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Konstantinopel, 22. Juli. Es ist ein Zrade des Sul­tans erschienen, nach dem die diplomatischen Beziehun- a en zwischen Griechenland und der Türkei wie» oer ausgenommen werden.

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich butri. die Post 2.25 (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. Verlag von Dr. C. Hitzeroth. Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marburg

Donnerstag, 24 Juli,

Wo habe ich denn nur meine Augen gehabt, daß mich dieser Bengel so betrügen konnte mit seiner harmlosen Fröhlichkeit. Du weißt, was man über ihn spricht, wovon ich mich heute habe unterrichten lassen. Alle wußten sie darum, vom Chef bis zum niedrigsten Arbeiter sind sie überzeugt, daß mein Sohn, mein ein und alles auf der Welt, ein Schurke ist, ein gemeiner Lump und Tagedieb."

Die Schwägerin schlug in ratloser Verzweiflung die Hände zu­sammen.Beruhige dich doch. Mein Himmel, wer wird denn gleich so harte Worte haben für ein bißchen Jugendtollheit. Er wird ja ver­nünftig werden."

Schweig, da gibt es nichts zu beschönigen. Daß du mir das an­getan halt, Katharine! Konntest du mir verblendeten Narren nicht die Augen öffnen? Ließest mich den Jungen anbeten, vergöttern, wußtest, daß er mein ganzer Stolz, meine einzige Freude war."

Drum eben, Alfred. Ich hätte es doch nicht übers Herz gebracht Hab' ihm so viel gute Worte gegeben, er soll die Liebeleien lassen. El lacht mich aus.Ich kanns doch nicht ändern, ich werde sie doch nicht zurückweisen, wenn sie sich die Augen nach mir ausweinen; dazu habe ich ein zu gutes Herz", so sagt er auf all meine Bitten und Beschwerden."

O, diese gutgemeinten Rücksichten! Weil du mich nicht kränken willst, läßt du den Jungen ruhig seine Schändlichkeiten ausführen, ohne mich zu warnen. Wenn mir nicht der Chef die Augen geöffnet hätte, wäre ich, wer weiß wie lange, noch blind geblieben. Aber er soll mich kennen lernen. Horch, er kommt, laß uns allein, was ich ihm sagen werde, verträgt keine Zeugen."

Ja, ich gehe schon, aber nicht wahr, Alfred, du regst dich nicht z, sehr auf in deinem Alter . . ."

Schon gut, geh' nur." Er drängte sie zur Tür hinaus.

Draußen hörte er die lustige Stimme seines Sohnes, dem das Haus­mädchen die Tür geöffnet hatte.

Gleich darauf trat dieser ein.Guten Abend, Papa. Hast du mit dem Essen auf mich gewartet? Das tut mir leid. Sag' mal, das nene Hausmädchen, welches Tante engagiert hat, ist aber ein wahres Man» strum von Häßlichkeit."

Tante Katharine wird ihre Gründe dazu haben."

(Fortsetzung folgt.)

Adrianopel, Nisch und Balmest.

Die Türkei hat nun doch Europa vor die vollzogene Tatsache (gestellt, daß Adrianopel, das dem Halbmond nach wochenlangem Ringen entrissen wurde, innerhalb weniger Tage zurückerobert worden ist. Die türkische Regierung erklärt jetzt unumwunden, daß an eine Räumung Adrianopels durch die Türken n i ch t m e h r zu denken sei. Ein gemeinsamer Schritt der Mächte wird für Donnerstag, spätestens für Freitag erwartet. Durch diplomatische Schritte wird natürlich nichts zu erreichen sein. Die Türkei rechnet offenbar so: die Mächte haben bisher noch immer nach gewaltigen Worten (siehe denunumstößlichen" Statusquo und Skutari) klein beigegeben,' sie werden es also auch jetzt tun. So unrichtig scheint die Rechnung nicht zu sein. Und wie wollen denn die Mächte die Türken aus Adrianopel hinauswerfen, wenn selbst Serbien und Griechenland nichts gegen die Besetzung haben?

