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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Krrchhcnn
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und ..Landwirtschaftliche Beilage".
M 212
Di« „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn' und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertelfährlich durä> die Post 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. — Verlag von Dr. C. Hitzeroth. — Druck der llniv.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. E. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Marburg
Mittwoch, 10. September
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48. Jahrg.
1913.
Das Marineluftschiff „L. V in der Nordsee gesunken.
Eine Unglücksnachricht kommt aus Helgoland. Das Marine- ßuftschiff „L. 1", das vor einiger Zeit von Johannistal nach Fuhls- . büttel bei Hamburg überführt wurde und das jetzt unter dem Kommando des Kapitänleutnants Hanne an den Herbstmanö- vern der Hochseeflotte in der Nordsee teilnahm, ist in einem Orkan gesunken:
. Helgoland, 8. Sept. Das Marineluftschiff „ß. 1“ ist heute abend gegen 7 Uhr 18 Seemeilen von Helgoland verunglückt. Bon der Besatzung sind soweit bekannt 6 Personen gerettet. Das Luftschiff ist g e s u n k e n. Es hatte den Tag über ruhiges Wetter gehabt, gegen abend setzte aber ein orkanartiger Sturm mit strömendem Regen ein.
Weiter wird gemeldet:
Helgoland, 9. Sept. Sobald das Unglück des „L. 1“ bemerkt Wurde, eilten Torpedoboote zur Unglücksstelle. 16 Mann der Besatzung des Luftschiffes werden vermißt. — Das Marineluftschiff wurde von einem plötzlich einsetzenden orkanartigen Sturme erfaßt und auf das Wasser niedergedrückt, wobei es durchbrach. Das Luftschiff ist etwa eine Stunde später gesunken. Es sandte unmittelbar vor dem Unglück ein Funkentelegramm mit der Mitteilung ab, daß es infolge des Sturmes eine Wafferlandung vornehmen müßte und Hilfe erbat. Durch die Kälte, in der sich das Luftschiff schon mehrere Stunden aufgehalten hatte, hat sich das Gas stark zusammengezogen, und außerdem war durch die Höhenfahrt ein Gasverlust von rund 2400 Kubikmeter entstanden. Die Last der Besatzung überstieg allmählich die Tragkraft und der „L. 1" sank rapid. Der Führer gab, wie von Torpedobooten beobachtet wurde, den gesamten Wasserbalast ab, um den Fall aufzuhalten. Infolge der Dunkelheit und der mangelnden Tragkraft gehorchte der Ballon jedoch dem horizontalen Steuer nicht in gewohnter Weise und schoß mit einer ungefähren Geschwindigkeit von 20—22 Meter in der Sekunde in die Nordsee.
Hamburg, 9. Sept. An Bord des bei Helgoland verunglückten Luftschiffes „L. 1“ befanden sich Korvettenkapitän Metzing, Kommandeur der Marine-Luftschiff-Abteilung, Kapitänleutnant Hanne, der Führer des Luftschiffes, ferner die Oberleutnants zur See Wendt, Freiherr v. Maltzahn, Grimm, Ingenieur Wehner, Obermaschinist Lehmann, Steuermann Zimmermann, Obermaschinistenmaate Müller, Lutz und Schönwelder, Maschinistenmaat Storostzick, Funkenmaate Spieler und Hellgemeier, Maschinistenmaat Bruder und Obermaschinistenmaat Adam. Auf dem Luftschiff befanden sich 22 Personen.
Folgende Personen sind gerettet worden:
Oberleutnants Wendt und Grimm, Obermaschinistenmaats Lehmann und Schönwelder, die Funkenmaate Spieler und Hellgemeier; der Name einer siebenten geretteten Person ist noch nicht angegeben worden.
