wechsel gestanden und wisse, daß der verschwundene mit besonderer Freude an seinen Besuch in London dachte. Wenn Diesels Tod kein reiner Zufall gewesen fcin sollte, so könne er nur die Folge einer momentanen Geistesverwirrung bilden. Er hab« sich jahrelang überanstrengt. Sorgen habe er nicht gehabt. In der Familie Diesel versichert man, daß der Vermißte besonders in letzter Zeit stark an Atemnot litt. Wahrscheinlich sei er bei einem solchen Anfall aufgestiegen, habe sich an Deck begeben und sei vom Schwindel ergriffen über Bord gestürzt.
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Kunst und Wissenschaft,
-ft- München, 1. Ott. Die 10. Jahresversammlung des Deutschen Museums wurde gestern mit einem Begrühungsabend eingeleitet, den die Stadt den Teilnehmern im Saale des alten Rathauses gab. Dazu hatten sich hervorragende Vertreter der Wissenschaft und der Technik 'eingefunden. Als Vertreter des Reichskanzlers war der Staatssettetär Dr. Delbrück erschienen.
Unwetter-Nachrichten.
Zu dem Unwetter in ELdfrantteich und Spanien liegen noch fol- gnde Nachrichten vor:
Madrid, 1. Okt. Der Eisenbahnverkehr in Südspanien ist völlig lahmgelegt. Der Expreßzug von Saragossa nach Madrid ist entgleist. Zwei Eisenbahnbeamte find getötet und zahlreiche Pasiagiere verletzt. In San Vincente mutzten alle Züge in der Richtung auf Madrid um- kehren. Besonders in den Dörfern herrscht große Rot, da nicht ge- eiügend Rettungsmannschaften vorhanden find. Von Madrid find mehrere Abteilungen Militär zur Hilfe entsandt worden. Die Ernte ist völlig vernichtet. In Barcelona stürzte eine Brücke in dem Augenblick ein, als ein mit zehn Personen besetztes Gefährt sie pasiierte. Die Jnsasien fanden sämtlich den Tod in den reißenden Fluten.
P a r i s, 1. Okt. Am ärgsten hauste das Unwetter in Südfrankreich über den Städten Geibete und Port-Vendres. In Cerbere, das etwa 1500 Einwohner hat, floß das Wasser in einer Höhe von zwei Metern durch die Straßen und überschwemmte den grötzten Teil des Städtchens. Es drang auch in die unterirdischen Magazin« ein, wo bedeutende Vor- . M« von Benzin, Petroleum und Kalziumkarbid lagerten. Das Wasier zersetzte Lus Kalziumkarbid, so daß sich Azetylengas entwickelte, das 'sich entzündete und auch das Pettoleum und Benzin zur Explosion brachte, wodurch drei Häuser in die Lust flogen. 14 Menschen wurden getötet und über 30 schwer r/rwundet. Der Blitz schlug auch in mehrere Häuser ein und steckt« sie in Brand. Verschiedene Personen werden noch vermißt, man glaubt, datz sie in den Fluten ertrunken find. Bet Port- Vendres schwemmten die Fluten eine ganz« Dynamitfabrik weg, wodurch allein ein Schaden von einer Million Franken verursacht wurde. Die Regierung hat mehrere Eisenbahnzüge mit Eeniesoldaten, Aerzten und Lebensmitteln nach den heimgesuchten Gegenden gesandt, die meilenweit unter Wasser stehen.
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LuftMffabrt.
X Berlin, 1. Okt. Der französische Flieger Guillaux hatte von der deutschen Botschaft in Paris für den 10. bis 25. September einen Reisefchein^ für die Fahrt Paris-Herbesthal-Aachen-Hannover-Berlin- Wollstein-Plefchen und zurück erhalten. Die Fahrt unterblieb. Nunmehr erhielt Guillaux für den gleichen Weg einen neuen Reiseschein für die Zeit vom 1. bis 15. Oktober.
X Johannisthal, 1. Okt. Dr Flieger Sablatnig stellte einen neuen Rekord auf. Er erreichte mit vier Passagieren eine Höhe von 2080 Meter. Di« größte Höhe ohne Passagiere erreichte Viktor Stöffler mit 8820 Meter.
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Unpolitische Tages nach richten.
