mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und ^Landwirtschaftliche Beilage".
M 209
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post 2.25 M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Univ^ Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. T. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Marburg
Sonnabend, 6. September
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48. Jahrg, 1913.
Erstes Blatt.
Wochenschau.
Den Kaisertagen in Posen sind die in der Hauptstadt Schlesiens gefolgt, die umso bedeutsamer waren, als sie gleichzeitig der Erinnerung an die große Zeit vor hundert Jahren galten, getragen von dem Jubel der gesamten Bevölkerung sind sie in Voller Harmonie verlaufen in angenehmem Gegensatz zu dem Miß- jton, der in Posen durch die polnischen Hetzereien in die Festtage gebracht worden war. War man anfangs versucht, die Beteiligung der polnischen Adligen an dem Kaiseressen als ein Moment der Annäherung an das Deutschtum zu werten, so wurde man leider aus dem Munde eines der Beteiligten eines anderen belehrt. Die „Hofgänger" huldigten wohl der Person des Kaisers, find aber trotzdem nach wie vor volle Gegner der (vorläufig noch) herrschenden Regierungspolitik. Ob diese nicht über kurz oder lang in das Fahrwasser der Versöhnung umschwenkt, steht durchaus nicht außer allem Zweifel trotz des stolzen Wortes: „Nun- qnam retrorsinn!“ Die polnische Presse beginnt nämlich den Oberpräsidenten Schwartzkopff wenn auch nicht gleichen lüden, so doch ihm wohlwollende Anerkennung zu zollen. Herr Dr. Tchwartz- kopff hat sich mit einer Anfrage an die polnischen Großgrundbesitzer gewandt, ob sie bereit seien, einer Einladung zur kaiserlichen Tafel Folge zu leisten. Wer zusagte, bekam eine Einladung, und es konnte voll Befriedigung mitgeteilt werden, daß die eingeladenen Polen sämtlich erschienen waren. Mit anderen Worten: die preußische Regierung ist dem polnischen Adel nach- gelaufen. Dafür hat der Oberpräsident auch eine „gute polnisch« Presse". Der Posener Mitarbeiter des Krakauer „Czas" schreibt u. a.: „Das bestätigt die Meinung, daß, wenn uns Unrecht geschah, es nicht mit dem Willen des Herrn Schwartzkopff geschah; denn auch seine Macht ist nur beschränkt. Wenn also die Teilnahme der Polen an den Feierlichkeiten den Einfluß des gegenwärtigen Oberpräsidenten stärkt und die bis jetzt herrschende Stellung des Hakatismus schwächt, so kann unsere Volksgemeinschaft daraus vielleicht Gewinn davontragen oder wenigstens sich vor größerem Schaden schützen." Und im „Kurjer Poznanski" heißt es: „Keinem Verständigen bei uns liegt daran, dem Herrn Schwartzkopff die Stellung planmäßig zu erschweren." Es bedeutet vielleicht doch einen Umschwung in der Polenpolitik, wenn das Polentum größere Hoffnungen auf den höchsten Beamten der Provinz setzt als das Deutschtum. Die Zeit wird es ja bald lehren. Die Minderheiten fremder Nationalität innerhalb des Reiches werden an dieses nie durch eine Schaukelpolitik nach einem Zickzackkurs fester angeschlosien werden, sondern nur durch eine Politik der Stetigkeit und des Zielbewußtseins. Das sollten die Erfahrungen in der Ost-, Nord- und Westmark doch gelehrt haben.
