1913
Erstes Blatt
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Marburg
Freitag, 22. August
zur Abgangsstation zurückkehren, können freie Rückbeförderung in der für die Hinreise bezahlten Wagenklasie verlangen. Za, die Großmut der Bahn setzt dich, wenn der betreffende Zug diese Klasse nicht führt, sogar gratis in die nächsthöhere Wagenklasse. Bist du nun zufrieden?«
Herr Spät lachte grimmig. „Ein feines Geschäft", meinte er, „für eine freie Rückfahrt 4 000 J*. verlieren, das nenn' ich wahrhaftig einen guten Handel."
„Sieh nur wenigstens zu, daß du freie Rückfahrt tatsächlich rettest , mahnte der freund: „du verlierst nämlich deine Ansprüche darauf, wenn du nicht gleich nach Ankunft dort, wo du die Reise aufgibst, und bei Rückkehr aus der Abgangsstation dem Aufsichtsbeamten unter Meldung des Sachverhalts deine Fahrkarte oorlegst und dir auf beiden Stationen di« Meldung bescheinigen läßt."
„Gut, also melden wir, wenn ich nicht etwa auf dre freie Rückbeförderung scklietzlich doch verzichte und statt mit dem verpaßten Eilzug mit dem D-Zug. der vier Stunden später geht, noch nach Berlin fahre."
„Dann brauchst du jedenfalls keinen Zuschlag zu zahlen. Denn Reisende, die auf Ersatz des Fahrgeldes und auf freie Rückbeförderung verzichten, sind mit dem nächstgünstigstcn Zug zur Bestimmungsstation z» befördern, wenn dadurch die Ankunft beschleunigt wird."
„Danke dir, da werde ich also doch noch hinsahxen."
Das Schicksal aber hatte ein Einsehen. Denn als Herr Spät dreieinhalb Stunden nach der festgesetzten Zeit der Sicherheit halber auf dem Landgerichte vorsprach, kam ihm sein Anwalt händeringend entgegen «pd schleppte ihn hastig in den Verhandlungssaal, allwo der unpünktlich« Klient durch Ableistung de» ihm zudiktierten Eides seinen Prozeß gerad« noch zu retten vermochte.
Immer wieder die Ereueltaten.
London, 21. Aug. Der Sonderberichterstatter des „Daily
Belgrad, 21. Aug. Die Demobilisation hat heute begonnen. — Die Post- und Telegraphenzensur ist aufgehoben worden.
Sofia, 2L Aug. Dir bulgarische Regierung wird nach der Abrüstung noch etwa 90 000 Mann unter Waffen behalten. Von diesen Soldaten werden zwei Drittel an der türkisch-bulgarischen Grenze Aufstellung finden.
Reklamen die Zeile 80 J>. Bet Wiederholungen entsprechender Rabatt. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
mit allen Kampfmitteln, einschließlich desjenigen der Arbeitsniederlegung, zu führen, um die bürgerliche Gesellschaft zu erschüttern und zu überwinden."
Die bürgerliche Gesellschaft wird sich durch solche furchtbar klingenden Phrasen nicht einschüchtern, geschweige denn erschüttern und überwinden lasten. Und ob ein wirklich inszenierter Mastenstreik den erhofften Erfolg hat, ist noch mehr als fraglich. Viel Arbeit wird jedoch der Jenaer Parteitag haben. Herr Scheidemann muß nun den ftroa gehegten Gedanken, Bebels Nachfolger zu werden, wohl auch aufgeben.
Die Organisation der Verwaltung von Neukamerun.
Nachdem am 1. Juni d. I. di« letzten Teile von Neukamerun von den französischen Behörden an Deutschland übergeben sind, ist die Verwaltung in den neuen Gebieten folgendermaßen organisiert worden. In dem erworbenen Süd st reifen sind drei neue Verwaltungsbezirke eingerichtet worden. Es sind von der Küste nach dem Innern zu der Bezirk Muni mit der Hauptstation Eko- dodo, Bezirk Wolö-Ntem mit der Hauptstation Ojem und der Bezirk Jwindo mit der Hauptstation Ngarabinsam. Der Postenbereich Eta weiter östlich ist dem Altkameruner Bezirksamt Lomie angegliedert, ebenso der Postenbereich Ngoila der Altkameruner Station Jukaduma unterstellt worden. An der neuen O st grenze der Kolonie sind vier neue Bezirke eingerichtet worden. Es find von Süden nach Norden: Bezirk Unter-Sanga mit der Hauptstation Jkelemba, Bezirk Mittel-Sanga-Lobaje mit der Hauptstation Mbaiki, Bezirk Ober-Sanga-Uham mit der Hauptstation Carnot und ganz im Norden der Bezirk Ober-Logone mit der Hauptstation Baibokum. Der Postenbereich Lere ist der Altkameruner Residentur Earua angegliedert worden.
Zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung sind an der neuen Südgrenze zwei Kompagnien der Schutztruppe stationiert worden, und zwar liegt in Wolö-Ntem die 10. Kompagnie und in Jwindo die 11. Kompagnie. Die neuen Gebiete an der Ostgrenze werden durch drei Kompagnien gesichert. Es liegt in Ober-Logone die 12. Kompagnie, in Ober-Sanga-Uham (Carnot) die 5. und in Mittel-Sanga-Lobaje (Mbaiki) die 6. Kompagnie unter Oberleutnant von Puttkamer.
Die „Oberhefstjche Zeitung" eifcheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durm
Tie Lage auf dem Balkan.
Es liegen Nachrichten vor, die gerüchtweise besagen, daß Rußland, entgegen seinen bishergen Versicherungen, in der Adria- nopel-Frage militärisch eingreifen will. In Londoner diplomatischen Kreisen glaubt man an einen Angriff der russischen F l o t t e auf Konstantinopel und an einen Einmarsch russischer Truppen in Armenien. Ferner soll Sasonow dem türkschen Botschafter die Mitteilung gemacht haben, Rußland werde auf das allerschärfste gegen die Türkei vorgehen, da es nach wie vs- das Benehmen der Pforte als eine beispiellose Herausforderung der Mächte ansehe. Was daran Wahres ist, muß abgewartet werden. Vielleicht folgt die Ableugnung auf dem Fuße.
Telegraph" in Konstantinopel meldet seinem Blatte, er erhielt die Abschrift eines Berichtes, den der mit der Untersuchung der bulgarischen Ereueltaten in Adrianopel und Thrazien betraute Bevollmächtigte der russischen Regierung dieser übermittelte. Die drei Spalten umfastende Abschrift gibt viele Einzelheiten de» russischen Berichts nicht wieder, die, wie der Berichterstatter des „Daily Telegraph" sagte, zu furchtbar find, um veröffentlicht werden zu können.
K o n st a n t i n o x e l, 21. Aug. Nach Nachrichten aus diplomatischen Kreisen hat sich Griechenland mit Bulgarien wegen der Uebergabe der zu räumenden Teile Thraziens ins Einvernehmen gefetzt. — Der türkische Kommandant von Enos teilt mit, daß der griechische Metropolit in Dedeagatsch die Griechen und Muselmanen aufgefordert hat, auszuwandern. Die Bulgaren würden am Freitag in Dedeagatsch einrücken, das der Metropolit heute verkäste. In Enos treffen täglich muselmanische Emigranten aus Dedeagatsch ein.
Paris, 20. Aug. Auf Anregung der Carnegie-Friedensstiftung hat sich eine internationale Kommission gebildet, um unparteiisch und unabhängig von jeder politischen Voreingenommenheit auf dem Balkan Untersuchungen über die Mastakres und die wirtschaftlichen Folgen des Krieges anzustellen. Die Kommission wird heute nach den Balkanländern abreisen.
Paris, 21. Aug. Der bulgarische Minister des Aeußern Eenadiew erhebt in einem an den französischen Abgeordneten Berry gerichteten Brief Einspruch gegen die Beschuldigung, daß die bulgarische Armee im Verlaufe des letzten Krieges Ereueltaten verübt habe. „Ich habe mich", schreibt Eenadiew, „an die Regierungen der Großmächte gewandt, um eine internationale Untersuchung über die Ereueltaten zu verlangen Ich habe die begründete Ueberzeugung, daß diese Untersuchung die bulgarische Armee rehabilitieren, den Nachweis der Böswilligkeit unserer Ver- leumder erbringen und die wahren Schuldigen finden wird."
Deutsches Reich.
