M 168
1913.
Marbnrg
Montag, 21. Juli
Bukarest,- 20. Juli. Die Direktion der Diskonto-Eesell- schaft und das Bankhaus 6. Bleichröder in Berlin haben der Königin Elisabeth 50 000 M für Werke der Wohltätigkeit zur Ver- fügung gestellt, deren Protektorat die Königin infolge der Mobilmachung übernommen hat.
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespalten« Zeile oder I Q < deren Raum 15 bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 für 48. ^UylQ«
Berlin kommen, wehrend Vclkmar und Gertrud sich erst kurz vor der Hochzeit wiedersehen sollten.
Herta hatte alles vcriuck-t, die Hochzett der beiden hmauszuschieben, sie wünschte, dasi Ftc warteten^ bis sie und Karl vor den Altar treten wür- den, aber all ihre versuche waren an Volkmars Erklärung abgeprallt, daß'er sich nach einer eigenen Häuslichkeit und nach einer lieben Frauenhand sehne.
„Seit meinem zehnten Jittre weih ich nicht, was weibliche Fürsorge ist, liebe Herta, und seit ich -um letzten Mal meiner Mutter sorgende Aufmerksamkcit geiiosien habe, sind achtzehn Jahre vergangen. Es ist immer mein Wunsch gewesen zu heiraten, sobald ich einer Frau ein Heim bieten kann. Jetzt ist es so weit, und nun lasie ich mir auch nicht einen Tag an dem festgesetzten Sumin rauben. Mein Trudchen wird einen schweren Stand haben, sie muß mich hegen und pflegen wie ein liebe- bedürftiges Kind."
Karl hatte gutmütig dazu gelacht.
„Latz nur die beiden, Herta, wäre ich an ihrer Stelle, tat' ich dasselbe."
Und damit war die Sache erledigt gewesen.
Frau Melzer war überglücklich. Den ganzen Tag nichts zu tun zu haben als für das geliebte Kind und ihre Nichte schöne Sachen einzukaufen und zu bestellen. Keine Sorge mehr, woher das Geld beschosst werden sollte für allerlei unentbehrliche Dinge. Kein Schelten und Zanken des Arbeitgebers bei unpünttlicher Lieserung der Stickereien. Sie fühlte sich wie im Himmel und vergötterte ihren kiinstigen Schwiegersohn geradezu.
Und Herta wurde ruhiger seit sie Volkmar und Herta nicht mehr zusammensah, seit sie nicht mehr Zeuge ihrer Zärtlichkeiten zu sein braucht«. Die Glückseligkeit hrer Mutter tat ihr wohl, sie bildete sich ein. auch der Mutter wegen den reichen Bewerber erhört zu haben. Dadurch beschwichtigte sie die in ihr aufsteigende Selbstverachtung. Ihr leichter Sinn und die Hoffnung auf eine glänzende Zukunft taten das übrige. Sie zeigte sich auch Gertrud gegenüber zugänglicher und freundlicher, und als bann Anfang Dezember Karl wieder zu Besuch kam und so stattlich und hübsck vor ihr stand, da fing sie wieder an zu glauben, daß ihre Liebe für Volkmar zum Schweigen zu bringen sei, sosern sie nur ernstlich wollte. Sie war wärmer und herzlicher gegen ihren Verlobten als zuvor und machte diesen damit noch mehr zu ihrem Sklaven.
Er forschte nach, ob nicht noch ein Wunsch in Hertas Seele schlummere, ob alle» ihren Beifall gesunden, fo daß die Mutter bat, Herta nicht i» sehr zu verwöhnen. (Fortsetzung folgt.)
Die Türken in Rodosto.
