Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: ..Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

Jti 193

DieOberhessijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- | und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durck die Post 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. Verlag von Dr. T. Hitzeroth. Druck der Unio.» Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marburg

Dienstag, 19. August

SKM*

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7ge)paltene Zeil« oder deren Raum 15 «S, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 «$. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

48. Jahrg.

1918.

Erstes Blatt.

Rundschau.

Der 84. Geburtstag Kaiser Franz Josefs.

Zur Feier des Geburtstages Kaiser Franz Josefs fand gestern Zn Bad Ischl in der Villa des Kaisers Familientafel statt, an der alle dort weilenden Mitglieder des Kaiserhauses und der Hofstaat teilnahmen. Im Laufe des Mahles brachte Prinz Leopold von Bayern die herzlichsten Glückwünsche der Familienmitglieder dar. Der Kaiser dankte gerührt und trank auf das Wohl der Gäste. Er war bester Stimmung.

Das deutsche Kaiserpaar feierte den Tag in Homburg v. d. H. durch eine Festtafel, an der u. a. der Reichskanzler, Staatssekretär von Jagow und die Mitglieder der österreichisch-ungarischen Bot­schaft teilnahmen. Vorher hatte der Kaiser die Meldung des kom­mandierenden Generals des 11. Korps Generals der Infanterie Freiherrn von Scheffer-Boyadel entgegengenommen anläßlich besten Stellung ä la suite beim Kaiser Alexander Earde-Erena- dier-Regiment Nr. 1. Der Kaiser, der die Uniform eines öster­reichischen Generals angelegt hatte, hielt bei der Tafel folgenden Trinkspruch:

Euer Exzellenz! Seit wir zum letzten Male wie alljährlich zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs Franz Joseph, meines treuen Bundesgenosten und väterlichen Freundes, ver­sammelt waren, sind rauhe Stürme über den Südosten Europas dahin gebraust, und wenn es gelungen ist, den Frieden Europas gegen alle Brandungen erfolgreich zu schützen, so danken wir das nicht zum wenigsten der hohen Weisheit Sr. Majestät des Kaisers und Königs Franz Joseph. Als treue Bundesgenossen Oesterreich-Ungarns empfinden wir darüber besonders hohe Freude und blicken frohen Auges in die Zukunft; denn das alterprobte Bündnis, das auf unerschütterlicher Grundlage beruht, wird auch fernerhin zum Segen der Welt seine Kraft und Wirkung bewähren. Mit diesen Erfühlen bitte ich den Allmächtigen, daß er Ihrem allergnädigsten Herrn noch lange Jahre glücklicher Regierung zum Heile und Segen seiner Völker und zur dauernden Macht, zum Glanz und zur Gröhe seines Reiches gewähren möge. Wir erheben unsere Gläser und trinken auf das Wohl Sr. Majestät des Kaisers und Königs Franz Josef."

Die Musik des in Homburg garnisonierenden 3. Bataillons des Füsilier-Regiments v. Eersdorff, das die Tafelmusik stellte, spielte die österreichische Hymne. Nachmittags machten der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge und in Begleitung des Reichskanzlers und des Staatssekretärs von Jagow eine längere Ausfahrt im Auto­mobil. Zur Abendtafel waren ebenfalls der Reichskanzler und der Staatssekretär von Jagow geladen.

Die verabschiedeten Offiziere und her Kaufmannsstand.

