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1913.
Erstes Blatt
Marburg
Dienstag, 24 Juni
Die „Oberhessische Zeitung- erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. — Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich buiit
Konstantinopek, 23. Juni. Die vom Kriegsgericht gefällten Todesurteile sind bisher vom Sultan nicht bestätigt worden.
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Deutsches Reich»
— Der Kaiser in Hamburg. Hamburg, 23. Juni. Der Kaiser ist nach 2% Uhr an den St. Pauli-Landungsbrücken eingetroffen, wo das Pfadfinderkorps Hansa aufgestellt war. Etwa 400 Knaben begrüßten den Kaiser mit lautem Hurrarufen. Nachdem der Kaiser von dem Leiter des Pfadfinderkorps den Rapport entgegengenommen hatte, begab er sich an Vord der „Hohcnzollern . Um 3 Uhr fuhr die „Hohenzollern" nach der Unter-Elbe, gefolgt vom Depeschenboot „Sleipner".
— Die Welfen zu dem Verzicht des Prinzen Ernst August. Hannover, 23. Juni. Frhr. v. Scheele-Schelenburg veröffentlicht in dem Hauptorgan der Deutsch-Hannoveraner, der „Deutschen Volkszeitung", folgende Erklärung: „In dem am 19. Juni zur Veröffentlichung gelangten Schreiben des Prinzen Ernst August, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, ist ein staatsrechtlicher Verzicht auf die hannoverschen Rechte des welfischen Fürstenhauses nicht enthalten. Es entfällt somit für die deutsch-hannoversche Partei jeder Grund zur Beunruhigung. Sie ist sich jedoch der Verpflichtung voll bewußt, welche eine etwaige Thronbesteigung des Prinzen in Braunschweig ihr auferlegen würde. Sie wird durchaus den Erwartungen entsprechen, welche der Herzog von Cumberland, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, in einem Briefe an das herzoglich braunschweigische Staatsministerium vom 15. Dezember 1906 zum Ausdruck brachte, in dem es die feste Zuversicht aussprach, daß die Hannoveraner alles unterlassen würden, was geeignet ist, die Stellung seines Sohnes als Herzog von Braunschweig zu erschwere n." — Die Welfen sehen und hören nicht, was sie nicht sehen und hören wollen.
— Die innere Kolonisation. Berlin, 23. Juni. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betr. die Bereitstellung von Staatsmitteln zur Förderung der Landeskultur und der inneren Kolonisation, __: ........
Koloniales.
□ Die neuen Berlustmeldungen ans Neu-Kamerun. Wie verlautet, werden die von französischen Kolonialblättern verbreiteten Berichte über ein neues verlustreiches Gefecht der deutschen Schutztruppe in Neu-Kamerun im Reichskolonialamt als eine Aufwärmung der Nachrichten angesehen, die vor etlichen Wochen über Zusammenstöße zwischen unsren Schutztruppen und den Eingeborenen in Neu-Kamerun, bei denen be< tanntlich ein deutscher Sergeant gefallen ist, hier einlangten. Von neuer Zusammenstößen und neuen Verlusten unsrer Schutztruppe ist an amtlicher Stelle nichts bekannt.
