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Jlo 910 die Post 2.25 M lohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen. 2 M *,= frei ins Haus. - Verlag von Dr. E. Hitzeroth. Druck der Unw..

1913

Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. E. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

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Marburg

Montag, 8. September

Ruth richtete sich plötzlich mit einem Ruck empor und sah mit einem starren, leeren Blick in Ellens Augen

Du brauchst dir darüber kein« Sorge zu machen und bist vollständig im Irrtum. Dottor Volkmar und ich, wir haben stets nur in einem abso­lut freundschaftlichen Verhältnis gestanden zueinander," sagte sie laut und fest, obwohl ihr« Hände zitterten und der Herzschlag zu stocken drohte. Unter tausend Schmerzen war es ihr in den letzten Wochen klar gewor­den, wie unsagbar lieb st« Georg Volkmar hatte.

Ellen hatte ihre Worte schlau berechnet. Sie kannte Ruthssenti­mentale" Veranlagung ganz genau. Daß diese in ihrer vornehmen Ge­sinnung durch das Bekenntnis ihrer Liebe auf alle Fälle außer Kurs gesetzt ward, war ihr ohne Zweifel. Sie würde ihr keinesfalls mehr im: Wege stehen. Ellen nahm wie selbstverständlich das Recht für sich in Anspruch, sich die gute Parti« zu sichern.

Hätte sie ein« Ahnung gehabt was sie Ruth eben zugesügt halt«, und was sie ihr noch zufügeu wollt«, vielleicht wäre sie doch erschrocken, vielleicht hätte sie sich in ihrem Vorhaben beirren lasten. Sie könnt« sich gar nicht denken, daß man um einen geliebten Menschen so unsagbar, Schmerzen leiden konnte. Mußt« sie nicht auch Äurt Salten aufgebe^ den lieben, netten Menschen, der ihr so gut war, und den sie gewiß auch, lieb hatte? Ruth würde sich auch bald mit einem andern trösten, selbst wenn sie etwas mehr, als die energisch betonte Freundschaft für Georgs empfand. '

Damit beruhigte sich Ellen schnell.

Ei« sprang auf und küßt« Ruth auf die Wang«.

Gottlob I nun ist mir ein Stein vom Herzen, nun bin ich sehr froh. Ach Ruth, du glaubst gar nicht wie unruhig mich der Gedanke machte, Doktor Volkmar könnte dir mehr gellen als ein Freund. Ich wäre todunglücklich gewesen, wahrhaftig!"

Ruth rang heimlich mit aller Kraft um Fastung. Daß Ellen Georg nicht wirklich liebte, sondern in ihm nur die gut« Patti« sah, darüber war st« keinen Augenblick im Zweifel. Ebenso klar war es ihr, daß Georg mit einer Frau wie Ellen kein dauernde» Glück finden konnte.

lFortjetzung folgt.)

SieOberhessijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durck

Alldeutscher Verbandstag.

Breslau, 7. Sept Unter überaus zahlreicher Beteiligu«- seiner Mitglieder trat hier der Alldeutsche Verband zu seiner dies­jährigen Hauptversammlung zusammen, die mit einer Sitzung des Eesamtvorstandes eingeleitet wurde. An erster Stelle der Tages, ordnung berichtete der Vorsitzende Rechtsanwalt Elaß (Mainz) über die poltt sche Lage.

