mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .LandwirtichaMche Beilage".
Jti 176
Die „Oberhessijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljäbrlich durä- die Post 2.25 <.«. (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 .« srei ins Haus. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Marburg
Mittwoch, 30. Juli
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48. Jllhrg
1913.
Erstes Blatt.
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Rundschau.
Rückgang der Reichseinnahmen.
Die Einnahmen des Reichs an Zöllen, Steuern und Gebühren im ersten Viertel des laufenden Rechnungsjahres sind erheblich zurückgegangen. Mehreinnahmen im Gesamtbeträge von 19,2 Millionen stehen Mindereinnahmen im Gesamtbeträge von 36,6 Millionen Mark gegenüber, so datz ein Ausfall von 19,4 Millionen Mark gegenüber der aus drei Monate fallenden veranschlagten Durchschnittseinnahme, die 415,6 Millionen beträgt, zu verzeichnen ist. Was die Einnahmeentwicklung im einzelnen betrifft, so ist ein starker Rückgang der Zollerträge zu verzeichnen: an Stelle eines Ertrages von 180,3 Millionen, wie er der Durchschnittseinnahme für drei Monate entspricht, hat die Einnahme tatsächlich nur 151,9 Mill. Mark betragen, es ist also eine Mindereinnahme von von 28,4 Mill. Mark zu verzeichnen. Da der Ertrag der Zölle den weitaus größten Bestandteil der Reichseinnahmen aus Zöllen, Steuern und Gebühren bildet — im laufenden Etat 703,5 Millionen bei einem Gesamtertrag von 1662,2 Millionen —, muh die bisherige Entwicklung der Zolleinnahmen als unerfreulich und nicht ganz unbedenklich bezeichnet werden.
Die Einnahmen der Reichspostverwaltung in den xrsten'b'rei Monaten des laufenden Rechnungsjahres haben 188,5 'illionen Mark oder 22,1 Millionen weniger als die vorgesehene Durchfthnittseinnahme, die Einnahmen der R e i ch s e i s e n - banhnverwaltung 39,1 Millionen oder 0,7 Millionen Mark mehr als die vorgesehene Durchschnittseinnahme betragen. Zu dem Ausfall bei den Einnahmen aus Zöllen, Steuern und Gebühren in Höhe von 19,4 Millionen Mark treten also noch weitere Mindereinnahmen in Höhe von 21,4 Millionen Mank hinzu, so datz im ersten Viertel des laufenden Rechnungsjahres die Erträge dieser Einnahmezweige des Reichshaushalts um insgesamt 40,6 Millionen Mark hinter den anteiligen Etatsansätzen zurückgeblieben sind, ein Minderertrag, der bei einem anschlagmätzigen Gesamtertrag dieser Einnahmen in Höhe von 664,6 Millionen Mark immerhin ins Gewicht fällt.
Die nationale Arbeiterbewegung.
In Hamburg hat soeben die dritte Jahrestagung des Haupt- ausschusies nationaler Arbeiterverbände stattgefunden. Ihr Verlauf hat erfreulicherweise bewiesen, daß die nationale Arbeiterbewegung allen hämischen Prophezeiungen der „Organisierten" zum Trotz, Fortschritte macht. Es sind allerdings erst 200 000 Arbeiter, die sich hier zusammengeschlosien haben, sie stehen aber, ohne den Kampf für ihr wirtschaftliches Vorwärtskommen zu vernachlässigen, mutig ein für ihr Deutschtum und trotzen dem Terrorismus und der Anpöbelung von feiten der Sozialdemokratie. Das Bürgertum, das die Sozialdemokratie für einen Krebsschaden am Körper des deutschen Volkes hält, kann gar nichts bcsieres tun, als dieser Bewegung Förderung und Unterstützung angedeihen zu lasten. Denn durch ein machtvolles Anwachsen der nationalen Ar-
(Rachdruck verboten.)
Flauenzauber.
Roman von Hedwig Courths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Er eilte wieder hinein in das anstoßende Kesielhaus und sah in den riesigen Feuerschlund hinein. Mit Entsetzen bemerkte er allerlei Unregel- mähigkeiten am Wasterstand, an Schrauben und Gewinden, der Ofen war überfüllt, und ein Blick auf das Sicherheitsventil ließ ihn vor Schreck zurücktaumeln.
