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Nr. 164
Mittwoch, 16. Juli
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.Nein, bitte, gar nicht. Ich warte höchstens vier Wochen."
,Ach, Volkmar, das geht doch nicht."
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6o wie diese Perle vom Glücksblatt umschlossen war, so sollten all« Tränen, die sie noch weinte, Elückstränen sein. Das wollte er ihr sagen, wenn er es ihr schenkte.
Ausstattung für mich anschaffen kann."
Er lachte fröhlich auf. „Daraus wird nichts, die fchentt dir mein Bruder, er hat es mir versprochen,"
„Will er dir denn erlauben, dah du mich armes Mädchen heim- fShrst?" '
„Unter einer Bedingung."
„Welche?"
„Dah du spätestens heute in 8 Wochen mein« Frau bist."
„So schnell?"
„Mir ist es viel zu langsam. Am liebsten behielt ich dich jetzt gleich Kei mir."
„O Gott, ich muh doch nun nach Hause."
I- „Ja, das sehe ich nun wohl ein. Komm, ich begleite dich." | „Du willst doch nicht jetzt mit zu Tante gehen?"
Er seufzte sehr vernehmlich. „Nein, da darf ich mich vorläufig nicht tlicken lassen, aber dich muh ich sehen. Weißt du, die Tante braucht vorläufig nichts zu wisien, auch Herta nicht. Du schreibst heute an alle die söeute, bei denen du Unterricht gegeben hast, daß du verzichten mußt, ihre Minder weiter zu lehren. Und die Stunden, die du sonst darauf verwendest. die schenkst du mir. Wir bummeln dann glückselig in Berlin herum. An den Schaufenstern suchen wir uns aus, was wir zu unserer Mtnrichtung brauchen können und ... na. wir werden die Zeit schon gut lmwenden. Am ersten Dezember gehe ich nach Friedrichstal und Weih-
. »«achten, da hole ich mir mein Trudchen hei«. Za?"
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vertretende Premierminister machte den Mitgliedern die Mitteilung, baß Rußland China eröffnet habe, es habe sich entschlosien, das vorgeschlagene Abkommen vor seiner Unterzeichnung zu annullieren. Rußland habe an Stelle dieses Abkommens vier neue Vorschläge gesetzt, welche die chinesische Regierung für härter halte, als die Bestimmungen des jetzigen Abkommens. Durch diese Vorschläge werde die volle Autonomie der Mongolei anerkannt, China nur zum Suzerän erklärt und gezwungen, die russische Vermittlung anzunehmen und alle Rechte anzuerkennen, die durch das Abkommen und das Protokoll von Urga vom September vorigen Jahres Rußland zugestanden worden sind. Ferner werden durch diese Vorschläge die Rechte der russischen Untertanen und Händler in der Mongolei festgesetzt. Im Parlament wurde gegen die neuen Vorschläge ein s ch a r f e r Widerspruch laut.
Di« Farmwirtschast in Südwest.
