Die „Oberheßische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn
1913
GrRss Blatt
Tie Lacse auf dem Balkan.
Marburg
Sonnabend, 28. Juni
| immer .auch in der Krise gesagt, daß es sich nicht bloß darum handele, über die augenblicklichen Schwierigkeiten Hinwegzukommen, sondern daß die Lösung einer Krise in llebereinstimmung mit Rußland ohne Verletzung von Empfindlichkeiten auf der einen oder anderen Seite geeignet sei, das geminderte Vertrauen wieder herzustellen. Deshalb, weil Europa überzeugt war und ist. daß Rußland den Frieden will, mußte es einigermaßen befremden, daß Rußland durch ein Schreiben an die beiden Balkankönige eine Sonderaktion einzuleiten schien. Es mußte befremden, wenn man sich erinnert, wie scharf gerade Rußland sich über die Sonderaktion geäußert hat." Referent Plener führte in seinem Schlußwort aus: Man habe das Gefühl, daß das Prestige der Monarchie gelitten habe, und daß die handelspolitische Kompensation für
I die politische Abnegation ausgeblieben sei. Das Verzögerungsmanöver, dem Oesterreich-Ungarns Vertreter in der albanischen Frage zu begegnen habe, sei beklagenswert. Die Spannung zwischen der Monarchie und Rußland gestalte die Sache ernster. Eine solche Spannung müsse nicht notwendig zu einem großen Kriege führen, aber jedenfalls sei die Zukunft für die nächste Zeit, wenn
I nicht besorgniserregend, so doch eine solche, die den ganzen Ernst des Politikers in Anspruch nehmen muß. Die traurige Konsequenz dieser Situation seien große Neuforderungen für Rüstungszwecke. Redner schloß: „Wir alle wollen den Frieden, aber wir müßen gerüstet und im Innern geeinigt sein, damit wir vertrauenerweckend
I für unsere Freunde, geachtet von unseren Feinden dastehen." (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Hierauf wurde das Budget-
I Provisorium in zweiter und dritter Lesung unverändert angenommen und die Sitzung geschloßen.
Die Albaner gegen die Serben.
Wien, 27. Juni. Die „Albanische Korrespondenz" meldet aus Mitrowitza, daß die serbische Regierung die Bevölkerung Makedoniens aufgefordert habe, Freischaren zum Kriege gegen Bulgarien zu bilden. Die albanische Bevölkerung hat dies aber einmütig abgelehnt. Auch in Dschakowa, Prisrend und Ipek hat die Bevölkerung den Serben einmütig den Militärdienst verweigert. Jnfolgedeßen stehen drakonische Maßnahmen der Regierung gegen die Bevölkerung bevor.
Kundgebung der russischen Schwarze-Meerslotte an der bulgarischen Küste.
Odessa, 27. Zuni. Die russische Schwarze-Meerslotte ist aus Sebastopol ausgelaufen, um vor den bulgarischen Häfen Warna und Burgos eine Kundgebung zu veranstalten. Die russische Schwarze-Meerslotte zählt vier Schlachtschiffe, zwei kleine Kreuzer, 17 Torpedoboote und vier kleine Unterseeboote.
Kommandantenwrchsel in der Mittelmeer-Division.
Wochenschau.
