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Erstes Blatt

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Marburg

Dienstag, 7. Oktober

** Reue Rüstungen der Türkei. London, 6. Okt. Telegramme, die nachts von zwei Seiten in London angekommen sind, bestätigen, daß Reuf Bei, Kommandant des KreuzersHamidijeh", auf der Fahrt von Konstantinopel nach Rom und London begriffen ist mit dem Auftrage, Kriegsschiffe anzukaufen und Offiziere und Mann» schäften anzuwerben, die zur Verstärkung der ottomanischen Ma­rine dienen sollen.

** Zuanschikai Präsident von China. Peking, 6. Okt. Zuan­schikai erhielt 507 und Liyuanhung 179 Stimmen. Die Verkündi­gung des Ereignisies rief große Begeisterung in der Kammer her­vor. Das auswärtige Amt hat die Gesandtschaften sofort von der Wahl Juanschikais benachrichtigt. Die Noten der Mächte, in denen die Republik anerkannt wird, sind nach dem auswärt. Amt unter­wegs. Das auswärtige Amt übernahm vorher die Gewähr, daß der neugewählte Präsident alle mit der Manschuregierung abge­schlossenen Verträge und die bestehende Zollverwaltung aufrecht- erhalte.

Einberufung aus Posten im Fahrpersonal erheblich früher erfolgt, dauert auch die Ausbildung nur kurze Zeit, nämlich 5 Monate, und dann erfolgt bereits die etatsmäßige Anstellung als Militär­anwärter, woran sich die weitere Ausbildung im Zugführerdienst schließt. Auf diesem Wege können die Anwärter schon in 23 Jahren zur Anstellung gelangen.

Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

DieOberhessijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljäbrlich durck die Post 2.25 X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 X frei ins Haus. - Verlag von Dr. C. Hitzeroth. - Druck der Unw- Buchdruckerei I. A. Koch (Znh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Ausland.

** Die französisch-spanische Entente. Madrid, 6. Okt. Der fran­zösische General Liautey ist heute nachmittag hier eingetroffen und abends vom König in Audienz empfangen worden. Bayonne, 6. Okt. Der Präsident der Republik Poincarö besuchte Dax und Bayonne, wo er an dem ihm zu Ehren von der Stadt veranstalte­ten Frühstück teilnahm. Die Bürgermeister von Jrun und San Sebastian und einige Stadtverordnete der beiden spanischen Städte waren zur Begrüßung herübergekommen.

** Suffragetten. London, 6. Okt. Die Suffragette Annie Kenney, die vorläufig auf freien Fuß gesetzt worden war, wurde heute nachmittag in einer großen Versammlung von Anhängerin­nen des Frauenstimmrechts wieder verhaftet. Dabei kam es zwi­schen den Polizeibeamten und den erbitterten Frauen, die sich Frl. Kenneys Verhaftung widersetzten, zu einem Kampf. Wegen Wider­stands gegen die Polizei wurden acht Personen festgenommen.. Inder Westminsterabtei kam es während des Abendmahles zu un­liebsamen Szenen, in dem eine Anzahl von Anhängerinnen des Frauenstimmrechts die Handlung durch Gesang störte. Auf die Aufforderung des Kirchendieners, den Gottesdienst zu verlaßen, entfernten sie sich. Rach Schluß des Gottesdienstes hielt eine An­hängerin des Frauenstimmrechts den Kirchenbesuchern vor der Kirche einen längeren Vortrag, in dem sie noch andere Dinge pro-

Deutsches Reich.

Vom Kaiser. Berlin, 6. Okt. Der Kaiser hat sich heute vormittag vom Reuen Palais mit dem Automobil über Berlin nach dem Jagdschloß Hubertusstock begeben. Zum Hundertjahr- Jubiläum des Dragoner-Regiments Könign Olga in Ludwigsburg am 6. Dezember hat der Kaiser als Chef des Regiments seine per­sönliche Teilnahme angemeldet.

