstand zu stoßen. Man wolle nicht Frie­den um jeden Preis, und den Krieg überhaupt abschaffen, Wie gnädig! Wenn man sich heutzutage nicht unsterblich lächerlich ma­chen will, wird man so etwas doch nicht behaupten. Der Redner hat stch aber auch wieder einmal gegen denpolitischen Alkoholis- mus der Alldeutschen und der Chauvinisten gewandt. Wir find ja gewöhnt, daß die Leute, die die gewagtesten Theorien vertreten,. auch ihre Gegner mit besonders dazu erfundenen Schlagworten bekämpfen. Alle Vertreter einer nationalen Weltanschauung wer- i den derTägl. Rundschau" beipflichten, wenn sie schreibt: Wir, glauben nicht, daß Herr Profesior Nippold und die Seinen den ewigen Frieden und die untrügliche Weltbruderliebe stiften wer- den, solange sie nicht einmal gelernt haben, mit den eigenen Haus­genossen auf anständigem Fuß zu verkehren." DieWeltverbriiderung ist ja nichts neues, man darf daran erinnern, daß der freisinnige Abg. Virchow im Zahre 1869 den Antrag stellte, Preußen solle mit der Abrüstung vorausgehen. Dann kam 1870. Auch heute gehören die meisten Vertreter derinternationalen Verständigung" der Denkrichtung Virchows an.

Die bayerische Königsfrage. Der Abg. A. Müller machte auf dem Patteitag der Sozialdemokratie Bayerns in Nürnberg Mittei­lungen über ein seinerzeit erstattetes geheimes Gutachten, dem di« Regierung in ihren Maßnahmen folgte. Eine Königsproklamation ohne gesetzliche Grundlage, besagt das Gutachten, würde im Landtag ent­schiedenen Widerspruch finden. Namentlich der Führer der Liberalen machte die Zustimmung davon abhängig, daß der Weg eines Verfasiungs- gefetzes gewählt werde. Aehnliche Ansichten wurden aus dem Zentrum laut. Nachdem wLhrend der Regentschaft schon mehrfache Verfasiungs- änderungen vorgenommen worden seien, könne der Zweifel, ob der­artiges zuläsiig sei, als überwunden gelten. Ein verfassungsmäßiger Weg empfehle sich auch deshalb, weil di« Möglichkeit, die Gesetzmäßig­keit eines anderweitigen Vorgehens zu bestreiten, das Ansehen der Kron« und die Rechtssicherheit königlicher Erlasse schädigen würde. Nach der ungeschickt vorbereiteten Eidesleistung des Regenten, bemerkte Müller zu diesem Gutachten, sei der gesetzliche Weg verrammelt gewesen.

Eine sozialLemokratische Mehrheit im Stadtparlament.

Die Stadt Kaiserslautern hat eine sozialdemokratische Mehr­heit im Stadtrat. Gestützt auf altes Herkommen erbat dies Jahr die Kriegerkameradschaft eine Beihilfe zur Iahrhundrtfeier Der Aus­schuß war dagegen, weil es sich dabei um die Verherrlichung von Fürsten handele. Alle Versuche, die Mehrheit umzustimmen, miß­langen. Diese häufte noch bitteren Hohn auf die nationale Mftl- derheit. So machte der Sozialist und Landtagsabg. Hoffmann in der Vollversammlung den Vorschlag, man möge der Sozialdemo­kratie die Stellung des Festredners überlasten. Der sozialdemo­kratische Landtagsabgeordnete Klement aber besaß sogar die Dreistigkeit, den Hinweis des Oberbürgermeisters, daß gerade die Pfälzer besondere Ursache hätten, sich der Befreiung von der Fremdherrschaft zu erinnern, durch den Zwischenruf zu unterbre­chen:ObwirbeiDeutschlandbesjcrgefahrensind alsbei Frankreich,dasi st die Frag e. Mit 13 gegen 12 Stimmen wurde schließlich der Beitrag zur Jahrhundertfeier abgelehnt. Das ist allerdings die Höhe antinationaler Gesinnung, und es ist beschämend und bezeich -end. daß diele Kunde gerade aus dem Eroßblocklande kommt, wo doch die Eenosten angeblich zu einer radikal-bürgerlichen Partei erzogen werden sollen.

Politische Umschau.

Frankreich und Deutschland.

