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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Mrs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
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Die „Oberhessijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich buith die Post 2.25 .« (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 Jt frei ins Haus. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Unio^ Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 2L Tel. 55.
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Montag, 25. August
Der Anzeigenpreis beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 4. bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 .;, für Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
48. Jahrg
1913.
Rundschau.
Bayern und der Reichsgedanke.
Zu der heute stattfindenden Jahrhundertfeier in Kelheim, an der alle deutschen Fürsten und die Bürgermeister der Freien Etädte teilnehmen, schreibt die „Bayrische Staatszeitung" u. a.:
„Die Feier in Kelheim wird dem bayrischen und mit ihm dem ganzen deutschen Volke eine Stunde dankbarer Rückschau auf die Große der Opfer bringen, die Deutschland vor hundert Jahren für die Befreiung vom Joch der Fremdherrschaft gebracht hat. Sie wird die Gedanken aller vaterländisch gestnnten Deutschen nach Bayern lenken. Vor ganz Deutschland wird sie Zeugnis dafür ablegen, wie fest verankert in Bayern der Reichsgedanke ist und wie- unzerrreißbar stark die Bande find, die Bayern mit den int Deutschen Reich zusammengeschlossenen Staaten und Stämmen verknüpfen. Dieser Tag wird den Kreisen, die die Grundlage der staatlichen Ordnung zu erschüttern trachten, neuerdings zeigen, daß einer Kundgebung der Vaterlandsliebe, des nationalen Stolzes und der monarchischen Treue, wie die Kelheimer Feier ste darstellt, bei der überwältigenden Mehrheit des deutschen Volkes ein aufrichtiger und herzlicher Widerhall sicher ist. Sie wird dem Ausland gegenüber unzweideutig zum Ausdruck -ringen, daß über alle Schranken hinweg, wie wirtschaftliche, politische und konfessionelle Gegensätze sie zwischen den Parteien aufrichten mögen, das ganze deutsche Volk sich in Treue die Hand in jenen Stunden reicht, die dem Gedächtnis seiner Größe, die seinem Ansehen in der Gegenwart, die seiner Stellung in der Zukunft geweiht sind."
Die Weltfriedensstifter.
Der Weltfriedenskongreß hat am Sonnabend seine Schlußsitzung abgehalten. Es wurde beschlossen, ein Telegramm an den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu richten und ihm für seine Haltung gegenüber der Friedensbewegung zu danken. Der Kongreß nahm ferner einen Antrag von Slayden-Washington und eine Entschließung von Slocum-Colorado an, in denen die amerikanische Regierung aufgefordert wird, den Panama-Kanal nicht zu befestigen. Der Kongreß drückte ferner den Wunsch aus, das Berner Büro und die Friedensgefellschaften der verschiedenen Länder möchten sich mit den Telegraphenagenturen und mit der Presse in ständige Verbindung setzen. Der Kongreß drückte dann auf einen Antrag Call-Washington seine große Genugtuung über den Vorschlag des Präsidenten Wilson aus, daß die verschiedenen Differenzen, die auf diplomatischem Wege nicht gelöst werden könnten, der internationalen Untersuchungskommission unterbreitet werden sollen. Der nächste Kongreß tritt 1914 in Wien zusammen. Für 1915 hat San Franzisko den Kongreß eingeladen.
Wie bei jedem Kongreß hat sich auch die Arbeit des diesjährigen Weltfriedenskongreffes in weiter nichts als in Reden, Anträgen und Entschließungen erschöpft. Während aber bei jeder anderen Tagung sich die gefaßten Entschlüffe auf diese oder jene Weise schließlich einmal in die Tat umsetzen laffen, ist das bei dem internationalen Friedenskongreß schlechthin ausgeschloffen. Zum 20. Male hat er nun getagt, und die Welt ist weiter als je davon entfernt, ein Aussehen nach dem Wunsche und Geschmack jener Friedensapostel anzunehmen. Da es aber heutzutage keinen Beruf, keinen Wissenschaftszweig, keine politische Richtung gibt, deren Angehörige sich nicht mindestens jährlich einmal zu einer Tagung oder zu einem Kongreß zusammentun, warum sollen es die Leute, die der Ansicht sind, den Krieg beseitigen zu können, nicht ebenfalls? Man könnte also ohne weiteres über diesen Weltfriedenskongreß hinweggehen, .wenn nicht dabei ein für Deutsch-
(Rachdruck verboten.)
