eee
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchhain
und den Beilagen: ..Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeil« oder .q q* deren Raum 15 L, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4. für lö» ^ZUijb^
1913
Marburg
Montag, 15. September
kommen geschädigt würden. In einer Entschließung bedauert der Verbandstag die Abschaffung der Ostmarkenzulage.
— Die Reichshauptstadt als Großgrundbesitzer. Berlin, 13. Sept. Die Stadt Berlin will die in der Nähe gelegene Herrschaft Lanke ankaufen. Diese ist 4500 Hektar groß und drei Viertel mit wertvollem Wald bestanden. Ein Zwanzigstel des Gutes ist Wasserfläche, malerische Seen, ein Fünftel wird von verstreut liegendem Ackerland gebildet. Die Ausnutzung des Wasserreichtum» und des anbaufähigen Landes soll nicht weiter betrieben werden, als es die Erhaltung des Waldes als einer der zukunftsreichsten Erholungs- und Eesundheitsquellen für die Bevölkerung gestattet. Die Vorlage wurde von der Stadtverordnetenversammlung zunächst an einen Ausschuß verwiesen; an der Annahme der Vorlage ist jedoch nicht zu zweifeln, da alle Fraktionen einschließlich der sozialdemokratischen dem Plan wohlwollend gegenüberstehen.
— Ein franzosenfreundlicher deutscher Eemeindeüeamter. Straßburg, 13. Sept. Eine beschämende Geschmacklosigkeit leistete sich in diesen Tagen der Beigeordnete der oberelsässischen Gemeinde St. Kreuz, indem er anläßlich eines Veteranenfestes den mit der Erinnerungdenkmünze ausgezeichneten ehemaligen Kriegsteilnehmern die Auszeichnung in einem geschlossenen Briefumschlag überreichte, in dem sich auch ein blau-weiß-rotes Ordensbändchen befand. Erfreulicherweise ging die Kreisdirektion in Rappolts- weiler recht tatkräftig gegen den Eemeindebeamten vor, indem sie ihn zur Amtsniederlegung aufforderte.
— Werber für die holländische Fremdenlegion. Karlsruhe, 13. Sept. Die Kriminalpolizei verhaftete einen Neisenden aus Ungarn, der Hotelhausburschen zur holländischen Fremdenlegion anzuwerben versuchte.
— Württembergische Landtagsersatzwahl. Rottweil, 13. Sept. Bei der heutigen Landtagsersatzwahl erhielt der Zentrumskandidat Eluekher 4025, der Nationalliberale Müller 2559, der Sozialdemokrat Eleig 1761 Stimmen. Es findet Nachwahl statt.
— Die Mafsenstreikversammlung und die belgischen Genossen. Berlin, 13. Sept. Bekanntlich wollten die Berliner Sozialdemokraten eine Versammlung veranstalten, in der zwei führende belgische Genossen über den Massenstreik sprechen sollten. Der Polizeipräsident störte diesen Plan, indem er mitteilen ließ, daß er die Belgier, falls sie das Wort ergreifen sollten, ausweisen werde. Zn der Versammlung ist nun das, was die belgischen Genossen sagen wollten, vorgelesen worden. Der Eenosie, der die Reden verlas, faßte sein Urteil dahin zusammen, daß die Darlegungen der belgischen Eenosien weder für noch gegen den Massenstreik in Deutschland maßgebend seien.
— Bebel beinahe Millionär! Berlin, 13. Sept. Der verstorbene sozialdemokratische Abgeordnete Bebel hat, wie ein Ber-, liner Blatt erfährt, nach den Angaben, die seine Erben dem Züricher Fiskus gemacht haben, ein Vermögen von 93750ll Franken hinterlassen.
Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
Koloniales.
□ Rücktritt des Kommandeurs der Schutztruppe für Deutsch- Ostafrika? Deutsch-ostafrikanische Zeitungen melden, daß der unter der weißen Bevölkerung äußerst beliebte Oberstleutnant Frhr. v. S ch l e t n i tz nach 13jährigem erfolgreichem Wirken in Deutsch- Ostafrika von seinem diesjährigen Heimaturlaub nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren werde und bedauern das außerordentlich, und zwar umso mehr, als er ein Opfer der (übrigens ungerechtfertigten) Angriffe werden soll, die der Abg. Erzberger im Reichstag und in der Budgetkomm, auf ihn richtete. In der Berliner Presse wird dagegen der eventuelle Rücktritt des Kommandeurs auf den alten Gegensatz zurückgeführt, der zwischen Frhrn.
