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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

M 159

DieOberhessische Zeitung- erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durck- die Post 2.25 .« (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. Verlag von Dr. E. Hitzeroth. Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. E. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marburg

Donnerstag, 10. Juli

Der Anzeigenpreis beträgt für die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 4, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 4. Bet Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Zahlungen unter St. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

48. Jahrg.

1913.

Erstes Blatt.

Die Lage auf dem Balkan.

Was ist Wahrheit? Sind die bulgarischen Siegesnachrichten glaubwürdiger als die serbischen Ableugnungen? Wird die Türkei aktiv eingreifen oder nicht? Werden die Mächte weiter die Politik der Nichtintervention befolgen? Es ist alles noch in der schwebe. Oesterreich-Ungarn hat sich, wie gemeldet, freie Hand gewahrt. Dagegen soll Italien dem englisch-französischen Vor­schlag einer Nichteinmischung bedingungslos zugestimmt haben. Der österreichische Versuch einer Vermittlung zwischen Rumänien und Bulgarien soll, so verlautet aus Wiener diplomatischen Kreisen, infolge der Hartnäckigkeit Bulgariens gescheitert sein. Auch ein gemeinsamer Schritt des deutschen und österreichischen gesandten in Sofia blieb erfolglos. Die Unnachgiebigkeit Bul- zariens wird auf einen neuen Szenenwechsel der russischen Politik /urückgeführt, die sich plötzlich wieder von der rumänischen auf die bulgarische Seite geschlagen und Bulgarien gewisie Zusicherungen dafür gegeben zu haben scheint, daß Rußland eine Schwächung Bulgariens durch Rumänien nicht zugeben werde. Oesterreich- Ungarn wird infolgedesien Rumänien volle Handlungsfreiheit lasten. Im übrigen wird von Petersburg aus in Bukarest und Sofia fleißig intrigiert. Wie ernst die Lage in Oesterreich auf- gefaßt wird, geht daraus hervor, daß der Chef des Eeneralstabes v. Hötzendorff gestern zu Kaiser Franz Josef nach Ischl berufen worden ist.

Aus den Meldungen vom Kriegsschauplatz kann neuerdings wieder eine Vesterung für die Serben herausgelesen werden. Allerdings stehen dem auch wieder neue Erfolge der Bulgaren gegenüber. Die er sie bulgarische Armee hat auf ihrem Marsche nach Knjazevatz, nördlich von Risch, 10 Geschütze in ihren siegreichen Kämpfen gegen die Serben den letzteren entristen. Die dritte bulgarische Armee hat sieben Brücken zwischen Wranja und Leskovatz in Serbien zerstört, die an der Eisenbahn von Mazedonien nach Serbien liegen, und rückt gegen Pirot v 0 r. Die Serben haben einen Teil der Bahnlinie zwischen Pirot und Zaribrod, also hart an der bulgarischen Grenze, zerstört. 84 000 Serben haben eine Stellung bei Kratova im Norden von Jstip besetzt, ebenso den berühmten Ort Sultan Petepe. Diese Stellung läuft parallel mit der bulgarischen Grenze in der Nähe von Egri-Palanka. Sultan Petepe ist sehr stark befestigt worden. Die fünfte bulgari sche Armee geht von Küstendil gegen Egri-Palanka vor, mit der Absicht, die serbische Armee bei Ko- tschana zum Kampfe zu stellen, wo die Serben bereits erheblich« Schlappen erlitten haben:

Sofia, 9. Juli. Die 7. Division, unterstützt von der 12. Division, griff gestern das serbische Zentrum bei Kotschana an und warf die ihr gegenüherstehenden Truppen zurück. Die Serben gingen bis auf die Höhen östlich des Sletowoflusses zurück. Der Kampf war für beide Teile sehr verlustreich. Die nördlich von Jstip an der Bregalnitza stehende Morawadivision des ersten Auf­gebots ist durch das Zurückgehen dieser Division in Mitleiden­schaft gezogen und stark bedroht. Die serbische Eefechtslinie süd­westlich von Kotschana wird sich infolgedesien kaum noch länger halten lasten, da die bis aus die Höhen von Sletowo vorgedrun-

(Nachdrllck verboten.)

