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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
M 200
Die ^Obuhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn' und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post 2.25 41 (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 <M frei ins Haus. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Univ.. | Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. T. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Marburg
Mittwoch, 27, August
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48. Jahrg.
1913.
Bestellungen für tat Monat September traf die „Oberheffifche Zeitung- nebst ihren Beilern »erden von unserer Expedition (Markt 21), unseren sämtlichen Ausgabestellen sowie von allen Postanstalt«« und Landbriefträgern entgegengenommen.
Die Kaiser Parade in Posen.
Trotz des mitternächtlichen'Regens, der alle frohen Erwartungen für den Paradetag des 5. Armeekorps zunichte zu machen drohte, lachte gestern die Sonne. Aus allen Himmelsgegenden der Provinz Posen und auch des Reiches brachten unaufhaltsam Sonderzüge die Tausende von Gästen. Der Provinzialkriegerverband rückte allein mit etwa 9000 Mitgliedern zur Paradeaufstellung und Spalierbildung an, an der im ganzen 35000 Personen, dcir-'nter viele Ansiedler, Vereine und Schulen, teilnahmen. Die Kaiserin hat sich um 9 Uhr im geschlossenen Automobil nach dem Paradefeld bei Lawica begeben, ebenso etwas später der Kaiser im offenen Autömobil. Mit dem Kaiser fuhr der Kronprinz. Der Parade des 5. Armeekorps wohnten u. a. bei: Prinzregent Ludwig von Bayern, die dort anwesenden Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses, Generalfeldmarschall Graf v. Haeseler, Eeneralfeldmarschall Freiherr von der Goltz, Generalleutnant Pollio, Chef des Generalstabes der italienischen Armee, Generalmajor Sontag, Inspekteur der Jäger und Schützen, und Oberst Graf Calderari di Palazzolo, italienischer Militär- attachee. Regengüsie hatten Feld und Wege aufgeweicht. Die Truppen kamen nach zum Teil langen Anmärschen durchnäßt auf dem Paradcplatze an, ebenso die Kriegervereine. Trotz des schlecht^'- Wetters waren viele Tausende von Zuschauern zu Wagen und zu Fuß herausgezogen. Die große Tribüne war dicht besetzt. Die Truppen des Armeekorps standen in zwei Treffen. An den linken Flügel des ersten Treffens schlossen sich rechtwinklig zur Aufstellung sechs Flugzeuge an. Die Parade befehligte der Kommandierend«- General, General der Infanterie p. Strantz. Nach Entgegennahme des Frontrapports begann das Abreiten der Truppenfronten sowie der Sanitätskolonnen und Kriegervereine. Es war nur ein Vorbeimarsch befohlen. Bei dem Vorbeimarsch führte Prinzregent Ludwig sein Infanterie-Regiment „Prinzregent Ludwig von Bayern Nr. 47“ dem Kaiser und der Kaiserin vor. Der Kaiser selbst führte unter dem Jubel des Publikums sein Regiment Königs-Jäger zu Pferde Nr. 1 der Kaiserin und dem Prinzregenten vor. Nach Schluß der Parade hielt der Kaiser eine Besprechung ab und nahm militärische Meldungen entgegen. Hierauf ritt er noch die Fronten von weiteren Kriegervereinen ab. Die Kaiserin kehrte zu Wagen nach Posen zurück, der Kaiser an der Spitze der Feldzeichen. Als Fahnenkompagnie diente eine Kompagnie vom Grenadier-Regiment Graf Kleist von Nollendorf Nr. 6, als Standarteneskadron eine Schwadron der Königs-Jäger zu Pferde. Der Zug ging durch ein Spalier, das die Truppen, die Kriegervereine, die Innungen und andere Vereins, Ansiedler, Jung-Deutschland Gruppen und Schulen aus Stadt und Provinz mit ihren Fahnen und Emblemen bildeten, unter ungeheurem Jubelder Menge zum Residenzschloß zurück, wo er um 12 Uhr wieder eintraf.
