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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Krrchh

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

M 215

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- | unb Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post 2.25 «M. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M fiei ins Haus. Verlag von Dr. C. Hiheroth. Druck der llniv.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marburg

Soniiabend, 13. Skplembcr

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeil« oder deren Raum 15 L, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

48. Jahrg.

1913.

Das Einvernehmen und die Arbeitsgemeinschaft zwischen Landwirtschaft, Industrie und Handwerk, wie sie auf dem Leipziger Mittelstandstag angebahnt wurde, ist jüngst von dritter Seite zu stören versucht worden. DieHandwerkszeitung", das Organ des Zentralausfchuffes vereinigter Jnnungsverbände Deutschlands sowie der Handwerkskammern Berlin und Frank­furt a. O., hat sich in geradezu gehässiger Weife darüber geäußert. Das Blatt sprach u. a. von Wahnwitz und Phantasterei und nannte die Angehörigen des Bundes der Landwirte und des Zentralver­bandes Deutscher Zudustriellerübersättigte Schwelger". Dieser Ausfall fand natürlich in der demokratischen Presse uneingeschränk- ten Beifall. Die Freude war freilich nur kurz; denn maßgebende Kreise des Znnungszentralausschusies haben erklärt, datz die Aus­lassung derHandwerkszeitung" eine amtliche Aeußerung weder der beiden Handwerkskammern noch des Zentralausschusses fei, datz es sich vielmehr um eine rein redaktionelle Ansicht handle. Die Handwerkskammerkreise seien durchaus nicht gegen jede gemein­same Arbeit mit Industrie und Landwirtschaft; ein anderer Standpunkt müßte zur völligen Vereinsamung und Einflußlostgkeit des Handwerks führen und fei in der heutigen Zeit der eng in­einander greifenden wirtschaftlichen Interessen ganz unhaltbar. Es kommt jedoch darauf an, daß die Gemeinschaftsarbeit sich nur auf jene Gebiete beschränkt, wo praktische Arbeit geleistet werden kann und das ist nach den Aufklärungen, die neuerdings vom Reichsdeutschen Mittelstands-Verbande gegeben worden find, tat­sächlich der Fall, z. B. bei der Bekämpfung des Ctreikterrorismus und des Boykotts. Und diese gemeinsame Arbeit im Znterefie der Selbsterhaltung wird auch der abseits stehende Bund der In­dustriellen nicht hindern können-

Wochenschau.

Während die Kaisermanöver ohne ernsteren Zwischen­fall verlausen sind, haben die Herbstübungen der Flotte durch das schwere L u f t s ch i f f u n g l L ck bei Helgoland eine jähe Unter­brechung gefunden. Mit dem Untergang desL. 1" hat unser junges Marineluftschiffwesen einen.schweren Verlust erlitten, der allerdings etwas gemildert wird durch die Fertigstellung des zweiten Marineluftkreuzers, der in Kürze in Dienst gestellt werden wird. Die Vernichtung desL. 1" fällt jedoch noch schwer genug ins Gewicht; denn ehe die zehn Luftschiffe, die für die Marine vor­gesehen sind, alle fahrbereit in ihren Hallen liegen werden, wird noch eine geraume Zeit vergehen, und jedes fertige Fahrzeug mehr erhöht unsere Kriegsbereitschaft. Die Tatsache, daß an dem Un­glück desL. 1" der Führer oder ein Glied der Besatzung keinerlei Schuld trägt, daß vielmehr Offiziere und Mannschaften bis zuletzt kaltblütig ihre Pflicht getan haben, wird alle mit Befriedigung und Genugtuung erfüllen. Von Angehörigen unserer Marine haben wir es auch nicht anders erwartet. Der bekannte Luftschiff- Führer Dr. Eckener glaubte das Unglück auf Ueberlastung zurück- führen zu können. SBon amtlicher Seite wird dieser Vorwurf je­doch widerlegt, worüber wir unter der RubrikRundschau" Näheres mitteilen.

