MerhejMe Zeitung
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Kweltes Blrttl
Nr. 219
Donnerstag. 18. September
Die wirtschaftliche Lage im Baugewerbe.
Uns wird geschrieben:
Bedauerlicher Weise ist seit einigen Jahren ein Rückgang im Baugewerbe eingetreten, welcher sich langsam vergrößert und chronisch zu werden scheint. Die Statistik der Baugewerksberufsgenosienschaften liefert einen Beweis dafür, dah die Beschäftigungstagewerk« ganz erheblich in der Abnahme begriffen sind. Am größten ist wohl die schlechte Lage im Baugewerbe in Berlin gegenwärtig zu verzeichnen, wo bei hohen Löhnen und Organisation etwa 30 000 Bauarbeiter arbeitslos sein sollen, welche Zahl sich bis zum Schluß der Bauperiode noch vergrößern wird. Bei dieser mißlichen Lage werden auch viele selbständige Unternehmungen finanziell zugrunde gehen.
Es ist nun schon von verschiedenen Parteien erwogen worden, eine Arbeitslosenversicherung zu gründen, bis jetzt ist dies aber noch aus gewissen Gründen ein Problem geblieben. An eine Hilfe beim Untergang der selbständigen Unternehmerbetriebe hat man aber noch nicht gedacht, dieses ist jedenfalls darauf zurückzuführen, daß diese Leute in der Minderzahl sind und keinen großen Lärm in öffentlichen Versammlungen machen. Aus jeden Fall dürfte aber gerade der Staat ein Jnteresie daran haben, allen selbständigen Betrieben mehr Schutz als seither zu gewähren, wie solches bei der Arbeiterfürsorge der Fall ist. Denn je mehr der Unternehmerstand zurückgeht, geht auch die Unternehmungslust im allgemeinen zurück.
Bekanntlich versteht man unter einem Unternehmer eine Person, welche irgend etwas auszuführen unternimmt, d. h. deren Streben dahin gerichtet ist, ein Werk zu beginnen und zu vollenden; bei größeren Unternehmungen gehört sogar eine besondere Intelligenz, Mut und Entschlossenheit dazu, welche Eigenschaften gerade nicht jedem Menschen gegeben sind. Es ist ja doch Tatsache, daß das Wohl und Wehe ganzer Völker von der Strebsamkeit und Tüchtigkeit der Unternehmerbetriebe, ganz besonders der industriellen Betrieb«, abhängig ist, denn wo man nichts zu unternehmen imstande ist, da erlahmt die Schaffenskraft, d. h. Lust und Liebe zur Arbeit. Ein Volk wird dabei wirtschaftlich zugrunde gehen. Bekanntlich werden diese selbständigen Unternehmerbetriebe seitens der Sozialdemokratie durch Verhetzen der Arbeitermassen systematisch bekämpft; geht man doch von der Taktik aus, möglichst jede Selbständigkeit der Unternehmer zu zerstören, um dadurch eine Stütze des Staates nach der anderen zu brechen. Wie schwer wird heute diesen Betrieben die Existenz von dieser Seite zum Nachteil der Allgemeinheit gemacht, um dadurch diese Betriebe in der Zahl und Leistungsfähigkeit einzuschränken, welches zur Folge hat, daß diese Betriebe weniger konkurrenzfähig bleiben.
Eine peinliche Situation ist es, Leute in einem Betriebe zu be- Ichäftigen, welche in öffentlichen Versammlungen und mittelst Flugblätter durch allerlei Vorspiegelungen unzufrieden gemacht werden: diesen Leuten wird alle Schaffensfreudigkeit, Lust und Lieb« zur Arbeit genommen, sodaß sie mit ihrem Dasein nicht mehr zuftielen sein können. Diese Verhetzungen haben weiter zur Folge, daß die selbständigen Unternehmerbetriebe weiter eingeschränkt werden, wodurch die Arbeitslosigkeit zum Nachteil der Arbeiterschaft zunehmen wird. Wo nun einmal Arbeitsmangel eintritt, da will man auch wieder geholfen haben, aber wie? Und wo viel Arbeit gerade mal vorhanden ist, da inszeniert man baldigst einen Streik, um die betreffenden Unternehmer, welche ver- tragspslichtige Arbeiten übernommen haben, in eine Notlage zu bringen, um höhere Löhne mit Gewalt herauszupressen. Bei derartigen Streiks tragen die Unternehmer keine Schuld, sondern die Herren, welche Streikbefehle erlaßen haben und nachher mit schönen Reden die Schuld von sich abzuwenden suchen.