Die große Zahl der Bemannung des „L. 1" ist daraus zu erklären, daß eine Mündige Hebung vorgesehen war. Da die Uebung durchaus kriegsmäßigen Charatter trug, mußte der Ballon sich andauernd in 1300 bis 1500 Meter Höhe halten, um vor Schüsien sicher zu sein. Nach dem Sturz hielten sich die Gondeln noch einige Sekunden über Wasser, wurden dann aber durch das Gewicht des Metallgerüsts und der das Wasier aufsaugenden Hülle unter die Oberfläche gedrückt. Einige Monteure, die an den Motoren standen, sowie die Steuerleute sprangen über Bord und versuchten zu schwimmen. Dir in der Kabine befindlichen Leute erstickten. Es soll morgen versucht werden, „L. 1" zu heben, um ihn durch Torpedoboote an Land zu schleppen. — Dem Kaiser wurde noch heute abend von der Helgoländer Kommandantur aus ein ausführlicher Bericht nach dem Manöver- gelände telegraphiert.
(Nachdruck reiteten.)
Friede Sörrensen.
Roman von H. Courths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Friede erhob sich und trat an Ellen heran. „Meinst du?" frug sie mit schwerer Betonung.
Der Blick, den sie dabei in Ellens Augen lenkte, war dieser unbequem. Aber sie hielt ihn trotzig aus.
„Gewiß meine ich das."
Friede grub die Fingernägel in die Handfläche, sonst schien sie ruhig. Sie ging einige Male im Zimmer auf und ab und blieb dann wieder vor dem schöne» Mädchen stehen, das ihr mit den Blicken gefolgt war.
„Und du bildest dir ein, Georg Volkmar zu lieben?"
Ellen sah schmachtend empor.
„Einbliden? Ach Iantd>en, das ist Wirklichkeit, keine Einbildung." „Das sollte mir um dich leid tun“, sagte Friede hart.
„Leid tun? Warum Tauschen?" frug Ellen kindlich harmlos.
„Weil Georg Volkmar Ruch liebt. Du hast da gar keine Hoffnung.“ Ellen kicherte in sich hinein und dehnte sich wie ein Kätzchen.
„Ach Tantchen, liebes Tantchen, nun muß ich wirklich lachen. Stein, em mjch brauchst du dich wirklich nicht zu sorgen. Dottor Volkmar mag Ruth ebenfalls sehr freundschaftlich zugetan fein, aber lieben — ach nein. Ich bin jedenfalls nicht mutlos. Ein Mann, der eine andere liebt, macht einem nicht solche Augen. Und nun ich weiß, daß Ruth ihn nicht liebt, «erde ich ernstlich versuchen, mir seine Liebe zu erringen. Nicht wahr, Herzenstantchen, das kannst du begreifen und — dich habe ich nun auch Mf meinet Seite.“
Sie hatte sich erhoben und umschlang Friede s» fest mit ihr« schlau-
Die Schlacht bei Freiburg.
Der Kaiser in der Uniform der Königsjäger zu Pferde beobachtete gestern früh die Manövervorgänge zuerst vom Kieferberg südwestlich von Kunzendorf, später von der Ernestinenhöhe südöstlich von Kunzendorf. Sämtliche Fürstlichkeiten waren im Gelände erschienen. Das Wetter war in der Nacht kalt und klar, am morgen aber wieder sehr schön. Ungeheuer viel Zuschauer hatten sich aus den umliegenden Städten und Dörfern zu Fuß, zu Rad und zu Wagen aufgemacht. Die Flieger waren vom frühen Morgen an tätig. Beide Parteien brachen sehr zeitig auf. Die Spitzen stießen östlich und nordöstlich von Freiburg zeitig zusammen, worauf beide Gegner sich sofort entwickelten, sodaß von 7 Uhr ab das Gefecht in Gang kam, das sich bald nach 8 Uhr zu einer *
großen Schlacht auf der ganzen Linie
