mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Jto IRK die Post 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M *,=* fiel ins Haus. — Verlag von Dr. E. Hitzeroth. — Druck der Univ.-
1913
Buchdiu-erei I. A. Koch lZnh. Dr. T. tzitzeroch». Markt 21. Tel. 55.
Ellen lacht«
Marburg
Montag. 11. August
fällig kam ich hinauf. Und da steht noch eine Menge Kram herum, von dem Mama sicher gar nichts mehr weih. Ich glaube, das stammt alles noch aus Mamas Elternhaus«. Ulkige alte Bilder in breiten Eold- rahmen sind dabei und eine Truhe mit alten Decken und Portieren. Siehst du, vor Langerweile kramte ich da neulich ein wenig herum, ich suchte nach Lektüre für mich. Alte Bücher sind auch noch da oben. Und da kam mir plötzlich ein famoser Gedanke. Am Nachmittag ging ich zu einem Althändler und verkaufte ihm ein Paket Bücher. Du — die waren gräßlich schwer. Zwanzig Mark hat er mir dafür gegeben. Und die Bilder und die alte Truhe will er auch kaufen, wenn er sie gebrauchen kann. Er will gern Herkommen und sich alles ansehen. Aber natürlich hab ich ihm unsere Adresse noch nicht gesagt, ich wolUe doch erst mit dir sprechen. Du bist auch viel praktischer und bekommst sicher mehr für die Sachen als ich. Nun sag doch selbst, ist das nicht sein? Die Eltern wisien doch längst nichts mehr von den alten Sachen, sonst hätte Mama sie schon zu Geld gemacht. Wenn wir es klug anfangen, brauchen wir nichts davon verraten und verschaffen uns auf diese Weise ein hübsches Taschengeld. Wir machen natürlich halbpart, Ruth. Einverstanden?" Ruth hatte erregt zugehört. Nun trat sie dicht an den Diwan heran und sah zürnend auf die Schwester herab.
„Pfui Ellen! Schämst du dich nicht?" .
Ellen machte ein böses Gesicht.
„Gott, hab dich doch so. Was gibt es denn da zu entrüsten? Ob der Plunder vergessen da oben steht und vollends von den Motten zerfressen wird, oder ob wir ihn zu Gelde machen. Das ist doch gleich."
„Der Plunder gehört nicht dir, sondern den Eltern, du hattest kein Recht, ohne deren Wisien etwas zu verkaufen. Auf keinen Fall durftest du das Geld für dich verwenden. Hättest du es wenigstens benutzt, um für Papa die nötigen Stärkungsmittel anzuschaffen."
Ellen zuckte ärgerlich die Schultern.
„Lieber Himmel, Papa wird doch nie mehr ganz gesund, der Arzt hat gesagt, daß er den Abschied nehmen muß. Und Mama hat es gestern selbst ausgesprochen, daß Papa uns in Zukunft nur eine schwere Last sein wird."
Ruth zuckte erbleichend zurück. .
„Ellen — weißt du wohl, wie herzlos du bist?"
„Herzlos? Das ist Unsinn, ich sehe nur das Leben ohne Illusion. I Denkst du, mir ist es gleich, daß aus meinem hübschen, stattlichen Papa I ein hilfloser Krüppel geworden ist. Hab ich mich nicht halbtot geweint, als sie ihn nach diesem gräßlichen Sturz mit dem Pferde wie leblos nach Hause brachten? Du hast dabeigestande« wie ein Steinbild,
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Der Kaiser ttt Rostock und Lübeck.
Zur Feier des 125jährigen Bestehens des mecklenburgischen Füsilierregiments Nr. 90 Kaiser Wilhelm traf der Kaiser und das Gefolge am Sonntag morgen um 11 Uhr in Rostock ein. Zu dem Feldgottesdienst hatte das Regiment auf der Wallpromenade Aufstellung genommen. Um 11 Uhr trafen die Großherzogin, dtd Großherzogin-Mutter Anastasia, die Kronprinzessin mit ihren beiden ältesten "Söhnen sowie die Herzogin Marie Antoinette ein und nahmen im Kaiserzelt Platz. Der Earnisonprediger Pastor Timm hielt darauf eine Ansprache über das Thema „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben". Im Anschluß daran führte er aus, wie das Füsilier-Regiment Nr. 90 „Kaiser Wilhem" allezeit dieses Wort zu seinem Grundsatz gemacht habe. Am Schluß sagte er: „Wir gehen, wohin wir geschickt werden. Wir richten aus, was uns befohlen wird. Soll es fein: jauchzend ziehen wir hinaus in Not und Tod, mit dem Willen zum Sieg, bis in den Tod treu. Das geloben wir in dieser Stunde aufs neue unserem teuren Eroßherzog und Herrn, unserem in Ehrfurcht geliebten Kaiser." Der Kaiser erwiderte mit kurzen Worten des Dankes.