Ein europäisch-türkischer Operettenkrieg? Rußland mit dem Mandat zu betrauen, wird man sich aus begreiflichen Gründen schwer hüten. Die Türken haben auch schon an ein geeignetes Mit­tel gedacht, um England nötigenfalls gefügig zu machen. Die in Kalkutta erscheinende ZeitungThe Englishman" meldet nämlich, daß die Türkei aus Rache für einen etwaigen Widerstand der eng­lischen Regierung gegen den Vormarsch der türkischen Truppen unter der indischen Bevölkerung durch ihre Agenten eine Kroße england feindliche Bewegung einleiten werde. Bestimmte Anzeichen hierfür seien bereits von den Behörden auf­gedeckt worden.

Unterdessen steht die Einigung zwischen Rumänien, Serbien, Griechenland und Bulgarien nahe bevor, wenn auch an der serbisch­bulgarischen Grenze hier und da gekämpft wird. Der Waffenstill­stand ist nicht mehr fern. Er wird in Risch geschlossen werden, während die Friedensverhandlungen in Bukarest oder Sinaia stattfinden sollen. Die rumänischen Truppen haben den Vor­marsch eingestellt, und König Ferdinand hat ein drittes Tele­gramm an König Karol gesandt, in dem er nochmals um Frieden bittet:

B u k a r e st, 23. Juli. Amtlich. Griechenland und Serbien stimmen dem Vorschläge Rumäniens zu, daß die Präliminarien und der Friede in Bukarest unterzeichnet werden. Griechenland verlangt, daß der Waffenstillstand gleichfalls in Bukarest unter­zeichnet wird. Bulgarien antwortete auf die letzte Rote Rumä­niens, daß es die formulierten Hauptpunkte annehme und hoffe, die nebensächlichen Punkte würden keine Schwierigkeiten bereiten. König Ferdinand richtete an den König Karol ein drittes Tele­gramm, in dem er die Bitte um Frieden unterstützt. König Karol beauftragte den Ministerpräsidenten Majorescu, dem König Fer­dinand in demselben Sinne wie im zweiten Telegramm zu antwor­ten. Die Verhandlungen betreffend die Friedenspräliminarien und den Waffenstillstand werden gleichzeitig begonnen werden müssen, da die Verhandlungen einen Waffenstillstand erheischen. Die rumänische Regierung beauftragte den Unterchef des Eeneral- stabes, den Obersten Christescu, der sich gegenwärtig in Belgrad befindet, sich nach Risch zu begeben.

Sofia, 23. Juli. In der Antwort auf die Depesche des Mi­nisters Ehenadiew hat Ministerpräsident Majorescu erklärt, er sei glücklich, den gemeinsamen Wunsch der beiden Regierungen fest­stellen zu können, daß der Friedensabschluß beschleunigt werde. Infolge der ausgetauschten Mitteilungen sehe Rumänien es als außer Frage stehend an, daß Bulgarien das Territorium Turtu- khai-Dobritsch-Baltschik an Rumänien abtritt. Rumänien schlägt ferner einige andre Bedingungen vor, die Bulgarien annehmen dürste.

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- Karl trat an ihn heran und legte feine Hand auf die Schulter des alten Herrn.

Lieber Direktor! Möchten Sie wirklich unsere Arbeiter, denen Sie, ich weiß es, ein warmes Herz entgegenbringen, abhängig wissen von einem solchen Leichtfuß, wie es Ihr Sohn nun einmal ist? Ich muß Ihnen reinen Wein einschenken, er ist verhaßt bei allen unfern Leuten. Nicht allein daß er die Arbeiter verächtlich behandelt, wo er mit ihnen zusammenkommt. Nein, er trägt auch noch Kummer und Trübsal in ihre Familen. Sie haben doch gehört, daß sich die Tochter des alten Gerlach voriges Jahr in Mühlbach ertränkt hat? Nun, fragen Sie Ihren Sohn, wer das arme leichtgläubige Ding dazu getrieben hat. Der Jam­mer der Eltern rührte ihn nicht, er sagt, das dumme Ding sei ihm nach­gelaufen. Das tat sie wohl auch, aber erst, nachdem er sie mit allen Künsten verführt und ins Unglück gebracht hat. Jetzt bandelt er wieder mit Leutners Tochter an, sie ist ein frisches Ding und aus ihrem Dienst in der Stadt gekommen, um den kranken Vater zu pflegen. Ihre Mutter ist ja selbst schwach und kränklich. Er soll sich hüten, hier wieder ein Spiel zu treiben. Sobald mein Bruder verheiratet ist, nehme ich Frieda Leutneru in mein Haus zur Bedieung für meine jüngere Schwägerin, und wehe ihm, wenn ich ihn auf dieser Fährte sehe, ich dulde nicht, daß er sie unglücklich macht."

