mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
Jti. 205
Die »Dberhrssijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post 2.25 <.« (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. — Verlag von Dr. E. Hitzcroth. — Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. T. Httzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Marburg
Dienstag, 2. September
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 j, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4 für Reklamen die Zeile 60 -j. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt Jeder Rabatt gilt als Varrabatt. — Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
48. Jahrg.
1913.
Mittelstand erstrebt und zu erreichen sucht, zum großen Teil auch im Interesse der hinter dem Bunde der Industriellen stehenden Erwerbskreise gelegen und muß und wird, wenn das Ziel erreicht wird, auch ihnen zugute kommen. Denn diese Erwerbsstände sind genau so wie die von dem Zentralverband deutscher Industrieller oder von dem Bunde der Landwirte vertretenen Wirtschaftskreise daran interessiert, daß jener beklagenswerten und höchst nachteiligen Entwicklung, die in den letzten Jahrzehnten die Zahl der selbständigen Existenzen immer mehr hat zurückgehen lasten. Halt geboten wird. Alle diese Erwerbsstände und Wirtschaftsberuse werden mehr oder weniger durch den Streik-und Boykott- terrorismus der sozialdemokratischen Gewerkschaften bedroht und geschädigt, sie alle mästen in der sozialdemokratischen Partei den gemeinsamen Gegner sehen, der, sobald er die Macht dazu hätte, wahrhaftig keinen Unterschied machen würde zwischen den verschiedenen Organisationen der deutschen Wirtschaftsstände. Darum ist die eigentliche Frontstellung, die die auf dem dritten Reichsdeutschen Mittelstandstag vertretenen Wirtschaftsvereinigungen Herstellen wollen, ein zwingendes Gebot der Selbsterhaltung.
geschmuggelt. Tante Friede hat mich nicht hergeschickt, sie weiß gar nicht, daß ich hier bin."
Sie errötete, blickte ihn aber schelmisch an.
„Das habe ich gleich gewußt. Ich sah es Ihnen an, daß Sie flunkerten." '
Er machte ein erstauntes Gesicht.
„Wirklich? Ach — das ist ja scheußlich fatal. Woran sehen Sie das so mir nichts, dir nichts?"
„An Ihrer Nase", scherzte Ruth.
„An meiner Nase? Habe ich ein« so indiskrete Nase?"
Sie nickte.
„Ja, die Nase und die Mundwinkel."
„Ich laste mir einfach einen Vollbart stehen, das geht ja gar nicht, daß Sie mich auf jeder Flunkerei ertappen."
Dann vorwärts stürmend, fügte er leiser hinzu:
„Wie werden wir nur diese beiden Vaterlandsverteidiger los?"
„Aber Herr Doktor, die beiden Herren haben mich so nett unterhalten."
„Schön, aber jetzt sind sie überflüstig, ich plaudere viel lieber mit Ihnen allein."
Ruth konnte nicht antworten. Zu Georgs Aergcr wichen die beiden Leutnants nicht von ihrer Seite, und als man endlich den Nachhauseweg antrat, schritten sie auch getreulich nebenher. »
Ar. dein großen Torweg der Molkerei mußten sie sich endlich verabschieden. Georg schütlclte ihnen heftig die Hand.
..Adieu, meine Herren! Ich muß meinen Schützling bei Tante Friede getreulich abliefern. Sie hat mir zum Lohne eine Taste Tee versprochen."
Georg nickte ihnen vergnügt zu und ging neben Ruth durch den Hof.
„Sie haben ja schon wieder geflunkert, Herr Doktor", sagte Ruth lachend.
„Ja — es geht schon ganz famos. Aber es ist ein Glück, daß wir die beiden endlich los sind."
„Waren sie Ihnen denn fo lästig?"
„Lästig? Das reicht noch gar nicht. Ich begreife gar nicht, daß fie nicht von Ihrer Seite zu bringen waren."
„Die Herren waren aber doch früher da, als Sie." -
„Eben deshalb. So konnten sie sich auch früher fortfcheren."
„Wenn ich aber nun die.Gesellschaft der beiden Herveu Ixt Ihren
I der Steuerpflichtigen bezweckte, wird dem Landtage bei seinem Zusammentritt nicht wieder zugehen. Die Entwürfe sind auch nicht wieder neu bearbeitet worden.
