trat dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
M 179
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Son» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich bunt die Post 2.25 (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. — Verlag von Dr. C. Hitzeroth. — Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Marburg
Sonnabend, 2 August
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 J>, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
48. Jahrg.
1913.
Erstes Blatt.
Bestellungen
für di« Monate August und September
euf die „Oberhessische Zeitung" nebst ihren
«erden von unserer Expedition (Markt 21), unseren sämtlichen Ausgabestellen sowie von allen Postanstalten und Landbriesträgern entgegengenommen.
Rundschau.
Konfuse französische Ansichten über Deutschland.
General Pau als Regierungskommistar erklärte im französischen Senat, daß in der gegenwärtigen Debatte von den eventuellen Gegnern Frankreichs nicht abgesehen werden könne. Er zog dann die deutsche Armee zum Vergleich heran und sagte: „Es werden ernste Anstrengungen nötig sein, wenn Frankreich nicht aus der Reihe der Nationen gestrichen werden soll." Der General wies dann darauf hin, daß Deutschland sich vor allem damit befaßt habe, den Effektivwert seiner Armee zu erhöhen. Es sei wahrscheinlich, daß Frankreich ein gleiches tue, obgleich es friedfertig sei und gegen niemand einen Angriff plane. Im weiteren Verlause der Sitzung erklärte General Mercier, der Senat mäste, das Gesetz über die dreijährige Dienstzeit so wie es sei, annehmcn, denn es drohe unmittelbar Gefahr. Kriegsminister Etienne entwickelte sodann die Gründe, aus denen die Regierung von dem Lande diese beträchtlichen Anstrengungen gefordert habe. Das Parlament müste nachsichtig fein gegen Irrtümer oder Lücken, die das Gesetz enthielten, denn Frankreich wolle den Frieden nur, wenn seine Ehre und Würde dabei gewahrt bleibe. „Bringen Sie kein.Unglück über das Land, indem Sie Aenderungen an dem Gesetz vornehmen!" d'Estournelles de Constant bekämpfte die Gesetzvorlage über die Dreijahr-Dienstzeit, die die Kriegsgefahr verschärfe, anstatt sie zu beseitigen. Er wünsche nicht, daß man Frankreich nach dem kaiserlichen Deutschland forme. „Deutschland hat seine Stärke, es hat aber auch seine Schwächen. Es hat das Vertrauen der Welt verloren. Wenn es den viel besprochenen plötzlichen Angriff unternehmen würde, dann würde es die Sympathien der Welt nicht für sich haben. Rach dem Kriege würde in Deutschland eine Revolution ausbrechen. Diese Gefahr besteht bei uns nicht, wo die Revolution durchgeführt ist. Das Schiedsgerichtswesen hat im letzten Fahre sichtliche Fortschritte gemacht. Ich sehe jene deutsche Regierung nicht, die wie bei einem Würfelspiel die Zukunft Deutschlands als Einsatz wagen würde. (Zwischenruf: Die deutsche Regierung ist friedlicher als das deutsche Volk!) d'Estournelles de Constant fortfahrend: „Vom äußeren Gesichtspunkt aus muß das Erwachen der slawischen Welt, müssen die Balkanereignisse Deutschland zu denken geben.
(Nachdruck verboten.)
Der Ueberfall.
Eine Verbrechergeschichte von Karl Frank.
Der Eelddriefträger Hegendal hatte sorgfältig nachgezählt und geprüft und dann das Geld in seine Tasche getan. Viertausenddreihundert Mark. Das war wieder eine schöne Summe. Er stieg die paar Stufen, die auf die Straße führten, hinab und nahm die einzelnen Postanwei- smigen nochmals vor. Ja, richtig. Da war ja auch der wieder. Er las: An den k. k. Staatsanwaltsubstitut Werner Braun.
Hegendal schmunzelte. Der Herr hatte in der letzten Woche schon dreimal Geld bekommen und jedesmal hatte er, — Hegendal — eine Mark Trinkgeld gekriegt. Nun fiel ihm ein, daß der Herr Staatsanwaltsubstitut, — das Wort war verdammt schwer auszusprechen —, ihn gebeten habe, doch stets am frühen Morgen zu kommen, da er sonst viel versäume. Hm. Wenn er seine Tour richtig, wie immer ging, dann kam er zuletzt zu Herrn Braun. Vielleicht wäre dem das unangenehm gewesen, und dann bekäme er am Ende kein Trinkgeld. Das letztere Faktum überwog alle etwaigen Bedenken.
