Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt

»-

-M i-M

für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder .Q (y deren Raum 15 4. bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für,

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn

und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch

M 175 die Post 225 J( (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 J*. frei ins Haus. Verlag von Dr. C. Hitzeroth. Druck der Unw.«

1913.

Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

irrstes Blatt

Marburg

Dienstag. 29. Juli

durch den Ton verstärkenden Mustk, nicht völlig auseinandergleiten zu lassen: den R y t h m u s. Den möchte man sich in Frau von Blankensees Deklamation noch ausgeprägter wünschen; erst wenn die Satzaccentuie- rung mit dem musikalischen Rhythmus, wo es nur immer geMehen kann, restlos verschmolzen ist, kommt eine Wirkung zustande, die das Melo­drama in die Geltung eines ästhetischen Gegenstandes ausrücken lägt, der wenigstens ein zu einer gewissen Einheit verhelfendes Band besitzt, ohne das die von Riemann so überaus vorsichtig formulierteästhetisch nicht einwandfrei« Zwittergattung" des Melodramas in aller DringliAeit

unternahmen mit bedeutenden Kräften einen Angriff gegen de« linken Flügel der Bulgaren, wurden aber durch einen Gegen« angriff gezwungen, den Rückzug «mzutreten, wobei zwei Geschütze und ein Maschinengewehr zurückgelassen wurde.

Belgrad, 28. Juli. Bei Tagesanbruch griffen die Buk- garen die serbischen Stellungen bei Tzrvenigrad in der Nähe von Egri-Palanka an, dort, wo früher die serbisch-türkische und die bul­garische Grenze zusammenstießen. Der Angriff wurde sofort ener­gisch zurückgewiesen. Die serbischen Truppen verblieben in ihren Stellungen. Nachdem der Feind vertrieben worden war, wurde ein anderer ähnlicher Angriff der Bulgaren bei Vlassina ebenfalls zurückgeschlagen. An allen übrigen Punkten herrscht Ruhe.

S a l o n i k i, 28. Juli. Der größte Teil der hier befindlichen Marine-Infanterie ist nach Dedeagatsch abgegangen. Die Grie­chen haben die ganze Küste von Kavallo bis Enos besetzt.

Ein neuer österreichischer Donankriegshafen.

W i e n, 28. Juli. Mit Rücksicht auf die Balkanereiguisie hat die österreichische Heeresverwaltung die Errichtung eines neuen Hafens für die östereichifche Donauflotte in Neusatz in Aussicht genommen. Im nächsten Frühjahr soll mit dem Bau der Hafen­anlagen begonnen werden.

Russische Bataillone an der türkischen Grenze?

London, 28. Juli. Der Minister des Innern Talat Bei in Konstantinopel hat einer Meldung desExchange Telegraph­zufolge eine Drahtung erhalten, die die Ankunft mehrerer ruf- sischer Bataillone an der russisch-türkischen Grenze zwischen dem Kaukasus und Armenien meldet.

Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gitt als Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt o. M.

bu >-rocht kommen. Die aver wuroen nur angeoeuwrunu r» i|t

nicht anzunehmen, daß nachdenkliche Zuhörer mit dem Resultat der Be­trachtungen zufrieden gewesen sind: der gute Geschmack des Künstlers muffe das Richtige, das Natürliche finden. Weder Kunst noch Aesthetrk dürfen sich damit bescheiden, dieser Zufälligkeit ausgeliefert zu sein. Einige eingehende Erwägungen über die Möglichkeit des Melodrams, über bte recht zweifelhafte Frage der Selbständigkeit musikalischer For- men in ihm, den Zwiespalt zwischen der musikalischen Harmonierung und Modulation und den (besonders beim künstlerischen Sprechen) bestimmt empfundenen Höhen der Sprechtöne x hätten die geschichtlichen Betrach­tungen erst in dem willkommenen Mähe vertieft, indem sie die notwen­dige Erklärung des seltsamen Entwicklungsganges abgegeben hätten, den das Melodrama hat durchwandern müsien und können. Kann doch auch nur die Frage nach der Stellung der Musik im Melodrama den erstaun­lichen Aufschwung erst begründen helfen, den es in der jüngsten Vergan­genheit nahm durch Straußund Schillings. Denn nicht Posiart, wie ge­sagt wurde, verursachte diesen Aufschwung: sondern Richard Strauß. der mit der wahrhaft tiefer. Vertonung von TennysonsEnoch Arden" dem Meister der Sprachmelodik (dem er sein op. 38 im Jahre 1898 widmete) erst das Werk in die Hand gab, mit dem er für das Melodrama einen Sieg auf voller Front erringen konnte. Zu gleich nachhaltiger Wirkung gelangte das andere lebenerhaltende melodramatische Werk, Schillings' Hexenlied" (1902) durch Wüllner.