— Beginn der Flottenmanöver. Helgoland, 1. Sept. Di« Manöverflotte ist heute morgen um ?y2 Uhr in See gegangen. Das Wetter ist warm, die See ruhig. Das Marineluftschiff „L 1“ ist zur Teilnahme an den Flottenmanövern heute morgen 9 Uhr von Hamburg nach Helgoland abgefahren.
— Landtagsersatzwahl in Ostpreußen. Preußisch-Holland, 1. Sept. Bei der Ersatzwahl zum preußischen Abgeordnetenhause tm Wahlkreise Preußisch-Holland wurde der Rittergutsbesitzer Kahle-Zospel (Kons.) mit 231 Stimmen gewählt. Gegenkandidaten waren nicht aufgestellt.
— Der Zentrumsfieg in Landshut. Landshut, 1. Sept. (Vor- läufiges amtliches Wahlergebnis.) Bei der gestrigen Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Niederbayern haben von 22 771 Wahlberechtigten 16 637 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielten Gutsbesitzer Freiherr v. Aretin-Haideburg (Zentr.) 10162, Bürgermeister Eisenberger-Ruhpolding (Bauernbund) 4920, der Gauleiter des Holzarbeiterverbandes Raith-München (Soz.) 1541 Stimmen. Zersplittert sind 14 Stimmen. Freiherr v. Aretin ist gewählt.
— Wirkungen der Hochsommerhitze. Berlin, 1. Sept. Der „Vorwärts" veröffentlicht eine Zuschrift aus Braunschweig, in der mitgeteilt wird: Aus welfischer Quelle, die gute Beziehungen zum Emundener Hof unterhält, wisien wir, daß noch kurz vor der Trauung Wilhelm II., um dem Bundesrate die Schwenkung leichter zu machen, den Herzog von Cumberland zum öffentlichen Verzicht auf Hannover zu bewegen suchte. Als Gegenleistung wurde dem Cum- berländer der Generalsrang und die Uniform der Eardekürafstere angeboten. Dennoch lehnte er ab und drohte, samt seinem Sohn unter Hinterlassung der Roten Husarenjacke nach Gmunden zurückzureisen. Es kam zwar nicht zum Bruche, die Kaiserin vermittelte, aber die Spannung zwischen Berlin und Gmunden ist seit dieser Zeit noch nicht behoben. — Die „Nordd. Allg. Ztg." stellt demgegenüber fest, daß an diesen Angaben kein wahres Wort ist.
— Zum 70. Geburtstag Freiherrn v. Hertlings. München, 1. Sept. Die „Bayrische Staatszeitung" schreibt: „Der Prinz- Regent ließ dem Ministerpräsidenten Frhrn. v. Hertling durch seinen Eeneraladjutanten v. Könitz am Samstag seine allerhöchsten Glückwünsche aussprechen und eine künstlerisch ausgeführte Vase überreichen, die auf der Vorderseite die in Farben ausgeführte Darstellung der Befreiungshalle bei Kelheim mit der fie umgebenden Landschaft trägt. Die Rückseite trägt die Inschrift: Zum 70. Eeburtsfeste, gewidmet von Ludwig, Prinz,-Regent. — Der Reichskanzler hat aus Schloß Hohenfinow nachstehendes Glückwunschtelegramm an Freiherrn v. Hertling gerichtet: „Euer Exzellenz bitte ich zu Ihrem heutigen 70. Geburtstage meine aufrichtigsten und zugleich namens der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung dargebrachten Glückwünsche für Ihr ferneres Wohlergehen entgegenzunehmen. Mögen Eurer Exzellenz noch viele Jahre erfolgreichen Wirkens zum Wohle Bayerns und des deutschen Vaterlandes beschieden sein. Euer Exzellenz aufrichtig ergebener v. Bethmann-Hollweg."
— Erneute Verurteilung der polnischen „Hofgänger". Posen, 1. Sept. Eine Gruppe von Polen, die hauptsächlich aus Großgrundbesitzern besteht, veröffentlicht eine Erklärung, in der sie gegen die Basardekoration und die Teilnahme am Festesten Einspruch erheben. Ferner versichert die Erklärung die Solidarität der großen Mehrheit der Großgrundbesitzer mit der Volksgemein-
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Deutsches Reich.