Der Redner gab zunächst einen Ueberblick über die österreichische Polittk während des Balkankrieges. Das Deutschtum der Donau­monarchie hat schwere Tage hinter sich. Die Deutschen Oesterreichs sind am schwersten von den wirtschaftlichen Verlusten und den Lasten getroffen worden, die die lange Mobilmachung und di« ganze Unsicherheit der Lage int Gefolge hatte. Gleichwohl haben sie sich willig auf die Seite ihres Staates gestellt, weil sie die Ueber- zeugung hatten, damit dem gesamten Deutschtum zu dienen, sein Wohl, sein Dasein gegen den slawischen An st urm zu ver» teidigen. Di« answärttge Politik Oesterreichs zeigte in dieser Zeit jene Zweispältigkeit und Unsicherheit, die seine innere Politik seit Jahrzehnten kennzeichnet So kam es, daß trotz der gewaltigen Opfer die Balkankrisis mit einem schweren Verluste Oesterreichs an internationalem Ansehen und mit einer allgemeinen Erschwe­rung seiner außerpvlttichen Lage geendet hat. Davon wurden wir mitgetroffen, und die Reichsregierung zog aus der neuen Lage di« Folge, daß sie die von uns und dem Wehrverein lange vergeblich geforderte Heeresverstärkung herbeiführte; das gleiche ist für Oesterretch-llngarn notwendig geworden und soll jetzt geschehen, roogu es sicherlich höchste Zeit ist. Ader darüber besteht kein Zweifel: kein« Erhöhung des Heeresstandes kann die Folgen einer ziellosen und schwachen Polittk wettmachen. Wir haben im Reiche aber keinen Anlaß, auf Oesterreich-Ungarn von oben herabzusehen. Die letzten Monat« haben wiÄierholt den Beweis geliefert, wie falsch di« Marokko.Politik der Regierung war, wie mangelhaft ihr Ergebnis. Reu-Kamerun mit seinen Sümpfen, feiner Unwirtlichkeit seinen feindseligen Eingeborenen ist rein als Landzuwachs betrachtet, kein noch so schwacher Entgelt für das, was wir in Marokko aufgegeben haben. Für die nächste Zukunft kann man keine begründete Hoffnung für eine bester« äußere Poli­ttk hegen. Wer die Mitteilungen der Prest« über die deutsch-eng­lischen Verhandlungen verfolgt hat der mutz befürchten, daß wir wieder einmal von England umgarnt worden sind, viel­leicht noch mehr, datz wir an einem Wendepuntt unserer äußeren Polittk angelangt sind. Wir Alldeutsche glauben, daß alle Gegner­schaften, die unserem Vaterland« in den letzten Jahren zu schaffen machten, in aller Schärfe noch vorhanden sind, mögen England und Rußland zurzeit auch in der Form sanft und ftiedlich sein. Unsere Aufgabe ist es, daran zu arbeiten, daß aus dem instinktiven Landhunger, wie er auch in den Masten vorhanden ist, ein fester klarer Wille, ein elementar wirkender Entschluß wird, unse­rem Volke zu verschaffen, was es zum Fortbestehen, zu seiner Ge- sundhett gebraucht. Wir haben ein gutes Gewissen für die Ver­gangenheit und find Überzeugt, auch heute unserem Volke zu nützen und der Regierung wohlzuraten, wenn wir verlangen, datz fie fich abwend« von einer Politik des Entsagens und übergeht zu einer solchen des Wollens und des Handelns. (Anhaltender Beifall.)

Als Korreferent behandelte dasselbe Thema Generalmajor a. D. K e i m (Berlin). Er schilderte zunächst die Reuorganisatton des Heeres in Deutschland und Frankreich und stellte fest, datz vom 1. Oktober 1915 ab die französische Heeresstärke 898 000 Mann be­tragen wird, während Deutschland im allergünstigsten Falle zum selben Zeitpuntt 826 000 Mann aufweist. Auch Rußland hat in der letzten Zeit große militärische Fortschritte gemacht und sein Heer zahlenmäßig wie organisatorisch gestärtt. Es müßte geradezu sträfliche politische Leichtfertigkeit genannt wer-

Das ist recht Ellen, tue das. Dann kann dir Ruth wenigstens keinen Vorwurf machen."

Ellen erhob sich und warf den Romanband auf den Tisch. Sie reckte sich in den Schultern und streckte die schlanken, runden Arme aus, als wollte sie ihre Kräfte prüfen. Ein schlauer, wägender Ausdruck lag in ihren Augen. Mit einem raschen, entschlossenen Zurückwersen des Kopfes eilte sie dann aus dem Zimmer.

Sie fand ihre Schwester unten im Wohnzimmer hinter einem Stoß von Leinentüchern, die sie nach schadhaften Stellen durchsuchte.Hilf Himmel, Ruth! Mußt du den ganzen Berg Wäsche ausbessern? Das ist ja entsetzlich," sagte sie schaudernd. Ruth zwang ein Lächeln in ihr blasses, ernstes Gesicht

Das sieht schlimmer aus, als es ist, Ellen.

Ich wollte schon immer einmal etwas mit dir besprechen, und da wir gerade allein sind, will ich es jetzt tun. Ganz tm Vettrauen will ich dir zuerst eine Beichte ablegen: ich hab« mich hier sterblich und unrett­bar verliebt."

Ruth erblaßte und senkte den Kopf tiefet über die Wäsche. Ihr Herz zitterte. Sie fühlte, jetzt kam, wa» sie schon lange gefürchtet hatte, Das ist doch bei dir nichts Seltenes, Ellen," sagte sie leis«.