Endlich aber hätte eine musikalische Betrachtung Frau von Blanken­see auf ein Moment notwendig führen müssen, das einzig und allein geeignet ist die beiden gleichsam im Melodrama dahinfließenden Ströme, den oberen des gesprochenen, den gedanklichen und stofflichen Inhalt bannenden Wortes, und den unteren der die Gefühlswerte des Inhalts

Paris, 28. Juli. Nach einer Vlattermeldung aus Kon­stantinopel hat die türkische Regierung den schwedischen Gesandten ersucht, ihr drei Fachleute zur Verfügung zu stellen, die dem Eeneralinspekteur von Syrien für die Landwirtschaft, die öffent­lichen Arbeiten und die Polizei beigegeben werden sollen.

-----*-----

Deutsches Reich,

__Der Kaiser in Norwegen. Balestrand, 28. Juli. Vorwitz tags begab sich der Kaiser an Bord des TorpedobootesSleipner" nach Vangenaes, wo bei der Frithjofstatue eine Urkunde nieder­gelegt werden und eine Probe der Einweihungsfeier stattfinden soll. Das Wetter ist seit heute morgen kühl und regnerisch. An Bord ist alles wohl. - .<, «

Kaiserliche Anerkennung für das SchulschiffHertha. Kiel 28. April. Der Kaiser hat in diesen Tagen in Balholmen das 'Seekadetten- und Schiffsjungen-SchulschiffHertha" ein­gehend besichtigt und darauf nachstehende Drahtung an den In­spekteur des Vildungswesens der Marine gerichtet:Ich habe soeben mein SchulschiffHertha" besichtigt und dabei den aller­besten Eindruck von den in allen Gebieten erzielten Leistungen, wie von der Frische und Schneid igleit der ganzen Be­satzung gewonnen. Es freut mich, das der Inspektion mitteilen zu können und ich behalte mir vor, an Offiziere und Unteroffiziere des Schulschiffes Auszeichnungen zu verleihen."

__ Prinzregent Ludwig in Nürnberg. Nürnberg, 28. Juli. Heute vormittag traf der Prinzregent mit Gemahlin und Töch­tern hier ein. Die Fahrt ging durch die festlich geschmückte Stadt

m Abkehr mahnen müßte. Stimmlich befand sich Frau von Blanken- ee noch nicht ganz auf der Höhe, in der eine Erkrankung des Sprach­organs sie bedroht hat; volle Entfaltung der Kraft und Wucht, auch eine reickere Registrierung war ihr hier und da noch versagt. Doch schließt einigen dieser Schwäche (wir hoffen, nur noch für kurze Zeit.) em wenig verborgen halten mußte, freudig anedonn werde - auch die Zu. Hörerschaft dankte mit großer Warme ihres Beifalls. An deren hohem Grade hatt^ auch der Anteil, der die Herzen der Frauen ganz besonder, in seinen Bann schlägt: Chopin. Je mehr man g-neigt 'stz d e V-rech^ flung hiervon zuzugeben, desto weniger mag wohl eine gesunde Natur ®n frei herausgesagt in ihrer Abgebrauchtheit und quälerischen, banalen Sentimentalität nahezu unerträglichen. Trauermarschreimereien Uieiskis (aus den 50er Jahren) Geschmack (höchstens bitteren.) abgewm- nen- gefälliger nahm sich der Himmelfahrtstraum aus m erster Linie freilich der einschmeichelnden Präludienmelodie Chopins wegen; auch Reineckes Musik zu HeinesSchelm von Bergen ist doch im Grunde recht wenig schmackhafte Speise für ein feineres Ohr, so daß die Wahl der Vor- träge nicht einwandfrei erscheint. Hätten die Künstler nicht tiefer m die recht reichliche Melodramenreihe greifen, vielleicht gar mit Gerstenberg- Bendas mehr als bloß historisch interesianterAriadne" anhebend wenige der wertvollsten Erscheinungen der melodramatischen Literatur in ge­schichtlicher Abfolge darbieten mögen, so wäre als recht willkommener Weg der geblieben, daß Frau von Blankensee, wie der Pianist ferne Kunst, die von ihr vermittelte Dichtkunst in reiner Gestalt zu Worte kom-