Außerdem scharwenzelt er um die junge hübsche Frau vom Heizer Steffen, er mag sich hüten, daß er diesem nicht unter die Fäuste kommt. Und seine Arbeit? Ich kann keinen Brief fortgehen lassen, ohne ihn von seinen Kollegen nochmals einer Prüfung unterziehen zu lassen, zerstreut fallen die meisten aus. Ich weiß, er ist nicht dumm, hat sogar glänzende Befähigung, sein Stil ist fließend, elegant, Englisch, Französisch und Italienisch habe ich kaum tadelloser und eleganter gehört, aber damit kann man nicht einen solchen Posten ausfüllen, auch nicht durch ein hüb­sche« fesche« Aeußere. Das genügt allenfalls, um den Weibern den Kopf p» verdrehen, aber sonst zu nichts."

schienen, hat sich die kleine bulgarische Garnison genötigt gesehen, I £9 widerstandslos zurückzuziehen. Am Dienstag früh haben di« Türken die Stadt besetzt und furchtbare Grausamkeiten begangen. ?l'L?eDöttetun9 sich eine Panik bemächtigt. Demselben Schicksal wie Adrianopel ist Kirkilisse verfallen, dessen schwach« bulgarische Garnison sich zurückziehen mußte. Die Einwohner sind niedergemetzelt worden. x

Auf Befehl des Oberkommandos.

Newyork,23. Juli. Der Sonderberichterstatter desNew York Herald" auf dem südlichen Kriegsschauplätze meldet über Sa­loniki, daß er Gelegenheit gehabt habe, ein Anzahl bulgarischer Gefangener über die Ursachen der bulgarischen Greueltaten zu be­fragen. Von allen sei ihm übereinstimmend erklärt worden, daß die Befehle, alle griechischen Häuser niederzubrennen und alle griechischen Bewohner zu ermorden, vom bulgarischen Oberkommando ausgegangen seien. Die Offiziere hätten die Soldaten mit dem Revolver in der Hand gezwungen, nach den Befehlen des Oberkommandos zu handeln. Die Soldaten hätten den Auftrag gehabt, die schönsten der jungen Mädchen den Offizieren abzuliefern.

Athen, 23. Juli. Die deutsche Regierung entsandte den bei der Athener Gesandtschaft attachierten Hauptmann Kunz« nach dem Schauplatz der jüngsten bulgarischen Greuel.

Die serbisch-bulgarischen Erenzkämpfe.

Belgrad, 23. Juli. Rach zweitägigem Kampfe nahmen die serbischen Truppen Belogradschik. Obgleich eine weiße Fahne zum Zeichen der Uebergabe wehte, leisteten die bulgarischen Trup­pen bei dem Einrücken der Serben in die Stadt Widerstand. Der Kampf dauerte bis 8 Uhr morgens.

Belgrad, 23. Juli. Bei Pirot griffen zwei bulgarische Bataillone die serbischen Vorposten in Earvan an. Der Feind wurde mit beträchtlichen Verlusten auf bulgarisches Gebiet zurück- gewissen. Bei Detschani und'Kladenatz griff der Feind unerwartet die serbischen Vorposten auf der Grenzlinie an. Es gelang ihm, auf kurze Zeit einige Kilometer weit in serbisches Gebiet einzu­dringen. Die serbischen Truppen erhielten jedoch Verstärkungen; der Feind wurde wieder über die Grenze zurückgeworfen und er­litt beträchtliche Verluste. In der letzten Nacht versuchten die Bulgaren in der Richtung vonZarewo Selo einen Angriff auf die serbischen Truppen. Die serbischen Truppen waren jedoch auf ihrer Hut und kannten aus Erfahrung die versteckte bulgarische Taktik. Sie warfen die Bulgaren rasch in ihre alten Stel­lungen zurück. Morgens 3 Uhr versuchte der Feind den Angriff zu wiederholen. Die serbischen Truppen haben vollständige Füh­lung mit den griechischen Truppen.