Der Zusammentritt des Reichstages. Wie gemeldet wird, kann man damit rechnen, daß der Reichstag am 20. November seine Arbeiten wieder aufnehmen wird. Die Kommission für Rüstungslieferungen dürfte in den ersten Tagen des November ihre Sitzungen beginnen. Die Umbauten, die augenblicklich inner­halb des Reichstages vorgenommen werden, sind schon weit vor­geschritten, und es ist zu erwarten, daß bis Mitte November auch die Arbeiten an dem Gebäude beendet sein werden und die neu­geschaffenen mehr als hundert Zimmer den Reichsboten zur Ver­fügung stehen. Da die Session nicht geschloffen worden ist, son­dern nur Vertagung eingetreten war,, so nimmt der Reichstag seine Arbeiten ohne weitere Förmlichkeiten wieder auf.

Verlängerung der Fleischeinfuhr. Berlin, 6. Okt. Der Landwirtschaftsminister hat den Antrag des Berliner Magistrats auf eine Verlängerung der Fleischeinfuhr bis zum 1. Januar 1914 genehmigt.

Stiftung. Berlin, 6. Okt. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Wie seinerzeit gemeldet wurde, besttmmte der am 18. Juli in Kauschwitz bei Plauen gestorbene Gutsbesitzer Hermann Knorr testamentarisch, daß sein Vermögen dem zur Zeit seines Ablebens regierenden deutschen Kaiser zufallen und für das deutsche Heer oder die deutsche Marine verwendet werden solle. Der Kaiser nahm zur Verwirklichung des mit der Zuwendung verfolgten vaterländi­schen Zweckes die Erbschaft an. Die Witwe des Testators, die die einzige gesetzliche Erbin gewesen wäre, erhält die ihr zustehende Hälfte des gesamten Nachlaffes, der nach den bisherigen Schätz­ungen über 800 000 M beträgt. Im übrigen sollen auf Bestim­mung des Kaisers die Grundsätze zur Richtschnur genommen wer­den, die bei Stiftungen und Zuwendung an juristische Personen maßgebend sind.

Reine Erfindung. Straßburg, 6. Okt. Die amtlicheStraß­burger Korrespondenz" veröffentlicht folgende Erklärung: Die Freie Preffe" hat in ihrer Nr. 219 vom 19. September d. Js. eine aus einem Züricher Sensationsblatt entnommene Nachricht ge­bracht, wonach ein Mitglied des Kaiserhauses während seiner Stu­dienzeit in Straßburg Schuldverbindlichkeiten in Höhe von y2 Mill. Mark eingegangen fei und behufs Herbeischaffung zu ihrer Deckung Verbindung mit gewerbsmäßigen Geldvermittlern gesucht habe. Diese Nachricht, die auch von anderen Zeitungen übernom­men wurde, entbehrt jeder tatsächlichen Grundlage und beruht von Anfang bis zum Ende auf Erfindung.

Die falsch berichteteAgence Havas". Straßburg, 6. Okt. Die Meldung derAgence Havas" von einer bei Briey stattgehab­ten Grenzverletzung durch einen deutschen Hauptmann und eine Maschinengewehrabteilung ist nunmehr beim Ministerium einge­gangenen Berichten zufolge absolut unrichtig. Es handelt sich lediglich um die infolge eines Irrtums stattgehabte unbedeutende, Erenzüberschreitung seitens einer Militärperson.

Wieder ein Streitfall. Paris, 6. Okt. Nach einer Vlätter- meldung aus Nancy entstand in einem Schnellzug auf dem Bahn­hof von Longuyen wegen eines Platzes ein Streit zwischen einem Beamten des Finanzministeriums namens Berge und einem deutschen Reisenden. Berge stieß den Deutschen von dem angeblich ihm angewiesenen Platze, worauf der Deutsche ihm einen Faust­schlag ins Gesicht versetzte. Die Zeugen des Vorfalles mißhandelten hierauf den Deutschen, der erklärte, daß er bei dem deutschen Kon­sul und der Polizei Klage erheben werde.

Stadtverordneten-Sitzung

vom 6. Oktober.