□ Tagung des Gouvernementsrates von Deutsch-Ostafrita. Dar-es« Salam, 23. Juni. Die Verhandlungen des Eouvernementsratcs began- nen gestern. Gouverneur Dr. Schnee hob die günstige Entwicklung der Plantagen- wie der Eingeborenenwirtschast hervor, die sich besonders in der bedeutenden Steigerung der Ausfuhrzahlen zeige. Im Norden sei mit Beihilfe des Gouvernements ein Viehzuchtverein gegründet worden. Durch die Wasiererfchliehung hoffe er Raum für weitere Viehfarmen am Meru zu gewinnen. Die Rinderpest herrsche noch in einigen Eingeborenenbezirken, werde aber erfolgreich durch Serumimpsung bekämpft. Der Gouverneur wies schließlich aus die Bedeutung der nächstjährigen Landesausstellung hin. Sodann wurde der Entwurf betreffend die Bildung eines Landesrates nach dem Muster Deutsch-Südwestasrikas mit der Maßgabe angenommen; daß neben 10 amtlich ernannten Mitgliedern, 15 von der Bevölkerung gewählte (statt 10 der Vorlage) treten und dreijährige statt zweijährige Wahlperioden eingesührt werden sollten. Der Antrag von Mitgliedern aus den Nordbezirken, dem Landesrat die Beschlußfasiung über den Etat, soweit eigene Einnahmen des Schutzgebietes vorhanden sind, zu geben, wurde nach eingehender Erörterung, in welcher der Gouverneur auf die Unmöglichkeit des Antrages gegenüber den Rechten der gesetzgebenden Körperschaften hinwies, zurückgezogen. Der Entwurf betreffend die Bildung eines Eifenbahnrats wurde angenommen. Bei Erörterung der Vorlage über weitergehenden Wildschutz wurden gegen bekannte europäische Jäger Beschuldigungen erhoben, deren Untersuchung der Gouverneur zusagte. Die Vorlag wurde dann unter Verschärfung der Bestimmungen zum Schutz des weiblichen Wildes und unter Beschränkung der Abschußzahl aus jagdbar« Tiere angenommen.
* *1Der Besuch des Deutschen Kaiser« in Gmunden und Ischl. Wien, 24. Juni. Nach den zwischen Berlin und Gmunden getroffenen Abmachungen erfolgt die Ankunft des Deutschen Kaisers in Begleitung des jungen Ehepaares in Gmunden zum Besuche des Herzogs am 15. August. Die Schwiegersöhne des Herzogs, Prinz Max von Vaden und Herzog von Mecklenburg-Schwerin werden ebenfalls eintreffen. Am 18. August, dem Geburtstage des Kaisers Franz Joseph, begibt sich der Kaiser nach Ischl.
* * Kaiserhuldigung im österreichischen Herrenhause. Wien, 23. Juni. Im Herrenhause richtete der Vizepräsident Fürst zu Fürstenberg eine Ansprache an das Haus, in der er u. a. sagte: „Der Herrscher des verbündeten, benachbarten Deutschen Reiches feierte vor wenigen Tagen, umjubelt vom Volke, die 25jährige Wiederkehr seiner segensreichen Regierung. Nicht nur im engeren Vaterlands wurde der Tag als Festtag freudig begangen, sondern in allen Weltteilen wurden begeisterte Wünsche ihm entgegengebracht. Eine Kundgebung leuchtet besonders hervor: Unser Kaiser bezeichnete es als Herzenswunsch, an diesem Gedenktage dem verbündeten und besreundeten Herrscher den Gruß seines Heeres und der Flotte zu entbieten. Reben der Wasfenbrüderschast ist es aber auch die politische Freundschaft, die zwischen beiden Herrschern ebensolange besteht, als die Regierungszeit des Deutschen Kaisers, die dank dem treuen Zusammenhalten der hohen Verbündeten uns den Frieden in allen, auch schweren Zeitläuften, bewahrte. Möge der Segen des Allmächtigen auch weiterhin auf dem Schaffen des Deutschen Kaisers ruhen und die innige Freundschaft der beiden Verbündeten weiterhin ein mächtiger und sicherer Friedenshort sein."
« * Wiederaufnahme der Vorlesungen in Wien. Wien, 23. Juni. Der Rektor der Universität gibt bekannt, daß die Vorlesungen morgen in vollem Umfange wieder ausgenommen werden.
— Internationaler Arbeiterschutz. B e r n, 23. Juni. Eine Anfrage des Bundesrates an die europäischen Staaten im Januar, wegen der Veranstaltung einer neuen Konferenz über internationalen Arbeiterschutz wurde von den meisten Regierungen zustimmend beantwortet. Demnach setzte der Bundesrat die Eröffnung der Konferenz auf den 15. Septembei fest und lud zur Teilnahme ein: Deutschland, Oesterreich-Ungarn Belgien Dänemark, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Luxemburg, Norwegen, die Niederlande, Portugal, Rußland und Schweden. Den Gegenstand der Verhandlungen bildet die industrielle Nachtarbeit Jugendlicher, der Zehnstundentag für die in der Industrie beschäftigten Frauen und Jugendlichen.
