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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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und den Beilagen: ..Nach Feierabend",Fürs Haus" und ^Landwirtschaftliche Beilage".

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DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Bonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertelsährlich durch die Post 2.25 M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. Verlag von Dr. E. Hitzeroth. Druck der Univ.- j Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. E. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marburg

Donnerstag, 25. September

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 L, bet amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 A, für Reklamen die Zeile 60 A- Bet Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

Nation wirken. Aber in einer so wichtigen, staatsrechtlich entschei- denden Frage kann sie nicht als zureichend angesehen werden. Staatsrechtlich habe si.ch seit dem Bundesratsbeschluß vom 28. Fe­bruar 1907 nichts geändert..Was wir ferner vermissen, das ist vor allem eine klipp und klare Absage des Prinzen Ernst August an die Welfen. Warum gibt der Prinz eine solche Erklärung nicht ab, auf die alle Welt wartet und die unbedingt nötig ist?"

48, Jahrg.

1913.

Erstes Blatt.

Vom Balkan.

Dir Lag« in Albanien

ist noch immer sehr verwirrt. Im einzelnen liegen folgende Nachrichten vor:

> Pari«, 24. Sept. DasEcho be Paris" meldet, daß in diplomati­schen Londoner Kreisen di« Ansicht herrsche, das; Sir Edward Erey ver­pflichtet sei, eine neue Botschafter-Konferenz über die albanische Frage «inzuberufen. Als die letzte Botschafter-Konferenz am 12. August aus­einanderging, waren nur einig« Punkte erledigt und einige der zukünf- ttgen albanischen Verfassung festgestellt. Ferner ist eine internationale Kommission zur Erenzfesilegung des neuen Staates ernannt worden, aber ein Staatsoberhaupt hatte man nicht gewählt. Die letzten alba­nischen Zwischenfälle und die Haltung Esiad Paschas haben eine neue Anzahl Schwierigkeiten hervorgerufen. Hierzu kommt die griechische Haltung betreffs der Festlegung der Grenze. Es ist wohl bekannt, daß Sir Edward Grey durch direkte Verhandlungen mit den Mächten alle schwebenden Punkt« erledigen möchte, jedoch wird in diplomatischen Krei­sen die albanische Frag« als viel zu kompliziert angesehen, als daß sie auf diesem Wege erledigt werden könnte. Deshalb fordere man die Ein­berufung einer Botschafter-Konferenz. Erey hat sich allerdings gestern aufs Land begeben, wo er «inen Erholungsurlaub verbringt.

Belgrad, 24. Sept. Ein königlicher Ukas hat die Mobilisierung der Morawadivision angeordnet und die eines Teiles der Reservisten aller Divisionen.

Wien, 24. Sept. Di«Albanische Korrespondenz" meldet aus Va- lona: Vertreter der provisorischen Regierung haben sich nach Durazzo be­geben, um mit Esiad Pascha zu verhandeln. Ferner meldet sie aus Skutari, die Aclteestn der albanischen Stämme Hott, Eruba, Schkreli und Kastrat? hätten beschlosien, die Feindseligkeiten gegen Montenegro zu er­öffnen und die Montenegriner aus den von Albanern bewohnten Gebie­ten zu vertreiben. DieSüdslawische Korrespondenz" meldet aus Ce- tinje: Der König ist aus Topolitza zurückgekehrt und hat an der Besprech­ung der Minister über die militärischen Maßnahmen gegen das Vorgehen der Albaner teilgenommen. ; --- --------- . .........

_________Eetinte. 24, Sept. , Ein offiziöses (Kommunique besagt, di« Re­gierung verfolgt die Ereignisse 'ünö Wtrren ttr Albanten mit ununter­brochener Aufmerksamkeit und ist hauptsächlich bemüht, die Grenz« gegen die unablässigen Einfälle der Albanesen zu schützen. Truppen, welche dazu dienen, die Erenzgarnisonen abzulösen und gegenüber den Drohungen der Albanesen zu verstärken, sind bereits abgegangen. Nichtsdestoweniger besteht die Befürchtung, daß man gezwungen sein könnte, energischere Maßnahmen zu ergreifen, wenn sich die Lage verschärfen sollte.

