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M 172

1913.

Marburg

Freitag, 25 Juli

DieOberhesfifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durä die Post 2.25 M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. Verlag von Dr. T. Hitzeroth. Druck der Univ- Buchdrnckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel 55

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Vellage".

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Verzögerung des Waffenstillstandes.

Der Gedanke einer Vorkonferenz in Nifch ist endgültig aufge­geben. Es wird nur e i n e Konferenz und zwar in Bukarest abge­halten werden, auf der sowohl die Bedingungen des Waffenstill­standes wie die des endgültigen Friedens besprochen werden sollen. Bei günstiger Witterung wird möglicherweise auch Sinaia als Verhandlungsort in Betracht kommen. Serbien und Griechenland haben eine Waffenruhe abgelehnt, weil sie Bulgarien nicht trauen. König Karol hat darauf nochmals in Belgrad und Athen einen so­fortigen Waffenstillstand beantragt und an die Könige von Grie­chenland, Serbien und Montenegro Telegramme gesandt, in denen mit Rücksicht auf die drängende Lage in Sofia sowie auf den Wunsch Europas, eine weitere Schädigung Bulgariens nicht zu dulden, die Annahme des Vorschlages der rumänischen Regierung empfohlen wird, der darin besteht, daß die Einstellung der Vor­marsches der Armeen und die Einstellung der Feindseligkeiten vor Beginn der Verhandlungen in Bukarest über den Waffenstillstand und die Friedenspräliminarien möglichst bald erfolge. Die Ant­wort wird voraussichtlich heute erteilt werden.

Aus der dreimaligen Friedensbitte Königs Ferdinand kann man ersehen, wie schlimm es um Bulgarien jetzt steht. Wenn die Feiittrfeligkeiten nicht sehr bald ein Ende erreichen, ist Philippopel ernstlich bedroht. Die Bulgaren senden zwar andauernd Sieges­nachrichten in die Welt, aber ihnen stehen ebensolche aus serbischer und griechischer Quelle entgegen. So wird aus Athen amtlich ge­meldet, daß die Griechen Stellungen bei Yokorud eingenommen haben, ganz dicht an der bulgarischen Grenze. Die Türken sind im Engpaß von Dehrend angekommen und stehen damit ebenfalls vor der altbulgarischeti Grenze. Sie sind dabei, sich in und um Adria- nopel zu befestigen, und zwar bauen sie die alten, von ihnen inne­gehabten Verschanzungen wieder aus, wobei ihnen die zurückge- .lassenen bulgarischen Geschütze glänzend zustatten kommen. De- brend liegt südwestlich von Adrianopel auf dem Wege nach Phi­lippopel. Dauert also das Zustandekommen des Waffenstillstandes noch lange, so kann es zu einer Vereinigung der türkischen und griechischen Truppen vor Philippopel kommen. Die Griechen tun . zwar entrüstet über den Vormarsch der Türken, es kann aber kaum ein Zweifel bestehen, daß er ihnen tatsächlich sehr erwünscht ist, ja daß sie bie Sorten am Ende selbst dazu ermutigt haben:

Athen, 24. Juli. Rach zuverlässigen Informationen wer­den die Bedingungen der Verbündeten erst auf der Konferenz t« Bukarest mitgeteilt werden. Man kann jetzt schon behaupten, daß sich die Bedingungen auf die Idee des Gleichgewichts auf dem Bal- kann stützen werden. Von Seiten Rumäniens besteht keine Gefahr, daß die Frage verwickelt werde, denn Rumänien trat ohne vorher­gehendes Einverständnis mit den Verbündeten in den gemein­samen Kampf ein, von der Absicht geleitet, für das Gleichgewicht auf dem Balkan zu wirken; denn ein Eroßbulgarien würde eine ständige Gefahr für Rumänien sein. Der ehrenvolle griechisch-serbische Defensivvertrag habe für alles Vor­sorge getroffen und keine Lücke gelaßen, die einen Vorwand zu Streitigkeiten unter den Verbündeten schaffen könnte. Wenn eine Gefahr für Verwickelungen besteht, so ist sie in der Interven­tion derTürkei zu suchen, einer unglückseligen und unerwar­teten Intervention. Die Verbündeten wünschten, daß die Türkei die internationalen Abmachungen des Londoner Vertrages nicht verletzt hätte. Trotz des Vormarsches der Türkei sind die Verbün­deten keineswegs geneigt, auf der Konferenz in Bukarest Thrazien als türkisches oder bulgarisches Gebiet anzuerkennen. Thrazien

(Nachtruck verbeten.)