Die Farmwirtschaft in Deutsch-Südwestafrika nahm, dem Jahresbericht der Windhuker Handelskammer zufolge, im Jahre 1912 einen er- heblichen Aufschwung. Leider setzten auf den meist hochgelegenen Farmen schon im April starke Nachtfröste ein, die einen Teil der spaten Maissorten vernichteten. Obgleich bte Trockenkulturen noch im Ver- suckisstädium stehen, ernteten einige Farmer bereits bis zu 1000 Zentner Mais und 1500 Zentner Kartoffeln, die mit den Nebenprodukten in einzelnen Fällen einen Reingewinn bis zu 30 000 M allein aus der Ackerwirtschaft ergaben. Die durchschnittliche Regenmenge genügte vollständig für Trockenkulturen. Die Rinderzucht entwickelte sich in erfreulicher Weise, da kein« nennenswerten Seuchen auftraten. Der Absatz und die Preise waren befriedigend, nur gegen Ende des Jahres machte sich eine bedenkliche Absatzstockung geltend, was bei Kühen und Färsen auf die zunehmende Geldknappheit zurückzu führen ist. Die Preise für Hammel und Karpater sanken von 14 bis 15 M auf 11 bis 12,50 M. Verschiedene Farmer behaupten, bei diesen Preisen bezahle sich die Kleinviehzucht auf Fleisch immer noch bester als die schwierige Merino- und Angorazucht. Dabei ist zu bedenken, daß das Jnlandmarkt schon jetzt die produzierten Hammel und Karpater kaum noch ausnehmen kann, und für den Export sich bereits Schwierigkeiten ergeben. Auch ist zu erwarten, daß afrikanische Hammel und Karpater noch weiter im Preise sinken werden. Merinowolle aus dem Bezirk Windhuk brachte in Hamburg 1,20 bis 1,35 M pro Kilo und Mohair 2 M pro Kilo in London. Die Straußenzucht macht weiter gute Fort- fcbritte. Die Bruterfolge der vom Kap eingeführten Strauße sind durchweg befriedigend und werden noch bester sein, sobald weitere Erfahrungen hierin gemacht sind. Der Pferdezucht widmen sich immer mehr Farmer mit größerem Interesse. Die Schweinezucht blieb in der ruhigen Bahn des Vorjahres. Der Bedarf wurde voll gedeckt. Im letzten Jahre überstieg das Angebot die Nachfrage, weshalb der Preis von 75 M auf 65 M per Zentner Lebendgewicht fiel. Die Farmpreise zeigten trotz der Geldknappheit eine steigende Tendenz, besonders in der Nähe größerer Ortschaften, wo bis zu 70 Kilometer Entfernung 6 bis 12 M pro Hektar bezahlt wurden. Eine Farm von 10 000 Hektar wechselte erst kürzlich noch für 200 000 M (einschließlich Meliorationen) den Besitzer.
Die Kreissteuern in den preußischen Landkreisen im Rechnungsjahre 1911.
Im 9. Jahrgang des „Statistischen Jahrbuchs für den preußischen Staat" wurden zum ersten Male die Ergebniste einer neuen amtlichen Erhebung über Steuern und Schulden der preußischen Provinzialverbände, Kreise und Gemeinden, die sich auf das Rechnungsjahr 1910 bezog, veröffentlicht. Für 1911 ist diese Erhebung wiederholt worden, und ihre Ergebniste werden in entsprechender Weise in dem kürzlich erschienenen 10. Jahrgang des „Statistischen Jahrbuchs" nachgewiesen. Danach belief sich das Eesamtauf- kommen an Kreis steuern im Rechnungsjahr 1911 auf 112,40 Mill. Mark gegen nur 107,23 Millionen im Vorjahre; dies bedeutet eine Zunahme um rund 43/t Proz. Gegenüber dem Rechnungsjahre 1908 — für die Zwischenzeit fehlen Vergleichszahlen — hat sich das Steuersoll um 16,43 Mill. Mark oder rund 17 Proz. vermehrt. Das Rechnungsjahr 1903, für das ebenfalls Angaben vorliegen, bleibt für die Vergleichung bester außer Betracht, weil damals die Landkreise außer der Hundesteuer noch keine indirekten Steuern erheben durften; diese Befugnis ist ihnen bekanntlich erst durch das Kreis- und Provinzialabgabengesetz vom 23. April 1906 eingeräumt worden.
Vom gesamten Sollaufkommen an Kreissteuern entfielen 1911 auf diedirekten Kreissteuern 80,28 v. H., 1910 desgleichen 81,24 . v. H., 1908 noch 84,84 v. H. Die i n d i r e k t e n Kreissteuern (Um« satz-, Wertzuwacl)S-, Schankkonzessions- und Hundesteuer) spielen also' für die Deckung des Finanzbedarfs der Kreise eine ständig wachsende Rolle. Ihr Aufkommen zeigt auch ein erheblich schnelleres Anwachsen als das der direkten Kreissteuern. Während sich dieses von 1910 auf 1911 um 3,53 v. H. und im Zeitraum 1908/10 jährlich um nur 3,49 v. H. vermehrt hat, belief sich die entsprechende Zunahme bei den direkten Kreissteuern auf 10,08 bezw. 19,16 v. H. Für das Rechnungsjahr 1911 betrug das Sollaufkommen an Umsatzsteuer 14,22 Millionen und an Wertzuwachssteuer 1,60 Mill. Mark (für das Vorjahr an beiden Steuern zusammen nur 13,79 Millionen), ferner an Schankkonzessionssteuer 3,07 (3,12) Millionen und an Hundesteuer 3,33 (3,22) Mill. Mark.
