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Eine Volksabstimmung auf dem Balkan?

London, 22. Juli. Noel Buxton (liberal) regte an, datz vor der endgültigen Regelung der serbischen, bulgarischen und grie­chischen Grenzen die Wünsche der Bevölkerung durch eine Volks­abstimmung unter europäischer Leitung festgestellt würden. Grey antwortete, er fürchte, die politischen Verhältnisse jener Gegend seien nicht so, datz eine Volksabstimmung tunlich sei. Buxton fragte, ob angesichts der Erklärung Asquiths, datz die Mächte jetzt bezüglich der Regelung der Angelegenheit ihre Entscheidung zu­rückhalten würden, die Angelegenheit vor die Botschaftervereini­gung gebracht würde. Grey antwortete:Ich kann nicht sagen, ob die Angelegenheit im einzelnen vor die Votschaftervereinigung gebracht wird. Die Erklärung Asquiths ging dahin, datz die Mächte die Entscheidung zurückhalten würden, bis die Regelung im ganzen vorgenommen werde. Wie die Botschafter sie in ihre Beratungen einbeziehen, ist eine Angelegenheit, die sie entscheiden müssen, wenn die Zeit kommt."

Marburg I

Mittwoch, 23. Jnlt

I Eine bulgarische Regierungserklärung.

I S o f i a, 22. Juli. Der Minister des Auswärtigen, Eenadieff, [ ßa& gestern in der Sobranje die bereits angekündigte Erklärung ab und sagte u. a., er betrachte es als seine Pflicht, zu betonen, datz die Regierung, seitdem sie die Geschäfte übernommen habe, von allen Mächten nur gute und aufrichtige Ratschläge erhalten und warme Sympathie für ihre Bemühungen, der Krise ein Ende zu setzen, gefunden habe.

Wir werden trachten", fuhr der Redner fort,diese wohlwollenden Absichten der Mächte weiter zu entwickeln und zu stärken, indem wir diese vor allem von der unerschütterlichen und ehrlichen Absicht Bul­gariens überzeugen, loyal mitzuarbeiten an ihrem Werke der Wieder­herstellung des Friedens, und dadurch unsere Achtung vor ihren Rat­schlägen zu beweisen. So stark auch das Recht Bulgariens ist, so groß auch die Qualitäten des bulgarischen Volkes sind, glauben wir den­noch, datz unsere Jnteresien nur dann am besten gewahrt sein werden, wenn wir mit den allgemeinen Interessen des zivilisierten Europas gemeinsame Sache machen, wenn wir jenem Solidaritätsgefühl der Zivilisation gehorchen werden, das schon Pichon den europäischen Patriotismus" nannte. Wir konnten das Wohlwollen der Mächte auch gelegentlich des Einfalls der Türken in unser Gebiet jenseits der Linie MidiaEnos sehen. Allerdings haben die von den Botschaftern der europäischenMächte unternommenen Schritte noch nicht den vollen Erfolg gehabt; aber wir haben die Zusicherungen, daß die Großmächte, unter deren Leitung unsere Grenze gegenüber der Türkei festgesetzt ist, es nicht zulasten werden, daß die Türkei sich jenseits dieser Grenze festsetze. Andererseits rechnen wir darauf, daß auch bei der Pforte die Einsicht die Oberhand gewinnen werde über böse Leiden­schaften, die darnach angetan sind, die in den letzten Zeiten ange­bahnten Versuche zur Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Bulgarien und der Türkei, wie sie den wechselseitigen Bedürfnissen der beiden Nachbarvölker entsprechen, zum Scheitern zu bringen. In diesem Sinne richteten wir an den Großwesir unsere Depeschen. Die Schritte, die wir bei der rumänischen Regierung zur Wiederherstellung freundschaftlicher Beziehungen unternahmen, bildeten die erste Bekun­dung unseres Entschlusses, mit den dringendsten Mitteln auf die Durch­führung unsexes Programms hinzuarbeiten. Die Antworten, die wir von Rumänien erhielten, überzeugten uns, daß unsere Initiative bei ihr demselben Wunsche begegnete, sobald als möglich der abnormen Lage zwischen den beiden Völkern, zwischen denen nach ihrer gemein­samen Vergangenheit und ihren gemeinsamen Jnteresien die größte Har­monie bestehen sollte, ein Ende zu machen. Wir sind nach wie vor überzeugt, daß diese natürliche Harmonie trotz der letzten Mißver­ständnisse ihren Ausdruck in einer festbegründeten politischen Freund­schaft finden könne. Um zu diesem freundschaftlichen Verhältnis zu ge­langen, brachte Bulgarien alle möglichen Opfer. Dieser Beweis unseres guten Willens wurde von der rumänischen Regierung und den Groß­mächten gewürdigt, und es ist unsere Neberzeugung, daß er ein ge­nügendes Unterpfand unseres festen Entschlustes sein wird, mit unseren . Nachbarn intime und herzliche Beziehungen zu unterhalten. Ich möchte demgemäß erklären, daß unser Einvernehmen mit Rumä- nien auf gutem Wege ist. Nachdem die Regierung mit Rumä­nien Verhandlungen eingeleitet hat, tritt sie mit Serbien und Griechen­land in Verhandlungen. Auf Einladung der rusiischen Regierung ent­sandten wir zwei Delegierte, welche die Friedensoerhandlungen be­ginnen sollten. Wir sind von dem Wunsche des Kabinetts in Bukarest verständigt, durch einen Gesandten an den Verhandlungen über den allgemeinen Frieden auf dem Balkan teilzunehmen, worüber wir unsere vollkommene Befriedigung aussprechen, da wir Grund haben zu glauben, daß Rumänien, erfüllt von dem Bewußtsein und der Notwendigkeit, eine dauernde Lage auf der Balkanhalbinsel herzustellen, im Geiste der Ver­söhnung und Unparteilichkeit vorgehen wird. Während sich einer­seits Aussichten für den von der ganzen Welt so heiß ersehnten Frieden eröffnen, muß ich andererseits bedauernd feststellen, daß die Serben und Griechen ihre Angriffe gegen uns erneuern. Dank der