Der Kaiser verlieh dem Oberpräsidenten der Provinz Posen v. S ch w a r tz k o p f f den Kronenorden erster Klaffe. Der Prinzregent speiste bei dem kommandierenden General v. Strantz.
Bei der Paradetafel brachte der Kaiser folgenden
Trtnkspruch , aus:
„Mein Glas gilt dem 5. Korps, welches die Gelegenheit hatte, heute vor mir in tadelloser Verfassung zu erscheinen und
lRachdruck verboten.)
Friede Eörrensen.
Roman von H. Tourths-Mahler.
lFortsetzung.1
Die fünf Menschen saßen sich im Wohnzimmer an dem runden Tisch gegenüber. Friede wollte möglichst schon am nächsten Tage nach Hause zurückkehren. Vorher sollten aber die Verhältniffe ihrer Verwandten klargettellt werden. Friede tat nie etwas halb.
Ohne Umschweife ging Friede Sörrensen auf ihr Ziel los. Sie bat vor allen Dingen Lizzi, ihr die bestehenden Verhältniffe genau klarzulegen, damit sie die Sachlage überblicken könne. Hans konstatierte im stillen, daß diese „alte Jungfer" eine merkwürdig präzise Ausdrucksweise hatte. Sie frug kurz und bündig, was für Schulden zu bezahlen seien, wie hoch sich die Pension belaufe, die Lizzi als Witwe beziehen würde, was die Wohnung koste und wieviel Haushaltungsgeld bisher verbraucht wurde.
Lizzi setzte ihr alles auseinander, und zwar mit überraschender lleberfichtlichkeit. Erst hatte sie ein wenig flunkern wollen im Bestreben, die Situation auszunützen, aber da hatte ihr Friede rund heraus erklärt, daß sie auf einen verschleierten Bericht einzugehen weder Zeit noch Lust habe.
„Entweder du sagst mir alles klipp und klar, oder ich muß die Verhandlung abbrechen. Mit einem unklaren Tatbestand kann ich nichts anfangen", hatte sie ruhig, aber bestimmt gesagt.
Da war denn Lizzi zur Einsicht gekommen, daß hier Winkelzüge eher schaden als nützen könnten, und sie bequemte sich zur Wahrheit.
Friede hörte aufmerksam zu, machte sich verschiedene Notizen und warf hier und da eine Frage dazwischen. Sie nahm die ganze Angelegenheit streng geschäftlich.
Al« sie über Lizzi» Verhältniffe im klaren war, wendete fie sich
damit di« Probe in der Friedensausbildung zu leisten. Ich erwarte von dem Korps, daß es im Ernstfälle den Eeisberg- stürmern nacheifern und gleichen Ruhm an seine Fahnen heften wird. Drei Hurras für das 5. Korps! Hurra! Hurra! Hurra!"
Die Musikkapelle des Grenadier-Regiments Nr. 7, die die Tafelmusik ausführte, spielte hierauf den Torgauer Marsch. Um 9% Uhr begann der
Große Zapfenstreich
im Ehrenhof des Residenzschloffes unter der Leitung des ersten Armee-Musikinspizienten Prof. Erawert. Das Wetter ist bester geworden. Kopf an Kopf stand das Publikum vor dem Schloste. Das Kaiserpaar, der Prinzregent von Bayern und die anderen anwesenden Fürstlichkeiten erschienen an den offenen Fenstern des Schlostes und wurden mit brausenden Hochrufen begrüßt, wie denn auch den ganzen Nachmittag über die Menge vor dem Schloste ausgeharrt hatte. Die Stadt ist reich illuminiert.
Bulgarien und die Türkei.
Wie von diplomatischer Seite verlautet, ist man auf bulgarischer wie auf türkischer Seite zu einer Vereinbarung und zu Maßnahmen bereit, durch die neueren Zwischenfällen zwischen türkischen und bulgarischen Truppen vorgebeugt werden soll. Auf beiden Seiten hält man eine solche Sicherung der militärischen Lage für nützlich, damit der Versuch einer unmittelbaren Aussprache zwischen Bulgarien und der Türkei über ihre Erenzverhältniffe unternommen werden kann.