— Verzicht auf die Novelle zum Einkommensteuergesetz. Berlin, 2. Sept. Di? vom Abgeordnetenhause unerledigt gebliebene Novelle znm Einkommensteuergesetz, die eine schärfere Veranlagung
Wozu der Lärm?
Kaum ist es bekannt geworden, daß sich der Reichsdeutsche Mittelstandsverband, der Zentralverband Deutscher Industrieller und der Bund der Landwirte zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengetan haben, da erheben linksstehende Blätter ein furchtbares Geschrei. Schon der Name des Bundes der Landwirte genügt, um in gewisten Kreisen ein Gruseln hervorzurufen, und flugs wird die ganze Sache auf das politische Gebiet hinübergespielt. Der Bund der Industriellen schloß sich, wie schon erwähnt, der freisinnigen Preste an und bemühte sich die in Leipzig gefaßten Beschlüste herabzusetzen und die Möglichkeit der Durchführung der geplanten Kartellgemeinschaft anzuzweifeln. Danach erschien sogleich auch der Hansabund auf dem Plan und gab in einer Mitteilung an die Preste seine Ansicht dahin kund, daß der neue Zusammenschluß den llebergang» des Zentralverbandes in das Lager des Bundes der Landwirte bedeute. Ein Grund sei für diesen Schritt nicht vorhanden. Für die derzeitigen Schutzzollwünsche der Industrie sei auch im gegenwärtigen Reichstag eine Mehrheit vorhanden. Der Kampf gegen die Bestrebungen der Sozialdemokratie werde geführt werden müsten, aber mit anderen Mitteln als mit denen, die der selbst den Terror und Boykott betreibende Bund der Landwirte in Bereitschaft habe. Wie die Organisation in den einzelnen Kartellen funktionieren solle, wie es möglich sein werde, einen echten Bündler mit einem Industriellen und mit einem Angehörigen des Handwerks zu dauernder Arbeitsgemeinschaft zu verdeinigen, bleibe vorerst noch ein Geheimnis. Die neue Arbeitsgemeinschaft werden vor allem einen starken Gegendruck auslösen, sie diene nur zu weiterer Verschärfung der Gegensätze.
Man kann es verstehen, wenn man dem Bund der Landwirte weitgehende zollpolitische Forderungen vorgehalten hat. Aber sollten nicht gerade die eingefleischten Gegner der „Agrarier" es mit Freude begrüßen, daß zwei andere Verbände sich entschlosten haben, mäßigend auf ihn einzuwirken? Es ist doch kaum anzunehmen, daß der Zentralverband deutscher Industrieller, dem man sonst ein sehr festes Rückgrat nachrühmt, plötzlich in die Knie gesunken ist, wie es der Syndikus des Bundes der Industriellen, Dr. Stapff, in einem Artikel im „Berliner Tageblatt" glauben machen wollte. Aber wozu denn der Lärm, ehe überhaupt etwas Greifbares außer der bloßen Tatsache des Zusammenschlusses vorliegt. Sehr richtig schreiben unter der Ueberschrift „Ruhig Blut" die „Westfälischen Politischen Nachrichten", die Korrespondenz der Nationalliberalen Partei Westfalens: „Was ist denn geschehen? Die Sache war die: die drei größten wirtschaftlichen Verbände, der Zentralverband Deutscher Industrieller, der Reichsdeutsche Mittelstandsverband und der Bund der Landwirte (einschließlich des Verbandes christlicher Bauernvereine), sind übereingekommen, diejenigen Punkte ihrer wirtschaftlichen Programme, die allen drei Verbänden seit jeher gemeinsam sind, zwecks nachdrücklicher Förderung Hand in Hand zu vertreten. Im übrigen bleibt jedem einzelnen der Verbände seine Unabhängigkeit und Selbstän- i digkeit unbenommen." — Es ist in der Tat nicht einzusehen, warum die gemeinsamen Ziele nicht durch gemeinsame Arbeit zu erreichen versucht werden sollen. Man warte doch vorerst die praktische Tätigkeit der Kartelle und ihre Erfolge ab und urteile oder verurteile dann. Von formellen Kartellen im technischen Sinne und einer tatsächlichen Jnterestengemeinschaft zwischen dem Zentralverband und dem Bund der Landwirte kann überhaupt nicht die Rede sein, wie der Geschäftsführer des Zentralverbandes Dr. Schweighoffer in einer Berichtigung an das „Berl. Tagebl." erklärt hat. Im übrigen ist das, was die wirtschaftliche Gemeinschaftsarbeit von Industrie, Landwirtschaft und gewerblichem
(Nachdruck retteten.) I
W Friede Sorrensen.
