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(Fortsetzung folgt.)
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Marburg
Mittwoch, 13. August
„Papa — mein armer lieber Papa," sagte sie erschüttert.
Er strich ihr das Haar zärtlich aus dem Gesicht.
„Sieh nicht so traurig aus, meine Ruth. Ich werde mich schon daran gewöhnen, durchs Leben zu humpeln. Wenn ich nur erst das Bett, nicht mehr zu hüten brauche, dann kann ich doch wenigstens dich ei wenig entlasten, brauche dich nicht um jede Kleinigkeit zu bemühen. Und dann wird ja auch Mama zu bewegen sein, einmal länger als zehn Minuten bei mir auszuhalten. Zch habe so manches mit ihr zu besprechen. E». wird nun alles anders werden müssen bei uns."
„Darum sorg dich doch jetzt nicht, Papa. Er lächelte trübe.
„Die Sorgen kommen von selbst, ich rufe sie nicht."
Während er bekümmert vor sich hinsah, tönte die Wohnungsklingel in einer kurzen, scharfen Weise. Ruth schrak zusammen, sie rougte, so schellte nur ihr Bruder.
„Es ist Hans," sagte Steinbach lauschend.
„Za — er geht hinüber zu Mama. Wahrscheinlich glaubt er, dn schläfst. Zch will ihm gleich sagen, daß du munter bist."
Ehe er etwas entgegnen konnte, war sie aus dem Zimmer. Was wollte Hans schon heute? Kam er des Geldes wegen, war er so eilig? Sie wollte um jeden Preis verhindern, daß 'er mit dem Vater darüber sprach.
Hans stand noch auf dem Vorsaal vor dem Spiegel und bearbeitete sein gescheiteltes Haar mit zwei Bürsten.
„Tag, Ruth. Nun, wie geht es Papa?"
„Wie immer, Hans. Was willst du heute hier? Du wolltest doch erst morgen kommen,,, flüsterte sie..— Er zuckte die Achseln.
Zch hab es mir eben anders überlegt. Ist ja Unsinn, daß ich'» noch einen Tag verschiebe — sagen mutz ich's Papa hoch."
Sie faßte nach seinem Arm.
„Sag's nicht, Hans, ich bitte dich, schone Papa. Er ist jetzt so leicht erregt! Nur bis morgen warte noch, komm morgen abend her. Da ist Mama mit Ellen in der Oper. Sie haben Billetts bekommen von Arnheims, die verhindert sind. Vielleicht kann ich dir das Geld bis dahin verschaffen."
Er sah sie ungläubig an. Zn seinem hübschen Gesicht zuckte e» ungeduldig. i
„Dak Wie willst du zu soviel Geld kommen?"
„Das sollst du morgen hören. Jetzt schweig davon, ich bitte dich. Und nun komm mit hinein zu Papa, sag ihm ein liebes, gutes Wort,
dieser Verhandlungen vereinbart ist, daß sie nicht die Errichtung von Einflußsphären zum Gegenstand haben, sondern der Türkei die gemeinsame Beihilfe aller Mächte sichern werden, um ihre asiati- schen Besitzungen zu schützen, eine gute Regierung einzurichten. Grey antwortete auf die erste Frage bejahend Was die zweite und dritte Frage betreffe, so sei die Lage die, daß die Vertreter der sechs Großmächte in Konstantinopel in eine Erörterung der Erund- züge der Reform eingetreten seien. Aber er könne in einem so frühen Stadium der Beratung noch keine Mitteilung über die Art des Entwurfes machen. Er könne nur sagen, daß das Ziel aller Mächte genau in den letzten Worten der Anfrage beschrieben worden sei, daß sie nämlich nicht die Errichtung von Einflußsphären in dem türkischen Reiche zum Gegenstand haben. — Am Nachmittag sprach Sir Edward Grey über die Lage aus dem Balkan. Er teilte mit, daß die Botschafterkonferenz sich für die Ferien vertagt habe. Sie werde wieder zusammentreten, wenn es der einstimmige Wunsch der beteiligten Regierungen sei. Ihre Vertagung gebe keinen Grund zu irgendwelchen ungünstigen Schlüßen auf die Beziehungen der Großmächte untereinander. Grey sagte:
„Wir haben ein Stadium erreicht, wo
das europäische Konzert so sest begründet
ist, daß die bloße Tatsache der Vertagung keinen Zweifel an der Ee- sundheit und dem Wohlbefinden des Konzerts erregen wird. Was die ägäischen Istseln betrifft, so hat England durch seine Stellung im Mittel- meer ein besonderes Znteresie daran, daß keine dieser Inseln von einer. der Großmächte in Anspruch genommen oder behalten wird. Wir erziel-' ten darüber eine Verständigung. Keine der Großmächte wird eine der Znseln für sich behalten. Was die gegenwärtige Lage betrifft, so be- stehen zwei ernste und sehr schwierige Fragen, nämlich die schließliche
Entscheidung über Thrazien und Mazedonien.
