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*V=* 10 frei ins kraus. - Beilag von Dr. T. Hitzeroth. Druck der Unw.-

Duchdrmkerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. HitzcroM,^Markt 21. Tel. 55.

1913

K

Erstes Blatt

Marburg

Freilag, 27. Juni

ren und die strittigen Mandate für giltig erklären. Ein pro» bates Mittel! . /

Verurteilung des Schutzmanns Ziinickc wegen Spionage, Leipzig. 26. Juni. Das Reichsgericht begann heute den Spionage, prozetz gegen den 37 Jahre alten früheren Schutzmann Peter Ja. nicke wegen Verrats militärischer Geheimnisse. Der Angeklagte, der sich geisteskrank stellt, wurde in den Saal gefesselt geführt und nahm auf der Anklagebank Platz, umgeben von 8 Polizeibeamten, Er ist beschuldigt, dem früheren Schutzmann Wilhelm Elautz und dem früheren Signalmaat Albert Ehlers Teile des Signalbuchi der deutschen Marine an England und Frankreich verraten zr haben. Elautz. der seiner Zeit aus dem Untersuchungsgefängnis entwich, von England aber ausgeliefert wurde, wurde wegen schweren Diebstahls in Aurich zu sieben Jahren Zuchthaus, Ehlers am 27. Oktober 1912 vom Reichsgericht wegen Spionage zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, Jänicke war bereits in Aurich we­gen eines mit Elauß gemeinschaftlich verübten Diebstahls zu 3'/2 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Den Vorsitz in der Verhand­lung führte Senatspräsident Menge, die Anklage vertrat Reichs­anwalt Stitzer, die Verteidigung des Angeklagten führte Rechts­anwalt Ganz. Als Sachverständige waren drei Aerzte, cm Kor­vettenkapitän und ein Polizeirat.geladen. Die Oeffentlichkeit war für die ganze Dauer der Verhandlung ausgeschlossen. Am Rach mittag wurde der Angeklagte wegen vollendeten Verbrechens ge­gen das Spionagegesetz zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust, sowie Stellung unter Polizeiaufsicht ver­urteilt Die Strafe wird mit der ihm in Aurich wegen Diebstahls auferlegten Zuchthausstrafe von 3% Jahren zu einer Gesamtstrafe von neun Jahren Zuchthaus vereinigt. Das Reichsgericht hat auf Grund von drei Sachverständigengutachten angenommen, datz Ja­nicke Geistesstörung simuliert.

Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

Rundbau.

Das Märchen vom deutschen Ueberfall.

Erregung in Serbien. ,

Belgrad, 26. Juni. Das Gefecht bei Uesküb ruft hier die größte Erregung hervor. Die Blätter teilten das Gefecht durch Extrablätter mit. Das Publikum machte seiner Erbitteruns j, lauten Schmährufen Luft, so datz die Regierung in eint sehr

mit dem Kieisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den BeUagen:Rach Feierabend-,Fürs Haus" und ..Landwirtschaftliche Berlage-.

Deutsches Reich-

Keine Reise des Kaisers nach Gmunden. Berlin, 26. Juni. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt:Gegenüber den | mehrfach in der Presse auftauchenden Meldungen über einen be­vorstehenden Besuch des Kaisers und Königs in Gmunden sind wir zu der Erklärung ermächtigt, mitzuteilen, daß m den nächsten Monaten, für die der Kaiser bereits Dispositionen getroffen hat, ein solcher Besuch nicht beabsichtigt ist."

_ Kommandowechsel bei dem 8. Armeekorps und der Land­gendarmerie. Coblenz, 26. Juni. Nach einer Kabinettsorder datiert vom 25. d. M. hat der Kaiser das Abschiedsgesuch des Kom­mandierenden Generals v. Ploetz genehmigt und ihn mit der ge­setzlichen Pension zur Disposition gestellt, unter Verleihung des Kreuzes und Sterns der Komthure des Hausordens von Hohen- zollern. Zum kommandierenden General des 8. Armeekorps wurde Generalleutnant T u e l f f, Kommandeur der 12. Division tn Reitze ernannt Durch eine Kabinettsorder vom selben Tage wurde der General von Westernhagen, Gouverneur von Köln mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt, und gleichzeitig zum Chef der Landgendarmerie ernannt als Nachfolger des Gene­rals Frhrn. v. Medem. n,,