Rach dem Abschluß der Arbeit der Budgetkommission stehen die Vorlagen über die Verstärkung unserer Rüstung «nddieDeckungder dadurch veranlaßten Mehrausgaben unmittelbar vor dem letzten Ziel. Das Plenum arbeitet im Eilzugstempo, so daß heute oder Anfang nächster Woche die gesamte Wehr- und Dcckungsvorlage auch in 3. Lesung beendigt sein wird. Roch zu Pfingsten hat wohl niemand so recht daran geglaubt, daß die Schwierigkeiten, die sich einer Verständigung, insbesondere über die Deckung der fortlaufenden Ausgaben entgegenstellten, in so kurzer Zeit überwunden werden würden. Die rechtzeitige Verabschiedung der Wehrvorlage wird im Ausland starken Eindruck machen, das nicht unr sehen muß, wie die gewaltigste Militärvorlage seit Bestehen des Reiches Wirklichkeit wird, sondern auch, wie das deutsche Volk ohne Erschütterung seiner Volkswirtschaft die Milliardenlast aufbringt. Angesichts solcher Ziele muß die Kritik verstummen, auch da, wo sie im einzelnen berechtigt sein mag. Hoffen wir, daß der Reichstag die Arbeit glücklich zum letzten Ende führt, dann werden wir sagen können: Wir haben zwar keine glänzende', aber doch eine gute Tat getan. Man mag sich zu den Einzelheiten des Steuerkompromißes stellen wie man will, so wird man doch die Tatsache nicht gering anschlagen dürfen, daß in politischer Hinsicht der freisinnig-sozialdemokratische Feldzugsplan gründlich gescheitert ist. Die von Anfang bis zu Ende festgehaltene Forderung der rechtsgerichteten Parteien, daß die Wehrvorlage sowohl wie die Deckungsvorlage nur gleichzeitig und nur durch eine bürgerliche Mehrheit des Reichstages erledigt werden dürften, ist erfüllt, zwar unter erheblichen Opfern der rechtsgerichteten Parteien, aber auch unter nicht minder schwerwiegenden Konzessionen der linken Seite. Unter diesen Umständen von einer Niederlage der „Blauschwarzen" und namentlich der „Junker und Agrarier" zu reden, wie es in der freisinnigen Preße der Fall ist, ist eine Verdrehung der Tatsachen, die wohl nur dem Bestreben entspringt, den Aerger über das Fehlschlägen der eigenen Pläne zu vertuschen. Im übrigen dürfte das in der Hauptsache die Gegnerschaft des Freisinns gegen das Zentrum ausdrückende Schlagwort von den „Vlaufchwarzen" feine Berechtigung durchaus verloren haben; denn dasselbe, das die Konservativen bei der Reichsfinanzreform logg getan haben, tat soeben bei der Deckungsfrage die Linke: sie ging mit dem Zentrum zusammen. Niemand hat ihr das zum Vorwurf gemacht, weil solche Parteiverbindungen so lange vorkommen werden, als im Reichstag keine einheitliche Mehrheit vorhanden ist Es ist aber ein Nonsens, eine Konstellation Baßermann- Payer-Erzberger als zulässig, aber eine Konstellation Heydebrand- Erzberger als eine Freveltat zu bezeichnen.
In alter Gegnerfchast standen sich Zentrum und Freisinn natürlich in der Beurteilung des „F a l l e s E e r h a r t H a u p t - mann" gegenüber, während von bürgerlich- wie sozialistifch-radl- kaler Seite" das „Festspiel" und Verhalten des Dichters teilweise weit schärfer kritisiert worden ist, als wie vom Zentrum und von der Rechten, weil man es in anerkennenswerter objektiver Weise ablehnte, die ganze Angelegenheit zu einer politischen zu stempeln. Das war allerdings das Ziel sowohl der sortschrittlichen Hauptmannsverteidiger "als auch des Verfaßers des famosen Puppenspiels. Denn Hauptmann hat einem Vertreter des „Berliner Tageblatts" in Ägnetendorf ausdrücklich erklärt, bei der Absaßung des F-stfpiels sei es „leine Absicht gewesen, auch für seinen Teil der Allgemeinheit die Augen darüber zu offnen, welche Gefahr bte berrschende Partei der Konservativen durch ihre allzu enge Fusion mit der ultramontanen Macht über den Preußenstaat herausbe- schöre " Er hat also von vornherein ein politisches Tendenzstück als Iahrhundertfestfpiel schreiben wollen, scheut sich jedoch nicht, angesichts der berechtigten Kritik an seinem neuesten Werk setner- seits von „politischen Treibereien" zu sprechen von der hohen Warte der Kunst herab. Obwohl unter den das „Festspiel Ablehnenden recht viele sind, die sonst den Anhängern Hauptmanns ibrer Gesinnung nach nahestehen, werden die Gegner einfach „die Unberufenen" genannt. Zu den „Berufenen aber gehören die Hauptakteure der bekannten Berliner Protestaktion, die Herren Ablaß, Heine und Eloeßer, die im Namen der Kultur und Kunst die Hauptmannschen Knittelverse als würdige Verherrlichung der großen Zeit vor 100 Jahren ein für allemal lobend anerkannten. Eesinnungsgenoßen, aus bic, sich bieses Triumvirat sicher im übrigen gern als Eibeshelfer bezieht, nannten bie Hauptmannschen Reime unb ihren Inhalt bagegen „bobenlose Frechheit , „senilen Mumpitz", „sprachlichem Schunb" und „öffentlichen Skandal " Am weitesten in der Kritik ging wohl die sozialdemokratische Leipziger Volkszeitung", bie Hauptmanns „Festspiel" ein „kraft- ünb saftloses, literarisch ausgeklügeltes Puppenspiel" nennt, in dem von historischem Geist wenig zu spüren sei. Der Stoff sei „aus der Kinberstubenperspektive mit Piepmatzbehaglichkeit unb Spielerei" behanbelt. In welcher rechts gerichteten Zeitung ist wohl so ein Ton angeschlagen worden? Mit der aus leicht verständlichen Gründen inszenierten Hauptmannsverhimmelung steht der Radikalismus allein.