Was Thrazien betrifft, so hat sich die türkische Regierung über den Frieden von London hinweMesttzt, der unter den Auspizien der Großmächte geschloßen war, und Tchrazien und Adriauopel beseht. Was. Thrazien und Adrianopel betrifft, jo haben die Mächte Vorstellungen in : Konstantinopel erhoben, daß die Enos—Midia-Linie im großen und; ganzen respektiert werden müße. Dabei ist jedoch jener Punkt zu be- ; rücksichtigen, den die Pforte für unerläßlich zur Verteidigung ihrer I Grenze erachtet. Eine gute Grenze kann aus der Grundlage des! Londoner Friedens geschaffen werden, aber der Besitz Thraziens und, Adrianopels würde nach begründeter Auffaßung nur die Finanzen der । Türkei mehr belasten und würde jedenfalls für sie eine dauernde i Schwächung bedeuten. Di« englische Politik gegenüber der Türkei ist. die türkische Herrschaft und Integrität in ihrem asiatischen biet und in dem Gebiet jenseits der Enos—Midia-Linie zu konsolidierer.> und zu sichern. Diese Politik hängt aber von dem guten Willen bec übrigen Großmächte ab. England allein kann diese Politik nicht ersolg- reich durchführen, denn viele andere Mächte haben auch Znteresien in der asiatischen Türkei. Was geschehen kann, muß auf Grund a l l g e« ; meiner Zustimmung geschehen. Der gute Wille der Großmächte kann aber nicht erreicht werden, wenn die Türkei ihren Rat betreffend Adria-; nopel und Thrazien nicht befolgt. Was den j
Frieden von Bukarest j
betrifft, so glauben wir, daß, wenn überhaupt eine Einmischung der j Mächte stattfinden soll, es nur ein Minimum von Einmischung sein würde. Der Friede sollte als rechtskräftig betrachtet werden, abge- 1 sehen von etwaigen Modifikationen in besonderen Punkten, die bestimmte Mächte zu machen wünschen, deren Intereßen stärker in Frage kämen, als unsere eigenen. Niemand bestreitet das Recht irgend einer Großmacht, Punkte heroorzuheben, die nach ihrer Leberzevgung modi-, fiziert, das heißt einer Erörterung unterzogen werden müßen. Aber man •' muß sich vergegenwärtigen, daß, wenn eine Macht die Revision eines Punktes vorschlüge, möglicherweise andere Mächte die Revision anderer; Punkte vorschlagen würden. Es wäre zwecklos, Modifikationen vorzu-; schlagen, wenn die betreffenden Mächte nicht bereit wären, ihren Willen
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Hans — rr ist |» elend."
(Nachdruck verboten.)
Friede Cörrensen.
Roman von H. Courths-Mahler.
(Fortsetzung.!
„Wenn es dir recht ist, gehe ich nachmittag zu ihm, Mama."
„Za natürlich, sehr recht, llnd du mußt auch mit ihm verhandeln, Ruth.^ Zch kann mich mit solchen Leuten nicht befaßen. Er würde mich auch Übervorteilen, ich kann nicht feilschen. Aber in dir steckt so ein Stück Kaufmann von meinen Vorfahren her. Du wirst die Sache am besten führen. Nur sieh zu, daß es schnell geht, ich brauche so nötig Geld. Hörst du, Ruth?" .
„Za. Mama, llnd da will ich dir auch gleich sagen, daß Hans notwendig dreihundert Mark braucht."
Lizzi Steinbach fuhr unangenehm überrascht auf.
„Hans? Schon wieder! Nein, daraus wird nichts, dafür kann Papa sorgen, das geht mich nichts an. Zch brauche notwendig ein neues Kostüm, Ellen und du, ihr müßt neue Hüte haben, und auch sonst fehlen mir allerhand Kleinigkeiten, mit denen ich Papa jetzt nicht kommen kann"
„Ach, Mama — ich brauche wirklich noch keinen Hut."