Friede Sörrensen.
Roman von H. Courths-Mahler.
(Fortsetzung.)
„Ich danke dir, Ellen — nicht wahr, so heißest du?"
„Ja, liebes Tantchen", antwortete Ellen schmeichelnd.
Friede mußte unwillkürlich dieses schöne, liebreizende Gesicht mit den blaffen verweinten Zügen Ruths vergleichen. Hier hatte der Schmerz keine Runen eingegraben, ebensowenig wie in Lizzis gepudertes Gesicht.
Lizzi hatte sich der Schwester gegenüber in einen Seffel fallen laffen und legte sich nun in aller Eile einen Plan zurecht, wie sie Friede dazu bringen könnte, ihr zu helfen. .
„Es ist ein schlimmer Zufall, daß du gerade jetzt zu uns kommst, liebe Friede. Oder wußtest du schon, was hier Furchtbares geschehen ist? Hat dich das endlich zu mir zurückgeführt?"
Sie erhob sich halb, als wollte sie Friede umarmen, aber deren klarer Blick bannte sie in ihren Seffel.
Mit einer kläglichen Leidensmiene ließ sie die erhobenen Arme finken und tupfte vorsichtig eine nicht vorhandene Träne aus ihrem Auge. Dabei fuhr ihr Blick wie heimlich prüfend über Friedes elegantes, tadellos sitzendes Kleid, und sie mußte zugeben, daß ihre Schwester sich auffallend gut konserviert habe und sehr stattlich und wohlhabend aussähe.
Friede behieft ihren ruhigen, klaren Blick, den sie in di« unruhig flimmernden Augen der Schwester senkte.
„Ich wußte, was hier geschehen ist", sagte sie fest.
Lizzi krampfte die Hände zusammen.
„Auch — auch daß — daß mein Mann selbst —"
„Ja — auch das."
„Mein Eott, so ist es schon publik geworden! Ach, Friede, daß er mir bas antun konnte. Aber glaube mir, er hat es getan in einem Anfall geistiger Störung. Er war mit dem Pferde schwer gestürzt und blieb gelähmt. Sicher hat auch sein Kopf dabei gelitten, denn sonst — ich wüßte nicht, weshalb er uns so etwas Furchtbares hätte antun sollen. Bedenke doch den Skandal! Ach Friede, wie entsetzlich das alles ist. Von wem hast Ni denn davon gehört?"
„Durch deinen Mann selbst."
„Sm ihm selbst - von Fritz selbst?, tBie meinst Im da«, Fried«?"
land beschämendes Moment zu verzeichnen wäre. Es gab nämlich einen Deutschen, der es fertig brachte, Deutschland für die Zunahme der Rüstungen verantwortlich zu machen, der erklärte, Frankreich wäre niemals zur dreijährigen Dienstzeit übergegangen, wenn Deutschland seine Heeresvorlage nicht eingebracht hätte. Dabei ist es doch hinreichend bekannt, daß der französische Rüstungsplan lange erwogen wurde, als von unserer Heeresvorlage noch nichts verlautete. Herr Dr. Quidde-München behauptet jedoch das Gegenteil, und damit basta! Radikalen Ideologen paßt das bester in ihren Kram. Es ist eigentlich zu verwundern, daß sie sich noch nicht in Parallele zu den Atheisten ihrer Nationalität begeben haben und sich frank und frei „Weltbürger" nennen.
Die Lage auf dem Balkan.
Konstantinopel, 23. Aug. Der russische Botschafter Baron v. Giers hatte heute vormittag eine Unterredung mit dem Großwesir. Dieser hat gestern einigen Diplomaten gegenüber neuerlich die Versicherung abgegeben, daß die Türkei Dedeagatsch nicht besetzen, sondern bloß die Besetzung einiger strategisch wichtiger Punkte aufrechterhalten werde.
Die schlauen Türke«.
Petersburg, 23. Aug. Aus Konstantinopel melden die Blätter, daß die Pforte in dem Falle, daß Europa einen finanziellen Druck ausüben wird, einfach die Einstellung aller Reformen in Armenien vornehmen wird. Dies würde Deutschland nicht dulden, so daß sich die Mächte gezwungen sähen, von ihrem ge- ''nten Vorgehen unter der Gefahr eines europäischen Konfliktes .-stand zu nehmen.