ausdehnte. Das rote 6. Armeekorps ging aus der Linie Schweidnitz und südwestlich davon gegen Nordwesten vor, die 12. Division hatte Kunzendorf überschritten, als sie bei Mühlberg auf Blau stieß und sich nach rechts entwickelte. Die rote 11. Division war mit der rechten Kolonne der 22. Brigade bis zum Pfaffenberg zwischen Neu- und Altjauernik gelangt, wo diese mit großen Vertu st en geworfen wurde. Die linke Kolonne der 21. Brigade besetzte die flachen Hügel nordwestlich von Arnsdorf. Sie war hier anfangs im Vorteil, wurde aber dann mi t g e r i s s e n. Die rote Kavallerie war vorgezogen und attakierte bei Arnsdorf in der Richtung auf Mühlberg anfangs erfolgreich, aber dann ging das blaue 5. Armeekorps zurück und ging mit dem linken Flügel, der 9. Division, gegen Altjauernik, südwestlich davon mit der 10. Division auf Zirlau und Arnsdorf und mit dem rechten Flügel, der 43. Division, auf Freiburg vor. Die 10. Division und Teile der 43. Division, soweit sie heran waren, drückten bei Mühlberg auf den linken. Flügel von Rot, der sich aber ziemlich lange halten konnte. Die 10. Division ging zuletzt über Kunzendorf vor und entwickelte sich aus Nonenbusch heraus, schlug die rote erste Division. Deren 22. Brigade hielt dann noch eine Weile die Ausnahmestellung mit eingegrabener Artillerie bei Tunkendorf, zog sich dann aber auch auf Schweidnitz zurück. Das Oberkommando der roten Armee gab Befehl zum —
Rückzug
auf die Linie Pilzen-Leutmannsdorf, südöstlich von Schweidnitz.
Das Kaisermanöver forderte von den Truppen große Anstrengungen. Es wurden bedeutende Leistungen gezeitigt, z B. machte die 6. Kavalleriedivision gestern etwa 50 Kilometer, die 12. Division 5 Meilen. Die Fliegermeldungen waren sehr brauchbar, Unfälle sind nicht vorgekommen. Der Führer von Blau befahl, daß das 5. blaue Korps dem Feind an der Klinge zu bleiben habe und beim Ueberschreiten der Weiftritz ihm Abbruch tun solle. Daher kam es im Laufe des Nachmittags zu erneuten Kämpfen. Die rote 11. Division machte Front auf den Höhen östlich von Schweidnitz und wurde hier erneut von der blauen 9. Division angegriffen und über den Abschnitt Weizen- rode-Erunau zurückgedrängt. Die rote 12. Division machte Frostt auf den Höhen zwischen Schweidnitz und Mecknlshöhe und ging kämpfend auf das andere Ufer der Weiftritz zurück.
Türkisch-BulMrstcheS.
Paris, 9. Sept. Wie der bulgarische Bevollmächtigte in Konstantinopel, Natschewitsch, dem Korrespondenten des „Echo de Paris“ erklärt hat, sollen die Verhandlungen in Konstantinopel sich nur auf zwei Punkte beschränken: Die Absteckung der türkischbulgarischen Grenze und den Austausch der Kriegsgefangenen. Man werde sich streng an dieses Programm halten und lede Erörterung anderer Fragen ablehnen. Die Frage der Uebernahme oder Nichtübernahme eines Teiles der türttschen Staatsschuld durch Bulgarien gehöre lediglich zu dem Programm der demnächst wieder zusammentretenden internationalen Finanzkon'eren;. Die Frage des Abschlusies eines türkisch-bulgarischen Handelsvertra- ken Armen, daß diese sich nur gewaltsam hätte von ihr losreißen können.
Voll ohnmächtigen Zornes über die Gewißheit, daß dieses junge, raffinierte Ding eine gefährliche Gegnerin war gegen die sie nicht viel würde ausrichten können, mußte sie sich ihre Liebkosungen gefallen lasten. Friede war durch ihr eigenes Leid hellfehend geworden. Aber was half
Sie^sah ein, daß es jetzt keinen Zweck hatte, noch etwas zu Ellen zu sagen übet diesen Punkt. So einfach war der Knoten nicht mehr zu lösen, der sich unheildrohend zu schürzen begann.
13. Kapitel.
Am nächsten Nachmittag holte Georg, wie verabredet worden wat, die beiden Schwestern zu einem Spazietgang ab. Ruth wäte am liebsten zu Hause geblieben. Es wat ihr eine Marter, Georg und Ellen zusammen zu sehen. Aber ohne aufzufallen, konnte sie nicht zurücktreten. Nach der Unterredung mit Ellen verbarg sie noch ängstlicher al. zuvor ihre Gefühle.