Die auf einen Einwohner entfallende Belastung durch Kreis- steuern stieg von 3,57 im Rechnungsjahre 1908 auf 3,89 M im Rechnungsjahre 1910 und 4,10 M im darauf folgenden Jahre, während 1903 die Kopfquote erst 2,55 J*. betrug. In den einzelnen Landesteilen zeigt diese Belastung bemerkenswerte Verschiedenheiten. Im Rechnungsjahre 1911 hatte die Provinz Brandenburg mit 5,94 M den höchsten Kreissteuerbetrag auf 1 Einwohner aufzuweisen. Dann folgten Ostpreußen (5,79 -U), Schleswig-Holstein (5,47 Jt), Westpreußen (5,38 Jt), Pommern (5,31 -K) und Hannover (4,82 Jl). Die übrigen Landesteile erreichten den staatlichen Durchschnittsbetrag von 4,10 M nicht. Am nächsten kamen ihm noch Sachsen und Schlesien mit Beträgen von 4,04 bezw. 4,02 <H; in Posen und Westfalen betrug er nur 3,46 bezw. 3,28 und in den Hohenzollernschen Landen, in Hessen-Nassau und der Rhein- , provinz sogar nur 2,47 bezw. 2,38 und 2,32 M. Während in sämtlichen übrigen Landesteilen sowohl bei den indirekten als auch bet den direkten Kreissteuern der Kopfbetrag für 1911 höher war als der für das Vorjahr, war er in Westfalen bei den dir»kten Kreissteuern in beiden Rechnungsjahren gleich hoch.
„Wann soll ober Tante erfahren, daß wir verlobt sind?"
„Sehr bald. Wenn Herta und mein Bruder Karl sich verloben."
Sie sah ihn fastungslos an.
„Die beiden ..."
„Lieben sich und werden ein Paar."
Sie umschlang ihn in froher Aufwallung. „Nun bin ich erst ganz glücklich, Volkmar. Ach, wie wird sich Tante freuen. Sie war so traurig, daß Herta dich nicht mochte."
Volkmar bezahlte den Kellner und gab ihm ein Trinkgeld, was diesen veranlaßte, ihn „Herr Graf“ zu titulieren. Er sah von der fast unberührten Platte nach dem sich entfernenden Paar und kniff listig die Augen zusammen.
Gertrud fah noch einmal zurück in das Zimmer, wo sie das Glück gefunden hatte. Dann ging sie an seiner Seite den Weg zurück. Ihre Hand lag jetzt still und sicher aus seinem Arm, und wenn sie zu ihm aufblickte, sah sie in seine glückstrahlenden Augen.
Da, wo er sie getrosten, verabschiedete er sich von ihr. „Weißt du, was ich möchte?"
Nun?"
„Dir hier auf offener Straße Mund und Augen küssen. Entfliehe, sonst geschieht es noch."
Sie lachte leise und glücklich auf. „Ich gehe schon. Ach, Volkmar, es ist wie ein schöner Traum."
Er nahm ihre Hand und führte sie an die Lippen. Dann grub er seine Zähne fest in ihr Fleisch, so fest es ging, ohne ihr weh zu tun.
„Da", lachte e« „ein Zeichen, daß du wachst. Also morgen um dieselbe Zeit an dieser Stelle und so alle Tage, bis ich selbst zu dir komme."
Sie trennten sich. Er sah ihr nach, bis sie im Hause verschwunden war. Dann eilte er zu Karl.