---T» V “3
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. - Der Bezugspreis betrögt vietteftahrlich durck
Deutsches Reich»
— Der deutsche Richtertag über die Bekämpfung der Ber- brechen. Berlin, 13. Sept. Der deutsche Richtertag beschäftigte sich mit der^ekämpfung der Verbrechen im neuen Strafrecht. Nach sehr langer Erörterung, in der ausgeführt wurde, daß der Richter nicht bloß strafen, sondern auch Verbrechen vorbeugen und die Zweckmäßigkeit der Bestrafung in Erwägung ziehen solle, wurde eine Reihe Leitsätze angenommen, die in der Hauptsache besagen: Das Strafrecht der Gegenwart erfordert eine freiere Stellung des Richters; zur gerechten und wirksamen Bekämpfung der Verbrechen soll eine freiere Stellungnahme des Richters, mindestens in der Straffrage, ferner im Abolitionsrecht und weiter im Strafrahmen verlangt werden. Der Richter soll auch die sozialen Verhältnisse berücksichtigen können. Auf Antrag des Reichsgerichtsrates Lobe-Leipzig wurde noch beschlossen: Hat der Täter nachweislich in dem Glauben gehandelt, die Tat sei erlaubt, weil er sich über das Gesetz oder dessen Anwendung irrte, und ist der Irrtum entschuldbar, so kann der Richter nach den besonderen Umständen des Falles die ordentlichen Strafen nach freiem Ermessen mildern oder freisprechen.
_ Verbot des freien Waffenverkaufs. Braunschweig, 13. Sept. Wie die „Braunschweigische Landeszeitung" zuverlässig erfährt, sind angesichts der Vorgänge der letzten Wochen neue Verhandlungen der Bundesregierungen eingeleitet über das Verbot des freien Waffenverkaufs durch die Reichsgewerbeordnung.
— Der Deutsche evangelische Volksbund. Berlin, 13. Sept. Die ständig wachsende Arbeit hat den Deutschen evangelischen Volksbund veranlaßt, einen zweiten Bundesdirektor in der Person des Pastors Wenzel, bisherigen Pfarrers in Tapiau in Ostpreußen zu berufen. Die Zahl der Mitglieder des Bundes ist bereits auf 40 000 gestiegen.
— Die unteren Postbeamten und die Ostmarkenzulage. Berlin 13 Sept. Der 5. Verbandstag der unteren Post- und Tele- gra'phenbamten beschäftigte sich im weiteren Verlauf der Verhandlungen mit der Aufhebung der Ostmarkenzulage. Kühn (Posen) forderte ein wirksames Eintreten des Verbandes für die Zulage. Es sei ein nicht verständlicher und nie dagewesener Vorgang, daß Beamten mit sehr niedrigen Gehältern, die fünf Jahre hindurch diese Zulagen erhalten hätten, jetzt so empfindlich in ihrem Einfand er mit einem Male den alten, vertrauten Ton wieder und sprach einige warme, herzliche Worte zu ihr.
Da blickte sie zu ihm auf - einen Moment nur — aber der Blick brannte ihm die Seele wund. Wenn er es bisher nicht gewußt hatte, dieser eine Blick hätte ihm verraten, daß er hier mit tausend Schmerzen geliebt wurde. Der Blick zeigte ihm das ganze Martyrium dieser stolzen, stillen Mädchenseele.
Er brachte kein Wort mehr hervor. Die Kehle war ihm wie zugeschnürt. Beklommen sah er sie an. Und da merkte er, daß sich ihr Blick plötzlich weitete und wie in Qual erstarrt sich auf seine Brust heftet«^ Sie faßte sich sogleich wieder, trat aber wie taumelnd einen Schritt zurück und wandte ihr erblaßtes Gesicht von ihm ab.
Unbehaglich sah er an sich herab. Da erblickte er ein langes, tob goldenes Frauenhaar. Während er Ellen draußen stürmisch an sich preßte, war es wohl hängen geblieben. Nun lag es glänzend breit über das Hemd und den schwarzen Aufschlag des Rockes.