Ein zweites Luftfahrunglück hat sich bei den Manö- vern des lothringischen (16.) Armeekorps ereignet, das zwar nicht so schwer war wie das bei Helgoland, bei dem aber die Menschen­opfer vielleicht hätten vermieden werden können. Es ist erfreulich

und verständlich, daß die Freude an unserem Heer immer wieder so überaus zahlreiche Zuschauer zu Manövern und anderen Uebungen führt, der Andrang und die Schaulust dürfen aber nicht einen solchen Umfang annehmen, daß, wie es auch im Kaiser­manöver der Fall war, die Bewegungen der Truppen behindert und erschwert werden. Daß ein zu großes Vorwärtsdrängen der Manöverbummler leicht Gefahren für diese mit sich bringt, hat das Unglück im Hunsrück bewiesen. Der Aufenthalt eines zahl­reichen Publikums ganz nahe bei und zwischen den Reihen der manövrierenden Truppen hat auch militärische Bedenken. Bei Freiburg waren die Scharen der Zuschauer bisweilen so dicht, daß die Truppen samt dem Kaiser nur mit Mühe sich durchwinden konnten, und die Führer mitunter tu der Ferne die Zivilisten­massen nicht von den Truppenteilen unterscheiden konnten. Es liegt auf der Hand, daß das erhebliche Nachteile mit sich bringen muß. Im übrigen gewannen die Kaisermanöver durch die An­wesenheit der Eeneralstabschefs aller Dreibundstaaten und des Königs der Hellenen eine besondere Bedeutung.

Der Besuch König Konstantins in Deutschland konnte man als den ersten Schritt zu einer Annäherung Griechenlands an den Dreibund betrachten. Griechenland ist durch den Balkankrieg eine Macht geworden, mit der im Mittelmeer ernstlich zu rechnen ist und die daher von Frankreich und England warm umworben wird. Die vielleicht unzweckmäßige Veröffentlichung der Rede des Königs bei der Uebergabe des deutschen Marschallstabes ist nun einer Annäherung Griechenlands an Deutschland ohne Zweifel höchst nachteilig gewesen, da sie die Gegnerschaft Frankreichs auf den Plan rief. Die entrüstete Sprache der französischen Blätter über das Lob der deutschen Lehrmeister durch den König ist offen­bar weiter nichts als ein wohlberechneter Einschüchterungsverfuch, der auch glänzeng geglückt ist, Die griechische Presse, der Minister­präsident Venizelos und andere amtliche Stellen überbieten sich förmlich in entschuldigenden Erklärungen, die fast eine Desavouie­rung des Königs darstellen. Man legt mit einem riesigen Wort­schwall dar, daß der König mehr impulsiv als wohl beabsichtigt ge­sprochen und nur in konventioneller Weise seiner Dankespflicht entsprochen habe. Aus der Welt lassen sich nun jedenfalls die Worte des Königs nicht mehr schaffen; es ist aber anzunehmen, daß er sich bei oder noch vor seinem Besuche in Paris zu dieser Ange-

Potttische Umschau.

Undeutsches au« dem deutschen Elsaß. 1

Leider findet man in der Presie sehr häufig Belege dafür, datz die Verluste, die das Deutschtum in dem urdeutschen Elsaß wäh­rend der kurzen französischen Zwischenzeit erlitten hat, noch immer nicht ausgeglichen sind. Folgendes charakteristische Beispiel teilt neuerdings ein Leser derDeutschen Tageszeitung" mit:

Als Viehaussteller weilte ich in Straßburg anläßlich der dies- jährigen Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft. Ich verabredet« mich abends mit einem Freunde zum Abendefien im ersten Weinrestaurant von Straßburg, dem RestaurantValenttn". Ich kam etwas zeitiger als mein Freund im Restaurant an und verlangte die Wein- und Speisenkarte. ' Als ich Leides bekomme, seh« ich, daß all« Speisen und Getränke nur in französischer Sprach« angeboten sind. Ich verlange die deutsche Speisen« und Weinkarte mit dem Be­merken, daß ich in einer deutschen Stadt wohl ein« deutsche Speisen« und Weinkarte fordern könne. Darauf antwortete mir der Oberkellner, es gebe nur französische Speise« und Weinkarten. Ich sehe di« Schaumweine durch und finde nur französische Marken. Ich sage dem Oberkellner, in einem Hause von dem Rufe des RestaurantsValenttn" müsse man doch wohl alle Sorten Schaumweins verlangen können, deutsche und französische. Darauf antwortet der Kellner mit Achselzucken, sie führten nur französische Marken. Ich wollte nun eigentlich sofort das Lokal verlaßen, tat es aber nicht, weil ich mich mit meinem Freunde hier verabredet hatte. Ich, wie er, waren fremd in der Stadt, ich wußte feine Wohnung nicht, er nicht die meinige. Deshalb mußte ich wohl oder übel da bleiben und bestellte mir französischen Sett. Bald darauf kam mein Freund. Derselbe Austritt mit dem Oberkellner, wie bei mir! Da sich mein Freund für zwei Stunden später mit anderen Freunden in einem anderen Lokale,wo man kein gutes Eßen bekommen konnte, verabredet hatte, aßen wir beiValentin". Als wir die Rech- ung verlangten, kam wieder eine französische Rechnung. Da sagte nun mein Freund:So, wenn wir jetzt keine deutsche Rechnung bekom­men, bekommen Sie von uns keinen roten Heller." Er sagte dies mit erhobener Stimme, so daß esalle Gäste hörten. Sehr bald war die deutsche Rechnung dann da. Wir hatten die Eenungtuung, daß es etwa 20 Gäste, die nach uns kamen, genau so machten wie wir."