Ueber 37 000 Offiziersstellen gibt es jetzt im deutschen Heere. Mit der Vermehrung geht naturgemäß auch eine stärkere Verab­schiedung Hand in Hand, die nicht zu vermeiden ist, soll das Heer in seiner Leistungsfähigkeit auf der alten Höhe erhalten werden. Wie sich eine Ueberalterung des Offizierkorps bitter rächt, haben die Tage von Jena und Auerstädt deutlichst gezeigt. Im Interesse der Schlagfertigkeit der Truppen müßen also unbedingt alle irgend­wie nicht mehr voll felddienstfähigen Offiziere den bunten Rock ausziehen. Da viele nun im ganzen und großen nur auf ihre, in den unteren Graden bekanntlich nicht sehr reichlich bemeßene Pen­sion angewiesen sind, sind sie gezwungen, sich noch nach ir<ynb einem Zivilberufe umzusehen. Infolge der allgemeinen Ueberfüllung wird es natürlich immer schwieriger, ein Unterkommen zu finden, zumal die Offiziere sich erst die nötigen Berufskenntniße aneignen müßen. Der preußische und der sächsische Kriegsminister haben sich daher mit der Bitte an die Handelskammern gewandt, tunlichst bei Besetzung von kaufmännischen Posten verabschiedete Offiziere mit zu berücksichtigen. Das hat verschiedene kaufmännische Verbände auf den Plan gerufen, wie den Deutsch-nationalen Handlungsge­hilfenverein, die Bankbeamten und den Verein deutscher Kauf­leute, die in verständlicher Konkurrenzbefürchtung Entschließungen gegen die kriegsministcriellen Schreiben gefaßt haben. So schlug u. ä. auf einer Versammlung der Berliner deutsch-nationalen Handlungsgehilfen der Referent Thomas als den gegebenen Weg, verdienten ehemaligen Offizieren eine bürgerliche Existenz zu er­möglichen, vor: lieber bei tet Reichspostverwaltung und bei der preußischen Eisenbahnverwaltung nicht soviel« Tausende weiblicher Hilfskräfte einzustellen, von denen jede ein­zelne nur geeignet sei, einem Familienvater den Platz wegzuneh­men. Als eine besondere Gefahr für den durch Ueberfüllung und absteigende Konjunktur schon schwer bedrohten Handlungsgehilsen- stand bezeichnete es Herr Thomas, daß der Offizier imstande sei, infolge seiner Pension Mitbewerber durch Eehaltsunterbietungen auszustechen.

So berechtigt diese Ausführungen auch sind, so ist ihnen doch entgegenzuhalten, daß bei der großen Zahl der in Frage kommen­den Stellen in Handel und Industrie und der im Verhältnis dazu .recht geringen Zahl verabschiedeter Offiziere, die sich um kaufmän- .nische Stellen bewerben würden, von einer fühlbaren Konkurrenz kaum die Rede sein könnte.

) Aus dem politischen Leben Amerika».

' Das politische und Parteileben in den Vereinigten Staaten von Nordamerika ist entsprechend der ganzen Art und Weise des senkens und Handelns so grundverschieden von dem europäischen sand besonders dem deutschen, daß sich der bei uns übliche Maßstab But Beurteilung gar nicht anlegen läßt. Alles ist vielgroß­zügiger" und greller, auch die politischen Skandale. Ein solcher geherrscht seit 23 Monaten das öffentliche Leben des Staates Mew York. Die demokratische Partei hat in diesem fast diktatorische I Gewalt j in der Tammany Hall bllden Führer und Anhänger eine I

Art Gesellschaft aus Gegenseitigkeit; aus ihr werden die Beamten­posten besetzt, und wenn diese nicht ausreichen, einfach neue Aemt- chen mit hohen Gehältern geschaffen. Oberhaupt dieses gefürchteten und mächtigen Bundes ist Herr Charles Murphy, ehemals Stra- ßenbahnfchaffner. Von allen seinenUntertanen" verlangt er un­bedingten Gehorsam, selbst von dem obersten Staatsbeamten, dem Gouverneur in Albany. Diese Stellung bekleidet gegenwärtig ein Deutsch-Amerikaner namens Sulzer, einst eifriges Mitglied von Tommany Hall, jetzt ihr ärgster Feind und wahrscheinliches Opfer; denn er wagte gegen den Stachel zu löcken und muß diese Sünde nun hart büßen. Von ungefähr tauchte das Gerücht auf, Sulzer habe Wahlgelder unterschlagen. Das Unterhaus des Staates New Pork beschuldigte ihn, solche zu eigenem Nutzen verwendet, einen Mein­eid geleistet und Zeugen beeinflußt zu haben. Im Gefühl seiner Unschuld legte er sein Amt nicht nieder, das dem Vizegouverneur Glynn erklärlicherweise höchst begehrenswert erscheint. Keiner von beiden will jetzt nachgeben. Glynn erklärt zwarsich in keinen physischen Kampf mit Sulzer einlaßen zu wollen", will aber trotz­dem dieFunktionen des Gouverneurs ausüben". Wie das zu machen ist, erscheint unerfindlich; aber vielleicht kommt Herr Glynn als echter Pankee auf eine neue Idee, die ihm zu seinem Ziele führt. Sulzer hat darauf die Entscheidung in die Hände des höch­sten Gerichtshofes von New Park gelegt. Da die Macht und der Einfluß der Tammany Hall aber auch nicht vor den Toren des Ge­richts Halt macht, fo dürfte die Sache Herrn Sulzers so gut wie ver­loren sein. Auch seine Frau, die sich schließlich selbst der heimlichen Unterschlagung bezichtigt hat, wird ihren zweifellos nicht unschul­digen Gatten kaum retten können. Alles ist echt amerikanisch.