Er fühlte, wie ihm das Blut jäh ins Gesicht trieb und entfernte hastig und verstohlen den Verräter.
So standen sie beide wie gelähmt, als Friede zu ihnen trat.
„Nun, Ihr beide habt wohl die Sprache verloren," sagte sie scherzend. Aber ihr Blick forschte besorgt in Ruths blassem, krampfhaft zuckendem Gesicht. Sie bekam keine Antwort. Aber Ruth glitt plötzlich, ohne ein Wort, an ihr vorüber aus dem Zimmer und trat auf die Veranda hinaus. Sie hatte aufschreien müssen, wenn sie den Mund geöffnet hätte. Friede sah ihr besorgt nach und dann erblickte sie forschend in Georgs gequälte» Gesicht.
„Was war das — was ist geschehen?" ftug sie leise, während ihr Herz ängstlich klopfte.
Er richtete sich hastig auf.
„Frage jetzt nicht, Tante Friede. Morgen vormittag komme ich zu dir. Kann ich dich schon vor neun Uhr sprechen? Um zehn Uhr habe ich eine Vorlesung."
„Zch erwarte dich um neun Uhr", sagte sie fest.
„Aber allein mußt du sein."
„Es ist gut, ich sorge dafür." lt
Sie trat zurück, weil sie merfte, daß er nach Fassung rang. Aber ihr war sehr bang zumute,so, al» schwebe ein Unheil Über ihr.
Sie fühlt«, daß etwa, geschehen **, was Ruth bi» t* die tiefste
haben. Aber höherer Gewalt gegenüber, wie sie zur See und in der Luft oft eingreift, versagt die menschliche Kraft, und auch unsere meteorologische Wissenschaft ist der schwierigen Aufgabe der Beurteilung so abnormer Witterungserscheinungen zurzeit noch nicht mit Sicherheit gewachsen."
Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich sandte dem Prinzen Heinrich von Preußen folgendes Telegramm: „Bewegten Herzens spreche ich Dir und der kaiserlichen Kriegsmarine mein innigstes Beileid zu dem tragischen Unglücksfalle bei Helgoland aus. Franz Ferdinand." Prinz Heinrich dankte mit folgendem Telegramm: „Deine wohltuende Anteilnahme, für die ich Dir von Herzen danke, werde ich nicht verfehlen, zur Kenntnis der Marine zu bringen. Mit treuestem Dank: Heinrich."
*
LLbeck, 13. Sept. Heute nachmittag fand hier das Begräbnis des beim Untergang des Marineluftschiffes „L. 1" verunglückten Bootsmannsmaats Banzmer statt. Neben der Familie des Ertrunkenen nahmen daran teil drei der Geretteten und drei Offiziere des Luftschiffkommandos jn Fuhlsbüttel, eine Abordnung des zur Zeit im Manöver befindlichen Lübecker Regiments, der hiesige Marineverein und der Landes-Krieger-Verband Lübeck.
Seele erschüttert hatte, und was auch Georg mit Unruhe erfüllte. Aber sie wußte, daß sie heute nicht fragen durfte, morgen würde rhr Georg wohl alles erklären. Sie postierte sich wie ein treuer Wächter an der Verandatür, um zu verhüten, daß jemand zu Ruth hinaustrat.
14. Kapitel.
Punkt neun Uhr trat Georg am nächsten Morgen in Friede Sötten« fens Wohnzimmer. Sie war allein. Ellen und ihre Mutter schliefen um diese Zeit noch, und Ruth hatte von Friede einen Auftrag bekommen, der sie fernhielt. .
Nun stand Friede Georg gegenüber und begrüßte ihn mit einem stummen Händedruck. Er küßte ihr die Hand, und dann setzten sie sich einander gegenüber.
Eine Weile sahen ste sich noch schweigend an, dann sagte Georg zögernd:
„Du kannst dir wohl denken, daß ich dir etwa» Bestndere» zu sagen habe."
„Ja", antwortete sie nur.
Er holte tief Atem. Dann fuhr er hastig fort:
„Du erinnerst dich gewiß noch, daß ich dir gesagt habe, Ruth Steinbach sollte meine Frau werden, wenn sie einwilligte."