Frauenzauber.

Roman von Hedwig Courths-Mahler.

(Fortsetzung.)

tzerta blickte scheinbar gleichgültig in das aufgeregte Gesicht ihrer Mutter.Wieso Mama?"

Ach geh, Kind, tu' doch nicht als ob du blind wärest. Weißt doch ganz gut, daß der Volkmar nicht wegen mir alten Frau fast alle Tage die drei Treppen hinaufsteigt."

Gertrud ist doch auch noch da."

Diese biß die Lippen zusammen, sie wußte, daß Herta nur spottete, aber sie schwieg, denn die Kehle war ihr wie zugeschnürt. Sie liebte Volkmar mit der ganzen rückhaltlosen Schwärmerei einer innigen Natur, aber sie wußte auch, daß er ihr verloren war. Sie hatte Zeit gehabt, sich in den Gedanken zu finden, und ihr einziges Bestreben war nur, sich nicht zu verraten.

Frau Melzer starrte einen Moment aus der Fasiung gebracht auf ihre Nichte. Dann aber huschte ein sicheres Lächeln über ihr noch immer schönes, gutes Gesicht.

Das wisien wir bester, Gertrud, nicht wahr? Wir haben doch auch Augen und sehen, wen Herr Volkmar mit seinen Augen verschlingt. Rein, Herta, ich weiß, was ich weiß."

Die zuckte die Achseln, wie jemand, der einsieht, daß er vergeblich reden würde.

Die beiden Herren waren inzwischen langsam durch die Straßen ge­bummelt, ohne zu reden. Volkmar hielt es endlich nicht mehr aus.

Run, Karl?"

Dieser fuhr auf wie aus tiefen Gedanken. Dann glitt ein Lächeln klber sein Gesicht.

Du brennst aus meine Kritik, Bolkmar, nicht wahr!"

Dieser nickte stumm.

Hier schweigt jede Kritik, mein Junge, da kann man nur rückhalt­los bewundern. Wenn sie dich nimmt, wirst du zu beneiden sein."

Volkmar schob seinen Arm in den des Bruders und drückte ihn an sich.Das freut mich, Karl. Wie gefällt dir Gertrud?"

Karl sah ihn scharf von der Seite an.Dir scheint sie trotz Hertas I Schönheit sehr zu gefallen?" 1

Gefallen? Ich weiß nicht, wie du das meinst. Es ist etwas an dem I Mädchen, da» mich nicht zur Ruhe kommen läßt, Ich hab« sie in letzter 1

Seiten Truppen der 12. bulgarischen Division diesen Teil der ser­bischen Eefechtslinie in der Flanke beschießen.

Einschließung der serbischen Hauptarme«.

S e m l i n, 9. Juli. Der Plan der Bulgaren scheint gelungen und die serbische Hauptarmee vollständig zer. niertzu sein. Täglich treffen Schleppdampfer mit Tausenden von Verwundeten ein. Es herrscht Mangel an Aerzten und Ver­bandstoffen. Eine unerhörte Telegrammzensur wird ausgeübt.

Der Bormarsch der Bulgaren in Serbien.

Sofia, 9. Juli. Der General Kutintskev meldet, daß seine Truppen gestern morgen Knaszevatz an der altserbo-bulgarischen Grenze eingenommen haben. Der Kampf soll für die Serben sehr verlustreich gewesen sein, man spricht von 2000 Toten, doch dürfte diese Ziffer übertrieben sein. Wie der General weiter meldet, geht er jetzt auf Aleksinatz zu, das er heute abend einzunehmen gedenkt. Von dort wird er am Morawaufer entlang nach Risch marschieren, wo er sich mit den von Pirot kommenden bulgarischen Truppen zu vereinigen gedenkt.

Das serbische Dementi.