Skutari.

Wien, 22. Juli. Da die.politischen Verhältnisse eine bal­dige Aenderung der jetzigen Situation in Skutari kaum erwarten lassen, wurde der Kommandant des österreichischen Geschwaders, Kontreadmiral Njegowan, der sich seinen Obliegenheiten als Ge­schwaderchef nicht voll widmen konnte, als Mitglied des Admiral­rates durch den Kontreadmiral Ritter v. Barry ersetzt. Vor der Mündung der Bojana verbleibt ftets mindestens ein Schlachtschiff des Geschwaders. Weiter befinden sich als Stationäre in Durazzo und Valona die SchiffeAspern" undMagnet".

mrt dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

und den Bellagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

(Nachtruck verboten.) Fianenzander.

Roman von Hedwig Courths-Mahler.

(Fortsetzung.)

| Bukarest, 22. Juli. Die Oberleitung der rumänischen j Armee hat Befehl erteilt, den Vormarsch der Truppen | auf Sofia einzu st eilen. Gleichzeitig ist der rumänische

Eeneralftab mit der Erörterung der Frage beauftraft worden, wie der Bevölkerung von Sofia und den bulgarischen Truppen, die von einer Hungersnot bedroht werden, Lebenmittel zuzuführen sind.

I Wien, 23. Juli. DieNeue Freie Presse" meldet aus So­fia: Die bulgarischen Delegierten in Nisch verlangen einen zehntägigen Waffenstillstand sowie die Festsetzung einer neutralen Zone, auf der teilweise mobilisiert werden soll. Nach Sinaia werden Radew und Finanzminister Fontschew ge­sandt.

Athen, 23. Juli. Das BlattNea Jmera'^erklärt: Die in Nisch eingetroffenen bulgarischen Abgesandten werden folgende I Friedensbedingungen unterbreiten: 1. Saloniki nebst dem Hinter- I lande bis Tsagsei wird griechisch, 2. Kawalla verbleibt Bulgarien, 3. Bulgarien verweigert die Zahlung einer Kriegsentschädigung, 4. Bulgarien erkennt nicht die Verpflichtung an, für die mate-

I riellen Schäden im östlichen Macedonien aufzukommen, da es sich I nicht für die Plünderungen und Feuersbrünste verantwortlich I hält. Das gleiche Blatt meldet, daß 60 bulgarische Komitatschis I verhaftet sind, die am 16. Juli versuchten, den Zug, in dem Veni-

selos nach Monastir fuhr, in die Luft zu sprengen, Bomben und I Dynamit wurden von der Behörde in Sorowitz aufgefunden. I Oesterreich und Rußland.

I Paris, 23. Juli. Es bestätigt sich, daß zwischen Oesterreich I und Rußland tatsächlich eine Verständigung erfolgt ist.

Oesterreich und Rußland hoffen, daß die Mächte nicht zu einer Ein- I Mischung genötigt werden müssen, andererseits wird aber auf das I bestimmteste erklärt, daß, wenn es die Uustände erforderten, beide I Mächte gemeinsam von Worten zu Taten übergehen würden. I Wien, 23. Juli. DieWiener Allgem. Zeitung" schreibt: I In französischen Blättern fand man in den letzten Tagen wieder- I holt die Meldung, daß Oesterreich-Ungarn nicht gesonnen sei, an I der Kollektivdemarche der Botschafter in Konstantinopel bezüglich I der Adrianopeler Frage teilzunehmen. Diese Nachrichten beruhen I auf vollständig falschen Informationen. Der österreichisch- I ungarische Botschafter in Konstantinopel unternahm in der vori- I gen Woche ebenso wie die Botschafter der anderen Großmächte bei I der Pforte Schritte, um Vorstellungen Bei der türkischen Regierung I gegen den Vormarsch der türkischen Armee nach Adrianopel zu I machen. Oesterreich-Ungarn ist gleicherweise bereit, an einer even- I tuellen Kollektivdemarche bei der Pforte teilzunehmen, falls solche I Demarche angeregt wird. Ferner behaupten die russischen und I französischen Zeitungen, daß in Wiener Regierungskreisen der I Versuch gemacht werde, die Autonomie Macedoniens auf dis I Tagesordnung zu stellen. Diese Behauptungen gehören in das

