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und den Beilagen: ..Nach Feierabend",Fürs Haus" und ..Landwirtschaftliche Beilage".

M 206

DieOberhefsijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durck- die Post 2.25 M lohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsfiellen 2 M frei ins Haus. Verlag von Dr. C. Hitzeroth. Druck der Univ.- Buchdruckerei I. 91. Koch (Znh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marburg

Mittwoch, 3. September

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 4. bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 «J, für Reklamen die Zeile 60$. Bet Wiederholungen entsprechender Rabatt. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

48. Jahrg.

1913.

Rundschau.

Die Herbstparade des Eardekorps.

Bei schönem Wetter begann gestern morgen 8 Uhr die Herbst­parade des Eardekorps auf dem Tempelhofer Feld. Es nahmen die anwesenden Prinzen des Königshauses, die Herzöge Albrecht «nd Philipp Albrecht von Württemberg, die Prinzen Alfons und x Franz von Bayern teil. Ferner waren u. a. zugegen: die schwe­dische Sondermission, der italienische und argentinische Eeneral- stabschef, Offiziere des Washingtoner Milizregiments, der in­dische Radschah Narsinjarh mit seiner Begleitung in bunt­seidenen Turbanen. Die Kaiserin wohnte mit der Prinzessin August Wilhelm der Parade bei. Die Truppen waren in zwei Treffen aufgestellt. Die Parade kommandierte Eeneraladjutant General der Infanterie v. Plettenberg. Kurz nach 8 Uhr erschien der Kaiser in der Uniform des 1. Earderegiments zu Fuß. Wäh­rend der Kaiser die Fronten abritt, erschienen mehrere Flug­zeuge und der ZeppelinkreuzerHansa". Später überflogen einige Freiballons die Parade. Gegen 8% Uhr begann der Vor­beimarsch der Infanterie in Regimentskolonnen, der berittenen Truppen im Schritt. Der Kaiser führte der Kaiserin das 1. Carde- regiment zu Fuß und das 1. Earde-Feldartillerie-Regiment vor. Der Vorbeimarsch dauerte bis nach 10 Uhr. Der Kaiser hielt eine Besprechung ab und führte unter dem Jubel des Publikums die Feldzeichen nach dem Schloß zurück. Der Kaiser nahm im Schloß­hofe eine größere Anzahl militärischer Meldungen entgegen sowie aus den Händen einer Abordnung des Offizierkorps des 1. Earde- feldartillerie-Regiments anläßlich seines 25jährigen Chefjubi­läums eine Erinnerungsgabe. Im Sternsaal empfing der Kaiser die schwedische Sondermission, die dem Kaiser anläßlich seines 25- jährigen Jubiläums als schwedischer Admiral einen Ehren- säbel überreichte. Abend um 6 Uhr fand im Weißen Saale Paradetafel statt. Um 8 Uhr war im Opernhause Paradevorstel­lung. Gegeben wurde Lauffs OperDer große König".

Haldane überinternationale Sittlichkeit".

Dor esner"Versammsüsis zahlreicher Rechtsgelehrter aus den Bereinigten Staaten und Kanada hielt in Montreal der Lord­großkanzler und Eroßsiegelbewahrer von Großbritannien Viscount Haldane eine Rede über die zunehmende Berücksichtigung sittlicher Grundsätze im Verkehr der Nationen untereinander. Er führte dabei u. a. aus:

Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß die besten Persönlichkeiten In den besten Nationen nicht mehr wünschen, in einer Welt voll selbst­süchtiger Forderungen zu leben und bei jeder Gelegenheit zu verkünden: Our country, right or wrong! Es wächst di« Neigung, zu glauben, daß es nicht nur für alle Mensck^en sondern auch für alle Völker gut ist. den Standpunkt ihrer Nachbarn so gut wie ihren eigenen zu berücksichtigen. Zum mindesten tritt die Neigung in Erscheinung, ein größeres Maß von Idealismus in den internationalen Beziehungen anzustreben. Möge sich solcher Geist zu einer vollen internationalen Sittlichkeit entwickeln. Zu Zeiten gibt ein gemeinsames Jnteresie einiger Nationen Gedanken und Taten einen sozialen Charakter, woraus sich dann schließlich ein Vertrag krystallisiert, der seinerseits wiederum den Prozeß fördert, der Ihn entstehen ließ Wir sehen dies im Falle Deutschland-Oe st er- reich und im Falle Rußland-Frankreich. Zuweilen entwickeln sich freundschaftliche Beziehungen, ohne sich zu einemallgemeinen Vertrag zu krystallilieren. So war dies der Fall zwischen meinem Lande und Frank­reich. Wir.haben kein Ikebereinkommen getroffen außer einem zur Schlichtung alter Streitigfetten über bestimmte Gegenstände, ein Ueber- «inkommen, das nichts mit Krieg zu tun hat. Nichts destoweniger ist, feit in diesem Ikebereinkommen ein Zeugnis der Bereitwilligkeit gegeben war, sowohl zu geben als zu nehmen und in stetiger Verständigung und Hilfsbereitschaft zu bleiben, zwischen Frankreich und England eine neue