Paris, 26. Aug. Der Korrespondent des „Matin" in Konstantinopel will aus guter Quelle wiffen, daß die bulgarisch-türkischen Unterhandlungen einen günstigen Verlauf nehmen. Der bulgarische Unterhändler Ratschamtsch habe bereits einzelne Zugeständnisse gemacht. Als Grundlage des günstigen Abkommens komme weder die Schleifung der Forts von Adrianopel noch die Abtretung von Kirkiliffe an die Bulgaren in Betracht. Dagegen werden die Türken eine Berichtigung der alten Grenze im Norden der Linie Adrianopel-Kirkiliffe einräumen und zugunsten von Bulgariens Handel mehrere Zugeständ- niffe wirtschaftlicher Natur machen.
Mastenhinschlachtuug von Mohammedanern durch die Bulgaren.
K o n st a n t i n o p e l, 26. Aug. Das Preßbureau der Pforte meldet ans Adrianopel: In der Nähe von Ostakoej wurden 6 00 Mohammedaner ans Papatdere ermordet aufgefunden. Sie sollen von bulgarischen Soldaten hingeschlachtet worden sein.
Austausch der Ratifikationen.
Bukarest, 25. Aug. Heute sind im Ministerium des Aeußern die Ratifikationen des Friedensvertrages ausgetauscht worden.
t *
*
Athen, 26. Aug. Bisher trafen über 100 000 griechische Flüchtlinge aus allen Teilen Thraziens auf griechischem Boden ein.
Politische Umschau-
Offizier« a. D. in Industrie und Handel.
Das Rundschreiben des Kriegsministeriums an die Handelskammern, in dem von der Gründung einer Auskunftsstelle zur Zivilversorgung verabschiedeter Offiziere Mitteilung gemacht und um Unterstützung der Bestrebungen dieser Stelle gebeten wird, hat, wie mitgeteilt, unter den Kaufleuten vielfach Widerspruch gefunden. Auf eine Eingabe der Sozialen Arbeitsgemeinschaft der kaufmännischen Verbände hat der Kriegsminister mit einem Schreiben geantwortet, in dem es u. a. heißt:
„Ich möchte glauben, daß die Eingabe doch von unzutreffenden Voraussetzungen ausgeht und daß daher die ernsten Befürchtungen, wie fie in" ihr zutage treten, bei näherer Betrachtung fich als nicht ganz gerechtfertigt Herausstellen werden. Die Zahl der verabschiedeten Offiziere ist im Verhältnis zur Zahl der im Handel, in der Industrie und im Bankfach vorhandenen Stellen nur gering. Bedenkt man außerdem, daß von diesen Offizieren ein großer Teil im Staatsund Kommunaldienst Anstellung findet, daß ein anderer, vielleicht noch
an Hans, dessen Siegessicherheit bei dieser Verhandlung bedenklich ins Wanken gekommen war.
„Nun zu dir, Hans. Wie steht es mit dir? Hast du Schulden? .Ich bitte um vollständige Offenheit."
„Leider kann ich die Frage nicht verneinen, liebe Tante Friede. Mit meinem knappen Zuschuß ist es manchmal nicht zu umgehen. So unvorhergesehene Fälle —" '
„Bitte, laß die Weitschweifigkeit, Hans. Sag mir kurz und bündig, wie hoch sich deine Schulden belaufen — aber ohne Beschönigung — ich werde sie nur dies eine Male bezahlen."
Hans nannte zögernd eine Summe. Sie war nicht gerade sehr hoch, aber Mutter und Schwester erschraken doch.
„Hans — mein Gott — so viel Schulden hast du? Das ist ja entsetzlich!" rief Frau Lizzi entrüstet, ganz vergeffend, daß fie mindestens die gleiche Summe ihrer Modistin schuldete.
Er zuckte die Achseln.
„Ich konnte einfach nicht auskommen."
Friede hatte kein Wort erwidert, sondern nur die Summe notiert.
„Wieviel hat dir dein Vater Zuschuß gegeben?" frug sie ruhig.
Hans nannte den Betrag.
„Und wieviel würdest du brauchen, um in Zukunft ohne Schulden auskommen zu können?"