Franenzaiwer.

> - Roman von Hedwig Courths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Ein lauernder Blick aus Reinholds Augen flog zu dem Alten hin­über.Hast du schlechte Laune, Papa? Also ist es wohl nichts mit dem Besetzen deiner Stellung für mich?"

Der Vater sah ihm mit sinsterm Schmerz in das schöne, leben­sprühende Gesicht.Fühlst du dich befähigt, diesen Posten auszufüllen?"

Reinhold steckte sich eine Zigarette an.Warum denn nicht? Gott, es kann doch nicht so schwer sein, die paar hundert Arbeiter in Respekt zu halten!"

Damit allein ist die Sache nicht abgetan. Meine Stellung ver­langt angestrengtes Arbeiten, einen ganzen Mann. Ich bezweifle aber, daß du' dir selbst den nötigen Respekt vor den Arbeitern verschaffen kannst. Den Leuten imponiert in erster Linie ein gutes Beispiel. Glaubst du, daß du ihnen das geben, kannst?"

Aber erlaube mal, Papa, du bist heute furchtbar ungemütlich. Du sprachst doch sonst ganz anders über diese Angelegenheit."

Weil ich endlich hinter deine ehrlosen Streiche gekommen bin. Meinst du, die Leute fühlen die Schmach, die du ihnen antust, weniger, weil sie arm find und nichts zu verlieren haben, als eben ihre Ehre?"

Reinhold war blaß geworden und starrte seinen Vater betreten an. Man muß mich bei dir verleumdet haben, ich . . . verstehe dich nicht."

So? Dann will ich deinem Gedächtnis nachhelfen. Herab mit der Maske, du ehrloser Wicht. In der Zeit, wo du im Kontor hinter deinen Briefen sitzen sollst, schleichst du um die Häuser der Arbeiter und suchst ihre Frauen mit deiner hübschen Larve zu betören, und wenn du sie so weit hast, wie du sie haben willst, dann überläßt du sie ihrem Elend. Weißt du vielleicht, wer die einzige Tochter des alten Gerlach in den Tod getrieben hat? Ich habe sie gekannt, sie war ein so liebes, bescheidenes Ding. Jetzt erst ist es mir klar, weshalb Gerlach mich seit jener Zeit mit finsteren Blicken verfolgt. Er hat geglaubt, ich weiß um deine Schurkerei. Run?"

Mein Gott, Papa, sei doch nicht so außer dir. Ich bin doch jung Papa, da geht dasBlut zuweilen mit einem durch."

So, ist das deine ganze erbärmliche Entschuldigung? Und jetzt willst du die Sache wiederholenmit andern? Rede!"

| ist für die Verbündeten ein Gebiet, das den Verbündeten gemein^ I sam gehört, wie es der Kongreß in London bestimmt habe. Ueber das Geschick Thraziens wird gemeinsam entschieden werden. Mehr als je fordere Griechenland infolge des unmenschlichen Betragens Bulgariens unterstützt von den Verbündeten die ernstesten Bürg­schaften für Leben, Ehre und Besitz der griechischen Bevölkerung die der Herrschaft Bulgariens unterworfen sein wird.

Die neue diplomatische Lage.

B u k a r e st, 24. Juli. In der diplomatischen Lage trat seit gestern eine Aenderung ein. Die serbische Regierung ging von ihrem bisherigen Standpunkte, nach dem die Einstellung der I Feindseligkeiten den Verhandlungen in Bukarest vorangehen sollte, ab und wünscht jetzt, daß der gesamte Komplex von Fragen in Bukarest verhandelt werde, während die Feindseligkeiten f o r t d a u e r n. Serbien begründet seinen Standpunkt mit dem Hinweise darauf, daß die Alarmnachrichten aus Sofia übertrieben sind. Somit schloß sich die serbische Regierung der Auffassung Grie­chenlands an.