„Unsinn — willst du durchaus durch deinen Anzug dokumentieren, daß es bei uns am Nötigsten fehlt? Da bekommt ihr erst recht keine Männer. Widersprich mir nicht immer. Hans mag sich an Papa wenden. Zch bin froh, daß Ellen den Fund gemacht hat. Du sogst Papa kein Wort davon, sonst machst du mich böse. Und nun sieh hier oben gründlich nach, was man verkaufen kann. Gott — damals habe ich nicht leiden wollen, daß dies Gerümpel vom Speicher meines Elternhauses zu uns geräumt wurde. Es schien mir so wertlos. Und heute bin ich froh, daß ich ein paarMark daraus lösen kann. Ach — wie grausam ist das Schicksal mit mir versahren. Womit hab ich all das Elend verdient?"
Sie seufzte herzbrechend auf und stützte sich auf Ellens Arm.
„Komm, Kleinchen, führe mich hinunter. Zch kann diese staubige Luft hier oben nicht vertragen. Beeile dich, Ruth, damit du zu Tisch unten bist, hörst du?"
„Za, Mama!"
Es klang tonlos von Ruths Lippen, und ein herber Zug legte sich Nm den jungen, seingeschnittenen Mund.
Ellen schnitt ihr beim Gehen Über die Schulter zurück eine ärgerlich«
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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Krrchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwittschaftliche Beilage".
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Eine Revision des Bukarester Friedens anfgeßeben.
Rußland hat nachgegeben. Es will nur noch einen Meinungsaustausch der Großmächte über die Kawallafrage. Vermutlich wäre ihm der mögliche Verlust der französischen Freundschaft unangenehmer als dieses Zugeständnis. In Paris beeilt man sich festzustellen, daß die Beziehungen Frankreichs zu Rußland niemals herzlicher seien als jetzt. Gestern las mans anders. Die deutsche Regierung legt nochmals ihre Gründe des Widerstands gegen eine Revision des Friedensvertrages dar. Aus Sir Edward Greys Rede im ll"<^baus darf man herauslesen, daß England derselben Meinung . - ie Deutschland. Rur Oesterreich-Ungarn beharrt noch nach x. ’boi darauf, daß eine Revision notwendig sei und beruft sich dabei auf das Rationalitätsprinzip. Der deutsche Standpunkt, daß ein Eingehen auf die bulgarischen Wünsche eine Gefahr für den mühsam erreichten Frieden bedeute, ist zweifellos richtig:
K ö l n, 12. Aug. Die „Köln. Ztg." meldet aus Berlin: Rach Budapest sollen aus Berlin Meldungen gelangt sein, nach denen In Berliner amtlichen Kreisen der Widerstand gegen die Revisionspolitik gewißermaßen zurückgetreten sei. Dieser Ausdruck ist irreführend. Deutschland kämpft in der Frage der lleberprüfung nicht gegen andere Mächte; aber es nimmt nicht an den europäischen Versuchen zur Abänderung des Bukarester Vertrages teil. Es verhindert dadurch ein europäisches Vorgehen gegen das mühevoll zustande gebrachte Friedenswerk. Deutschland beteiligt sich nur an solchen Erörterungen der Mächte, die der Absicht dienen, dem Vertrage die Z u st i m m u n g Europas zu sichern. Eine Gegnerschaft gegen Bulgarien ist nicht im Spiele. Aber wie die Dinge jetzt liegen, laßen sich die bulgarischen Wünsche nicht ohne Gefährdung des Friedens verwirklichen.
Rußland und Frankreich.
P a r i s, 12. Aug. Die russische Regierung hat den Gedanken an eine lleberprüfung des Bukarester Vertrages durch eine neue Konferenz aufgegeben. Sie befürchtet, wie der „Figaro" meldet, daß bei dieser Konferenz die ganze Balkanfrage von neuem aufgerollt würde. Sasonow fordert nur noch einen Meinungsaustausch der Großmächte über die Kawallafrage.