Um 1 Uhr trat der Kaiser eine Rundfahrt durch die Stadt an, die ihn zur U n i v e r s i t ä t führte. Zn der Aula hatte der Lehrkörper Aufstellung genommen sowie die Chargierten der studentischen Verbindungen in Wichs mit Fahnen und gezogenen Schlägern. Der Kaiser, der in Begleitung des Eroßherzogs erschien, wurde von dem Rektor mit einer'Ansprache empfangen, in der dieser etwa folgendes sagte:
„Eurer Majestät danken der Lehrkörper und die Studentenschaft für die Gnade des Besuches. Wir können uns nur dadurch dankbar erweisen, indem wir Eure Majestät bitten, die schönsten und besten Schätze unseres Archivs und unserer Bibliothek in Augenschein nehmen zu wollen. Unsere Universität, die drittälteste des Deutschen Reiches, wird in sechs Jahren ihr 500jähriges Jubiläum feiern. In den 25 Jahren, in denen Eure Majestät uns den ehrenvoll erhaltenen Frieden beschert haben, stieg die Studentenzahl von 340 auf 1005. Der Friede ist unerläßlich für die Wissenschaft. Er schafft ideale und wissenschaftliche Werte und erzieht, wenn auch nicht elw-krtegrUchigeSj-f» doch rin kriegsstarkes Geschlecht. Die Universität trug vor 100 Jahren mächtig zur Erhebung des deutschen Volkes bei. Von Rostock aus fand unser Landesherr starken Beistand, als er als erster wagte, dem fremden Eroberer den Rücken zu kehren und sich an die Spitze der Preußen zu stellen. Auch 1870 stellte Rostock die meist en Kämpfer, Aerzte und Krankenpfleger von allen Universitäten. Darum sei ihr vergönnt, heute in der Aula dem Kaiser zu huldigen. Der Förderer des Friedens und der Wisienschaft, Seine Majestät der Kaiser hoch, hoch, hoch!"
Der Kaiser erwiderte:
„Ich freue mich außerordentlich, meinen Fuß in die Aula dieser ehrwürdigen Universität haben setzen zu können. Wir haben gerade jetzt 100 Jahre hinter uns, seit der Zeit, wo die Wiedergeburt und Wiedergenesung des Volkes Preußens und des ganzen deutschen Volkes einsetzte, das den Fuß des korsischen Eroberers von seinem Nacken abschüttelte. Bei der aufblühenden Begeisterung, die damals das ganze Volk ergriff, war die studentische Jugend
in erster Reihe, und ich hoffe, daß dieser Gei st auch noch heute lebendig i st. Wenn wir an jene Zeit zurückdenkcn, so treten vor allem zwei Bilder vor unsere Augen: das große Bild des Feldmarschalls, desien Standbild hier vor der Universität steht und das Bild der Königin Luise. Warum? Ich glaube, der Grund ist der, weil beide, die hochselige Königin und mecklenburgische Prinzessin, und der Feldmarschall Gebhard Lebrecht v. Blücher die einzigen waren, die damals, als unser Vaterland zusammenbrach, unter der Uebermacht der Korsen, nie daran gezweifelt haben, daß er zu Fall zu bringen sei. Die Königin
ist mit der Hoffnung gestorben, der Feldmarschall hat die Hoffnung in die Wirklichkeit Übergesetzt. Wir wisien, daß er der Träger und die Seele der Bewegung war, daß er immer von dem einen Gedanken beseelt war, den Korsen niederzuwerfen, der Deutschland so gedemütigt hatte. Diese Bilder möge unsere Jugend immer vor Augen haben, und wenn sie sich auch in die klaren Gewäsier der Wisienschaft vertieft, so soll sie doch auch den
Blick auf die Gegenwart richten können.
Rostock liegt nicht weit von der See, und der Blick über das Wasier auf die allgemeine Weltgeschichte schärft unser Auge für die Aufgaben der Gegenwart. Das mögen die Herren den jungen Studenten zu EemÜte führen. Wir brauchen Männer für unsere Zeit und dazu möge Gott seinen Segen geben."