Sie Cholera. Prag, 1. Okt. Die Untersuchung des Sanitäts- Departements der Stadthalterei ergab, daß di« an asiatischer Cholera gestorbene Fran wahrscheinlich durch ihren Enkel angesteckt worden ist. -7- Sarajewo. Der hier aufgetretene Cholerafall ist bisher vereinzelt geblieben. In den verseuchten Provinzbezirken hat bk Cholera nirgends zugenommen. Die Stadt- und Landbezirke Tuzla sind bereits für cholerafrei erttärt worden.
Das Befinden v. Winterfelds. Ertsolle«, 1. Ott. Nach dem Morgenbericht über das Befinden des Oberstleutnants v. Winterfeld dauert die Schwäche an, doch trat keine Verschlimmerung ein. Temperatur 37,8, Puls HO, Atmung 20. Die Affektton des linken Lungenflügels ist sehr zurückgegangen.
Vermischtes.
Esse« und Trinkt« in MüuchkN (au* dem Briefe eine» Engländers). „Somit deshalb ich fange gleich an, zn sagen Ihnen, daß ich nie gesehen hatte eine Stadt, wo gegessen wird mehr und getrinkl noch viel mehr, al» München. Sie effen dort groß weiß Rüben» (wohl Rettige?) Harkbacken, trockn alt Bord in Schnörkeln (wohl Vierbretzel?) und nicht anmutig, nicht jung und nicht very dünn Frauen belästigte den Englishman in Biergarten, wo ist sehr wenig Baum, aber mach Volk mit vielen Durst, viel Kind, vielen Schrei und sehr kleine Dienerung. .Ein frei Sohn Englands darf nicht beugen so sein Stolz, zu fassen with eigen hands ein Beerkanne, ihm baden und fragen foor Beerl Er kann nicht thun da» l —Ihr German Senf ist schlecht — fein
Schmack; Kardoffel dr salat nicht so schlecht, aber eine gemeine herring darinnen gibt der salat ein gemein Anstrich. Der Saure Kraut hatte Lichtseiten, aber in Dauer monotonös und macht viel durstig, waS ist ‘ da» wünschen jeder Münchener, auch seine Weib. — Ein gut Essen ist der .Schmarren de» Kaisers", wie ich habe versehrt oft in ihren Bergen, aber nicht sah ich einstmals ein wirklich pudding. Die Spatzen (wohl Spätzle?), wie man solche eßt jn Stuttgart, auch bei ste, find unschluckbar für den Magen geboren in Great Britain — Beefsteak in Munich ist nicht weniger blutig al» in Old England, davon auch eben so gut. Bon Trank kann ich sagen nur Lob; ihr beer ist mir gewachst nun am Herz und ich seufz tief here hinter ein klein Lagerbeerglas, da» aber teuer ebenso al» MunichseitL Was betrifft Manieren beim Tisch, so wir sind die beste und das wissen auch wir wohl: ich denke viel zu fein Englishman Um die Briefe zu kurzen, muß ich sagen nur noch, daß ein Plätzchen in Munich mir behagen mehr wie anders: der „Rattenhauskeller", wo es ist kühl und hab« entdeckt ein Eebräu, welche sie heißen „Bohle" oder „Bolle" — wie schreiben macht nichts zu der Sache, aber schmeckt und ich und die Bädecker kommen wieder diese Jahr um zu sehen ob Bohlen noch da sind. Freue mich also auf „Munich opera", aber fürchte ihre Fräulein» mögen gefrieren, essen zu viel Eißen!„ (wohl ® frorenes?).
Wer ben Schaden hat . . . Schusterjunge (zum Herrn, dessen neuer Zylinder von einem Automobil überfahren worden ist): „Na, wissen Se, den scheuen Hut hätte, ick aber noch aich aufbiegeln lassen!"
Letzte Nachrichten.
München, 2. Okt. Gerüchte, wonach sich das Befinden König Ottos verschlimmert habe, sind darauf zurückzuführen, datz König Otto an ungefährlichen Furunkeln leidet. Er itzt jedoch bei gutem Appetit und schläft gut. Veränderungen seines Allgemeinbefindens find nicht eingetreten.