Nicht weniger als 23 Punkte standen heute wieder zur Erledigung. Vor Eintritt in die Tagesordnung erfolgte die Einführung des neuge­wählte« Beigeordnete« der Stadt Marburg, Herrn Stadtrat Müller aus Forst, durch Oberbürgermeister Tro je. Zn einer kurzen Ansprache wies der letztere daraus hin, daß Marburg mit seinen 22 000 Einwoh­nern im Verkehr einer Stadt mit 40 000 Einwohnern gleiche. Das komme durch die Studentenschaft, welche das kommunale Leben und Treiben recht beeinfluffe. Es würden in jeder Beziehung höhere Anfor- derungen gestellt, wie in anderen Kommunen gleicher Größe, doch sei zu bedenken, daß di« Steuern nicht höher hinaufgeschraubt werden dürften. Er schloß mit dem Wunsche, daß der neue Beigeordnete der rechte Mann auf seinem Posten sein möchte. Stadtverordneten-Vorsteher Zustizrat Rohde begrüßte den neuen Beigeordneten im Namen des Stadtverord- neten-Kollegiums. Seine Tätigkeit möge ihm zu Ehren und der Stadt zum Segen gereichen. Beigeordneter Müller dankte in herzlichen Worten. Er komme nicht mit einem großen Zukunftsprogramm, sondern «volle arbeiten. Auf Grund seiner früheren Tätigkeit, in der er Er- v: .«ingen gesammelt, hoffe er seiner Aufgabe zum Segen der Stadt ge- recht werden zu können. Man möge ihm darin die Unterstützung nicht versagen.

Es folgten nun zunächst einige geschäftliche Mitteilungen. So wurde zuerst die in der letzten Bürger-Versammlung beschloßene und bereits in unserem Blatte mitgeteilte Resolution betreffs Versorgung der Stadt und des Kreises ml elektrischer Energie durch die Sadt zur Verlesung ge­bracht. Ferner eine Abonnements-Einladung auf die vom Reichsver­band deutscher Städte herausgegebeneKommunale Rundschau". Wei­ter wünschte ein Bademeister im städtischen Volksbad angestellt zu wer- den. (Run kanns ja losgehen.) Ebenso waren auch bereits Offerten für die neue Südpost, z. V. Ventilationsanlagen (auch für den Stadtver- ordneten-Sitzungssaal zu empfehlen!) eingegangen. Stadtv. Haas fragt an, ob die am 27. März vom Kaufmännischen Verein eingesandt« Resolution, in welcher der Wunsch, die Stadt möge an die Buderus- Werke zum Bezüge von Elektrizität sich anschließen, geäußert wurde, vorgetragen worden sei? Die Frage konnte ihm, da schon so lange Zeit verfloßen ist, nicht sofort beantwortet werden.

Punkt 2 betraf die Feststellung der Zahresrechnungen und Ent­lastung des Rechnungsführers des Elektrizitätswerks für 1911, der Stra­ßenbahn für 1912, der Fachschule für weibliche Handarbeiten für 1912. Stadtv. Storck gab die bezüglichen Referate. Die Elektrizitätskaße schließt rote folgt ab: Ordinarium. Einnahme 161093,37 X und 5165,96 Mark Reste,' Ausgabe 136 718,55 X und 29 540,78 X Reste. Bestand 24 374,82 X. Extra-Ordinarium: Einnahme 17 202,09 X und 870 X Reste; Ausgabe 16 683,80 X und 1388,29 X Reste. Bestand 518,29 X. Die Straßenbahn schließt ab mit einer Einnahme von 97 609,16 X, einer Ausgabe von 74 297,30 X, einem Bestand von 23 311,86 X, in welchem 2692,33 X irrtümlich vereinnahmte Zinsen enthalten sind. Die Fach­schule schließt ab mit einer Einnahme von 2720,69 X, einer Ausgabe oon 9366,37 X, mithin städtischer Zuschuß 6645,68 X.

Es folgt die Wahl der Mitglieder des Gewerbeausschuffes. Teils neu- teils wiedergewählt wurden folgende Herren: Metzgermeister Brauer, Kaufmann Euker, Schneidermeister Braun, Fabrikant Steinmetz, Schreinermeister Rose, Fabrikant Metzler, Gastwirt Dietrich, Kaufmann Pabst, Kaufmann Weber, Privatier Fischer, Lohgerbermstr. W. Wein traut, Malermstr. Drinert, Zimmermstr. Volland, Kaufmann Stumpf und Bauunternehmer Reissing.

