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Marburg

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Jte 218 die Post 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren ZeitungsstellenliM * frei ins Haus. Verlag von Dr. C. Hitzeroth. --Druck der Unw^

1913

Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. L. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Erstes Blatt

TieOberhrssijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch

mehr oder minder warm für das Bündnis einsetzen. So dieser Tage der spaitische Ministerpräsident Romanones und der spanisch« Minister des Aeußern Munos. Jetzt veröffentlicht nun diese» Blatt auch einen Aufsatz aus der Feder Pichons, in dem es heißt:

Dir Beziehungen Frankreichs und Spaniens sind durch di« Natur diktiert. Eine breite Landgrenze vereinigt sie, uni) wen« diese Grenze, durch die großartige Kette der Pyrenäen gebildet, ein natürliches Hindernis für Invasionen und Kriege ist, so hat das die beiden Länder nie gehindert, sich zu kennen, sich zu schätzen und sich auch im Laufe ihrer Geschichte gegenseitig herzlichen Beistand zu leisten. Bald werden neue Eisenwege die stellen Bergwände durchbrechen, um die Freundschaft der beiden- Nationen enger zu schließen. Von der Ster» gangenheit Frankreichs und Spaniens erzählen, heißt, von dem be­steheirden wechselseitigen Einfluß sprechen, den sie miteinander gehabt haben. Frankreich hat Spanien sein edles Königsgeschlecht gegeben. Franke ich ist der Bürge der Zukunft Spaniens. Frank­reich und Spanien arbeiten nebeneinander in Marokko, wo sie sich unter­stützen. Die Arbeit, welche die beiden Länder in Marokko unternommen haben, wird umso sichere und schnellere Fortschritt« machen, je inniger ihr Zusammenarbeiten sein wird. Erst als Frankreich und Spanien dies« geschichtliche Wahrheit verkannten, gab es zum größten Schaden Leider Länder zwischen ihnen vorübergehende Wolken. Heute sind Völker und Negierungen zu gut unterrichtet, um dies« Wahrheit jemals zu gessen."

Den Spaniern mögen angesichts ihrer immer größer werden­den Schwierigkeiten in Marokko engere Beziehungen zu Frankreich wohl willkommen sein. Augenblicklich wird wieder ein Ueberfall einer spanischen Abteilung bei Tetuan durch die Mauren gemeldet, der den Spaniern 100 Tote und Verwundete gekostet haben soll. Durch ein Zusammenwirken mit Frankreich würden die Spanier sicher leichter aus der Klemme kommen. Ob sie ab« an einem Bündnis dauernd reine Freude haben würden, unterliegt doch sehr starken Zweifeln. Wer der bei weitem mehr gewinnende $dl wäre, ist dagegen ohne weiteres klar.

Jena, 16. Sept. Am zweiten Sitzungstag« rouibe lediglich das Thema des Massenstreiks erörtert an der Hand der Enschließung des Partetvorstandes und des Zusatzantrages der Radikalen. Die Allgemern» aussprach« wurde von dem Abgeordneten Eduard Bernstein eingeleitet. Er führte aus, daß die Waffe des Massenstreiks heutenoch nicht«- griffen werden kann. Di« belgischen Genossen haben Großes geleistet, doch herrschen bei ihnen ganz ander« politische Verhältnisse, die ihnen einen wenigsten, relativen Erfolg brachten. Bei uns, vor alle« Dingen in Preußen, liegen di« Ding« ganz ander». Man dürfe nicht ins Blaue hinein einen Masienstreik in Szene setzen, ohne an das End« zu denken. Wenn in Belgien 450 000 Arbeiter 'n den Ausstand getreten find, so entspricht das bei uns einer Anzahl von 2^ Bis 3 Millionen, und die

(Nachdruck verboten.)

Die Sachen gehören meiner Fran".

Eine juristische Plauderei von Dr. Hans Lieske.

