Einzelbild herunterladen
 

ä^tenmi B_5.r/6.ert Die-

-rhandnchir

»amt

mit

dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

! anErlechenkand fallen. Der Vertrag wirk morgen »ot tag 11 llhr unterzeichnet. Auch die Unterzeichnung des 'ieiunasahfnmmon^ -1 - _

M 183

DieLberhefsijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn | und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich dnrck die Post 2.25 <.« (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. Verlag von Dr. T. Hitzeroth. Druck der Univ.- Buchdruckerei Z. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marbnrg

Donnerstag, 7. August

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 *3, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 -3, für Reklamen die Zeile 60 L. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

MW^MWMWWWW»W»WP»WMWWWUMM>WI^WWMMWWUW»s»SS!IWWWWWD>^ glieder des Direktoriums werden wichtiges zur Sache selbst kaum zu Tage fördern. Doch legen sie uns selbstverständlich der Firma Krupp gegenüber vorläufig eine Zurückhaltung auf. Gerichtet sind eine Anzahl von Militärbeamten, die um eines geringen Vorteiles Willen ihre Dienstpflicht gröblich verletzt haben, gerichtet ist die auch bei uns zu Lande herrschende Eeschäftspraxis, sich auf unlautere Weise für den Wettbewerb nützliche Dinge zu verschaffen, gerichtet ist aber auch die frivole Agitationsmethode der Sozialdemokratie."

48. Jahrg.

1913.

Der Auszug des Krupp-Prozesses.

Es war herzlich wenig, was der Prozeß gegen Tilian und Genossen oder der sog.Krupp-Prozeß" zutage gefördert hat. Jedenfalls klafft ein gewaltiger Unterschied zwischen den Ergeb­nissen der Gerichtsverhandlung und der Anklage desGenossen" Dr. Liebknecht, der am 19. April d. I. von der Reichstagstribüns herab das aufsehenerregende Wort von einemPanama der deutschen Heeresverwaltung" in die Welt hinausschrie, nicht etwa in banger Sorge um die Ehre des deutschen Heeres, sondern in hämischer Bosheit, in offenkundiger Freude, diesem verhaßten Heere einen bösen Schlag versetzt und sein Ansehen im Auslande geschmälert zu haben.Es darf nichts verschleiert und nichts vertuscht wer­den. Es handelt sich hier um ein Panama, schlimmer als ein Panama." Das waren seine Worte. Nun, es ist nichts ver­schleiert, nichts vertuscht worden, es ist in voller Oeffentlichkeit, soweit die Interessen der Landesverteidigung sie gestatteten, mit größter Gründlichkeit hineingeleuchtet worden in die Kanäle, die von der Militärverwaltung oder vielmehr von einigen Subaltern­offizieren der Militärverwaltung zur Firma Krupp führten, und das Resultat ist: kein Panama, keine Sensation. Die Heeres­verwaltung als solche steht vollständig intakt da. Die Angeklagten haben sich von einem Manne, der seine Sache verstand und seine Pappenheimer zu nehmen wußte, zu Dienstvergehen verleiten lassen, und haben sich als Entgelt für die Preisgabe von Dienst­geheimnissen kurz gesagtschmieren" lassen. Das sind gewiß recht ernste Verfehlungen, um so ernster, als die Angeklagten bei ihrem Bildungsgrade gar nicht im Zweifel darüber fein konnten, daß sie Verstöße gegen die beschworene Amtspflicht begingen. Dagegen ist wohl keinem von ihnen angesichts der nationalen Bedeutung, die der Firma Krupp zukommt, und von der auch sie überzeugt waren, der Gedanke an die Möglichkeit eines Landesverrats ge­kommen.

Die Strafen sind zwar geringer ausgefallen, als der Vertreter der Anklage beantragt hatte, sie bewegen sich zwischen 43 Tagen Festung und 6 Monaten Gefängnis, ungleich schwerer aber wiegt für die fünf Angeklagten, die sich am'meisten schuldig gemacht haben, die Strafe der Dienstentlassung bezw. Degradie­rung, die das Gericht ausgesprochen hat, und so ist zu hoffen, daß der jetzt beendete Prozeß allen den Elementen in unserer Militär­verwaltung, die nicht ganz charakterfest sein sollten, zur Warnung dienen und eine reinigende Wirkung ausüben wird.