Wieder nannte Hans zögernd eine Summe. Er hätte fie gern ein wenig höher angegeben, aber er hatte das ungemütliche Gefühl, daß Tante Friede ihn durchschaute.
Deshalb hielt er hübsch die Mitte zwischen allzu großer Bescheidenheit und Kühnheit.
Friede überlegte einen Augenblick. Dann sagte fie ruhig:
„Ich will dir diesen Zuschuß gewähren — es soll mir auf zwanzig Mark mehr im Monat nicht ankommen. Aber merke dir, bitte, ein für alle Mal, Hans — Schulden darfft du dann nie mehr machen. Höre ich ein einziges Mal, daß du Schulden gemacht hast, bann entziehe ich bix
größerer Teil auf Anstellung weder im Staats* und Gemeindedienst noch im Privaidienst überhaupt Anspruch macht, so ergibt fich ein solches »er« hälnis der beiden Zahlen, daß meiner Ueberzeugung nach von eine« merkbaren Herabminderung der Aussicht der von Anfang in diesen-Betrieben tätigen Angestellten auf Erlangung besserer Stellungen weder jetzt noch in Zukunft wird gesprochen werden können. Die in jüngere» Lebensalter und also meist ohne lebenslängliche Penfion ausscheidende« Offiziere müffen hier meines Erachtens überhaupt außer Betracht bleiben; denn es ist ganz selbstverständlich, daß diese in jedem von ihnen nach Verabschiedung gewählten Beruf wie alle andern von der Pike auf beginnen müffen. Ein weiterer Grund, der die kundgegebenen Besorgnisse als zu weitgehend erscheinen läßt, liegt darin, daß die verabschiedeten Offizier« sicher nur dann in leitenden Stellungen Verwendung finden werden, wenn sie sich für solche Stellungen eignen. Keine Betriebsleitung wird einen Angestellten nut deswegen in eine wichtige und verantwortungsvolle Stellung einrücken kaffen, weil er ein früherer Offizier war. Einer solchen Täuschung wird sich wohl auch nur selten ein ehemaliger Offizier hingeben. Die eigenartigen Verhältniffe des Soldatenberufes zwingen vielfach auch besonders tüchtige und schaffensfreudige Männer oft wegen bestimmter, in anderen Berufszweigen nicht zur Geltung körnender Mängel (insbesondere körperlicher Art), den Beruf ohne auskömmliche Pension in einem Alter aufzugeben, in dem di« Angehörigen anderer Berufe mitten in der besten Tätigkeit stehen. Deswegen halte auch ich es gleich meinem Herrn Vorgänger für eine ernst« Pflicht des Ktiegsministeriums, nach Kräften dafür zu sorgen, daß di« hierin liegende Härte gemildert wird und daß zu diesem Zweck« alle sich bietenden Möglichkeiten ausgenutzt werden, auch wenn jede einzelne nur eine geringe Anzahl von Offizieren Gelegenheit zur weiteren Betätigung bieten sollte."
Ei« französischer Schwindel.
Der „Matin" veröffentlicht unter dem Titel „Die Franzosen in Deutschland" einen Brief, in dem zwei Franzosen erklären, daß sie beim Einkauf von Ansichtskarten in München von dem betreffenden Geschäftsinhaber anmaßend behandelt und dann von der Menge draußen in gemeinster Weise beleidigt worden sind. Die Franzosen schreiben in der betreffenden Nummer des „Matin", daß die Menge gerufen hätte: Erdrosselt upd hängt doch diese schmutzigen Franzosen auf!, und daß sie dann mit Stöcken und Schirmen bearbeitet worden seien. Bei der Münchener Polizeidirektion ist jedoch nicht das allergeringste über eine derartige „Franzosenschlacht" bekannt geworden. Die „München-Augsburger Abendzeitung" hat auch die Inhaber des betreffenden Ansichtskartengeschäfts befragt und meldet, daß keiner der Ladeninhaber in irgendeiner Weise mit Franzosen derart in Berührung gekommen wäre.