Bei der Deckung der Kosten der Bunsenstraßenbrücke, der, Schlachthausbrücke und der Deutschhaasbrücke handelt es sich darum, in welcher Weife die Kosten der Brückenbauten erhoben werden, ob sie zu den erhebbaren Straßenkosten gehören oder nicht. Es sind an maß­gebenden Stellen Erkundigungen über die Rechtsfrage eingezogen roor«' den, so bei dem Senatspräfidenten des Oberverwaltungsgerichts. Da­nach ist die Stadt berechtigt, die Brücken als öffenliche Wege zu behan­deln und die Anlieger der nächsten Straßen zu Beiträgen heranzuziehen. Aus der Versammlung wurde geltend gemacht, daß es eine Härte sei, die Straßenanlieger heranzuziehen, zumal im Biegenviertel die Stra-, ßenbeiträge (zirka 200 X für lauf. Meter) schon sehr hoch seien. Brücken kämen der Allgemeinheit zugute. Dem wurde entgegnet. Auch Straßen dienten der Allgemeinheit, der von der Kommiffion vorgeschlagene Zu­schlag (5 X resp. 2 X bei der Biegenstraße, die noch für eine anderes Brücke heranzuziehen sei, pro Meter) sei gering und diene nur dazu, das Prinzip zu wahren, daß die Straßenanlieger auch für Brucken beitragspflichtig feien. Der Magistrat hatte vorgeschlozen, die Kosten der Brücken, zirka 100 000 X, aus die Allgemeinheit zu übernehmen. Der Oberbürgermeister führte aus: Den Anliegern sei wohl damals beim Bauen eine Entschließung der Kommiffion und des Magistrat», bekannt gewesen, di« auch bei den Akten war, daß die Brücken von bei Allgemeinheit gebaut würden, jetzt gäbe es dann Prozeße. Aus bet Versammlung würbe vorgeschlagen, erst feftzustellen, ob ben Bauherren der bett. Straßen damals wirklich solche Eröffnungen gemacht feien,' denn sei es natürlich moralische Pflicht, die Kosten aus die Allge­meinheit zu übernehmen. Nachdem die Stadtverordneten Storck»', Schäfer I, Hering, Keppler, Dr. Hitzeroth, Pros. Bredt», Haas u»d Leonhardt und der Oberbürgermeister teils mehrmals dazu gesprochen hatten, wurde schließlich der Magistratsanttag, bN! Brückenbaukosten aus die Allgemeinheit zu übernehmen, angenommen.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

Vom Balkan.

Das Wichtigste von den verltegcndcn Nachrichten ist wohl, tmß Ke-WerWlmsse mietet recht gespannte find. Der türkisch- (t>irlgai?ffch)-tzn?chische Gegensatz beherrscht die Lage und es ist durch ans nicht fieber, nh nicht in Kürze ter dritte Balkenkrteg ausbricht. Kriegerische Stimmung in Konstantinopel und ein Ein­richten auf einen neuen Krieg wird aus allen Hauptstädten ge­meldet. Man hofft allerdings, daß diplomatische Schritte das äußerste abwenden. Im einzelnen wird gemeldet:

B e l g r a d, 6. Okt. Das Serbische Preßbüro meldet: Rach den neuesten Berichten sind die bulgarischen Banden ynd die Reste der albanischen Banden im Bezirke Monastir vollständig vernichtet. Die serbischen Behörden sind wieder eingesetzt worden. Die Ord­nung ist wieder hergestellt. In dem letzten Kampfe gegen Prizrend gelang es, ben Feind zwischen zwei Feuer zu Bringen, einerseits zwischen unsere Truppen vor Prizrend und andtMejjs den Verstär­kungen, die von Tetowo herankamen. Bei Vranitza wurden die Albaner vollständig geschlagen.

S o s i a, 6. Okt. Infolge des albanischen Aufftandes und der von den Serben begonnenen blutigen Unterdrückung desselben, die unter der allgemeinen Niedermetzelung der bulgarischen und alba­nischen Bevölkerung, insbesondere im Gebiete von Kalkandelen, Eostiwar und Gora vor sich geht, treffen bulgarische Gruppen aus jener Gegend, die durch die Flucht über die Gebirge dem Tod ent­ronnen sind, auf bulgarischem Gebiete ein. Die Flüchtlinge erzäh­len, daß ihre Heimat jetzt ein wüstes Trümmerfeld sei.