Man bedenkt oder will es nicht glauben, daß diese Bestrebungen eine langsame Lahmlegung des Baugewerbes und spätere Arbeitslosigkeit der Bauarbeiter zur Folge habe, denn wenn die aufsteigende Entwickelung der Preise der Baumaterialien und der höheren Arbeitslöhne so weiter geht, wird .s noch zu einem Luxus gehören, wenn man ein Haus zu bauen unternimmt. Auch sei hier noch bemerkt, daß die Unternehmerbetriebe zum Wohle der Arbeiterschaft ganz erheblich mit den sozialen Arbeiterversicherungsbeiträgen belastet sind, welches aber kaum anerkannt wird. Wer kann denn da noch schweigen, die Wahrheit muß doch gelten. Weiter haben di« Unternehmer z. B. durch das Submißions- unwesen einen schweren Stand; sind sie doch angewiesen, sich gegenseitig zu unterbieten um Arbeit für ihre Leute zu schaffen. Nachher bei Ausführung von billigen Arbeiten haben sie als Folg« mit Unzufriedenheit der Arbeiter zu kämpfen. -r-
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Ausland.
** Sie Nähe von England wirkt. Haag, 17. Sept. 800 Frauen veranstalteten heute nachmittag eine Kundgebung zugunsten des Frauenstimmrechts, da die Thronrede nicht die Gleichheit der Frauen und Männer ankündigte Vorher hatte der Ministerpräsident eine Abordnung von zwei Frauen empfangen, die ihm einen offenen Brief überreichten, in demPe ihrer Unzufriedenheit Ausdruck geben.
** Das griechische Königspaar in England. London, 17. Sept. Das griechische Königspaar ist heute nachmittag aus Ostende in.
lNachdruck rertetep.)
Friede Sörrensen.
Roman von H. Courths-Mahler.
(Fortsetzung, l
Es war am zweiten Tage nach der Hochzeit. Nach allem Festtrubel war wieder Ruhe eingetreten. Nun sollten morgen die Verlobungsanzeigen von Ellen und Georg bestellt und dann ausgeschickt werden.
Ellen mußte also daran denken, ihre Beziehungen zu Kurt von Salten zu lösen und ihm ihre Verlobung mitzuteilen.
Frau Lizzi schlief in diesen Tagen besonders lange, um sich von ihrem Amüsement zu erholen.
Ellen ging mit Briefmappe und Schreibzeug bewaffnet in die Laube hinten im Garten. Ruth und Friede, die eben hinüber in die Kühlkammern gehen wollten, begegneten ihr an der Tür.
„Wo willst du hin, Ellen?"
„Ach, ich habe Briefe zu schreiben — an Pensionssreundinnen — tmb will das in der Laube tun. Im Zimmer ist es so heiß."
Sie nickte den beiden vergnügt zu, und schritt elastisch und leichtfüßig davon.
Etwa eine Stunde später ging Fried« über den Hof, als ein Bot« aus der Villa Volkmar kam und ein Billet für Ellen brachte.
Da keine Antwort nötig war, nahm Friede das Billett, welches Georgs Schriftzüge trug, an sich, um es Ellen selbst zu bringen.
Diese saß noch in der Laube. Als Tante Friede so plötzlich eintrat, schlug sie erschrocken ihre Briefmappe zu. Das geschah so heftig, daß ein bereits kuvertierter, aber noch nicht geschloßener Brief herausflog und gerade vor Friedens Füße niederfiel.
Ellen sprang sofort jäh errötend empor und wollt« den Bri«f aufheben. Aber Friede war ihr schon zuvorgekommen, und als sie sich nach dem Briefe bückte, las sie unwillkürlich die Adreße: „Herrn Leutnant Kurt von Salten."
Wi« ein Blitz durchzuckte Friede in diesem Augenblick die Erinne- tung an die klein» Szene auf dem Friedhof, wo sie Ellen mit einem Herrn •Ott Salten zärtliche Blicke tauschen fah.
Sie blickt« forschend in Ellens sehr verlegenes Gesicht. Daß diese nicht um eine Kleinigkeit verlegen wurde, wußte sie genau. 9» war voch seltsam, tat ßs f» faßungslta «fötal , n ।
Dover eingetroffen und von dem griechischen Gesandten empfangen worden.