Wenn alle deutschen Gäste dieses Restaurants ebenso handeln würden, müßte eine Wendung zum Vesieren wohl oder übel ein­treten.

Die französische Aufregung über Griechenland.

'legenheit selbst äußern wird.

Die nächste Woche bringt uns den diesjährigen sozial­demokratischen Parteitag, der besonders intereffant zu werden verspricht. Einmal gibt es den Streit über dieTaktik" der Reichstagsfraktion, die gegen das durch Jahrzehnte geheiligte Prinzip verstoßen und dem Moloch Militarismus geopfert hat, und außerdem soll endlich entschieden werden, wann das Prole­tariat geschloffen den bürgerlichen Staat in Trümmer schlägt, in­dem man nach berühmten Mustern den Massen st reik an­ordnet. Doch die Sensationslüsternen werden kaum auf ihre Kosten kommen. Denn die Entschließung, die die oberste Ver­waltungsbehörde des organisierten Proletariats dem Parteitag vorlegen wird, ist so kunstvoll abgefaßt, daß man darin ebensogut eine Stellungnahme für wie gegen den Massenstreik sehen kann. Dem gibt auch Rosa Luxemburg Ausdruck, und zwar in sehr mar­kanter Weise. Sie erklärt, ein so farbloses, gequältes StückProsa ohne Hand und Fuß wie das vorliegende, dem bei allgemeiner Verschwommenheit in Form und Inhalt nur das eine sehr deutlich an der Stirn geschrieben steht: der Wunsch der Ver­fasser, gar nichts deutlich zu sagen, ein solches Produkt der hohen Staatskunst dürfte der Parteivorstand in dieser Situa­tion nicht vorlegen. Solle die Entschließung ihrem Zweck ent­sprechen, so mllffe sie an Kopf und Gliedern geändert werden. So wie sie vorliege, sei sie nur ein wenig erfreuliches Zeugnis für die mangelnde Fühlung der obersten Parteibehörde mit den Empfin­dungen weiter Parteikreise und für ihre Fähigkeit, diesen Emp­findungen Rechnung zu tragen. So furchtbar das auch klingt, schließlich werden die Radikalen und die Opportunisten doch wieder einmal unter den berühmten einen Hut gebracht. ,

Der Ministerpräsident Beniselos hat sich gestern früh auf die fran­zösische Gesandtschaft begeben und erklärt, wie sehr er das durch die Rede des Königs in Berlin hervorgerufene Mißverständnis bedauere. Er sagte, daß der König keineswegs gegen das segensreiche Werk der franzö­sischen Militärmiffion sich gewendet, die vor zwei Kriegen und während derselben Griechenland wirkliche Dienste erwiesen habe. Andererseits - erklärt Veniselos in der Preffe:Wenn wir nur im geringsten mit dem General Eydoux und den anderen Mitgliedern der französischen Milttär- miffion unzufrieden gewesen wären, würden wir sicherlich nicht ihren Vertrag und die Bitte um Vermehrung der Zahl der französischen Offi­ziere erneuert haben. Alle diejenigen, die Griechenland besuchen, wißen wie sehr das Werk der französischen Offiziere von der griechischen Bevölke­rung geschätzt wird, die jedesmal, wenn sie dem General Eydoux begegnete, ihm begeisterte Huldigungen darbrachte. Griechenland wird niemals die großen und hervorragenden Dienste vergeßen, die ihm Frankreich nicht nur in der letzten Zeit, sondern immer erwiesen hat. Im übrigen hatte die Rede des Königs keinenpolitischenSinn, da er ohne verantwortlichen Minister reist. Der König wollte nur seine persönliche Dankbarkeit für die militärische Erziehung, die er in Deutsch­land genoßen hat, ausdrücken und nichts weiter." Veniselos hoffe, daß das Mißverständnis in Frankreich vollkommen beseitigt wird.