Ellen schüttelte energisch den Kopf.

Rein, Ruth, diesmal ist es Ernst, tiesster Ernst. Aber ich heg« im Innern eine Besorgnis, di« mich nicht zur Ruh« kommen läßt- halb muß ich mtt dir sprechen. Offen heraus, es ist Dr. Volkmar, dem mein Herz gehört und ich hab« Gründe, anzunehmen, daß auch ich ihm nicht gleichgültig bin."

Sie machte eine Pause und beobachtete Ruth scharf. E» entging ihr nicht daß diese nur mit Mühe ihre Fastung bewahrte,Run Ruth, was sagst du dazu?"

Ruth blickte nicht auf.Ich? Oh ich was soll ich dazu sagen," erwidert« fie unfich« mit einem gequälten Gefichtsausdruck.

Run, ich fürcht» eben, du könntest dir tm stillen auf ihn Hoffnungen gemacht haben. (Es würde mir sehr leid tun, Ruth, das kannst du mtt glauben. Du muht mich darüber beruhige«. Es mutz ja schvrtgich {etx, jemand zn lieben, «m dem wm nicht wiedeqrelirbt roi**

(Nachdruck verboten.)

Friede Sörrensen.

Roman von H. Courths-Mahler, T ""

lFortsetzung.1

Ellen schmiegte sich katzenhaft und lächelnd in ihren TestetIch bitte dich, mit Ruth werde ich doch wohl noch konkurrieren können."

Und das würdest du tun?"

Selbstverständlich, jeder ist sich selbst der Nächste. Ich muß sehen, wo ich bleibe, denn soviel ich hier die Verhältnisse Überblicken kann, haben sich bei Tante Friede nicht gerade märchenhafte Reichtümer ange- fammelt."

Frau von Steinbach seufzte.

Allerdings, das ganze Leben hier hat einen mehr als sparsamen Zuschnitt. Ich fürchte, wir haben da unsere Erwartungen zu hoch ge­schraubt. Friede scheint wirklich für uns alles zu tun, was in ihren Kräften steht. Selbstlos war sie immer, das muß ich sagen. Aber es wäre mir lieber gewesen, sie hätte nur geknausert als daß sie wirklich nicht mehr geben kann."

Und deshalb kannst du mir nicht verdenken, wenn ich die Gelegen­heit, eine glänzende Partie zu machen, ausnütze."

Keineswegs, Ellen, du hast ja recht, wenn du das vernünftig er­wägst. Und wenn du denkst, daß du mit Doktor Volkmar zum Ziele kommst, mir kann es nur lieb sein. Für Ruth wird sich schon auch noch ein Mann finden. Sie ist nicht so anspruchsvoll wie du. Etwas Ernstes wird wohl auch zwischen ihr und dem Doktor nicht bestehen."

Nein, das weiß ich bestimmt Ich bin nicht unvorsichtig, und um­sonst will ich mich nicht in Unkosten stürze«. Wenn ich nicht einige Aus­sicht auf Erfolg hätte, würde ich mich nicht erst bemühen. Uebrigens nm dich ganz über diesen Puntt zu beruhigen, kann ich ja Ruth einfach fragen, ob ich ihr nicht ins Gehege komm«, wenn ich mich um den Dsktor bemühe."

meine Interesse eines Landes nicht aus der Summ« der Einzelintereste« besteht, sondern über diesen steht. Das war der große Gedanke von Stein und Scharnhorst, daß es darauf ankomme, einen möglichst weiten Kreis der Bürger eines Staates möglichst fest mit den Interessen und Forde- rungen dieses Staates zu verflechten, damit dem Wert des Einzelne« für den Staat die Bedeutung des Staats für ben Einzelnen entspreche und das Band nationaler Lebensgemeinschaft alle umschlinge. Das Seitenstück solchen Eemeingeistes ist die Notwendigkeit der Unterordnung des Einzelnen unter das Ganz«. Nur Ge­meingeist auf der einen Seite, Zucht Und Ordnung auf der anderen ver­mögen eine tragfähige Staatsgesinnung hervorzubringen, die Ge­schlossenheit im Staats- und Volksbewußtsein, die gegenüber allen Schicksalsschlägen und geschichtlichen Wendungen einem Staat und einem Volk die Dauer verbürgt.