Meine Frau ist verreist. Der Geist der Einsamkeit schleicht durch die Zimmer: er haucht mich an, wenn ich bei meiner Arbeit sitze; er flüstert mir ins Ohr, wenn ich beim Kelche goldgelben Rheinweins ein Buch lese; er hüllt sich in die Rauchwolken meiner Zigarre und grinst mir zu; er ist der stete ungebetene East Bei jedem Mittagsmahle, das ich ihm zu Leid kaum hastig berühre. Nun bin ich seiner aber müd und habe ihm Fehde geschworen. Zur Esienszeit, zu der er sich am frechsten breit macht, winkt mir jetzt eine Fremdenpenfion, wo die bunte viel­köpfige Gesellschaft beiderlei Geschlechts unter lustigem Geplauder mit der Würde der Kenner bedächtig ein recht opulentes Mahl verzehrt. Zum Teil ist's alte Stammkundschaft, die hier aus- und eingeht und mir von vielen Jahren her noch gut bekannt ist. Zur linken von mir fitzt heut wie ehedem der Wortführer der Tafelrunde, ein vergnügter Lebemann en der Schwelle der Vierzig. Man munkelt, et wandle auf Freiers­süßen, und er bestätigt das mir schnell zugetragene Gerücht.

Ja, ja, Doktor", meint er,ich will nun auch ins Ehejoch".

Ich werfe einen spöttischen Blick auf seinen Kopf, allwo die Fülfe froher Stunden den Haarwald mittlerweile bedenklich gerodet hat. Sofortiges Verstehen auf seiner Seite.

Und nicht nur deshalb", sagt er belustigt,auch meine leere Börse kann den Schrei nach dem Weibe nicht länger unterdrücken. Sagen Sie, was macht man eigentlich, anlangend di« Finanzen, am Praktischsten mit der Erkorenen seines Herzens aus?"

Die Korona lacht und ich erteile förderlichen Aufschluß.

Kommt ganz darauf an: wenn Sie nichts haben, würde ich Güter- tzemeinschaft vorschlagen, im anderen Falle den gesetzlichen Güterftantz,"

Der Sozialdemokratische Parteitag über den Massenstreik.

Jena, 15. Sept. Ein Ergänzungsantrag der Radi- kalenzur Massen st reikfrage will di« beiden letzte« Absätze bee ParteivorstarLsantrages durch einen Passus ergänzen, in dem es heißt: Die Verschärfung der wirtschaftlichen und politischen Gegensätze in Deutschland nötigt das Proletariat zu immer größerer Machtentfaltung, zur Verteidigung gegen die Ansprüche der herrschenden Klasien. Im Kampf gegen die poliische Entrechtung, besonder» gegen da» preußisch« Wahlrecht ist das Proletariat immer mehr gezwungen, höchste Energie zu entfalten. Das Dreiklasienwahlrecht macht di« schlimmste« Feind« bet sozialen Betätigung zum Beherrscher bet Gesetze nicht nut in Preußen, sondern auch tm Reiche. Dieses schändliche Wahlrecht kann mit einem Wahlrechtssturm weichen, wie er vom preußischen Parteitag 1910 in Aussicht gestellt wurde. Der Parteitag begrüßt das wiedererwachende Interesse am politischen Massenstreik. Die Voraussetzung für dessen er» folgreiche Durchführung ist die möglichst vollkommen« politische und wirt­schaftliche Organisierung des Proletariats und deren

Erfüllung mit revolutionärer Kampsbegeisterung und Opferbereitschaft. Der Massenstreik kann jedoch nicht künstlich her­beigeführt werden, er kann sich nur ans der Steigerung ein« bereits im Fluß befindlichen Massenaktion entwickeln als Antwort auf die lieber« griffe der Reaktion." Der Antrag ist u. a. unterzeichnet von Rosa Luxem­burg, den Reichstagsabgeordneten Dr. Liebknecht, Hofrichter, Seiet und Ledebur. Ein weiterer Antrag fordert die Einsetzung einet Kommission zum Studium der Agrarfrage.