(Nachdruck verbot«!».) E Triebe Sörrensen.

Roman von H. Courths-Mahler.

lFortsetzung.)

Ruth fühlte sich so wohl und glücklich im Hause Tante Friedes, wie sie es nie erwartet hakt«. Der Schmerz mp den Verlust des Vaters ver­lor sich in eine stille, wehmütige Erinnerung.

Ruth hätte wunschlos glücklich sein können, wenn nicht die Briefe ihrer Mutter gewesen wären.

Frau Lizzi wurde immer dringender und ungeduldiger. Sie wollte unbedingt Friedes Vermögensverhältnisie ergründen, und da sie von Ruth nichts darüber erfuhr, wurde sie sehr ärgerlich und schalt diese ungeschickt.

Auch Ellens Briefe waren nicht sehr erfreulich. Sie klagte in jedem Schreiben über Geldmangel, trotzdem ihr Ruth häufig ihr ganzes Taschen­geld schickte, statt der Hälfte.

Und dann kam Anfang März ein Brief voll Jammer und Weh­klagen von der Mutter. Hans hatte den Winter über sehr leichtsinnig gelebt. Der reichliche Zuschuß hatte ihn zu allerhand Extravaganzen verführt, und schließlich hatte er. um seinen Finanzen aufzuhelfen, ge­spielt und dabei vierhundert Mark verloren, di« er sich von einem Freunde geliehen. Lizzi hatte ihn mit Vorwürfen überhäuft, ließ sich aber überreden, selbst Geld aufzunehmen und benutzte die Gelegenheit, gleich für sich selbst eine Summe mitzuleihen. So verschaffte sie sich tausend Mark, von denen sie Hans die Hälfte gab und die andere für sich verwendete.

Nun schrieb sie das alles an Ruth.

Du mußt mir nun unbedingt heraushelfen. Ruth, mußt Tante Friede bitten, daß sie mir mit diesen tausend Mark aushilft. Du kannst ihr sagen, es handle sich noch um eine alte Schuld von Papa, die sich jetzt erst herausgestellt hat. Jedenfalls muß ich das Geld haben. Selbstverständlich darf Tante Friede nicht erfahren, daß Hans Dumm­heiten gemacht hat. Was soll werden, wenn Tante ihre Hand von ihm abzieht! Alst» ich bitt« dich, liebes Kind, siehe zu, daß du Tante Friede hie Sache gstgich beibringst, «nd sorge, daß ich das Geld Acht bald «halte." .. .. ... ............

Art des Empfindens erwachsen, die eine Realität ist. Sie ist noch jung und kann zum Stillstand kommen oder sich vermindern. Aber ebensogut kann sie vorwärtsschreiten und wachsen, und es ist ernstlich zu hoffen, daß letzteres der Fall sein wird. Die jüngsten Ereignisie in Europa und der Weg, auf dem die Großmächte zusammengearbeitet haben, um den Frie­den von Europa aufrechtzuerhalten, als ob sie eine Gemeinsamkeit bilde­ten, weist auf die ethischen Möglichkeiten desEruppensystems" hin, das eines ernsthaften Studiums der Staatsmänner sowohl wie der Gelehr­ten wert ist. DieSittlichkeit", die selbst zwischen Völkern, die in loser Verbindung stehen, sich entwickeln kann, scheint eine Sanktion zu inter­nationaler Verpflichtung zu versprechen."

Es ist interessant zu hören, daß also auch in England Ansätze zur Aufgabe der bekannten Ellenbogenpolitik vorhanden sind.

Aegyptische Gerichtshöfe.