München, 2. Okt. Heute abend lut der Prinzregent den gesamten Vorstandsrat und den Ausschutz des Deutschen Museums zu einem geselligen Abend in die Residenz ein. Der Regent empfing die Gäste, von denen etwa 340 erschienen waren, im Saale Karls des Großen und ließ sich viele oorstellen. Hierauf hielt im Hofballsaale Pros. Dr. Nernst einen Vortrag über die Bedeutung des Stickstoffes für das Leben. Der Prinzregent hielt hierauf längere Zeit Eercle.
Schweinfurt, 2. Ott. Aus dem Main zogen Netzfischer 40 goldene, zum Teil sehr kostbare Uhren und Ketten, die einem Juwelier in Bamberg gehören, dem sie vor längerer Zeit gestohlen worden waren.
Kopenhagen, 2. Ott. Hier zirkulierte gestern das von unbekannter Stelle verbreitete Gerücht, König Christian, der gegen- wärfig den Manövern in Nordseeland beiwohnt, sei plötzlich gestorben. Das Gerücht ist, wie sofort festgestellt wurde, völlig falsch. Der König erfreut sich besten Wohlseins.
Triest, 2. Ott. Die Seebehörde hat das deutsche Segelmotorschiff „Deutschland", das eigens für die Schiffahrt in Polargegenden gebaut wurde, für den österreichischen Staat angekauft.
Loudon, 1. Okt. Zu ben Gerüchten, bie Japaner entfalten im Vangtsetal eine lebhafte Tätigkeit mit bet Absicht, ein Unternehmen zu beginnen, bas berechnet sei, zur Aufteilung Chinas zu führen, erhält Reuter von zuverlässiger Quell« bie Versicherung, Japan beabsichtige keineswegs «inen Kurs einzuschlagen, btt zu unerwünschten Folgen führen könne. Die Gerüchte von einer Vermehrung bei japanischen Streitkräfte in Hankau unb bie Landung zahlreicher Truppen in Nanking sowie bie Absendung eines Ultimatums sind unbegründet. Nur 200 Matrosen sind in Nanking gelandet, um bi« japanische Niederlassung zu bewachen. Die japanischen Kriegsschiff« in Nanking werden zurückgezogen, sobald bie Ordnung wieder her gestellt ist.
Leutnant Steffen.
Boulogne für Met, 1. Ott. Leutnant Steffen nahm seinen Apparat auseinander. Das Flugzeug wird mit der Eisenbahn nach Berlin befördert. Steffen reist morgen früh nach Deutschland.
Die Balkangrenel.
Wien, 1. Okt. Die aus dem Carnegie-Fonds ausgerüstete Kommission zur Untersuchung der Greuel auf dem Balkan hat ihre Arbeiten beendet. Das Ergebnis der Untersuchung, die bekanntlich weder in Griechenland noch in Serbien wegen des Widerspruchs beider Regierungen vorgenommen werden konnte, ist laut bulgaiischer Mitteilung derart, datz an erster Stelle hinsichtlich der Verübung von Ereueltaten die Griechen, an zweiter die Bulgaren und an dritter die Serben stehen.
Belgrad, 1. Okt. Die Albanesen haben gestern bei Lopufchtt Han eine Niederlage erlitten. Nach amtlichen Berichten haben bie Albanesen auf ihren ganzen Rückzug furchtbar« Grausamkeiten begangen. Dörfer in Branb gesteckt unb wehrlose Christen, Albanesen unb Türken, welche ihnen bie Gefolgschaft verweigerten, niedergemetzelt.
Belgrad, 2. Ott. Ministerpräsident Pasttsch dürfte auf seiner Rückreise von Paris Wien nicht berühren. — Eine hiesige rnatz-
gebende Persönlichkeit erklärt daß über die Frage, ob die serbisches' Truppen, die in London festgesetzte Grenzlinie überschreite» > würde, noch nicht endgiltig entschieden sei.
Belgrad,' 2. Ott. Wie verlautet, wird das Moratorium f»i Anbetracht der erneuten Mobilmachungen bis Ende dieses Jahre«1 verlängert werden.
Siebenfacher Mord. ' T.