B u k a r e st, 24. Juli. Obgleich die Friedenspräliminarien gleichzeitig mit dem Waffenstillstand in Bukarest unterzeichnet werden sollten, erteilte die rumänische Regierung, um die Einstel­lung der Feindseligkeiten zu erleichtern, dem General Coanda den Auftrag, sich sofort nach Risch zu begeben, um mit den Abgeord­neten der Verbündeten zusammenzutreffen, die zur Konferenz nach Bukarest kommen werden. Daher ist es möglich, daß noch vor der Unterzeichnung des Waffenstillstandes selbst vorläufige Maßregeln zur Vermeidung neuen Blutvergießens ergriffen werden. Als Bevollmächtigte für die Friedensverhandlungen hat Serbien den Ministerpräsidenten Pasitsch, den früheren Gesandten in Sofia, Spalaikowitsch, zwei Obersten und einen Sekretär in Aussicht ge­nommen. Griechenland wird wahrscheinlich den Ministerpräsi­denten Venizelos und den früheren Gesandten in Sofia Panas entsenden, Montenegro den Ministerpräsidenten Plamenatz.

Sofia, 24. Juni. König Karol hat an König Ferdinand eine sehr herzliche Depesche gesandt, in der er mitteilte, daß Ru­mänien bereits bei den Serben und Griechen einen sofortigen Waffenstillstand beantragt habe, und daß zur Beschleunigung des Abschlußes desselben der rumänische Militärbevollmächtigte im serbischen Hauptquartier als Delegierter nach Risch entsandt werden würde.

Die Türken.

B u k a r e st, 24. Juli. König Karol hat unter Berufung auf seine der Türkei in der Vergangenheit wie zuletzt bei dem Abschluß des Friedens mit Italien geleisteten guten Dienste an den Sultgn ein Telegramm gerichtet, in dem er die Aufmerksamkeit des Sul­tans auf die Enttäuschung lenkt, die die Türkei mit ihrer Aktion erfahren könnte, die sie in ein Gebiet führe, deßen Schicksal von Europa in bestimmtester Weise geregelt sei.

Sofia, 24. Juli. Infolge der Nachricht über das Vor­dringen der Türken in bulgarisches Gebiet wurden alle Gesandten der Großmächte in das Palais geladen, wo der König und der Minister des Aeußern ihrer Entrüstung über die Verletzung des Völkerrechtes Ausdruck verliehen und um das sofortige Ein­schreiten der Großmächte baten. Unter Bezugnahme auf den Einfall der türkischen Truppen auf alt-bulgarisches Gebiet sandte der bulgarische Minister des AeußernEhenadieff gestern eine neue Depesche an den Eroßwesir, in der er die sofortige Umkehr der türkischen Truppen forderte. Ihr Vormarsch sei nur geeignet, neue Komplikationen zu schaffen und der Einrichtung guter und

Ich bitte dich, bausche diese kleinen Scherze doch nicht so auf. Ich kann doch nichts dafür, wenn sich die dummmen Dinger in mich ver­gaffen. Müßen sie denn alles gleich ernst nehmen? Ich kann doch wahr­haftig so ein Mädel nicht heiraten."

Der Vater lachte in bitterm Hohn auf.Richt? Zum Heiraten find sie dir also zu schlecht? O du ... daß du mir diesen Schimpf angetan."

Er warf sich auf das Sofa und vergrub seinen Kopf in den Händen. Er schämte sich seiner Tränen nicht, die ihm heiß über die gefurchten Wangen rannen. Richard warf einen ungeduldigen spöttischen Blick zu ihm hinüber und kaute an seinen Schnurrbartspitzen.

Lieber Himmel, was der Alte für einen Lärm um solche Lappalien machte. Was konnte er denn dafür, daß das dumme Mädel in den Mühlbach.gelaufen. Er hatte sie doch wahrlich nicht geheißen, im Gegenteil, er hatte ihr zugeredet, den Sohn ihres Nachbars zu heiraten, der war ja verliebt in das Mädel, und dann wäre alles gut gewesen. Zu dumm, daß der Alte hinter die Sache gekommen war. Schade, daß es nun aufhören mußte. Was wollte er denn aber in dem Nest an­fangen? Es war doch wahrlich seine einzige Zerstreuung gewesen, so ein bißchen Herzensbrecher spielen.

