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1913
Erstes Blatt
gesprochen: „Ich schütze den Kaufmann.
Sein Feind
t st mein Feind.
So sprach der Kaiser im Rathaus von
europäischen Frieden darstellte.
den
König Manuels Vermählung.
Koloniales.
□ Ser Handel von Deutsch-Siidwestafrika im Jahr 1912. Zum ersten Male weist der Handel von Deutsch-Südwestasrika eine aktive Handelsbilanz auf. Für das Zahr 1912 übersteigt die Aus« fuhr der Kolonie die Einfuhr um rund 6,5 Millionen Mark. Di« Einfuhr beträgt 32 498 000 -ll, die Ausfuhr 39 035 000 M. Die vermehrte Ausfuhr ist in erster Linie auf die gestiegene Diamantausfuhr zurückzuführen. Es gelangten 202 633 Gramm (153 571 i V.) im Werte von 30 414 078 M (23 034146) zur Ausfuhr. Da- neben hat der Kupferbergbau einen nicht unwesentlichen Anteil an der gesteigerten Ausfuhr. Es wurden rohe Kupfererze im Werte von 6 293 408 «M (3 428 703) verschifft.
□ Rückgang der Bevölkerung in der Südsee. Die Reise durch Neumecklenburg, die Regierungsarzt Dr. Hoffmann ausführte, ergab einen auffälligen Rückgang der Eingeborenenbevölkerung. 184 Sterbefällen stehen nur 60 Geburten gegenüber. Hoffmann führt diese geringe Geburtenzahl auf die Interesselosigkeit der Eingeborenen am Nachwuchs zurück. Sie haben keine Kriege mehr zu fürchten, andererseits aber fürchten sie, daß die Arbeitskraft der Kinder den Weitzen zugute kommen würde. Hier hat also die lebensschwache Bevölkerung den Uebergang in andere Perhältnisie und die dadurch bedingte Lebensweise nicht ohne Nachteil ertragen können.
Exkönig Manuel von Portugal hält sich bekanntlich zurzeit mit seiner Mutter, der Königin-Witwe Amalie von Portugal, auf seinem Landsitze Abercorn-Richmond in England auf. Nach einem Telegramm aus London wird der Exkönig Manuel am Sonntag England verlassen und nach Sigmaringen reisen, wo schon in allernächster Zeit seine Vermählung mit der Prinzessin Viktoria Augusta von Hohenzollern-Sigmaringen stattfinden wird. Al- Vertreter des englischen Königshauses wird der Prinz von Wale» an den Ho^eitsfeierli^eiten teilnehmen. Unser Bild zeigt die neueste Aufnahme des Exkönigs auf seinem Landsitz in England. Von link» nach rechts: Fürst Wilhelm von Hohenzollern (Vater der Braut), Königin-Witwe Amalie von Portugal, Prinzessin Vik- [ toria Augusta und ihr Verlobter Exkönig Manuel. _ .
Deutsches Reich«
— Handwerk und Behörden. Berlin, 15. Aug. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „Auf dem am 12. August in Halle statt- gehabten Handwerks- und Eewerbekammertag ist von verschiedenen Seiten die schon oft gehörte allgemeine Behauptung aufgestellt worden, datz sich die ausführenden Behörden um die das Handwerk in wohlwollender Weise berücksichtigenden Verdingungserlasie nicht kümmerten. Wir erfahren, datz man an zuständiger Stelle auf Grund der Prüfung der bisher eingegangenen Beschwerden und nach den Ergebnissen eingehender örtlicher Erhebungen durch die Ministerialkommissare jene Behauptung nicht als berechtigt ansieht. Solche allgemeinen und durch Tatsachen nicht belegten Beschuldigungen der ausführenden Beamten sind nur geeignet, die guten Beziehungen zwischen dem Handwerk und den verdingenden Behörden zu trüben."
— Letzte Echulkreuzer-Ausreife. Wilhelmshaven, 15. Aug. Nachdem die drei Schulkreuzer „Hansa", „Viktoria Luise" und „Vineta" bereits zu Anfang dieser Woche ihre Winterauslandsreisen angetreten haben, hat die „Hertha" als letztes Schulschiff heute die Nordseestation verlassen, um nach der Ostküste von Amerika für die Wintermonate in See zu gehen. Die vier Kreuzer haben die im Frühjahr in die Flotte eingetretenen 286 Seekadetten und den Jahrgang 1912 der Schiffsjungen an Bord, die Mitte März 1913 wieder in Kiel zurückzuerwarten sein werden.