Belgrad, 24. Sept. Die für die Operationen gegen die Albanesen aus acht Regimentern gebildete Drindivision befindet sich 'auf dem Marsche nach der albanischen Grenze.

Belgrad, 24. Sept. Nachdem die Albanier Dibra eingenommen hatten, zogen sie in Heerhaufen, die insgesamt 20 000 Mann zählten, gegen Struga, Kitschewo und Djakowitza und ermordeten unterwegs zahl­reiche angesehene Serben. Bei Pischkopeja, das wie gemeldet, ebenfalls von ihnen genommen wurde, fiel eine serbische Kompagnie mit 4 Offi­zieren bis auf den letzten Mann. Die Stadt Djakowa fiel in die Hände der Aufständigen, ebenso Kitschew. Ueberall schloß sich die albanische Be­völkerung auf serbischem Gebiet den Arnauten an und schoß aus den Fenstern auf die Serben. Dann haben die Albanier Pritzrend angegrif­fen. Der Sturm wurde zwar abgeschlagen, doch glaubt man, daß die Arnauten bei der großen strategischen Wichtigkeit Prizrends Alles tun werden, um den Ort in ihre Gewalt zu bekommen. Der Aufstand breitet sich aus. Die Arnauten nähern sich der Stadt Struga, wo groß« Furcht herrscht, daß die Stadt in den Besitz der Albanier fät. Di« serbischen Truppen konzentrierten sich 7 Klm. von Dibra und Kitschewo entfernt. Die neue gebildete Drin-Division erhielt Befehl, nach Albanien zu mar­schieren. Die Montenegriner konzentrieren ihre Truppen bei Djakowitza.

Wien 25. Sept. Die albanische Korrespondenz meldet aus Ljuma in Nord-Albanien: Seit vielen Wochen war es hier klar für jedermann, daß es zum Aufstand« kommen werde. Jsia Boljetinaz und die anderen Führer haben die Bewegung nicht selbst inszeniert, sie wurden von ihr mitgerisien. Um sie scharen sich die ungezählten Flüchtlinge aus den von Serbien eroberten Gebieten. Jeder brachte neue Schreckensnachrichten über das Verfahren der serbischen Truppen gegen die Bevölkerung.

Wien, 25. Sept. Aus Janina wird gemeldet, daß Esiad Pascha im Verein mit zwei anderen Notablen die Autonomie Albaniens unter der Souveränität des Sultans proklamiert habe.

Sofia, 24. Sept. Nach einer Meldung der Agence Vulgare sind die bulgarischen Grenzposten bei den Dörfern Vladovtzi und Ritsch im Be­zirke Strumitza von serbischen Soldaten und türkischen Baschibozuks an­gegriffen worden. Das Gewehrfeuer bauerte mehrere Stunden.

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Politische Umschau

Zur Welfenfrage.

Die Erklärungen derTägl. Rundschau" hierzu, die wir gestern veröffentlichten, haben viel Staub aufgewirbelt. Die Deutsche Tagesztg." schreibt:Jedenfalls liegen auch heute Ent­scheidungen, die zur Veröffentlichung reif wären, noch nicht vor, und allen Einzelmitteilungen gegenüber ist deshalb in diesem Sta­dium der Verhandlungen größte Vorsicht am Platze." DieKreuz­zeitung" meint, daß angesichts der wölfischen Kundgebungen die Verhältnisie sich nur dann erträglich gestalten, wenn die Mit­glieder des cumberländischen Hauses keinen Zweifel darüber lasten, daß derartige Kundgebungen nicht in ihrem Sinne liegen. Im übrigen hätten die bisherigen Erfahrungen, die man in der wel­fischen Bewegung gemacht hat, gezeigt, daß doch eine größere, jeden Zweifel ausschließende Klarheit erwünscht gewesen wäre. Freilich Hätte eine solche rechtzeitig, d. h. vor der Hochzeit des fürstlichen Paares, beschafft werden müsten, und man wird bedauern, daß das nicht geschehen ist. DiePost" wird scharf: Das einzig neue, man Könnte sagen entgegenkommende Moment wäre also lediglich die in Dlusficht gestellte Verzichtleistung des Herzogs von Cumberland zugunsten seines Sohnes. Sie soll offenbar beruhigend auf die