Belgrad, 9. Juli. Das Pressebüro leldet: Ein heute morgen ausgeführter heftiger Angriff der bulgarischen Truppen auf Zajecar wurde von den Serben abgewiesen. Ebenso wurden die b ulgarischen Angriff auf Wlasina entschieden zurückgewiesen. Die Blättermeldungen über einen angeblichen Vormarsch und Er­folg der Bulgaren bei Vranja. sind daher vollständig unwahr.

Aufruf König Peters.

Belgrad, 9. Juli. Die gestern abend veröffentlichte, von dem König und dem Ministerium unterzeichnete Proklamation hat folgenden Wortlaut:

Meine teuren Serben! Es ist das eingetreten, was ich niemals erwartet habe: Die Bulgaren, unsere Brüder durch Blutsverwandtschaft und Religion unsere Verbündeten, haben in unmenschlicher Weise unsere Verwundeten massakriert und haben mit Schwerthieben den Vertrag durchgehauen und die Freundschaft und die Brüderlichkeit zerstört. Schon seit acht Tagen kämpft man bei Ovtsche Polje in Maze­donien an der alten Grenze unseres Vaterlandes in blutigen Schlachten und man vergießt Bruderblut. Die Herzen unserer Helden krampfen sich zusammen, und die vor Adrianopel gefallenen Serben zittern in den Gräbern. Die Bulgaren vergaßen die brüderliche serbisch« Hilfe: sie haben das vergasten« Blut vergeßen und die Helden, die auf den Schlacht­feldern Thraziens gefallen sind. Sie gaben der slawischen, wie der gan­zen zivilisierten Welt ein verachtenswertes Beispiel der Undankbar­keit und Habsucht. Die unbrüderliche Handlungsweise der Vul­garen berührte mich schmerzlich und verwundete meine aufrich­tigen slawischen Gefühle tief. Die Verantwortung für die Sünden gegen den Slawismus und die Menschlichkeit fallen auf den­jenigen zurück, der sie begangen hat. Warum das alles? Weil er die Streitigkeiten wegen der Teilung nicht in brüderlicher Weise auf fried­lichem Wege lösen, sondern uns unsere Eroberungen, die der Besitz und die Wiege unserer Vorväter waren, das Land der Nomanitsch das Ihr mit Eurem Blute getränkt, befreit und für Serbien wieder erobert habt, entreißen will. Die Gräber der toten Helden des glorreichen Krieges rufen Euch zu und beschwören Euch, sie zu rächen! Verteidigen wir uns und unseren heldenhaften griechischen Verbündeten in dieser Gefahr! Die mutigen und edlen montenegrinischen Falken kämpfen an unserer Seite, um die serbischen Lande zu verteidigen. Die Lebensinteresten des Vater­landes haben mich wenn auch schweren Herzens gezwungen, mich an die heldenhafte Armee zu wenden, damit sie sich mit ihrer Entsagung und

Zeit viel beobachten muffen, ich habe immer das Gefühl, als müßte ich sie beschützen wie ein treuer Bruder."

Dies Gefühl sollte ein edler Mann allen schutzlosen Frauen gegen­über haben."

Richt wahr? Sie ist übrigens auch wirklich ein reizendes Geschöpf, so anmutig und graziös. Und wie bedauernswert, nicht Vater und Mut­ter mehr und ohne Vermögen. Sie gibt Klavierstunden um ihren Unter­halt zu verdienen."

Muß das deine Herta nicht auch?"

O, für die will ich nun arbeiten, sie soll es so gut haben, wie es nur irgend möglich ist, sie sehnt sich glühend aus den engen Verhältnissen heraus."

Das glaube ich. i(jre stolze Schönheit paßt auch nicht in einen so engen Rahmen, sie muß sich in einem sorglosen Leben noch schöner ent­fallen. Dabei fällt mir ein, daß ich dir dein Gehalt wohl etwas knapp bemesten habe, mit einer Frau wie Herta brauchst du mehr."

Rein, Karl, ich danke dir, ich weiß, daß du mich bester bezahlst als jeden andern, ich will mein Geld verdienen, nichts mir weiter von dir schenken lasten."

Sei nicht so stolz, Junge", sagte Karl.

Ich hoffe, du wirst selbst noch Kinder bekommen, Karl, du solltest wieder heiraten."