- Roman von H. Courths-Mahler. I
(Fortsetzung.) I
Da wurde es Georg mit einem Male klar, daß er jetzt zu viel hinter I seinen Büchern sitze, und daß er sich mehr Bewegung schassen müsse. Er I suchte also seine Schlittschuhe hervor und durchmaß den Stadtwald mit I so eiligen Schritten, als brenne ihm der Boden unter den Füßen. Schon I von weitem hörte er das lustige Plaudern und Lachen einer großen I Menschenmenge. Und dann war er mit einigen Sätzen an der User- I Löschung und überblickte mit scharfen Augen den Plan. I
Er hatte Glück. In nicht weiter Entfernung sah er Ruth mit zwei I Offizieren an sich vorübersliegen. I
Wie elektrisiert sprang er die Böschung herab, befestigte eilends I selbst die Schlittschuhe und eilte in weitem Vogen ausholend hinter den I Dreien her. I
Heinz und Trudi liefen ihm in den Weg und wollten ihn aufhalten, I aber er sauste mit einem jauchzenden Jndianergrnß an ihnen vorbei. I
Georg hatte Ruth eingeholt. Mit einem ähnlichen Rus wie vorher | machte er sich ihr bemerkbar. Sie schien sichtlich erfreut. Mit einer | kühnen Schwenkung war er an ihrer Seite. I
„Herr Doktor — Sie auf dem Eise?" srug sie erstaunt, während er I fie und die beiden Herren begrüßte. I
„In Lebensgröße, Fräulein Ruth. Tante Friede schickt mich her — | ich soll Sie ein wenig unter meine schützenden Fittiche nehmen. Meine I Herren, Sie gestatten, daß ich mich dieser angenehmen Pflicht unterziehe." I
Di« Herren versuchten zwar zu protestieren, aber Georg erfaßte ohne I Umstände Ruths Hände und lief mit ihr davon. I
„Sie auf Schlittschuhen, Herr Doktor, das ist ein ungewohnter I Mnblick", sagte Ruth lächelnd. I
„Trauen Sie mir nicht zu, daß ich Balance halte?" „Oh, ich traue Ihnen alles zu", neckte sie. I
Er zog sie schnellem Stück den beiden andern voraus. >
„Alles? Auch einen frevelhaften Betrug?" frug er halblaut. I Sie fah ihn an und lachte. i
„Mein, den nicht." , I
„Dennoch habe ich mich mit solch einem Betrug in Ihre Gesellschaft I
Politische Umschau.
Huldigungsfeier am Grabe Bismarcks.
Der Hamburgische Landesverband für Jugendpflege veranstaltete am Sonntag eine Huldigungsfahrt nach Friedrichsruh, an der sich über 5000 Mitglieder der Hamburger Jugendvereine und mehrere Tausende von Erwachsenen beteiligten. Nachdem Eeneral- feldmarschall Freiherr v. d. Eoltz und der Vorsitzende des Landesverbandes Oberst Erünig Lorbeerkränze am Sarkophag Bismarcks niedergelegt hatten, zogen die Teilnehmer zur Bismarcksäule auf dem Hamberge. Oberst Erünig hielt die Festrede und Eeneral- feldmarschall Frhr. v. d. Eoltz eine Ansprache, in der u. a. sagte:
„Ts ist, als feien die Geister aus jener großen Zeit hier gegenwärtig, um zu prüfen, ob das Heranwachsende Geschlecht ihrer würdig sei, stark und tüchtig genug, zu bewahren, was sie ehedem errangen. Sie haben uns Deutschland frei, groß und einig hinterlassen, gefürchtet in Waffen und geachtet tm Rat der Völker Das sind die Güter, die zu schützen die heutige Jugend berufen ist. Wir Alten freuen uns, daß es soweit gekommen und gönnen es Euch von Herzen. Ihr aber, Ihr Jungen von heute, sollt besten auch eingedenk sein und nie vergessen, daß Ihr mit dem Enten ernste Pflichten auf Euch nehmt. Das deutsche Volk steht in hartem Wettbewerb mit vielen anderen tüchtigen Nationen, die ihre Kräfte stahlen. Und wenn Ihr nicht tüchtig seid, wenn Ihr nicht dermaleinst, ein jeder an der Stelle, die das Geschick ihm zugewiesen hat, seinen Mann steht, so wird unser geliebtes Vaterland feinen Platz n i'ch t behaupten, und unser herrliches Reich von seiner Höhe herabsinken. Strebt also den Vätern nach. Ihr seid es imstande! Nicht jeder kann die Höhen des Lebens erreichen, aber unsere großen Männer haben alle klein angefangen: Bismarck, Moltke, Roon! Jeder kann im kleinen Kreise es ihnen nachtun, in Treue zu Kaiser, Reich und Vaterland, in gewissenhafter Arbeit an uns selbst, die uns an Körper und Geist tüchtig machen soll für den Kampf des Lebens, im Frieden und im Kriege."