Kurze Anfrage. Berlin, 26. Ium. Von dem Abg. Mumm sWirtfch. Vgg.) ist folgende kurze Anfrage eingegangen; der Fragesteller begnügt sich mit einer schriftlichen Antwort:Auf der ersten internationalen Arbeiterfchutzkonferenz im Jahre 1890 stimmte das Deutsche Reich mit sieben andern Staaten dafür,datz den jungen Männern von 16 bis 18 Jahren Schutz gewahrt werde in betreff a) eines Maximalarbeitstages, b) der Nachtarbeit c) der Sonntagsarbeit, d) ihrer Verwendung bei besonders ungesun­den oder gefährlichen Arbeitend Welche Schritte sind seither zu internationaler und zu nationaler Durchführung eines besondern Schutzes für Arbeiter und Arbeiterinnen von 1618 Jahren ge- schoben?"

Sogenannte Wahlprüfunge«. Berlin, 26. Juni. Zwischen den Fraktionen der Linken scheint Berliner Blättermeldungen zu­folge eine Vereinbarung zu bestehen, alle Wahlprüfungen nicht mehr zu erledigen, um den Besitzstand nicht zu schwachen, mag- gebend hierfür ist der Umstand, daß drei Mandate der Linken ge­fährdet sind. Es heißt auch, wenn die Rechte eine Vornahme der Wahlprüfungen verlangt, werde man sich den Besitzstand garantre-

auch den Krieg bedeuten. *

* O

Athen, 26. Juni. Die griechische Antwortnote über die Demobilisation wird heute in Sofia überreicht. In der Note wird an dem bulgarischen Vorschlag gemischter Besatzungen vorbei­gegangen und drohend erklärt, datz die griechische Flotte und das Heer bereit seien, sich einer kriegerischen Provokation Bulgariens entgegenzustellen.

Oesterreich und Italien auf der Botschafterkonferenz.

Rom, 26. Juni. DieTribuna" dementiert die Behaup­tung eines Morgenblattes, der zufolge Oesterreich-Ungarn und Italien in der Sitzung der Botschaftervereinigung vom 1. Juli erklären würden, daß sie sich zurückziehen, wenn eine nutzbringende Diskussion unmöglich sei.Tribuna" betont, datz der Dreibund rn allen Fragen, die auf der Botschaftervereinigung verhandelt wur­den einstimmig fei und bleibe. Man mühte dann also m jebem Falle von einer Sezession des ganzen Dreibundes sprechen Zwei Fragen harren noch ihrer Lösung, nämlich btejentge der Einverleibung von Koritza, bie nicht als schwerwiegenb zu be­trachten ist, unb bie Frage bet von Italien besetzten Acgaischen Inseln an die man noch nicht herangegangen sei. Italien habe bereits erklärt, es glaube nicht, an den Beratungen über die von Italien besetzten Inseln sich beteiligen zu können, da diese einen Gegenstand des Vertrages von Lausanne bilden. Wenn nun Italien den Verhandlungen über einen Punkt in der Londoner Konferenz fernbleibe, fo würde das keineswegs bedeuten, daß Italien oder einer feiner Verbündeten die Absicht habe, sich von dem europäischen Konzert zu trennen. Italien fei im Gegenteil mehr wie jemals von der Notwendigkeit überzeugt, datz d,e Erotz- mächte zusammenarbeiten, um den Frieden in Europa wieder­herzustellen.

! kritische Lage zu kommen schien und es daher vorzog, alle noch nicht ! verteilten Extrablätter zu konfiszieren. Die Blätter wurden an­gewiesen, nichts über die Kämpfe zu berichten. Auch dieses Ver­halten ruft die Erregung des Publikums hervor, das stürmisch Genugtuung für die von den Bulgaren angetane Schmach vrelangt. In den Blättern heißt es, Bulgarien habe mit dem Bru­derkrieg begonnen und muffe jetzt die Konsequenzen tragen.