Karl seufzte tief auf.Mit meinen Erfahrungen würdest du anders reden, ich habe kein Glück in der Ehe gekannt."

Eben deshalb mußt du es kennen lernen. Ich bitte dich, in deinem Alter schließt man doch nicht mit dem Leben ab.

Nein, nein, so ist es auch nicht gemeint, ich hoffe, noch lange zu wirken und zu schaffen und mich meines Lebens zu freuen. Wenn du mit deiner jungen Frau nach Friderichstal kommst, dann räumt Ihr mir ein Plätzchen ein an Eurem Herd."

Bei diesen Worten stieg ein Bild vor seinen inneren Augen auf, er sah Volkmar und Herta umgeben von blühenden Kindern, und es stieg etwas wie Neid aus in seinem Herzen. Er schämte sich darüber und ver­suchte das Gefühl loszuwerden, aber es ließ sich nur auf Augenblicke ver­bannen, es kam immer wieder, wenn er zurückdachte an die sprühende Liebenswürdigkeit Hertas. Ohne das er es wußte, hatte diese ihn schon bezaubert. Der ernste Mann dessen erste Frau ein unschönes und launisches Weib gewesen war, hatte Feuer gefangen, an den Glut­blicken des hinreißend schönen Mädchens. Was lange tot und erstorben in seinem Herzen lag, das hatte sie geweckt. Es regte sich noch ganj leise, aber es würde kaum wieder einschlafen. Die erstorben geglaubte Sehnsucht nach Liebe und Glück war erwacht und nahm ihn gefangen.

Er fchüttelte es endlich energisch ab.

Heroismus der glorreichen Helden der Siege bei Kumanowo, Prilep, Monastir und Adrianopel würdig erweise. Gott schütze meine teuren Soldaten in diesem traurigen Kriege!"

Der Erlaß der Kriegsproklamation rief bei der Bevölkerung lebhafte Befriedigung hervor, weil er trotz der beklagenswerten Veranlassung die unerträgliche Ungewißheit beendet und die Lage, wenn auch in ernster Richtung, geklärt hat.

Einnahme von Sette» durch die Grieche«.

Belgrad, 9. Juli. Die Griechen haben Serres ein­genommen. Ihre Flotte beschießt Kavala.

Athen, 9. Juli. Nach einer Privatmeldung langte ein griechisches Bataillon am Strymon an und fand dort die Brücken zerstört. Das Bataillon setzte in Booten über den Fluß und stieß mit bulgarischen Truppen zusammen, die es auseinandersprengte. Griechische Kavallerie drang nach Serres vor, ohne auf Widerstand zu stoßen.

Wien, 9. Juli. DieSüdslawische Korrspendenz" meldet aus Belgrad, daß es der serbischen Heeresleitung gelungen ist, Fühlung mit den Griechen zu gewinnen. Einzel­heiten werden aus taktischen Gründen nicht veröffentlicht.

Die Haltung der Türkei.

London, 9. Juli.Daily Telegraph" meldet aus Kon­stantinopel: Der Ministerrat hat in seiner letzten Sitzung be­schlossen, energisch auf die Annahme seiner Bulgarien gemachten Vorschläge zu dringen und sich auf keinen Fall auf eine Verzöge­rung einzulassen. Die Türkei sei nicht geneigt, in der Erenzfrage noch weiter zu warten, sondern schon in diesen Tagen eine end- gültige Regelung zu verlangen, andernfalls es mit Ru­mänien kriegerisch gegen Bulgarien vorgehen werde. Die Armee sei vollkommen kriegsbereit, alle Offiziere und beurlaubten Soldaten seien zur Front zurückgekehrt.

Bulgarien zum Frieden geneigt.

Wien, 9. Juli. DieNeue Freie Presse" erfährt von be- sngerer Seite: Die bulgarische Regierung richtete durch ihre Ver­treter eine Zirkularnote an die Mächte, in der sie sich gegen den Vorwurf verwahrt, sie habe den Ausbruch des Krieges verschuldet. Die Verantwortung treffe Serbien und Griechenland. Gleichzeitig erklärt sich Bulgarien bereit, auf Grund des Vertrages über die friedliche Lösung der Konflikte zu verhandeln.