Dieser hatte vom Hotel aus nut eine Botschaft geschickt daß er den Bruder zu Mittag dort erwarte, und da er bis dahin noch eine Stunde Zeit hatte, ging Volkmar in die Friedrichstraße zu einem Juwelier und kaufte zwei glatte, goldene Reifen. Er lachte in sich hinein, als er angab, welche Buchstaben hinein graviert werden sollten, und wollte st« unbedingt bis Hum nächsten Morgen zugeschickt haben. Danck kaufte er noch ein kleines, goldenes Kleeblatt mit einer Perle in der Mitte. Ihr Glück hatte ja mit Tränen begonnen. Es sollten aber di« einzigen bleiben.
der Provinz Liliehtschun, General Hwang Hsing an der Spitze bet Aufrühret die Kiangsitruppen Puanschikais, die der Regierung Respekt verschaffen sollen, zu vertreiben sucht, ferner die Sprengung eines Magazins in Kaifun und andere Versuche, bet Regierung Schwierigkeiten zu machen, werden als Anzeichen betrachtet, daß die Iungchinapattei entschlosien sei, eine Entscheidung herbeizuführen. Puanschikai hat Verstärkungen ins Pangtsetal. gesandt. Zu den inneren Unruhen treten auch ernste Schwierigkeiten mit dem Ausland. Es herrscht große Aufregung sowohl unter den Chinesen als auch unter den Ausländern wegen neuer Forderungen, die von Rußland unerwartet gestellt wurden, die das Abkommen ersetzten sollen, das von der chinesischen Regierung angenommen, am 30. Mai dem Parlamente unterbreitet und von diesem an eine besondere Kommission verwiesen wurde, alsdann die Zustimmung des Repräsentantenhauses erhielt und jetzt im Senat beraten werden soll. An zwei Tagen fanden geheime Sitzungen beider Häuser statt. Der stell-
Inzwischen war Karl um elf Uhr zu Melzers gegangen. Hettai Augen blitzten triumphierend auf, als er kam. Sie ging ihm Verleger und errötend entgegen. Er küßte ihr die Hand.
„Sie zürnen mir nicht, Herr Prenkel?" ,
„Wegen Volkmar, meinen Sie? Nein, liebes Fraulern, kein Meisick kann "seinem Herzen befehlen."
Frau Melzer trippelte verlegen hm und her.
„Der atme Volkmar, er tut mir so leid."
Lasten Sie nur, so junges Blut vergißt bald. Fräulein Herta roai seine" erste Liebe, ich hoste, es geht nicht so tief bei ihm."
Herta biß sich auf ihre Lippen. Es verwundete ihre Eitelkeit, dah »Volkmar sie so bald vergesten sollte. Hatte sie ihn auch abgeroiefen, so verlangte sie doch, daß er ihr Sklave blieb. Doch ließ sie nicht ihre Ver, stimmung merken.
Karl betrachtet« sie mit ehrlicher Bewunderung. Das fein« Köpfchen mit dem geistsprühenden Ausdruck dünkte ihm das Schöistte, was et je gesehen. Er war besangen, mehr als sie, und konnte die rechten Wort« zur Unterhaltung nicht finden.
„Wann reisen Sie wieder nach Friedrichstal zurück, Herr Prenkel?" fragte Frau Melzer.
Hertas Augen sahen wie in angstvoller Trauer nach ihm hinüber. Er bemerkte es, und sein Herz klopfte stärker.
„In einigen Tagen, vielleicht auch schon morgen", sagte et, Herta scharf beobachtend.
Diese zuckte merklich zusammen. „So bald schon," wumelte tonlos.
Der atm« Karl merkte nicht, daß sie mit ihm Komödie spirktt, r
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Innere nnb äußere Schwierigkeiten in China. ;
Die Feindseligkeiten in Kiangsi, wo bet abgesetzte Eouv
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Koloniales.
□ Erfolgreiche Patrouille in Südwest. Bon der Kompagnie der Schutztruppe in Okahandja hat unter Führung von Oberleutnant von Linstngen eine erfolgreiche Patrouille in der Gegend des Grootberges eine Ovatjimbawerft von dreißig Köpfen mit 130 Stück Kleinvieh aufgehoben und nach Outjo gebracht. Hoffentlich hat dieser Erfolg der Patrouille eine abschreckende Wirkung auf die Viehdiebe.