Zum ersten Male ist die Ende Juni vom Reichstag mit allen gegen eine Stimme geforderte und von der Regierung bald darauf angenommene Milderung im Militärstrafgesetzbuch bei Ausschreitungen am Tage der Kontrollversammlung in dem llrttztl des Erfurter Oberkriegsgerichtes als Berufung^anstanz gegen die Reservisten und Landwehrmänner praktisch geworden, die am Abend der Frühjahrskontrollversammlung sich einem Polizisten und Gendarm in Rüxleben tätlich widersetzt hatten. Das Urteil des Oberkriegsgerichts ist erheblich milder ausgefallen; während die Haupttäter vorher zu 5 Jahren 3 Monaten Zuchthaus verurteilt worden waren, haben sie jetzt nur 2 Jahre 1 Monat Gefängnis zu verbüßen. Trotz ihrer angeheiterten Stimmung wußten die Leute recht gut, wen sie vor sich hatten; denn auf den Hinweis des Gendarmen antworteten sie, sie seien freie Arbeiter, ihnen habe keiner etwas zu sagen. Beachtenswert für die Verwirrung, die die Hetzarbeit anrichtet, ist die Bemerkung eines der Täter über die schweren Steuerlasten, mit denen sie die „Hungerleider" von Beamten erhalten müßten, obwohl er selbst zugibt, überhaupt keine Steuern zu bezahlen. Daß es sich auch nicht um harmlose Angetrunkene handelte, beweisen die mehrfachen Vorstrafen wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Gotteslästerung, die wohl auch in erster Linie bewirkt haben, daß das Gericht über die Mindeststrafe hinausging. Angesichts der verhältnismäßig niedrigen Strafen ist anzunehmen, daß die Verurteilten auf die Revision beim Reichsmilitärgericht verzichten werden. In der Presie wird die Entscheidung ganz verschieden beurteilt. Daß der „Vorwärts" auch jetzt noch „empört" ist, war zu erwarten. In den bürgerlichen Blättern wird das zweite Urteil teils als noch nicht mild genug, teils als übertrieben mild bezeichnet. Die Wahrheit scheint uns auch hier in der Mitte zu liegen. Solange die Bestimmung aufrecht erhalten bleibt, daß alle Angehörigen des Beurlaubtenstandes bei Kontrollversammlungen den ganzen Tag unter den Militärgesetzen stehen, muß eben unweigerlich die Disziplin durchgeführt werden. Andererseits darf solchen Wirtshausskandalen keine übertrieben große Bedeutung beigemesien werden.
Es ist freudig zu begrüßen, daß die Heeresverwaltung die einzelnen Intendanten der Korps neuerdings angewiesen hat, bei der Bestellung des sich aus der Wehrvorlage ergebenden Mehrbedarfs an Materialien usw. für die Truppen auch möglichst die kleinen, ortseingesesienen Gewerbetreibenden und Handwerker zu berücksichtigen und sich deswegen mit den bestehenden Innungen ins Einvernehmen zu setzen. Bei diesen ersten erfolgten Ausschreibungen find zahlreiche mittlere und kleine Lose an^die einschlägigen Firmen vergeben worden, damit möglichst viele kleine Handwerker und Lieferanten an den Arbeiten beteiligt werden konnten. Der Billigkeit wegen waren die Intendanturen bei vielen Lieferungen in normalen Zeiten immer noch auf die Gefangenenarbeit an
gewiesen. Es ist nur anzuerkennen, daß Im Erlaß der Heeresverwaltung besonders darauf hingewiesen ist, daß die Preise der Strafanstalten nicht als Maßstab für die Beurteilung der jetzt von den freien Handwerkern abgegebenen Angebote gelten sollen. Daß trotzdem die erstrebten und von den Handwerksorganisationen präzisierten Abänderungen im öffentlichen Berbingungs- wesen noch immer nicht genügend in Anwendung gebracht werden, bewiesen die Klagen, die auf dem „Allgemeinen Deutschen Jnnungs- und Handwerkertag" in Braunschweig erhoben worden sind. Obermeister Rahardt-Berlin führte ein« große Anzahl von Fällen an, in denen die vom Minister verlangte Hinzuziehung von Sachverständigen zu den Verdingungen durch die Behörden nicht erfolgt und die Zerlegung der Vergebungen in keine Lose unterblieben sei. Wiederholt sei immer wieder das niedrigst« Angebot berücksichtigt und oft Eeneralunternehmern die ganze Lieferung unter Umgehung des Handwerks zugewiesen worden. Sollte es nicht zu erreichen fein, daß die Beamten sich an die wohlgemeinten Weisungen der Regierung halten, so müsie ein Reit^gesetz über das Verdingungswesen geschaffen werden, das dazu zwinge, die berechtigten Jnteresien der kleinen Handwerker und Lieferanten zu berücksichtigen. Der Mahnruf vom Deutschen Handwerkertage ist zur rechten Zeit ergangen und wird hoffentlich nicht ungehört verhallen.
