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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und ..Landwirtschaftliche Beilage".

M 208

DieLberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post 2 25 M lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M fiel ins Haus. Verlag von Dr. C. Hitzeroth. Druck der Univ.» Bvchdruckerei 3. A. Koch (Inh. Dr. E. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marburg

Freitag, 5. September

Der Anzeigenpreis beträgt für die Tgejpaltene Zeile oder deren Raum 15&, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Nr. 5015 des | Postscheckamtes Frankfurt a. M.

48. Jahrg«

1913.

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Nnndjchcm.

Die Rücksicht des Staates auf feine Arbeiter.

Aus neuen statistischen Vergleichen geht hervor, daß der Staat fm allgemeinen gegenüber seinen Arbeitern mehr Rücksicht übt, als die Privatbetriebe. Es zeigt sich, datz in den Staatsbetrieben der nicht mehr leistungsfähige Arbeiter lange nicht so leicht abgestotzen wird, wie in Privatbetrieben. Während z. B. im Regierungs­bezirk Potsdam 35,6 Prozent der Arbeiter über 45 Jahre alt sind, beträgt in den staatlichen Betrieben der Prozentsatz der Arbeiter 45. Die Gründe dafür sind darin zu suchen, daß der Staat das Nur Wirtschaftliche bei seinen Anlagen nicht so stark zu berück­sichtigen braucht, wie es die Privatunternehmungen zu tun ge­zwungen sind, die alle vorhandenen Arbeitskräfte ausnützen «nd alle überflüssigen und unrentablen Arbeitskräfte abstohen. Interessant ist auch in dieser Hinsicht ein Vergleich zwischen den Eesellschafts- und Privatunternehmungen. Eine Maschinenaktien­gesellschaft hatte nur 10 Prozent Arbeiter im Alter von mehr als 40 Jahren, eine private Maschinenfabrik dagegen 24 Prozent. In den privaten Betrieben ist eben das Verhältnis zwischen Unter­nehmer und Arbeitern enger als in den großen Eesellschafts- betrieben. Ein Diensterprobter wird hier viel weniger schnell ent­lassen werden als dort, wo diese persönliche Verbindung des Auf­traggebers mit feinen Leuten fehlt. Allerdings ist auch hinsichtlich der Betriebstätigkeit ein Unterschied vorhanden, der sich nach der Art der Beschäftigung richtet. In der chemischen und Pianosorte- sabrikation, in der Möbeltischlerei und in den Brauereien ist der Prozentsatz alter Arbeiter ungleich höher als in den anderen Be­trieben. In den Textilbetrieben in Schleswig waren z. B. 30 bis 40 Jahre alt 19,4 Prozent der Arbeiter, 4050 Jahre alt 21 Pro­zent, in den Webereien in Köln 3040 Jahre alt 15,3 Prozent und 4050 Jahre alt 19,2 Prozent.

Die kulturellen Leistungen unserer Schutztruppen haben gewiße Kreise bei jeder sich bietenden Gelegenheit herab­zusetzen, wenn nicht ganz zu leugnen versucht, während tatsächlich unsere Kolonien, abgesehen von Schutz und Sicherheit, den weißen und farbigen Angehörigen der Schutztruppen und ihren Offizieren ganz Bedeutendes verdanken. Sie haben nicht nur dem Pflanzer und Kaufmann den Weg gebahnt und ihm sein Wirken erst er­möglicht, sondern auch selbst auf nichtmilitärischem (siebtet Erfolge erzielt, die die höchste Anerkennung verdienen. Mehr als einmal sind Stimmen laut geworden, die diejenigen Bezirke als die best­verwalteten bezeichnen, an deren Spitze aktive oder ehemalige Offiziere stehen. Frei von jedem Bürokratismus haben sie mit offenem Blick das Notwendige erkannt und ohne viele Umstände burchgeführt und sich vor allem als sehr geschickt im Umgang mit den Eingeborenen erwiesen. Es sei nur an Namen wie Dominik, Jlchannes, Graf v. Eoetzen erinnert, oder an noch Lebende wie Lgngheld, Nigmann, Charisius, Puder, v. Heydebreck und Franke. Man müßte noch viele Namen anführen, wollte man allen gerecht werden, die bescheiden und unbekannt in der Öffentlichkeit ihr Bestes hingeben in dem entsagungsvollen Dienst fern von aller Kultur. So erwähnt imDeutschen Kolonialblatt" der Gouver­neur von Deutsch-Ostafrika, Dr. Schnee, in einem Bericht über die Inspizierung des Nordwestens der Kolonie lobend die Tätigkeit der 11. Kompagnie der dortigen Schutztruppe, die am Nordufer des Kiwusees, in Kisienji. stationiert ist. Dr. Schnee schreibt u. a.: Der Ort ist in einer Höhe von 1460 Metern sehr schön unmittel­bar am Seeufer gelegen, das hier einen für Badezwecke geeigneten Sandstrand besitzt. Im Kiwusee befinden sich weder Krokodile noch Flußpferde,' so daß man hier ungefährdet schwimmen kann. Die Unterkunft der Offiziere ist noch primitiv, da die vorgesehenen Bauten noch nicht fertig sind, dagegen sind b e -