“ Verlustreiche Kämpf« der Italiener in Libyen. Rom, 17. Sept. Die „Agencia Stefani" meldet aus Suara: Die italienischen Truppen unter General Torellt rückten heute morgen vor, um die Aufständischen anzugreifen und zu zerstreuen, die am 15. September die Stellung bei Gsur verlassen und sich in beträchtlicher Stärke in einer Stellung in der Umgebung des Tales Texniz versammelt hatten. Der Marsch wurde in zwei Staffeln ausgeführt, deren erste, welch« sehr ansteigendes mit dichtem Gehölz bedecktes Gelände durchqueren muhte, auf hartnäckigen Widerstand des Feindes stieh. Der Feind versuchte auch, zum Angriff vorzugehen, wurde aber nach einem heftigen Feuergefecht geschlagen. Infolge des lebhaften Artilleriefeuers und wiederholter Angriffe und bedroht durch die zweite Staffel wurden die Aufständigen zu einem eiligen Rückzüge in nordöstlicher Richtung gezwungen. Die Italiener erlitten sehr schmerzliche Verluste. General Torelli, der in der vordersten Linie stand, starb den Heldentod, ebenso zwei Offiziere und 28 Mann. Drei Offiziere und 27 Mann wurden verwundet. Die Truppen schlugen in den eingenommenen Stellungen ihr Lager auf.
** Mexiko und die Bereinigten Staaten. Rewyork, 16. Sept. Rach einem Telegramm aus Mexiko erklärt Huerta in einer Botschaft an den mexikanischen Kongreß, dah die Beziehungen zu der Negierung der Vereinigten Staaten, wenn auch nicht zum amerikanischen Volke, gespannt seien. Die Botschaft drückt die Hoffnung aus, dah die Verhandlungen, die noch nicht abgebrochen seien, zu einer schnellen Lösung der Meinungsverschiedenheiten führen möchten. Weiterhin erwähnt Huerta, dah 26 Regierungen, darunter die meisten Europas, seine Regierung anerkannt hätten, und verspricht, Ende Oktober die Wahlen abzuhalten. Es wäre sein größter Triumph, sein Amt seinem Nachfolger im Frieden zu übergeben. Die den amerikanischen Kriegsschiffen erteilte Erlaubnis, 6 Monate lang in Mexiko zu verweilen, läuft im Oktober ab. Huerta meint, daß die Erlaubnis nicht zu verlängern sei. ■ ■ .....■
“ Beilegung des japanisch-chinesischen Zwischenfalles. Nanking, 16. Sept. Der japanisch-chinesische Zwischenfall ist durch die Annahme der japanischen Forderungen beigelegt. Amtlich wird erklärt, die Entsendung der Kriegsschiffe deute auf keine aggressiven Absichten Japans gegen Ehina hin, sondern sei lediglich angeordnet, um das Leben und das Eigentum der Japaner zu. schützen. — Ob die Schlichtung des Streitfalles den dauernden Frieden bedeutet, ist höchst zweifelhaft.
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Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des llrhebergefetzes nur mit -r-r deutlichen Quellenangabe „Oberheß. Ztg." gestattet.)
Marburg, 18. Sept.
* Falsche Fünf-Mark-Stücke. In den letzetn Tagen sind in Eiehen und in der Umgegend mehrere falsche Fünf-Mark-Stücke angehalten und beschlagnahmt worden. Die Stücke sind sehr auffällig grob geprägt und tragen zum Teil das Bildnis des Königs von Württemberg und das Münzzeichen F, zum Teil auch das Münzzeichen A mit dem Bildnis des Kaisers Wilhelm II.