Der Kaiser besichtigte darauf nach der Vorstellung der Pro- fesioren die Urkunden und das alte Szepter der Universität. Um %2 Uhr fuhr der Kaiser nach Lübeck ab, wo er nach V26 Uhr eintraf. Der Kaiser fuhr in Begleitung des Bürgermeisters nach der Marienkirche. Dort fand eine musikalische Aufführung statt. Von der Marienkirche aus begab sich der Kaiser mit Begleitung zu Fuß nach dem Rathaus.
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hast keine Träne vergasten und bist mit Seelenruhe davongegangen, ihm das Lager zu richten. Nicht um die Welt hätte ich's gekonnt. Während Mama und ich einer Ohnmacht nahe waren, hast du keinen Augenblick deine Ruhe verloren. Schilt du mich nur nicht herzlos. Und dabei rj dir Papa noch von uns allen der liebste. Was aus uns wird, aus Mama mir und Hans, das kümmert dich keinen Augenblick. Für dich existier eben nur Papa und wieder Papa, weil er dich strafbar vorzieht. Jo wohl _ er ist ganz vernarrt in dich, deshalb hältst du bloß zu ihm. 3< aber halte zu Mama, daß du es nur weißt."
Ruth preßte die Lippen fest aufeinander und sah entsetzt in Ellen« schönes ärgerliches Gesicht. Dann sagte sie leise, mit verhaltene.
Unterzeichnung des Friedensvertrages.
Bukarest, 10. Aug. Heute vormittag lO^ Uhr wurde in der Schlußsitzung der Friedenskonferenz der Friedensver - trag unterzeichnet. Geschützdonner und Glockengeläuts begleiteten den Akt. Die Stadt ist beflaggt. Um 11 Uhr drückte Venifelos namens der Konferenz dem Ministerpräsidenten Majo- rescu die einmütige Dankbarkeit für die Unparteilichkeit, den Takt und die weisen Ratschläge, die er den Delegationen in den Sonderkonferenzen gab, aus und fügte hinzu, daß der Name Majorescus mit tiefer Dankbarkeit und Hochachtung von allen Völkern ausgesprochen werden würde, denen der Vertrag von Bukarest endlich den Frieden gab. Die Konferenzmitglieder stimmten zu. Majo- rescu dankte bewegt, verteilte aber das Verdienst auf alle Delegationen, deren versöhnlicher Geist ihnen ein Anrecht auf die Dankbarkeit ihrer Völker gab. Er erklärte dann die Versammlung offiziell für geschlossen. Die Konferenz wird am nächsten Dienstag zum letzten Mal zusammentreten, um untergeordnete Förmlichkeiten zu erledigen und das Schlußprotokoll verlesen zu lassen.
B e l g r a d, 10. Aug. Anläßlich der Unterzeichnung des Friedens ist die Stadt beflaggt. Das Armeekommando trifft Vorbereitungen für die allmähliche Durchführung der Demobilisierung.
Eine vergebliche Bitte König Ferdinands.
Paris, 9. Aug. Der „Eaulois" meldet, König Ferdinand habe kurz vor dem mündlichen Abschluß des Friedensvertrages alle Staatsoberhäupter telegraphisch um ihre Unterstützung im Hinblick auf eine Revision der Bukarester Bestimmungen gebeten und gegen die Regelung der Kawalla-Frage zugunsten der Griechen Einspruch erhoben. Frankreich, England und Deutschland hätten alsbald geantwortet, daß sie keine Möglichkeit sähen dem Wunsche König Ferdinands Folge zu geben, da einerseits die Bulgaren selbst dem Opfer zugestimmt, andererseits die drei Mächte dem Grundsatz „Der Balkan den Balkanvölkern" treu bleiben wollten. Uebrigens sei die Bevölkerung von Kawalla der Mehrheit nach Griechen, so daß die Stadt logischerweise Griechenland zufallen müsse.
Telegrammwechsel zwischen Kaiser Wilhelm und König Karol.
B e r l i n, 9. Aug. Zwischen dem Deutschen Kaiser und dem
(Nachdruck rertcterj
Friede Sörmisen.
Roman von H. C 0 u r t h s - M a h l e r.
(Fortsetzung.)
„Ich möchte es herzlich gern nicht nötig haben, dir Moralpauken zu halt.'n, glaub es mir, Ellen. Aber ich begreife nicht, wie du es fertig bringst, Geld für Näschereien und wertlose Romane auszugeben, da du doch ganz genau weißt, daß es bei uns am nötigsten fehlt. Papa braucht so notwendig stärkende Weine und kräftige Spei en, wenn er sich erholen soll."