Rundschau.

r Di« volkswirtschaftliche Bedeutung des Unternehmertums.

Die Zentralverbände deutscher und österreichischer In­dustrieller hielten gestern in der Baufach-Ausstellung in Leipzig eine gemeinsame Versammlung ab. Der Vorsitzende Land- tat a. D. Rötger drückte in der Begrüßungsrede die Hoffnung aus, daß das erste Zusammensein der beiden Zentralverbünde dem glücklichen Gedeihen der beiden großen Wirtschaftsverbände för­derlich sein möge. Der Präsident des Zentralverbandes öster­reichischer Industrieller, Sektionschef Dr. Brosche, wies auf die festgefügte, unerschütterliche Vundesfreundschaft zwischen dem Deutschen Reiche und der österreichisch-ungarischen Monarchie hin, so daß schon aus diesem Grunde sich die Interessen der beiden Staaten nahestehen. Er hoffe, daß der Kontakt durch die gegen­wärtige gemeinsame Tagung seine Fortsetzung auf österreichischem Boden finden möge. Huldigungstelegramme wurden an Kaiser Wilhelm, Kaiser Franz Josef und an König Friedrich August ab­gesandt. Die Geschäftsführer beider Verbände hielten darauf Vorträge über das deutsche Unternehmertum in der Gegenwart sowie über die deutsche und österreichische Arbeiterschutzgesetz, gebung. Dr. Schweighoffer führte u. a. aus:

Unsere wirtschaftliche Entwicklung von der eng begrenzten Stabt» wirtschaft zur Weltwirtschaft, vom einfachen Handwerk zur vielseitig kornplizi«ten Industrie, vom Klein- und Zwergbetriebe zum Großbe­triebe hat in immer schärferen Konturen di« volkswirtschaftliche Bedeu­tung des Unternehmertums herausgehoben, das in durch nichts gerecht­fertigter Weise besonders von der Sozialdemokratie heute stet» nur als di« .Verkörperung der gierigen Profitmacherei und bet Ausbeutung der Arbeitskraft der arbeitenden Klasien hingestellt wird. Dabei zeigt bcr Entwicklungsgang unseres Wirtschaftslebens mit seinem fortschreitenden Jndustrialifierungsprozeß, daß der Persönlichkeit im Unter­nehmertum, ihrer Arbeite- und Verantwortungsfreudigkeit und ihrem Lorwürtsstreben eine immer größere Bedeutung zukommt, well in jedem Umfangreichen Betriebe nur eine starke Persönlichkeit imstande ist, unter kräftiger Zusammenfassung des Ganzen den Produktionsprozeß roirt» fchastlich, b. h. rentabel zu gestalten. Die von der deutschen Industrie ei die deutschen Arbeiter zur Auszahlung gebrachten Lohnfurnmen Haven sich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt durchweg verdoppelt. Das allgemeine Lohnniveau der Arbeiterschaft hat sich nach Berechnung eines früheren Mitglieds d« sozialdemokratischen Partei in den Jahren 1895 bis 1906 um zirka 38 o. H. gehoben, während die Warenpreise nur um tzirka 13 v. H. gestiegen sind. Diese Zahlen beweisen schlagend das Atopistische und die Unhaltbarkeit der sozialdemokratischen Verelen- dungstheori«, deren entstellende und verhetzende Schlagworte darauf hin- auslaufe», daß die Masse der Besitzlosen sich vermehre und das Kapital In itnnwr weniger zahlreichen Händen sich anhäufe. Ebenso utopisch aber ist die Behauptung, daß der Arbeiter allein Werte erzeuge, der Unternehm« indes bei der fortschreitenden Intelligenz unserer Arbeiter­schaft immer mehr entbehrlich fei. Eine demokratisch-konstitutionelle Arbeftsverfasiung, das viel gepriesene Allheilmittel sozialdemokratischer Konrenienz, hat noch immer, wie die praktischen Beispiel« zeigen, ver- 'sagt und nur die zersetzenden, demoralisierenden, begehrlichen Instinkt« gefördert, die den wirtschaftlichen Zusammenbruch im Gefolge haben. Es ist viel zu wenig bekannt, daß der Anstoß zu unserer sozial­politischen Gesetzgebung von der Industrie ausge­gangen ist."