Herrn Paul Schramm aus Berlin freuen wir uns schlackenlos reine Beifallsworte mit auf den Weg geben zu dürfen, der ihn, daran wagen wir nicht zu zweifeln, aufwärts zur Höhe fuhren wird. Denn fchlackenfrer waren seine Leistungen in jedem Betracht. Wir bekennen, unter der Zahl von Pianisten, die ihre Kunst dem Melodram zuwenden, nicht seines­gleichen begegnet zu sein, was die restlose Ausschöpfung des musikalischen Stimmungsgehalts und dabei zugleich den gebotenen Grad, geziemender Unterordnung betrifft. Und ihm als Solisten in Brahms Edward - Ballade, in die verzückte Stimmung seines Intermezzos Es-dur der Schumann-Brahmspoet Reisenauer stand hier vor unseren Augen und in Liszts Riecordanza und Rhapsodie (Nr. 20) zu folgen, war reinster Genuß' er hat, so scheint es, mit keiner technischen Schwierigkeit (seiner ausgezeichneten Nutzbarmachung des Pedals sei besonders gedacht) 8* kämpfen, sondern ist in der seltenen Lage, seine ganze Künstler,chaft auf die Gestaltung der Komposition zu verwenden, und er gestalte. intensiv und zwingend. Wir hoffen, ihn bald wieder in Mar' bürg an der Lahn zu hören. c 1

Ministerpräsidenten Venizelos wird für heute abend erwartet. Die offizielle Vorstellung findet Dienstag, die erste Konferenz, die im Ministerium des Aeußern abgehalten wird, Mittwoch statt. Der Chef der bulgarischen Mission Tonischem stattete heute den rumänischen Bevollmächtigten Besuche ab. In den Besprechungen zeigen sich die Bulgaren besorgt, den Eindruck, welche die Haltung Bulgariens in dem rumänischen Krieg zurückgelassen Hai, ver­gessen zu machen. Ebenso trat dabei der Wunsch der bulgarischen Regierung zutage, eine neue Aera der bulgarisch­rumänischen Beziehungen herbeizuführen. In Risch werden die militärischen Verhandlungen über die Demarkations­linie und über die Einstellung der Feindseligkeiten geführt wer­den. Der Tag, an dem die Verhandlungen beginnen sollen, ist indessen noch nicht bekannt.

Abzug der Türken aus Altbulgarien.

Sofia, 28. Juli. Türkische Kavallerie, eine halbe Schwa­dron stark, versuchte den bulgarischen Posten bei Kaibiljar (Bezirk Kifilagatsch) zu umzingeln. Die bulgarischen Soldaten wiesen den dreimal wiederholten türkischen Angriff zurück, bei dem 20 Mann vielen. 50 Baschibozuks mit zwei Schwadronen Kavallerie ' drangen in das bulgarische Städtchen Goljembojalück in dem­selben Bezirk, wurden jedoch zurückgewiesen. Eine andere Abtei- lung türkischer Kavallerie wurde von dem Dorfe Küzüklisse zurück­getrieben. Die Türken landeten in Wasiliko und Agathopolis am Schwarzen Meere Infanterie. Bei dem Dorf Urumbegli hat ein Gefecht mit Baschibozuks und türkischen Kavalleriepatrouillen stattgefunden. Der Bürgermeister des Dorfes wurde getötet. Im Dorfe Eerdeme sowie in anderen Ortschaften haben die türkischen Soldaten Vieh fortgeschleppt. Das Dorf Devlteköj ist von den Soldaten in Brand gesteckt worden.

S o f i a, 28. Juli. Nach der Einäscherung einiger Dörfer und des Grenzortes Hebitschewo zogen sich die Türken nach Thrazienzurück.

Konstantinopel, 28. Juli. Der Thronfolger und ein Sohn des Sultans reisen morgen namens des Sultans nach Adrianopel ab.

Die Erstürmung der Kresnapäsie durch die Griechen.