Paris, 2. Ott. Auf einem Bauerngehöft von Das Briace fw der VendSe hat der 15jährige Ackerknecht Marcel Redureau mit einem scharfen Rebenmesser die ganze Familie des Ackerwirte», Mabit, bei dem er arbeitete, ermordet, den 40jährigen Ackerer, bie 70jährige Großmutter, die 28jährige Frau Mabits unb drei kleine Kinder sowie ein 17jähriges Dienstmädchen. Nur bas kleinste Kind, bas in der Wiege lag, blieb verschont. Dann ging Redureau heim und legte sich schlafen. Nach seiner Verhaftung legte Äc in Gegenwart seiner Eltern ein volles Geständnis ab. Er sagte: Um 10 Uhr war ich allein mit Mabit im unteren Hause, um Reben zuzurichten. Der Arbeitgeber sagte zu mit, ich wäre ein verschlagener Bursche und wandte mir den Rücken zu. Ich gab ihm mit der stumpfen Seite eines Beiles, mit dem er Reben setzte, einen Hieb über ben Kopf, kehrte, als er zu Boden stürzte, bas Beil um unb durchschnitt ihm den Hals. Dann brang ich iit bas eigentliche Wohnhaus, wo als Erste mir Mabits Mutter entgegentrat. Ich ließ ihr gar nicht lange Zeit, Fragen zu stellen. Dann kamen Frau Mabit unb das Dienstmädchen. Ich machte auch mit ihnen kein Federlesen und schlug sie nieder. Um bie cet» haßte Bande vollständig auszurotten, schnitt ich auch den drei Kindern den Hals durch. An das letzte Kind dachte ich nicht. Dann ging ich zu meinen Eltern und legte mich schlafen. — Bei bet Ueberfiihrung des Mörders nach Nantes konnte er nur mit größte? Mühe vor bem Lynchen bewahrt werben.
Das Unwetter in Konstantinopel.
Konstantinopel, 1. Okt. Unausgesetzt treffen neue Einzelheiten über bas gestrige nächtliche Unwetter unb die in ben Vororten hervorgerufenen Katastrophen ein. Das Wasser, Erdmassen unb Steinblöcke zerstörten eine Anzahl Quarantänebaracken bet Beikos am asiatischen Ufer bes Bosporus, wo 1000 muselmanische Flüchtlinge in Quarantäne lagen. Mehrere verunglückten löblich. Bis jetzt würben acht Leichname geborgen. Auf der Mar- marainsel wurden etwa 50 Häuser unb Geschäfte zerstört. Bet dem Unwetter wurde die alte Ealatabrücke, welche zur Hälfte stehen gelassen war, weggerissen und stürzte auf bas Transportschiff „Rascab", bas fast völlig zerstört würbe.
Depeschen.
Gießen, 2. Ott. Der Häusermakler Rosenthal wurde wegen Betrugs 1« 3 Jahren Gefängnis verurteil!. Sein Schwager würbe nur wegen Unterschlagung zu 50 <M Geldstrafe verurteilt.
Lissabon, 2. Okt. Die Polizei fand eine Bombennieder. Niederlage. Es wurden mehrer« Verhaftungen vorgenommen.
A t h e n, 2. Ott. Angesichts bet gespannten Lage sollen sechs Jahrgänge Reservisten eingezogen werde«.
Hlittdel?iachrick1en. ;
th. Gießen, 1. Ott. 7 gestrige Rindviehmartt hatte eint« Vorrat von 900 Stück Großvieh, 500 Stück Jungtiere unb Kälber. Bezahlt wurden für bas Stück Milchkühe 1. Qual. 600—700 M, 2. Qual. 500—580 3. Qual. 880—475 <M, junge Stiere und Rinder je nach
Form für Zuchtzwecke, 5—7 Monat« alt 150—175 <*, 8—10 Monate alt 180—240 M, °/-—iNjährige Tiere 250—300 <M. Es wurde verkauft bet Zentner Schlachtgewicht: Fette Rinder 94—96 «M. fette Kühe in guter 2. Qual. 85—86 M, 3. Qual. 78—83 M (bessere Ware fehlte am Markt). Kälber, 1. Qual. 96—98 M, 2. Qual. 86-92 JL. Fahrochsen, die wieder nur in einigen mitteschweren Paaren am Markte waren, wurden nach dem Siegerland hin mit 1100—1200 M verkauft. Nächster Markt am 21. und 22. Oktober.
Oeffentlicher Wetterdienst. M
Dienststelle Weilburg (Londwirtsckaftsschule).
Wetterausfichten für Freitag, 3. Ott. 1913: Meist heiter unb trocken, zunehmende Bewölkung, etwas milder.
Für bie Redaktion verantwortlich: I. Wilhelm Mißriet in Marburg.
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