Auf dem Balkan scheint der Friede jetzt endgültig einziehen zu wollen. Wenigstens können wohl die Kriegsgefahren, die ander Adrianopeler Frage befürchtet wurden, als beschworen angesehen werden; denn di« Bulgaren haben sich entschlossen, um dem unhaltbaren Zustand« ein Ende zu machen, mit der Türkei direkt zu verhandeln. Diese Verhandlungen zielen wohl auf einen Ausgleich in der Weise ab, daß Adrianopel in der Hauptsache den Türken verbleibt. Auch die Demobilisierung der Balkanstaaten hat jetzt begonnen. Für die franzissische Diplomatie scheint der Ausgang der Balkanstreitigkeiten noch eine besondere Folge zeitigen zu wollen: die Abberufung Delcassös von dem Petersburger Botschafterposten. Die Nachricht wird zwar bestritten, dürfte sich aber doch als richtig erweisen.
Zwischen den Vereinigten Staaten von Nordamerika und Mexiko ist zwar die Entscheidung noch nicht gefallen, aber mehr als einmal schon hat di« Sache auf „des Messers Schneide" gestanden. Präsident Wilson hat alle Amerikaner in Mexiko aufgefordert, das Land zu verlassen und sich in einer Botschaft im Namen der Vereinigten Staaten wie im Namen des Auslandes für verpflichtet erklärt, die Ordnung in Mexiko herzustellen. Präsident Huerta hat daraufhin etwas friedlicher« Seiten aufgezogen, doch ist von einer Beilegung des Konflikts noch keine Rede.
In C h i n a scheinen die Aufständischen des Süden» am Rande ihrer Kräfte und Mittel zu sein. Zwar ist der Fall Nankings und damit eine empfindliche Niederlage für die Aufständischen nicht unzweifelhaft bestätigt, aber aus allen Meldungen geht doch hervor, daß die Truppen Juanschikais an Boden allenthalben gewinnen.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser und dir deutsch-französische Annäherung. Berlin, 5. Sept. Anfang Juli weilte der Kaiser auf dem Dampfer „Imperator". Zur Leitung der Küche hatte damals das Carlton- Hotel in London den französischen Küchenchef Escoffier gesandt, der bei jener Gelegenheit vom Kaiser empfangen wurde. Im Septemberheft der Pariser gastronomischen, Zeitschrift „L'Art culinaire" plaudert Escoffier über jenen Empfang und teilt dabei folgendes Gespräch mit. Er hatte den Wunsch geäußert, daß noch unter der Regentschaft Kaiser Wilhelms die Annäherung Deutschlands und Frankreichs verwirklicht werden möchte. Ueber die Aufnahme dieses Wunsches erzählt er:
„Der Kaiser gab mir die Versicherung, daß dies fein größter Wunsch sei und daß er hieran viel arbeite, aber daß es unglücklicherweise sehr schwer und recht selten sei,seine besten Absichten getreulich interpretiert zu sehen. Ich erlaubte mir, ihm zu sagen, daß eine gewisse Presse, wie es mir scheine, bedauernswerte Gefühle entfache. In der Tat, gab er mit zur Antwort, die Presse, oder vielmehr ein Teil der Presse, ist guten Ideen nicht immer zugänglich; trotzdem hege ich große Hoffnung, meinen Wunsch verwirklicht zu sehen, und ich wünsche dies von ganzem Hetzen."
Ob bet Kaiser sich wirklich so geäußert hat, muß abgewartet werden. Zu den Worten des Kaisers ist schon so viel hinzugedichtet worden, und sie sind schon so oft falsch wiedergcgeben oder ausgelegt worden, daß man auch diese Meldung nicht ohne weiteres als Tatsache wird betrachten dürfen.