Mit einem Satz stürzte er in den Maschinenraum zurück.
„Hinaus!" schrie er mit allem Aufgebot seiner Stimmittel. „Alle hinaus. Euer Leben ist in Gefahr."
In wilder Hast stürzten die Leut« davon, überzeugt, daß ihnen ihr Brotherr folgen würde. Dieser aber eilte ins Kesielhaus zurück. Er wollte retten, was noch zu retten war. Eine glühende Dampfwolke wallte ihm entgegen und hüllte ihn ein. Er schwankte, taumelte und stürzte über einen am Boden liegenden Gegenstand. Mit dem Kopf aufschlagend, verlor er das Bewußtsein. Der sengende Dampf quoll in glühenden Schwaden über ihn hin.
In diesem Augenblick drang der Heizer Mertens in den Raum ein. Er hatte von den draußen angstvoll fliehenden Leuten gehört, was geschehen; in seiner Eewisiensangst stürmte er vorwärts, um den Tod zu suchen. Dicker, heißer Dampf strömte ihm entgegen, da hörte er hinter sich die Stimme Volkmars in verzweifelndem Ton nach seinem Bruder rufen.
„Mertens, wo ist mein Bruder! Er muß noch im Kesielhaus sein. Karl, Karl!"
Er stürmte durch den Maschinenraum hinter Mertens her nach dem Kesielhaus. Aus der geöffneten Tür quoll ihm heißer, glühender Dampf «entgegen. Unbekümmert wollte er eindringen. Da erschien keuchend und stöhnend Mertens in der Tür und schleifte einen menschlichen Körper hinter sich her.
Bolkmar schrie auf in wahnsinnigem Schmerz, er erkannt« seinen Bruder, .
beiterverbände, durch eine Bekämpfung der sozialdemokratischen Irr- und Hetzlehren seitens der Arbeiter selbst wird den „ziel- I bewußten" und „unentwegten" Eenosten am ehesten das Master abgegraben. Es gibt heute wohl keinen vernünftigen Menschen mehr, der glaubt, die Sozialdemokratie durch Entgegenkommen versöhnen, entwaffnen zu können. Wird doch die soziale Fürsorge, die in Deutschland der arbeitenden Bevölkerung zuteil wird und die bei weitem alles übertrifft, was andere Staaten auf diesem Gebiete leisten, trotz der ungeheuren Mittel, die dafür aufgewandt werden müssen, als „armseliger Bettel" bezeichnet. Die Arbeiterschaft, die dieser Wohltaten teilhaftig wird, ist, soweit sie zur sozialdemokratischen Fahne schwört, nicht nur weit entfernt von jeder Dankbarkeit, sie ist dank der ständigen Verhetzung mehr als je von verbissener Wut und Ingrimm gegen die Arbeitgeber, das Bürgertum, den Staat erfüllt. Von ihr ist für nationale Zwecke nichts mehr zu erhoffen, darum stärke man die nationalen und wirtschaftsfreundlichen Organisationen. Je stärker sie anwachsen, desto größer wird ihre Werbekraft werden, und viele werden sich ihnen anschließen, die jetzt nur gezwungen und aus Furcht vor rücksichtslosem Terrorismus das sozialdemokratische Joch tragen.
Das englische Oberhaus über Persien und Tibet.