Hegendal hatte vier Kinder. Die sollten es einmal bester haben als er, da hieß es jeden Groschen Zusammenhalten. Und er ging zu dem Herrn Staatsanwaltsubstitut zuerst.
Krrr. Die Glocke tönte.
„Ah, guten Morgen, Herr Postrat. Schon ausgeschlafen?"
„O, schon lange."
„Freut mich übrigens riesig, daß sie mir den Gefallen getan haben. Es ist furchtbar unangenehm, wenn ich auf das Geld bis Mittag warten muß. Ich verliere dann stets einen halben Tag. Wieviel ist es beim?“
„Fünfzig Mark, Herr Braun!"
„Na, das ist ja nett!"
Hegendal hatte die Postanweisung zur Unterschrift vorgelegt. Dann zählte er das Geld auf. Mit wohlwollender Miene gab ihm Herr Braun eine Mark Trinkgeld. Hegendal bedankte sich unterwürfigst und ging bann.
Plötzlich — auf dem Korridor sauste ein schwerer Gegenstand auf seinen Kopf. Seine Knie schwankten, er fühlte sich angefaßt und dann wurde ihm mit einem Male so eigentümlich zu Mute, er verlor die Besinnung. Zwei Männer, darunter der angebliche Staatsanwaltsubstitut schoben einen Knebel in seinen Mund und machten, nachdem sie ihn geplündert, sich eiligst aus dem Staube.
Hegendal erwachte aus seiner Betäubung und blickte erstaunt umher. Allmählich gelang es ihm, seine Gedanken zurückzurufen. Ein rascher Griff noch der Tasche: sie war leer. Allmächtiger Gott! entrang es sich seiner Brust. Hastig ging er zum Amte zurück. Man nahm dort seine Erzählung mit'ziemlich ungläubigem Lächeln entgegen.
„Herr Direktor, Sie glauben doch nicht etwa, daß ich---*
Er schrie es gellend. Der zuckte die Achseln. ’
Wäre es klug von Deutschland, seine besten Kräfte gegen Frankreich zu verbrauchen und sich nachher gegen Rußland zu wenden? Deutschland wird auch keine endlosen finanziellen und sozialen Krisen entfesteln wollen. Deutschland ist isolierter als wir, es ist mehr bedroht als bedrohlich. Die Lage Deutschlands ist in den letzten Monaten nicht stärker geroofben, Es hat feine Mannschaftsbestände vermehrt, aber das ist eine unvermeidliche Folge der Zunahme seiner Geburtenziffer. Das Dreijahrgesetz ist kein Hilfsmittel. Man wird das Land mit Lasten erdrücken und es dem Auslande preisgeben. Man ruft den fremden Angriff geradezu herbei. Richt allein die Armee, sondern auch die Gehirne werden uns fehlen. Das Dreijahrgesetz ist ein tödlicher Schlag für Frankreich und für die Zivilisation. Zwingen Sie Frankreich nicht, sich an dem kaiserlichen Deutschland ein Beispiel zu nehmen." — Derjenige, der erklärte, Deutschland sei bedroht und isoliert, ist bekanntlich einer der wütendsten Ver- ständigungs- und Friedensfanatiker.
Bevölkerungsaustausch zwischen Stadt und Land.