— Neues Torpedoschulschiff. Kiel, 15. Aug. Das ehemalige Linienschiff „Württemberg", das seit dem Jahre 1906 bei der Inspektion des Torpedowesens als Schulschiff Verwendung findet, ist an der Grenze seiner Brauchbarkeit auch für die Schulzwecke der Flotte angelangt. Als Ersatzschiff ist der Panzerkreuzer „Fürst Bismarck" bestimmt worden, der zuletzt dem Kreuzergeschwader in Ostasien als Flaggschiff diente und jetzt zum neuen Torpedoschulschiff umgebaut wird.
Ein Druck auf die Pforte? —
Pa r is, 15. Aug. Rußland hat eine Tätigkeit zu einem indirekten Druck auf die Pforte zur Räumung von Adrianopel begonnen. Der russische Minister des Aeutzern Sasonow ist an die Regierungen der fünf Großmächte herangetreten und hat ihnen vorgeschlagen, um von der Türkei die Räumung Adrianopels zu erzwingen, der osmanischen Negierung zunächst jegliche finanzielle Unterstützung zu verweigern. Rußland erkennt allerdings das Recht der Türkei an, die Forderung auf eine Prüfung der Grenzlinie Enos-Midia zu erheben, da es für sie ein Lebensbedürfnis ist, bessere Bedingungen zur Verteidigung Konstantinopels zu schaffen. Die französische Regierung hat sich, wie der „Petit Parisien" erklärt, bereits mit dem Vorschlags Sasonows bereit erklärt, die übrigen Großmächte stehen gegenwärtig noch im Meinungsaustausch mit Petersburg.
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Ausland.
** Der Legionär Hans Müller. Genf, 15. Aug. Die Berner Blätter beschäftigen sich noch fortgesetzt mit dem Fremdenlegionär Han, Müller, der in Saida erschossen wurde. Entgegen den Meldungen eines Berliner Blattes glaubt das „Berner Intelligenzblatt" die Spur des Legionärs gefunden zu haben. Es handele sich um einen gewissen Burki aus Worb (Kanton Bern) gebürtig, der seinerzeit in Frankreich unter dem Namen Johann Müller in die Fremdenlegion eingetreten sei. Er hat von Saida aus an seine Heimatsbehörde geschrieben und um seine Papiere gebeten.
** Putschversuche in Portugal. Lissabon, 15. Aug. Die Polizei be- schlagnahmte in einem alleinstehenden Schuppen in der Umgegend von Lissabon, zehn Dynamitpatronen, Pistolen, Revolver, Dolche und Armbinden mit den Buchstaben R. R. und mehrere Exemplare eines mit den Namen des revolutionären Zivil- und Militärkomitees gedruckten Manifestes, das Ioao Duarte unterzeichnet hat. Joao Duarte wurde gestern in der Umgegend Lissabons verhaftete, wo die Polizei gleichfalls verdächtiges Material fand.
Parlamentsschluß in England. London, 15. Aug. Das Parlament wurde heute mit einer Thronrede geschlossen In der es heißt: „Der kürzlich erfolgte Besuch des Präsidenten der französischen Republik in meiner Hauptstadt war eine Quelle grohrr Befriedigung für mich, und die Sympathiekundgebungen, zu denen sie Anlatz gaben, liefern eine neue Gewähr für die Fortdauer herzlicher Freundschaft, welche die beiden Länder verbinden. Die Konferenz der Delegierten der Balkanstaaten begann ihre Sitzungen im Frühjahr und wurde sich über bit Bedingungen be, Friedensvertrags einig. Ich bedauere es sehr, datz btt
Wochenschau.