Am Leipziger Bismarckdenkmal wurde nach Beendigung der Pistung ein Kranz niedergelegt.

Ein spanisch-französisches Bündnis»

Anläßlich der bevorstehenden Reife Poincar6s nach Madrid zum Besuch des spanischen Königspaares wird schon feit einiger Zeit sowohl von der französischen als auch von der spanischen Presse lebhaft Stimmung für den Abschluß eines spanisch-französischen Bündnisses gemacht. In Paris hat man zu diesem Zwecke vor einigen Wochen sogar eine neue Zeitung unter dem Titel L'Espagne" gegründet, die Artikel hervorragender Persönlich­keiten der beiden rom'anischen Nachbarstaaten bringt, die sich alle

Ich habe, Schulden ausgenommen, wirklich nichts, also Güterge- meinschast. Aber lassen Sie Ihr Licht noch weiter sttahlen und ver­raten Sie uns, was es mit gesetzlichen Eüterstand« alles auf sich hat." Der ist so schlecht noch lange nicht und gilt von selber, wodurch de« Heiratslustigen das gewiß recht peinliche Hin und Her üb« den Eeld- punkt erspart wird. Eheligen Sie also ftisch drauf los und schneiden Sie di« finanziell« Frage mit keinem Worte an, so befinden Sie sich samt Gattin im gesetzlichen Eülerstande. Was di« Frau mitbringt bleibt ihr; Sie aber dürfen das Geld verwalten und die Zinsen verzehren. Dabei hat die Sache noch die große Lichtseite für Sie, daß Ihre Gläubiger an das «ingebraSt« Gut der Frau nicht herankönnen. All« Attacken auf Geld oder Möbel können Sie also siegreich zurückschlagen mit dem Rufe: Die Hände fort davon; gehört ja alles mein« Frau, mit der ich im gesetzlichen Güterstande lebe."

Der Ehekandidat schmunzelt. Ein anderer Tischgenoss« ab« zieht die Stirn in häufe Falte« und revoltiert grimmig gegen bi« verkündete Lehre.

Mag", meint er,für leichtfertige Lebemänner recht hübsch fein; für bi« Gläubig« ist ein« solche Regel jedoch mehr wie hart. Kommt man zu so einem Mann, der zu Hans fürstlich aufttitt und wohnt, macht mit ihm Geschäfte und gibt mit einem Blick auf den Prunk d« Ein­richtung Kredit, bann schlägt « uns« einem lachend ehr Schnippchen, inbem er uns auf die Rechte fein« Frau hinweist, und roh haben das Nachsehen, während « sich weiter an Sekt und Auster« mästet."

Man zollt ihm Beifall; ich ab« «hebe Protest zugunsten de» ge» scholtnen Rechts.

Wenn ein Gläubig« sich so schnell blende« läßt und namentlich Bet größere« Summen feinerfei Auskunft ««holt, so ist er schließlich weniger ei« Opfer btt Gesetzgebung als vielmehr «« solches feines eigen« Leichtsinns, Heutzutage weiß «igeuttzch jede, Ätnb, baj ix bet Regel

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: ..Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

bte Frau die Ausstattung mitbringt und für bi« Schulden des Manne» nicht haftet. Wie käme schließlich auch eine Ehefrau dazu, mit ihrem Hab und Ent voreiligen Gläubigern einzustehen?"