Aus Kairo ist über Paris die Nachricht von einer bevorstehenden Aenderung im Gerichtswesen Aegyptens gekommen. Es gibt in Aegyp­ten drei Arten von Gerichtshöfen: Die Konsulatsgerichte, denen die Staatsangehörigen der zuständigen Nationen in Straf- und Zivilsachen unterstellt sind. Di« gemischten Gerichte, die unter dem Namentribunal mixte figurieren und nur für Z i v i l streitigkeiten zwischen Fremden und Einheimischen zuständig sind. In diesen kann z. B. ein Einheimischer gegen einen Deutschen oder umgekehrt wegen Forderungen in Handcls- und ähnlichen Sachen klagen, nie aber in Strafsachen. Endlich sind die einheimischen Gerichtshöfe vorhanden, die Streitigkeiten der Eingebore­nen untereinander zu schlichten haben. Zurzeit steht an der Spitze des gesamten Gerichtswesens der deutsche Geheime Justizrat Kescher, ein geborener Rheinländer aus Koblenz. Bei einer etwaigen zukünftigen Ge­staltung des Gerichtswesens soll die Zahl der Mitglieder der einzelnen Nationen nach denstärksten Interessen" zusammengesetzt sein. Poli­tisch ist doch nur eine Macht hierbei maßgebend, und das ist Eng­land, wirtschaftlich ist diese Nation sicherlich ebenfalls die interesiier- teste und so kann es kommen, daß die Gerichtshöfe dann von England vollkommen beherrscht werden. Es dürfte dies aber kaum dem Sinn der Vereinbarungen entsprechen und auch ein dehnbarer, mithin recht unsicherer Begriff werden, da die Handelsergebnisie doch oft recht schwankend sind und somit ein ständiger Wechsel in den Gerichtshöfen eintreten kann.

Für unsere deutschen Landsleute ist die Lage nicht verbessert; denn der Zahl nach steht das deutsche Element nicht an der Spitze. Die bis­herige Handhabung des Gerichtswesens kam den Bedürfnissen aller Be- teilig'en vollkommen nach «nd zwar zur allseitigen Zufriedenheit.

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Deutsches Reich.

Ein neues Herrenhausmitglied. Kottbus, 2. Sept. Land­rat Frhr. v. Wackerbarth genannt v. Bomsdorff auf Briefen im Kreise Kottbus ist vom Verbände des alten und befestigten Grundbesitzes im Landschaftsbezirke Niederlausttz mit Kottbus zum Nachfolger des verstorbenen Landesdirektors der Mark Frhrn. von Manteuffel im Herrenhause erwählt wordeH.

Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Berlin, 2. Sept. Die deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hat an die größeren Bundesstaaten und Gemeinden folgendes Schrei­ben gerichtet:

Der Arbeitsmarkt steht zurzeit unter dem Zeichen einer schweren Depression: die Lage ist bei weitem ungünstiger als in den Vorjahren, so daß nach Einstellung der Bauarbeiten im kommenden Winter eine Ar­beitslosigkeit zu erwarten ist, wie sie an Umfang und Schärfe seit langen Jahren nicht vorhanden war. Bei den unerwünschten Folgeerscheinungen, die ein solcher Notstand zeitigt, glauben wir die Aufmerksamkeit bereits jetzt auf diese bedenkliche Entwicklung des Arbeitsmarktes lenken zu sol­len. Bei früheren Krisen hat sich vielfach gezeigt, daß die Notstands­aktionen nach Vorberatungen, welche längere Zett in Anspruch nahmen, erst eingeleitet wurden, nachdem die Depression ihren Höhepuntt erreicht hatte. Es empfiehlt sich daher, rechtzeitig di« erforderlichen Schritte einzuleiten, damit gegebenenfalls genügend Arbeiten zur Milderung der

So schloß dieser Brief.

Ruth war außer sich vor Schrecken. Der Auftrag, der ihr da ge­worden, erfüllte sie mit Scham und Sorge. Wie konnte sie Tante Friede mit solch einem Anliegen kommen, nachdem sie schon so viel für sie alle getan hatte! Wie hätte sie es über sich gewinnen sollen, die Gütige zu belügen! Weinend verbrannte sie den Brief. Sie schämte sich des Bruders, der Tante Friedes Güte mißbrauchte, schämte sich der Mutter, die leichtfertig die Schuld des Bruders um das Doppelte vergrößerte und sorgte sich zugleich, was nun werden sollte. Friede sah sehr wohl Ruths verweinte Augen und ihr gedrücktes Wesen. Sie ahnte, daß dies mit dem Brief zusammenhing, den das junge Mädchen von ihrer Mutter erhalten hatte.