Friede nickte. „Das habe ich gewiß nicht vergessen, Georg, denn deine Worte verhießen mit die Erfüllung meines liebsten Wunsches.
Georg sah sie unruhig an.
„Ich hatte auch die Absicht, ihn zu erfüllen, Tante Friede.
„Du hattest sie, Georg?"
Ja, und weil du die einzige bist, der gegenüber ich diese Absicht tunbgegeben habe, so sollst du auch die erste fein, die erfährt, daß ich meinen Sinn indieser Beziehung geändert habe. Seit Ellen hier ist, bin ich ein anderer geworden."
Fttede seufzte. «Da» weiß ich."
„Ich habe erkannt," fuhr Georg fort, „daß es wohl nicht die rechte Liebe war, die ich für Ruth empfand. Ellen hat mich ein andere» Gefühl gelehrt — und kurz und gut — Ellen soll meine Frau werden; da» wollte ich dir sagen." „ _ . ■
Friede hatte ähnliches erwartet. Dennoch durchzuckte sie ein schaler Schmerz. Sie erhob sich, faßte Georg bei den 6djultern und rief. »3ÜK im Rausch konntest du eine solche Wahl treffen, .
Georg zuckte zusammen. ■ (gortjejuiyt folgt.) .
Wo die Post 2.25 JW. (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2
*■=* rrei jus Haus. — Verlag von Dr. E. Hitzeroth. — Druck der llniv.-
Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
NunMcm.
Immer noch die Rede König Konstantins.
' In der Presse war u. a. die Veröffentlichung der Rede König Konstantins aus politischen Gründen ebenso wie die des Telegrammwechsels zwischen dem Kaiser und dem König von Rumänien als unzweckmäßig bezeichnet worden, weil dadurch die Gegnerschaft Frankreichs auf den Plan gerufen wurde und irrt zweiten Fall eine vorübergehende Abkühlung zwischen Berlin und Wien eintrat. Die „Köln. Ztg" schreibt dazu offiziös:
Die Veröffentlichung des Telegrammwechfels zwischen dem Kaiser und dem König von Rumänien und der Potsdamer Reden läßt sich mit durchaus haltbaren Erwägungen begründen. Niemand hätte ein tangeres Hinziehen der Frage der Revision des Bukarester Friedens wünschen können. Hätte man ferner den militärisch so wertvollen Inhalt der Potsdamer Reden der Legendenbildung überlassen sollen? Ohne amtliche Veröffentlichung wäre zweifellos die Wiedergabe in der Presse in einer urkundlich unrichtigen Form erledigt, eine Tatsache, die erst recht politisch ausgeschlachtet worden wäre. Es war einfach das Gebotene, die Reden der Oeffentlichkeii nicht vorzuenthalten. Daß die Worte des Königs Konstantin von Griechenland bis zu einem gewissen Grade zu wissentlichen Mißverständnissen Anlaß geben, hat auch die Überrascht, die den Franzosen viel zu gute halten. Voraussehen konnte diesen Ausbruch also niemand. Im übrigen braucht die Feststellung nicht wiederholt zu werden, daß es sich um keine polittsche Rede, sondern lediglich um eine Feststellung militärischer Tatsachen handelt, auf deren Kenntnis das deutsche Volk wohl ein Recht hat, das sich fremder lieber« «mpfindlichkeit nicht zu beugen braucht."
Eine interessante Bekräftigung finden die Worte König Konstantins aus dem Munde des griechischen Eeneralstabschefs. Der in Paris weilende General Danglis, der sich um die Kämpfe in Mazedonien und im Epirus große Verdienste erworben hat, veröffentlicht im „Temps" eine ausführliche Erklärung zu den Aeuße- rungen seines Königs, die dieser dem Deutschen Kaiser gegenüber getan hat. General Danglis läßt deutlich durchblicken, daß König Konstantin der W ah r h e i t die Ehre gab, daß w i r k l i ch d i e deutsche Taktik ausschlaggebend für die griechiM Armee in den letzten Kriegen gewesen ist. Der Offizier spricht dem General Eydoux für die Dienste der von ihm geleiteten französischen Militärmission seinen Dank aus, fügt aber hinzu, daß die d e u t s ch e T a k t i k, die sich durch die Führung der Flankenangriffe auszeichne, in den ausschlaggebenden Kämpfen stets angewendet worden sei. Auch die Marschordnung in Divisionskolonnen ohne gemeinsame Vorhut sei d e u t s ch e M o d e. Das wird den Franzosen wiederum höchst peinlich sein, trägt aber zur Klärung der Angelegenheit wesentlich bei.