Zu diesem vielerörterten Thema liefert jetzt derTemps" einen Beitrag. Er knüpft an das liebenswürdige Verhalten Frank­reichs gegenüber Major v. Winterfeldt und Lt. Steffens sowie an Auslastungen derKöln. Ztg." an, in denen es hieß, daß ein fried­liches Nebeneinanderleben Deutschlands und Frankreichs das wün­schenswerte Ziel der Politik der beiden Länder fein muffe. Der Temps" sagt dann u. a.:Deutschland muß anerkennen, daß Frankreich niemals Deutschland provoziert habe. Frankreich mutz anerkennen, datz Deutschland zwar der Bismanffchen Politik einer feentfchen Hegemonie treu geblieben ift, aber sich auch

Koloniales

Die weiße Bevölkerung von Deutsch-Ostafrika. Die Volks­zählung vom 1. Januar d. Js. hat in unserem größten Schutzgebiet ein« weiße Bevölkerung von 5336 ergeben, 470 mehr gegen das Vorjahr, d. i. 9 Prozent. Deutscher Reichsangehörigkeit sind davon 4107. Gegen das Jahr 1912 bedeutet diese Ziffer ein Mehr von 528, also eine ver­hältnismäßige Zunahme von 13 Prozent. Geht man um ein Jahr zurück, so ergibt sich gegen das Jahr 1907, also innerhalb sechs Jahren, annähernd eine Verdopplung, denn damals bettug die weiße Eesamt- bevölkerung 2745. Interessant ist es, die Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Bezirke durchzugehen. Mit die stärkste Vermehrung weist Tanga auf, 581 gegen 266. Auch Pangani hat seine Ziffern wesentlich vermehtt, nämlich von 53 auf 123; Wilhelmstal wuchs nur von 345 auf 423, Moscht und Aruscha zusammengenommen von 505 auf 967, Moro- goro und Bukoba zusammen von 161 auf 340. Die Ziffern für Dares­salam sind 616 nd 1053.

Verbindung zwischen Deutsch-Ostafrika «nd dem Kongo. Di« Maßnahmen zu einer Verbindung des Kongo durch Afrika hindurch mit Deutsch-Ostafrika sind in letzter Zeit erheblich gefördett worden. Es handelt sich um den Ausbau der Kongobahn von Lualaba aus, der be­reits energisch in Angriff genommen worden ist. Die gesamte neu« Sttecke wird eine Länge von 272 Klm. erhalten. Die Erdarbeiten find in einem Umfange von rund 250 Klm. bereits zu Ende geführt worden. Der letzte Teil der Arbeiten ist besonders dadurch schwierig, daß hier im Tale des Lukiya eine größere Anzahl von Brücken gebaut werden müssen. Das gesamte Eisenbahnnetz, das durch seine neue Weiterführung für die Anbahnung einer Verbindung mit Deutsch-Ostafrika bedeutsam wird wird eine Schienenlänge von rund 755 Klm. aufweisen da außer der erwähnten neuen Bahnsttecke von 272 Klm. Länge bereits zwei Linien StanleyvillePonthierevill« und KindoKongolo in Längen von rund 126 Klm, und 357 Klm. bereits fertig gestellt und in Betrieb, genommen find, , _ . ..........

Deutsches Reich,

Die Welfenfrage. Herr Colshorn berichtigt. Er hat wohl inzwischen eingesehen, datz er seiner welfischen Sache keinen Dienst erwiesen hat. Er schreibt, datz seine Ausführungen seitens der Diepholzer Kreiszeitung" in vielen Punkten sowohl dem Wort­laute als dem Sinne nach unrichtig und unvollständig wiederge­geben und aus dem Zusammenhänge geristen sind.Die Tendenz dieses Referates tritt dabei offen zutage." DasDiepholzer Kreis­blatt" erklärt demgegenüber, datz alles, was es gebracht hat, wört­licher Abdruck der stenographischen Niederschrift Colshornscher Ausführungen ist. Aber auch ohne diese Erklärung wirb man der vagen Berichtigung Colshorns keinerlei Bedeutung beilegen. Von verschiedenen Sensationsblättern wird jetzt der staatsrechtliche Konflikt zwischen Preußen «nb de« Welsenhause in feie Familie

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beüagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtfchaftkche Beilage".

Die Gefahr eines dritten Balkankrieges.