Athen, 28. Juli. In den Kämpfen bei Simetli, die mit einer vollständigen Niederlage der Bulgaren endeten, hielten diese eine steile Anhöhe besetzt, die 1260 Meter über dem Meeres­spiegel liegt. Die Stellung war durch eine Reihe starker Artil­lerieverschanzungen befestigt. Die Griechen mußten bei str^ mendem Regen und Nebel die schwierigen Kresnapäsie, die sich über 20 Kilometer erstrecken, überwinden. Die Vulgaren hatten alle Brücken zerstört, aber die Genietruppen stellten die Verbin­dungen wieder her. . Die Bulgaren beschosien die Päsie lebhaft und machten so den Vormarsch für die griechische Artillerie schwie­rig deshalb rückten die Griechen während der Nacht vor. Gestern wurden die Bulgaren auf der ganzen Front von ihren vor­geschobenen Stellungen auf die Hauptstellungen zurückgeworfen. Die Griechen gingen, nachdem sie den Ausgang der Päsie erreicht hatten, zum Sturmangriff vor. Nach einem heftigen Kampfe wurden die Bulgaren vollständig zersprengt.

Weitere Kämpfe.

S o f i a, 28. Juli. Gestern kam es auf der ganzen Front zu keinem ernsten Zusammenstoß mit den Serben. Die Griechen

Sommernachtstraum" (Mendelssohn) mögen hierfür als bedeutendste Erscheinungen genannt sein. Frau von Blankensee sprach von dem An- und Abschwellen des Beifalls, das dem Melodrama im Verlauf seiner Geschichte beschjeden gewesen, und streifte dabei kurz allzu kurz die Einwände, die von schaffenden Künstlern (wie Rich. Wagner) und Musik­ästhetikern von Rang (wie Hugo Riemann) gegen diese Gattung erhoben r- rTlb SHtju kurz: denn hierbei wäre es wohl am Platze gewesen, "lik-ästhetischen Gesichtspunkte einzugehen, die für das Melo- kommen. Die aber wurden nur angedeutet, und es ist

Tie Lage auf dem Balkan.

Wie offiziös verlautet, ist die Meldung, wonach die Bot­schafter der Großmächte in Konstantinopel bereits Weisungen für ein gemeinsames diplomatisches Vorgehen erhalten haben sollen, als verfrüht anzusehen. Zunächst soll der Inhalt der europäischen Mitteilungen durch die Botfchasterversammlung in London fest- gestellt werden, und dann werden ohne Verzug die nötigen Wei- !ungen ergehen. Die Haltung der Großmächte läßt erkennen, daß ie die Anwendung von Zwangsmitteln gegen die Türkei ver­meiden möchten. Für Deutschland ist eine etwas stärkere Stel­lung der Türkei nicht unerwünscht, ebenso wie es an einer zu großen Schwächung Bulgariens kein Interesse hat. Beide Staaten müssen in der Lage fein, ein genügendes Gegengewicht gegen das lauf jeden Fall zur Tripleentente hinneigende Serbien und Grie­chenland zu bilden. Ein für den Dreibund vorteilhaftes Ergebnis jbei Konferenz in Bukarest müßte sich so gestalten: Erweiterung des rumänischen Machtbereiches durch das geforderte Gebiet mit her Grenze Tuturkai-Dobritfch-Baltschik und Entschädigung Bul- dariens in Thrazien und Mazedonien. Die serbischen Forderungen Entsprechen diesen Wünschen freilich nicht. Wie die Belgrader Politika" meldet, wird Serbien nach der Versicherung maß­gebender Kreise bei den Friedensverhandlungen folgende For­derungen stellen: Ueberlassung aller von der serbischen Armee zum zweiten Male eroberten Gebiete. Regulierung der alten serbisch-bulgarischen Grenze, da diese wiederholt zu Zwistigkeiten Anlaß gab, und die Zahlung einer Kriegsentschädigung. Hier (einen allseitig befriedigenden Ausgleich zu schaffen, stellt eben eine -erhebliche Schwierigkeit dar. Da bulgarische Delegiertenkreise die Auffassung vertreten, die Ergebnisse der Bukarester Beratungen bedürften der Genehmigung Europas, würden die Regierungen der Dreibundstaaten möglicherweise in der Lage sein, eine ihnen günstige Neugestaltung der Dinge auf dem Balkan mit der nötigen Energie zu vertreten. Sie würden dabei jedenfalls die lknter- stütztzng Rumäniens finden: denn die rumänische Regierung soll die Wmdländifchen Gesandten gebeten haben, ihre Regierungen auf folgende Punkte aufmerksam zu machen: Rumänien ist der Ansicht, daß im Augenblicke der Verhandlungen die Lage sehr ver­wickelt wäre, wenn die Friedensunterhändler nicht die Gewißheit hätten, daß der Londoner Friedensvertrag be­stehen bleibt. Für Bulgarien wäre die Situation gleichfalls kritisch, wenn es von der türkischen Seite her nicht volle Sicherheit hätte. ' Das Gleiche gilt auch von Griechenland und Serbien. Daher bittet Rumänien die Großmächte, alles zu tun, damit der Londoner Friedensvertrag geachtet wird. Dieser aber ist bekannt­lich für Bulgarien und damit auch für den Dreibund günstiger als der gegenwärtige Stand der Machtverhältnisie, den Serbien und Griechenland zur Grundlage der Verhandlungen machen wollen. Ohne einen Druck von feiten Rumäniens werden sie von diesem Standpunkt kaum abgehen.