Eines Tages, als sie gemütlich beim Tee saßen, ohne daß Ruth wie sonst fröhlich mit ihr plauderte, machte Friede energisch ein Ende.

Kind warum hast du kein Vertrauen zu mir. Du sollst mir doch alles sagen, was dich drückt," sagte sie vorwurfsvoll.

Ruth preßte erregt die Handflächen zusammen und sah mit einem hilflos bittenden Blick in Friedes Gesicht.

Ach. Tante liebe Tante keinem Menschen verttaue ich so schrankenlos wie dir."

Ich weiß, daß sie dich um Geld quälen."

Ruth warf sich an ihre Brust und barg das Gesicht an ihre Schulter.

Ich schäme mich ach, ich schäme mich unsagbar."

Friede strich ihr zärtlich über das Haar.

Arme, kleine Ruth, vor mir brauchst du dich nicht zu schämen. Ich weiß doch, daß du gewiß nichts dafür kannst. Denk doch nie, daß ich dich entgelten lassen könnte, was die anderen tun. Sag mir nur, wieviel will deine Mutter haben?"

Ach, schrecklich viel, Tante Friede. Tausend Mark es ist furchtbar."

Nun sei erst mal ruhig und besonnen, Kind. Ich werde dir das Geld geben, und du schickst es nach Hause. Daß solche Zwischenfälle kommen würden, sah ich voraus, sie würden auch kommen, wenn ich den Zuschuß verdoppelte. Ich kenne deine Mutter sie ist ja meine Schwester. Und Hans hat wohl auch ein wenig mitgeholfen?"

Ach Tante!"

Nun, erschrick nur nicht, ich mache meine Drohung, ihm den Zuschuß zu entgehen, nicht gleich wahr. (Ein wenig straff mußte ich die Zügel ziehen, das siehst du sstbst ein, nicht wahr? (Es ist Nottochr, wenn

Beschäftigungslosigkeit zur Verfügung stehen. Wir bitten daher, eine möglichst große Zahl geplanter Arbeiten und Aufträge schon jetzt füt den kommenden Winter bereitzustellen, damit der bevorstehenden Arbeit« losigkeit in hinreichendem Umfange rechtzeitig begegnet werden kann."

Zu den sehr anerkennenswerten Bestrebungen der oben ge* nannten Gesellschaft steht der Marburger Bauarbeiterausstand iir bedauerlichem Gegensatz.

Die polnischenHofgänger" entschuldigen sich. Posen, 3. Sept. Die Mitglieder des polnischen Adels, die der Einladung zur kaiserlichen Festtafel gefolgt waren, sind bekanntlich Gegen­stand heftiger Angriffe sowohl von feiten ihrer adligen Stammes* genossen wie von der polnischen demokratischen Presse geworden« Nunmehr veröffentlicht einer der Festteilnehmer, Fürst Druckt* Lubecki, ein längeres Schreiben, worin er erklärt, daß die Polen nut bet Person des Kaisers huldigten und daß zwi* schen diesem und der Regierungspolitik ein Unterschied sei.

Unsere Flottensührer. Berlin, 2. Sept. Nach den Stellen* besetzungen in der Marine für Herbst 1913 behält Vizeadmiral v. I n g e n o h l die Führung der Hochseeflotte, als deren Flagg­schiff das LinienschiffFriedrich der Große" bestimmt ist. Chef des 1. Geschwaders ist Vizeadmiral v. Sans, mit der Führung des 2. Geschwaders ist Kontreadmiral Scheer beauftragt, wäh* rend die 5. Division, aus der später das 3. Geschwader gebildet wird, den Kontreadmiral Schmidt zum Divisionschef hat, der späterhin die Führung des 3. Geschwaders erhält. Befehlshaber der Aufklärungsschiffe, zu denen auch der kleine KreuzerKöln" mit dem Kapitänleutnant Prinzen Adalbert von Preußen als Navigationsoffizier gehört, ist Vizeadmiral Bachmann, dem im ganzen vier große und neun kleine Kreuzer unterstellt find. Dem Werftdepartement ist eine Sektion für Luftfahrwesen unter Korvettenkapitän Behnisch beigegeben und bei der Inspektion der Küstenartillerie und des Minenwesens sind in Zugang gekommen die Marineluftschifferabteilung mit dem Korvettenkapitän Metzing als Kommandeur sowie die Marinefliegerabteilung mit dem Fregattenkapitän Eygas als Kommandeur.