Paris. 12. Aug. Die „Agence Havas" veröffentlicht folgende Rote: Der Augenblick scheint uns gekommen zu sein, die widersprechenden Nachrichten über die Haltung der Regierungen von Frankreich und Rußland in der Kawallaangelegenheit klarzustellen. Keine von beiden verlangte jemals von dem anderen das Opfern seines Standpunktes. Beide teilten aneinder regelmäßig ihre Ansichten mit. Rußland wußte, daß Frankreich dafür war, Kawalla, eine griechische Stadt, an Griechenland zu geben. In Frankreich war der Wunsch Rußlands nicht unbekannt, diesen Hafen am Aegäischen Meere Bulgarien zu sichern. Die beiden Regierungen wußten, daß keine von ihnen ihrer Meinung solche Wichtigkeit beimäße, daß sie von ihren Verbündeten das Opfer seiner Neigungen hätte fordern müßen, da die Tendenzen der allgemeinen Politik der Mächte und die Tatsachen sie dahin führen mußten, sich auf eine der.Lösungen zu einigen. 'Da die Frage der Revision heute negativ entschieden ist, ist es nicht mehr an der Zeit, auf die Angelegenheit einzugehen. Sicher ist, daß die Beziehungen zwischen beiden Ländern niemalsherzlicher waren, als in diesem Augenblick. -
Oesterreich-Ungarn.
Wien, 12. Aug. Gegenüber der Behauptung der französischen Preße, daß der Bukarester Friedensvertrag das Gleichgewicht auf dem Balkan verbürge, erklärt das „Neue Wiener Tagebl.":
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„Das unablässige Streben Oesterreich-Ungarns für eine verläßliche Balkanordnung bedeutet eine ausgesprochene Zntereßenpolitik. Wie sollte Oesterreich-Ungarn seine politische und. ökonomische Wirtschaft einrichten, wenn es immer das Emporschlagen neuer Flammen in der Nachbarschaft befürchten müßte!" Das Blatt weist den Vorwurf zurück, daß in OesterreichsHaltung in der Revisionsfrage antiserbische Tendenzen, die Absicht einer Schwächung Griechenlands und eine Feindseligkeit gegen Rumänien zu erblicken seien und schließt: „Wir halten an unfern vor Beginn der Krisis verkündeten Prinzipien fest, die in der Forderung einer dauernden Neuordnung auf dem Balkan gipfeln. Es ist unrichtig, daß wir mit unserm Verharren auf einer solchen Politik Konflikte über Europa heraufbeschwören. Es wäre um Europa traurig bestellt, wenn man sogleich Konflikte befürchten müßte, sobald ein Staat sich anschickt, eine Politik zu machen, die ihm die dauernde Ruhe an der Grenze sichern soll."
B u d a p e st, 12. Aug. Der „Pester Lloyd" veröffentlicht eine Wiener Information, nach der die Notwendigkeit einer Revision des Bukarester Friedens damit begründet wird, daß der Friedensschluß die wichtigsten Momente der Raßeverteilung in Mazedonien außer Acht läßt. Europa habe nur die Wahl zwischen einer Revision, welche die härtesten ethnischen Ungerechtigkeiten wieder gut macht, und fatalistischer Erwartung eines neuen Balkankrieges.
An di« Schöpfer Groß-Serbiens.
Belgrad, 12. Aug. Der Armeebefehl des Königs vom 11. August lautet:
„Helden! Gestern wurde zu Bukarest der Friede geschloßen. Durch den Frieden ist auch unsere neue Grenze gegen Bulgarien festgesetzt worden. Diese schließt außer den im Kriege gegen die Türkei eroberten Gebieten auch den wertvollen Teil Mazedoniens ein, in dem sich die wichtigen Orte Egri Palanka, Kratowo, Kotschana, Jschtip, Radowischta, Petschewo, Tsarevo Selo und Dorian befinden mit einem bedeutenden Teil des Doiransees. Helden! Durch das Blut, das Ihr vergoßen, durch Euer Heldentum, Eure Selbstverleugnung und Eure ruhmreichen Siege habt Zhr erreicht, daß Serbien einen Zahrhunderte alten Wunsch erfüllte. Es nahm Rache für Kofsowo und wusch den Flecken von Sliwnitza ab. Zhr habt die Opfer gerechtfertigt, die das Volt freiwillig um dieses Krieges willen ertrug, habt meine Hoffnungen gerechtfertigt und die Hoffnungen Eures Oberbefehlshabers. Ihr habt es bewirkt, daß Serbien ruhmreich dasteht und in der ganzen Welt Anerkennung fand. Zhr, mein glorreiches heldenhaftes Heer, seid der Schöpfer der neuen Grenze Eroßserbiens. Helden! Bald werde ich meinen Befehl zur Demobilisation folgen laßen. Aber trotz der Freude, daß Zhr zu Eurem Herd znrückkehrt, krampft sich mein Herz zusammen bei dem Gedanken, daß zahlreiche Familien ihre teuren Helden nicht Wiedersehen werden, die aus dem Schlachftelde gefallen sind. Unsterblicher Ruhm ziert die Helden, die auf dem Felde der Ehre gefallen sind. Sie vergoßen ihr Blut und gaben ihr Leben für das Glück und die Größe des Vaterlandes. Und Ihr, Zhr Helden, dje Zhr alle Anstrengungen der Kriege überlebt und alle Hinderniße überwunden habt, Ihr werdet zu den Euren zurück- kehren, um Cure Arbeiten fortzusetzen und Euch auf Euren Lorbeerkränzen auszuruhen. Es lebe meine mutige, unbesiegbare Armee!"