Bor den Friedensverhandlungen.

Bukarest, 28. Juli. Die Bevollmächtigten Serbiens, Bul­gariens und Montenegros für die Friedensverhandlungen sind heute vormittag hier eingetroffen. Die Ankunft des griechischen

9)jifinilcrnrifrf)(6 Konzert in der Univkrsitiitsanla.

Da--, gut besuchte Konzert, zu dem unsere einheimische Sprechkünst- kerin Frau von Blankensee und der Pianist Herr Paul Schramm aus Berlin eingeladen, hatte einen Anhauch von Wissenschaftlichkeit - nicht bloß weil es in der Universitätsaula stattfand, an deren schmuck sich kein Auge fattsehen kann. Wissenschaftlich setzte es ein mit einem Heim Vortrage, mit dem Frau von Blankensee ihre Zuhörerschaft in die E. schicht«. des Melodramas einführte. Sich stutzend auf Edgar Jstels Darstellung, zeichnete sie insbesondere die Bedeutung, die Jean Jacques Rousseau in der Geschichte des Melodramas gemeinhin zuo«schr,eben wird als dem Entdecker dieser Kunstgattung, die ihr Dasein Rousseaus Erkenntnis, daß die französische Sprache für Gesang weniger geeignet sei als die italienische, und dem hieraus lebendig gewordenen Wunsche ver­danke, den seiner Muttersprache anhaftenden Mangel durch den Er,ad begleifcnbet, illustrierender Orchesterklänge wettzumachen. , Gewiß ist es historisch unleugbar, daß Rousseau mit demPygmalion", dessen Erst- aufiünrung in Poris (1775) nicht minder Bewunderung als Beifall land, i:i entscheidender Weise für die neue Kunstgattung gewirkt hat; doch sollte man sich mebi und mehr daran gewöhnen, hierbei Rousseaus, des leiden- fchajtlichen Musikdilettanten, Verdienst um einen erheblichen Teil zu verkürzen zugunsten Harare Coignets, des eigentlichen Komponisten der ,.Pvgmalion"-Dichiung, der bescheiden genug war, vor dem Publi­kum so weit zuriickzutreten, daß man bis vor wenigen Jahren Rousieau als den poetischen und zugleich musikalischen Schöpfer dieses Melodrams gelten ließ, da doch nur einige spärliche Zutaten der Vertonung von ihm stammen. Und ebenso wünschenswert wäre es, gerade in populären Dar­stellungen scharf und klar zu betonen, daß, wenn wir von der Kunst der Antike absehen. so gut wie durchweg (der Typus der zu vorhandenen Tonstiicken nachträglich geschriebenen Dichterworte hat gottlob! eine magere Geschichte) Dichtung und Dichter das Primäre im Melodrama waren, bis erst in der jüngsten Kunstgeschichte die Wiederbelebung des friedlich schlafenden Melodramas von der Musik ausging, die sich für manches Jahr etwas eigenmächtig zur Führerin im Reigen der Künste aufschwang. Das erste r"'''b*ima der neueren Zeit ist ..Ariadne auf Naxos", gedichtet 1' ' Gerstenberg, vertont von Benda (1774).

Von demselben Gerstenb -g noch eine zweite hierher gehörende be­deutende Anregung aus: in das gesprochene Drama en Höhepunkten des Eefühlsgehaltes die auf der Szene gesprochenen Sätze von einer deren Stimmung und Rhythmen gehorsamen Instrumentalmusik begleiten zu lassen Was ©critenberg für denUgolino" forderte, ward die zweite Art von Melodrama: neben der musikalisch ausgestatteten Deklamation schlechthin die andere des Schauspiels mit musikalisch ver­tieften Szenen:Egmont" (Beethoven),Preziosa" (Weber),