| vor, dem die Ernennung der Friedensdelegierten zu folgen hat. Die Wahl des Ortes für die Waffenstillstandsverhandlungen über- lätzt die rumänische Regierung den übrigen Kriegführenden. Die Friedensverhandlungen sollen in Rumänien stattfinden."

Für die Verhandlungen in Risch haben Serbien und Grie­chenland ihre Vertreter jetzt ernannt, die bulgarischen sind bereits in Risch anwesend.

Belgrad, 22. Juli.Pravda" zufolge sind für die Unter­handlungen in Risch die Obersten Misitsch und Pawlowitsch als serbische Delegierte ausersehen.

Athen, 22. Juli. Der frühere Gesandte in Sofia, Panas, zur Zeit Direktor im Auswärtigen Amt, der griechische Gesandte in Belgrad, Alexandropoulo und der Militärattaches im serbischen Hauptquartier, Rhangabe, vertreten Griechenland bei den Frie­densverhandlungen in Risch.

Asquith über den Balkankonflikt.

London, 2. Juli. Auf dem grohen Festmahl der Handels­kammer von Birmingham sagte Premierminister Asquith:Soweit Großbritannien in Betracht kommt, haben wir, die wir keine eige­nen prinzipiellen Interessen im Orient haben, unermüdlich und nicht ohne Erfolg daran gearbeitet, ein gemeinsames Vorgehen der Großmächte zu fördern und zu erhalten. Ihr Konzert ist loyal aufrecht erhalten worden, und ich sage mit voller Gewißheit, datz es niemals weniger in Gefahr war als jetzt. Was die Türkei betrifft, so wären wir selbst, und ich glaube alle Mächte geneigt, auf der Grundlage des kürzlich geschlossenen Vertrages als anerkannte Tat­sache zu betrachten, daß die Türkei ihr europäisches Gebiet inner­halb der festgelegten Grenze behielte und datz bei billigen Bürg­schaften für gute Negierung die Unversehrtheit ihres asiatischen Reiches erhalten bleiben würde, und wir waren bereits eifrig be­strebt, ihr bei Verfolgung der schwierigen Aufgaben, die vor ihr liegen, allen möglichen Beistand zu gewähren. Wenn die Türkei, ich will mich ganz rückhaltlos aussprechen, so schlecht beraten ist, datz sie sich über die Bestimmungen des Vertrages hinwegsetzt, so mutz sie darauf gefaßt sein, datz Fragen aufgerollt wer­den, von denen es keineswegs in ihrem Interests liegt, datz sie zur Diskussion gestellt werden. Mehr will ich jetzt nicht sagen, aber ich konnte in einem solchen Augenblick nicht umhin, es nicht nur hier, sondern vor ganz Europa völlig deutlich zu machen, wie die Stellung der Regierung, und ich glaube des ganzen Königreiches ist."