Rach diesen beschwichtigenden Worten des griechischen Ministerpräsi­denten wird sich das in seiner Eitelkeit verletzte Frankreich vermutlich beruhigen. Der Mattn" wenigstens erklärt:Das ist für uns ein An­fang der Genugtuung. Zweifellos weiden Politiker und Regie­rung dies« Genugtuung vollenden und sich bemühen, schnell das Miß­behagen zu zerstreuen, das ihr Monarch geschaffen hat." Ein Teil der i griechischen Preße stimmt ganz und gar nicht in das Entrüstungsgeschrei über die Königsrede ein, sondern wird den französischen Blättern gegen« 1 über recht deutlich. So schreibt derChronos":Etwas Dümmeres hätte die französische ChauvinPenpreße wirklich nicht tun können, als 1 daß sie, mit dem ^Hetin" an der Sffitze, der ei» telegraphtjche Anfrage

an Veniselos richtete, die Welt um eine Komödie be­reicherte, weil etwas Deutsches gelobt wurde. DieNea Jmera" erklärt, daß Griechenland durch Deutschlands Hilfe das östliche Maze­donien erhalten habe. DieAthene" greift die französische Militärmis­sion auf das heftigste an und macht ihr die bittersten Vorwürfe.

Japan und China.

Der Zwischenfall von Nanking hat 'N Japan eine nicht zu unter­schätzende Kriegsstimmung heraufbeschworen. Die japanische Preße fähtt fort, heftige Angriffe gegen China zu richten. In allen größeren Städ­ten des Landes finden chinafeindliche Kundgebungen der Bevölkerung statt. Heute liegen Meldungen vor, daß japanische Militärärzte von chinesischen Soldaten in Mukden angegriffen worden seien. Auch die Un­parteilichkeit der japanischen Eisenbahnzone in der Mandschurei soll durch chinesische Truppen verletzt worden sein. Man verlangt in Tokio volle Schadloshaltung durch China. Di« Regierung hat energisches Vor­gehen versprochen, lehnt aber die Entsendung von Trup­pen ab. Trotzdem weiß eine russische Meldung von der bereits erfolg­ten Einschiffung japanischer Truppen nach China zu berichten. Amtliche Stellen in Tokio nehmen zu der Lage folgende Stellung ein: China er­klärt mündlich seine Bereitwilligkeit, den japanischen Forderungen nach­zukommen. Sollte China unter Hinweis auf die Notwendigkeit, das Er­gebnis der Untersuchung des Zwischenfalles in Nanking abzuwarten, mit der formellen Antwort zögern, so beabsichtigt Japan entschiedene Maßnahmen. Pamagata hält vorläufig die Entsendung von Trup­pen nach China für verfrüht.

In Berliner politischen Kreisen hält man daran fest, datz sich bet der offenbaren Nachgiebigkeit Chinas gegen di« Forderungen Japans eine gütliche Einigung beider Mächte werde erzielen laßen. Ob diese Einigung allerdings von Bestand sein werde, laße sich bei dem übermäßigen Ein­fluß, den die imperialistische Katsurapartei auf größere Teile des japani­schen Volkes ausübe, kaum annehmen.

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Deutsches Reich.

Der Kaiser und der Erfurter Aufruhrprozetz. Berlin, 13. Sept. Das Militärkabinett hat im Auftrage des Kaisers die Akten über diejenigen Verurteilten des Erfurter Aufruhrprozeffes ein­gefordert, die fich mit dem ersten Urteil des Kriegsgerichtes be­ruhigt hatten. Wie verlautet, find von den Familien aller Ver­urteilten Gnadengesuche an den Kaiser eingereicht worden.