Konstantinopel, 19. Juli. Bei der Wiederbesetzung von Rodosto durch die Türken versuchten eine Anzahl in Rodosto verbliebener bulgarischer Gendarmen, zusammen mit Komitatschis und armenischen Freischärlern Widerstand zu leisten und beschoß die landenden Türken, von denen 13 verwundet wurden. Von den bulgarischen und armenischen Verteidigern Rodostos sind etwa 25 bei dem Kampfe getötet worden. Da während der bulgarischen Okkupation Rodostos die mohamedanische Bevölkerung zahlreichen Bedrückungen und Willkürakten ausgesetzt gewesen war, so hatte sich bei den Mohammedanern starke Erbitterung gegen die dortigen Christen angesammelt. Jnfolgedesien ist es in dem Augenblick des Herrschaftswechsels zu einigen Ausschreitungen rein persönlicher Rache gekommen, bei denen einige Armenier und Griechen in Rodosto und Umgebung getötet oder verwundet worden sind. Der neue Mali hat sofort unter Entfaltung eines größeren Aufgebots von Gendarmerie für die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Ordnung gesorgt, so daß Befürchtungen für die allgemeine Sicherheit der Christen nicht bestehen.
scheu Truppen haben drei Brücken bei der Eisenbahnlinie in der Nähe von Plewna zerstört. Es sind Gerüchte im Umlauf, daß di« große Brücke über den Fluß Vid und die Brücke bei dem Dorfe Kraspa (Plewna) zerstört worden ist. Die Rumänen requierieren von der bulgarischen Bevölkerung Nahrungsmittel und Fourage, ohne zu zahlen und ohne Quittung zu geben.
Einrücken der Serben in Bulgarien.
Belgrad, 20. Juli. Der gestrige Tag ging ohne Kämpfe von größerer Bedeutung vorüber. Gegen 1 Uhr früh versuchte der Feind auf dem rechten Ufer der Nischava bei Pirot unsere Grenzlinien anzugreifen, wurde aber energisch zurückgewiesen. Bei St. Nicola drangen unsere Truppen auf bulgarisches Gebiet vor und kamen bis Tschipren. Der Feind zog sich nach Bjelogratschik und Ferdinandovo zurück. Auf Befehl der Bulgaren mußten alle Bewohner der Gegend das Land verlasien. Bei ihrem Rückzug steckten die Bulgaren einige kleine alte Häuser in Brand. Bei Egri Palanka griff der Feind gegen 3 Uhr früh an, wurde aber schnell und energisch zurückgetrieben. An der oberen Bregalnitza und in der Richtung auf Zarevo Selo griffen unsere Truppen erfolgreich an. Der Feind versuchte mit einer ganzen Division einen Gegenangriff von der Grenze aus, wurde aber energisch zurückgeschlagen. Gestern nachmittag besetzten unsere Truppen Kula in Bulgarien. Der Feind zieh sich auf Vidin zurück. Mit der Einnahme Kulas haben wir die serbisch-bulgarische Grenze überschritten. Unsere Truppen setzen über vier Punkte, die sämtlich in Bulgarien liegen, den Vormarsch fort.
, Die griechischen Berluste.
Athen, 19. Juli. Marineminister Stratos erklärte auf Anfrage, daß der Krieg bisher den Griechen 23 000 Tote gekostet habe.
Agence d'Athtznes meldet direkt, daß die griechische Regierung keine Antwort auf den Vorschlag Rußlands erteilt hat.
Der Einfluß Oestereichs und damit des Dreibundes steigt dagegen merklich, die rumänische offiziöse „Politica" schreibt, Rumänien könne sich beglückwünschen zu der Hilfe, die das Vorgehen Rumäniens seitens der Diplomatie der Nachbarmonarchie erfahren habe. Fraglich bleibt nur, ob Rußland seinen vergeblich gesprochenen Worten nicht sehr bald Taten folgen läßt, die das gefährliche Wirrwarr voll machen würden. Es droht bereits mit der Aufrollung der armenischen Frage. In dem Augenblick, in dem die türkischen Bataillone in Adrianopel einziehen, werden vielleicht russische Regimenter Türkisch-Armenien besetzen. Dann würde sofort England und Oesterreich auf dem Plan erscheinen. Möglicherweise sind die Mächte imstande, die Türken vor Adrianopel zum Halt zu bewegen. Die „Tribuna" schreibt dazu:
„Die Internationale Kommission zur Festsetzung der türkisch-bulgarischen Grenze wird in dieser Woche in Konstantinopel zusammentreten und ihre Arbeiten sofort beginnen. Alle Mächte haben schon ihre Vertreter ernannt. Diese Tatsache dürfte für die Türkei nicht ohne Bedeutung sein. Die Linie Enos-Midia ist durch die Londoner Konferenz festgesetzt worden, und die Mächte können nicht zugeben, daß ihr Protokoll verletzt wird. Alle Mächte sind sich insolgedessen darüber einig, daß man von der Türkei jedenfalls Achtung vor der ihr durch ihre Vermittlung auferlegten Grenze verlangen muß. Wenn die Türkei das nicht begreifen will, und ihre Truppen auf Adrianopel marschieren läßt, so wird eine direkte Kollektiv-Intervention beschloßen werden, auch um ein gesondertes Vorgehen Rußlands zu vermeiden."