B e l g r a d , 26. Juni. Der vorgestrige Kampf soll viel ernster gewesen sein, als irgendeiner der Zusammenstöße zwischen Bul­garen und Serben. Der Eeneralstabschef Putnik, der in Belgrad erwartet wurde, ist aus Anlaß dieses Kampfes im Hauptquartier in Uesküb geblieben. Gestern traf in Belgrad der montenegrinische General Wukotitsch ein und wird dort bleiben, bis es entschieden ist ob der serbische Premierminister zur Konferenz nach Peters­burg geht oder nicht. Für den Fall eines serbischen Krieges mit Bulgarien wird sich Montenegro auf die Seite Serbiens stellen unb bie Aufgabe übernehmen, ben Garnifonbienst zu versehen unb für Ruhe unb Drbnung in ben von ben Serben besetzten Distrikten zu sorgen. Pasitsch hat sein Ministerium noch nicht vervollstänbrgt. Es war ihm bisher noch nicht möglich, einen serbischen General als Kriegsminister aufzutreiben, ber in ein friebliches Kabinett em* treten würde. Falls ihm dies auch ferner nicht gelingt, wird er selbst zurücktreten müssen, und eine Militärdiktatur er­scheint dann unvermeidlich. Selbstverständlich würde dies bann

Ausland.

** Vertagung des ungarischen Abgeordnetenhauses. Budapest, 26. Juni. Das Abgeordnetenhaus ist durch königlichen Erlaß bis zum 8. Oktober vertagt worden.

« Poincare iu London. London, 26. Juni. Präsident PoincarL besuchte heute das Schloß Windsor und legte einen Kranz an den Gra­bern des Königs Eduard und der Königin Victoria nieder. Rach seiner Rückkehr nach London folgte er einer Einladung der französischen Kolo- ; nie zum Frühstück. - Als der Präsident gestern zur Euildhall fuhr und 1 an bei Orfordkirche vorüberkam, stürzten ihm plötzlich eine Anzahl Frauenrechtlerinnen entgegen, in der Hand Regenschirme, welche die Farben der Wahlweiber trugen. Es entstand ein Hand­gemenge, wobei den Frauen die Kleider vom Leibe gerissen und ihnen auch sonst verschiedene Verletzungen beigebracht wurden. Von der Polizei wurden die Demonstrantinnen zu einer nahe gelegenen Untergrundbahnstation gebracht, von wo sie die Heimfahrt antraten.

* Senatoren als Revolverhelden. Lissabon, 26. Juni. Bei bet gestrigen Sitzung des Senats fand ein heftiger Wortwechsel zwischen den Senatoren Costa und Freitas statt. Schließlich stürzte sich Costa auf I Freitas der einen Revolver zog und auf Costa anlegte. Die Sena­toren entwaffneten Freitas. Die Sitzung wurde auf kurze Zeit unter- I brachen.

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Marburg und Umgegend-

I (Nachdruck aller Lriginalartikel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nut I mit der deutlichen QuellenangabeOberhesi. Zig." gestattet.)

Marburg, 27. Juni.

I Jubiläumskonzett der Liedertafel. Der Männergefang-

I verein Liedertafel leitet die Feier feines 50jährigen Bestehens ein durch ein Festkonzert in den Stadtsälen am Samstag, den 5. Juli, abends 8y2. Uhr. Der Verein hat sich bemüht, em der Würde der Gelegenheit entsprechendes Programm aufzustellen und

I hoft, nicht nur den Freunden der Liedertafel und den Besuchern des Konzertes einen erinnerungswürdigen Abend zu bereiten, sondern vor allem auch der Kunst des Männergesanges zu dienen. So enthält das Programm neben Kunstchören eine Anzahl unserer schönsten Volkslieder. Abwechselung bilden die Soli des von der führenden Kritik in den meisten gröheren Städten Deutfchlands anerkannten Varitonisten Dr. Braufc, Berlin. In dem öffent­lichen Festrausch des Jahres 1913 vergißt man fast ganz eine» großen Toten. Es ist Kaiser Friedrich HL Das 25;ahrige Re- qierungsjubiläum des Soh«» bedeutet den 25jährigen Todestag des großen Vaters. Dieser Tatsache will die Liedertafel gedenken und zur Ehre des großen Hohenzollern das von dem Kölner Kom-