Auch auf der Linken ist man mit der vorgeschlagenen Regelung nicht einverstanden. So schreibt di« demokeratisch«B. Z.": Wenn Preußen auf Grund der augenblicklichen Situation eine Aenderung des bestehenden Zustandes beim Bundesrat beantragt, so setzt es damit sein Verhalten während der Jahre 1884 bis 1912 ins Unrecht. Entweder besteht auch für die Zukunft keine Gefahr für Preußen, dann war Preußens bisherige Haltung kleinlich und rechthaberisch, oder es besteht eine solche Gefahr, dann muß man auch vom Schwiegersohn des Kaisers einen staatsrechtlich alle Agnaten bindenden Verzicht fordern."

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Deutsches Reich.

26. Generalversammlung des Evangelischen Bundes. Gör­litz, 25. Sept. Mit einem Kirchenkonzert in der Peterskirche be­gannen heute hier die Veranstaltungen der 26. Generalversamm­lung des Evangelischen Bundes, zu der zahlreiche Besucher aus allen Teilen des Reiches eingetroffen find. Die Einladung zu der Tagung ist von dem Zentralvorstand und dem Schlesischen Haupt­verein ausgegangen; in ihr wird u. a. ausgeführt: Auf dem Boden Schlesiens, in den gastlichen Mauern des aufblühenden Gör­litz wird der Evangelische Bund vom 25. bi» 29. September sein« 26. Generalversammlung halten. Durchdrungen von der festen Ueberzeugung, daß der Sinn der deutschen Geschichte dt« Erhaltung der Segensgüter der deutschen Reformation und daß da» Wohl de» deutschen Volke» die Stärkung der nationalen Gemeinbürgschast fordert, wollen wir bei unserer diesjährigen Tagung erneut den Weg zum konfessionellen Frieden unter Wahrung der deutsch ^protestantischen Interessen weisen. Die klare Erkenntnis der be­drohlichen Hemmniste dieses Friedens, der starke Will« zu seiner wahrhaftigen Förderung, die unermüdlich« Pflege der großen ge­meinsamen Gaben und Aufgaben de» Protestantismus sollen zu einem konfessionellen Frieden führen, der vereinbar ist mit der protestantischen Ehre, der evangelischen Wahrheit und der natio­nalen Freiheit. Unbeirrt durch mancherlei Verkennung, gestärkt durch eine treue, auch im letzten Jahr« um mehr als 25 000 Glieder gewachsene Waffenbrüderschaft rufen wir inmitten gewaltiger vaterländischer Erinnerungen unser« evangelischen Mitbürger in solchem Geiste zu einem tapferen und einmütigen Geisteskanrpf« auf für den wahren Frieden wider feine grundsätzlichen Feind«. Die Zeit wird kommen, wo es offenbar wird, daß unser Werk di« wirksame Vorbedingung zu einer segensreichen nationalen Ge- meinbürgschaft ist. Wir werden über die Tagung berichten.