S o f i a, 6. Okt. Der Abtransport der türkischen Gefangenen erfolgt baldigst. Täglich werden Züge mit Gefangenen abgehen. Das von Bulgarien gestellte Ansuchen betreffend die Wiederherstel­lung der Eisenbahnverbindung zwischen Bulgarien und Serbien wurde von Serbien dahin beantwortet, daß der Zeitpunkt der Wie­deraufnahme _ des Verkehres des Kony?ntionalzuges und der Schnellzüge nicht festgesetzt werden könne. Die Eisenbahnverbin­dung Sofia-Konstantinopel wird vom Mittwoch an wieder herge- ftellt sein.

A t h e n, 6. Okt. Der ottomanische Bevollmächtigte Herand Abro Dey ist heute vormittag hier eingetroffen und hat dem Minister des Aeußern Panas einen Besuch gemacht. Morgen b»gt er die türkischen Gegenvorschläge vor. Er erklärt, er überbringe entgegen­kommende Vorschläge und hoffe, eine Verständigung zu erreichen, wenn Griechenland ein gleiches Entgegenkommen zeige.

Athen 6. Okt. Der König verläßt Athen wahrscheinlich Mitte der Woche. Er begibt sich nach Saloniki, um die Militärbe­zirke Mazedoniens zu bereisen.

Belgrad, 6. Okt. Hier verfolgt man mit gespannter Auf­merksamkeit die türkisch-griechischen Verhandlungen. Der Befehl zur Mobilisierung eines weiteren Artillerie-Regiments des 2. Auf­gebots ist erlaßen worden. Da der Albaner-Aufstand zu Ende ist, glaubt man, daß die mobilisierten Kräfte ausreichen werden, um allen Eventualitäten begegnen zu können. Im Falle eines Krie­ges würden die serbischen Truppen sofort die serbisch-bulgarische Grenze besetzen, um Serbien gegen einen bulgarischen Einfall zu schützen.

Athen, 6. Okt. Das griechische Hauptquartier wurde von Saloniki nach Kawalla verlegt.

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Politische Umschau

Die künftige« Aussichten der Militäranwarter.

liebet die künftigen Aussichten der Militäranwärter wird auf ®funb einer Statistik geschrieben': Es zeigt sich, daß die Ein­berufungsaussichten für Militäranwärter sich hinsichtlich des mitt­leren Dienstes in der Regel recht ungünstig gestalten. Die Be­werber werden zwar, ganz gleich, ob es sich um Reichsbehörden oder um Kommunalbehörden handelt, regelmäßig und richtig vor­notiert, es zeigt sich aber, daß eine Einberufung in absehbarer Zeit vielfach für die Anwärter ausgeschloßen ist. In der Regel dehnt sich die Wartezeit bis auf drei und vier Jahre aus, ehe der An­wärter von einer Behörde zum Antritt der Probedienstzeit auf­gefordert wird. Wenn der Anwärter dann die Probedienstzeit absolviert hat, folgt gewöhnlich eine ebenso lange dauernde Dienst­zeit als Diätar, und dann erst erfolgt endlich die etatsmäßige An­stellung. Etwas besser sind die Verhältnisse im mittleren nicht- technischen Eisenbahndienst. Hier dauert die Zeit von der Vor­notierung bis zur Einberufung im Durchschnitt 1% bis 2% Jahre. Daran schließt sich eine Ausbildungszeit von zwölfmonatiger Dauer, und dann folgt, vorausgesetzt, daß die Prüfung bestanden wird, eine drei- bis vierjährige Dienstzeit als Aspirant, so daß also in der Regel 5% bis 6V2 Jahre von der Notierung bis zur endgültigen Anstellung vergehen. Einzelne Fälle haben sich z. B. so gestaltet, daß ein Anwärter, ein Büroassistent, bei einer Regie­rung vom 5. Oktober 1908 bis zum 29. Juni 1912 von der Vor­notierung bis zur Einberufung warten mußte. Ein Anwärter auf eine Kreisassistentenstelle wartete vom 19. Oktober 1909 bis zum 1. August 1912. Bei den Eisenbahndirektionen dauert die Wartezeit durchschnittlich etwa zwei Jahre; es gibt allerdings auch Ausnahmen, in denen die Anwärter nur wenige Monate oder gar nur wenige Wochen zu warten brauchen, in letzteren Fällen handelte es sich aber meist um Anwärter auf Posten im Fahr- personal, die im allgemeinen um vieles schneller in eine sichere Stellung gelangen, als ihre Kollegen, die auf Anstellung im nicht­technischen Eisenbahndienst warten. Abgesehen davon, daß die