* Die Höchstgeschwindigkeit der Kraftfahrzeuge. Der Regierungspräsident erläßt im Amtsblatt eine Bekanntmachung über die Höchstgeschwindigkeit der Kraftfahrzeuge in geschloßenen Ortsteilen des Regierungsbezirks Caßel. Sie lautet: 1. Gemäß § 18, Abs. 2 der Bundesratsoerordnung vom 3. Februar 1010 — Reichsgesetzblatt S. 389 ff. — laße ich unbeschadet der allgemeinen Beschränkungen in Absatz 1 und 8 a. a. O. widerruflich für Kraftfahrzeuge, deren Gesamtgewicht 5,5 Tonnen nicht übersteigt, innerhalb der geschloßenen Ortsteile des Regierungsbezirks eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometer in der Stunde zu. 2. Die allgemeinen Beschränkungen im Absatz 1 und 3 a. a. O. lauten wie folgt: Absatz 1: „Die Fahrgeschwindigkeit ist jederzeit so einzurichten, daß Unfälle und Verkehrsstörungen vermieden werden, und daß der Führer in der Lage bleibt, unter allen Umständen seinen Verpflichtungen Genüge zu leisten." Absatz 3: „Auf unübersichtlichen Wegen, insbesondere nach Eintritt der Dunkelheit oder bei starkem Nebel, beim Einbiegen aus einer Straße in die andere, bei Straßenkreuzungen, bei Straßeneinmündungen, bei scharfen Straßenkrümmungen, bei der Ausfahrt aus Grundstücken, die an öffentlichen Wegen liegen, und bei der Einfahrt in solche Grundstücke, bei der Annäherung an Eisenbahnübergänge in Schienenhöhe, ferner beim Passieren enger Brücken und Tore sowie schmaler oder abschüßiger Wege, sowie überall da, wo die Wirksamkeit der Bremsen durch die Schlüpfrigkeit des Weges in Frag« gestellt ist, endlich überall da, wo ein lebhafter Verkehr herrscht, muß langsam und so vorsichtig gefahren werden, daß bas Fahrzeug sofort zum Halten
„Bitte, gib mir den Brief zurück, Tante Friede", sagte Ellen hastig und griff nach dem Schreiben.
Friede hielt die Hand zurück, es war eine instinktive Eingebung, di« sie zögern ließ, Ellens Wunsch Folge zu leisten.
„Ich denke, du wolltest an Pensionsfreundinnen schreiben, Ellen? Dieser Brief ist aber von deiner Hand an einen Leutnant adressiert."
Ellen warf ihr einen bösen Blick zu und sagt« hastig: „Gib ihn mir zurück. Ich hoffe, du wirst nicht indiskret sein."
Friede umfaßt« den Bries um so fester.
„Was hast du an diesen Leutnant von Salten zu schreiben?" frug sie streng, und in ihrem Herzen erwachte ein unruhiges Hassen, als hab« sie einen sehr wertvollen Fund getan.
Ellen hatte sich gefaßt und zuckte di« Achseln.
„Herr von Salten ist ein intimer Freund von Hans und verkehrt bei uns. Ich habe ihm meine Verlobung mitgeteilt."
Friede ließ sich durch den gleichgültigen Ton nicht täuschen. Etwas in ihr rief: „Das ist ein Schicksalswink — mit diesem Bries hältst du vielleicht ein Menschengeschick in den Händen."
Sie beschloß, den Brief nicht auszuliefern, solange sie nicht wußte, ob sie ihn als Waffe gegen di« schlaue, kleine Kokette gebrauchen konnte. Ihre Züge bekamen einen harten, entschloßenen Ausdruck. Und da ihr Ellen den Brief entreißen wollte, barg sie ihn in ihrem Kleid.
„Du scheinst mit sehr aufgeregt zu sein, Ellen. Es ist dir wohl seht peinlich, daß mir dieser Bries so unerwartet zu Füßen fiel? Jedenfalls bin ich nicht gewillt, ihn dir ohne weiteres auszuliefern. Aber hier bringe ich dir erst einmal ein Billet von deinem Verlobten. Das lies erst, für den Fall, das es eilt. Dann wollen wir weiter über das Schreiben in meiner Tasche reden."
Ellen stampfte ärgerlich mit dem Fuß auf und nahm mit einer unartigen Gebärde das Billett, welches ihr Fried« überreichte.
Ihr« Hände zitterten vor Erregung, als sie Georgs Kuvert öffnete. Sie las mit finsterem Ausdruck die wenigen Wort«, die er schrieb.
Achtlos warf sie das Billett auf den Tisch, und da sie inzwischen Zeit gehabt hatte, sich zu faßen, wandte sie sich nun mit einem Lächeln an Xante Fried«, die auf einem Korbsessel Platz genommen hatte.
„Georg schreibt nur, daß er erst um fünf Uhr kommt, statt um »ter. Aber nun mache dem Scherz ein Ende, Tantchen, und gib mir den Brief zurück."