— Eine amtliche bayrische Richtigstellung. München, 5. Sept. Gegenüber Ausführungen, die das „Hochland" anläßlich des Ee- • burtsfestes des bayerischen Ministerpräsidenten Freiherrn v. Hert- ling bezüglich der Berufung des gegenwärtigen Ministeriums machte, veröffentlicht die „Bayrische Staatszeitung" eine offiziöse Erklärung, in der zunächst der Wortlaut des allerhöchsten Handschreibens, das Prinzregent Luitpold an den Etaatsminister Grafen Podewils am 22. Februar 1911 bei dessen Rücktritt richtet«, mitgeteilt wird. Die „Staatszeitung" schreibt weiter:
„Der warme Ton, in der die allerhöchste Kundgebung gehalten ist, bekundet die dankbare Gesinnung, womit der verstorbene Prinz-Regent die selbstlose Hingebung, und rückhaltslose Treue anerkannte, mit der Graf Podewils ihm gedient hatte. Im Hinblick hierauf erübrigt sich ein« besondere Zurückweisung bet in dem erwähnten Artikel enthaltene« Behauptung, wonach bet verstorbene Prinz-Regent über bie Täuschung durch seine Ratgeber tief erbittett und verstimmt gewesen sei. Nicht minder irrig ist die Behauptung, der verstorbene Prinz-Regent Luitpold sei über den Ausfall bet letzten Reichstagswah- le n sowie über bie Gründe, bi« zur Auflösung des bayerischen Abge- «dnetenhauses «ch zu de« furchtbaren Wahlkämpfen führte, im Un
klaren gelassen worben. Wir sinb zu bet Erklärung ermächtigt, baß sowohl bet bamalige Vorsitzende im Ministerrat, Staatsminister Graf Podewils, wie bet bamalige Staatsminister bes Innern, ». Brettteich, bem Regenten wiederholt und eingehend Votttag über bie erwähnten Vorgänge erstattet haben."
— Besser« staatsbürgerliche Unterweisung der Jugend. Berlin, 6. Sept. Wie verlautet, wird der preußische Kultusminister dem Wunsch nach einer besseren Belehrung der Jugend in Bürger- kund« und Staatsbürgerrecht durch Einrichtung von geschichtlichen und staatswissenschaftlichen Fortbildungskursen für akademisch gebildete Lehrer an höheren Lehranstalten Rechnung tragen. Der erste dieser Kurse soll vom 13. bis 25. Oktober d. I. in Berlin statt« finden.
— Die »Zeitung der Zeitung««". Berlin, 5. Sept. Der „Vorwärts" brachte dieser Tage ausführliche „Enthüllungen" über den Plan eines großzügigen Unternehmens, das einerseits darauf hinauslaufen sollte, die führenden deutschen Wirtschaftskreise mit möglichst umfassenden Nachrichten aus dem Ausland« zu versehe^ und das anderseits die ausländische Presse über die deutschen Am gelegenheiten vom deutschen Standpunkte aus unterrichten sollte« Der „Tägl Rundschau" ist darauf mitgeteilt worden, daß der Plan älteren Datum» und bereits aufgegeben sei. Dem scheint jedoch nicht so zu sein; denn der Gründer des Unternehmens, ein Herr Arthur Kirchhoff in Halensee bei Berlin, versendet an die Presse ein Rundschreiben mit dem vielsagenden Kopf „Preßbüro der gegenseitigen Kenntnis der Kulturvölker", aus dem hervorgeht, daß er nach wie vor seine Idee zu verwirklichen sucht. Ob freilich bie maßgebenben Stellen ihn schließlich unterstützen werben, ist recht fraglich, ba die Gewähr für ein Gelingen des Planes nur schwach ist.
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Koloniales.