----*----

Okffentliche Volksversicherung.

Die Frage einer zweckmäßigen freiwilligen Altersversorgung aller derjenigen Kreise, die nicht über große Mittel verfügen, hat seit langem die Oeffentlichkeit und insbesondere sozial gesinnte Männer interessiert. Die staatliche Zwangsversicherung kommt für breite Schichten de» Mittelstandes nicht in Frage; außerdem bietet sie den ihr Unter­worfenen keineswegs eine ausreichende Versorgung. Das Sparen ober, das einfache Zins- auf Zinslegen, kann als einwandsfreter Weg für eine Alters- und Familienversorgung deshalb nicht in Frage kom­men, weil der Sparer stets unter der Gefahr steht, daß er frühzeitig stirbt, das Sparen also unterbrochen wird, und den Hinterbliebenen dann nur geringe Ersparnisse zur Verfügung stehen. Aber auch di« Bolksversicherung in ihrer bisherigen Form, di« den erwähnten Mangel des Sparens vermeidet, konnte noch nicht als das vollkommenste System einer Alters- und Hinterbliebenenversorgung angesehen werden, denn sie war im wesentlichen zu teuer, außerdem aber auch bet vorzeitigem Verfall für die Versicherten sehr verlustbringend und ungüstig.

Im letzten Jahre hat eine starke Bewegung zur Reform der Volks­versicherung eingesetzt. An dieser Bewegung nimmt die öffentlich« Lebensversicherung erheblichen Anteil. Es ist bekannt, daß die Lssent- liche Lebensversicherung von gemeinnützigen, landesherrlich genehmigten Körperschaften des öffentlichen Rechts betrieben wird, deren Organisation provinzweise durchgeführt worden ist. Zurzeit arbeiten bereits 6 der­artige Anstalten, die in dem Verband öffentlicher Lebensversicherungs­anstalten in Deutschland, mit dem Sitz in Berlin, zusammengeschloflen sind. Der Verband hat den unmittelbaren Betrieb der Versicherung in der Stadt Berlin, in den Provinzen Sachsen, Hannover und Schleswig- Holstein, im Regierungsbezirk Cassel, in der Hansestadt Lübeck sowie im Eroßherzogtum Mecklenburg-Schwerin ausgenommen. Die Genehmi­gung zur Aufnahme des Betriebes in den übrigen preußischen Provinzen und in verschiedenen Bundesstaaten ist nachgesucht.

Am 11. Februar dieses Jahres hat der Verband öffentlicher Lebens­versicherungsanstalten in Deutschland di« Erlaubnis zur Aufnahme der kleinen Lebensversicherung ohne ärztliche Untersuchung mit Wochen- und Monatsprämien (Volksoersicherung) erhalten. Durch Fortfall jedes Erwerbsintereßes alle etwa erhielten Ueberschüße kommen den Ver­sicherten zugute durch Mitbenutzung der Organisation anderer öfsent- licher Körperschaften der Selbstverwaltung, durch eine zweckentsprechende Arbeitsteilung zwischen Verband und Einzel-Anstalten und endlich durch Mitarbeit anderer Organisationen, die zur Verbreitung der Volksver- stcherung ihre Mitglieder beim Abschluß von Versicherungsverträgen zweckmäßig beraten und das Jnkaßo besorgen, find die öffentlichen Lebensverficherungsanstalten in der Lage, die Volksversicherung zu außer­ordentlich niedrigen Prämiensätzen zu übernehmen. Die Prämien können nach Belieben jährlich, halb- und vierteljährlich, monatlich ober wöchent­lich gezahlt werden. Mit der Stellung eines Antrages sind keinerlei Kosten verbunden, denn eine ärztliche Untersuchung ist nicht erforder­lich. Desgleichen verzichtet die öftentliche Lebensversicherung auf die Entrichtung einer Ausnahmegebühr, die von den Antragstellern nach der bisherigen Organisation der Bolksversicherung fast immer eingezogen wurde. Vor allem sind aber die Volksversicherungsbedingungen durch milde Bestimmungen über den Zahlungsverzug den Bedürfnißen der Versicherungsnehmer angepaßt und damit ist die beste Vorsorge gegen vorzeitigen Verfall getroffen worden.