Rücktritt eine» verdienten Generals. Berlin, 21. Aug. Der General ».Wachs, der bis vor kurzem lange Jahre Chef des Zentraldepartements des Kriegsministeriums war, ist zur Disposition gestellt worden. Er hat dem Kriegsministerium 25 Jahre angehört und in dieser arbeitsreichen Tätigkeit ganz ausgezeichnetes geleistet. Er war der eigentliche Träger der Arbeit bei allen neuen Heeresvorlagen, die wir in den letzten Jahren gehabt haben. Hoffentlich wird General v. Wachs, der noch in voller Rüstigkeit ist, sich auch fürderhin noch am öffentlichen Leben beteiligen.
— Die HandwerkerNagen. Berlin, 21. Aug. Im Anschluß an die Verhandlungen des Handwerks- und Gewerbekammertags macht der Vorsitzende der Berliner Handwerkskammer, Rahardt, im „L.-A." nähere Angaben über die auf der Tagung so scharf getadelte unzureichende Ausführung der wohlwollenden Regierungs- erlaste über das Verdingungswesen. Bekanntlich waren dies« Klagen halbamtlich als unberechtigt zurückgewiesen worden. Rahardt schreibt u. a.:
„Diese halbamtliche Auslastung zeugt von einer Welffremdheit, für die ich kein Verständnis habe. Ich behaupte, daß alle die Erscheinungen, die ja doch den Anstoß zu jenen ministeriellen Verfügungen gaben, noch heute ungeschwächter Kraft sind. Aber der Kampf gegen das Submff- sionsunwesen soll mit das oberste Losungswort der Berliner Handwerkskammer werden. Wir Handwerker wollen als gute Monarchisten der Rechtschaffenheit den ihr gebührenden Platz sichern. Das ist aber beim Submissionswesen trotz des guten Willens der an der Spitze stehenden Männer bisher nicht möglich gewesen. Die ersten Schichten unserer Verwaltung find über jeden Zweifel erhaben. Aber an anderen Stellen muß es doch stecken. Wi« ist es sonst möglich, daß mit Leuten Geschäfte abgeschlossen werden, die mehrfach bankrott gemacht haben und deren Firma auf den Namen der Frau geht! An das Kriegsministerium haben wir vor fünf Wochen uns mit einer Eingabe gewandt, bei der Vergebung
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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilugen'. „Nach Feierudend", „Fürs Haus" und „LundWÜlIchu^Üiche Beüuge. ____
Fabrik und Handwerk.
So viele Versuche man auch angestellt hat, Fabrik und Handwerk streng von einander zu scheiden und für beide Begriffe feststehende Definitionen zu geben, so ist man doch bisher über Notbehelfe in dieser Sache, nicht hinausgekommen, da diese Begrifft vielfach in einander fließen. Auch die Reichs-Gewerbeordnung enthält keine genaue Bestimmung darüber, was Fabrik und was Handwerk ist. Dadurch wird es erklärlich, daß auch für die Rechtsprechung sich sehr oft Schwierigkeiten ergeben haben, wenn es sich um eine Entscheidung handelte in einem Falle, wo sich fabrikmäßiger und handwerksmäßiger Betrieb berühren, und es galt, dem Urteil eine bestimmte Abgrenzung beider Gewerbegebiete zu Grunde zu legen. Natürlich sind dabei häufig Entscheidungen getroffen worden, durch die bei den beteiligten Gewerbetreibenden großer Unwille erregt wurde. Die Judikatur des Reichsgerichts hat bisher bei zahlreichen Fällen für die Entscheidung die Auffassung gelten lasten, daß der Begriff «iandwerk" mit „gewerblichem Kleinbetrieb" gleichbedeutend fei, wäh- nd „Fabrik" als „gewerblicher Großbetrieb" angesehen werden müste. Obwohl dabei nicht nur der äußere Umfang des Betriebes, sondern seine Eesamterscheinung nach Art und Umfang in Betracht gezogen wurde, hat das Handwerk doch oft bestritten, daß diese Ausfastung für die Praxis sich als Maßstab zur Beurteilung des einzelnen Falles verwenden laste. Andererseits ist man aber im Handwerk selbst, obwohl man sich schon seit Jahren bemüht, eine Abgrenzung für die beiden Begriffe zu finden, bis jetzt noch immer zu keinem bestimmten Ergebnis gelangt. e