□ Dr. Soks zur Lage in Sübkarnerun. Kalonialstaatssekretät Dt. Sols traf auf seiner Rundreise durch Kamerun Dienstag in Kribi ein. Die Handelskammer für Süd-Kamerun veranstaltete ihm zu Ehre« ein Bankett. Auf diesem brachte der Syndikus der Kammer, Rechtsanwalt Prange, die Wünsche des Südens der Kolonie an das Reichskolonialamt zum Ausdruck. Er betonte insbesondere die Notwendigkeit, Kribi, den wichttgsten Ausfuhrhafen der Kolonie, mit dem Hinterlande durch eine Eisenbahn zu verbinden. Angesichts der bedrängten Lage des Summt» Handels bat er um Aufhebung des Ausfuhrzolls auf Kautschuk. Durch eine großzügige, nicht auf sofortige Deckung bedachte Finanzpolitik solle der entstehende Zollausfall wieder ausgeglichen werden. In seiner Antwort erklärte der Staatssekretär, das ganze System des Kameruner Südhandels erschein« ihm unkaufmännisch. Die Aushebung bes Ausfuhrzolls auf Gummi lehnte er ab, auch eine Ermäßigung könne angesichts bet Finanzlage ber Kolonie nicht in Frage kommen. Den Plan einer Kameruner Südbahn erklärte er als aussichtslos, ba Süd- Kamerun als Hinterland von Duala anzusehen sei. Besonders wandte sich der Staatssekretär gegen die heimische Preßagitation in dieser Frone, die der kolonialen Sache nur schädlich sein könne. Hingegen sagte er bezüglich des Ausbaues des Südkameruner Wegenetzes durch Schaffung von Straßen für Lastautomobile feine energische Unterstützung zu,
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Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urhebergesetzes nut mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhess. Ztg." gestattet.)
Marburg, 6. September.
* Zur Feier am 18. Oktober. In den Stadtsälen fand gestern nachmittag unter bem Vorsitz des Oberrealschul-Direktors Dr« Knab« eine Besprechung darüber statt, wie die Feier am 18. Okt. hier int einzelnen gestaltet werden soll. Der Felbgottesdienst auf bem Kämpfrasen, ber sich an einen Umzug der Schulen und Verein« j durch die Stadt morgens anschließt, findet wie beschlossen statt« Die Festpredigt hält Konsistorialrat Prof. D. Bornhäuser. Nachmittags findet auf dem Juxplatz Schauturnen statt und von hier aus wird dirett nach dem Acker bei der Bismarckfäule gezogen, wo gerade wie bei der 50jährigen Gedenkfeier der Schlacht bei Leipzig und den Sedanfeiern ein Holzstoß abgebrannt wird. Von hier aus erfolgt der Rückmarsch in die Stadt.
* Krieg im Frieden. Heute früh sind unsere Jäger ins Manöver abgerückt. „Noch 14 Tage und dann gehts nach Hause zur ' Mutter" jubelte gestern abend mancher, der in Ehren zwei Jahr« lang den grünen Jägerrock getragen. Und wer gestern abend durch * die Straßen promenierte, besonders durch diejenigen, di« noch • etwas in trauliches Dunkel gehüllt find, konnte stille Betrachtungen darüber anstellen, was es heißt, wenns ans Scheiden geht. Ja —• treu ist die Soldatenliebe--
* Kreiswetturnen. Am nächsten Freitag findet auf dem Unt< versitLtsfpielplatz auf der Weide das Preisturnen und Spielen der ; Schüler der Landschulen des Kreises Marburg statt.
• Marburger Herbst-Pferdemarkt. Am nächsten Dienstag < wird hier der große Herbst-Pferdemarkt stattftnden. Wer sich noch । in den Besitz eines Elückslofes fetzen will, muß sich beeilen.
• Der Fleischverbrauch und Biehhandel iw Regierungsbezirk Lasset. Von der Landwirtschastskarnrner des Regierungsbezirks Cassel wird tu, ihrem Iahresbettchte n. a. auch bie von ber Ständigen Kommission des Landes-Oekonomiekollegiums angeregte Herbeiführung direkter Siefe» rungsverträge für Schweine zwischen landwirtschaftlichen Organisationen ■ und einzelnen Stadtverwaltungen eröttett und dabei ausgeführt: Wen« , es trotz der eifrigen Bemühungen bet Landwirtschaftskammer nicht gelungen ist, ben Abschluß eines Lieferungsvertrages mit einer Stadtver-' waltung herbeizuführen, so sinb daran bie besonderen Verhältnisse schuld. Diese bestehen darin, daß im Regierungsbezirk Eassel ber lokale Fleischverbrauch bie Probuktton erheblich übersteigt. Die gemästeten Schweine ■ werben meisten» von bem Metzger bes betreffenden Ortes gekauft und auch von zahlreiche« im Dorfe ansässigen Arbeiterfamilien verbraucht. Die über den verbrauch de» Dorf« hinausgehende Probnkiion wird vielfach von den Metzgern der größeren Städte direkt gekauft, fe baß ein Zwi-