Gebiet ganz irriger Kombinationen. Hier beschäftigt man sich I nicht mit dieser Idee.

Der Einzug der Türken in Adrianopel.

Konstantinopel, 23. Juli. Eine unabhängige Kaval­leriekolonne unter dem Obersten Ibrahim sowie eine fliegende Infanteriekolonne unter Enver Bey sind heute in Adrianopel eingezogen. Sie hatten einen kurzen Kampf mit den Bul­garen zu bestehen. Die Bulgaren sprengten vorher die Muni­tionsdepots in die Luft und ebenso einige Regierungsgebäude. Der zum Mali von Adrianopel ernannte frühere Minister des Innern Hadschia ist auf seinen Posten abgereist. Gleichzeitig haben sich 300 Gendarmen unter dem Obersten Foulon Bey nach Adrianopel begeben. 600 bulgarische Gefangene find hierher ge­bracht worden.

Sofia, 23. Juli. Unter dem Druck zahlreicher regulärer türkischer Truppen, die am Montag abend vor Adrianopel er-

Runge war ganz in sich zusammengesunken. Jetzt richtete er sich mühsam auf.Sie haben recht, Herr Prenkel, es geht nicht. Muß man denn erst durch andere Leute sein eigen Fleisch und Blut kennen lernen?

Verzeihen Sie mir, daß ich Ihnen die Augen so hart öffnete, ich glaube, es ist besser für ihn, wenn Sie ein wachsames Auge für ihn haben."

Das werde ich. Bei Gott, der Junge soll mich kennen lernen. Ich bin ja selbst schuld, war zu gut mit ihm, zu stolz auf seine glänzende Außenseite. Das . . nein, das hätte ich nicht in ihm gesucht."

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Am Abend dieses Tages ging Direktor Runge unruhig in feiner behaglichen Wohnstube auf und ab. Zuweilen horchte er gespannt hin­aus, ob sich sein Sohn noch nicht einfinden würde. Die Fabrik war schon seit zwei Stunden geschlossen, und seit dieser Zeit wartete der alte I Mann mit fieberhafter Unruhe auf das Erscheinen feines Einzigen. I

Von Zeit zu Zeit kam seine Schwägerin, die ihm seit dem Tode I feiner Frau die Wirtschaft führte, hereingeguckt und sah ängstlich zu ihm hinüber.

Willst du denn nicht essen, Alfred, du hast ja noch nichts an- I gerührt."

Er warf einen ungeduldigen Blick über den sauber gedeckten Tisch hinüber zu ihr.Laß mich nur, ich kann jetzt nicht."

Das gutmütige Gesicht der alten Frau zog sich in kummervolle Falten. I

Wenn ich nur wüßte, was du hast, du kommst mit so aufgeregt vor!"

Er blieb mit jähem Ruck vor ihr stehen.Weißt du, wo Reinhold so lange bleibt?"

Sie wurde sehr verlegen und strich, um -dies zu verbergen, die Schürze glatt.I, wo wird er denn sein, ein bißchen Lust wird et schnappen."

Et sah sie scharf an.Katharine, sollte ich mich in dir auch so I täuschen, wie in meinem einzigen Kinde? Weißt du etwa um seine 1 Streiche und hast mir nichts davon gesagt?" I

Gott, Alftedchen, der Ton geht mir auf die Nerven. Von was soll I ich denn wissen?" I

Geh' du kannst dich schlecht verstellen, dein Gesicht straft dich Lügen. I Also auch du kennst den säubern Butschen von einer anderen Seite al« ich. 1