Nachträgliches $um Untergang des „L. 1".
Auf Grund der amtlichen Feststellungen wird ein Bericht über den Unfall des Marineluftschiffes „L. 1" gegeben, der zunächst eingehend die Witterungslage, die Manöver des Luftschiffes und feine Belastung behandelt und in dem es dann weiter heißt:
Das Verhängnisvolle und Ausschlaggebende war das plötzliche Einsetzen von ganz abnorm starken Vertikalböen, die das Schiff nm über 1000 Meter Hochrissen und ihm dadurch über 3000 Kgr. Auftrieb nahmen. Daß der Untergang durch nicht vorauszusehende ho he r e G e - walt herbeigesührt wurde, steht somit außer Zweifel. In der Beurteilung der ihm vorliegenden Wettermeldungen ist der Kommandant ganz sachgemäß verfahren. Daß die Verwendung des „LI" von vornherein auf dem Grundsatz großmöglichster Vorsicht gestellt war, geht weiterhin daraus hervor, daß eine Anweisung dem Führer für die Teilnahme an den Heiningen gegeben war: Die Sicherheit des Schiffes geht allem andern vor. Wie bei allen Unglucks- fällen in der Marine, so ist auch bei diesem wiederum bargetan, daß Offiziere und Mannschaften von hohem Pflichtgefühl durchdrungen sind und bis zum letzten Augenblick heldenmütig auf ihrem Posten ausgeharrt
(Nachdruck verboten.)
Friede Sörrensen.
Roman von H. Eourths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Georg war erstaunt, wie sicher und ungeniert sich Ellen gab. Hier in der Hellen Beleuchtung des Zimmers fiel ihm auch auf, daß ihre Augen nicht die leiseste Tränenspur zeigten. Und sie hatte doch so sehr gemeint.
Ellen war in so lustiger, sprühender Laune, wie et sie noch nie gesehen. Sie neckte sich übermütig mit Georgs Vater und trug schließlich probeweise einige drollige Gedichte vor, mit denen sie am Polterabend die Hochzeitsgäste unterhalten wollte.
Sonst hatte Georg alles an ihr reizend und entzückend gefunden, daß er ihre übermütige Stimmung mit kritischen Augen betrachtete.
Immerhin hatten sie doch heute einen ernsten, folgenschweren Schritt getan. Er hätte verstehen können, wenn sie heiter, wie von heimlichem Glück durchleuchtet vor ihm gesessen hätte. Daß sie aber jetzt in dieser Stunde in einem übermütigen, leichten, kecken Ton allerlei Allotria trieb, mit seinem Vater kokettierte und ihn selbst durch heimliche Seitenblicke aufforberte, sich mit ihm über bie Unwissenheit ber anderen lustig zu machen, das mißfiel ihm sehr. Zum erstenmal legte et eine kritische Sonde an bas Wesen bes Mädchens, mit bem er sich für ein ganzes langes Leben oerbinben wollte. Unb ba wat ihm zumute, als müsse et ersticken, als müsse er ein Netz zerreißen «nb in roilber Flucht hinaus- ftürmen.
Er wußte nicht, was ihn so plötzlich ernüchtert hatte, was es war, das ihm so beflemmenb bas Herz bebrüäte. Nur ein Gedanke nahm ihn mehr unb mehr gefangen: „Du hast dich übereilt. So Im Rausch schließt man nicht eine Verbindung fürs ganze Leben."
Im Rausch! Im Rausch!
Er konnte dieses Wort nicht mehr loswerben, es tonte ihm lautet «nb lauter in beit Ohren. —
Im Verlaufe bes Abenb» gab es sich, daß er eine Weile mit Ruth «klein staub. Sie sprachen, wie jetzt immer, einige mühsam hervotge- iquälte Worte miteinander. Heute empfand er es sehr schmerzlich, wie seltsam sich ihr Verhältnis zueinander geändert hafte, Und unwillkürlich