Der Belehrte ist fein sonderlich klarer Kopf, das zeigt feine Ant­wort.Immerhin kann man es", meint er,dem Stuhle, auf dem ein protziger Habenichts feine fragwürdigen Geschäft« macht, nicht ansehe«, daß fein Sein davon dem Manne gehört."

Gewiß kann man bas nicht. Das Gesetz sieht bas aber auch ein und kommt Ihnen zu HUfe, foroett es Recht und Billigkeit irgend ge­statten Es stellt nämlich zugunsten b« Gläubiger eine Vermutung auf, wonach bi« ira Besitze eines oder beider Ehegatten befindlichen bewegt lichen Sachen dem Manne gehöre«. Macht also die Frau Eigentums­recht« geltend,-so muß sie ihr Eigentum auch beweisen, also di« Ver- mutt'ng zerstören. Mißlingt ihr solche Beweisführung, so hat fie da» Nachsehen, und die Gläubiger lachen sich ins Fäustchen. Mit Schiebern reden das Anfechtungsgesetz und die Konkursordnung zudem ein beson­deres Wörttein." v , , , ,

Der Kaufmann ist noch imm« nicht zufrieden und sucht nach Erü». den, mit bene« er feine Meinung von bet Notwendigkeit bet Haftuna de» Frauenguts für bie Schulden des Mannes belegen möchte. Darod wird eine der Tischgenossinnen allmählich bös«.

Haften denn bie Männer für bte Schulden der Frau?" schleudert fie dem Widersacher weiblichen Besitzes entgegen;na also, da gehört doch wahrhaftig ein arg verkümmertes Rechts Bewußtsein dazu, wen« man bet Fra« jumuten will, was man dem Manne erspart." ,

Mit biefer treffende« Widerlegung ab« muß sich der ÄanfmoW, notgedrungen zufrieden geben, sodaß der unterdessen aufgetragene Kaffetz ppm Geiste ««belebten Friedens versüßt wird.

bekommen wir nicht ohne weiteres zusammen. Wer« man den Massenstreik Bi» zur Bewilligung de» preußische« Wahlrecht» burchflihten wollte, müßte man solange streiken, bi»

die rote Fahne auf dem Schlosse een Berlin

weht. Wegen ein« Teilreform lohne sich eine derartige Anstrengung nicht. Unfete Organisation ist kräftig, so daß sie ein Staat im Staate geworden ist, und das ist den Gegnern viel unangenehmer, als ein Massenstreik. Wir dürfen deshalb unf«e Organisation nicht auf» Spiel setzen. Hierauf begründet Rosa Luxemburg den Zusatzantrag d« Radikalen. Sie greift de« Parteivorstaitd wegen sein« Lauheit scharf an; « wisse nicht, daß in ben Mafien eine große Unzufriedenheit herrscht. Wir wollen ftisches Blut tm Parteikampf sehen. Der Partei- Vorstand will aber keine Schwarzfeh« dulde« (Heiterfeit). Mit bet Unzufriedenheit bet Mafien geht der Stillstand in der Mitglied«Be­wegung Hand in Hand. Scheidemann hat ja sogar für die Militärvor­lage Entschulbigungsgrünbe und hält lediglich bie Nörgler in den eigenen Reihen für eine Gefahr. Beim Regierungsjubiläum und beim Zaren- besuch hätten mir nicht ruhig zusehen dürfen, sondern

ein gewaltige Demonstration ins Leben rufen

müssen, an die der Zar sei« Lebetag hätte denken müsse«. Es sei Un­sinn, wenn man fordere, ben Massenstreik im geheimen vorzubereiten; er muß aus ben Massen herauskommen, wen« man Erfolg haben will. Eine Partei, die an der Spitze der Bewegung stehen will, muß bte Massen im revolutionäre« Sinne oorbereiten. Wir wollen ben Gegnern jagen: Wir schärfen unsere Waffe«,

wir sind bereit!