Wenn in der Presse vielfach bereits die Frage erörtert wird, ob und inwiefern durch den Prozeß ein Makel auf die Firma Krupp gefallen ist, so ist es wohl noch nicht an der Zeit, hierüber ein Urteil zu fällen, vielmehr muß der Ausgang des Prozesses ab­gewartet werden, der im Oktober d. I. vor dem Zivilgericht statt­finden wird. Vis dahin kann mit gutem Recht die Auffassung vertreten werden, daß das Ansehen der Firma durch die Verhand­lungen vor dem Militärgericht nicht gelitten hat. Die Art und Weise, wie der Kruppsche Vertreter Brandt die Interessen seiner Firma vertreten hat, soll und kann gewiß nicht beschönigt werden. Aber aus einer im geschäftlichen und gewerblichen Leben weit verbreiteten Uebung kann man der Firma Krupp keinen allzu großen Vorwurf machen. Solange das Schmiergelderunwesen nicht von der Allgemeinheit der deutschen Kaufleute und Fabri­kanten radikal beseitigt wird, ist es unbillig, von einem Einzelnen einen Verzicht auf diese leider übliche Geschäftsmethode zu ver­langen, noch dazu von einem Unternehmen, von dessen Leistungs­fähigkeit die Stärke der deutschen Wehrmacht zu einem guten Teil mit abhängt.

Einige Preß stimmen lassen wir naH'tehend folgen:

DieKreuzzeitung":

Die noch schwebenden Verfahren gegen Brandt und einige Mit-

, (Nachdruck verboten.)

Friede Sörrensen.

Roman von H. Eourths-Mahler.

I (Fortsetzung.)

Ein Vierteljahr nach Friedes Verlobung kam ihre Schwester Lizzi aus der Pension nach Hause zurück. Sie war noch schöner und reizender geworden, und aus ihren großen, dunklen Augen strahlte ein süßer ver­lockender Zauber. Diese Augen verrieten nicht, welch kleine, niedrige Seele in ihr lebte.

Von dem Augenblick an, da Lizzi dem hübschen stattlichen Verlobten ihrer Schwester entgegentrat und ihn mit ihren schönen lockenden Augen anstrahlte, war es wie ein feiner Riß zwischen die beiden Verlobten hindurch gegangen.

Lizzi hatte nie vertragen können, daß Friede etwas besaß, worauf sie nicht auch Anspruch hatte. Es reizte sie, ihre fasznierende Macht an Fritz von Steinbach zu erproben. Mit allen Künsten der Koketterie umwarb sie ihn, stellte Friede in den Schatten und verwirrte mit ihren Augen den Mann, der ihre Schwester liebte.

Friede stand hilflos dabei und zog sich stolz und herb in sich selbst zurück. Niemand sollte sehen, wie sie litt unter diesem Treiben der Schwester. Sie schämte sich auch ihrer erwachtep Eifersucht, und statt den Kamps aufzunehmen und ihr Eigentum zu verteidigen, unterwarf sie sich einer lähmenden Angst.

Und eines Tages, als sie unvermutet ins Zimmer trat, fand sie Lizzi und Fritz Arm in Arm.

Sie schrie nicht auf, sprach kein Wort nur totenbleich wurde sie «nd ging aus dem Zimmer.

Steinbach starrte ihr nach, wie aus einem Traum erwacht, schuld­bewußt, zerknirscht und ernüchtert. Nie hatte er deutlicher gefühlt als in dieser Stunde, daß sein bestes seine Seele Friede gehörte, und daß nichts ihn an Lizzi fesselte als dir durch ihre Koketterie aufgereizten Sinne. Noch in derselben Stunde erzwang er sich eine Aussprache mit Friede. Aber all seinen Bitten und Beschwörungen gegenüber blieb sie starr und kalt. Sie zog den Ring vom Finger und löste ihr« Verlobung, »eil st« das Vertrauen zu ihm verloren hatte, . . j ;

DieTägliche Rundschau":

Die Tatsache, daß es einem Schlauberger gelingen konnte, so viele Leute in Vertrauensstellungen der Heeresverwaltung zu verführen und die andere Tatsache, daß die größte Firma der deutschen Industrie, der Waffenschmied unseres Heeres und unserer Flotte dem Staate gegen­über ein Kundschafterwesen treiben ließ, kann man nicht verleugnen. Man kann den Eindruck haben, daß die Strafen teilweise sogar sehr milde scheinen. Das Urteil wird auch so ein weithin sichtbares Zeichen sein und dafür mag man jetzt sogar dem Abgeordneten Liebknecht danken. Er wollte ein Panama und es wurde eine Reinmensur."