*• Flamen und Wallonen. Brüsiel, 23. Juni. Während eines Konzerts, das gestern abend auf der Weltausstellung in Gent von Pariser Künstlern und Künstlerinnen gegeben wurde, kam es zu Zusammenstößen zwischen Flamländern und Wallonen. Die Flamländer erhoben Einspruch dagegen, daß nur französisch gesungen wurde. Es gab eine Schlägerei.
«* Die Londoner Reise Poincares. Pans, 23. Ium. Präsident Poincare reiste heute mit dem Minister des Aeußern Pichon nach England Ministerpräsident Barthou übernimmt während der Abwesenheit Pichons interimistisch die Leitung des Ministeriums des Aeußern. Mehrere Blätter schreiben dem Londoner Besuch des Präsidenten eine besondere Bedeutung zu.
** Die revolutionäre Durchseuchung des französischen Heeres. Pans, 23 Juni In Verdun wurden fünf Soldaten des 4. Husarenregiments verhaftet, die im Verdacht stehen, zahlreiche revolutionäre Anschlagzettel an den Kasernentoren angeschlagen zu haben. Die Polizei fahndet nach einem Zivilisten, der der Pariser revolutionären Vereinigung angehort und von Nancy aus große Mengen solcher Anschlagszcttel nach den Garnisonen der Ostgrenze befördert haben soll.
»* Deutsche Pferdeankäufe in Frankreich. Paris, 23. Juni. Dee Matin" berichtet über ausgedehnte Pferdeankäufe, die Deutschland in der Bretagne vornimmt. Aus dem Bezirk Landivisian feien im ersten Vierteljahr 1913 über 200 beste Pferde mittleren Alters ausgefuhrt worden und daher die Preise von 800 Franken durchschnittlich bis 1500 gestiegen, auch in Paris will der Abgeordnete Villebois Mareuil einen Pferdetransport gesehen haben, dessen Führer angab, die Pferde seren für Deutschland bestimmt.
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Die Lage auf dem Balkan.
Ob es noch gelingen wird, den Ausbruch eines neuen Krieges auf der Balkanhalbinsel zu vermeiden, erscheint heute mehr als zweifelhaft. Aus Rom wird zwar gemeldet, es stehe ein Kollektivschritt Deutschlands, Italiens, Frankreichs und Englands bevor, durch den noch einmal energisch auf eine friedliche Erledigung der Veuteverteilung gedrungen werden solle, an Berliner amtlichen Stellen weiß man jedoch von einem solchen Schritte nichts. Wenn etwas noch den Krieg verhindern kann, so sind es Momente, die mit dem guten Willen und mit moralischen Erwägungen nichts zu tun haben, sondern einfach darauf beruhen, daß sowohl Bulgarien wie Serbien finanziell ziemlich außerstande sein dürften, einen neuen Krieg zu beginnen, der doch bei dem Verhältnis der beiderseitigen Kräfte geraume Zeit dauern könnte und von jedem der beiden Gegner die äußersten Anstrengungen fordern würde. Das militärische Uebergewicht, das an und für sich unzweifelhaft auf bulgarischer Seite zu suchen wäre, wird einerseits durch das Zusammenhalten von Serbien und Griechenland, andererseits durch das unsichere Verhältnis zu Rumänien wesentlich herabgemindert, wenn nicht ganz ausgeglichen. Es gilt für veraltet, auf politische Dinge moralische Maßstäbe anzuwenden. Aber es ist vielleicht doch gestattet, darauf hinzuweisen, daß der äußerlich so erfolgreiche Beutezug gegen die Türkei seinen Urhebern bisher recht wenig Glück und wenig wirklichen Gewinn gebracht hat. Geraten sie sich nun wirklich selber in die Haare, so ist das ein Krieg, dem das gesittete Europa an und für sich wirklich kühl bis ans Herz hinan gegenüberstehen könnte. Wirtschaftlich liegen die Dinge freilich etwas anders, und am politischen Himmel steigen wieder allerhand Wolken auf. Aber es ist sicherlich Aussicht vorhanden, daß be| neue Krieg im schlimmsten Fall zu lokalisieren wäre: ja die Aussicht ist jetzt erheblich größer, als sie es im vorigen Herbste war.