Französisches Geld für Bulgarien?

Paris, 9. Juli. Der radikale Abgeordnete Francois De- loncl« behauptet in seinem BlatteParis-Journal", daß fran­zösische Banken vor kurzem der bulgarischen Regierung einen Vorschuß von 25 Millionen Franks gewährt hätten. Die Bul­garen hätten allem Anschein nach nur dieses Geld abgewartet, um den Krieg zu beginnen.

Die Cholera.

Wien, 9. Juli. Angesichts der Gefahr der Verschleppung der auf dem Balkan herrschenden Cholera durch gefangene bul­garische Soldaten sind nach Mitteilungen von maßgebender Stell« von selten der Monarchie die notwendigen sanitären Abwehrmaß­nahmen an den Grenzen gegen die Valkanstaaten in umfasiennder Weise getroffen worden.

R 0 m, 9. Juli. DieAgenzia Stefani" meldet aus London: Bei der gestrigen Botschafterkonferenz sprachen die Botschafter den

Wann willst du deine Werbung denn anbringen?

Morgen, ich habe nun keine Ruhe mehr, bis ich Gewißheit habe."

Recht so, frisch drauf los, mein Volkmar."

Frau Melzer war mit der Aufwärterin, die für die Damen bi« Hausarbeit in den Vormittagsstunden verrichtete, ausgegangen, uir allerlei kleine Einkäufe zu besorgen. Herta und Gertrud saßen sich ix der Wohnstube am Fenster gegenüber, mit den feineren Stickereien be-

Herta war nachdenklich und blickte oft sinnend hinaus, und Gertrud ließ bann jedesmal selbstvergessen ihren Blick auf dem schönen Gesicht ruhen. War es denn ein Wunder, wenn Volkmar Prenkel sein Herz an dieses herrliche Geschöpf verloren hatte? War sie nicht selbst be­zaubert von dem schönen Mädchen? Aber ob er glücklich mit ihr werden würde? Herta war so stolz und kalt. Wie oft hatte Gertrud ihr gegen­über einen, wärmeren, innigeren Ton anschlagen wollen. Vergebens, Herta hüllte sich gleichsam ein in ihre Kälte und stieß sie wieder und immer wieder zurück oder machte sich über diesentimentale Gertrud" luftig^ Würde sie ihm gegenüber anders sein? Sie mußte ihn doch lieben, wer konnte gegen Volkmar Prenkel kalt bleiben? Freilich zur Mutter war sie auch nicht wärmer, immer abweisend, spöttisch, un­nahbar. Aber wenn man liebt, muß das doch anders fein, da muß doch die ganze Seele aufgehen in dem geliebten Mann.

Da klang die Vorfa-lklingel schrill in ihre Gedanken hinein. Sie erhob sich, um zu öffnen. Volkmar stand vor ihr, ernst, feierlich im schwarzen Anzug. Ihr Herzschlag setzte aus csr Schreien, sie fühlte, jetzt war die entscheidende Stunde da.

Ist Frau Melzer zugegen?"

Rein, Herr Dottor."

Fräulein Herta?"

Ja."

"Kann ich sie wohl einige Minute« allein sprechen?"

Bitte."

Sie öffnete ihm die Wohnzimmertür und drückte sie hinter ihm ins Schloß.

Dann schüttelte ein kalter Frost ihre Gestalt, sie drückte die Hände an die Schläfe und sank lautlos, einer Ohnmacht nahe, auf einen Stuhl, der im Vorraum der Wohnung neben einem kleinen Tischchen stand. Hier blieb sie sitzen, unfähig, sich zu regen, nur immer mit dem wütenden, bohrenden Schmerz in ihrem Innern, der ihr das Atmen erschwerte unb ihr alles zusammenschnürte. Der Kopf sank auf die Arme, die sie auf dc« Tisch gelegt hatte, unb bie wahnsinnige Aufregung schüttelte ihren ft er - per wie im Fieber, (Fortsetzung folgt)