Im Ausland werden, abgesehen von der standlg kritischen Lage auf dem Balkan, unsere Blicke in erster Linie nach London gezogen, wo der Präsident der französischen Republik Poincar 6 mit königlichen Ehren empfangen worden ist. Die schlauen Briten wißen recht gut, daß die Spekulation auf die Eitelkeit bei ihren Freunden jenseits des Kanqls sich noch immer als richtig erwiesen hat. Also schmückten sie die Einzugsstraßen mit Masten, Fahnen und Euirlanden, die die französische Inschrift trugen „Tutoyons!“
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
unb den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus« und „Landwirtschaftliche Beilage".
Die Ungewißheit der Valkanlage hält noch immer an; eine Beßerung würde zu verzeichnen sein, wenn Ministerpräsident Pa- sitsch durch eine Mehrheit der Skupschtina ermächttgt wurde an Besprechungen in Petersburg auf der Grundlage vorbehaltloser Annahme eines russischen Schiedsspruches teilzunehmen. Erne neue Verschärfung im Verhalten der serbischen Partei gegen Pasttsch schein in der gestrigen Skupschtinasttzung nicht hervorgetreten zu sein. Die bulgarische Regierung soll, nach sicheren Erkunbrgungen in Petersburg, mitgeteilt haben, daß sie es vorziehen wurde, ihre Streitigkeiten mit Serbien dem Schiedssprüche der sechs Großmächte zu unterwerfen. Ssasonow soll erklärt haben, daß Rußland keine Einwendungen gegen dieses Verlangen erheben wird.
Das österreichische Herrenhaus über die BalkanpoUtik. !
Im Herrenhaus erklärte bei der Verhandlung des Budget« Provisoriums Ministerpräsident Stürgkh, nachdem er sich 'n eingehender Weise mit der inneren Politik befaßt hatte, in Bezug auf die auswärtige Lage folgendes:
Die bis kürzlich wahrnehmbare bedrohliche Zuspitzung der zwischen den Balkanverbündeten im Hinblick auf die Verteilung der eroberten Gebiete entstandenen Gegensätze verlor erfreuücherwerse an Scharff da die Balkanstaaten auf dem Wege zu sein scheinen, dre Mittel zu einer friedlichen Vereinbarung zu ergreifen. Auf welchem Wege die Ber bündeten zu einem Einvernehmen gelangen werden, laßt sich augenblicklich noch nicht mit Bestimmtheit vorhersehen, jedenfalls liegt es uns ob, zu dem bezüglichen Ergebmße vom Standpunkt unserer Inter eßen Stellung zu nehmen. Es braucht wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß in diesem Reiche mit seiner zahlreichen slawischen Einwohnerschaft, die im Rahmen dieses Staates und durch deßen Kraft zur höchsten Kulturentwicklung gelangte, die Errungenschaften der slawischen Balkanvölker mit gleicher Sympathie verfolgt werden rote jene der Nichtslaroen, denen gewiß alle Völker dieses Reiches von Herzen Wohlfahrt und Gedeihen wünschen. Wenn sich alle Balkan- Nationen den großen, ihrer harrenden Aufgaben auf dem Gebiete. bei inneren Entfaltung widmen, werden sie auch in politischer Hinsicht tl)ret Bestimmung in dem europäischen Gleichgewichtssystem am besten gerecht werden, deßen Erschütterung in erster Linie die eigene, erfolgreiche Entwicklung gefährden müßte. Eine solche Erschütterung vorzubeugen, bildet die vornehmste Aufgabe bei Friedenspolitik der österreichisch-ungarischen Monarchie, der sie sich, wie in der Vergangenheit, auch in weiterer Zukunft widmen wird." .