Rußlands Stellung zu der Meerengenfrage.
Petersburg, 23. Aug. Die Petersburger Telegraphen- Agentur erfährt von unterrichteter Seite gegenüber den Kommentaren in der Presse gelegentlich der Fahrt des italienischen Panzerschiffes „Ammiraglio Saint Bom" durch den Bosporus in das Schwarze Meer am 12. August, daß dieses Vorkommnis in keiner Weise als ein politischer Akt angesehen zu werden brauche. Dennoch sei der russische Botschafter in Konstantinopel aus grundsätzlichen Erwägungen heraus beauftragt worden, die Aufmerksamkeit der Pforte auf die Tatsache des Verstoßes gegen geltende Verträge zu lenken, der in keiner Weise als Präzedenzfall hinsichtlich der Lage in den Meerengen würde dienen dürfen, wie sie durch die Bestimmungen des Pariser Vertrages von 1856 und der Londoner Konvention von 1871 geschaffen, die beide durch den Berliner Vertrag von 1878 bestätigt worden seien.
Direkt« türkisch-bulgarische Verhandlungen.
Konstantinopel, 24. Aug. An gutunterrichteter Stelle der Pforte verlautet, daß Ratschewitsch, der gestern abend den Eroßwcsir besuchte, aus Sofia Instruktionen erhielt, er solle unmittelbar und offiziell mit der Pforte verhandeln.
Das deutsche Seesoldatendetachement in Skutari.
Wilhelmshaven, 23. Aug. Das deutsche Marine- Jnfanteriedetachement in Skutari soll nunmehr einen Stabsoffizier als Kommandeur erhalten. Der bisherige Adjutant beim Kommando der Marinestation der Nordsee, Hauptmann Schneider, ist unter Beförderung zum Major zum Kommandeur des Detachements ernannt worden. Das Detachement wurde Ende Juni als Ersatz für die Landungsabteilung des kleinen Kreuzers „Breslau" gebildet und trat in Stärke von 4 Offizieren und 88 Mann am 30. Juni von Pola aus die Reise nach Skutari an.
„Ja, Fritz hat mir mitgeteilt, daß er die Absicht habe, aus dem Leben zu scheiden. Heute Morgen erhielt ich den am Samstag aufgegebenen Brief. Und daraus geht hervor, daß er nicht geistig gestört war, als er die Tat vollbrachte."
Lizzi fuhr auf.
„Still — um Eottes willen still! Kein Mensch darf das hören. Begreife doch es ist die einzige Möglichkeit, den Skandal zu verhüten. Selbst wenn wir überzeugt wären, daß er es mit klarem Bewußtsein getan, so müßten wir doch der Oeffentlichkeit gegenüber diese Tatsache leugnen. Im übrigen glaube ich es nicht. Warum sollte er es getan haben?"
„Weil er als Krüppel niemand zur Last fallen wollt« — und weil er zu stolz war. lebend meine Hilfe für Euch in Anspruch zu nehmen. Im Tode bat er mich selbst darum."
Lizzi wurde dunkelrot und wischte mit dem Taschentuch über die Stirn.
„Das — das hat er getan — das —", stammelte sie faffungslos.
„Ja — das hat er getan. Und deshalb bin ich gekommen, um ihn noch einmal zu sehen — und um Euch meine Hilfe anzubieten."
Lizzis Augen blitzten auf. Aber dann nahm sie sofort wieder eine rührend hilflose Pose ein. Ellen aber begriff wie überwältigt von so viel Güte Friedes Hand und küßte sie.
„Wie gut du bist, Tante Friede."
Diese sah mit forschendem Blick in Ellens Gesicht.
„Wahrlich, sie ist ihrer Mutter getreues Ebenbild, innen und außen. Verlogen und schmeichlerisch, wenn es gilt, etwas zu erreichen, kalt und gefühlsarm — denn sonst würde die Trauer um den Vater sich anders zeigen", dachte sie.
Ellen war etwas geniert durch Tante Friedes Blick und zog sich hinter die Mutter zurück, die blitzschnell überlegte, wie ste di« angeboten« Hilfe am besten ausnützen könnte. Friede durchschaute st«, als ob ste von Glas wäre. Lizzi beugte fich endlich vor und griff nach Friedes Hand.