Di« türkische Armee verlangt.....
Konstantinopel, 20. Juli. Sicherem Vernehmen nach verlangt die Armee, die sich auf der Linie Midia-Enos, mit dem Hauptquartier in Tschorlu, befindet, den sofortigen Vormarsch nach Adrianopel. Drei Kabinettsmitglieder meinen jedoch, die Pforte sollte die Ratschläge der Mächte berücksichtigen. Die übrigen Minister bestehen darauf, Adrianopel wieder zu nehmen, eventuell unter einer Kriegserklärung gegen Bulgarien.
Sofia, 20. Juli. Zwei Divisionen türkischer Kavallerie und eine Division türkischer Infanterie sind in Kulelue Burgas angekommen. General Velscheff, Kommandant der bulgarischen Streitkräfte in Adrianopel, rüstet sich zur Verteidigung Adrianopel s.
Gefangennahme einer bulgarischen Brigade durch di« Rumänen.
• Bukarest, 19. Juli. (Amtlich.) Eine fliegende Kolonne Kavallerie und reitende Artillerie stieß gestern bei Ferdinandowo zwischen Lompalanca und Sofia mit einer Brigade der 9. bulgarischen Division zusammen, die den Rückzug der Division des Generals Kutnischew decken wollte. Nach einem kurzen Kampfe ergabsichdiebulgarischeVrigademit einem General und 12 Geschützen. Die rumänischen Truppen auf dem östlichen Kriegsschauplatz, welche die Linie Turtukai-Baltschik besetzt haben, schicken Erkundungsabteilungen. nach dem Süden und dem Südosten vor.
Bukarest, 19. Juli. Den offiziösen Blättern zufolge sind die Rumänen auf ihrem Vormarsch in Vratscha angekommen.
Berlin, 19. Juli. Die bulgarische Gesandtschaft erhielt von ihrer Regierung folgende Meldung aus Sofia: Die rumqni-
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Ende des zweiten und Anfang des dritten Bwkankrieges?
Obwohl es am 18. Juli nördlich von Sofia zu dem ersten Zusammenstoß zwischen rumänischen und bulgarischen Truppen gekommen ist, wobei sich eine bulgarische Brigade mit 12 Geschützen ergeben hat, geht der Krieg Bulgariens gegen seine bisherigen Bundesgenossen augenscheinlich seinem Ende entgegen. Zwar sind neue erfolgreiche serbische Angriffe erfolgt, und die Operationen im Süden sind ebenfalls noch im Gange, aber die Einstellung der Feindseligkeiten scheint in sicherem Anzug zu sein:
V u k a r e st, 20. Juli. „L'Jndöpendance Roumaine" erfährt, daß Rumänien, Serbien und Griechenland über die Grundlagen der Friedensbedingungen sich geeinigt hab en und eine Konferenz aller Kriegführenden einberufen werden solle. Als Konferenzort schlagen Serbien und Griechenland Sinaia vor.
Außerdem haben der französische und der russische Gesandte vor einigen Tagen einen Schritt bei der rumänischen Regierung unternommen, um die Einstellung des Vormarsches der rumänischen Armee zu erlangen. Einer der seltensten Kriege wird also aller Wahrscheinlichkeit nach in Kürze sein Ende erreicht haben.