(Nachdruck verbeten.)

Friede Sörrensen.

Roman von H. Courths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Gemeinsam machten sie sich an die Arbeit. Georg hielt sich dabei so dicht an Ruths Seite, daß sich zuweilen ihre Hände berührten. Ein­mal kam er ihr so nahe, daß ihr Haar seineWange streifte. Da wurde ihm so wunderselig zumute, daß er plötzlich ohne alle Beranlasiung die beiden schlanken, schöngeformten Mädchenhände ergriff und eine nach der anderen andächtig küßte. Ebenso plötzlich ließ er sie dann wieder los, als seine Augen Ihr schwarzes Kleid streiften. Nein, so lange sie Trauer trug, mußte er sich beherrschen. Aber sobald sie die schwarzen Kleider ab­gelegt hatte, dann wellte et sie um ihre Hand bitten, und er hatte keine Angst, daß sie ihm dieselbe weigern würde.

Ruth hatte, als er so plötzlich ihre Hand küßte, vor Schrecken fast die Weilchen fallen laßen. Nun beugte sie sich verwirrt wieder zu den duften- den Blüten nieder und pflückte unsicher mit zitternden Händen darauf­los. Georg sah, was er durch fein Ungestüm angerichtet hatte. Aber pflücke mal einer Seite an Seite mit einem lieben Mädchen die duften­den Frühlingsboten, während ringsum kein Mensch zu sehen ist und nur die Vögel im stürmischen Daseinsdrang singen und jubilieren! Aber er wollte sich doch zusammennehmen und sogar artig Konversation machen.

Also morgen kommen Ihre Frau Mutter und Fräulein Schwester zu Besuch, Fräulein Ruth?"

»Ja, Herr Doktor, und bald kommt auch mein Bruder Hans auf einige Tage."

Dann werden Sie natürlich ganz vergeßen, daß hier auch noch Leute wohnen, die Ihre Gesellschaft nicht entbehren können!"

Daß hier Leute wohnen, deren Gesellschaft ich nicht entbehren kann, das werde ich sicher nicht vergeßen", antwortete sie, sich emporrichtend.

Und werden Sie nach wie vor wenigstens Sonntags zu uns kom­men? Natürlich mit Ihren Angehörigen."

Wenn ich die mitbringen darf gern, sehr gern.

Und werde ich noch wie sonst zuweilen des Abends zu einem Plau­derstündchen kommen dürfen? Oder bin ich dann überflüssig?

reits gute Wege und Straßen geschaffen worden." Die betreffenden Kompagnieoffiziere sind die Oberleutnants Gräff (Führer) und David und Leutnant Köhl.,

Deutsches Reich.

Die Hochzeit in Sigmaringen. Sigmaringen, 4. Sept. Heute vormittag 10 Uhr fand im Schloße die Ziviltrauung des früheren Königs von Portugal mit der Prinzessin Auguste Viktoria von Hohenzollern statt. Kardinal Netto nahm die kirchliche Trau­ung vor. Hierauf hielt Fürstabt Thomas Boßard von Einsiedeln die Traurede. Er erinnerte an die verwandtschaftlichen Be­ziehungen zwischen dem königlichen Hause von Portugal und dem fürstlichen Hause Hohenzollern, überbrachte dem Brautpaar die Segenswünsche aus St. Meinrads Enadenstätten und sprach in Anknüpfung an die Worte: Dieses Geheimnis ist groß (Eph. 5, 32). Bei der Rückkehr von der Kirche zum Schloß wurden der Braut von 60 in malerischer Nationaltracht gekleideten Mädchen aus der Gegend von Haigerloch ein Blumenstrauß überreicht. Im Schloße fand darauf in der portugisischen Galerie Frühstückstafel statt. Um I Uhr verließ das Brautpaar Sigmaringen.