Fried« «ar auf dem Kriegspfade, Was sie für sich selbst vielleicht
gebracht werden kann." 8. Allgemeine polizeiliche Vorschriften oder bet sondere für den einzelnen Fall getroffene Anordnungen der Polizeibee Hörden, welche, soweit der Zustand der Weg«, die (Eigenart des Verkehrs oder die Rücksicht auf besondere Verhältnisse bestimmter Oertlichkeite» es erfordert, für den Verkehr mit Kastsahrzeugen - überhaupt oder mit einzelnen Arten — auf bestimmten Wegen, Plätzen und Brücken eint geringere Höchstgeschwindigkeit festsetzen, bleiben (gemäß § 2 Absatz 1 und § 23 der Bundesratsverordnung vom 3. Februar 1910) durch dies« Bekanntmachung unberührt. Kraftwagenführer, welche enge und utu übersichtliche Straßen, für die ortspolizeilich ein« geringer« Höchstgeschwindigkeit angeordnet ist, nunmehr etwa mit 20 Kilometer Geschwindigkeit durchfahren, werden sich also nach wie vor strafbar machen.
Serfammlungen, Konzerte, Theater, Vergnügungsnachrichten us««
* Theater der Liliputaner. Heber die Gastspiele der Liliputaner, di« Sonntag und Montag hier in den Stadtsälen auftreten, wird aus einer benachbarten Stadt geschrieben: „Die Heiterkeit und fröhlich« Stimmung des vom besten Publikum besetzten Saales, hielt bis zur letzten Szene ungeschwächt an, und oftmals tosender Beifall lohnte die ganz vorzüglichen Leistungen der intelligenten kleinen Damen und Herren. — Nicht nur das exakte Spiel (ohne Soufleur) und di« virtuose Mimik, auch der tadellose Wuchs berührte höchst angenehm, was diese Liliputaner vorteilhaft von sich ähnlich nennenden wenig präsentablen Zwergen unterscheidet. Ergötzlich und von höchst drastischer Wirkung sind die Szenen, wenn kleine und große Mitglieder zusammen spielen. Ein ganz prächtiger Komiker von verblüffender Natürlichkeit ist der 57jährige^ Her» Ursul (ein Rumäne von Geburt). An erster Stelle steht auch Fräulein Marion. Dieses schicke Persönchen in seiner erhabenen Größe von 99 Zentimetern bringt eine Figur auf di« Bühne, die besonders in der Darstellung von flotten Herrenrollen, ganz famos ist. Eine routiniert« Schauspielerin ist das 42 Jahre alte Fräulein Meister (von der Waterkant) von der gigantischen Größe von 90 Zentimetern, die gestern di« Jugendfee von der Heilsarmee brillant verkörperte. Fräulein Morena ist ein« temperamentsvolle Liebhaberin, die in diesem Fache erstaunlich« Routine zu haben scheint; Herr Erichsen, ein urkomischer Naturbursche, Der ganz kleine Herr Salvator (eingemütlicher Bayer) ist ein allerliebstes Kerlchen, der eine „Größe" von 88 Zentimetern erreicht«. Kurz alle Mitwirkenden (auch die Großen) trugen zum Gelingen des Ganzen bei."
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Hessen-Nassau und Nachbargediete.
Wiesbaden, 16. Sept. Am Sonnabend verstarb plötzlich an einem Schlaganfall während einer Fahrt mit der Straßenbahn von Wiesbaden nach Mainz der. im 82. Lebensjahre stehende Major a. D. August Hermann Hattenbach, der älteste inakttve Offizier des 1. kurheßischen Infanterieregiments Nr. 81 in Frankfurt a. M., der am 23. Oktober 1908 bereits sein diamantenes Militärjubiläum gefeiert hat. Hattenbach entstammte einer alten hessischen Juristenfamilie, war in Rotenburg a. F. geboren, wo sein Vater ein bekannter Rechtsanwalt gewesen ist.
G. Witzenhausen, 16. Sept, lieber die Lage von Industrie und Handel im Kreise Witzenhausen äußert sich der Verwaltungsbericht des Kreisausschußes wie folgt: Die Lage der Zigarrenfabrikation war in den ersten 9 Monaten des Berichtsjahres zufriedenstellend. Mit Beginn des neuen Jahres aber trat eine Stille im Geschäft ein, wie man sie seit Jahren nicht mehr erlebt hat, und sie hat angehalten, ohne daß Aussicht auf Besserung bestände. Infolge des Mangels an Beschäftigung haben die Fabrikanten die Arbeitszeit eingeschränkt ober Arbeiter entlassen. Sie werden zu weiteren Betriebseinschränkungen gezwungen sein, da sich die fertigen Produkte allzusehr anhäufen. Der Grund für die Geschäftsstockung ist wohl in dem zunehmenden Verbrauch von Zigaretten zu suchen.