Im Gegensatz zu früheren Jahren hat sich der Kaiser in letzter Zeit eine größere Zurückhaltung in Bezug auf Reden und Aeutzerungen in der Oeffentlichkeit auferlegt, ohne Zweifel mit deshalb, weil seine, oft vom Augenblick eingegebenen markanten Worte falsch gedeutet und in einer Weise ausgemünzt worden sind, die der Würde seiner Stellung geschadet hat. Zwar hat er auch in diesem Jahre wiederholt bei feierlichen Anlässen, so der Jahrhundert- und Jubiläumsfeier, das Wort ergriffen. Aber seine Ausführungen entbehrten immer der sich scharf abhebenden Wen- düngen, die man sonst in seinen Reden gewöhnt ist. Erst in dieser Woche hat er wieder einmal einen solchen prägnanten Satz aus«
Bedenkt man, datz die Haltung der Reichstagsfraktion in Sachen der Militärvorlage wieder scharfe Kritik erfuhr und den Abgeordneten von Rosa Luxemburg das Zeugnis ausgestellt wurde, datz sie die Fühlung mit den Massen vollständig verloren haben, während auf der gleichzeitig abgehaltenen Landeskonferenz der hessischen sozialdemokratischen Partei auf Antrag des Reichstagsabgeordneten Dr. David beschlossen wurde, dem Jenaer Parteitage die Annahme einer Resolution zu empfehlen, in der ausdrücklich die Zustimmung der Fraktion zu den beiden Besitzsteuergesetzen gebilligt wird, so hat man ein ganzes Bündel von Unstim- m i g k e i t e n beisammen, die zeigen, daß es mit der vielgerühmten Geschlossenheit innerhalb der sozialdemokratischen Partei zurzeit sehr faul aussieht. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie der Parteitag in Jena dieser weitgehenden Uneinigkeit Herr zu werden versuchen wird. Man darf sicher sein, daß es schließlich gelingen wird, die Unstimmigkeiten wieder zu beseitigen, da ja sowohl Radikale wie Revisionisten sich über das gemeinsame Ziel vollkommen einig sind.
Die erste Augusthälfte hat uns nun auch den Frieden auf dem Balkan gebracht, und wenn sich nicht das Wetterleuchten im fernen Osten und in der neuen Welt zu weiteren Kriegsgewittern erweitert, besteht die Möglichkeit, daß zur Freude von abergläubischen Leutchen das „Blutjahr" 1913 ganz friedlich zu Ende geht. Der Balkan dürfte sich eine geraume Weile wieder normaler Zustände erfreuen, soweit von solchen in jenen östlichen Erenzgegenden Europas überhaupt die Rede sein kann. Mag sein, daß über kurz oder lang Bulgarien die Hoffnung auf „bessere Tage" zu verwirklichen sucht; die Großmächte, die während der eben beendeten Umwälzungen unter einander den Frieden gewahrt haben, werden auch dann kaum die Frage der Zugehörigkeit irgend eines Streifen Landes auf dem Balkan als wichtig genug ansehen, um einen Weltkrieg zu entfesseln. Wenn noch die armenische und die Bagdadbahnfrage erledigt sind, so wird damit alles beseitigt sein, was im nahen Osten eine dauernde Quelle von Gefahren für
Lübeck. Das sind Worte, die in gleicher Weise den, der sie gesprochen, wie den, dem sie galten, ehren. Der Kaiser weiß sehr wohl, datz die Weltmachtstellung des Deutschen Reiches zu einem nicht geringen Teil der Pionierarbeit des deutschen Kaufmanns zu danken ist. Gewiß, diese Arbeit wäre nicht mit der Zuversichtlichkeit geleistet worden, die sie tatsächlich beseelte, wäre nicht der Früchte teilhaftig geworden, die sie geerntet hat, wenn sie sich nicht hätte stützen können auf die deutsche Wehrmacht, insonderheit die deutsche Kriegsflotte, das Kind feiner eignen Schöpfung, wie der Kaiser sie nannte, aber ohne die bedeutende Hilfe von Deutschlands Handel und Industrie wäre Deutschland auch gar Nicht in der Lage gewesen, eine Wehrmacht zu Wasser und zu Lande so gewaltig und achtunggebietend zu schaffen, wie wir sie heute besitzen. Es gereicht dem Kaiser zum Ruhme, den Wert des Kaufmannsstandes für die Machtstellung des Deutschen Reiches voll erkannt zu haben. In einer Handels- und Hansestadt hat der Kaiser gesprochen, also in erster Linie an den deutschen Kaufmann Im Auslande gedacht, von dessen Wohlstand und Wohlergehen das Ansehen Deutschlands zu einem erheblichen Teil abhängt. Der Handelsstand ist jedoch, ebenso wie die Landwirtschaft, ein geschlossenes Ganzes. Der deutsche Kaufmann im Auslande ist, will er erfolgreich konkurrieren können, auf den festen Rückhalt in der Heimat angewiesen, und der heimische deutsche Kaufmann hat nicht minder Anspruch auf Achtung, Ansehen und Schutz in dem Maße, wie er zu der Größe und Stärke des Deutschen Reiches beigetragen hat. Noch herrschen in vielen Kreisen freilich Anschauungen, die die kulturell bedeutende Tätigkeit des Handels unterschätze" v.T2T Mißverständnis und Verachtung des Gelderwerbes als solchen. Viele begreifen nicht, wenigstens was das öffentliche Leben angeht, daß Gelderwerb eben darum nichts Verächtliches ist und daß nur wenige — ob Glückliche, ist noch sehr fraglich — in der Lage sind, von dem, was frühere Geschlechter erworben haben, zu leben. Umso erfreulicher ist es, daß ein Kaiserwort auch dem Kaufmannsstand seine Ehre hat zukommen lassen, was einerseits zur Stärkung des Selbstbewußtseins und der Achtung der Mitmenschen nicht unerheblich beitragen mutz, andererseits der Bedeutung des Standes entspricht.