Dafür steigt aber das Gespenst neuer ernster Verwickelungen am politischen Horizont herauf, aus denen der dritte Balkankrieg entstehen könnte, ja mehr noch, ein allgemeiner europäischer Krieg. Die Türkei ist nicht zu bewegen, von dem Vormarsch auf Adrianopel abzulassen, weder durch ein diplomatisches Einschreiten der Tripleentente im ganzen noch durch Sonderbemühungen Rußlands. Die Besprechung zwischen dem russischen Botschafter von Giers und dem Eroßwesir hat, wie der Berichterstatter der „Wiener Allgemeinen Zeitung" in Konstantinopel von besonderer Seite erfährt, ein ungünstiges Ergebnis gehabt. Trotz der drohenden S p r a ch e des russischen Botschafters hat der Eroßwesir keine verbindlichen Verpflichtungen dafür übernommen, daß das türkische Heer nicht versuchen werde, Adrianopel zu besetzen. Der Eroßwesir machte Ausflüchte, indem er sich auf die Stimmung der Armee und der öffentlichen' Meinung berief? "^n Wiener diplomatischen Kreisen rechnet man nunmehr mit der Wahrscheinlichkeit, daß die türkische Armee tatsächlich zu r Wiedereroberung von Adrianopel schrei teil w erde. Die Lage wird im Anschluß an diesen Vorfall von der „Wiener Allgemeinen Zeitung" offiziös folgendermaßen besprochen:
„Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß bie türkische Regierung unter bcm Einfluß bei Militärpartei unb auch selbst von bem Wunsche beseelt, bie Rückkehr bet türkischen Armee nach Konstantinopel möglichst lange hinauszuschieben, ben Vorstellungen bet Tripleentente kein Gehör geschenkt unb sich dahin entschieden hat, eine Aktion gegen Abrianopel zu unternehmen. Der Besuch bes russischen Botschafters beim Eroßwesir war völlig erfolglos, trotzdem Herr von Giers eine überaus scharfe Sprache führte. Ebenso hat die Pforte den bulgarischen Delegierten Ratschewitsch davon verständigt, daß die Zeit zu Verhandlungen vor- über sei. Die ohnehin so komplizierte La/e wird durch dieses Vorgehen der Türkei noch verworrener. Es ist unmöglich, unter solchen Umständen ' ein Urteil über die wahrscheinliche Entwicklung der Situation zu fällen."
Die russische Politik hat also ein ziemliches Fiasko erlitten. Nicht nur in Konstantinopel, auch in Sofia und Athen sind die drohenden Worte der russischen Diplomatie einfach verhallt. Die
Gertrud schwieg still. Hertas Wesen machte sie unruhig, ängstlich, sie war die einzige, die bemerkte, daß sich die Braut ihres künftigen Schwagers anders gab als sie war, und bange Zweifel stiegen in ihr auf.
Wohl verwischte sich dieser Eindruck etwas im Saufe des Tages, Herta verstand so meisterhaft die glückliche Braut zu spielen, die für nichts Auge unb Ohr zu haben schien, als für ben Verlobten, daß Gertrud an sich selbst irre wurde und sich schalt über ihre Schwarzseherei. Sie wurde heiter und fröhlich mit den anderen, unb in Volkmars Augen, die sie mit so viel Liebe unb Zärtlichkeit ansahen, fand sie ben Glauben an eine glückliche Zukunft. Was konnten ihr alle Schatten anhaben, wenn ihr biese Sonne schien? Dennoch blieb ein leiser Hauch von Mißtrauen gegen Herta in ihrem Herzen bestehen. Sie würbe ihn nicht los, soviel sie sich Mühe gab,unb er verstärkte sich in Zukunst burch Hertas Verhalten.
Das schöne Mäbchen war nach ihrer Verlobung launenhafter als je, nur in Gegenwart ber beiben Herren nahm sie sich zusammen. Allein mit Muter unb Cousine war sie oft unausstehlich und hauptsächlich gegen letztere machte sie ihrem inneren Groll oft genug Lust. Die reichen glänzenden Geschenke, mit denen sie Karl überhäufte, erfüllten sie wohl vorübergehend mit Freude unb Genugtuung, aber wenn sie bann sah, wenn Gertrud mit stillem Glück ihr schlichtes Kleeblatt betrachtete und den glatten, goldenen Reifen an ihrer Hand, dann hätte sie all bie Kostbarkeiten von sich werfen mögen, um bieses einzige Liebeszeichen. Das größte Vergnügen bereitete Herta das Bestellen neuer Toiletten unb bas Aussuchen ber kostbaren Äusstattungsgegenstände. Karl hatte Frau Melzer unumschränkte Vollmacht gegeben, für bie beiben Braute anzuschaffen, was ihre Wünsche erfüllen konnte. Für Herta erschien ihm nichts kostbar genug während er an Eertrubs sehr bescheibenen Ansprüchen immer zu kabeln fand. Er wollte nicht, baß seines Brubers Frau so viel einsacher ausgestattet werden sollte als seine eigene. Doch Gertrud besiegte seine Bedenken.