Die Mäüjte, die Türkei und Bulgarien.

Zwar hat die türkische schwache Kavallerieabteilung unter hem unermüdlichen, verwegenen Enver Bey Adrianopel wieder verlassen, aber die türkische Hauptmacht setzt ihren Vormarsch wei­ter fort mit dem Ziel Adrianopel. Es ist auch schon ein Mali für das Wilajet ernannt. Die Türken wollen also allen Ernstes dort bleiben und haben diese Absicht in einem Rundschreiben den Mäch­ten mitgeteilt unter Anführung von Gründen, die auf ziemlich schwachen Füßen stehen. Die Türkei hofft offenbar, die Mächte werden ihr ;v dazu sprechen, weil Serbien und Griechenland sich mit der neue, Situation zufrieden geben, froh, daß sie dem ver­haßten Bulgarien ein Schnippchen schlagen können. Die serbische und die griechische Regierung sollen sich, wie verlautet, der amt­lichen Auffassung der Türkei angeschlosten haben, die als Grund­lage für alle Verhandlungen gefordert hat, datz der Londoner Friedensvertrag als nicht bestehend betrachtet wird. Des-, halb wird auch aus den Verhandlungen die Frage der Erenzfest- setzung bis auf weiteres ausgeschaltet werden. Es verlautet wei­terhin, datz die Türkei mit ihrer Teilnahme an der Friedenskonfe­renz nur beabsichtigt, gewisse Garantien dafür zu erlangen, datz Bulgarien sich nach dem Friedensschlüsse mit den anderen Balkan- ftaaten nicht abermals gegen die Türkei wendet, um ihr Adria- nopel wiederum zu entreißen. Serbischerseits hat man ebenso wie ,ln Athen nichts gegen eine Rückgabs Adrianopeks an die Türkei einzuwenden. So einfach wird die Rech­nung jedoch nicht fein. Die Mächte wollen, nachdem sich die Balkanstaaten mehrfach über ihre Beschlüsie glatt hinweggesetzt haben, nun doch einmal sich einen Schein von Ansehen wahren. Der englische Premierminister hat in einer Rede die Türkei nicht nur gewarnt, sondern ihr recht deutlich gedroht. Ob es etwas fruchten wird, bleibt abzuwarten. Wenn die Mächte freilich wieder Wochen brauchen, um zu einem endgültigen Entschluß zu kommen, werden ihnen die Tatsachen vielleicht wieder über den Kopf gewachsen sein.

Bulgarien wird allerdings nichts mehr unternehmen und froh fein, unter dem Schutz der Mächte retten zu können, was zu retten ist. Die Erklärung des neuen bulgarischen Minister des Aeußern klingt reichlich kleinlaut, demütig und unterwürfig und sticht von den sieghaften Phrasen von einst ganz erheblich ab. Auch König Ferdinand, der Verkünder des stolzen Kreuzzugmanifestes vom Oktober vorigen Jahres, spielt nun eine fast klägliche Rolle. In einem zweiten Telegramm an König Karol bittet er, dem Blatte Universul" zufolge, den rumänischen König i n st ä n d i g st um Frieden in seinem, uzie im Namen der bulgarischen Regierung, indem er versichert, daß Bulgarien aufrichtig den Frieden mit der ganzen Welt wünsche, um der traurigen Lage auf dem Balkan ein Ende zu machen. So schnell, wie es anfangs schien, werden die Friedensverhandlungen in Risch nicht vonstatten gehen. Ru­mänien besteht vorher auf Wasfenstillstandsverhandlungen.

Bukarest, 21. Juli. Die Antwortnote der rumänischen Regierung auf das Friedensangebot der bulgarischen Regierung hat folgenden Inhalt:Die rumänische Regierung nimmt das bulgarische Angebot betreffend die Abtretung von Turtukai, Dob- ritsch und Baltschik und die Zugeständnisse betreffend der Ru­mänen in Macedonien an. Von der Ansicht ausgehend, daß der militärische Teil der Aktion von der politischen zu trennen ist, schlägt sie die Ernennung eines höheren Offi­ziers zwecks Abschlusses eines Waffenstillstandes

zen Gehrock gehüllt, eine weiße Binde und blendend weiße Wäsche waren Dinge, ohne die man sich diesen Mann nicht denken konnte. Sein Gesicht war streng und scharfgeschnitten.