Mit der Aufnahme der Volksversicherung durch gemeinnützige An­stalten des öffentlichen Rechts steht breiten Schichten der Bevölkerung ein neuer durchaus verbesserter Weg zur Selbsthilfe hinsichtlich der Alters- und Hinterbliebenen-Versorgung offen, dessen Benutzung in jeder Beziehung empfohlen werden kann. Insbesondere sei angesichts der Tatsache, daß in sozialdemokratischen Kreisen rege Bestrebungen zur Durchführung einer ihren eigenen Zwecken dienenden Volksversicherung, der sogenanntenVolksfürsorge", im Gange sind, darauf hingewiesen, daß die öffentliche Lebensversicherung die große gemeinnützige Aufgabe, die sie sich gestellt hat, auch speziell hinsichtlich der Volksversicherung nicht zuletzt zum Nutzen eines echten nationalen Geistes zu lösen bemüht ist. Weite Kreise haben bereits die Notwendigkeit und Fruchtbarkeit dieses Strebens erkannt und sich mit den öffentlichen Lebensversicherungs­anstalten zu positiver Zusammenarbeit in bet Volksversicherungssrage, zugleich aber auch zur Abwehr des staatsfeindlichen und gefährlichen sozialdemokratischen Vorgehens verbunden.

Näher, Auskunft erteilt der Generalkommissar des Verbandes für den Regierungsbezirk Cassel Herr Dr. Neumann in Cassel, Akazienweg 8; bi« Bestellung eine» be|o*eten Kommiß«» für Marburg ist te Aus­sicht geiwrnmee,

Griechisch-türkisches Einverständnis?

In unterrichteten Kreisen verlautet, daß zwischen dem Rück- zuge der griechischen Truppen und dem türkischn Vormarsche ein Zusammenhang besteht. Glaubwürdig wird versichert, daß die Be­gründung für den türkischen Vormarsch mit der Beschützung der Mohammedaner nicht zutrifft, da diese nicht geflohen sind. Al» Beleg für diese Ansicht kann auch folgende Meldung angesehen werden:

Konstantinopel. 18. Aug. DemTanin" zufolge wandten sich die griechischen Bewohner von Dedeagatsch, als sie er­fuhren, daß Griechenland gemäß dem Vertrage in Bukarest Dedea- feinen Schutz zu nehmen. Der Kommandant der griechischen Trup- pen mit der Bitte, daß sie nicht abziehen sollten. Der Kommandant erwiderte, es sei unmöglich, der Bitte zu entsprechen, wandte sich jedoch an den türkischen Kommandanten Dimotikas und bat ihn, die Griechen und Muselmanen von Dedeagatsch und Umgebung in seinen Schutz zu nehmen. Der Kommandantder griechischen Trup­pen werde den türkischen Kommandanten zwei Stunden vorher von dem Abzüge benachrichtigen, damit er Dedeagatsch unverzüglich besetzen könne.

Im übrigen hört man au» diplomatischen Kreisen, daß di« Türket das Eros ihrer Streitkräfte über die Maritza nicht vor­rücken laßen wird. Die Pforte hält vielmehr daran fest, daß di« Maritza künftig die Grenze zwischen der Türkei und Bulgarien zu bilden hat, und also jenseits der Maritza keine dauernde türkisch« Besitzergreifung vorgenommen wird.

Griechen und Türken gegen die Bulgaren.

Saloniki, 18. Aug. Eine starke Bulgarenbande griff in der Umgebung von Melnik eine griechische Truppenabteilung an. Der Führer dieser Abteilung und einige Soldaten fielen. Di« Griechen nahmen sofort die Verfolgung vor und machten die Bul­garen zum größten Teil nieder.

Konstantinopel, 18. Aug. Wie der Wall von Adria- nopel telegraphiert, besuchte er die Orte Ortakoej, Dimotika, llsun« koeprü und Keschan. Er schildert die von den Bulgaren während der Besetzung begangenen Ereueltaten. Die griechische Gemeind« in Ortakoej überreichte dem Wall ein« Adresse, in der der Dank für den Einzug der türkischen Truppen, der den bulgarischen Ereuel­taten ein Ende bereitete, ausgedrückt und erklärt wird, man woll« unter türkischer Herrschaft bleiben.