Der Feldmarschall endete mit einem Hoch auf den Kaiser. Nach der Ansprache zogen die Mitglieder der Jugendoereine vor dem Eeneralfeldmarschall vorbei. Am Abend fand eine zwanglose Vereinigung statt. Hierbei sprach Frhr. v. d. Eoltz über Zweck und Ziele des Bundes.
vorziehe?" frug fie neckend. Er streifte fie blitzschnell mit einem forschenden Seitenblick. Dann antwortete er scheinbar gelösten:
„Das tun Sie ganz gewiß nicht, dazu find Sie eine viel zu klug« junge Dame. Ist das eine Unterhaltung für Sie? Aeh — gnä’ Fräulein sind die reine Windsbraut — äh — sozusagen gletscherhast."
Ruth mußte lachen.
„Sehen Sie wohl, Fräulein Ruth, Sie geben mit recht."
„Hab ich das gesagt?"
„Nein, aber es genügt mir, wenn Sie es denken."
„Herr Doktor, ich finde Sie heute außerordentlich kühn in Ihren Behauptungen."
Und plötzlich den scherzhaften Ton aufgebend, fuhr et fort: „War ich wirklich zu kühn? Sind Sie böse?"
„Weil mir so gute Kameraden find, darf ich nicht böse sein."
Sie waten sehr langsam übet den Hof gegangen und standen nun an der Tüt, in der soeben Friede Söttensen erschien.
Sie sah eben noch, wie Georg Ruth die Hand küßte und hört« ih» sagen:
„Heißen Dank, Kamerad!"
Sie sah lächelnd in die beiden frisch geröteten Gesichter.
„Warst du auch auf der Eisbahn, Georg?" frug sie, ihn begrüßend.
„Ja, Tante Friede — und nun falle ich dir in den Teekestel. Hast du was Gutes zu esten? Ich bin so hungrig und durstig, daß ich nicht mehr bis nach Hause komme."
„Dann spaziere nur herein, Herr Doktor. Du scheinst in sehr aufgeräumter Stimmung zu fein, und ein gut gelaunter Gast ist eine Hirn- melegabe. Ruth, wenn du abgelegt hast, geh zu Mutter Ttiebsch. St« soll noch eine leckere Platte zurecht machen, sag nut, der Doktor ist da."
„Bitte, bestellen Sie Mutier Ttiebsch meinen Gruß, Fräulein Ruth, und sie soll etwas recht Gutes und dafür etwas mehr schicken."
„Sie werden nicht mehr ausdie Eisbahn gehen dürfen, Herr Doktor!" rief Ruth lachend zurück.
„War's schön auf der Eisbahn, Georg?" frug Friede drinnen, ihn mit lächelndem Wohlgefallen betrachtend. !
„Wunderschön, Tante Friede. Man muß etwas für seine Gesund- • heil tun", erwiderte er mit einem verschmitzten Lachen. ;
Bald darauf trat Ruth ins Zimmer und dann kam Mutter Tribsch Mit der „leckeren Platte". Es war ein sehr vergnügtes Plauderstündchen.
welches die drei am Teetisch verlebten, (Fortsetzung folgt)