Zuverlässige Nachrichten aus Konstantinopel lasten keinen Zweifel darüber, daß es am Goldenen Horn eine Partei gibt, die den Zeitpunkt für einen dritten Balkankrieg gekommen glaubt. Ste^otte Abwickelung der Verhandlungen mit Bulgarien erklärt mair sich daraus, datz Bulgarien alle Aussicht habe, durch diesen Rachekrieg gegen Griechenland, in den Besitz von Kavalla zu ge­langen, so daß es auf Demotika und die Umgebungsbahn Mustapha PaschaDedeagatsch habe verzichten können.. Natürlich gibt es Momente genug, die auch jetzt noch nachdrücklich gegen diesen drit­ten Krieg sprechen; insbesondere dürfte der Friedensschluß mit Griechenland eine der unerläßlichen Bedingungen der von Dscha- vid angestrebten und vorbereiteten französischen Anleihe sein. An­dererseits hat die Türkei eine eigentlich jetzt erst völlig kriegsbe­reite Armee von 300 000 Mann. Auch die plötzliche Regsamkeit der Albaner will man auf gewiste Zusammenhänge mit den türkisch- bulgarischen Plänen zurückführen. Weiter sagt man sich, daß ein gemeinsamer Krieg der Türken und Bulgaren gegen Griechenland für die Türkei kaum ein Risiko bedeute; im Fall eines Sieges wäre ihnen mindestens der Wiedergewinn eines Teils der Inseln sicher, im Fall einer Niederlage aber würde Bulgarien die Zeche zu be­zahlen haben. Und schließlich wird betont, und dagegen läßt sich cm wenigsten sagen, daß die Ueberlastung sämtlicher Inseln an Griechenland die Stellung der Türkei in Kleinasien militärisch und wirtschaftlich unmöglich machen würde; sie könnte sich gegen hie grotzgriechische Propaganda ebenso wenig schützen wie gegen das Schmugglerwesen.

Aus allen diesen Gründen schien die Lage um die Mitte der porigen Woche wieder recht kritisch geworden zu fein. Zu den Gegenständen, über die Griechenland und die Türkei direkt sich auseinandersetzen, gehört nun die Jnselfrage nicht, da die Mächte fiber ihre Zukunft entscheiden. Aber es ist um den Londoner Frie­densvertrag eine etwas zweifelhafte Sache geworden. So verlangen die Türken mit besonderer Gewalt die Inseln zurück. Kein Wun­der, daß König Konstantin so rasch nach Athen zurückgekehrt, daß das zur Auflösung bestimmte griechische Hauptquartier neu kon­stituiert worden und daß die türkische Flotte nach den Dardanellen gefahren ist. Europa steht wieder vor einer schweren Aufgabe.

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j Dom Balkan liegen weitere Meldungen vor:

Adrianopel,7. Okt. Der erste Transport der sreigelasie- nen türkischen Offiziere und Soldaten, insgesamt 80 Mann, ist aus der bulgarischen Kriegsgefangenschaft hier eingetroffen.

Paris, 7. Okt. DasEcho de Paris" meldet heute aus Rom, datz, wenn man angenommen habe, die Mächte würden so­fort in Athen und Konstantinopel vermitteln und zum Frieden drängen, man etwas zu weit gegangen sei. Immerhin stehe fest, datz die Mächte entschlossen seien, falls der Konflitt ernst würde, in die Streitigkeiten einzugreifen, um den Ausbruch eines dritten Balkankrieges mit allen Mitteln zu verhindern.

W i e n, 7. Ott. Aus Saloniki wird gemeldet; Die serbischen Behörden haben den albanischen Dragoman der österreichischen Delegation der albanischen Erenzkomm'ssion, Ritter v. Bilinski und den Sohn des Dragomans des österreichischen Konsulats in Llonastir arretiert und einfach ausgewiesen.

Saloniki, 7. Okt. Das griechische Hauptquartier ist von Athen nach Kawalla verlegt worden.

Saloniki, 7. Ott. Eine starke bulgariichc Bande ist bei Kutschana in serbisches Gebiet eingebrochen. Serbisches Militär ner?o!gt sie. Es kam zu einem heftigen Gefecht, das am späten Abend noch andauert.

Belgrad, 7. Ott. Serbische Truppen fanden in einer von Albanern besetzt gewesenen Stadt ein Archiv, das das Einverneh­men der Bulgaren mit den Albanern für einen Angriff auf Ser­bien bezeugt.

R o m, 7. Ott. Die türkisch-griechischen Verhandlungen machen nach hiesigen diplomatischen Mitteilungen keine Fortschritte. Wesentlicher Streitpunkt sei der Anspruch auf Chios und Myti- lene, die die Türkei sofort zurückerstattet haben wolle. Die grie­chische Regierung soll den Verhandlungen mit Vertrauen ent­gegen sehen.

Belgrad, 7. Okt. Wie aus London verlautet, würden die Großmächte, falls die Verhandlungen kein Ergebnis haben, die Entscheidung der Streitfragen selbst übernehmen.

Sofia, 7. Ott. Ein Regierungsblatt teilt mit, König Fer­dinand werde Ende dieser Woche von Kaiser Franz Josef emp­fangen werden.

B o f i a, 7. Ott. König Ferdinand ist in» Ausland abgereist.