Sein Vater hatte sich inzwischen mühsam gefaßt. Er stand auf und trat an Reinhold heran.Hier kannst du nicht bleiben, das ist klar: ich werde mich um eine Stellung für dich bemühen, und morgen früh werde ich Herrn Prenkel um deine sofortige Entlaßung bitten. Was ich gehofft und gewünscht für deine Zukunft, das ist an deiner Frivolität, an deiner Faulheit gescheitert. Fürs erste magst du nach Berlin gehen, bis ich eine Stellung für dich gefunden. Ich zahle dir bis dahin dein Gehalt noch aus, keinen Pfennig mehr, und dann wirst du mit dem aus­kommen müßen, was du selbst verdienst. Ich leiste dir keinen Zuschuß, merke dir das, nicht einen Pfennig."

Die paar tausend Mark, die ich für dich mühsam zusammengespart habe, bleiben dir, ich werde sie als sichere Rente für dich anlegen. Und wenn noch ein Funken Ehrgefühl in dir ist, dann werde ein anderer, Reinhold. Dein älter Vater bittet dich mit aufgehobenen Händen darum. Jetzt laß mich allein, packe deine Sachen, morgen früh reisest du ab."

Reinhold blieb noch einen Augenblick stehen. Er war hocherfreut, nach Berlin zu kommen, und hoffte den Vater mit der Zeit wieder zu besänftigen. Jedenfalls durfte er es nicht ganz mit ihm verderben. Er reichte die Hand hinüber.

dauernder Beziehungen zwischen Bulgarien und der Türkei hin« derlich zu sein.

Bestätigung bet bulgarischen Greuel durch Deutsche.

r , ekgrad, 23. Juli. Die von Oberst Sondermeier abge- schickte rnternationale Aerzte-Kommission, an der von deutsche, Seite Dr. Schliep teilnahm, Assistent des Geheimrats Prof. Dr Bier-Berlin, hat folgendes festgestellt: Die Vulgaren haben in ver- schredenen Dörfern auf dem serbisch-bulgarischen Kriegsschauplatz rn unglaublichster Weise gehaust. Frauen und Mädchen wurden geschändet, und zwar war die jüngste dieser Unglück. lichenzwölfJahre.dieältesteneunzigJahrealt. Friedliche Bauern wurden ohne Grund überfallen, durch Säbek- sttche geblendet, die Leichen mit dem Bajonett zerstückelt. Die Zungen waren einzelnen der Opfer aus dem Halse gerißen, Rase und Ohren abgeschnitten. Verschiedenen Personen Halle man dieKopfhautlebendigenLeibesvomSchädel getrennt, so daß viele 6er Massakrierten irrsinnig wurden. Dabei wurden von den bulgarischen Soldaten alle Häuser geplün. dert und zum größten Teil niedergebrannt. Medikamente, die zur Heilung der Verwundeten hätten benutzt werden können, waren vernichtet worden. In mehreren Dörfern wurde festgestellt, daß die Vulgaren die ungebraucht dastehenden Feuerspritzen mitPetroleum gefüllt hatten, so daß sie bei Löschver. suchen das Unglück nur vergrößerten. Fast alle Verkehrseinrich« tungen wurden demoliert und unbrauchbar gemacht, die Telegra­phenmastenenden abgesägt und als Brennholz benutzt; selbst die Briefkästen wurden in nicht wiederzugebender Weise verunreinigt. An verschiedenen Orten ist es vorgekommen, daß einzelne Bewoh­ner an die Telegraphenpfosten gebunden wurden, worauf Holz auf. geschichtet und das ganze in Brand gesteckt wurde, so daß die Men- scheu eines schrecklichen Todes starben. In gleicher Weise wie bei den Männern wurde zumeist auch bei den geschändeten Mädchen und Frauen verfahren. Die Ereueltaten der Bulgaren hatten eine große Anzahl von Selbstmorden der verzweifelten Bewohner in den heimgesuchten Gegenden zur Folge. Die Leichen lagen bei den Ankunft bet Aerzte und Sanitätsmannschaften noch haufen­weise in den Straßen, so daß ein schauderhafter Geruch die Gegend verpestete. Die Häuserreihen an den Straßen bildeten wüste Trümmerhaufen, und zwischen diesen Stätten des Grauens fchli. chen Straßenhunde und als Hyänen des Schlachtfeldes meuternde Soldaten und Mitglieder der bulgarischen Räuberhorden, die raubten, was noch zu rauben war.