□ Fehlende Regenzeit in Deutsch-Ostafrika. Im Gebiete des Kilimandscharo und Meru sind in diesem Jahre ziemlich beträchtliche Regenmengen niedergegangen, hingegen ist in dem Gebiete westlich des Meru, von Rascha Rascha ab nach Engaruka und Umbugwe fast gar kein Regen gefallen, so daß dort große Trockenheit herrscht.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhest. Ztg." gestattet.)
Marburg, 16. Juli.
* Die Reichspostverwaltung ist, um größere Erleichterungen im Fernsprechverkehr zu schaffen, damit beschäftigt, ein neues System der Kabelung auszuprobieren. Es handelt sich um unterirdische Kabel, in denen je 15 Leitungen vorhanden sind.
* Sommertheater Marbach. Man kann den gestrigen Vortrag des Gerhart Hauptmannfchen „Festspieles" durch Herrn Direktor Sieger zugleich begrüßen und bedauern, begrüßen, weil auch hier die Gelegenheit geboten wurde, sich selbst ein Urteil zu bilden — soweit das auf Grund des gesprochenen Wortes möglich ist —, bedauern, weil dadurch noch Reklame für ein Werk gemacht wird, das es nicht verdient. Wir haben feiner Zeit mehrere Proben
aus den Hauptmannfchen Knittelversen wiedergegeben, die allein, auch wenn alles übrige von anerkanntem Werte wäre, das Urteil rechtfertigen würden, bas sie von bem überwiegenben Teile fach- verstänbiger Kritiker unb bet in- und ausländischen Presie er- fahren haben. Wir könnten diese Auslese noch beliebig erweitern, halten das aber für zwecklos, nachdem ein- für allemal festgestellt wurde, daß dieses „Jahrhundertfestspiel" nach Form und Inhalt unpassend und verfehlt ist. Wer die mit griechisch-mythologischen Allegorien überlasteten Reime gestern abend objektiv auf sich hat wirken lasten, mußte unzweifelhaft zu demselben Ergebnis kommen. Wenn nicht, gehört er zu den unbedingt auf Gerhart Hauptmann Schwörenden oder zu jenen Kreisen, die für den Geist der Befreiungskriege und ihrer Zeit ebensowenig Verständnis haben wie Hauptmann. Wir gehen nicht so weit, wie etwa das „Literarische Echo", das den Dichter einen Sklaven der Form nannte, wie die demokrattsche „Welt am Montag", die das Werk als eine „mit einer mystisch verschnörkelten Apotheose des Friedens endende zusammengeschwitzte Jammerkomödie eines schlottrichten kosmopolitischen Jammerkerls" und als „die entsetzlichste kulturelle Schande" bezeichnete, oder wie die sozialdemokratische „Neue Zeit", die schrieb, das Stück sei „ein weder gehauener noch gestochener Bombast" und „Hauptmann habe von Blücher, Stein, Scharnhorst usw. noch nicht einmal so viel begriffen wie ein beliebiger Sekundaner", aber für uns steht es fest, daß Hauptmann der Ungeeignetste war zur Absasiung eines solchen Eedenkspiels und daß es deshalb völlig mißglückt ist, soweit Hauptmann nicht absichtlich eine Tendenz hineingelegt hat, die ihm einen politisch-radikalen Charakter verlieh. Das hat et ja bekanntlich persönlich als seine. Absicht hingestellt. Und das scheint uns dasjenige Moment zu fein, das die härteste Verurteilung verdient. Daraus erklärt sich auch die ungebührliche Beweihräucherung Napoleons, die Hintan- setzung der großen Führer aus militärischem und politischem Gebiet und die geradezu hohnvolle Behandlung des preußischen Volkes, das Hauptmann zu einem Volk von Trotteln