Ich habe Sie herüber bitten lasten, um einiges von Wichtigkeit mit Ihnen zu besprechen."

Sehr wohl, Herr Prenkel."

Am ersten Januar sind es fünfundzwanzig Jahre, daß Sie in der Fabrik tätig sind, lieber Direktor. Sie haben Lhre Kräfte immer im Interesse des Geschäfts verbraucht. In Ihrem Alter ist eine solche Stel­lung, wie Sie einnehmen, zu beschwerlich, und ich habe daran gedacht. Ihnen eint Hilfe zu geben."

Daran tuen Sie recht. Es ist mir nichts Neues, was Sie beabsich. tigen, Ihr Herr Bruder ist eine junge, frische Kraft, ich habe meine Schuldigkeit getan und kann gehen."

Warum so bitter? Sie sollen nicht gehen, nur entlastet sollen Sie werden. Ihr Gehalt bleibt fortbestehen. Alles bleibt beim alten, nur weniger Arbeit sollen Sie haben."

Ich werde Ihnen hoffentlich nicht lange zur Last fallen, es ist doch halbes Gnadenbrot, was ich esten mutz."

In keiner Weise. Es ist doch recht und billig, daß Sie jetzt die Früchte von dem mit genießen, was Sie mit haben schaffen helfen. Ihre Bitterkeit entspricht auch einem anderen Grunde, ich weiß gar wohl, daß Sie für Ihren Sohn größere Hoffnungen hatten. Er sollte Ihr Nach- folger werden, nicht?"

Ich leugne es nicht, daß es mein Traum war, in feine Hände zu legen, was ich selbst nicht mehr schaffen konnte."

Aber ich bitte Sie, davon hätte ja nie, unter keinen Umständen die Rede sein können. Sind Sie denn blind Ihrem Sohne gegenüber, Sie, der sonst so scharfe Augen hat? Ich habe Sie nicht betrüben wollen, sonst hätte ich Ihnen längst gesagt, datz der junge Herr unfähig zu die­sem Posten ist. Nur um Ihnen Schmerz zu sparen, habe ich ihn bislang in feiner Stellung gelasten. Glauben Sie im Ernst, daß er Sie hätte vertreten können, zum Beispiel unfern Arbeitern gegenüber?"

Er ist noch jung, er hätte noch viel lernen können."

Wenn er dazu überhaupt Lust hätte. Er muß sich Ihnen gegen­über meisterhaft verstellen können, sonst würden Sie wohl eine aridere Meinung über ihn haben."

Er ist mein einziges Kind." Es klang bitterer Schmerz ob» die­

sen Worten.

^Fortsetzung felgt)

blasen, hält es aber trotzdem nicht für unwürdig, den Töchtern und Frauen meiner Leute nachzustellen. Ich hätte ihn längst entlasten, er ist mir nicht einmal für den Posten eines Korefpondenten zuverlästig genug, wenn mich nicht die Rücksicht auf feinen Vater davon abgehalten hätte."

Mir ist er auch widerwärtig mit feinem ewig fützen Lächeln."

Kann ich mir denken, mein Junge. Nun laß dich das aber alles nicht anfechten, ich weiß,w as ich an dir habe, weiß, daß du der ge­eignete Mann bist für eine solche Stellung, und Runge wird sich fügen müssen."

Hast du nicht eine zu hohe Meinung von mir, Karl? Ich gestehe, daß ich mit großem Jntereste bei der Sache bin, datz ich alles daran setzen werde, um dich zufrieden zu stellen, aber »b meine Kenntnisse dazu ausreichen werden? In meinem Fach, da bin ich sicher, und mit den Leuten denke ich auch fertigzu werden, von dem Maschinenwesen ver­stehe ich aber so gut wie nichts."

Das wird sich finden. Im übrigen haben wir tüchtige Ingenieure, und dann bin ich doch auch noch da. In dem Fach kenn ich mich aus, sollt' ich meinen."