,,^a doch —, aber ich hab auch Hunger. Bei Tisch wird man kaum noch satt. Mama knausert unerhört."
„Du übertreibst. Zum Sattwerden reicht es noch immer, wenn aRama sich auch sehr ein richten muß. Geliehen bekommen wjr eben nichts mehr feit Papas Unglück. Zu Leckereien reicht es freilich nicht!"
roaMaftiß> wir essen wie Proletarier in letzter Zeit. Wenn man sich da nicht mal ab und zu eine kleine Näscherei leisten könnte, wäre es zum Davonlaufen," sagte Ellen seufzend.
„Wo hast du das Geld dazu wieder her, Ellen?" frug Ruth bekümmert.
Diese blickte unsicher zu ihr auf. Dann machte sie ein reizendes Schelmengesicht und bot Ruth den Karton mit Pralinees.
»Da, Ruth, nimm dir davon," bat sie schmeichelnd.
Ruth schüttelte den Kopf.
■’ nur — ich danke. Ich mache mir gar nichts daraus."
„Nimm doch,' drängte Ellen. „Ich verrate dir dann auch meine famose Geldquelle."
»Die wirst du mir auch ohnedies verraten müssen, denn daß du das «Seid zu derartigen Dingen nicht von den Eltern erhältst, ist sicher."
Ellen stellte seufzend ten Karton wieder unter den Diwan, wo sie Ihn vorhin hervorgeholt hatte.
« ,,ßl.e?.et "un beginnt die heilige Inquisition. Da hilft
alles nichts, ich muß beichten, eher gibst du keine Ruhe. Aber erst ver-
•tm. «mi1’ "u $K°ma und Papa nichts von den Pralines verraten WlU|t.
„Du weißt, daß ich nie klatsche."
Ellen erhob sich halb aus ihrer liegenden Stellung und stüzte sich auf den feinen schlanken Arm. Dann flüsterte sie:
Ruth — oben auf dem Speicher bin ich gewesen. Ganz zu
Stimme: „ . ..
Wenn ich glauben müßte, du empfändest wirklich so, rote du dl, jetzt "im Aerger den Anschein gibst — es wäre furchtbar." Ellen lacht« halb ärgerlich, halb verlegen. .
Du bist eine sentimentale Närrin, Ruth. Natürlich brauchst du meine Worte nicht auf die Eoldwage zu legen, du weißt, im Aergei
rede ich manches unüberlegte Wort."
Eine Pause entstand. Die Schwestern sahen in Gedanken versunken vor sich hin. Endlich fuhr Ellen schmeichelnd fort:
Sei doch nicht eklig, Ruth. Laß uns doch die Sachen heimlich ver- kaufen. Den Eltern hilft es auch nicht, und wir haben ein bißchei Taschengeld. Schließlich kommt es doch Mamas Haushaltstage iugute, wenn wir mal in eine Konditorei gehen. Hans können wir ja am Ende auch etwas abgeben, damit et den Eltern eine Weile mit keinem Ertra- anliegen kommt." „ r. .
Ruth wandte sich mit einet mutlosen Gebärde der Schwester wieder zu. u . . ..
.Nein, noch heute erfährt Mama von den Sachen, ^zch werde letzt hina'ufgehen auf den Speicher und mit die Sachen ansehen. Nachmittag können wir dann den Althändler bestellen. Während ich oben bin, kannst du Mama selbst von deinem Funde Mitteilung machen. Das einzige was ich dir zugestehen kann, ist, Mama nichts von den bereits erbeutete zwanzig Mark zu sagen. Da Mama sich nicht gern persönlich mit solchen Leuten befaßt, werde ich selbst mit dem Althändler unterhandeln, bann erfährt sie nichts von den verkauften Büchern."
Ellen erhob sich und machte einen spöttischen Knicks. ,
„Da soll ich wohl auch noch Dank sagen, daß du nicht klatschen wirst'
„Nein, ich beanspruche keinen Dank," erwiderte Ruth mit eine», traurigen Ausdruck in den Augen. Dann ging sie hinaus.
lFortsetzung folgt.)