Titelschacher. In der Prest« wird viel erörtert der Bries eines Herrn Dr. A. de Mode de Chatel, eine» Schweizer», der in einer Berliner Pension lebt, an einen Herrn Dr. Vorberg, in dem es heißt:Ich bin in der Lage, Ihnen den Hofrattitel vom Fürsten tum Lippe oder Sachsen-Koburg-Eotha zu verschaffen. Es ist für diesen Titel eine Stiftung Ihrerseits von ca. 3000 M erforderlich." Die Hofmarschallämter Koburg und Lippe lasten sich angelegen sein, festzustellen, was es mit diesen Versprechungen auf sich hat. ob Hintermänner im Spiele sind, und welch«. Sie erklären, daß sie der Angelegenheit völlig fernstehen.

Da» Festhalten am Massenstreik. DerVorwärts" schreibt:Es ist grundfalsch, wenn liberal« Blätter und leider auch ein Parteiblatt, die einen jauchzend, das andere zu Tode betrübt, von einer Beisetzung be« Massenstreikgebankens sprechen. Es ist ein Verdienst der Rebe Frank» und des Schlußwotts von Scheibemann, diese Austastung als völlig irrig erwiesen zu haben. Ob und wann der Massenstreik in Deutschland ge­führt werden wird, kann niemand sagen, das hängt von dem Widerstand bei Herrschenden gegen das eherne Muß der polittschen und sozialen Fortentwickelung einerseits, andererseits von der Angriffslust und dem Opfermut der Masten ab. Nichts törichter jedenfalls, das soll hier noch bemerkt werden, als die Phrase von der Unreife dieser Masten. Die deutschen Arbeiter stehen an politischer Einsicht und Erfahrung hinter keinen anderen zurück, und wir sind überzeugt, daß sie in gegebener Stunde tun werden, was getan werden muß. Der Mastenstteikgedanke braucht in keinem Proletariat erst theoretisch lebendig gemacht zu wer­den, weil er infolge der Klastenlage unmittelbar vorhanden ist und nur durch eine bestimmte Situation, die selbst wieder infolge des allgemeinen Kampfe» eintritt, zur Verwirklichung gelangt. Deshalb ist di« An­wendung des Mastenstreiks kein Diskustionsproblem, sondern, wie jede Aktion der Arbeiterklaste, ein Organisationsproblem, das zu bestimmter Zeit in einer gegebenen Siuation mit gegebenen Mitteln praktisch gelöst werden muß." Schade für die Illusion der Eroßblockschwärmer.

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Tie Ueberlandzentrale.

- Marburg, 24. September.

Im großen Stadtsaale tagte heute nachmittag eine vom Bürgerverein einberufene, von etwa 80 Herren aus Stadt und Land besuchte Versammlung, welch« sich mit der Frage der Ueber­landzentrale beschäftigte. Der Vorsitzende des Bürgerverein», Restaurateur Dietrich, wies zunächst auf die in letzter Zeit in der Preste wieder mehrfach erörterte Frage der Versorgung des Kreises Marburg mit elektrischer Energie hin. Der Bürgerverein hab« sich deshalb veranlaßt gesehen, zur Klärung dieser wichtigen An­gelegenheit durch Einberufung dieser Versammlung beizutragen.

Der Referent, Parteisekretär Pörsch, wies in seiner Einleitung auf die seit einigen Jahren gepflogenen Verhandlungen betreff« Versorgung des Kreises Marburg mit elettrischer Kraft hin. Es liege in der Natur der Sach«, daß solch« Fragen besonder» feiten» der Landbewohner, vor­