„Schwester — lieb« Schwester — ach — ich wußte es ja. Du bist dir gleichgeblieben, bist noch immer di« großmütig«, gütige Friede."
Friede sah ungerührt in ihr wehmütiges Eestcht. Da sprach nicht ein Zug von Leiden und Entbehrungen. Und auch das elegante Aeußer« der Witwe ließ nicht darauf schließen, daß ste sich etwas zu versagen gewöhnt war. Es wurde Friede schmerzhaft klar, daß nur der Mann, der bleich und starr da drüben lag, in dieser Ehe die Sorgen und Entbehrungen getragen hatte. Er wet der Dulder gewesen — sie di« Genießende
Paris, 23. Aug. Unter der lleberschrist „Eine tatsächlich« Lösung" schreibt der „Figaro":
„Die ruffische Diplomatie hat noch immer den Wunsch Adrianopel zu Bulgarien zurückgehen zu sehen, wie e» der Londoner Vertrag, i.«N die Türkei angenommen hat, ausdrücklich vorschreibt. Nun ist es ebenfe wenig eine diplomatische, als eine finanzielle Preffion, welche die Pfort« veranlassen könnte, Adrianopel wieder aufzugeben. Um die Pforte $a zwingen, Adrianopel zu räumen, bedürfte es eines militärische« Eingreifens Rußlands, d. h. eines großen Krieges mit alle« feinen Gefahren. Man begreift, daß die ruffische Regierung eine so groß« Verantwortlichkeit nicht leichten Herzen» auf sich nehmen würde. E» fft natürlich, daß sie daran denkt, Europa den Frieden zu erhalten, der im Falle eines ruffisch-türkischen Konfliktes in eine ernste Gefahr tarne. Rußland wird versuchen, den Londoner Beschlüssen durch alle friedliche» Mittel Geltung zu verschaffen. Inzwischen könnte und müßte die buU garische Demobilisierung die türkische Demobilisierung zum Gegenstück haben. Bulgarien wird höchstens 30 bis 40 000 Mann unter den Waffen behalten gegenüber den 300 000 Türken. Ein solche« Mißverhältnis ist in der Tat etwas stark. Die türkische Regierung könnte, ohne fich der geringsten Gefahr auszusetzen, den größten Teil ihrer Truppen entlassen, ohne daß fich eine weitere Bedrohung der Lage, die sich heut« bereits merklich gebessert hat, zeigt."
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Deutsches Reich.
— Gedenkfeier für die Schlacht bei Großbeeren». Großbeeren, 23. Aug. Im Beisein des Prinzen Eitel Friedrich als Vertreter des Kaisers wurde heute der Gedenktag der hundertjährigen Wiederkehr der Schlacht bei Großbeeren feierlich begangen. Großbeeren und die Feststraße zum Turm waren festlich geschmückt. Heller Sonnenschein verschönte das bunte Bild. Als gegen %3 llhr Prinz Eitel Friedrich am Ehrenzelt eintraf, empfing Landrat v. Achenbach den Prinzen mit den übrigen Ehrengästen, unter ihnen Graf Bülow von Dennewitz, dem Urenkel des Siegers der Schlacht bei Großbeeren. Landrat v. Aachenbach hielt eine Ansprache, die in ein Kaiserhoch ausklang. Hierauf übergab er den großen, festlich geschmückten Eedenkturm der Obhut der Gemeinde. Nach dem Gesang der Schulkinder „Vater, ich rufe dich" hielt Graf Bülow von Dennewitz die Fest- und Gedenkrede. Nach dem Preußenlied beschloß das „Niederländische Dankgebet" die Feier. Prinz Eitel Friedrich hielt nach der Eröffnung der Gedenk« halle im Turm Parade über die zahlreich erschienenen Kriegervereine ab.
— Geburt einer Prinzessin im Hohenzollernhause. Camenz (Schief.), 23. Aug. Prinzessin Friedrich Wilhelm von Preußen ist heute nacht von einer Tochter entbunden worden. — Prinz Friedrich Wilhelm ist der jüngste Sohn des verstorbenen Prinzen Albrecht von Preußen, früheren Regenten von Braunschweig.