I ponisten Neumann vertonte Gedicht Fontanes:Kaiser yrtefc» I rich III. singen. Das Gedicht behandelt die Reise König Oskars von Schweden zu dem sterbenden Freunde. Dichter und Kom­ponist haben sich in diesem Chore in Seltener Meise verstanden Die heilige KunstMusik" wird in einer .Hymne an die Musik von Lachner zur Geltung kommen. Im übrigen bietet das Pro­gramm Volkslieder. Neben einem Englischen Madrigal von I Waelrent steht der kernige Jäger aus Kurpfalz, bearbeitet von I Othegraven. Schließlich wird der Verein das Andenken an das jüngst verstrichene große Kaiserpreissingen in Frankfurt wach­rufen, indem et den Stundenchor der dort konkurrtercnben Ver- eine Wanderlied" von Behm vortrageu wird. Wünschen wir der

I Liedertafel, die mit 65 Sängern austreten wird, gutes Gelingen. I * Gauturnfest in Frankenberg lassen) 5.-7. Juil. Die bis I fetzt eingegangenen Anmeldungen der Vereine lassen erwarten, da die Riesenarbeit, die der festgebende Verein und msbe,andere der Festausschuß zu bewältigen haben, von gutem Erfolg gekrönt fein wird Haben doch schon etwa 80 Gauicrcme mit über 800 Turnern, davon etwa 450 Wetturncr unb 70 Kampfrichter, ihre I Beteiligung durch Lösung von Festkarten gesichert, wozu erfah- | tungsgemäß in den letzten Tagen noch viele Nachmeldungen zu et»

In einer Protestversammlung gegen die Einführung der drei- I jährigen Dienstzeit in Frankreich hat der französische General Percin die Phrase von einem plötzlichen Ueberfall Deutschlands auf Frankreich als einMärchen und leeres Schreckgespenst" be­zeichnet. Diese Aeußerung ist ein erfreuliches Zeichen dafür, daß es in Frankreich noch vernünftige Leute gibt, die der allgemeinen I Massensuggestion noch nicht anheim gefallen sind. Vielleicht auch kann man die Worte des Generals Percin als ein Anzeichen der wiedererwachenden Vernunft ansehen. In der Tat gibt es kaum I etwas Alberneres als diese nun zum Ueberdruß wiederholte I Phrase vom deutschen Ueberfall. Wenn man den französischen Rüstungskampf mit deutschen Augen sieht, so erkennt man, wie das Wort vom deutschen Ueberfall tatsächlich nichts weiter ist, als cm Mittel, mit dem Mn den französischen Bürger-die Notwendigkelt der Rüstung gegen-Deutschland suggerieren will. Es ist höchst be­dauerlich, daß eine Ration von so hoher Intelligenz dm hinauf zu ihren geistigen Spitzen dieser Suggestion erliegt. Vielleicht kommt jetzt da die dreijährige Dienstzeit dem französischen Volke bis ans I Mark geht, bie Vernunft zurück. Vielleicht sieht man nun cm, batz 1 bas Märchen vom beutschen Ueberfall ganz gut war, um bie bis­herigen Rüstungen zu begründen, daß es aber nicht angeht, um eines erdichteten Schreckgespenstes willen dem Volk em Opfer auf- zulastcn, durch das es bis an die letzte Grenze seiner Kraft gebracht 1 wird Die 25 Regierungsjahre des Kaisers sind der beste Beweis I dafür datz Deutschland selbst an einen Ueberfall an Frankreich nicht im entferntesten denkt. Der Kaiser wird nicht die ununter­brochene, zweieinhalbjahrzehntc lange Periode friedlicher Regie- I tung durch ein Unternehmen krönen, das Umwälzungen zur Folge I haben mutzte, wie sie die Weltgeschichte bisher kaum gebracht haben dürste. Es hat niemanbjDqs Recht daran zu zweifeln, datz Deutsch- I land weiterhin Frieden will, wie es bisher Frieden gewollt unb gewahrt hat. Nicht Deutschland ist der Urheber des europai chen Rüstungsfiebers. Das wahre Schreckgespenst für den europäischen I Frieden steht auf der anderen Seite der Grenze.

Islam, Schutztruppe unb Eisenbahn in Deutsch-Ostafrika.