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und ..Landwirtschaftliche Beilage"
König von Rumänien wurden anläßlich des Friedensschlusses fok» gende Telegramme gewechselt:
Bukarest. Nach Ueberwindung von bedeutenden Schwierig» teilen ist der Friedensschluß gesichert, der dank Dir ein definitiver bleibt. In diesem für meine Regierung so bedeutungsvollen Augenblick weilen meine Gedanken bei Dir. Ich danke Dir von ganzem Herzen für Dein« treue Freundschaft und warme Sympathie, die Du mir in diesen ernsten Zeiten ganz besonders entgegenbrachtest. Gez. Karol.
Swinemünde („Hohenzollern"). Dein heute nacht angekommenes Telegramm ist eine große Freude für mich. Ich Jage Dir die aufrichtigsten, herzlichsten Glückwünsche zu dem schönen Erfolge, den nicht nur Dein Volk, sondern alle kriegführenden Staaten und damit ganz Europa Deiner weisen, wahrhaft staatsmännischen Politik zu verdanken haben. Es ist mir gleichzeitig eine große Genugtuung, wenn Du erwähnst, daß ich zu dem jetzt Erreichten habe beitragen können. Der allmächtige Gott erhalte Dich in Gnaden noch lange zum Wohle des Landes, dessen herrliche Entwicklung ich nach wie vor mit herzlicher Freundschaft und Bewunderung verfolge. Ich freue mich unseres gemeinsamen Zusammenwirkens zum Zwecke des Frieden. Gez. Wilhelm.
Bukarest. Die liebevollen Worte in Deinem so warmen, herzlichen Telegramm erfüllen mich mit Stolz und aufrichtiger Dankbarleit. Ich schätze mich glücklich, daß durch mein Eingreifen dem langen und blutigen Kriege ein Ende gemacht und der Frieden auf der VaUanhalb- insel gesichert werden konnte. Möge es uns jetzt gestartet fr in, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken und einer längeren Periode der Ruhe entgegenMehen, damit bas Vertrauen in elfen Kreisen des öffentlichen Lebens wiederkehre. Nochmals innigen Dank für Dein warmes Interesse und Deine wirksame Anteilnahme an den letzten für mein Land so bedeutungsvollen Ereignissen. Gez. Karol.
Tagesbefehl König Konstantins.
Athen, 10. Aug. König Konstantin richtete einen Tagesbefehl an die Armee und die Flotte, in dem er zunächst von der Unterzeichnung des Friedens und der Festsetzung der griechischbulgarischen Grenze Mitteilung macht und fortfährt:
„Ihr seid die Erbauer des neuen Griechenland, das durch Euer Blut, Eure Mühe, Kämpfe und Entbehrungen groß ge» worden ist. Aber Euer Mut und Eure Standhaftigkeit haben unser Vaterland nicht nut groß, sondern auch geehrt, geachtet und ruhmreich vor aller Welt gemacht. Ich beklage tief, daß viele Waffengefahrtcii meine Worte nicht hören, aber ihr Blut wurde nicht unnütz vergossen, ihr Andenken wird unvergänglich sein. Euch Lebenden drücke ich meine Bewunderung und meinen Stolz aus, an der Spitze einer solchen Atmre und Flotte zu stehen. Den Teilnehmern an den beiden Kriegen sollen Denkmünzen verliehen werden, aber darüber hinaus bin ich gewiß, daß in dem Herzen jedes Einzelnen das Gefühl lebt, er habe Griechenland groß gemacht. Doch unser Werk ist nicht vollendet. Griechenland muß stark, sehr stark werden. Ich werde ohne Unterlaß auf dieses Ziel hinarbeiten. Die von Euch unter den Fahnen bleiben, werden mir dabei treu wie auf dem Schlachtfelde helfen, und ihr, die ihr voll Stolz und mit Triumph an den häuslichen Herd zurückkehrt, bewahret und gebt weiter den unverrückbaren Entschluß, Griechenland militärisch sehr stark zu machen zur Achtung für seine Freunde und zur Furcht' für feine Feinde."
Ein Mißton.
Sofia, 10. Aug. Die griechischen Vorposten sollen gestern bei Petritsch wiederholt die Demarkationslinie überschritten und die Bulgaren herausgefordert haben. Dabei entspann sich ein Feuergefecht, das beiderseits mehrere Opfer forderte. Die Regierung erhob wegen des Vorfalles bei den Großmächten Einspruch
Die russisch-französische Verstimmung.
P a r i s, 9. Aug. Heute weist das „Journal des Dubais" sehr lebhaft die „ungehörige Sprache" der russischen Presse zurück und erklärt u. a., Frankreich habe den Balkan niemals als eins österreichisch-russische Einflußsphäre angesehen, niemals auf seine tra-