„Laß mich nur, Karl, was zu einer stolzen Rose paßt, bas ist nichts für ein bescheidenes Veilchen. Ich würde mich unbehaglich fühlen, wenn ich mich mit all ben schönen Sachen belaben müßte. Das ist nur für Herta schön unb paßend, ich liebe das einfachere Genre unb ich weiß, es entspricht auch Volkmars Wünschen."
Danach ließ sie Karl nach eigenem Ermeßen wählen, unb Volkmar freute sich innig übet ihre taktvolle Bescheidenheit.
Acht Tage nach Hertas Verlobung reisten bie beiben Brüder nach Fnebrichstal ab, und erst Anfang Dezember wallt« Karl wieder nach
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und ben Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" unb „Landwirtschaftliche Beilage".
(Nachdruck verboten.)
Fmuenzauber.
Roman von Hedwig Courths-Mahler.
(Fortfetzung.)
Volkmar und Gertrud hatten sich endlich auf ben Heimweg gemacht. Gerade vor ber Kaiser Friedrich-Gebächtniskirche hatte er ihr ben glatten Reifen angesteckt. Unb bann mußte sie immer auf bie blitzenbe Stelle sehen, ben Handschuh zog sie gar nicht wieder an. lieber das Kleeblatt freute sie sich unbändig. Er hatte es so innig, mit so viel Liebe ausgesucht, bas machte sie glücklich und stolz aus diesen Besitz.
Volkmar hatte mit Karl ein Zeichen verabredet. Wenn Herta seinen Antrag angenommen hatte, bann sollte im Wohnzimmer ein Fenster offenstehen. Jetzt tarnen bie beiben unb spähten nach biesem Zeichen. Richtig, es war offen. Run gab es kein Halten mehr, wie zwei glück- li*e minder rasten sie die Siege hinaus, unb bann lag Eeitiub in ben Mimen bet Tante unb jubelte: „Habe ich es nicht gesagt, etwas Freu- diges steht dii bevoi, nun ist es eingetioffen."
Da tiat auch Kail an sie heran. „Nun will ich aber meinen Kuß haben, liebe Gertrub."
Mit reizenber, mädchenhafter Scheu reichte sie ihm die Lippen, bann ebci, ehe er es sich versah, hatte sie seine Hanb an ihre Lippen gebrückt. „Ich danke Ihnen, lieber Karl."
„Nichts da, Dank brauche ich nicht, unb bu wird auch gesagt, wir sind jetzt eine einzige große Familie."
Volkmar stand vor Herta.
„Laß uns den beiden dort nachahmen, sei meine Schwester, Herta, And gönne mir einen kleinen Platz in deinem Herzen."
Er umaite unb küßte sie. es war ihr. als sollte sie vergehen unter diesem Kuß, der alles Liebesbedürfnis in ihrem Herzen weckte. Sie hätte aufschreien mögen vor Qual, und als Gertrud sich ihr jetzt nähette, traf sie ein Blick aus Hertas Augen, der sie zusammenzucken ließ. Sie hatte ein Gefühl, als wäre ein leiser Schatten über ihr Glück gefallen. Mit dem feinen Instinkt des liebenden Weibes ahnte sie, daß ihrer Liebe Gefahr drohen könnte. Unter dem feindlichen, gehässigen Blick ihrer Cousine schauerte sie wie im Frost zusammen. Herta hatte ben Eindruck ihres Verhaltens wohl bemerkt, sie gab sich Mühe, ihn zu verwischen, nnb küßte Gertrud auf ben Munb.
„Zwei glückliche Bräute auf einmal, Gertrud, wer uns da» vor wenig Wochen gesagt hättti" . ___, ,