Der Handelsminister über Wohlstand und Konjunktur. Breslau, 4. Sept. Bei dem Festmahl, das gestern abend den deut­schen Bergmannstag beschloß, hielt der Handelsminister Dr. Sy- dow eine Rede, in der er sagte:Die Periode der Hochkonjunktur geht zu Ende. Das ist ein natürlicher Vorgang. Es besteht die begründete Hoffnung, daß der Niedergang ohne Erschwerung des Wirtschaf^lebens durch die Aufwärtsbewegung ausgeglichen wird. Unser Wirtschaftsleben ist durch und durch gesund. Die Kauf­lust des Inlandes ist im Wachsen, und der W 0 h l st a n d st e i g t. Leitende und Angestellte haben daran Anteil, indem sie für das Wohl der wirtschaftlichen Unternehmen ihre ganzen Kräfte ein­gesetzt haben. Aber alle Mühen wären vergebens, wenn nicht dem Deutschen Reiche der Frieden beschert wäre. Das verdanken wir dem Kaiser, der die Politik in ruhige Bahnen lenkte und noch in neuster Zeit darauf hinwirkte, daß im Südosten Europas durch dauernden Frieden unser Land vor Schädigungen bewahrt wurde."

Der zweite Krupp-Prozeß. Berlin, 4. Sept. Wie von best­unterrichteter Seite mitgeteilt wird, ist der Bürovorsteher der Firma Krupp, Maximilian Brandt, weder krank noch denkt er daran, in ein Sanatorium zu gehen. Brandt wünscht im Gegen­teil, daß schnellstens gegen ihn verhandelt wird, da er der bestimm­ten Ansicht ist, daß er seine völlige Schuldlosigkeit beweisen wird. Nunmehr hat die Staatsanwaltschaft gegen Brandt und zwei ehemaligeDirektorenvon Krupp, die nicht in Eßen, sondern in Berlin stationiert sind, wegen Beamtenbestechung und Verleitung zum Verrat militärischer Eeheimniße Anklage er­hoben. Die Verhandlung findet voraussichtlich Ende Oktober vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Berlin I unter dem Vor­sitz des Landgerichtsdirektors Schmidt statt und dauert etwa 56 Tage. Die Anklage wird vom Staatsanwaltschaftsrat Töpffer vertreten. Verteidiger sind die Rechtsanwälte Löwenstein und Justizrat v. Eordon. Gegen den früheren Vorsitzenden des Direk­toriums Landrat a. D. Rötger istkeine Anklage erhoben worden.

Gegen die Fremdenlegion. Berlin, 4. Sept. Das8 Uhr- Abendblatt" hat an eine Reihe deutscher Parlamentarier eine Rundfrage über die Fremdenlegion gerichtet. Der nationalliberale Parteiführer Baßermann hält es für richtig, die Frage des bes­seren Schutzes der deutschen Staatsangehörigen gegen die Werber und ihre Helfershelfer im Wege von Jnitiativ-Anträgen oder Resolutionen aufzugreifen und diese Anträge sodann einer Kom­mission zu überweisen. In dieser Kommission wäre über die ein­zuschlagenden gesetzgeberischen Wege, die geeignet sind, dem Um-

fang der Werbung Einhalt zu tun, zu beraten und positive Vor- schlüge zu machen. Der freikonservative Abgeordnete v. Liebert empfiehlt als einziges wirksames Mittel einen diplomatische« Schritt bei der französischen Regierung. Dr. Müller-Meiningen (freis.) verspricht sich Erfolg von einem Versuch, bei Frankreich ein Verbot der Einstellung Minderjähriger zu erreichen und außerdem von der Gründung einer deutschenFreiwilligen-Kolo- ni allegi0n", um dem Abenteurerdrang unserer Jugend Rech< nung zu tragen.

Wiedereröffnung des Werftarbeiternachweises. Hamburg, 4. Sept. Nachdem die Holzarbeiter von Bremen heute vormittag beschloßen haben, die Arbeit durch den Arbeitsnachweis wieder aufzunehmen, werden die Nachweise in Bremen, Hamburg, Kiel, Bremerhaven und Vegesack am Samstag wieder geöffnet. Die Wiederschließung wird wohl nicht lange auf sich warten laßen, bc die Arbeiter es sich jede Woche anders überlegen.