Bei Ser Verhandlung des Budgetprooisortums erklärte Gras Czernin in Besprechung der auswärtigen Politik, es sei bei den innerpolitischen Verhältnißen Oesterreichs für jeden Minister des Aeußern eine fast übermenschliche Aufgabe, eine starke Politik nach außen zu machen. Er kritisierte sodann die bisher befolgte Balkan« poütik, besonders gegenüber Serbien, und sagte:
. Die momentane Bilanz unserer Erfolge ist gewiß wenig erfteulich, das "jetzige Stadium ist aber noch nicht das Endstadium der ganzen Balkankrise und, wenn wir jetzt die richtigen Konsequenzen aus bei Situation ziehen, so wirb schließlich bas Enbresultat kein schlechtes zu sein brauchen. Unsere bisherigen Prinzipien einer rein befensiven und paßiven Politik müßen durch eine aktive Politik ersetzt werden. Wir haben ein Recht daraus, zu fordern, daß unser südslawisches Gebäude gegen die Funken feuersicher gemacht werde, bie immer roieber vom Balkan herüberwehen. Es wäre wünschenswert, hierfür Garantien zu schaffen Die erste, beste und sicherste Garantie wäre es, zu zeigen, daß wir E r nst zu m a ch en ve r st e he n. Wir müßen uns zweitens durch energisches Auftreten bie Achtung Serbiens erzwingen, bann aber bem Nachbarstaate bie Hanb bet Versöhnung reichen unb ourch wirtschaftliche Beziehungen ihn an uns knüpfen, welche nach und nach die nachbarlichen Verhältniße beßern werden. Wenn wir weder au, dein Balkan noch in Petersburg einen Zweifel darüber bestehen laßen, daß wir die vitalen Interessen bei Monaichie auf dem Balkan mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln veiteidigen werden wenn wir gleichzeitig daran gehen, unser nachbarliches Verhältnis zu Serbien durch handelspolitische Beziehungen beßern und die südslawische Frage lösen, dann würde ich keinen Grund für den in Oesterreich leider so üppigen Peßimismus finden und wieder froher in die Zukunft blicken." (Lebhafter Beifall.)
Marquis Bacquehem hob die feste treue Haltung Deutschlands zu Oesterreich-Ungarn in der albanischen Frage hervor. Mit Rücksicht auf das Verhältnis zu Rußland erklärte Redner: „Wir waren immer der Ansicht, obwohl wir keinem Staate nachlaufen und nachzulaufen brauchen, daß vertrauensvolle Beziehungen zu Rußland für uns wünschenswert sind. Wir h«ben
। (Mr wollen uns duzen). Und König Georg begrüßte seinen East mit einer Rede die überfloß von Freundfchaftsverficherungen und höflichen Komplimenten. Weiter allerdings enthielt sie auch nichts, was auch nur entfernt so ausgesehen hätte wie ein positiver Ge- winn für die französische Politik. Die englische Preße sagte es sogar frei heraus, daß unter der Freundschaft zu Frankreich die zu Deutschland nicht leiden dürfe und werde. Aber das sonst so stolze Frankreich hat sich ja längst daran gewöhnt, England als seinen Gönner zu betrachten. Die „Schmach von Faschoda' ist langst vergeßen. Man sieht ruhig zu, wie sich England in Vorderafien einzunisten beginnt; die hochfahrenden Pläne einer Schutzherrschaft über Syrien sind ausgegeben; man wird sich damit begnügen, was der britische Bruder und freundwillige Vetter gütigst übrig laßt. Die Unterredungen der Staatsmänner in London haben etwas Greifbares nicht ergeben; denn die beiderseitigen allgemeinen Ver- sicherungen der llebereinstimmung in den hauptsächlichsten politischen Fragen war doch das mindeste, was von dem Besuche Poin« caräs erwartet werden konnte. So wird der Präsident geehrt und gefeiert wieder heimwärts dampfen, und das französische Volk wird sich damit abzufinden haben, daß seiner Phantasie und Eitelkeit zwar von neuem Genüge getan worden ist, daß es aber weiter darauf verzichten muß, bei einem etwaigen Versuch der Verwirk- ftchung seiner Revancheidee englische Divisionen Schulter an Schulter mit französischen Armeekorps kämpfen zu sehen.