Bei Dennewitz siegte Preußen. Die Schlacht von Dennewitz war eine reine Preußenschlacht

Di« Männer, di« hier kämpften und bluteten, waren Söhne jenes Ostens, von dem ich in meiner ersten Rede im Abgeordnetenhaus« sagte, daß er unserem Staatswesen, dem Beamtentum und der Armee seinen starken und großen Stempel aufgedrückt hat Die Abschüttelung der Fremdherrschaft war überwiegend das Werk von Preußen. Wir erinnern uns daran nicht aus Ruhmredigkeit oder Ueberhebung, son­dern weil es die historische Wahrheit ist. Dieses damals kleine und arme, von Napoleon zerschlagene und ausgesogene Preußen, das kaum fünf Millionen Einwohner zählte, stellte 300 000 Mann in» Feld. Es stellte vor allem den Geist, den Geist von Scharnhorst und Stein, von Blücher und Pott, von Heinrich von Kleist und Theodor Körner, von Ernst Moritz Arndt und Friedrich Ludwig Jahn, von Schleiermacher und Fichte, den Geist der Männer, deren Bilder unsere Dennewitzer Ge­denkhalle schmücken. Dieser Geist wie» Deutschland die Wege. Rur solange es den Hauch dieses Geistes verspürt, ist Deutschland auf dem rechten Wege.

Angesichts dieser Eedenkhalle, di« der Erinnerung an einen der schönsten Siege des preußischen Heeres geweiht ist angesichts dieser mär­kischen Felder, wo heute vor einem Jahrhundert der Sieg von Dennewitz erfochten wurde, angesichts des Schlachtfeldes, wo so viele brav« Männer für König und Vaterland in den 3lod gingen, erneuern wtt an dem Tage, wo wir das Denkmal de» Siegers von Dennewitz «inwethen, das Gelübde, treu zu stehen zu

unferm alte« ruhmvollen Preuße«,

zu unserm großen und geliebten deutschen Vaterland, zu dem glorreiche« Hause der Hohenzollern, bas von seinem schwäbischen Felsenhorst hiev- herkam, um von biefct Mark Brandenburg au» da» deutsch« Volk zu einigen und auf die Höhe seiner Geschicke zu führen, erneuern wir da» Gelübde der Treue und Liebe zu unserm Kaiserlichen Herrn, indem wtt rufen: Seine Majestät der Kaiser und König leb« hoch, und nochmal» hoch, und immerdar hoch!"

Gemeinsamer Gesang und das Niederländisch« Dankgebet schloß diesen Teil der Feier. Sodann ordnett fich der Festzug. Etwa 3000 Personen zogen an der Denkmalshalle vorbei nach de« Hauptort der Schlacht, dem Dorf Dennewitz.

Das Denkmal zeigt auf einem granitnen Unterbau zwei spähende Krieger von 1813 in Bronze. Die Vorderseite enthält eine Tafel mit dem Bild des Gefeierten, worunter die Motte Ernst Moritz Arndts stehen:Auf! Mutig drein und nimmer bleich, denn Gott ist allenthalben, die Freiheit und das Himmelreich gewinnen keine Halben!" Als Vertreter des Kaisers hielt Eeneraladjutant v. Loewenfeld eine Ansprache, in der er sagte, der Kaiser hab« mit besonderer Freude vernommen, daß so viele Mitglieder der Familie Bülow an der Feier teilnehmen. Er danke für das Denk­mal und die heutige Feier. Dann legte General v. Loewenfeld tm Auftrage des Kaisers einen Kranz nieder, der allen Braven von Dennewitz gelten solle. Mit dem Gesang:Nun danket alle ©ott" schloß die eindrucksvolle Feier. Sodann formierten stch die Kriegervereine zu einem Parademarsch vor dem Eeneraladju- tanten des Kaisers.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Bellagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".

Fürst Bülow über den Geist von 1813.