In den weiteren Beratungen des Oberhauses legte Lord Morley die Politik der Regierung gegenüber Persien wie folgt dar: Aufrechterhaltung des englisch-russischen Abkommens nach Geist und Buchstaben, Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit Persiens und Vermeidung seiner wirtschaftlichen, administrativen oder politischen Teilung. „Wir werden keine Gelegenheit versäumen, die zerrüttete Lage, in der die persische Regierung sich jetzt befindet, bester zu gestalten, durch Ratschläge und durch eine Unterstützung, was wir zu leisten für angemesten halten, um die persische Regierung in den Stand zu setzen, die Ordnung auf den südlichen Straßen wiederherzustellen. Wir wünschen ferner zu vermeiden, daß wir selbst in eine Politik der Abenteuer im südlichen Persien verwickelt werden, und wir müsten uns ferner davor hüten, in eine Lage gebracht zu werden, welche die mohammedanischen Empfindungen in Indien verletzen würde." Der Lordgeheimsiegelbewahrer Marquis of Crewe erklärte, es fei nicht genau, wenn man sage, daß bezüglich einer transpersischen Eisenbahn irgendein Anerbieten gemacht worden wäre. England wäre keinerlei Verpflichtung eingegangen über das hinaus, was vor einigen Monaten von Lord Morley mitgeteilt worden sei. England stehe immer noch auf dem Standpunkt, daß die Linienführung einer solchen Bahn, wenn immer und wo immer sie gebaut werden würde, Englands Genehmigung haben müßte. Alles, was sich ereignet habe, sei, daß ein Vorschlag vorliege zum Bau einer Bahn von Teheran innerhalb der russischen Zone, und der Bau einer solchen Linie sei daher Sache der russischen Regierung. — Lord Morley teilte dann mit. wegen Tibet würde unter den Auspizien Englands eine Konferenz stattfinden. Rußland habe im Prinzip zugestimmt, daß es kein Recht zu einer Intervention in der inneren Verwaltung Tibets habe. Englands politisches Interests in jener Gegend beschränke sich auf die Aufrechterhaltung freundschaftlicher Beziehungen und von Frieden und Sicherheit längs der indischen Grenze. Die russische Regierung wäre von dem Vorgehen und von allen Absichten Englands in dieser Frage unterrichtet worden und habe alles vollständig gebilligt. Die Konferenz würde in ungefähr drei Wochen in Simla zusanunentreten.
Deutsch-französisches Abkommen über bi« Behandlung von Luftfahrzeugen.
Die Bestimmungen, die nach den am 26. Juli zwischen dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes und dem französischen Botschafter ausgetauschten Roten für den Verkehr deutscher Luftfahrzeuge nach Frankreich gelten, enthalten u. a. folgendes: Die aus deutschem Gebiet kommen-
„Schnell, fasten Sie mit an", rief Mertens heiser und rauh mit fast versagender Stimme, „ich weiß nicht, was da drinnen geschehen ist, man kann vor Dampf nichts sehen. Wir müsten den Herrn hinausbringen, die anderen sind davongelausen."
Sie schleppten den schweren Körper hinaus auf den Hof, wo unzählige Fässer aufgestapelt waren, und legten ihn aus einige Bretter. Einige Herren aus dem Kontor waren herbeigeeilt, und mit diesen zusammen trug Volkmar seinen Bruder hinein auf eine der gepolsterten Bänke, die im Wartesaal ausgestellt waren. Mertens war wieder hineingestürmt ins Kesielhaus, ohne daß jemand wußte, was er wollte. Mond fand ihn später als Leiche.
Volkmar hatte einen reitenden Boten zum Arzt geschickt. Sein Schmerz und sein Entsetzen waren so groß, daß er nur mit zitternden Händen Helsen konnte, die Kleider seines Bruders zu entfernen. Teilweise gelang dies gar nicht, da sie an die Haut festgeklebt waren und man sie mit loslöste. Das Gesicht war bis zur Unkenntlichkeit entstellt, keine Spur von Leben schien in dem Körper mehr zu sein. Leblos und starr lag der große, starke Mannhingestreckt, ein Opfer seiner Menschenliebe. Um seine Arbeiter nicht zu opfern, hatte er sein eigenes Leben eingesetzt. Als der Arzt kam, konstatierte er nur den sofort nach der Verbrühung eingetretenen Tod Karls.
Volkmar wollte es nicht glauben, er bat und beschwor den Arzt, alles zu versuchen. Es mußte, ja doch noch Leben in ihm fein, er konnte und wollte nicht glauben, daß der Mann, den er heute morgen frisch, heiter und gesund am. Frühstückstisch gesehen hatte, jetzt als Leiche vor ihm lag. Der Arzt legte seine Hand auf Volkmars Schulter.