Die optimistische russische Regierung.
Paris, 23. Juni. Der Petersburger „Temps"-Korrespon- dent meldet: Da die russische Regierung festgestellt hat, daß keiner der Balkanstaaten das Schiedsgericht ablehnt, hat sie ihnen bekanntgegeben, daß sie sich freuen würde, von ihnen in einer Frist von vier Tagen einleitende Denkschriften zu erhalten, die eine erste Grundlage für die Vorbereitung des Schiedsspruches bilden könnten.
Petersburg, 24. Juni. An russischer offizieller Stelle wird mitgeteilt, daß in diesen Tagen Bulgarien den Ministerpräsidenten Dr. Danew nach Petersburg entsenden wird. Die übrigen Verbündeten hätten bereits ihre Zusage zum Besuch der Konferenz gemacht. Eine Konferenz im üblichen Sinne wird es allerdings nicht sein. Die Premierminister werden jeder einzeln mit Sasonow beraten und dann erklären, daß sie die Vermittelung Rußlands annehmen. Das russische Auswärtige Amt hofft auf einen ersprießlichen Ausgang.
I Die armenischen Reformen.
Konstantinopel, 23. Juni. Es verlautet, Frankreich I habe den Großmächten vorgeschlagen, das Reformwerk in Ar- I menten mit der Ernennung eines Kaiserlichen Oberkommiffars für I die sechs Wilajets Ostanatoliens zu beginnen. Hierüber sollen I gegenwärtige Verhandlungen zwischen den Kabinetten stattfinden.
Der Wedlbeittag in zweiter Kommissionsksung.
Die Vudgetkommission des Reichstages setzte gestern die zweite I Lesung des Wehrbeitrages fort. Einstimmig wurde ein Antrag I des Berichterstatters angenommen, wonach bei weniger als 100 000 I Mark Vermögen oder 10 000 Mark Einkommen für jedes dritte I und folgende minderjährige Kind eine Ermäßigung des Beitrages um fünf vom Hundert vorgesehen wird. Es folgte die wich- I tige Frage der
Schätzung von Grundstücken. I
Dazu lag ein Antrag Cothein vor, neben dem Ertragswert den Verkaufswert und die Pacht- und Mietpreise zu berücksichtigen. I Der Abg. Schiffer beantragte die Wiederherstellung des Fünfund- zwanzigfachen des Reinertrags, den die land- und forftwirtfchaft- I lichen Grundstücke nach ihrer wirtschaftlichen Bestimmung bei ord- I nungsmäßiger Bewirtschaftung mit entlohnten fremden Arbeits- I kräften nachhaltig gewähren rönnen, wobei neben dem Ertrag auch | die Verwertbarl.it eines Jagdrechtes zu berücksichtigen ist. Bei bebauten Grundstücken, die Wohnzwecken oder gewerblichen I Zwecken zu dienen bestimmt sind, gilt als Ertragswert das Fünf- I undzwanzigfache des Miet- oder Pachtertrages, der in den letzten drei Jahren im Durchschnitt erzielt worden ist. In allen Fallen kann der Beitragspflichtige verlangen, daß statt des Ertragswerts der gemeine Wert der Veranlagung zugrunde gelegt wird. Die Konservativen beantragten gegen den Antrag Schiffer die Bestätigung des Beschlusses erster Lesung mit dem Zwanzigfachen des Ertragswertes. Der nationalliberale Antragsteller erklärt seine Zustimmung zur Hereinziehung der gärtnerischen Betriebe. Die Abstimmung ergab mit großer Mehrheit die Einfügung der I Gärtnereien. Die Verwertbarkeit der Fischerei und der Jagd wurde gegen die Konservativen angenommen. Das Zwanzigfache I des Ertrages wurde gegen Konservative und Zentrum abgelehnt und auch bei städtischen Grundstücken wird das Fünfundzwanzigfache aufrecht erhalten. Mit der Einfügung einer vom Zentrum beantragten Bestimmung, daß Gebäude und Betriebsmittel besonders veranlagt werden sollen, wurde der so gestaltete Antrag Schiffer angenommen. Die Mehrheit setzte sich außer aus den Nationalliberalen aus Zentrum und dem größeren Teil der Mitglieder der Volkspartei zusammen.