Der Eouvernementsrat von Deutsch-Ostafrika setzte am Dienstag di« Beratung des Etatsentwurfs für 1911 fort und nahm eine Entschlreßu g an in der der Gouverneur ersucht wird, auf die Wiederherstellung d Neisebeihilfen für Frauen und Kinder Gouvernementsangehoriger tn der früheren Höhe hinzuwirken. Superintendent Klamroth erörterte nochmals die Frage der Unterstützung der Missionsschulen durch die Regierung. Diese müßte in den Jnnenbezirken auf bie Reugrundung von Regierungsschulen verzichten, dagegen den Missionen für ihre | Schulen Beihilfen gewähren, wogegen der Regierung das Aufsichtsrecht über die Schulen zuftehen sollte. Pater Rohner unterstützte die Forde­rung mit einem Hinweis auf die angebliche Be gunst r g un g d e s Islams durch die Regieiungsfchulen. Der Gouverneur erklärte, daß auf eine Vermehrung der Regierungsschulen nicht zugunsten der Missionsschulen verzichtet werden könne. Er bestritt die Forderungl des Islams durch die Regierungsschulen und wies darauf hm, daß auch m manchen Gebieten mit rein heidnischer Bevölkerung die Sohne der Sul­tane und Häuptlinge nur für den Besuch der Regierungsschulen zu haben seien. Der Bereitstellung von Mitteln für den Neubau einer Emge- dorenenschule in Dar-es-Salam und einer Europaerschule mit SntStinSßilbeHnstal wurde zugestimmt, ebenso der Sinterungen Mitteln für die Beschaffung von Waffen und Munition für das rfret- williaenkorps. Hauptmann a. D. Lene und Pflanzer Feilke wiesen die im Reichstag erhobenen Angriffe auf die Schutztruppe mit großem Nachdruck zurück und bedauerten besonders die unbegründeten Angriffe auf den verstorbenen Oberstleutnant Johanne -.Der Gouverneur erkannte di- hohen Verdienste der Schutztruppe an und er­klärte, für das Gouvernement fei die Angelegenheit mit der Zurück­weisung der Angriffe durch den Staatssekretär im Reichstage erledigt Der Eouvernementsrat nahm schließlich ""e Entschließung an, tu bet er die parlamentarischen Angriffe auf die Schutztrupp bedaueri und mit Entrüstung zurückweift. In der folgenden mehrstündigen Eisen- bahndebatte beantragte Hauptmann a D. Leue daßder Bahnbau nach Arusha in kürzerer Zeit als tn den vorgesehenen drei Jahren durchgeführt werden sollte. Die Vertreter der Nordbezirke verlangten nachdrücklich die W e i t e r f ü h r u n g der Ufambarabahn zum Viktoriafee unb eine Bahn von diesem See nach Ruanda und lehnten die vorgeschlagene Bahn Tabora-Ruanda ab, weil dre^die Aussichten auf die Fortführung der Ufambarabahn herabmmdere^Det Pflanzer König trat für die Verlängerung der Ufambarabahn zum t wee ein weil diese Bahn weite Farmgebiete erschließe und die Arbeiter- zusuhr erleichtere. Der Pflanzer Feilke bezeichnete die Bahn Tabora- Ruanda als einen Einbruch in die Interessensphäre des Nordens. Der Gouverneur erwiderte, datz der Anschluß Ruandas an den We tverkehr zur Erfchließung des reichen Landes notwendig sei. Die vorgeschlagene Linie von Tabora nach dem Kageraknie sei nach dem Ergebnis der Er­kundungen die gegebene. Aus welchem Wege spater die deutsche Bahn «n den Viktoriasee geführt werde, sei eine besondere Frage, deren Er­ledigung nicht eile, da die durch den zeitweiligen Mangel an Betriebs­mitteln auf der englischen Ugandabahn eingetretene Verkehrsstockung für die deutschen Häfen am Viktoriafee neuerdings beseitigt sei. In Betracht käme eine Abzweigung von der Linie Tabora-Ruanda nach Muansa und die Fortsührung der Ufambarabahn. Die Grundlagen für das letztere Projekt sollten durch Erkundungen, wofür entfprechende Mit- tel angefordert sind, feftgefteßt werden.