„Herr Doktor Prenkel, nur fein größter Feind könnte diesem Manne wünschen, am Leben zu bleiben. Die Qualen, di« er dann zu erdulden hätte, würden ihn wahnsinnig machen. Er hat einen schnellen Tod gefunden, gönnen Sie ihm diesen."
Volkmar brach neben dem Toten in die Knie und küßte die verstümmelte Hand. Große, schwere Tränen rannen ihm die Wangen herab. Er hatte diesen Bruder geliebt und verehrt wie einen Vater, Bruder und Freund zusammen. Er war ihm ein leuchtendes Vorbild gewesen bei allem Tun und Handeln. Er hatte seine gütige Hand zu jeder Zeit über ihm gehalten, hatte ihm emporgeholsen mit Rat und Tat. Glück-
den Luftfahrzeuge, die der Militärverwaltung gehören, oder unter deren Insassen sich Militärpersonen in Uniform befinden, dürfen nur auf eine Einladung der französischen Regierung französisches Gebiet überfliegen oder dort landen. Doch wird diesen Luftfahrzeugen im Notfälle der Aufenthalt aus französischem Gebiete nicht untersagt. Sollte ein Militärfahrzeug über französisches Gebiet verschlagen werden, muß es ein Notsignal geben und sobald als möglich landen, ferner ist die nächste französische Zivil- oder Militärbehörde zu benachrichtigen. Die Militärbehörde hat gegebenenfalls unter der Mitwirkung der Zioilbehörde mit allen geeignet erscheinenden Mitteln eine Untersuchung vorzunehmen, die jedoch lediglich dazu bestimmt ist, festzustellen, ob die Berufung auf einen Notfall berechtigt war oder nicht. Solchen Untersuchungen dürfen sich die Insassen des Fahrzeuges nicht widersetzen. Wird auf Grund dieser Untersuchung anerkannt, daß ein Notfall vorliegt, hat die Militärbehörde dem Offizier, der das militärische Personal des Luftfahrzeuges führt, das Ehrenwort darüber abzuverlangen, daß weder er selbst, noch irgend ein anderer Insasse des Luftfahrzeuges auf oder über dem französischen Gebiete eine Handlung begangen habe, durch welche die Sicherheit Frankreichs gefährdet werden könnte. Hierauf wird dem Luftfahrzeug gestattet werden, in seinen Heimatstaat zurückzukehren. Die Rückfahrt darf unter den von der Militärbehörde festgesetzten Bedingungen auf dem Luftwege erfolgen. Ist die Rückkehr nicht sofort ausführbar, so kann während des Aufenthaltes des Luftfahrzeuges in Frankreich kein« Maßnahme getroffen werden, die nicht aus Gründen der Staatssicherheit oder öffentlichen Gesundheit geboten ist oder die Abwendung einer unmittelbaren Gefahr für Personen oder Sachen bezweckt. Wird ein di« Landung nicht rechtfertigender Notfall festgestellt, so wird die Sache der Gerichtsbehörde übergeben, welche die französische Regierung entsprechend benachrichtigt. Artikel 2 der Bestimmungen spricht sich über die Bedingungen aus, unter welchen außerhalb der nach französischen Vor» schriften verbotenen Zonen aus Deutschland kommende private Luftfahrzeuge französisches Gebiet überfliegen und darauf landen können. Artikel 3 besagt, daß in jedem Falle, wo ein aus Deutschland kommendes Luftfahrzeug in Frankreich landet, die französischen Behörden ihr Möglichstes zum Schutze des Fahrzeuges und zur Sicherung der Insassen zu tun haben. Die Bestimmungen der Noten gelten unter der Beding, ng der Gegenseitigkeit und treten außer Kraft, sobald die französische Regierung der deutschen eine entsprechende Mitteilung macht. Die entspreck-kn- den Bestimmungen gelten für die aus Frankreich nach Deutschland । e- tangenben Militär- und Privatluftfahrzeuge. Das Abkommen tritt 1 t dem 15. August in Kraft.
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Tie Laqe auf dem Balkan.