— Konservativer Sieg in Ostpreußen. Ragnit, 23. Aug. Gesamtergebnis der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Ragnit-Pill« kallen: Es wurden gezählt für Gottschalk (Kons.) 9452, für Ventzki (Natl.) 5983 und für Hofer (Soz.) 3241 Stimmen; 11 Stimmen find zersplittert. Gottschalk ist somit gewählt. — Damit ist der Wahlkreis des verstorbenen Grafen Kanitz ddr Rechten erhalten geblieben.
— Neuordnung der Kontrolle Über die Heereslieferungen? Berlin, 23. Aug. Der Prozeß gegen Tilian und Genossen wird, wie verlautet, voraussichtlich schon vom Haushaltjahr 1914 ab eine erste praktische Folge dahingehend haben, daß der Verkehr zwischen Heeresverwaltung und Rüstungslieferanten eine grundsätzlich andere Regelung erfährt. Weder die Vorbereitung für Heereslieferungen, noch die Abnahme von Bestellungen soll in den Händen von Zeug-, Feuerwerks- oder Festungsbauoffizieren verbleiben, sondern es wird von den bürgerlichen Mitgliedern des im
Ein würgendes Gefühl stieg in ihr auf. Sie hätte emporspringen und diesem wohlfrifierten Puppenkops zuschreien mögen: „Du bist schuld an seinem Tode, du hast ihn herzlos in die Vernichtung getrieben, wie du ihn einst herzlos von meiner Seite gerissen hast, um deiner Eitelkeit zu fröhnen. Jetzt weinst du ihm kaum ein« Träne nach: denn fein Tod macht dir den Weg ftei, den er zu stolz war, dich gehen zu lassen — de« Weg der Erbschleicherin."
So hätte fie rufen mögen. Aber ihre Lippen blieben fest geschlossen, nur in den Augen flammte e» wie heiliger Zorn. Und vor diesem Blick senkte Lizzi di« Augen.
Fried« fühlte, daß fie die Schwester Haffen könnte als die Urheberin allen Leides, welches fie heraufbeschworen hatte. Richt die Spur eines warmen Gefühls für fie lebte in ihrem Herzen. Und wenn ste helfend in ihre Verhältnisse eingriff, so geschah es nur um des bleichen Schläfers willen da drüben und um der traurigen Mädchenaugen, die stch an der Leiche des Vaters so vertrauensvoll in die ihren gesenkt hatten. Ruth war wohl die einzige, die den Vater wahrhaft betrauette. Ellen schien von dem Verlust nicht härter getroffen zu sein als ihre Mutter.
„Wir sprechen morgen — nach der Beerdigung über dein« Verhältnisse, Lizzi. Heute abend wird es zu spät — ich muß erst noch ein Hotel aufsuchen, da ich vom Bahnhof direkt hierherfuhr", sagte sie, sich erhebend,
„Ach, Friede, ich würde dir ja gern ein Zimmer zur Verfügung stellen — aber wir sind so beschränkt — ich könnte dir höchstens ein Beiß in mein Zimmer stellen laffen. Aber da wirst du allerhand Bequemlichkeiten vermissen."
Friede wehrte leicht mit der Hand ab.
„Laß nur, Lizzi. Es ist mir lieber, wenn ich im Hotel Wohnung nehme. Wir wollen uns gegenseitig nicht genieren. Es genügt, wen« ihr mit ein gutes, solides Hotel nennt. Ich bin gewöhnt, mich überall allein zurechtzufinden. Rur von Ruth will ich mich noch verabschieden."
„Ach so, Ruth — die hatte ich ganz vergessen — mein armer Kopfl" seufzte Lizzi. „Du hast fie wohl schon kennen gelernt?"
„Ja, ich sprach einige Wott« mit ihr — drüben bei ihrem Vater."
„Sie ist nicht von ihm fortzubringen. Weißt du — Fritz hat fie ei« wenig verzogen. Und sie kann stch so wenig beherrschen. Lieber Goth — uns ist das Herz auch fast zersprungen vor Leid. Aber was hilft es, man muß durch und vor den Leuten Haltung bewahren. Geh hinüber Ellen, sage Ruth, daß ste fich um Tante Friede verabschieden soll,'' , -. _ ... . . ... ..i___... ,'_j________ (Fortsetzung folgte i