Niedergörsdorf, 6. Sept. Die Jahrhundertfeier der Schlacht von Dennewitz begann heute mittag mit einer Feier auf hem Eedenkballenberge bei Niedergörsdorf. Trotz des trüben Wet­ters hatte sich eine große Menschenmenge in dem reichgeschmückten Ort eingefunden. Gegen 12 Uhr langte der Festzug auf dem Fest- platz an. Als Vertreter der Familie des Helden von Dennewitz, Generals v. Bülow, waren unter anderem Fürst und Fürstin o. Bülow erschienen. Außerdem sah man eine Abordnung des In­fanterie-Regiments Graf Bülow v. Dennewitz Nr. 55. Fürst Bülow hielt auf dem Festplatz eine halbstündige Rede. Er ging zunächst auf die Einzelheiten der Schlacht bei Dennewitz am 6. Sep­tember 1813 näher ein, in der General v. Bülow das französische Heer, das unter den militärisch hervorragenden Marschällen Ney und Oudinoi den bei Großbeeren am 23. August gescheiterten Ver­such, Berlin in seine Gewalt zu bringen, erneuern wollte, zum Rück­zug zwang. Er gedachte ausführlich der Tapferkeit, Ausdauer und Heldenhaftigkeit der pommerschen und ostpreußischen Offiziere und Mannschaften, die mit Bajonett und Kolben die feindlichen Siel- hingen stürmten und führte weiter aus:

Seit dem Tage von Dennewitz hat sich unserer Hauptstadt kein Feind mehr genähert, und >o Gott will, wird nie wieder ein Feind vor dey Loren der Stadt Berlin stehen. Dennewitz ist eine der wenigen Schlach­ten der Weltgeschichte, wo, entgegen dem Ausspruch von Napoleon, der Himmel mit den an Zahl schwächeren Bataillonen war. Zweihundett preußische Offiziere und 10 000 Mann bedeckten das Schlachtfeld. Ehre und ewiger Ruhm den Tapferen, die hier für Preußen und Deutschland In den Tod gingen, und deren Andenken diese Eedenkhalle geweiht ist Am Tage nach der Schlacht schrieb der Sieger an seine Frau:Unser« Truppen haben Wunder getan, es sind wieder die alten Preußen von Prag und Leuthen." Als ich zum Reichskanzler ernannt worden war, im Oktober 1900, habe ich die damals fast 90jährige Tochter des Siegers von Dennewitz in ihrem Heim in Homburg vor der Höhe besucht. Sie hatte ihren Vater nicht mehr mit Bewußtsein gekannt, er starb, als sie kaum drei Jahre alt war: aber sie war in seinem Geist erzogen worden, «nd sie faßte ihr Utteil über ihn in die Worte zusammen:Er ruhte bt sich selbst, und darum verlor er nicht das innere Gleichgewicht, weder im Glück, noch im Unglück."

Warum siegte Preußen bei Dennewitz und 1813? W... das preußisch« Volk den Sieg, die Rettung vom ftemden Joch, das Vaterland über alle Güter stellte, die das Leben vergänglich zieren, über Reichtum und äußeren Glanz. Die Worte, di« damals manchem Frauenring einge­prägt wurden und die Sie auf einem der Bilder dieser Eedenkhalle lesen,Goto gab ich für Eisen", hatten eine symbolische Bedeutung. Das Geschlecht von 1813 erkannte, daß der materiell« Fortschritt nicht Alles Gebeutet, baß es höhere Wette gibt

Weh« dem Volk, Hessen Reichtümer steigen, während die Menschen sinken. Dieses Wort eines späteren Denkers ist aus dem Geiste von 1813 geboren. Das Geschlecht von 1813 siegte, weil es wußte, daß der Sieg nicht allein durch technische Ueberlegenheit erfochten wird, sondern mit bet Seele. Solches Empfinden erzeugte den heroischen Patriotismus, die tragische Entschlossenheit, die jenes Geschlecht und die Männer von 1813 auszeich- «eten, und die Bismarck von ihnen geerbt hat, der, im Jahre von Waterloo geboren, und von Schleiermacher in der Berliner Dreifältig« leitstirdje eingesegnet, das damals nicht zum Abschluß gebrachte Werk iüt unserem alten Heldenkaiser vollenden und ausführen sollte. Der Sieg heftete sich 1813 an unsere Fahnen, und es gelang, die Ketten der Fremdherrschaft zu sprengen, weil dieser Gedanke alle Stände, a 11« - Klassen ergriffen und sie zu einer Gemeinschaft vereinigt hatte, die das ßvohl der Allgemeinheit höher stellte als bas, was bem Einzelnen als jein Interesse erscheint. Vor dieser heiligen Gemeinschaft wich und zerstob der alte Fluch de» deutschen Lebens,

daß das Sonderinteresse über das allgemeine Wohl, der Teil über das Ganze gestellt wird. Das grausameWort unseres größtenDichters von dem Deutschen, der im einzelnen trefflich, aber im ganzen miserabel sei, traf damals nicht zu. Die Generation von 1813 begriff, daß das allge-

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