Langendreer, 16. Sept. Auf der Zeche Bruchstraße wurde bei einer Explosion schlagender Wetter der Steiger Witthüser getötet. Zwei Bergleute wurden lebensgefährlich verletzt.
Bochum, 16. Sept. Bei einem auf dem Gehöft des Landwirts Buchholz in Stiepel ausgebrochenen Brande wurde der siebenjährige Sohn schwer verbrannt, daß er starb. Ein Bergmann, der den Knaben mit eigener Lebensgefahr retten wollte, erhielt ebenfalls gefährliche Brandwunden.
Unpolitische Tagesnachnchien.
Jrn Gebirge abgestiirzt. Bern, 17. Sept. Eine aus drei Herren und einer Dame bestehende Touristenkolonne bestieg am letzten Freitag den Pizopolus in der Berninagruppe. Sie wurden zuletzt am Sonnabend früh gesehen. Die am Montag ausgebrochenen Rettungskolonnen kehrten wegen des Schneesturmes unverrichteter Dinge um. Am Dienstag brachen zwei neue große Führerkolonnen auf und fanden die Thuristen tot in einer Gletscherspalte auf. Die Leichen sind geborgen worden._ Di« Toten sind zwei Herren und eine Dame aus Samaden und der 30jährig« Kurgast Milzewsky aus Berlin.
Die Folgen des Mühlhäuser Maßenmordes. Vaihingen a. E., 17. Sept. In feiner gestrigen Sitzung befaßte sich der Bezirksrat mit bet Hilfsaktion für die Bezirksgemeinde Mühlhausen. Es wurde, wie der „Schwäbische Merkur" berichtet, beschloßen, die Kosten der Krankenpflege U—MU—BIIMIMMIWWMIMIMWI —— —■ —J—ü
nicht getan hätte, das tat sie für die beiden Menschen, di« sie in ihr vereinsamtes Herz geschlossen hatte — sie ging Wege, die ihrem ehrlichen Charakter zuwider waren, und spielt« sich als Untersuchungsrichter auf.
„Mir ist diese Angelegenheit durchaus nicht scherzhaft, Ellen. Ehe ich dir den Brief ausliefere, mußt du mir einige Fragen beantworten. Weiß deine Mutter, daß du mit Leutnant von Satten korrespondierst?"
Ellen nagt« unmutig an ihren Sippen.
„Mama kümmert sich nicht um meine Korrespondenz."
„Das scheint mir aber doch geboten zu sein. Weiß dein Verlobtet darum?"
„Rein, natürlich nicht."
„Natürlich wär« das Gegenteil. Dieser Brief enthält also nur deine Verlobungsanzeige?"
„Ja doch, ich sagte es dir doch schon." ,
„Warum hast du nicht einfach seine Adreße mit angegeben, damit er eine gedruckte Anzeige bekam?"
„Das — das wollte ich nicht. Wozu übrigens das Verhör, ich verlange jetzt ernstlich den Brief zurück."
Friede sah sie groß und fest an.
„Wenn du mir vorher erlaubst, daß ich ihn durchlese."
Ellen wurde flammend rot und fuhr auf.
„Nein, das erlaube ich nicht. Tante Friede, ich muß sagen, daß ich dein Benehmen sehr — sehr taktlos finde."
Friede nickte ruhig. . ,
„Ja, das finde ich auch. Aber vorläufig bleib« ich let diesem taktlosen Benehmen " „
„Mit welchem Recht« legst du Beschlag auf meinen Bnc?“
„O _ vielleicht mit gar keinem Rechte. Das wird s q Herausstellen. Wenn du mich den Brief nicht lesen laßen willst — ba xn soll ih» Georg lesen — du hast die Wahl."
Ellen sah, daß sie eine entschlossene Gegnerin vor sich hart«.
verlegte sie sich aufs Bitten. Di« Angst trieb ihr wirklich Tränen tn M< Augen.
„Warum bist du so hart mit mir, Tantchen. Ich hab dich si lieb, un> du quälst mich so. Bitt«, bitte, gib mit den Brief.“
„Nein." q ■
Fortsetzung und Schluß. -■