Einen breiten Raum in den politischen Betrachtungen der Woche nahm die Sozialdemokratie und die in ihr Herr» sch enden Zustände ein. Sie wurden naturgemäß noch erheblich erweitert durch den TodAugu st Bebels. Dieser trifft die Partei augenblicklich besonders hart, da in ihr Gegensätze von nicht zu unterschätzender Heftigkeit hervorgetreten sind. Vielleicht find es auch, abgesehen von seinem Alter, mancherlei unerfreuliche Erfahrungen gewesen, die dazu beigetragen haben, datz Bebel nicht mehr die Rolle in der Partei spielte, die er Jahrzehnte lang gespielt hat. Die unbedingte und unbeschränkte Autorität, über die er einst verfügte, ist mehr und mehr ins Wanken gekommen. Andere, jüngere Kräfte suchten die Führung an sich zu reitzen, und die Aufgaben und Interessen der Partei scheinen sich in Hader und Gezänk zu erschöpfen. Die deutsche Sozialdemokratie hat sich, man weiß nicht, ob mit Zustimmung oder gegen den Willen Bebel», vor eine schwere Entscheidung gestellt vor die Frage, ob auch in Deutschland der p o l i t if * Massenstreik Anwendung finden soll.
Rosa Luxemburg hat auf der Generalversammlung de» sozialdemokratischen Wahlvereins für Nieder-Barnim in einer Brandrede trotz aller Abmahnungen aus dem eigenen Lager zum Massenstreik aufgefordert und es bedauert, datz bei der letzten Anwesenheit des „Blutzaren" in Berlin und der Feier des Kaiserjubiläums nicht Kundgebungen veranstaltet worden sind, datz der Zar zeitlebens an die Tage in Berlin gedacht haben würde. Sie bedauerte ferner den Beschluß de» Metallarbeiterverbandstages, der den Ausstand auf den Werften mißbilligte. Der „Vorwärts" wieder tadelt die übereifrige Genossin und ihre Anhänger wegen Uehergreifens einer politischen Organisatton auf das Zuständigkeitsgebiet der Gewerkschaft. Im übrigen brauchen sich die Werftarbeiter über den Beschluß de» Verbandstages nicht so sehr zu beklagen. Grundsätzlich ist zwar das Vorgehen der Werftarbeiter verurteilt worden, aber der Druck der politischen Sozialdemokratie und der sozialdemokratischen Presse ist doch stark genug gewesen, um diesem Beschlüsse dadurch die Spitze abzubrechen, daß -den disziplinlosen Werftarbeitern eine Streikunterstützung zu- trkannt wurde. Formell bedeutet der Beschluß der Delegiertenversammlung wohl einen Sieg der Verbandsleitung, faktisch aber ist die letztere in der Hauptfrage, in der Frage der Streikunterstützung, unterlegen. Auf jeden Fall sind die Gemüter der Beteiligten stark erregt, und von einer Einigkeit über den Weg zu dem phantastischen Staat der Zukunft jst man entfernter denn f«,
Marburg
Sonnabend, 16. August
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B u k a r e st, 15. Aug. Der Ministerrat beschloß, daß die Ratifikation des Friedensvertrages von Bukarest demnächst durch ein königliches Dekret erfolgen soll und beauftragte Offiziere des militärgeographischen Instituts, die Festsetzung der neuen Grenzlinien zu beginnen.
Bandenkampfe.
S a l o n i k i, 15. Aug. Türkische Kavallerie-Abteilungen und Jnfanterietruppen sind in verschiedenen Ortschaften der Umgebung von Euemüldschina eingetroffen. In der Gegend von Vuk hatten die griechischen Truppen einen heftigen Kampf mit einer bulgarischen Bande, die viele Tote zurückließ. Auch eine Anzahl griechischer Soldaten wurde getötet oder verwundet.
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und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Vellage".