Reue Anschuldigungen.

Saloniki, 24. Juli. Des griechischen Ministeriums de, Auswärtigen Untersuchungen über die Grausamkeiten der Bul­garen in Doksat ergaben, daß die Bulgaren die Stadt verließen, ehe sie sie vollständig zerstörten. Rach einem vergeblichen Angriff fuhren die Vulgaren in der Nacht vom Samstag vier Feldgeschütze auf, während von den Einwohnern viele nach Kawalla und in die Berge flohen, schloß sich ein Teil in die Häuser ein. Plötzlich er. schien bulgarische Kavallerie, auf der anbereft^eite brangen 400 Solbaten in bie Stabt. Frauen, Kinber unb Greise wurden er­barmungslos hingeschlachtet; alle in Doksat zurückgeblie­benen Frauen wurden von Soldaten und Offizieren vergewaltigt, die Mütter mußten ansehen, wie ihre Kinder and den Fenstern auf die Bajonette geworfen wurden. Die Metzeleien dauerten den ganzen Tag an. Mehrere Offiziere nahmen teil, ebenso Zivil­beamte, darunter der Friedensrichter Vasoff und der Polizeichef Pristo. Abends verließen die Bulgaren mit ihrer Beute die

Papa, bu bist wirklich zu hart mit mir gewesen. Ich gebe ja zu ich war leichtsinnig, aber schlecht, nein Vater, schlecht bin ich wirklick nicht. Verzeihe mir, was ich dir angetan."

Ich wills versuchen, zeige, daß es dir Ernst ist, dich zu beßern."

Als Reinhold hinauskam auf den Korridor, sah er sich Tante Katha rine gegenüber. Er sah sie giftig an.Hast bu geklatscht?"

Sie schlug bie Hände zusammen.O, lieber Gott, nein, das hätte ich deinem armen Vater nicht antun mögen. Herr Prenkel hat selbst mit ihm gesprochen."

So der . . . na einerlei. Komm, kannst mir packen helfen."

Du willst fort?"

Muß, werde in die Verbannung geschickt."

Sie schüttelte wehmütig den Kopf.Das geht deinem Vater an» Leben."

Sei still nun endlich, ich habe schon mehr als genug Vorwürfe bekom­men. Ich bin froh, daß ich fortkomme, hier wird einem doch jeder harm­lose Scherz zum Verbrechen ausgelegt.

* *

Die Melzerfchen Damen saßen gerade beim Mittagsmahl, als es klingelte. Gertrud erhob sich, um nachzusehen, wer Einlaß begehre. Ei« elegant gekleideter Herr mit schönem Gesicht und blitzenden Augen stand vor ihr.

Verzeihung, mein Fräulein, unten an der Haustür las ich, daß i# der dritten Etage ein Garconlogis zu vermieten sei."

Dabei blickte er mit feuriger Bewunderung in ihr reizendes Ge­sichtchen.

Gertrud gab ihm ruhig und freundlich Bescheid.Hier drüben, bie iSndere Tür, wenn ich bitten darf."

Ich danke sehr."

Dann war Gertrud verschwunden und Reinhold Runge klingelte nebenan. Er mietete das Zimmer, obwohl es ihm eigentlich zu teuer war, aber seine abenteuerlustigen Augen hatten an Gertrud Gefallen gefunden, und er hoffte, mit ihr anbändeln zu können. Als er am nächsten Tage einzog, fragte er seine Wirtin, wie beiläufig:Wer wohnt denn hier neben Ihnen?"

Frau Melzer, eine Witwe, mit Tochter und Nichte."

So, so, sie werden doch nicht zuviel Klavier spielen?"

Da haben Sie man keine Angst, gnädiger Herr, was die Nichte ist, die kann zwar wunderschön Klavier spielen, aber jetzt hat sie gar feine Zeit dazu. Die heiratet Weihnachten, und dann ziehen die anderen beiden auch mit fort. (Fortsetzung folgt)