Diese achtfache Bestätigung des Heldentums genügt selbst für serbische Verhältniße. Aber eigentlich ist doch Fastnacht vorüber.
Sir Edward Grey über die Lage auf dem Balkan.
London, 12. Aug. Im Unterhaus richtete Barran eine Reihe Fragen an Sir Edward Grey. Er fragte erstens, ob die Türkei den Mächten kürzlich freiwillig Vorschläge betreffs der Verwaltungsreform in Armenien gemacht habe, zweitens, ob England zu diesen Vorschlägen Stellung genommen, drittens, wieweit die Verhandlungen unter den Mächten im Hinblick auf die allgemeine Reform der asiatischen Türkei gediehen seien, ob als Grundlage
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Ertmaße. Sie war noch wütend, daß Ruth ihr die heimliche Beute entrißen hatte.
Ruth stand eine Weile reglos und starrte in Gedanken verloren vor sich hin. Dann strich sie aufatmend das lockige braune Haar aus der Stirn. Ein entschloßener Ausdruck legte sich um ihren Mund. Noch einen prüfenden Blick ringsum, dann ging sie hinaus und schloß den Speicher hinter sich ab.
4. Kapitel.
Nachdem Ruth von ihren Händen und dem Anzuge jede Spur des Staubes entfernt hatte, bettat sie leise das lange, schmale Zimmer, in dem das,Krankenbett ihres Vaters stand.
Fritz von Steinbach richtete den Kopf empor.
„Bist du es, Ruth?"
Sie eilte an seine Seite.
.Schon wieder wach, Papa? Zch hoffte, du würdest länger schlafen. Wartest du schon lange auf mich?" sagte sie. sich zärtlich Über ihn neigend.
„Ich bin eben erst aufgewacht, Kind. Warst du ein wenig im Freien? Du kommst so wenig hinaus jetzt."
„Nein, ich war nicht draußen. Aber nach Tisch, wenn du wieder ruhst, gehe üch ein Stündchen. Zch habe ohnedies einen Weg für Mama zu besorgen."
„Das ist recht, mein liebes Kind. Wo ist Mama?"
„Drüben im Salon."
Steinbach wischte mit der Hand über das schmalgewordene Gesicht. Dann sah er mit einem großen stillen Blick empor in das junge Antlitz seines Kindes.
„Morgen will ich versuchen, das Bett zu verlaßen, Wenn du mir den Lehnstuhl dichten das Bett rückst, kann mich der Bursche wohl hineinheben." ~
Ruth kämpfte mühsam die aufsteigenden Tränen herab. Sie zwang sogar ein Lächeln in ihr Gesicht.
„Es wird sehr gut gehen, Papa. Und der Arzt sagt, bald kannst du dich dann selbst im Zimmer bewegen, wenn du dich auf einen Stock stützest." .
Ein bitteres wehes Lächeln umzuckte seinen Mund.
„Eine herrliche Aussicht, fürwahr! Vom Bett bis zum Divan — wenn es hoch kommt, bis zu meinem Schreibtisch dort am Fenster — wirklich — es ist um —"
Er brach jäh ab, als er in Ruths blaßes zuckendes Gesicht (oh. Sie umfaßt« ihn mit leidenschaftlicher Innigkeit, ..... - -
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Iie „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertaae. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durct. die Post 2.25 M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. — Verlag von Dr. C. Hitzeroth. — Druck der Univ.- Buchdruckerei Z. A. Koch (Znh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
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