Die Konferenz in Bukarest nimmt heute ihren Anfang. Optimisten glauben, daß sie schon in drei Tagen zu einem guten Ende kommen werde. Man erklärt, die Mächte wollten sich nicht in diese Verhandlungen mischen, vorausgesetzt, daß die Lösung, die daraus hervorgeht, nicht zum Schaden der Mächte ist; andernfalls habe Europa das letzte Wort, lleber das Verhalten der Türkei sind die Ansichten der Mächte noch nicht so übereinstimmend, daß es zu einem gemeinsamen Schritt bei der Pforte gekommen wäre. Die Kämpfe zwischen Bulgaren und Serben dauern weiter an.
Die Friedenskonferenz.
Bukarest, 29. Juli. Ministerpräsident Venizelos und die hellenische Mission trafen gestern abend hier ein. Die erste Sitzung der Konferenz findet morgen statt.
Bukarest, 29. Juli. Die bulgarischen Vertreter auf der Friedenskonferenz haben nicht verabsäumt, durch die Vermittlung der hiesigen Gesandten der Großmächte die tadellose Haltung der rumänischen Truppen in Bulgarien anzuerkennen. In politischen Kreisen wurde mit Befriedigung festgestellt, daß alle Vertreter der Friedenskonferenz absolute Vollmacht haben, so daß man hofft, ohne allzu große Schwierigkeiten in nicht allzu langer Zeit mit den Bukarester Verhandlungen zu Ende zu kommen. — Die offiziöse „Presa" schreibt in ihrem Leitartikel: „Rumänien wird in der wichtigen Rolle eines mäßigenden Friedens st ifters
los war et bisher gewesen, und nun, wo er das Glück gefunden, wurde er dahingerafft in der Blüte feiner Jahre.
Mühsam rang Volkmar um seine Fassung, das Kontorpersonal umstand ihn tieferschüttert. Sie wußten, daß sie einen guten Chef verloren hatten, der jederzeit ihr Wohl im Auge gehabt hatte. Jetzt trat plötzlich der alte Direktor herein, ein Blick auf die bleichen Gesichter der Umstehenden sagte ihm, daß et recht gehört hatte, als man ihm den Tod seines Chefs gemeldet hatte.
Er reichte stumm und wortlos Volkmar die Hand, sprechen konnte bet alte Mann nicht, aber aus feinen Augen fielen bie Tränen herab. Draußen sammelten sich alle Arbeiter nach unb nach an. Das große Getriebe ber Fabrik ftanb wie mit Zauberschlag still. Der Ingenieur, welcher brüben in einem anbeten Teile ber Fabrik eine Maschine hatte aufstellen lassen, hatte, nachbern er bem Dampf Abzug verschafft, bas Kesselhaus inspiziert. Er fanb auch bie Leiche Mertens, bet Unglückliche, dessen Eifersucht auf seine hübsche Frau ihn seiner Pflicht abwendig gemacht, hatte feine Schuld mit dem Leben bezahlt. Seine Leiche lag jetzt im Hofraum, mit Decken zugedeckt, denn ber Anblick war gräßlich.
Volkmar hatte sich ermannt Er trat hinaus unter bie Leute. Tiefe feierliche Stille herrschte, fobalb er erschien. Eine ganze Weile rang et mit sich, ehe er mit einigermaßen verständlicher Stimme den Leuten den Tod seines Bruders melden konnte.
„Er hat fein Leben für Euch eingesetzt, Leute, ich brauche Euch nicht zu bitten, ihm ein ehrendes Andenken zu bewahren. Geht heute nach Haufe, wir alle trauern um einen gütigen Herrn, mit starb der beste, edelste Bruder in ihm."
Still und feierlich gingen die Leute auseinander, über manches gefurchte, abgehärtete Gesicht rollte eine Träne, tiefe Trauet wat in allen Herzen.
Die Leiche des Fabrikhettn wurde auf eine improvisierte Vahr« gelegt, bann machte sich Volkmar selbst auf ben Weg, um bie Damen vorzubereiten.
Sein Herz erzitterte, wenn er an Herta buchte. Wie würbe sie es ertragen, biefes furchtbare Leib?
(Fortlekuna )