Das schnellste Schiss der Welt in Deutschland erbaut. Swinemünde, 4. Sept. Der russische TorpedojägerNovik", deßen Deplazement 1400 Tonnen beträgt und nach den Plänen der Vulkanwerke in Hamburg und Stettin gebaut und mit einer von den Vulkanwerken hergestellten Turbinen- und Keßelanlage aus­gerüstet ist, erzielte bei der gestrigen offiziellen Meilenfahrt mit vorschriftsmäßiger Belastung eine mittlere Geschwindigkeit von 37 Knoten und die höchste gemeßene Geschwindigkeit von 37,3 See­meilen pro Stunde. Während der ganzen Fahrt zeigte sich an den Schornsteinen bet durchweg mit Heizöl gefeuerten Kessel nicht die geringste Rauchentwicklung. Auch im übrigen verlief die Fahrt, wobei trotz der enormen Geschwindigkeit die Maschinen und Keßel durchaus nicht bis an die Grenze ihrer Leistungsfähig­keit beansprucht wurden, ohne jede Störung zur größten Zufrieden­heit der Abnahmekommission, die aus einer Anzahl hoher russischer Seeoffiziere zusammengesetzt ist. Hiermit hält derNovik" den Weltrekord als schnellstes Schiff.

Gegen die Geistlichen, di« die Gottheit Christi leugnen. Nürnberg, 4. Sept. Bei der Eeneralsynode der evangelisch-luthe. rischen Landeskirche Bayerns ist von der Synode Thalmässing (Mittelfranken) der Antrag gestellt worden, datz die Geistlichen, di« die Gottheit Christi, seine Auferstehung und die Dreieinig, keitslehre leugnen, nicht länger im Amte gelaßen werden sollten, da ihre Amtsführung unter diesen Umständen mit ihrem Ordi- nationsgelübde unverträglich sei.

Saatenstand. Berlin, 4. Sept. In den Bemerkungen derStatt» stifchen Korrespondenz" zu dem Saatenstand in Preußen für Anfanz September 1913 heißt es:Heber Schädlinge wird nur vereinzelt be- richtet. Roggen und Gerste ist zum größten Telle gut eingefahren, nur ein kleiner Teil zeigte Auswuchs. Korn ist allgemein gut beschaffen und gibt reichliche Erträge. Auch Stroh befriedigt. Sommergetreide und Winterweizen wurde verhältnismäßig spät reif und ist dement­sprechend spät gemäht worden. Es ist viel Auswuchs zu verzeichnen, so daß die Erträge nicht immer den Erwartungen entsprechen. Weizen be­friedigt im allgemeinen. Sowohl Korn wie Stroh geben der Lage ent­sprechend genügende Erträge. Das Mähen des Hafers geht langsam vorwärts wegen der vielen Lagerstellen. Die Einbringung war infolge der nassen Witterung mit großen Schwierigkeiten verknüpft, wo­durch ein bedeutender Teil Kornes verloren ging. Soweit Probedrüsche vorliegen und die Erträge schätzungsweise angegeben sind, kann man von einet guten Ernte sprechen: das Stroh ist freilich meist schwarz. Die Kartoffeln werden recht verschieden eingeschätzt. Die Frühkartoffeln scheinen nicht ergiebig genug. Man hofft, daß die späten beßere Er­träge liefern. Zucker- und Futterrüben sind gut erholt und versprechen gute Erträge. Den Futtergewächsen halfen die Niederschläge nicht der maßen, wie man erwartet hat. Mit der Erummetemte ist hier und bi begonnen worden, teilweise ist sie sogar beendet. Der Ertrag befriedigt wenig. Die Herbstbestellung ist infolge der verzögerten Emtearbeite». noch sehr im Rückstände. Nur vereinzelt liegen Berichte über den Be. ginn vor."

Inzwischen waren sie am Hause angelangt und gingen hinein. Drin­nen wurden sie von Heinz und Trudl mit Halloh, von den anderen mit einem stillen Lächeln empfangen. Herr von Volkmar sah schmunzelnd von Ruth zu Trudl, und von Trudl zu Ruth zurück. Er sah, ebenso wie seine Gattin, in Ruth schon die künftige Schwiegertochter. Friede enb Frau von Volkmar hatten sich längst darüber ausgesprochen, daß es Ihr Herzenswunsch war, aus Ruth und Georg ein Paar werden zu sehen.