sichtig behandelt würden. Bei der Einführung der Wasterleitungen sei es gerade fo gewesen. Auch das Land habe das Recht, an den Kultur- fortschritten der Neuzeit teilzunehmen. Tatsächlich gebe es jetzt auch schon viele ländliche Gegenden in denen die Elektrizität in ihrer viel- fettigen Weise angewandt würde. Im Dorf Wälserlingen im Westerwald hab« man sogar eine damit betriebene Holzschneidemaschine und eine Schrotmühle angeschafft und mache diese Einrichtung jedem Ein­wohner zugänglich. Da eine ganze Reihe von Dörfern hier den Wunsch nach elektrischer Kraft hab«, entsteh« die Frage, wer die Kraft beschaffe. Da gebe es nun verschiedene Wege, nämlich die, daß Stadt, Kreis oder Staat, oder Private diese Kraft liefern. Daß die Stadt, den Anttag der Buderuswerke, welche die Lieferung übernehmen wollte, abg-keynt habe, sei sehr richtig. Diese privaten Erwerbsgesellschaften hätten i» erster Linie ihr eigenes Jntereste und nicht das Gemeinwohl im Auge. Die Praxis habe erwiesen, daß selbst bei größter Vorsicht baoei, bat Interesse der Gesamtheit zu kurz komme. Diese Erfahrungen hab« man nicht nur in Deutfchlanb, fonbein auch in anbeten Ländern mit solch»» Privatgesellschaften in Hülle und Fülle gemacht. Deshalb sei man überall zu bei Einsicht gelangt, daß man solche Betrieb« in öffentliche Hände legen und nicht piivaten Gesellschaften übeilast«. Dann könne die Korn- mune wenigsten« mitteben. In Betracht komme auch hauptsächlich noch die Geldfrage. Jede Kommune habe Geld nötig, und wenn bei solchen Unternehmungen Geld verdient würde, käme dieses den Steuerzahlern bezw. der Gesamtheit zugute. Dann müste man bei den Privatbetrieben auch di« Trustgefahr, bi« di« Preis« dirigiere, in Betracht ziehen. In Amerika führ« der Staat sogar schon große Kämpfe gegen die Trust», die zu ungeheurer Macht gelangt seien. Auch in Deutschland sei man bemüht, einen Elektrizitätsttust zu bilden. Einige Staaten, z. B. Bayern und Sachsen, gingen ja schon gegen diese Gefahr der Elektrizitäts- tiuft» vor. Der Redner brachte dabei einen diesbezüglichen Erlaß der sächsischen Regierung zur Verlesung. Vor einigen Tagen habe sich der Bund der Industriellen, der in Leipzig getagt, ebenfalls mit diesen Monopolbestrebungen in der Elektrizitätsbranch« befaßt und eine Ein­gabe an die Regierung etngereicht, diesen Bestrebungen entgegenzutreten. All«, die elettrisch« Kraft haben wollten, hätten deshalb Interesse daran, solchen Privatbetrieben gegenüber vorsichtig zu sein. Aus diesem Grund« sei bet ablehnenb« Beschluß bezüglich der Abnahme von Kraft au« den Buderuswerken richtig. Di« Allgemeine Elektrizitäts-Gesell­schaft habe sich ja auch schon in der Umgebung von Frankfurt betätigt. Der Redner wie« bann auf di« Bestrebungen der Stadt Gießen hin. den ganzen Kreis Marburg mit elektrischer Kraft zu versorgen. Der Stadt Gießen sei dies« Rührigkeit nicht übel zu nehmen, andere Städte könnten sich daran ein Beispiel nehmen. Mit aller Entschiedenheit müffe man dagegen Front machen, daß Gießen auf Kosten Marburgs wirtschaftlich erstark«. Sie möge im Darmstädtischen bleiben. Die Hinterlandbahn, di« Gießen betreibe würde Marburg ebenfalls wirtschaftlich schädigen. Das Ansehen Marburg» würde sehr darunter zu leiden haben, wenn Gießen durch llebernahm« der Lieferung bei Elektrizität in den Kreis Marburg eindring«. Solche» dürste die Ehr« Marburgs auch nick« je# lasten. Ob es richtig fei, daß der Marburger Landrat das Gießener Projett unterstütz«, wist« «r nicht. Jedenfalls fei man auf dem Land« in dem Irrtum befangen, daß Marburg nicht so billig wie Gießen liefern könne. Er könne behaupten, daß die» nicht richtig sei. Die Marburger Kveisdörfer könnten ruhig an Marburg anschließen, das seinerseits den Strom aus der Ebertalzentrale beziehe. Stadt und Land müßten in dieser Frage an» vielen Gründen zusammengehen. Der Kreis allein könne kein« lleberlandzenttale bauen, da» koste zuviel Geld. Die Reservestation, die Marburg in seinem Elettrizitätswerk besitze, mäst« bei Kreis z. B. erst schaffen. Ferner sei auch zu bedenken, daß das Land Interest« daran habe, die Stadt, die allein zwei Drittel aller Kreis- steuern aufbringe, wirtschaftlich zu stärken. Die Verhandlungen mit bei Edertalzentrale seien jetzt soweit, daß in einigen Wochen, wenn der Kreis zustimme, die Verträge fertig sein könnten. All« sonstigen Differenzen zwischen Stadt und Land müßten bei Seite gelasten werden. Wenn in dem erwähnten Sinne die Angelegenheit gelöst würde, erwachs« dadurch für Stadt und Land großer Vorteil.