Sozialdemokratie «nd Sedan. Berlin, 2. Sept. DerVor­wärts" veröffentlicht unter der UeberschriftSankt Sedan" einen Aufsatz, der mit folgenden Sätzen beginnt:In des Jahres Kreis­lauf sind wir wieder einmal so weit gekommen, daß das brüllende Hurra des Sedanfestes über die Blachfelder schallt. Schulkinder schwenken schwarz-weiß-rote Fähnchen, patriotische Oberlehrer tauen:Welch eine Wendung durch Gottes Fügung!" zwischen den Zähnen und die Begeisterung erprobter Kriegervereinler schwimmt auf Bierlachen daher." Wenn man auch nicht verlangen kann, daß dieVorwärts"-Redakteure Verständnis für den Tag von Sedan haben, so könnte man bei ihnen doch immerhin soviel Bildung und Takt voraussetzen, daß sie bas, was der Mehr­heit des Volkes heilig ist, nicht in so widerwärtiger, hämischer und geschmackloser. Weise verunglimpfen.

Internationaler Mittelstandsverband. Stuttgart, 2. Sept. Der internationale Verbanb zum Stubium bet Verhältnisse bes Miitelstanbes hielt heute seine 10. Versammlung in Stuttgart ab. Zum Ehrenmitglieb würbe Dr .v. Mayr, Rektor bet Universität München, ernannt. Ort bet nächsten Tagung ist Hannover.

Bayrische Landtagsersahwahl. Bamberg, 2. Sept. Bei bet Ersatzwahl zum Bayrischen ßanbtag erhielt Rechtsanwalt Dr. Hennemann-Bamberg (Zentr.) 7269 Stimmen, Bürgermeister Schtüfer-Priesenborf (Liberal und Deutcher Bauernbund) 1620 Stimmen. Ersterer ist gewählt.

es ihnen so schwer wie möglich machen, sonst streuen sie mein schönes Geld in alle Winde."

Ruth umfaßte sie mit zitternden Armen.

Liebe, Gute, was bist du füt ein großdenkender Mensch. Wenn das nicht alles jo drückend und beschämend wäre! Wie gut ist es, daß Papa das nicht zu erleben brauchte."

Friede sah vor sich hin.

Das Schlimmste, mein liebes Kind, ist, daß wir selbst gezwungen sind, Komödie zu spielen. Aber es geht nicht anders. Du bekommst das Geld: aber morgen schreibst du erst nach Hause, daß du mir zwar Mutters Wunsch mitgeteilt hast, daß ich aber nicht gesonnen sei, ihn ohne weiteres zu erfüllen. Du mußt ihnen unbedingt ein wenig Angst machen, sonst wiederholen sich solche Fälle zu häufig."

Ruth zog schnell Friedes Hand an die Lippen und küßte sie.

Tante Friede immer verständlicher wird es mir, daß mein Vater dich nie vergessen konnte aber auch unbegreiflicher, daß et dich aufgab." aufgab."

Friedes Augen blickten verschleiert.

Kind, du kennst das Leben noch nicht. Im Menschenherzen schlau» mern rätselhafte Gewalten. Und oft entscheidet ein einziger Augenblick der Schwäche über ein ganzes Menschenjchicksal. Aber jetzt nichts mehr von so traurigen Sachen, geh und wasche dir die verweinten Augen klar« Ich mag dich nicht traurig sehen."

(Fortsetzung folgt.)

Heide, blühende Heide.

Ich ging über den Marttplatz, da lag auf einmal mitten auf dem harten Pflaster ein zartes Heidereislein vor mir, halb zertteten unbj zerquetscht von den darüber hastenden Menschen. Durch die Wettergasse, über den Steinweg. durch die Deutschhausstraße führte mein Weg, unH überall waren solche Aestlein zu sehen tot und vernichtet, und doch int Tode hatten sie noch etwas von dem an sich, was die Heide so tteKW unendlich reizvoll macht: zarte rosa Blütchen leuchteten zwischen druckt lern Grün hervor. Unb als ich so durch die Deutschhausstraße pilgert« und ganz in meine Gedanken versunken war, die mich in meine Heimos die Lüneburger Heide entführten, die mir eine weite Ebene aatta blauem Himmelsdvm geigten, «f der mm «sablShMe tWN