DieRheinisch-Westfälische Zeitung":

Die Beamten und Offiziere haben ihre Handlung zu verantworten, die Firma Krupp hat sich selbst zu verteidigen, das gesamte deutsche Volk aber hat das Interesse, einen rnn Empörung flammenden Protest her- auszugebcn dagegen, daß der Abgeordnete Liebknecht sich nicht schämt, einige Körner so lange herumzuwälzen, bis er einen Dreckhaufen zusam­men hat, den er dem Panamaskandal mit einem Talmischein von Be­rechtigung beistellen kann und alles das, nur um die deutsche Heeresvor- lage, von der unser ganzes Gedeihen und unsere Stellung in Europa ab­hing, zu vernichten."

DasBerliner Tageblatt":

Wer so weit gehen wollte, kurz und gut zu behaupten, es sei eigentlich die Firma Krupp gewesen, die auf der Anklagebank gesessen habe, der würde den Kern der Sache verfehlen. Von einem Panama könne man wirklich nicht gut reden. Im Gegenteil, was zumeist auf­fällt, ist der Zug von altpreußischer Sparsamkeit, der hier in der Verwendung der Schmiergelder sich zeigt. Für ein warmes Abendbrot für 10 bis 20 M werden den armen Teufeln die Staats­geheimnisse abgekauft. Ein so kleinbürgerliches Panama ist nur unter jenen besonderen Umständen möglich, die dasSystem" ausmachen das System, das in diesem Punkte der eigentliche Angeklagte war. Das so gewaltige System herzlicher Intimität zwischen dem Staate und seinem größten Lieferanten, das für den Staat vielleicht kostspieliger ist, als jedes audet-, aber höheren Orrs grwmifcht wird. Das Gericht hat die Schuld der Angeklagten denn auch im wesentlich milderen Lichte angesehen, als die Anklage."

Fliedcnsschlttft auf dem Bükau.

Unter dem Druck Rumäniens ist gestern in Bukarest der Vor­frieden geschlossen worden:

Bukarest. 8. Aug. Der Friede ist zwischen Bulgarien einerseits und Serbien, Griechenland «nd Montenegro anderer­seits geschlossen.

Nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen konnte man eigentlich auf ein so schnelles Zustandekommen eines Einverneh­mens kaum rechnen. Die beiderseitigen Forderungen wichen ganz erheblich von einander ab. Da eine nochmalige Verlängerung des Waffenstillstandes, der am Freitag abläuft, nicht in Aussicht stand, so drängte Rumänien auf einen vorläufigen Frieden. Die Bul­garen haben nichts unversucht gelassen, um sich aus der Schlinge zu ziehen. Sie spielten auch mit dem Gedanken, nach Verständigung mit Rumänien den Krieg gegen Serbien und Griechenland wieder zu beginnen. Ein bulgarischer Delegierter fragte den rumänischen Ministerpräsidenten Majorescu, welche Haltung Rumänien beob­achten würde, falls Bulgarien nach der bulgarisch-rumänischen Grenzverständigung die Feindseligkeiten gegen Serbien und Grie­chenland wieder aufnehmen würde. Majorescu hat darauf geant­wortet:Dann werden die rumänischen Truppen am

Sie hielt sich an die mit eigenen Augen entdeckte Untreue und wies ihren Verlobten mit wenigen, heiseren Worten der Schwester zu.

Als er erschüttert von ihr ging, brach sie zusammen wie ein gefäll­ter Baum.

Am anderen Morgen reiste Friede, nach einer kurzen Aussprache mit dem Vater, nach L .... zu c-iner verwitweten Schwester ihrer verstorbe­nen Mutter. Kurz darauf verlobte sich Fritz von Steinbach mit Lizzi und nach kurzer Brautzeit wurde sie seine Frau.

Friede kehrte nicht nach Hause zurück. Bei ihrer Tante hatte sie die liebevolle Aufnahme gefunden. Diese war kinderlos und betrachtete es als ein Glück, Friede um sich haben zu dürfen.

Und dann etwa ein Jahr nach Lizzis Verheiratung mit Steinbach trat die Katastrophe ein, die sich jahrelang heimlich vorbereitet hatte. Friedes Vater war ruiniert, alle Manöver halsen nicht mehr, den Zu­sammenbruch zu verbergen, und die Aufregungen dieser Zeit trafen den Mann so schwer, daß er starb. Lizzis Mutter bekam einen Schlaganfall bei der Kunde von diesem doppelten Unglück und siechte rasch dahin.

Friede war erschüttert, aber nicht fassungslos. Sie hatte das Aergste, was ihr geschehen konnte, den Verlust des Geliebten, mit Würde ge­tragen, und kein einziger Mensch wußte um die qualzerrissenrn Nächte, die sie durchkämpste, nun trug sie auch diesen Schicksalsschlag gefaßt.