Der Vorsitzende schloß sich nach Dankesworten für den Redner besten Ausführungen an und zeigte an der Hand der Karte des Kreises Marburg, daß man von Marburg aus den ganzen Kreis Marburg und gegebenenfalls zusammen mit Kirchhain auch noch diesen Kreis mit Elettrizität versorgen könne. Gießen könne nicht billiger liefern. Marburg stelle den Gemeinden auch keine beson- deren Bedingungen, dies« hätten es nur mit ihrer Kreisstadt zu tun. Die Gerüchte, daß nur 8 Gemeinden sich anschließen würden, sei veraltet. Die Vorarbeiten seien gegenwärtig schon soweit gediehen, daß man genau wiste, was die Sache koste, und von den 90 Gemeinden des Kreises hätten sich über die Hälfte bereit er­klärt, anzuschließen. Im Verlaufe der weiteren Aussprache meinte Rettor Hentze, daß die Kreisverwaltung Hand in Hand mit der Stadt gehen möchte. Fabrikant A. Schäfer erinnerte daran, daß bei elektrischen Anlagen immer noch etwas passieren könne, was die Heranziehung von Monteuren nötig mache. Rehme man An­schluß von Gießen, müßten jedesmal diese teuren Leute von dort bestellt werden; schon deshalb verdiene das Marburger Projekt den Vorzug. Auf weitere Anfragen bemerkte der Vorsitzende, daß die Stadt bezw. die^Steuerzahler durch das Projekt nicht belastet wür­den, das Werk müste eine Anleihe in Höhe von etwa 14 Mil­lionen Mark aufnehmen. Für Kraftzwecke würden wohl nicht mehr wie 20 Pfg. und für Lichtzwecke nicht mehr wie 45 Pfg. fest­gesetzt werden. Fabrikant Metzler führte aus, daß die Verwirk­lichung'des Gießener Projekts eine Schädigung für Marburg be­deute, wer da» nicht glaube, müste das Gegenteil beweisen. Er bedauerte weiter, daß die Stadt die Sache so vertraulich betreibe, der Landrat trete offener hervor. Es befremde ihn, daß der Ober­bürgermeister Mecum von Gießen an der Marburger Kreissitzung teilnehmen solle, er behauptete dabei, das hätte in der Zeitung gestanden. Der Vorsitzende hielt die Vertraulichkeit für berechtigt. Der Oberbürgermeister von Gießen sei nicht zur Kreissitzung ein­geladen, sondern man habe nur besten Offerte gewünscht. Kreis- und Stadtvertretung befänden sich in dieser Sache im besten Ein­vernehmen und der Landrat stehe der Stadt in ihren Bestrebungen, die Angelegevheit aufs beste zu regeln, sympathisch gegenüber.

Parteisekretär Pörsch erinnerte daras, daß die Stadt mit der Ueberlandzentrale kein Geschäft machen, sondern nur die wirt­schaftlichen Jnteresten Marburg» vertreten wolle. Die Preise fetew