Georg wat jetzt immer in einer seltsamen EemÜtsstimmung. Früher hatte et sich gar nicht um die Frauen gekümmett. Dann war Ruth in sein Leben getreten und ihm durch Tante Friede schnell vertraulich nähet- getommen. Was et für sie empfand, war ein warmes, herzliches Gefühl, das sich langsam vertieft hatte. Sie wat schließlich so mit seinem Denken und Empfinden verwachsen gewesen, daß er sich nach ihrer Gegenwart sehnte, wenn sie fern war. Ganz allmählich war es ihm klar geworden, daß es Liebe sei, was er für Ruth empfand, und es stand fest bei ihm, daß sie seine Frau werden wüste.
Und dann wat plötzlich Ellen gekommen. Dieses schön«, hinreißende Geschöpf, deren Augen ihn anglühten und ungetonnte, leidenschaftliche Gefühle und Wünsch« in ihm weckten, hemsichttgtt sich sei«» ganze« Wesens, sohaltz sie ii sein« Näh« km, / - -
ges werde nach vollständiger Herstellung des Friedens von dem bulgarischen Gesandten bei der Pforte mit dem M-nister des Aeußeren der Türkei verhandelt werden.
Der alte Zwist im türkischen Offizierkorps.
Sofia, 8. Sept. Am ersten Veiramstage befanden sich bet Kriegsminister, Generalissimus Zzzet Pascha, die General: Hu» schit- und Abnk Pascha, dann-der Wall Hadschi Agil und andere in einem Saale des Konaks, um die Beiramwünsche des Offizierkorps und der städtischen Notabeln entgegenzunehmen. Auch Enver Bei erschien und gratulierte allen mit Ausnahme des E nerals Abu! Pascha. Hurschtt Paicha versuchte die beiden Gegner unter Hinweis auf die religiösen Vorschriften des Beiramfestes zu versöhnen und führte Enver Bei zu Abuk Pascha. Da Enver Bet sich sträubte, rief Abuk Pascha das türkische Schimpfwort: „Laß di'i-.r Putscht s Von einem Verbrecher brauche ich keinen Elückwunschi" Enver antwortete in ähnlichem Tone mit dem Schimpfworte: „Pesa- weng!“, worauf Abuk Pascha wütend aufsprang und seinen RevolveraufEnverBeiabfeuerte.deram Arm verwundet wurde. Der Vorfall wurde sofort nach Konstantinopel telegraphiert, worauf die Regierung befahl, dem Abuk Pascha den Säbel abzufordern und ihn zu verhaften. Als die Offizier« der Komiteepartei zur Ausführung des Befehls bei Abuk Pascha erschienen, widersetzten sich die Offiziere seiner Division dieser Verhaftung. Es entspann sich ein wütender Kampf mit Säbeln und Revolvern, wobei fünfOffizieregetötet und gegen 20 verwundet wurden.
R o m, 9. Sept. Gestern abend haben die Vertreter der Großmächte der griechischen Regierung eine Koll ktivnote überreicht, in der die Entscheidung der Londoner Botschaftervereini. gung Über die Südostgrenze Albaniens enthalten sind.
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Politische Umschau.
Frankreich und die Kundgebung König Konstantins.