Die neueste Veröffentlichung des reichsstatistischen Amtes, das die Ergebniffe der Berufs- und Betriebszählung vom 12. Juni 1907 nach den verschiedensten Richtungen hin beleuchtet, bringt genaue Zahlen über den Vevölkerungsaustausch zwischen Stadt und Land. Im ganzen Reiche wurden 26 827 362 Erwerbstätige ermittelt; dazu kommen noch die häuslichen Dienstboten in einer Anzahl von 1264 755. Unter diesen rund 28100 000 Erwerbstätigen befanden sich 11297 000, die auf dem Lande, d. h. in Ortschaften von weniger als 2000 Einwohnern geboren waren, und dort auch tätig geblieben sind, hingegen nur 9 107 000 Stadtgeborene und dort tätig gebliebene. Anderseits belief sich die Zahl der in Städten ermittelten, aber auf dem Lande geborenen Erwerbstätigen auf nicht weniger als 5 797 000; diejenige der auf dem platten Lande vorhandenen stadtbürtigen Erwerbstätigen aber nur auf 893 000. Es beträgt mithin der Gewinn der Städte an Erwerbstätigen fast 5 Mill. Hiervon muß sinngemäß als größtenteils nur vorübergehender Verlust abgerechnet werden eine Anzahl von 368 000 Angehörigen des Heeres oder der Flotte, die, auf dem Lande geboren, ihre Dienstpflicht in Städten als Erwerbstätige der Landwirtschaft ermittelt wurden. Immerhin bleibt auch bann noch ein Verlust des Landes von 4Vi Millionen Erwerbstätiger übrig, was einen gesamten Bevölkerungsverlust von etwa 10 Millionen bedeutet. Eine dringende Mahnung, auf Mittel zu sinnen, der Landflucht Einhalt zu tun. Andernfalls müßte schließlich der ganze Volkskörper Schaden leiden.
Die Lage auf dem Balkan.
Offiziös verlautet, daß die bisherigen diplomatischen Einwirkungen auf die Pforte insofern nicht ohne Erfolg geblieben zu sein scheinen, als in den leitenden Kreisen der Türkei jetzt die Frage näher erörtert wird, ob es möglich fei, Adrianopel gegen den wenn auch nur diplomatischen Widerstand der Großmächte dauernd in türkischen Besitz zu erhalten. Greifbare Gestalt haben diese Erwägungen der Pforte allerdings noch nicht angenommen; es handelt sich vorläufg um eine veränderte Stimmung, die in verschiedenen Anzeichen hervortritt. Vielleicht ist es nicht aus- geschloßen, daß es der diplomatischen Arbeit der Großmächte gelingen könnte, Verhandlungen durch eine Lösung der Adrianopel-
„Sie haben keine Wunde, nicht, aber auch gar nichts, was auf einen überfallenen Zustand schließen läßt. Dann ist es auch gar nicht ihre richtige Tour."
Hegendal wollte etwas sagen, doch der Direktor winkte ab.
„Es wird sich alles Herausstellen."
Zwei Schutzleute erschienen. Beim Anblick der Beamten erfaßte Hegendal eine wahre Wut.
„Was, Sie wollen mich ins Gefängnis bringen? Mich, der ich 27 Jahre ehrlich und redlich für den Staat gearbettet habe? Mich ins Gefängnis?"
Nur mit Mühe gelang es, den Tobenden zu fesieln. Dann war er wie gebrochen. Heiße Tränen liefen ihm über die Backen und ruhig ließ er sich transportieren.
Hegendal saß verzweiflungsvoll in feiner Zelle. Die Sache stand wirklich sehr ungünstig für ihn. Die Wirtin des Hauses, in dem der Ueberfall stattgefunden, behauptete steif und fest, die eine Etage über ihren Räumen liegenden Zimmer, die den Schauplatz des Ueberfalls barstellten, überhaupt nicht vermietet zu haben. Und baß ohne ihr Wißen in den allerdings zur ermietung bestimmten Räumen jemand gewohnt habe, das fei doch ausgeschlossen. Alle Untersuchungen, die in dieser Beziehung angestellt wurden, verliefen resultatlos. Auch der Wirtsfrau war nicht das geringste nachzuweisen. Man stand vor einem Rätsel. Und das meiste sprach zu Hegendals Ungunsten. Zwar hatte ihm sein Rechtsanwalt Hoffnung gemacht und ihm gesagt, daß er auf keinen Fall verurteilt werden könne. Aber das genügte ihm nicht. Solange man die andern nicht hatte, war auch seine Unschuld nicht festgestellt und zeit seines Lebens würde er als ein Eebrandmarkter durchs Leben gehen müßen. Zwar harrte und hoffte er und feine Familie, daß die Schuld an den Tag kommen würde und seine Kollegen bedauerten den armen, opferwilligen Mann. Aber was half das?---
Wüster Lärm tönte aus der Kaschemme in die Liniestraße. Es war eine Verbrecherkneipe gewöhnlichster Art. „Lattenaugust" und „Zinkenmax", zwei Verbrecher schlimmster Art wurden von den Zechern der Kneipe, Verbrecher und gewöhnlichen Weiber — angegröhlt. Und obwohl schon alle betrunken waren, wurde doch immer noch mehr Schnaps herbeigeschafft. Als der Jubel den Höhepunkt erreicht hatte, meinte die blaue Lotte:
„Na Mensch, nun erzähle doch mal, wie wäret denn?" •
Und alle brüllten im Chorus:
„Erzähle, Erzähle."
Lattenaugust ließ sich nicht länger nötigen:
„Kinder ick sage euch, bet Ding war fein. Nachdem ick bei de Dowe die Wohnung ausklamausert, ging et los. Dreimal laß ick mir Geld schicken. Natürlich immer dufte Trinkgeld. Nobel wie immer. Dann sag ick zu ihm, vornehm, natürlich und herablaßend: „Herr Postrat, können Sie nicht des Morgens früh zu mir kommen, ich verliere immer einen Tag dadurch." Der macht en tiefen Bückling un sagt: „Jawohl, Herr Staats an rooltfubfti tat“ So hab ick mer nämlich tituliere« lassen.
Frage in Fluß zu bringen, bei denen eine Entschädigu»g der Pforte im Vordergrund stehen würde.
Der türkische Thronfolger in Kirkilisse.
Konstantinopel, 1. Aug. Der türkische Thronfolger ist in Kirkilisse eingetroffen, wo er feierlich empfangen wurde. Er richtete an die Bevölkerung und an die Armee folgende Ansprache: „Wir sind durch Gegenden gekommen, in die der Feind eingedrungen war. Wir stellten überall fest, daß alles in Trümmer lag.. Das menschliche Gewissen empört sich gegen die Greuel- täte n.Was uns anbetrifft, so stellen wir nur die Ordnung und die Gerechtigkeit wieder her. Jedermann gibt dies zu. Es kann keinen beredteren und stärkeren Appell an die zivilisierte Welt geben, als diese vinstimmige Anerkennung." Der Thronfolger nahm alsdann eine Parade über 15 000 Mann ab, wobei er von der Bevölkerung durch Zurufe begrüßt wurde. — Der Oberkommandant der Armee erläßt eine Erklärung an die bulgarischen Dorfbewohner, die die Dörfer verlaßen, in der er sie auffordert, zurückzukehren und friedlich ihren Arbeiten nachzugehen. Es bestätigt sich, daß die türkischen Aufklärungsabteilungen auf türkisches Gebiet zurückgekehrt sind und an der alten türkisch-bulgarischen Grenze halten. Die Vulgaren besetzten ihre früheren Posten wieder und zogen in der Gegend von Jamboli und Hebi- tschewo Truppen zusammen.
Konstantinopel, 1. Aug. Es wird ein neues Armeekorps gebildet. Das Kommando übernimmt der Militärgouverneur Oberst Dschemal Bei.
Die Konferenz in Bukarest.
Bukarest, 1. Aug. In der gestrigen Konferenz zwischen den rumänischen und bulgarischen Delegierten wurden die Einzelheiten erörtert, insbesondere bezüglich der Feststellung der neuen Grenze Turtukhai-Dobritsch-Baltschik, die über die genannten Ort« durchschnittlich 10 Kilometer vorgeschoben werden soll. Die neue Grenze wird im Tal des Tele-Dereh bei Turtukhai beginnen und im Tal des Ekrene bei Baltfchik enden. Sodann wurde die Frage der Aromunen in freundschaftlicher Weise erörtert. — Nach dem „Adverul" haben die bulgarischen Abgesandten den Antrag aus eine vollständige Demobilisation aller Balkanheerc gestellt.
Oesterreich droht?
Paris, 1. Aug. Eine etwas merkwürdige Nachricht bringt heute das „Echo de Paris" und behauptet, sie trotz aller Ableugnungsversuche aufrecht erhalten zu können. Die Botschafter Oesterreich-Ungarns sollen von ihrer Regierung darauf hin- gewiesen worden sein, bei den Großmächten Mitteilung zu machen, daß Oesterreich gezwungen sei, den Sandschak Novibasar zu besetzen, falls Rußland eine militssrische Bewegung gegen die Türkei unternimmt, um sie zur Räumung von Adrianopel zu veranlaßen. Das „Echo de Paris" bemerkt dazu, daß die Hoffnung, Bulgarien Adrianopel zu erhalten, bedeutend gesunken sei.
Di« letzte« Kämpfe vor der Waffenruhe.
Belgrad, 1. Aug. Das serbische Preßbüro meldet: Die Bulgaren haben auf der Linie Pirot-Deschtschani-Kladenatz und bei Massina zwei vergebliche Angriffe versuchte. Die Anstren-
Fein wat? Is ja efal, was uff foner Anweisung steht. Kinder un et klappte Ich schick mer wider Jeld und et kommt noch richtig zuerst zu mir Zuerst, wo er noch bet ville Moos hatte. Wie et mit nu aus« bezahlt un lösjing, ba haste nich jesehen, hatte mein Kollex — er zeigte auf Zinkenmaxe — ben ick vorher »erstochen hatte, uff ben dusteren Korridor eens uffjebrannt un denn nach meiner Erfindung en Chloro- fotmlappcn uff die Visaje jelegt. Nich een Ton hat er mehr gesagt. Fein, wat? Na un denn Ham mer bet Moos injesteckt und sind los jejangen. Nich, Kinder, bet wat en Ding?"
Stolz sah et sich nach dieser Erzählung um und alles grohlte laut Beifall und bas Gelage ging weiter. —
Nut einer, bet schöne Oskar erhob sich. Et hatte Lattenaugust schon wähtenb bet Erzählung scharf unb listig von bet Seite gesehen. Jetzt lächelte et bummbreift und roanbte sich möglichst unauffällig bem Ausgange zu. Regen praßelte ihm ins Gesicht. Doch bas focht ihn wenig an. Jetzt endlich wat ihm doch einmal Gelegenheit gegeben, sich zu rächen an diesem Erzfeinde. Der würde Augen machen.
Et beschleunigte feine Schritte. Gleich um die Ecke war eine Destillation. Dorthin ging er. Da faß der Polizeiwachtmeister Biet- Hahn. Der war ganz erstaunt und sagte:
„Na nu, wo kommen wir denn her?"
„Herr Wachtmeister, ick habn schönet Ding für Sie. Aber 50 Emmchen, anders nich, un et nächste Mal kennen Sie mich nich."
Nach einigem Hin und Her sah bet Wachtmeister ein, daß et auf diese Bedingung eingehen mußte, wenn er überhaupt etwas raustriegen wollte. Als er erfahren, warum es sich handelte, gab er freiwillig noch 20 <M extra.
„Nu aber rasch."
Und während der schone Oskar schnell verduftete, begaben sich etwa drei Minuten später der Wachtmeister und zwei in Zivil gekleidete Schutzleute nach der Kaschemme. Noch-konnte man nichts unternehmen, dazu hatte die Kaschemme zuviel Nebenausgänge. Aber man konnte wenigstens aufpaßen, daß nicht schon vorher jemand wegging. Inzwischen kamen die herbeigetufenen uniformierten Schutzleute. Di« Kaschemme wurde umstellt unb zwei gingen hinein. In allgemeiner Bestürzung schrie man:
„Die Blauen, die Blauen."
Und in wilder Flucht ging es nach ben Ausgängen. Doch fein« Rettung. Sie liefen ben Beamten in bie Hände und das ganze Gesindel wurde abgefühtt.
♦
Diese Verhaftung hatte zwei Nachspiele:
Hegendal wurde aus der Haft entlaßen, bekam bie Ehtenmedaill« unb schwamm in Glück unb Wonne.
Unb etwa drei Tage später fand man ben schönen Oskar zu lobt verwundet mit einem furchtbaren Schnitt quer durch das Gesicht. Di« Freunde der beide« Verbrecher hatten den Verrat gerächt.