und Feiglingen gemacht hat. Womit ein wirkliches Jahrhundertfestspiel begonnen hätte, mit dem Losbrechen des Sturmes, dem Aufstehen des Volkes, schließt Hauptmann sein Puppenspiel, d. h. et laßt es uns ahnen. Dafür nimmt fast die ganze erste Hälfte eine seht realistische Darstellung der französischen Revolution und bet napoleonischen Zeit ein, unb erst nach ungefähr einet Stunbe Horen wir einige markige Worte Steins unb Jahns. Im übrigen beherrschen ber Weltgott unb Direktor bes Welt-Puppentheaters unb Pallas Athene (bie u. a. eine Hymne auf Eros anstimmt) bie Szene. Die Mtsten werben mit einer Hanbbewegung abgetan, bet alte Fritz, die Führer von Volk unb Heer stellen sich mit gebrechselt-banalen Versen vor, bet Matschall Vorwärts wird schließlich von bem Puppenspielbirektor in bie Kiste gesteckt unb in Holzwolle und Seegras ad acta gelegt. 1813 ist mit einem kühnen Eebanken- sprung eriebigt. So stellt sich im Kopf dessen, der unser größter lebender Dichter genannt wird, die großartigste vaterländische Volks bewegung aller Zeiten dar. Für den ausgezeichnet differenzierten Vortrag des Herrn Direktor Sieget dankte da, spärlich erschienene Publikum mit lebhaftem Beifall.
* Ladenpreis«. ?m ^onot Juni 1913 betrug inMa.burg der DurchfLvitt^rkl, für 10 kg MM zur Spüfebereitung iM Großhandel Weizenmehl M 30.—, Roeg-nmehl ''■< 2o—; im Slletnbanbel fut 1 kg mehenmebl 88 Rozaemnehl 27, Weißbrot G6 Noggen-Graubrot mit Zusatz von Weizenmehl 26, Fadennudeln W, Weizen-Grie; 54 Buch. weizen-Gries —, Gersten-Graup n 58 Buchweizengrütze 6Aaserar tze . 4 Gerstengrütze 43, Hirse 46. Reis GO Pf, Backcbit (gernttol) 1.20 M„ Kaffee, ungebrannt, gebrannter 3.2', Zucker, harter, Speisefalz 20 Pf., Schweineschmalz, inländisches —., au-landisches —. M.
Versammlungen, Konzerte, Theater, Bergnügungsnachrichten «fw.
• Stadtsäle Marburg. Auf die heute abend stattsindend« Aufsüh- ruan des Gerhart Hauptmannschen Schauspiels „Gabriel Schillings Flucht" sei nochmals besonders aufmerksam gemacht. Erne Wiederholung des Stückes kann nicht stattfinden.
• Sommerthrater Marbach. Am Freitag wird eine überaus luftige Novität, der drciaktige Schwank „S ü n d e n b ö ck e" gegeben. Die Presie schreibt darüber: „Königsberger Hartungsche Zeitung. Fabel und Durchführung verraten auf Schritt und Tritt den melgewandten Schwankautor. Geschickt ist die Handlung bis zum Schluß gestaffelt, wenn auch der an sich freilich ungemein wirksame Tanz im dritten Akt etwas willkürlich erscheint. Die Situationskomik ist stellenweise kaum noch zu übertreffen, was denn auch das sehr beifallsfreudige Publikum durch wahre Beifallsstürme anerkannte. — „Berliner Borsenkurrer. Einen fröhlichen Abend gab es mit Schätzler-Perasinis Schwank „Sun- denböcke", denn das Stück bringt mit lustiger Szenenführung eine drollige Episode aus dem Familienleben des Stadtrates Eisenstein. Die Wirkung war so stark, daß ber anwesende Autor den Hervorrufen wiederholt Folge leisten konnte.
(Nachdruck verboten.)
Frauenzauber.
Roman von Hedwig Courths-Mahler.
(Fortsetzung.)
„Du, Trudchen, wenn wir erst als junge Eheleute an unserem ersten Frühstückstisch sitzen."
„Bis dahin vergeht noch viel Zeit."
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