Noch einmal sah sie Fritz von Steinbach und Lizzi am Grabe ihres Vaters. Sie sprachen nur wenige Worte zusammen. Redensarten, von denen das Herz nichts wußte. Dann kehrte Friede mit der Tante nach L. zurück. Seit jenem Tage hatte sie weder Fritz noch Lizzi wiedergesehen. Sie standen auch nicht in Briefwechsel miteinander. Nur ein paar flüchtige Zeilen hatten die Schwestern über Erbschaftsangelegenheiten gewechselt. Aus dem Zusammenbruch waren knapp zwanzigtausend Mark gerettet worden. Friede verzichtete auf ihren Anteil und stellte ihn großmütig der Schwester zur Verfügung, denn sie wußte ja, in welch be­drängte Lage das junge Paar durch den Ruin des Vaters geraten war. Fritz Steinbach wollte um deinen Preis dies Opfer annehmen und verbot seiner Frau, darauf einzugehen. Aber di« egoistische Lizzi zuckte die Schultern:

Von was sollen wir leben, bis du zum Hauptmann avancierst? Friede braucht das Geld nicht. Ibre Tante hat «ine sehr hohe Pension «nd besitzt auch, soviel ich weiß, einiges BarverMgen. Für Fried« ist

Samstag in Sofia e i n r ü ck e n." Also haben sich die Bub garen gefügt. Es ist wahrscheinlich, daß Serbien und Griechenland bulgarischen Vorbehalten zugestimmt haben, über die nach der Tt Mobilisierung die Mächte gemeinsam entscheiden sollen. Ob die Lösung dieser nicht leichten Aufgabe der Londoner Votschafterkon- ferenz übertragen werden wird, steht noch dahin. Zeednfalls kann man zu der Einigkeit der Mächte das Zutrauen haben, daß ein den Interessen aller entsprechendes Ergebnis erzielt werden wird. Zu­geständnisse werden freilich auf jeder Seite gemacht werden müssen.

Bemühungen «m ein selbständiges Mazedonien.

Sofia, 6. Aug. Eine große Versammlung mazedonischer Flüchtlinge beauftragte das Komitee, sich mit den Organisationen und Kreisen von Muselmanen, Israeliten und Kutzowalachen in Verbindung zu setzen, um durch gemeinsame Arbeit die Errichtung eines autonomen Regimes in Mazedonien, das die freie Entwick­lung aller dieser die Provinz bewohnenden Nationalitäten sichern soll, zu erreichen. Zu diesem Zwecke wird die mazedonische Dele­gation sich binnen kurzem nach dem Auslande begeben.

Der Vandalismus der Bulgaren in Thrazien.

DerFranks. Zeitung" wird von unterrichteter Seite auf Grund der Ergebnisse eines mehrtägigen Aufenthaltes in Adria- nopel und einer sich über 200 Klm. erstreckenden Automobilfahrt nach Kirkkilisse geschrieben:

Zwischen der Tschataldscha-Linie und Adrianopel bezw. bet alten bulgarischen Grenze existiert kein türkisch-islamitisches Dorf mehr, alle sind durch Feuer oder mit der Spitzhacke von Grund auf zerstört worden. Alle Minarets bis AdrianoM sind niedergelegt oder halb abgebrannt, alle Moscheen verwüstet und meist als Ställe benützt worden. Fast alle Friedhöfe sind entweiht und die Grabsteine zerschlagen. Was nicht niet- und nagelfest war, wurde den Türken geraubt. So fand man in einem den Bulgaren abgenommenen Vahnzug allein sieben Waggons mit Möbeln, die nach Sofia bestimmt waren. Wie systematisch die Bulgaren an der Vernichtung aller Mohammedaner arbeiteten, das zeigten mit erschütternder Deutlichkeit jene Depots, die die bulgarische Armee in Kirkkilisse für alle jene tausend und abertausend Gegenstände angelegt hatte, die aus türkischen Häusern geraubt wurden. So wäret! im Saale einer Schule nur Kleidet aufgestapelt, in einem anderen Raume nur Küchengeräte vom kupfernen Kessel bis zum Trinkbecher, Bücher, Nähmaschinen, Teppiche und Gardinen, im Hofe hundert und mehr Koffer und Truhen, alles bereit, um nach Bulgarien geschafft z« werden. Hätte die Division unter dem deutschen Reformer Oberst­leutnant Matthies nicht durch einen Gewaltmarsch von 70 Kilometer an einem Tage die Bulgaren überrascht und fortgetrieben, so würden all« diese Depots ebenso wohl wie die ganze Stadt in Feuer aufgegangen sein. Was die Bulgaren der türkischen Bevölkerung an Grausamkeiten angetan haben, das kann man sich schon nach diesen Sachbeschädigungen denken. Die Schilderungen der Grausamkeiten gegen die Männer und die der bestialischen und viehischen Vergewaltigungen von Frauen und Kindern entziehen sich der Oeffentlichkeit. Wer in Europa unter dem Wust von diplomatisierender Politik noch eine Spur von Gefühl hat, wer kein Barbar ist, der muß mit allen Kräften dahin wirken, daß die Schande Europas, die bulgarische Solda­teska und ihre viehischen Offiziere nicht noch einmal dieses unglückliche Thrazien Heimsuchen dürfen."

Saloniki, 6. Aug. Die parlamentarische Kommission, die mit der Untersuchung der bulgarischen Grausamkeiten beauftragt ist, meldet aus Tanthi, daß der Abzug der Vulgaren ohne Scha­den für die Stadt sich vollzog. Indes wurden zahlreiche Notabeln entführt, sechs wurden hingemetzelt und ein israelitischer Tabak­arbeiter wurde auf der Präfektur zu Tode geprügelt. Ein Arzt wurde gezwungen, als Todesursache Selbstmord zu beschei­nigen. In Tanthi und Umgebung wurden insgesamt 219 Per­sonen getötet, 163 entführt ohne Wissen wohin. Während die Stadt besetzt wurde, vollführten die Vulgaren alle möglichen Ge­walttätigkeiten und Räubereien. Zahlreiche Moscheen wurden in Kirchen umgewandelt. Edelsteine sowie Hab und Gut mehrerer also gesorgt, denn sie allein wird einmal ihre Tante beerben. Ich werde nicht so töricht {ein, ihr Anerbieten zurückzuweisen. Irn Gegenteil, -ch finde es selbstverständlich, daß sie mir den traurigen Rest überläßt." hatte sie geantwortet.

Lizzi fand es immer selbstverständlich, wenn andere Menschen ibt Opfer brachten. Ihr Gewissen wat nicht im mindesten beschwert dadurch, daß sie Friede auch den Verlobten abspenstig gemacht hatte.

Um so tiefer war Fritz Steinbachs Schuldbewusstsein. Er kannte Friede zu gut, um nicht zu wissen, was er ihr angetan hatte. Nut zu bald wat die blinde Leidenschaft verrauscht, die ihn zum Treubruch ver­leitet hatte, et erkannte mit peinvollet Schärfe, daß er Talmi für echtes Gold eingetauscht hatte. Mit Friede zusammen hätte er den finanziellen Zusammenbruch seines Schwiegervaters vielleicht bald verschmerzt, als Lizzis Gatte trug er schwer daran, fein ganzes Leben lang.

Daß er sich schließlich fügen und Friedes Erbteil mit annehmen mußte, um mit feiner Frau und dem Kinde, welches sie erwarteten, übet die schwerste Zeit Hinwegzukommen, beschämte ihn furchtbar

Er sowohl wie Friede sahen eine Erleichterung darin, daß jeder Verkehr zwischen ihnen aufhörte; sie waren sich gleichgültig genug, um sich Wiedersehen zu können. Die einzigen Lebenszeichen, die zwischen ihnen getauscht wurden, waren die Geburtsanzeigen eines Söhnchens und zweier Töchter und seitens Friede die Anzeige vom Tode ihrer Tante. Sonst hörte man nie etwas voneinander.

Als ihre Tante dann, jetzt vor fünfundzwanzig Jahren, starb e» war dies kurz nach der Geburt des ältesten Kindes ihrer Schwester erbte Friede von ihr ein Vermögen von fünfzigtausend Mark. Fried« war nicht die Person, die Hände in den Schoß zu legen und von ihrer bescheidenen Zinsen ein tatenloses Leben zu führen. Sie verlangte nack einet Aufgabe, um ihre Kräfte zu betätigen, und schickte suchend ihn klugen Blicke ins Leben.

Schon oft hatte sie, wenn sie mit ihrer Tante im Stadtwald spazieren ging, in der damals seht kleinen Meierei an einem kleinen, wackeligen Tisch ein Glas Milch getrunken. Dabei hatte sie sich gesagt, wie schade es fei, daß dies idyllische Anwesen so arg vernachlässigt sei. Sie malte sich aus, wie hübsch sich hier ein schmuckes Häuschen, sauber« StÄe und ein gepflegter Garten ausnehmen müßten.

t Fortsetzung folgt.)