Nach der Mittagpause ging die Kommission über zur |
Besteuerung des Einkommens.
Bekanntlich hatte die Regierung in ihrem Entwurf über den Wehrbeitrag das Einkgmmcn erst bei fünfzigtaufend Mark heranziehen wollen. Die Kommission hat in erster Lesung das Einkommen schon in den kleineren Höhen herangezogen und die ganze Besteuerung des Einkommens auf die Grundlage der Kapitalisierung zu fingierten Vermögen gestellt. Heute wurde nun nach Anträgen des Berichterstatters die Kapitalisierung beseitigt. Statt dessen wurde das Einkommen als solches unmittelbar mit einem nach seiner tatsächlichen Höhe gestaffelten Beitrag belegt. Die Staffelung besteht nach dem Antrag Westarp aus fünfzehn Stücken, die mit einem Einkommen bis zu zehntausend Mark beginnen und in dieser ersten Staffel mit einem vom Hundert des Einkommens besteuert werden; sie steigen allmählich auf 35 000 Mark mit je zwei Zehntel vorn Hundert, bei je weiteren fünftausend Mark des Einkornens und steigt dann bei den größeren Einkommen zunächst um je fünf Zehntel vom Hundert des Einkommens bis zu hunderttausend Mark, und weiteres mit je einem vom Hundert bis zu einer halben Million Einkommen auf acht vom Hundert als Höchstsatz.
Die Beratung wandte sich dann zurück zu den Vorschriften über die Wertermittelung. Bei den folgenden Vorschriften über das Verfahren wurde abweichend von der ersten Lesung beschloßen, demjenigen die Pflicht zur Angabe einer Vermögenserklärung aufzuerlegen, der ein Vermögen von mehr als 20 000 Mark oder bei mehr als 4000 Mark Einkommen ein Vermögen über 10 000 Mark hat. § 50 wurde mit der in der ersten Lesung beschlossenen
Entrichtung des W-hrbeitrages in drei Raten nufrechterhalten. Die erste soll drei Monate nach Zustellung des Veranlagungsbescheids, die zweite am 15. März 1915 und die dritte am 15. März 1916 fällig sein. Bei den S t r a f v o r sch r i f- t e n wurde die in § 55 in erster Lesung beschlossene Gefängnisstrafe beibehalten und die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte ausgemerzt, dafür aber die öffentliche Bekanntmachung des Urteils eingesetzt. Anstelle des in der ersten Lesung neu eingefügten § 66a, wonach der Ueberschuß über 990 Millionen Mark zur außerordentlichen Schuldentilgung zu verwenden ist, beantragt jetzt das Zentrum, die Einnahmen aus dem Wehrbeitrag ausschließlich zur Deckung der Kosten für die jetzige Verstärkung der Wehrmacht zu verwenden und wenn nach dem Voranschlag für 1915 die Einnahmen aus dem Wehrbeitrag die Ausgaben überschreiten, den Mehrertrag zur Kürzung des letzten Drittels des Wehrbeitrags bereit zu stellen. Der Antrag wurde angenommen. § 66, wonach das Wehrbeitragsgesetz infolge Beschluß der ersten Lesung auch auf die Schutzgebiete Anwendung finden soll, wurde in der zweiten Lesung gestrichen. Damit ist auch die zweite Lesugn des Wehrbeitragsgesetzes erledigt. Nächste Sitzung heute mit der Tagesordnung: 2. Lesung der Gesetzentwürfe betr. Deckung der fortdauernden Ausgaben.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage«