nut dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Verlagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
M 177
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn | und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch I die Post 2.25 <.« (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 <M I frei ins Haus. — Verlag von Dr. E. Hitzeroth. — Druck der Univ.- I Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. E. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55. |
Marburg
Donnerstag, 31. Juli
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48. Jahrg.
1913.
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Die Kosten der deutschen Sozialpolitik.
Mit berechtigtem Stolz ist schon oft hervorgehoben worden, daß für die Sozialversicherung in Deutschland jetzt alljährlich bereits mehr als «ine Milliarde Mark aufgebracht wird, und zwar zum wesentlichsten Teile von den Arbeitgebern. Die 50 Millionen Mark, die das Reich zu der Invalidenversicherung beiträgt, fallen demgegenüber sehr wenig ins Gewicht, und cs läßt sich nicht leugnen, daß auch die Beiträge der Arbeitnehmer in Gestalt von Lohnerhöhungen zu einem guten Teile von den Arbeitgebern getragen werden. Mit diesen Summen sind aber die Aufwendungen, die in Deutschland für die Arbeiterwohlfahrt gemacht werden, noch lange nicht erschöpft. Es treten dazu die Summen, die von den deutschen Einzelstaaten und den Gemeinden für diesen Zweck verwandt werden, und nicht zuletzt die freiwilligen Opfer, die von den Arbeitgebern gebracht werden. Schon die Ausgaben, die in den großen Berwaltungsämtern des Reiches und der Einzelstaaten für sozialpolitische Zwecke gemacht werden, übersteigen weithin die Schätzung, die man sich im allgemeinen von ihnen macht. Rach zuverläffigen Berechnungen beliefen sich z. B. im Jahre 1908 die Ausgaben sozialpolitischer Art in der Heeresverwaltung auf den Kopf der beschäftigten Arbeiter auf 74,98 M, in der Flottenverwaltung auf 45,92 M, in der Eisenbahnverwaltung auf 99,45 JL Seit dem Jahre 1895 waren diese Ausgaben um die Hälfte Lis auf das Dreifache gestiegen. Insgesamt wurden die Aufwendungen für sozialpolitische Zwecke im Bereiche der vorerwähnten Verwaltungen und des Reichsamts des Innern schon im Jahre 1908 auf rund 77 Millionen Mark beziffert. Sie sind seitdem zweifellos noch erheblich gestiegen. Ueber die sozialpolitischen Ausgaben der Gemeinden sind genaue Ausgaben nicht vorhanden, man geht aber sicher nicht fehl, wenn man dieselben auf eine erkleckliche Summe, die für Eemeindekranken- kassen, für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, für Arbeitsnachweise usw. ausgegeben wird, beziffert. Daß diese Aufwendungen zu einem großen Teile eine Vorbelastung der deutschen Industrie darstellen, ist zweifellos. In keinem anderen Staate, das darf mit Recht behauptet werden, wird seitens der Industrie für die Arbeiterwohlfahrt soviel aufgebracht, wie in Deutschland. Man begeht ein Unrecht, wenn man die Klagen unserer Industrie über das Anwachsen der sozialen Lasten kurzerhand als unbegründet bezeichnet, und wenn man die Behauptung nicht gelten lassen will, daß der Wettbewerb unserer Industrie auf dem Weltmärkte dadurch wesentlich beeinflußt wird. Die Summen, die außer den direkten Abgaben von fetten der Arbeitgeber für Einrichtungen, die durch die Gewerbeordnung usw. vorgeschrieben sind, aufgewendet werden muffen, find bei der obigen Rechnung nicht mitgezählt worden. All diesen ungeheuren Lasten steht leider ein nennenswerter Erfolg in Bezug auf den Mitzweck unserer Sozialpolitik, das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitern günstiger zu gestalten, kaum gegenüber. Das zeigt sich u. a. gerade jetzt wieder bei dem Werstarbeiterstreik. Daß unsere Schiffbauindustrie mit der englischen in einem stetigen schweren Kampfe liegt, ist allbekannt. Dieser Kampf wird unserer heimischen Industrie durch ihre Vorbelastung für sozialpolitische Zwecke, die den Arbeitern zugute kommen, nicht unwesentlich erschwert. Der Gedanke daran kommt aber den streikenden Arbeitern nicht. Sie sägen unbedenklich den Ast ab, auf dem sie sitzen und fügen der heimischen Industrie zugunsten der englischen unermeßlichen Schaden zu. Das ist die Kehrseite unserer Sozial-
(Nachdruck verboten.) Frauenzauder.
Roman von Hedwig Courihs-Mahler.
(Fortsetzung.)
^Gertrud kam ihm unterwegs entgegen. Sie flog auf ihn zu „Herzensmann, wie siehst du aus, was ist geschehen? Einer von den Leillen wollte gehört haben, in der Fabrik sei ein Unglück geschehen. Ich hatte so große Angst, gottlob, du bist gesund vor meinen Auaen. Wo ist Karl?"
Er zog sie ins Haus hinein in ein Zimmer. „Wo ist Herta?" „Hinten im Zimmer."
Volkmar schickte einen Diener zu ihr und ließ sie und ihre Mutter bitten, herüberzukommen.
Gertrud sah ihn in stummer Angst an. „Volkmar, um Gotteswillen du bist so verstört."
Er stöhnte auf. „Mein Bruder, Gertrud, mein goldener Bruder." „Was ist mit ihm? Du marterst mich, ist er verunglückt?" Er neigte bejahend das Haupt und warf sich in einen Sessel.
„Tot, Volkmar, tot!" schrie sie erbebend.
Sein trostloser Blick sagte ihr alles. Sie nahm feinen Kopf an ihre Brust. Unter strömenden Tränen sagte sie ihm alles, was ein liebendes Weib in solchen Fällen zum Trost vorbringen kann. Ihr eigener Schmerz um den teuren Verstorbenen schwieg bei dem Anblick seiner Leiden. Er erzählte ihr nun stockend und immer wieder von Bewegung übermannt, was geschehen war, und Gertrud, die stille, bescheidene Natur war sich plötzlich bewußt, daß sie sich stark zeigen mutzte. Volkmar und Herta wurden von diesem Verlust tausendmal schwerer betroffen, sie mußte ihnen alles abzunehmen suchen, was die Außenwelt gebieterisch in solchen Fällen fordert. Sie schellte nach Frau Rerlich. Mit umflorter, aber fester Stimme bat sie, diese in Kenntnis setzend, alles zur Aufnahme der teuern Leiche vorzubereiten, und die alte Dame, die bei der Nachricht wie vernichtet auf einen Stuhl sank, richtete sich bezwingend wieder empor, als Gertrud sagte: „Bitte, helfen Sie mir olles Erforderliche zu tun. Mein Schmerz um meinen edlen Schwager ist grenzenlos, aber mein Gatte und meine Eoufine sind durch den Verlust härter getroffen, als alle anderen. Wir müffen Ihnen alle äußeren Sorgen jetzt abzunehmen suchen. Ich weiß, Sie haben einen geliebten Herrn verloren, aber bitte, bezwingen Sie Ihren Schmerz und tun Sie, was Sie tun können."
Frau Rerlich ging mit tränenden Augen. In demselben Augenblick trat Herta ein. Sie sah erstaunt von einem zum andern.
Tie Lage auf dem Balkan.
Generalfeldmarschall von der Goltz für die Türken.
Im „Tag" äußert sich der Eeneralfeldmarschall über den türkischen Vormarsch. Er findet das Vorgehen der Türken durchaus begreiflich, ja notwendig, und sagt u. a.:
„Die am grünen Tisch ersonnene gradlinige Grenze Midi«—Enos ist eine sehr unglückliche Schöpfung. Sie mißt in der Luftlinie 200 Kilometer und hat keinerlei natürliche Stärke. Vielmehr läuft sie quer über alle Linie und Stellungen hinweg, welche der Verteidigung einigen Anhalt im Gelände geben könnten. Der Weg zur Küste des Marmara- meeres hinab bleibt offen und ist nicht zu verteidigen. Damit wird die Sicherheit der Dardanellen von der Landseite gefährdet und mittelbar auch die der Hauptstadt verringert. Die Schwäche der Grenzlinie Midia—-Enos würde für den bulgarischen Ehrgeiz und die bulgarische Großmannssucht, die nach der gegenwärtigen Bedrängnis sicherlich wieder erwachen werden, eine dauernde Versuchung zum neuen Anlauf gegen das nahe Ziel Stambul fein. Diese Gefahr zwänge die Pforte zu fortlaufender neuer Anstrengung Die Quelle für künftige kriegerische Er- eigniffe wäre nicht verschloffen. Dem türkischen Wagnis winken also lockende Ziele, und eine Armee, die nicht danach griffe, mützte kein Herz im Leibe haben. Ob die gegenwärtige Regierung die Macht hatte, sie überhaupt zurückzuhalten, kann fraglich erscheinen. Ohne Zweifel wird sie bei den sich daran knüpfenden Verhandlungen so viel Mäßigung zeigen, als sie es irgend vermag. Um ihres Bestandes willen ist ihr ein Erfolg wohl zu gönnen. Sicher dürfte sein, daß diejenigen, die das Geschehene scharf tadeln, ganz ebenso abfällig geurteilt hätten, wenn die Türkei ruhig geblieben wäre. Unfehlbar würde daraus die Schlußfolgerung gezogen worden sein, daß ein Reich, welches bei Vorgängen wie die neuesten Balkanwirren apathisch zusehe und die unerwartet sich ihm darbietende günstige Gelegenheit nicht benütze, der Erhaltung auch nicht mehr wert sei. Bei solcher Tatenlosigkeit wäre an eine Wiedererhebung nicht zu denken. Was also auch biejßfoite unternahm, es würde mißbilligt worden sein; sie vermochte daher nur nach eigenem Ermessen zu handeln."
Stolze Wort«.
Paris, 30. Juli. Der Sonderberichterstatter des „Matin" telegraphiert aus Adrianopcl, daß ihm der türkische Thronfolger u. a. folgendes erklärt habe: „Ich kann nicht glauben, daß Europa wirklich den Willen hat, uns Adrianopel wegzunehmen, und dätz es den noch nicht ratifizierten Londoner Vertrag als endgültig anfieht, während es die schiedsgerichtliche Entscheidung von Petersburg annulliert. Das Mißgeschick der Waffen hat uns für einen Augenblick aus Adrianopel vertrieben. Die Tapferkeit der Muselmanen hat diese Stadt zurückerobert. Dies ist die Gerechtigkeit des Himmels nach der Ungerechttgkeit der Menschen. Adrianopel ist heute für uns heiliger denn je. Man möge in Europa aber nicht glauben, daß wir nach einer Rückeroberung muselmanischen Gebiets uns abenteuersüchtig von dem Reformwerk abwenden werden, das wir in unserem asiatischen Reich unternehmen. Die Rückeroberung Adrianopels bedeutet für mein Vaterland die Hoffnung auf Wiedergeburt und das Unterpfand des göttlichen Beistandes." Enver Bey erklärte demselben Berichterstatter: „Wir werden Adrianopel niemals räumen. Hif«r sind wir, hier bleiben wir. Wir werden uns bis auf den letzten Mann töten lassen, wenn es sein mutz, das ist der Entschlutz der Armee, und Europa möge dieses wissen."
Bukarest, 30. Juli. Der türkische Gesandte überreichte in seiner Audienz dem König die Antwort des Sultans auf die letzte Depesche König Karols. Der Sultan sucht darin nachzuweisen, daß der Besitz Adrianopels für den Schutz Konstantinopels und der Dardanellen notwendig sei.
Erfolge der Griechen.
Athen, 30. Juli. Die griechische Flotte hat jetzt auch die Häfen von Lagos, Maromia und Makri besetzt. Ferner nahmen die Truppen Besitz von Djumaja, so daß jetzt alle wichtigen Plätze an der ägäischen
„Mein Gott, was ist Euch denn? Ihr seht alle so verweint aus!" Gertrud nahm sie in ihre Arme. „Herta, fasse dich, es . . . siehst du ... ein Unglück ist geschehen, bitte, sei stark, liebe Herta."
Diese sah fassungslos in ihr Gesicht. „Was ist . . . mein Gott . . . Karl . . . was ist mit ihm?"
Jetzt tönte dumpfes Gemurmel an der Pforte, Herta stürzte, ehe es jemand hindern konnte, an das Fenster und starrte hinaus, sie sah, wie Männer eine mit weißen Sinnen bedeckte Bahre trugen.
„Er ist tot," schrie sie auf. Ihr Gesicht wurde bleich, ihre Augen stterten zu Volkmar hinüber, «r ttat auf sie zu und Gertrud legte stützend ihren Arm um fi«.
Da drang ein scharfes, schrilles Lachen aus ihrem Munde, gellend und unheimlich Hong es durch das stille Zimmer. Dann stieß sie mit einer Gebärde des Hasses Gertrud von sich, warf die Arme wie anklagend empor und stürzte hinaus. Volkmar und Gertrud eilten hinter ihr her. An der inzwischen im Vestibül ausgestellten Bahre vorbei rannte sie durch den Garten hinaus in ihre Wohnung. Die Tür ihres Zimmers schloß sich vor den beiden.
„Laßt mich allein", schrie sie in wütender Qual, „ich kann jetzt niemand sehen."
„Frau Melzer, die jammernd von dem Unglück horte, kauerte sich wimmernd an ihre Tür uikd bat um Einlatz, aber Herta rief nur noch einmal: „Mach mich nicht rasend, laß mich allein."
Und so kauerte die arme Frau die ganze Nacht hindurch an der verschlossenen Tür, immer angstvoll auf ein Lebenszeichen drinnen lauschend.
Gertrud suchte sie zu bewegen, sich zur Ruhe zu legen. Lieblich.
„Sie tut sich «in Leid an, Eetrud, ich mutz hier bleiben und horchen, sie hat ihn gar so liebgehabt.
Die Leiche des Hausherrn wurde inzwischen aufgebahrt, das entstellte Gesicht mit einem Tuche bedeckt.
Am andern Morgen öffnete sich endlich die Tür zu Hertas Zimmer, ihre Mutter sprang empor und zog sie weinend in ihre Arme. Was in dieser Nacht in der Seele des Mädchens vorgegangen war, erfuhr kein , Mensch. Stumm und eisig trat fi« an die Leiche ihres Verlobten. Ohne auf das Abwehren ihrer Umgebung zu achten, zog sie das Tuch von seinem Gesicht. Voll Grauen ruht« ihr Blick eine Weile darauf, dann bedeckte sie es wieder.
„Was ich dir je getan durch meine Heuchelei, in dieser Rächt, wo ich aus dem erträumten Glanz« mich in das alte Elend der Armut habe yu rückfinden müssen, da habe ich gebüßt, mehr als ich verbrochen. Di« Siebe verwarf ich, um den Glanz zu wählen, nun habe ich betbes verloren. Ich will aber nicht verzichten ... will nicht .. » fern nicht. Evas ta« ich, um das Verloren« $# retten?" . A, , ,.JS,, ,
Küste im Besitz der Griechen find. — Prinz Viggo von Dänemark ist als Freiwilliger gestern in die griechische Armee eingetreten.
Athen, 30. Juli. Das Kriegsministerium veröffentlicht ein« Drahtung aus dem Hauptquartier vom gestrigen Tage, wonach sich die Bulgaren nach der Niederlage vom 26. Juli gegen Dzumaja zurückzogen und ihren Rückzug bereits weiter nach Norden fortsetzen wollten, als sie bedeutende Verstärkungen bekamen. Diese waren mit der Eisenbahn von Tsaribrod nach Küstendik und von da nach Dzumaja zu Fuß gekommen. Infolge dieser Verstärkungen entschlossen sich die Bulgaren, die verlorenen Stellungen wieder zu besetzen und versammelten starke Truppenmassen gegen den rechten griechischen Flügel. Ein Regiment auf dem rechten griechischen Flügel eroberte dreimal mit dem Bajonett die Hohe 1378 und wurde dreimal wieder vertrieben. Schließlich wurden die Bulgaren am 27. Juli früh endgültig vertrieben. Der Kampf auf dem äußersten rechten Flügel dauerte vorgestern mit bei gleichen Hartnäckigkeit ben ganzen Tag hindurch an. Als sich am 27. Juli früh der Kampf endgültig zugunsten der Griechen entschied, zogen sich die Bulgaren, da ihre Stellungen erschüttert waren, in der Nacht zurück.
Deutsches Reich.
— Die parlamentarische Kommission zur Prüfung der Militär« lieserungen. Berlin, 30. Juli. Die vom Reichstag verlangte parlamen- torische Kommission, deren Aufgabe es sein soll, die gesamten Militärlieferungen eingehend zu prüfen, wird Mitte Oktober zusammentreten. Die Kommission wird vom Reichskanzler zusammengesetzt, der sich dem Wunsche des Reichstags gemäß an die Vorschläge halten soll, die ihm von den einzelnen Fraktionen gemacht werden.
— Beteranenfürsorge. Berlin, 30. Juli. Der Reichsverband zur Unterstützung deutscher Veteranen hat als eines seiner Hauptziele ins Auge gefaßt, den Zusammenschluß aller derjenigen Organisationen, di« sich mit der Veteranenfürsorge beschäftigen. Augenblicklich ist er dabei, ein Sammelwerk zusammenzustellen, das ein Verzeichnis darstellen soll aller dieser Vereine und Verbände, der Bedingungen, unter denen fi« Veteranen unterstützen, der Mitgliederzahl, Zweigvereine und Vermögensbestände. Da es zur Herbeiführung des Zusammenschlusses und gemeinsamen Vorgehens in der Veteranenfürsorge dringend notwendig ist, daß dieses Sammelwerk ein möglichst vollständiges Verzeichnis aller Veteranen-Unterstützungsverbände darstellt, so werden alle diejenigen Vereine und Verbände, die sich mit der Deteranenfürsorge befassen, gebeten, dem Reichsverband zur Unterstützung deutscher Veteranen, Berlin W. 9, Potsdamerstratze 126, obige Auskunft zu erteilen, sowie möglichst ihre Satzungen beizufügen. Zur Vereinfachung der Bearbeitung hat der Reichsverband einen Fragebogen herstellen lassen, der den in Frage kommenden Vereinen und Verbände auf Anfordern kostenlos zur Verfügung gestellt wird.
Ausland.
** Die Fremdenlegion. Paris, 30. Juli. Im verflossenen Jahr« traten 2282 Freiwillige in die französische Fremdenlegion ein. Diese Zahl ist etwas hoher, wie die von 1910, die sich auf 2180 belief. 1911 waren es 2265. Die von den verschiedenen Rekrutierungs-Bureaus gestellten Seute beliefen sich in- Nancy auf 289, Paris 246, Meziöres 242, Belfort 295.
“ Die Sog« in China. Peking, 30. Juli. Die Provinz Hunan hak am letzten Freitag ihre Unabhängigkeit erklärt. Sie hat diesen Schritt nicht in der Absicht getan, um an dem Kampfe gegen Nuanschikai teilzunehmen, sondern nut, um sich nach allen Seiten hin zu schützen. Di« Unabhängigkeit der Kiangsiprovinz ist zwecks Friedensschlusses aufgehoben worden, da die militärische Sage der Aufständischen dort hoffnungslos ist. Die Nordtruppen marschieren auf die Hauptstadt Nan- Tschang. Die erste und die achte Division sind zu den Nordtruppen Lber- gegangen. — Infolge der Einstellung des gewöhnlichen Dienstes bei
So kreisten die Gedanken hinter ihrer Stirn, als sie stumm und starr neben der Leiche stand. Sie bäumte sich auf gegen das Geschick, suchte nach einem Ausweg und konnte ihn doch nicht finden.
Volkmar trat an sie heran. „Hetta, sei nicht so schrecklich stumm und regungslos, klage, weine dich aus, nur brich dieses fürchterliche Schweigen."
Sie sah ihn lange an, ein tiefer, rätselhafter Blick. Dann warf sie plötzlich die Arme um seinen Hals und schmiegte sich fest an seine Brust. „Du, 0 du", stammelte sie, und dann wandte sie sich ebenso schnell wieder von ihm ab.
„Laß mich nur, ich finde mich schon wieder", sagte sie kalt.
Er wußte nicht, was er von ihr denken sollte, ihr Betragen flößt« ihm große Sorge ein.
Herta wat hinausgegangen zu den andern, Volkmar blieb allein bei dem Toten. In dieser Stunde gelobte er sich, wie ein Bruder über Herta zu wachen, für sie zu sorgen im Sinne seines Bruders, der sie so heiß geliebt hatte.
Dann kam Gertrud herüber: „Herta ist so sonderbar, Volkmar, sie sitzt drüben stumm und teilnahmlos am Kamin und starrt in die Flammen. All unsere Fragen und Bitten überhört sie. Tante ist außer sich vor Sorge. „Was tun wir nur mit ihr? Wenn sie nur weinen konnte."
Er faßte seine Frau liebevoll in seine Arme. „Die Aermste, ich fürchte, sie geht zu Grunde an diesem Leid. Was wir zu ihrem Trost tun können, wollen wir tun. Ihr wortloser Jammer greift mir an das Herz. Komm zu ihr, mein Trudchen, wir wollen alles versuchen, um sie aufzurütteln.
Arm in Arm geschmiegt, traten sie vor Hetta hin. Volkmar setzte sich an ihre Seite und nahm ihre Hand in di« feine.
„Siebe Herta, du solltest dich aussprechen, tue es uns zu liebe, die wir so herzlich um dich besorgt sind."
Sie sah die beiden an. Wie diese Gertrud so selbstverständlich ihren Arm um seinen Hals legte und sich auf ihn stützte. Wie sie so stolz und selbstbewußt auf dem Platz stand, den sie hätte einnehmen Linnen, wenn sie gewollt hätte. Volkmar war nun der Erbe der kolossalen Reichtümer, alles, was sie ttn Beben glühend gewünscht, Reichtum, Macht, Ansehen, alles fiel dieser nichtssagenden Person zu, dieser Gertrud. Sollte ei denn schwer sein, diese Frau hinwegzudrängen von der Seite des Mannes, der allein ihrem Herzen teuer gewesen, bet nun auch den heißersehnten Reichtum besaß, nach welchem sie immer so glühend verlangt hatte, so glühend, daß sie lieber tyt Herz zu« Schweigen gebracht hatte, als darauf zu verzichten?" ,
(Fortsetzung folgt) J
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