Auch die Handwerker-Konferenzen der letzten beiden Jahre haben in dieser Beziehung nur das eine Ergebnis erreicht, die Notwendigkeit der Schaffung einer einheitlichen Instanz zur Entscheidung dieser Frage anzuerkennen. Welche Gestalt aber diese Instanz erhalten solle, darüber ist es erst auf der diesjährigen im Reichsamt des Innern abgehaltenen Handwerker-Konferenz zwischen Regierung und Handwerk zu einer Verständigung gekommen. Die früheren Wünsche des Handwerks gingen dahin, daß die Entscheidung über diese Streitfrage den Verwal- tunzsgerichten oder kollegialen Behörden nach § 21 der Gewerbeordnung, »der dem Registerrichter unter Hinzuziehung von zwei sachverständigen Schössen übertragen werde. Da sich aber der deutsche Handelstag nach gleichfalls eingehender Beschäftigung mit dieser Frage dahin entschieden hat, daß die Beseitigung der vorhandenen Mißstände nut auf dem Wege der Rdichsgesetzgebung Aussicht auf Erfolg habe, soll nun der Ausweg gewählt werden, die beiderseitigen Wünsche möglichst zu vereinigen. Für die voraussichtlich im nächsten Jahre an den Reichstag ge» lapgende Handwerkernovelle soll daher nach dem Vorschläge des zuständigen Ressorts der Reichsregierung die Schaffung eines Jnstanzenznges vorgesehen werden, dem in strittigen Fällen die Entscheidung darüber zufallen soll, ob ein Betrieb als handwerksmäßig zu gelten hat oder als fabrikmäßig anzusehen ist. Zu diesem Zwecke sollen obligatorische örtliche Gutachter-Kommissionen paritätisch, also in gleicher Zahl aus Vertretern von Handwerk und Industrie, unter dem Vorsitz eines Beamten zusammengesetzt, gesetzlich vorgeschrieben werden. Als zweite Instanz sollen die Verwaltungsgetichte ober, wo solche nicht vorhanden sind, kollegiale Behörden int Sinne des § 21 der Gewerbeordnung bienen. Als letzte Instanz sind durch nähere reichsgesetzliche Vorschriften für jeden Einzelstaat einzurichtende Spruchstellen in Aussicht genommen. Bon der Industrie, deren Vertreter int Herbst Gelegenheit erhalten, sich zu diesem Vorschläge zu äußern, glaubt man, daß sie bei ihrem gleichen Interesse an der endlichen Lösung dieser Frage mit dem vorgesehenen Jnstanzenzuge sich einverstanden erklären wird.
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gc{paltene Zeile ober CVnfirft deren Raum 15 L, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für 4.Ö,
Politische Umschau.
Die innere Gärung in der Sozialdemokratie.
In einer außerordentlichen Generalversammlung des sozialdemokratischen Volksvereins für den Kreis Solingen haben die Sozialdemokraten der sozialdemokraffschen Reichstagssraktion und dem Abgeordneten des Wahlkreises Solingen, Scheidemann, ihre Mißbilligung darüber ausgesprochen, daß sie den Wehrbeitrag nach Annahme der Militärvorlage bewilligt haben. Die Fraktion entschuldige sich damit, hätte sie den Wehrbeitrag nicht bewilligt, so wäre eine ungünstigere Steuer eingesührt worden. Für die Mafien sei indes die wichtigste Frage nicht, wer die Steuern bezahle, sondern.wer zwei Jahre in die Kaserne müsse. Außerdem sprach die Generalversammlung sich für die Anwendung des Massenstreiks als ordentlichen Kampfmittels der Partei aus. Die schließlich angenommene Entschließung lautete:
„Die Generalversammlung des Wahlkreises Solingen erklärt: Die Haltung der Reichstagsfraktion in der Deckungsfrage wird mißbilligt. Es bestand kein Anlaß, in der Steucrfrage eine andere Stellung gegen den Klaffenstaat einzunehmen als bisher. Eine opportunistische Haltung wegen der Art der Steuern läßt sich nicht rechtfertigen, weil der Zweck der Steuern die Füttern ng des Militarismus war. Die Zustimmung zu den Steuervorlagen und das Verhalten einiger Genossen in der Kommission müssen zur Folge haben, daß der Kampf gegen die fürchterlichste Waffe des Kapitalismus, den Militarismus, geschwächt wird, und die imperialistische Suggestion auf die proletarische Mafien übergreist. Die Generalversammlung erklärt, daß die Sozialdemokratische Partei in Ruhe und mit voller Kampfesrüstung den Konsequenzen der Ablehnung, welche Regierung und bürgerliche Parteien etwa gezogen hätten, entgegenzusehen bereit war. Sie ist vollauf bereit, die sich aus unserer immer wachsenden Stärke ergebenden Kämpfe ersetzt auf Heller und Pfennig. Oder ist es etwa meine Schuld, daß wir bald eine Stunde über die Zeit hinaus in Kufstein liegen?"