Das Jungvolk begann nun ein fröhliches Schmausen. Der gefüllt« Kuchenteller zeigte bald leere Stellen. Wie Immer herrschte ein gemüt-, voller, harmonischer Ton zwischen all diesen Menschen. Ruth und Friede dachten zu gleicher Zeit daran, wie wenig Lizzi und Ellen in diesen Kreis paßen würden. So lange diese beiden zu Besuch da waren, würde kein rechtes Behagen aufkommen können, weder in der Molkerei noch hier bei den lieben Freunden.

Friede und Ruth sahen sich etwas bänglich in die Augen, als wüßte« sie, woran sie beide gedacht hatten. *

Sie hatten aber nicht damit gerechnet, daß sowohl Frau Lizzi als auch Ellen blendende gesellige Talente besaßen. Lizzi Steinbach wat noch immer eine schöne, bezaubernde Frau, wenn sie es sein wollte. Und jetzt wollte sie es sein. Die schlichten Volkmars wußten nicht, was an die­sen beiden schönen, bezaubernd liebenswürdigen Frauen echt oder unecht war. Die Herren hielten sie für echt, innen und außen, nur Frau von Volkmar warnte der feine Instinkt bet Frau Sie hatte bald heraus, daß diese beiden glänzenden Erscheinungen nicht die Qualitäten besaßen wie Ruth und Friede. v _.

Aber während sie bald mit klaren Augen den Dingen auf den Grund sah, schienen die Herren wie bezaubert zu sein. Sogar der alte Herr von Volkmar wat vor Entzücken übet diecharmante Frau von Steinbach und diegoldige, reizende, kleine Ellen" ganz aus dem Häuschen. Fra» von Volkmar ließ ihn vorläufig gewähren und lächelte nur ein wenig humoristisch überlegen, wenn ihr sonst so gemeßener, ruhiger Gatte fei­nem Entzücken begeisterten Ausdruck gab.

Georg und Heinz wetteiferten in Artigkeiten gegen Ellen, die ihrs verführerischen Augen sehr wohl zu gebrauchen verstand.

Sie find ganz sicher niemals lästig. Tante «Friede würde seht böse sein, wenn sie nun plötzlich aubsbleiben wollten."

Nut Tante Friede?" neckte et.

Ich natürlich auch bitterböse sogar." h

Das ist reizend daß Sie dann bitterböse wären.

Sie lachte ein wenig verwirrt und sah auf den Strauß herab.

Nun sind es wohl genug Veilchen für Tante Friede?" Ach, wir könnten noch mehr pflücken, es sind ja noch viele ba. Sie sah schelmisch zu ihm auf.

Nein es sind genug. Unter uns ich verspüre Sehnsucht nach Tante Volkmars gutem Sonntagsnachmittagskaffee."

Richtig!" tief er erschrocken.Wit haben ja noch keinen Kaffee ge­trunken. Dann muß ich Sie wohl hineinführen obwohl ich noch gar keine Lust dazu verspüre."

Warum denn nicht?"

Georgs Blick glitt ab von dem Ruths, und da sah et gerade noch, wie Heinz und Trudi durch den Garten nach der Villa gingen.

Weil eben das glückliche Brautpaar Hein, und Trudi eingetroffen ift. Die werden wieder ihr verliebtes Unwesen treiben."

Ist Ihnen das so seht zuwider?"

Et sah sie übermütig an.

Das fragen Sie noch? Natürlich in heffter Seele ist es mit zu­wider So etwas ist höchstens zu ertragen, wenn man selbst glücklicher Bräutigam ist und sich ebenso närrisch beträgt. Da ich das aber leidet noch nicht bin, so erweckt es höchstens meinen schwärzesten Neid."

Aber Herr Doktor- was entdeckte ich da für schlechte Eigenschaften an Ihnen", drohte Ruth scherzend, aber ihr Gesicht glühte dabei.

Er seufzte steinerweichend.

Ja ja, Sie ahnen gar nicht, was für ein Bösewicht ich bin. Hüten Sie sich vor mir, Fräulein Ruth, sonst machen Sie eines Tages schlimme Erfahrungen an mir."

Sie schüttelte lächelnd das Haupt.

Tante Friede schilt mich zwar oft einen Hasenfuß aber davor fürchte ich mich doch nicht."

Sind Sie sonst so ängstlich? Das habe ich noch gar nicht an Ihnen bemerkt." ä1 '

In manchen Dingen", antwortete p« ernsthafter als zuvor. JH.