Beendigung der Flottenmanöver. Helgoland, 12. Sept. Die Flottenmanöver haben ihr Ende erreicht. Die Entscheidungs­schlacht begann am Mittwoch abend 7 Uhr in der Elbmündung und endete 1 Uhr 30 Min. morgens. Das WasserflugzeugD. 12 mit Oberleutnant Lengfeldt unternahm einen interessanten, zweistün­digen Erkundigungsflug.

Zwei Zuristenkongresse. Berlin, 12. Sept. Im Reichstags­gebäude trat heute der 3. deutsche Richtertag zusammen, an dem u- a. Staatssekretär Dr. Cisco und Kammergerichtspräfident Heinroth teilnahmen. Reichsgerichtsrat Lobe sprach über das Thema:Wie ist den hauptfächliOten Klagen des Volkes über den Zivilprozetz abzuhelfen?" Nach eingehender Erörterung des Zivilprozeßverfahrens wurde folgender Antrag angenommen: Der deutsche Richtertag erkennt die Klagen des Volkes über das Zivilverfahren als berechtigt an. Als Abhilfe ist die Um- g e st a l t u n g des Zivilprozeßverfahrens anzusehen." In Bres­lau tagte gleickHeitig der deutsche Anwaltstag, auf dem vor allem die Frage der Zulaffungsbeschränkung für Anwälte (numerus clausus) beraten wurde. Man kam jedoch zu keinem Entschluß. Es soll zusammen mit den Rechtsanwälten aus Rheinland und Westfalen ein Ausschuß gebildet werden, dem die Weiterbearbei­tung aller bisher gemachten Vorschläge übertragen werden soll.

Schutz vor Geisteskranken. Breslau, 12. Sept. Im Abge­ordnetensaale des Stadthauses trat hier der Deutsche Medizi nal- beamtenverein zu seiner 9. Hauptversammlung zusammen. Nach Erstattung des Geschäfts- und Kassenberichts berichtete Geh. Medizinalrat Dr- Leppmann (Berlin) über das Thema:Der Schutz vor Geisteskranken" und legte folgende Leitsätze vor, denen zugestimmt wurde:

Der Schutz vor Geisteskranken ist ein wesentlicher Teil der öffent­lichen Fürsorge. Seine Ausführung gebührt in erster Linie den Verwal- tnngsbehörden. Den Verwaltungsbehörden muß durch Umgestaltung der Gesetze die freie Möglichkeit gegeben werden, gemeingefährlich Geistes­kranke in geeignetsten Anstalten unverzüglich unterzubringen und dort zu verwahren. Die Rechtspflege soll nur insofern an der Unterbringung gemeingefährlicher Geisteskranker beteiligt werden, als die erkennenden Strafgerichte die erste Unterbringung wegen Unzurechnungsfähigkeit Freigesprochener durch Urteil verfügen. Wünschenswert wäre die gesetz­lich zu schaffende Möglichkeit, auch zeitig Minderwertige mit wesentlicher Betätigung antisozialer Eigenschaften durch die Anstaltsverwahrung mindestens zeitweilig unschädlich zu machen. Wünschenswert wäre ferner eine Aenderung des bürgerlichen Rechtes in Bezug auf Entmündigung. Pflegschaft und Entschädigungsverfahren in der Richtung, daß die Jnter- eßen der Gesunden gegenüber den Geisteskranken mehr gewahrt werden als bisher."

Verband der unteren Post- und Telegraphen-Beamten. Berlin, 12. Sept. Der mehr als 100 000 Mitglieder zählende Ver­band der unteren Post- und Telegraphen-Beamten hielt hier die Verhandlungen feines 5. Verbandstages ab- Es wurde ein Aus­schuß eingesetzt, der die durch die Erledigung der Denkschrift übe. die Personalreform im Reichstag und durch die Stellungnahme einzelner Abgeordneter zur Heraushebung der Gehobenen ent­standene Lage gründlich erörtern und dem Derbandstage Vor­schläge für die weitere Behandlung dieser Frage unterbreiten soll. Ueber die Bestrebungen zur Hebung des Standes der unteren Post- und Telegraphen-Beamten in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht berichtete Generalsekretär Remmers. Der Reichstag habe bei der Beratung der Personalorganisation der Postverwaltung die grundlegenden Anregungen in der Denkschrift des Verbandes nicht genügend gewürdigt. Man habe fich ganz eng an die historische Entwicklung gehüven und damit dem sozialen Aufstieg der unteren Beamtenschaft, b*e berechtigten Wunsche, den Befähigten auch aus