Die Stellung der französischen Regierung ,« den Balkangreuel«.

P a r i s, 18. Aug. Der Minister des Aeußern Pichon hat de« Brief des Abgeordneten Berry, der die französische Regierung zum Einspruch gegen die durch die bulgarischen Truppen verübten Erau- samkeiten auffordert, durch einen Brief erwidert, in dem es heißt:

Sobald di« französische Regierung durch die Berichte von Augen­zeugen und die Proteste der griechischen Regierung Kenntnis von den Tatsachen erhielt, hat sie nichts versäumt, um gegen die barba­rischen Praktiken, die keinerlei Krtegsnotwendigkeft rechtfertigen, aufzutreten und nicht aufgehört, die Aufmerksamkeit der bulgarischen Regierung darauf zu lenken, welche Verantwortlichkeit sie auf sich lüde, wenn sie die Greuel begünstige ober vorschütze, sie nicht zu kennen. Di« Regierung hat dem Legationsrat Du Halguet von der Gesandtschaft in Athen und dem Oberleutnant ßepibi Auftrag zu einer Untersuchung an Ort und Stelle Über die von Bulgaren an der wehrlosen Bevölkerung in Mazedonien verübten Ereueltaten gegeben. Der Bericht ist mit noch nicht zugegangen, aber ich habe Grund zu befürchten, daß er die Klagen, mit denen bi« öffentliche Meinung beschäftigt worden ist, bestätigen wird. Ich behalte mir vor, zu prüfen, welche Folge die Ergebnisse bei Untersuchung haben werden, deren Veröffentlichung zweifellos den wirft samsten Einspruch gegen die von den Bulgaren verübten Ereueltaten bilden werben. Uebrigens hat bie bulgarische Regierung ihrerseits zn wieberholten Malen Gewalttaten zur Anzeige gebracht, zu denen sich griechische und türkische Soldaten gegen die bulgarische Bevölkerung i» den von ihnen besetzten ober wiederbesetzten Gebieten hinreißen ließen. Daraus geht leider hervor, daß im Laufe des letzten Krieges all. Kriegführenden, welchem Volke sie auch angehörten, allzu oft die Gesetz« der Menschlichkeit durch Grausamkeiten verletzten, die weder der Wunsck des Sieges noch die Verzweiflung bet Niederlage rechtfertigen können?

Di« Mächte, Serbien und Albanien.

Belgrad, 18. Aug. Die Vertreter der Großmächte über­reichten gestern nachmittag dem Ministerpräsidenten Pasitsch di« Kollektivnote betreffend die endgültige Räumung Albaniens durch die serbischen Truppen, sowie betreffend den Schutz der Minori täten.

Ausbau der griechischen Marine unter englischer Leitung.

Saloniki, 18. Aug. Der griechische Marineminister Stra­tos teilte in einer Unterredung mit einem Vertreter des ,,Jnd6« pendant" mit, daß die technische Kommission von sechzehn englischen Marineoffizieren mit Admiral Kerr an der Spitze zusammen mit der Kommission der griechischen Offiziere das Programm für den umfassenden Ausbau der griechischen Flotte im Laufe längerer Jahre und für die Reorganisation aller Dienstzweige der Marine ausarbeiten werde. Als Leiter für die zu gründende Staatswerft werde der englische Oberst Raban von dem Arsenal in Quebec im September nach Athen kommen und sofort mit den Vorarbeiten beginnen. Dieser Flottenbasis würden sich Nebenstützpunkte füt die Kreuzer- und Torpedobootsflottillen anreihen.

e . >

Sofia, 18. Aug. Die serbische Regierung ließ der bulgari­schen vorschlagen, den direkten Bahnverkehr Belgrad- Sofia wieder zu eröffnen, was um so freudiger ausgenommen wird, als Rumänien die Bahnlinie Nustschuk-Sofia noch nicht frei­geben will.

Belgrad, 17. Aug. König Peter hat den Ministerpräst« denten Venizelos und Wukotitsch das Eroßkreuz des Weißen Adle« ordens verliehen, Penizel« und fein« Begleiter sind nach Saloniki abgereist. , . j