Die Worte König Konstantins von Griechenland, daß die Erfolge seiner Truppen nächst ihrer Tapferkeit den bewährten preußischen Kriegsgrundsätzen zu verdanken sind, nach denen das griechische Heer geschult ist, haben in Frankreich naturgemäß arg verschnupft, und zwar umso mehr, als seit drei Jahren in Griechenland zu Jnstruktionszwecken eine französische Militärkommission unter dem General Eynoux tätig ist. Wenn König Konstantin trotzdem sich auf die deutsche Heeresschulung dankbar berief, so hat er dabei der Tatsache Rechnung getragen, daß das, was sein Heer der französischen Kommission verdankt, militärische Kleinarbeit ist, daß aber das Hauptverdienst an den Siegen der preußisch« Geist und die preußische Taktik tragen, mit denen der König sich selbst als preußischer Offizier vertraut gemacht hat. Di« Franzosen hätten es natürlich gern gesehen, wenn er seine Besuchsreise statt in Berlin in Paris begonnen hätte. Die französisch« Presse läßt über dem alle Höflichkeit und Ritterlichkeit vermissen und leistet sich Ausfälle von erstaunlicher Schärfe. So schreibt der „Matin“: „Es wäre interestant zu wissen, ob der König von Griechenland dem Präsidenten der Republik Frankreich bei seiner dein- nächstigen Anwesenheit in Paris wiederholen wird, daß bi« griechische Armee, bei der Frankreich seit Zähren eine Militär- kommission unterhält, die von einem General geleitet wird, der letzthin zum Korpskommandanten ernannt wurde, ihre Siege den bewährten Grundsätzen der preußischen Tattik verdankt, und daß es dem Deutschen Kaiser zu danken sei, daß die griechischen Truppen so große Erfolge errungen haben.“ Die „Action“ erklärt gar die Art und Weise, in bet in den Trinksprüchen der beiden Herrscher die Wahrheit verschleiert werde, für eine Schamlosigkeit, die sogar auf deutschem Boden lleberraschung Hervorrufen muffe, und beschuldigt König Konstantin des schnödesten Undanks Frankreich gegenüber. Das „Echo de Paris“ stößt in dasselbe Horn. Der „Figaro“ stellt resigniert fest, daß der jetzt nach Frankreich heimkehrende General Eynoux sehr erstaunt und betrübt sei zu hören, daß man die Erfolge der Griechen im letzten Kriege hauptsächlich auf Konto Deutschlands setze.
Er war selbst zu ehrlich und wahrhaft, um erkennen zu können, baß eilens Wesen unecht und verlogen war. Er wußte nur, daß plötzlich ei» wildes, unruhiges Treiben in feinem Blute war. Er schlief schlecht und fand nicht wie sonst Ruhe und Rast. Seine Arbeit schritt nicht vorwärts. War er nicht in Ellens Nähe, dann wehrte er sich gegen dies alles beherrschende wilde Empfinden, aber sah er sie dann, heiter, bestrickend, süß vor sich hinträumend in einer bezaubernden Hilflosigkeit, oder lockend und verheißungsvoll, dann vergaß er alles übet ihren Anblick — auch Ruths traurige Augen, die ihn quälten.
Und es war wie ein Feuer in ihm, das alles zu verbrennen drohte. Immer verzehrender sehnte et sich danach, sie in seine Arme zu reißen und sich satt zu tttnken an ihren Lippen.
Daß er sich bisher noch immer beherrscht hatte — daran war Ruth« blasses, stilles Gesicht schuld. Ihr Anblick durchzuckte seine Seele ost mit einem so herben Schmerz, daß er sich gegen Ellens Zauber wehrte. Er suchte dann plötzlich wieder Ruths Nähe. Aber sie umgab sich dann in ihrem verwundeten Mädchenstolz so herb und kühl, daß er sich selbst sagte, er sei ein Tor, wenn er sich von ihr geliebt glaubte. Mit emem heimlichen Aufatmen wandte er sich dann Ellen wieder zu und überließ sich willig ihrem Zauber.
Aber da war noch etwas, was ihn immer wieder aus fernem Taumel herausriß. Das war Tante Friedes fchmerzlich grollender Blick. Wie sie ihn manchmal anfah — fo bis ins tiefste Herz hinein, daß er jedes- mal zusammenruckte. Ihr Blick traf ihn wie eine Anklage und zugleich wie ein angstvoller Mahnruf, als müsse fit ihn von einem Abgründe zurückreißen. Ost fühlte er den Drang in sich, mit ihr zu reden, ihr alles zu erklären, aber war et einmal einen Augenblick mit ihr allem, bann fehlten ihm die rechten Wort«, er wußte dann selbst nicht, «Ht « das erkläre« folge, was mit ihm geschehen war.
, LFortfetzimg folgt.^