Nun, du mutzt misten, ob du es mit mir wagen kannst."

Karl klopfte ihm auf die Schulter.Unbesorgt, mein Volkmar. Bist ja von einem eigenen Schrot und Korn, und habe ich es gelernt, mich vom einfachen Maschineningenieur heraufzuarbeiten, so daß mir - jetzt nichts mehr vorkommen kann, wo ich um Rat und Hilfe verlegen wäre, so denke ich, sollst du auch lernen, den Posten ganz und voll aus­zufüllen, den ich dir zugedacht."

Sie schüttelten sich die Hände.

Ich denke, Runge am ersten Januar die Oberleitung aus den Hän­den zu nehmen, er kann dann vorläufig dem Versandbetrieb vorstehen, solange feine Kräfte vorhalten. Der Mann ist ja fünsundsechzig Jahre und soll sich freuen, mehr Ruhe zu bekommen. Ich werde dieser notwen­digen Handlung jeden Stachel zu nehmen suchen und auch feinen Sohn noch in meinen Dienst belasten, solange er meine Geduld nicht auf zu harte Proben stellt. Ein ernstes Wort rede ich noch auf alle Fälle auch mit ihm. Sobald du hörst, daß der Direktor kommt, schicke ihn zu mir. Jetzt laß mich allein, ich habezu tun."

*

*

Karl war ganz vertieft in neue Pläne und Berechnungen, die ihm Volkmar vorgelegt. Zufrieden hatte er alles durchgesehen und gedacht, daß sein Bruder doch ein tüchtiger Mensch sei. Da trat Direktor Runge ein. Seine hagere, etwas gebückte Gestalt war ht einen langen, schwar­

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Eine Stunde später schritten die beiden Brüder hinab nach der Fabrik. Karl hatte Volkmar neben seinem Privatkontor ein Zimmer einrichten lasten, so daß die beiden zu jeder Zeit miteinander sprechen konnten. Der Aufgang zu diesen beiden Zimmern war besonders für sich, sie konnten kommen und gehen, ohne die Fabrikräume zu betreten. Karl arbeitete hier am liebsten, in nächster Nähe von seinen Arbeitern, gleickiam int Mittelpunkt des Betriebes, und doch abgefchlosten, so oft er allein fein wollte. Drüben führten die Türen direkt in die großen Räume, in denen die Angestellten des kaufmännischen Betriebes arbei­teten. Neben Volkmars Zimmer lag das des Direktors, dessen Wohnhaus einige Schritte von der Fabrik entfernt lag.

Tiefe Mittagsstille lagerte noch in allen Räumen. Die Brüder nahmen Platz und Volkmar erstattete feine Berichte. Als er damit zu Ende war, sagte er:Direktor Runge war sehr wenig liebenswürdig mir gegenüber, et kann es mir nicht verzeihen, datz ich seine Stelle ein« nehmen soll."

Mein Gott, der Mann wird aber doch zu alt. Er soll ja fein Ge­holt fortbeziehen, nur die Leitung der Geschäfte muß er jüngeren, kräftigeren Händen überlasten."

Das will er ja auch, nur sind es nicht meine Hände, in die er sie niederlegen möchte. Er hat für feinen Sohn auf die Stellung gerechnet, hält diesen auch für befähigter, weil er schon jahrelang unter feiner Auf­sicht tätig ist."

Faulenzt, mußt du richtiger sagen. Der junge Runge wäre der letzte, dem ich einen so verantwortungsvollen Posten übertragen möchte. Gr ist ein Nichtstuer und ein hochmütiger Fant. Meine Leute würden enter feiner Leitung sehr unzufrieden fein, er ist anmaßend und aufge­

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

(Nachdruck verbeten.)

FiauenWlder.

Roman von Hedwig Eourths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Das soll mich freuen, es ist schon alles bereitet, drüben im kleinen Speisesaal ist bereits serviert."

Die beiden Herren gingen hinüber. Frau Nerlich speiste mit ihnen und legte ihnen vor.

Es geht doch nichts über fo einTischlein deck dich!" Sie verstehen es ausgezeichnet, einen zum Feinschmecker auszubilden."

Die alte Dame lächelte geschmeichelt.

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich bürd' M 170 die Post 2.25 « (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M. frei ins Haus. Verlag von Dr. C. Hitzeroth. Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.