Ra also, da büßt du ja garnichts ein. Wozu die ganze Aufregung?" erwiderte Herr Mönch und schleifte unter dauerndem Zuspruch den widerstrebenden Freund endlich doch in den Speisewagen. „Hier läßt es sich bei einem Glase Wein viel bester diskutieren, und eine Stärkung kann dir wahrlich auch nichts schaden", beschwichtigte er.
Herr Spät aber kam eilends auf feine bedrohten 4 000 J*. zurück. „Du meinst demnach ebenfalls, daß mir der Fiskus haftet?" forschte et.
„Rein, Fritz, das meine ich freilich ganz und gar nicht. Den Gang zum Anwalt kannst du dir in dieser Sache ruhig sparen. Denn Zugver- fpätungen oder das Ausfallen eines Zuges begründen keinerlei Entschädigungsansprüche; das weiß eigentlich jedermann."
Herr Spät aber schien dem Gedanken einer Schadenersatzforderung selber nicht recht getraut zu haben. Wenigstens trug et den eben vernommenen Bescheid als aufrechter Mann.
„Da wäre ich allerdings gescheiter zu Häuft geblieben; dft Weiterfahrt nach Berlin ist ja ganz zwecklos", erklärte et in trübem Sinnen, „und zu allem Unglück habe ich schon die Fahrkarte dorthin gelöst; da kann die Bahn obendrein noch schmunzelnd diesen Verdienst einstecken."
Für Herrn Mönch aber gabs hier endlich eine Gelegenheit zum Trösten. „Nein, Fritz", belehrte er geschwind, „daß sie das in Wirklichkeit nicht kann, dafür ist gesorgt. Wer nämlich dank einer Zugverspätung oder einem Zugausfalle den Anschluß verpaßt, kann Fahrgeld und Ee- päckfracht für di« nicht durchfahrene Strecke zurückfordern." „Und wer zahlt mit di« Rückreise?" „Ebenfalls die Noblefie des Fiskus, mein Freund. Reisende, die verpaßten Anschlustes wegen die Weiterfahrt aufgeben »nb mit he» nächsten günstigsten Zuge ohne Fahrunterbrechung
(Nachdruck verboten.)
- uMrlMing.
Eine juristische Plauderei. Von Dt. Hans Liesk«.
„Fritz, laß jetzt bitte deine Uhr stecken, du machst ja das ganze Coups nervös. Zwei Dutzend mal hast du binnen einer halben Stunde ftstge- stellt, daß es vierzig Minuten später ist, als es eigentlich sein sollte. Nun glaub' es nur endlich und komm mit mir in den Speisewagen, einen Bissen essen."
Der Kaufmann Spät warf einen wütenden Blick auf feinen Freund und zog allen Mahnungen zum Trotze seinen Chronometer wahrhaftig wieder aus der Tasche.
„Mir ist der Appetit vergangen, mein Liebet, iß du, so viel du willst, aber solo, wenn ich bitten darf. Natürlich verpassen wir den Anschluß an den Münchener v-Zug, und ich komme zu spät zum Termin und verlier« damit glatt 4 000 JC Kannst du mit in deiner Weisheit da«oielt?icht einen Rat geben?“
Der Fabrikbesitzer Mönch, dem diese Worte galten, wußte jedoch auch nichts Rechtes zu empfehlen und fachte mit feinem Rat Späte Zorn zu Hellen Flammen.
„So, so", tief Spät erregt, „bas Unvermeidliche mit Würde tragen, bas ist alles, was tm zu raten hast. Na weißt du, wenn ich deine Gelder hätte, hätte ich vielleicht auch deine Würde. Aber gegenwärtig zähle ich leibet zu den weniger glücklichen Sterblichen, die 4 000 M nicht auf bet Straße finden. Im übrigen sage ich dir soviel: komme ich wirklich zu ,N8t, bann verklage ich die Bahn unb verlange meine Einbuße von ihr
Je IQß die Post 2.25 Jl (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 **=- frei ins Haus. - Verlag von Dr. C. Sitzerath. - Druck der Univ.-
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