• Also vollständig erlogen, wahrscheinlich damit die vielfachen tatsächlichen Dreistigkeiten und Anmaßungen, die fich Deutsche in Frankreich gefallen lassen müffen, nicht allzu sehr von der entgegenkommenden Behandlung abstechen, die alle Ausländer, leider manchmal in übertriebener Weise, in Deutschland erfahren. Derartige Flegeleien sind wohl bei den leicht entflammten Franzose« möglich, nicht aber in unserem fremdenhöflichen Deutschland.
Die Bagdadbahnfrage.
Der „Temps" bestätigt die Meldungen deutscher Blätter betr. die Unterhandlungen französischer und deutscher Banken in der Angelegenheit der Bagdadbahn. Diese Verhandlungen werden gleichzeitig in Berlin und Paris geführt. Rußland und England werden über den Gang dieser Verhandlungen täglich auf dem laufenden gehalten. Rußland — sagt der „Temps" — hat sein« Stellung zur Bagdadbahn bereits in Potsdam geregelt. England steht vor der Unterschrift eines Abkommens, durch das es auf die Strecke bis Bagdad verzichtet. Wir Franzosen schreiten unsererseits zu einer Liquidation. Die großen Linien der Unterhandlungen sind folgende: Die ottomanische Bank tritt der Deutschen Bank ihren Aktienbesitz an der Bagdadbahn ab. Die deutsche Bank gibt diese Aktien zurück und verzichtet zugunsten der Franzosen auf andere Eisenbahnkonzesfionen in der Küstenstrecke des Schwarzen Meeres und in Syrien. Deutschland erhält auf seiner Strecke volle Freiheiten ohne fremde Kontrolle. Frankreich wird
1111 ■ . , 1 sofort und unweigerlich den Zuschuß. Ich liebe Klarheit in allen Verhältnissen. Vor allen T’.tgen ist es mein sehnlicher Wunsch, daß du deinem Vater Ehre machst. Er hat mir Euer Wohl ans Herz gelegt, und ich will es fördern, so gut ich kann. Dazu gehört aber, daß ich mein Vermögen nicht verschwenderisch in alle Winde streue. Ich habe es auch zu schwer erworben, um es zu tun. Und ich mache es ganz von (Eurem Betragen abhängig, ob und wie ich Euch einmal in meinem Testament bedenken werde."
Hans prägte fich die Beobachtung ein, daß Tante Friede sehr energisch sein konnte, und nahm sich vor, ihr Mißfallen in keiner Weise z« erregen. Ihre ganze Art imponierte ihm gewaltig, und daß sie f» schlankweg ohne Feilschen den Zuschuß bewilligte und ihn sogar noch um zwanzig Mark erhöhte, erweckte sogar etwas wie Wärme und Dankbarkeit in seiner Brüll. Er küßte ihr die Hand und stattete seinen Dank voll ehrlicher Herzlichkeit ab. Friede nickte ihm zu, freundlich und mtt einem hellen, klaren Lächeln. Der echte Ton in seinem Wesen der sich bemerkbar machte, freute sie. So unsympathisch w-e ^nw« K Hans überhaupt nicht. Bei einem Manne berührt oberflächliche Herzenskühle wohl nicht so unangenehm wie bei einer Frau
Nun wandte sich Friede an ihre Schwester. Du wirst, da ich fS« Hans den Zuschuß bestreit«, die Pension, die du beziehst, für dich allein Ä.5.-Ä 6« lange deine » netto dl, bleiben-l« meine bis sie fich einmal verheiraten, zahle ich dir noch jährlich zwei- tausend Mark zu. Ich denke, dann kannst du auslommen, Lizzi, nicht wahr?" , .- --
Nach Fttedes Noblesse Hans gegenüber hatte Lizzi mehr für fich erwartet. Das prägte sich auf ihrem Gesicht aus, obwohl sie sich zu einem dankenden Lächeln zwang. Ellen bezeichnete im stillen dieses “ngebot mit „knietschig" und war der Ansicht, daß es mit dem berühmten Netchi tum der Tante nicht weit her fein könnte, , , . 1
(Fortsetzung tolgt-J