(Stürm. Beifall.) Der Gewerkschaftsführer Abg. Bau« ttttt b« Stet* rednert« scharf entgegen. Wenn die Mafien foroett find, geht der Massenstreik auch ohne Diskussion oanftatten. Die ganze Frage ist feine Emverkschasts- sondern eine Parteifrage. Wir haben keine Veranlassung zu etner Schädigung der Gewerkschaften beizutragen, bas sagt uns allein unsere Verantwortlichkeit. Die Erringung de» preußische« Wahlrecht» ist absolut nicht so dringend geworden, daß wir zu diesem äußersten Mittel greifen müßten. Wir müssen ben Feind Schritt für Schritt zurückdrängen und vor altem unsere Vertretung tm Reichstage stärken. Durch Begeisterung der Massen in den Versamm­lungen erreicht man garnichi»; wenn sie nachher tu das graue Elend zurückkehren, fühlen sie das doppelt schwer. Mr wollen rat dann an den Massenstreik denken, wen« wir das Problem auch verwirk­lichen können. Der belgisch« Generalstreik habe feinen nennenswerte« Vortell gebracht. Der holländische tm Iahte 1903 und der schwedische tm Jahre 1806 seien völlig zusammengebrochen. Für die schwedischen Genossen hat bte Solidarität der deutschen Arbeiter viele Millionen auf­gebracht, wir würden vielleicht nur eine Sympathie-Depesche erhalten. Deshalb ist es geradezu verbrecherisch, wenn man die Arbeiter in einen solchen aussichtslosen Streik hineinzuhetzen sucht. Wo» bie Radikalen jetzt sagen, ist nichts wettet als eine stark

revolutionäre Phraseologie.

Was Rosa Luxemburg will, ist «in« Syndikalismus, bie Theorie bet fortgesetzte« Putsche. Dadurch werden aber die Gewerkschaft«, völlig aufgerieben. Von dem bisherigen bewähtten Wege abzuweichen, haben wir keine Veranlassung. (Stürm. Beifall.) Schreck (Bielefeld) tritt für den Massenstreik ein. Reichstagsabgeordneter Peus (Dessau) ruft warnend, man solle da» Ende bedenken. Stet Massenstreik sei eine Katastrophe für bte Partei; was soll werden, wenn et fehlschlägt? Abg. Dr. Liebkmcht: Die Revolutionierung des preußischen Wahlrechts ist bie groß« zentrale Aufgabe b« Partei. Mit unseren Wahlrechtsdemonstrationen haben wir im Handumdrehen

bas Recht auf Me Straße erobert

Der spontane Ruf zum Massenstreik hallt aus den Mafien ebenso zurück, sie selbst habe« diese Frage zur Stebatte gestellt In der preußische« Wahlrechtsftage gibt es nur ei« VorwärtsI (Lebh. Beifall.) Ab-, Frank (Mannheim): Wir spielen nicht mit ben Waffen, sondern wir schärfen sie. Wir kommen in Preußen nicht mehr ohne ben Massenstreik aus. Wir müssen den herrschenden Klassen zeigen, daß bas Proletariat gewillt ist, sich in der Wahlrechtsftage sein gutes Recht unbedingt inner­halb oder auß«halb des Parlaments zu holen. Hierin gibt es zwischen Nord und Süd keinen Unterschied. Wenn Genosse Bauer die revolutio­näre Phraseologie bebau«t, so beklag« ich seine konferoativ« Phraseologie weit mehr. Es kommt in Preußen

| ehre Wahlreform ob« ein Massenstreik.

I (Beifall.) Abg. David: Der zur Eroberung des preußischen Wahlrecht» inszenierte Massenstteik würde zu einer furchtbaren Katastrophe der modernen Arbeiter führen, da wir nicht die Mehrzahl b« Bevölkerung

Mittwoch, 17. September s*.