Deutsches Reich-
— Der Kaiser bei der Kieler Regatta. Laboe, 27. Juni. Der Kaiser begab sich an Bord seiner Jacht „Meteor", die vom Depeschenboot „Sleipner" gefolgt war, zur Regatta auf bte Forde hinausging. Zum Mitsegeln waren geladen: Der Fürst von Monaco mit Begleitung, Großadmiral von Tirpttz, dte Admtrale v. Pohl und Cörper, von Seckendorfs, bie Vizeadmirale von Jnge- nohl und Bachmann und Admiral a la suite von Arnim. Um 10.15 Rhr begann auf der Kieler Förde bte große Segelwettfahrt und bas Handicap des Kaiserlichen Jachtklubs bei trübem Wetter und leichter frischer nordwestlicher Brise. Zahlreiche Begleitdampfer Dampfjachten, Motor- und Segeljachten sowie andere Fahrzeuge folgten dem Verlaus der Wettfahrt. - Die italienische Ko- nigsjacht „Trinacria" ist heute früh in Kiel eingetroffen und hat neben der „Hohenzollern" feftgemacht.
__ Die neudeutsche „Kunst" fürs ganze Volk. Berlin, 27. Juni. Mar Reinhardt hat nicht nur den gesamten Fundus des Haupt« mannschen Festspiels erworben, sondern auch das alleinige Auf« führungsrecht für ganz Deutschland gesichert. Rem^rdt wird das Werk im Herbst in Berlin aufführen und dann eine Gastspielreise durch alle größeren deutschen Städte unternehmen.
— Neuer Spionageprozeß. Leipzig, 27. Juni. In dem Spionageprozeß gegen den Zeichnerlehrling Köhler aus Eßen a. d. R. wurde heute nachmittag das Urteil gefällt. Der Angeklagtewurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, wovon zwei Monate der Untersuchungshaft angerechnet werden. Der Angeklagte, der bei der Firma Krupp mit dem Kopieren von Zeichnungen besch^- tigt ist, eignete sich fünf Zeichnungen an und bot sie Frankreich, England Rußland und Oesterreich zum Verkauf an in der Annahme, 'daß sie geheim zu haltende Konstruktionen enthielten. Köhler erhielt nur von Frankreich für zwei solche Zeichnungen zu- tammen 70 Mark. Nur zwei von den elf Zeichnungen waren g^ heim zu halten, während der Angeklagte der Meinung war, daß alle entwendeten Zeichnungen geheim zu haltende Konstruktionen aufwiesen. Mit Rücksicht, daß der Angeklagte in guten Verha^ nißen lebte und über die Tat keine Reue zeigte, wurden mildernd« j Umstände versagt.
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zette oder Q beten Raum 15 4. bei amtlichen unb ausroäitigen Anzeigen 20 4. fui 40. xjuljly» Reklamen die Zeile 60 4- Bei Wiebeiholungen entspiechenber Rabatt, gebet Rabatt gilt al, Bairabatt. — Zahlungen unter Nr. 5015 bes Postscheckamtes Frankfurt a. M.
Kiel, 27. Juni. Der bisherige Kommandant des, im Mittelmeer' weilenden Kreuzers „Breslau", Fregattenkapitän v. Klitzing, bet gleichzeitig Gouverneur bes von internationalen Truppen besetzten Skutari ist, würbe von seiner Stellung enthoben und zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Ostsee gestellt. Zu seinem Nachfolger ist Fregattenkapitän Kettner ernannt werden, bisher zur Verfügung des Inspekteurs der Küstenartftlerie und des Minenwesens. — Der Kommandant des Stationsschtffes in Konstantinopel „Loreley", Korvettenkapitän v. Arnim wurde ebenfalls zur Verfügung des Chefs der Marinestation bei Ostsee gestellt und zu seinem Nachfolger Kapitänleutnant Huma nn ernannt, bisher beim Nachrichtenbüro des Rtifwn™ amtes.
unb Feiertage. - Der Bezugspreis b-tragk viertel,ahtlich burd- Wo 11U bie Post 2.25 lohne Bestellgeld), bei unseren Zettungsstellen. 2 M ins $au9 _ V„lag von Dr. E. Hitzetoth. — Druck der Umv - Mtzp. Buchdtuckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzetoth). Matkt 21. Tel. 55.